Vorläufer von EDE

Beitragsseiten

 

Hat Esperanto politische Wurzeln?

Gezeigt werden Herkünfte, Bedingungen und Voraussetzungen, die zur Gründung von E-D-E führten. Diese Geschichte beginnt noch vor den Weltkriegen hin zur Schaffung eines geeinten Europa und setzt sich bis in die Jetzt-Zeit fort.


Ist Esperanto politisch? Esperantofreunde wurden in der Geschichte manchmal angehalten, ihre Freizeitinteressen im Rahmen zu lassen. Allzuschnell störte die Idee die politisch Agierenden. Sicher ist es legitim, wenn Menschen das facettenreiche Esperanto als Hobby auffassen und das soll auch so bleiben. Vielen "Normalbürgern" ist nicht klar, welche Möglichkeiten der Völkerverständigung bestehen und wieviele reale Treffen selbst im Bereich der eigenen Region stattfinden. Es ist bei der Medienlage schwer zu vermitteln, daß Esperanto eigentlich für eine größere Breite in der Gesellschaft bereitsteht. Was bleibt dann anders als Amateur (im besten Sinn) zu sein? So sind auch jene Amateur-Menschentypen bei Esperanto stark vertreten. Die Breit-Gesellschaft kann somit großzügig darüber hinwegsehen und braucht nicht zuhören. Dabei fällt auf, wie einerseits die "richtige" Politik das Thema Esperanto immer wieder streift, bei Konfliktbewältigungsversuchen mit resultierenden Kriegs-und Friedensordnungen sowie das daraus entstandene Projekt Europa. Die frühe Herausbildung einer neutralen Sprache und deren Potential in Europa ist nicht etwa ein Ausdruck europäischer Weltherrschaftsideen sondern entspringt dem historischen Entwicklungsstand. Mit den Grundlagen der Sprache und etwa tausend Wortstämmen waren alle Menschen der Welt eingeladen, diese Sprache weiterzuentwickeln. Europa ist also nur Vorreiter. Hier besteht heute die Möglichkeit, eine Gesellschaft neben den Nationalgesellschaften auszubauen, eine kooperative europäische Gesellschaft. Das ist nicht gegen andere Völker der Welt gerichtet. Wir müssen hier in Europa unsere Hausaufgaben machen, nur so können wir Vorbild sein. Ähnliche Bünde sind auf anderen Erdteilen zu erwarten, ob z.B. in Mittel-/ Südamerika oder in Ostasien. Dort sieht man auch besonders interessiert auf uns. Es kommt immer auf den Betrachtungswinkel an. Damit ist bei offenem Blick auch die Vorgeschichte erkennbar, die zu Europa-Demokratie-Esperanto führte.

1887 L.L. Zamenhof

 


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Bearbeitung: St.Eitner 20190916

Plej bone estus, se anstataŭ diversaj grandaj kaj malgrandaj eŭropaj regnoj ni havus iam proporcie kaj geografie aranĝitajn "Unuigitajn Ŝtatojn de Eŭropo".

Am besten wäre, wenn wir einstmals anstelle verschiedener großer und kleiner europäischer Staaten im Verhältnis und geographisch eingerichtete "Vereinigte Staaten von Europa" hätten.
1915 Ludwig L. Zamenhof | Aufruf an die Diplomaten
Ludwig L. Zamenhof veröffentlichte 1887 die inzwischen längst benötigte Internationale Sprache Esperanto. Als weltweite Sprache ist sie auch für ein geeintes Europa sehr gut geeignet und es liegt nahe, sie hier angemessen zu nutzen. Das war auch für Zamenhof eine klare Sache.
Geschichte EDE-Vorläufer 1915 Ludwig L. Zamenhof 

 

Als die moderne Welt ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum ersten Weltkrieg durch die beschleunigte Industrialisierung große soziale Umbrüche erlebte, entstanden viele gesellschaftsreformerische Bewegungen. Denn die Lebensweise mußte sich ändern, um mit den neuen Gegebenheiten der Globalisierung zurechtzukommen. Manche der visionären Menschen sind vergessen. Doch auch heute noch bekannte Persönlichkeiten machten sich dabei verdient. Der Schriftsteller und Politiker Victor Hugo schrieb 1855 über künftige Vereinigte Staaten von Europa mit einer gemeinsamen Währung. Sebastian Kneipp, Friedrich Eduard Bilz und Karl August Lingner (Gesundheit, Hygiene) – Bertha von Suttner "Die Waffen nieder!" und Alfred Nobel (Friedensbewegung) – Johann Martin Schleyer und L.L. Zamenhof (weltweite neutrale Hochsprache) – bis hin zu Josef Zauner (Esperanto als Faktor für Vereinigte Staaten von Europa). Und es gab weitere noch heute moderne politische Strömungen, deren Grundlagen in dieser Zeit gelegt wurden. In der Gegenwart wird in den öffentlichen Gesellschaften leicht übersehen, daß Völkerverständigung mittels Esperanto ein Bestandteil dieses Aufbruchs ist. Gern werden in Biografien historischer Personen sogar die Esperanto-Bezüge weggelassen.


Frühe Ansätze - William Thomas Stead

 



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1899 Die Vereinigten Staaten von Europa vor Beginn des Friedensparlaments
1901 DIE AMERIKANISIERUNG DER WELT
1902 EINE INTERNATIONALE SPRACHE: IST DAS MÖGLICH?
DIE AMERIKANISIERUNG DER WELT (Reaktionen)
SPRACHEN LERNEN DURCH BRIEFE SCHREIBEN.
GESUCHT: EINE INTERNATIONALE SPRACHE! EIN PLÄDOYER FÜR DAS STUDIUM VON ESPERANTO.
Carnegies Idee - Der deutsche Kaiser als Begründer Europas?
KORRESPONDENZ PER PHONOGRAPH und mehr
1903 Europa ist jetzt reif für DIE KOMMENDE FÖDERATION.
1904 WAS WIR TUN KÖNNEN
Geschichte EDE-Vorläufer 1902 W.T.Stead

Verbindung gesucht: Die gemeinsame Sprache in dem geeinten Europa

Zu denen sich dem Gemeinsinn verpflichteten Menschen gehörte William Thomas Stead (1849-1912). Er formulierte relativ früh, was auch uns bei EDE bewegt und was für die Gesellschaften notwendig ist. Über viele bei ihm zusammenlaufende Interessen kam er auch zu Schlußfolgerungen, die er dann selbst als Journalist veröffentlichen konnte. Auf dieser Seite ist die allgemeine Geschichte der EDE-Vorläufer dargestellt. Da viele Informationen zu William Thomas Stead vorliegen, exisitert eine eigene Spezialseite. Sie wird bevorzugt aktualisiert. Hier dagegen die gestraffte Version mit "Stich-Kurzfassungen".
Geschichte EDE-Vorläufer 1902 W.T.Stead

1899 Die Vereinigten Staaten von Europa vor Beginn des Friedensparlaments
Von "Vereinigten Staaten von Europa" mag vereinzelt schon vor Stead gesprochen worden sein, volkstümlich verbreitet war der Begriff bei den europäischen Völkern noch lange nicht. Aus Anlaß der bevorstehenden Ersten Haager Friedenskonferenz, angeregt durch Zar Nikolaus II., unternahm Stead 1898 eine Europareise um sich einen Eindruck zur Lage zu verschaffen. Danach brachte er 1899 eine Schrift mit diesem Titel heraus:
The United States of Europe on the eve of the parliament of peace
(Die Vereinigten Staaten von Europa vor Beginn des Friedensparlaments)
Stead sah sich als Brite mit engen Verbindungen zur USA. Der Begriff der Vereinigten Staaten von Europa verwies in der Vorstellung auf die bereits exisiterenden USA. Von USE sollte nicht nur geträumt werden, jetzt wurde zu einem Parlament des Friedens geladen. Einige Bereiche wie Post und Telefonsystem waren längst international organisiert. Dagegen waren die Monarchien mit ihren engen Verwandtschaften wohl nicht mehr zeitgemäß. Doch würden sie wohl "nicht untergehen, bevor sie die Menschheit mit der Vorstellung einer internationalen Familiengruppe vertraut gemacht haben, die praktisch eine gemeinsame Sprache spricht, und in der Lage ist, sich von innen heraus zu verstehen". (S.17) Die monarchischen Staaten sahen sich als halb-weltbürgerliche europäische Familie und waren natürlich am Machterhalt interessiert.
Stead erkannte interessante Voraussetzungen im Bereich der internationalen europäischen Institutionen. .... Stead ging davon aus, daß das Prinzip dieser Büros (als Avantgarde-Kuriere fungierend) auf die USE angewendet werden wird. Bern sah er dabei als eine beginnende Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Europa. Am Beispiel der deutschen Geschichte war der Weg bereits gut zu erkennen. Nach dem Sturz Napoleons entstand ein Bund aus dem sich ein gemeinsames Parlament entwickelte. Übrigens trifft diese geopolitische Aufgabe auch auf die Sprachenfrage zu. Ein neues politisches Gebilde braucht immer auch eine möglichst neutrale Hochsprache. Doch für diese speziell auf Europa bezogene Idee war die Zeit wohl noch nicht ganz reif, auch Stead hatte gerade einen anderen Gedanken. "Wie lange wird es wohl noch dauern, fragte ich mich, als ich durch das Reichstagsgebäude wandelte, bis das vereinte Europa sein Parlamentsgebäude hat und bis die Föderation Europas einen Sitz und die ständige Vertreterversammlung einen Ort hat? Was Deutschland tat, kann Europa tun." (S.56)
Doch wo sah er den Platz Großbritanniens? Stead formulierte bereits 1880 seine Vorstellung von der englischen Außenpolitik mit der Frage, was die Mission Englands im Ausland ist. Das Europakonzert als Keim der Vereinigten Staaten von Europa sollte gegen isolierte Aktionen aufrechterhalten werden. Daneben sah er allerdings einen angelsächsischen Bund und damit doch eine (Sonder-)Rolle Großbritanniens vor. (S.60) .... Nun haben wir aber die EU. Und scheinbar immer noch die Probleme der Vergangenheit. Dabei sollte doch eine neue Friedensordnung errichtet werden. ....
Die Diplomaten bereiteten also ein Treffen vor, in dem die Rüstung begrenzt und reduziert werden soll. Der Status quo und ein Waffenstillstand müsse für eine Laufzeit von fünf oder zehn Jahren gelten. Die Form von Vermittlung und Schlichtung war anzusprechen. "Schlichtet immer, bevor ihr kämpft" war auch ein Gedanke von Stead. Die Streitparteien sollten sich verpflichten, keinen Krieg zu erklären, bevor sich nicht eine Vermittlung befreundeter Mächte genutzt haben. Ein internationales Abkommen aller Mächte war an der Zeit, denn viele Menschen hätten noch nicht begriffen, "dass der moderne Krieg etwas ganz anderes ist als alle Kriege, die seit Beginn der Welt gekämpft wurden". (M.de Bloch S.311) Zu jener Zeit wurde eingeschätzt, daß bei Einsatz der neuen Waffen mit ihrer Tödlichkeit und Zerstörungskraft "selbst ein Sieg nur der Auftakt zum Triumph des revolutionären Anarchismus" sei. ....
Die Schrift behandelte neben Europa die aktuelle Weltlage, welche damals noch stark durch die europäische Lage bestimmt wurde. Der Rasse-Begriff in Steads Texten kann nicht mehr zeitgemäß sein. Klar ist längst, daß die geografische Lage, die klimatischen Verhältnisse und Bodenschätze eine Grundlage für den Zivilisierungsgrad bilden. Statt angenommener besonderer Rasse-Vorzüge handelt es sich also um eine durch die Umstände gewachsene Kultur. All diese Ausführungen liegen schon eine Zeit zurück. Inzwischen zeigte die Geschichte, daß sie Platz für weitere Konflikte hat. Es scheint, als ob es den Gesellschaften leichter fällt, Weltkriege zu führen und Diktaturen mit Esperantoverboten zu erleben, als die Voraussetzungen für Frieden zu erkennen und dafür tätig zu sein. Heute ist längst nicht alles gut, z.B. wenn es um eine Einführung des Esperanto-Unterrichts in der EU geht, um ganz "nebenbei" etwas für eine friedlichere Welt zu tun. Monarchien sind nicht mehr zeitgemäß. Die Friedensinitiative von Zar Nikolaus II. hat historisch doch eine Bedeutung, ihr folgten internationale Institutionen. Trotzdem scheint dieses Handeln des Zaren in der Geschichtsschreibung unwichtig (siehe Wikipedia zu Nikolaus II.) zu sein. Vielleicht so unwichtig, wie man sich früher im Ostblock mit der Ermordung eben dieser Zarenfamilie auseinandersetzte. Kein Thema im Geschichtsunterricht.
Spezialseite 1899 Die Vereinigten Staaten von Europa vor Beginn des Friedensparlaments

1901 DIE AMERIKANISIERUNG DER WELT
1901 veröffentlichte William Thomas Stead sein Buch "Die Amerikanisierung der Welt".
Teil I: Die Vereinigten Staaten und das britische Imperium
Teil II: Der Rest der Welt
Teil III: Wie Amerika amerikanisiert (wird)
Teil IV: Die Zusammenfassung
Aus Steads Sicht war eine Vereinigung der englischsprachigen Staaten vielleicht nachvollziehbar. Schließlich entwickelte sich deren ehemalige britische Kolonie, die USA, schon wegen des gemäßigten Klimas zum einflußreichsten Staat. Doch die Welt ist größer, schon aus der Perspektive der anderen europäischen Mächte. Auch die anderen Atlantikanrainer wie zum Beispiel Frankreich, Spanien und Portugal nahmen weite Gebiete in Besitz. Nicht zu vergessen die Kolonisatoren im Osten. Diese anderen Mächte könnten ebenfalls auf das Recht eines jeweils eigenen Staatenverbundes ihrer Gebiete bestehen. Doch so ließe sich kein geeintes Europa errichten. Nicht zufällig kam später zeitlich die beginnende Einigung Europas mit der Unabhängigkeit der Kolonien zusammen. Am mächtigsten sträubt sich heute der englischsprachige Raum, Stichwort Brexit.
Recherchen sind noch nötig.
Spezialseite 1901 DIE AMERIKANISIERUNG DER WELT

1902 EINE INTERNATIONALE SPRACHE: IST DAS MÖGLICH?
Stead war gerade noch auf der Suche nach einer gemeinsamen Sprache der Weltbürger. Er wußte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, daß einige Jahre zuvor L.L. Zamenhof seine ersten Lehrbücher mit der Internationalen Sprache des Doktor Esperanto veröffentlichte. Damals verbreitete sich Wissen oft noch langsamer als heute gewohnt. Mit einem gewissen Zeitverzug erhielt Stead erst 1902 einen Hinweis auf die von ihm erwartete Sprache. Seit jenem Jahr (ab Oktober) war sie in seiner Zeitschrift "The Review of Reviews" mit Zusammenfassungen von Zeitschriftenbeiträgen ein wiederkehrendes Thema in Rubriken mit wechselnden Namen.
(creativecommons.org/publicdomain)
Das Jahr 1902 begann Stead darin unter dem Titel "The Progress of the World." mit folgenden Gedanken: Große Versprechen des alten Jahres sollten eingelöst werden. "Die rasante Entwicklung der drahtlosen Telegraphie, die eine der wichtigsten wissenschaftlichen Errungenschaften des alten Jahres darstellt, gipfelte im Dezember in der Bekanntmachung von Signor Marconi über die erfolgreiche Übertragung drahtloser Nachrichten ...." .... Wenn Romeo in London eine Julia auf ihrem Balkon in Konstantinopel ansprichen kann, dann wäre es "zweifellos eine Anregung für die Bewegung zugunsten einer universellen Sprache". .... Der Zusammenhang zwischen Sprache und Macht wird in mehreren Beiträgen der Zeitschrift deutlich. Da geht es zum Beispiel um einen Protest des Regierungsrats von Malta gegen eine vorgesehenen Regelung nicht nur wegen der Besteuerung sondern auch gegen eine Einführung der englischen Sprache im Bildungsbereich. (S.31) Ein Dr. Shaw (Progress of the World) stellt zur philippinischen Frage fest, "dass alles getan wird, um die englische Sprache auf jede erdenkliche Weise an die Front zu bringen". Diese Welthandelssprache würde sich verbreiten und Vorteile bringen. Die Philippinen sollten als ständiger Besitz gehalten werden. ".... vorläufig ist er jedoch mit dem philippinischen Zolltarif zufrieden". (S.67)
Unter der Rubrik SPRACHEN LERNEN DURCH BRIEFE SCHREIBEN. sollte eine internationale Verständigung über Briefkontakte ermöglicht werden. Institutionen wie Universitäten aber auch einzelne Korrespondenten wurden im Netzwerk zusammengefasst. ....
EINE INTERNATIONALE SPRACHE: IST DAS MÖGLICH?
"Ja, sagt M. Leon Bollack, nicht nur möglich, sondern höchst wünschenswert; .... Eine solche Sprache muss in Wort und Schrift beherrscht werden können." Nicht eine "universelle" Sprache, die die anderen verdrängen sollte, war gemeint. Nein, es ging um die Nutzung als Zweitsprache. "Jede Nation wird nach wie vor ihre eigene besondere Sprache behalten, angepasst an ihre eigenen Gewohnheiten des Denkens und Fühlens." Nach Bollacks Meinung brauchte die hier vorgeschlagene Sprache "nicht literarisch, sondern lediglich utilitaristisch sein." Er wollte sie in einem gewissen Sinn simpel haben und sah zwei Richtungen, so eine Sprache zu entwickeln. Unpraktikabel wäre, sie "aus dem Bestand der vorhandenen Sprachen" zu formen. Wenn er die diversen Regelungen in Grammatik oder Aussprache meint, ist das sicher nachvollziehbar. Er hatte vielleicht auch Vorbehalte gegenüber der Idee, man könne eine "künstliche" Sprache schaffen, schlug aber eine solche vor. Mit etwa zwanzig Buchstaben im Alphabet und einem Laut pro Buchstaben. "M. Bollack selbst ist der Schöpfer einer vermeintlich universellen Sprache - La Langue Bteue. In Paris gibt es bereits eine Gesellschaft, deren Ziel die Übernahme einer internationalen Sprachform ist." Hier war Esperanto also noch kein Thema, obwohl es bereits exisiterte. Das änderte sich bald. (S.241)
Spezialseite 1902 EINE INTERNATIONALE SPRACHE: IST DAS MÖGLICH?

DIE AMERIKANISIERUNG DER WELT
William Thomas Stead war ein so vielfältig denkender Mensch, daß es einzelnen Menschen schwerfiel und schwerfällt, seine innovativen Gedanken als Ganzes zu erfassen. Was war sein Ziel, als er 1901 in einem Buch die Amerikanisierung der Welt vorschlug? Es widerspricht doch dem Ansatz, ein geeintes Europa mit einer neutralen Sprache zu wünschen. Kann man diese beiden Weltsichten überhaupt in einem Menschen vorfinden? Alle Fragen können in diesem Abschnitt wohl nicht beantwortet werden. Ein tieferes Eindringen ist dafür noch nötig. Damit eine gewisse Linearität in den "Review of Reviews" bleibt, sind hier einige Reaktionen auf sein Buch aus den Monaten Februar bis Mai 1902 zusammengefaßt.
"Vorhersage über die bevorstehende Wiedervereinigung der englischsprachigen Welt". - "Bildung der Vereinigten Staaten der Welt sehr schlecht für die Welt" - "In der Tat kommt die Zeit, in der England eines Tages eine amerikanische Insel sein wird." - "Ein weiterer Schwachpunkt des Pamphlets ist, daß dem Rest der Welt, der kein Englisch spricht, viel zu wenig Bedeutung beigemessen wird und seine Widerstandskraft stark unterschätzt wird, ...." - "Die Amerikanisierung der Welt, so M. Finot, ist zweifellos das eloquenteste und vollständigste Plädoyer, das je zu diesem Thema erschienen ist.  .... "
Recherchen sind noch nötig. Sprachfragen sind Machtfragen. Welche Haltung hatte Stead nun tatsächlich zu einer Englisch-Amerikanischen Weltvorherrschaft? Wie nah steht er Winston Churchill, der ein geeintes Europa unter Ausschluß Großbritanniens wollte oder zu Boris Johnson, dem ein uneiniges zersplittertes Europa noch mehr entgegen kommt?
Spezialseite DIE AMERIKANISIERUNG DER WELT (Reaktionen)

SPRACHEN LERNEN DURCH BRIEFE SCHREIBEN.
Weitere Stimmen zur Stimmung der Zeit: DER PHONOGRAPH ALS LEHRER. .... Dr. Antonio R. Jurado, ehemaliger Bildungskommissar in Manila: "Die Amerikaner werden die Eingeborenen von ihren Posten vertreiben .... All dies wird getan, um die englische Sprache einzuführen. Dr. Jurado protestiert dagegen und argumentiert, dass der beste Dienst, den die Amerikaner für die Bildung auf den Inseln leisten könnten, darin bestünde, industrielle und technische Schulen zu eröffnen und die Grundschulbildung in Ruhe zu lassen." Im Mai 1902 erschien ein neues Wort bei "The Review of Reviews"! Stead wurde auf Esperanto aufmerksam (gemacht) und setzte sich ab diesem Moment damit auseinander.
VEREINHEITLICHUNG. DES SPRECHENS.
"Wer, außer unter Botschaftern und dergleichen, hatte damals das Bedürfnis nach einer gemeinsamen Sprache? - Was ist das machbare Schema? Sollen wir eine künstliche Zunge haben, wie Esperanto oder die langue bleue von M. Bolak, oder soll eine natürliche Sprache gewählt werden?
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"Zum Beispiel höre ich immer wieder, dass für den Sprachunterricht das phonetische System einer der Königswege zum raschen Erwerb einer neuen Sprache ist." - "Das ist zweifellos gut, aber ich verstehe es nicht und habe keine Zeit, Phonetik zu studieren". .... "
ESPERANTO.
"Die Phonetik war in meinen Gedanken präsent, als ich eine Abhandlung über Esperanto aufgriff. Darauf drängten mich zwei Freunde, die sich in letzter Zeit für die Studie begeistern, ...." - "Der polnische Erfinder des Esperanto, Dr. Zamenhof, hat daher solche Wörter gewählt, und er hat durchgehend nach diesem Prinzip gehandelt - nämlich, dass die Wörter, die am ähnlichsten waren, Teil seines Wortschatzes sein sollten." - "Mein alter Protest drängte sich in meinen Kopf: "Eine echte internationale Sprache kann nicht das Produkt eines einzigen Geistes sein; wenn alle akzeptieren sollen, müssen alle zu ihrer Bildung konsultiert werden."
EIN APPELL AN ENGLISCHE STUDENTEN.
"Gerade an diesem kritischen Punkt kam mir eine kleine Broschüre von M. le Dr. Coutourat, einem Professor der Universität Toulouse, in die Hände. .... er plädiert ernsthaft dafür, dass in allen Ländern alle Studenten diese Angelegenheit in Betracht ziehen werden. .... "
In der Frühzeit wurde gelegentlich von einer Kunstsprache gesprochen. Esperanto hat sich längst zu einer natürlichen Sprache entwickelt.
DeepL.com/Translator hat sich als gute Hilfe beim Übersetzen herausgestellt
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GESUCHT: EINE INTERNATIONALE SPRACHE! EIN PLÄDOYER FÜR DAS STUDIUM VON ESPERANTO.
(Topics of THE Month. Themen des Monats. III.) Oktoberausgabe
(creativecommons.org/publicdomain)
"Neulich wurde in Den Haag vor dem Internationalen Hohen Schiedsgerichtshof der erste internationale Streitfall, welcher im Rahmen der Haager Konvention verhandelt wurde, zur Verhandlung gebracht. Es handelte sich um eine Frage, die das der römisch-katholischen Kirche, deren Amtssprache Latein ist, überlassene Eigentum betraf. Die Verteilung dieses Eigentums war zwischen der Regierung von Washington, die Englisch spricht, und der Regierung von Mexiko, die Spanisch spricht, umstritten. Der Fall wird vor einem Gericht mit fünf Richtern verhandelt, von denen einer (der Präsident) Dänisch spricht, während zwei der anderen Richter Niederländisch, einer Englisch und der andere Russisch spricht.
Jede Seite erhält zudem einen Rechtsbeistand in der Person eines Belgiers, der Französisch spricht. Es ist ein Miniaturturm zu Babel. ....
Die rasche Zunahme des internationalen Verkehrs macht die Schaffung einer internationalen Sprache immer unentbehrlicher. ....
In jüngerer Zeit war Französisch praktisch die Universalsprache der Diplomatie. Erst in jüngster Zeit haben wir den Nutzen eines internationalen Mediums für den Gedankenaustausch verloren, und, was die Sache noch schlimmer macht, dieser Verlust ist gleichzeitig mit einer immensen Zunahme des Gefühls für seine Notwendigkeit eingetreten. Wir reisen mehr denn je. Die Vereinigten Staaten von Europa kommen schnell in Form; die internationalen Büros und Gesellschaften vervielfachen sich jedes Jahr; die Menschheit wird immer mehr zu einer Familie, und doch hat der menschliche Verstand noch keine Sprache entwickelt, deren Worte gemeinsame Gegenstücke des Austauschs zwischen allen zivilisierten Menschen sein werden. ....
Doch wer sich vorstellt, wie es einige zu tun scheinen, dass, weil die englische Sprache weit verbreitet ist und in den Vereinigten Staaten von Amerika und im gesamten Britischen Empire verstanden wird, es daher keiner weiteren gemeinsamen Sprache bedarf, der irrt sich gewaltig. .... Niemand schlägt vor, eine universelle Sprache zu schaffen. Jede Nation wird ihre eigene Sprache und ihre eigene Literatur behalten, aber es sollte ein allgemein anerkanntes Ausdrucksmittel geben, auf dessen Annahme sich die Menschen in allen Nationen einigen könnten. Natürlich besteht die Schwierigkeit darin, sie zur Zustimmung zu bewegen, und das liegt an der Hauptschwierigkeit, sie überhaupt zum Nachdenken über das Thema zu bewegen.
Dennoch gibt es Grund zu der Annahme, dass das Thema allmählich Aufmerksamkeit erregt. Radfahrer-Tourenclubs und die Einführung des Automobils stimulieren in hohem Maße die Nachfrage nach einer internationalen Sprache, und im übernächsten Jahr findet in London eine wichtige Konferenz statt, auf der nach ausführlicher Diskussion entschieden werden soll, welche Sprache als universelles internationales Kommunikationsmedium angenommen werden soll.
Worüber diese Konferenz entscheiden wird, ist derzeit natürlich fraglich. - Englisch oder Italienisch oder irgendeine andere Sprache als internationale Verkehrssprache anzunehmen, würde bedeuten, dem Land, dessen Sprache eine so einzigartige Vorrangstellung einnimmt, eine so einzigartige Vorrangstellung zu geben, dass es völlig ausreichen würde, die Ablehnung der Sprache durch andere Nationen zu veranlassen. - Wenn die englische Sprache so buchstabiert würde, wie sie ausgesprochen wird, in Übereinstimmung mit dem allgemeinen phonetischen Prinzip, das von anderen Nationen übernommen wurde, dann würden wir der Verbreitung unserer Sprache auf dem Kontinent einen immensen Impuls geben; aber gegenwärtig scheint es, dass wir nicht bereit sind, den Preis dafür zu zahlen.
Würden wir unsere Rechtschreibung radikal reformieren, könnten wir die Möglichkeit eines kühnen Versuchs diskutieren, unseren Nachbarn unsere Sprache als bestes Kommunikationsmittel unterzujubeln, aber solange die Rechtschreibreform noch nicht abgeschlossen ist, gilt: Je weniger wir über das Englische als Universalsprache sagen, desto besser. - eine Sprache, die sehr einfach und leicht zu erlernen ist, auf phonetischen Prinzipien beruht und in ihrer Grammatik möglichst wenig kompliziert ist.
Es ist etwa acht Jahre her, dass Graf Tolstoi seiner Überzeugung Ausdruck verlieh, dass die Annahme einer inoffiziellen einfachen internationalen Sprache die vernünftigste, seriöseste und praktikabelste aller Methoden zur Behandlung dieser Frage sei.
Das ist die Frage, die 1904 entschieden werden muss, aber in der Zwischenzeit kann das Thema nicht allzu breit diskutiert werden, - Als Nettoergebnis aller Mitteilungen gibt es keinen Zweifel daran, dass die als Esperanto bekannte artifizielle Sprache nun das Feld beherrscht. Ihre einzig mögliche Rivalin ist das modernisierte Latein. .... Volapük, der erste Ansatz in einer künstlichen Sprache, war schwierig und ist durch allgemeines Einvernehmen außer Gebrauch geraten.
Die Esperantisten in allen Ländern bilden eine Art Band von Brüdern, die durch den Besitz einer gemeinsamen Sprache vereint sind, ....
Zum Schluss möchte ich nur noch sagen, um sie zu ermutigen, dass in Esperanto jedes Wort genau so gelesen wird, wie es geschrieben ist. - Die Grammatik ist sehr einfach, und die Wörter sind alle nach wissenschaftlichen Prinzipien gebildet, leicht zu erfassen und anzuwenden."
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EIN PLÄDOYER FÜR DAS STUDIUM VON ESPERANTO.


EINE HILFSSPRACHE. "Aus der Ferne betrachtet mag ein internationales Hilfskommunikationsmittel unnötig oder absurd, ja sogar gefährlich erscheinen. Aber wenn man es genau betrachtet und genau untersucht, wird es, wie Esperanto, zu einer faszinierenden Beschäftigung, die in keiner Weise das Studium irgendeiner Landessprache behindert, sondern das Interesse an ihr stark steigert. Er eröffnet Aussichten, die nur vom nationalen Standpunkt aus richtig erforscht werden können."
DIE BEVORSTEHENDE KONFERENZ. "Die Ausgaben des Morgenländers für die zweite Septemberwoche enthielten viele Briefe von Interesse zu diesem Thema. Die Erklärung hat folgende Präambel:-
Eine internationale Hilfssprache ist nicht dazu bestimmt, im individuellen Leben eines jeden Volkes das nationale Idiom zu ersetzen, sondern sie soll als Medium für das Sprechen und Schreiben zwischen Personen dienen, deren Muttersprache eine andere ist. - Die Delegation schlägt vor, alle Verfechter einer solchen internationalen Sprache zu vereinen und so zu einer maßgeblichen und allgemein akzeptierten Lösung dieser Frage zu gelangen." - "M. Coutourat schreibt:- Man kann gut verstehen, dass viele Englisch als internationale Sprache bevorzugen würden, - aber - haben die Engländer keine Ahnung von den Schwierigkeiten, die ihre Sprache für Ausländer mit sich bringt. Es stimmt, die Grammatik ist einfach - sogar zu einfach, denn sie erlaubt Äquivogues - aber die große Schwierigkeit ist die Aussprache."
MOWBRAY HOUSE "AT HOMES" (MOWBRAY HAUS "ZU HAUSE") Herr und Frau Stead werden "zu Hause" sein für alle Freunde, Abonnenten, Helfer und Korrespondenten der "Review of Reviews", die jeden Freitag im Büro, Mowbray House, Norfolk Street, London, W.C., anrufen können. .... Diese Zusammenkünfte waren bisher sehr angenehm, informell, gesellig und kosmopolitisch. ....
MR. CARNEGIE AND THE FUTURE OF THE WORLD. (MR. CARNEGIE UND DIE ZUKUNFT DER WELT.)
Carnegies Idee - Der deutsche Kaiser als Begründer Europas?
Der US-Amerikanische Großindustrielle Andrew Carnegie war zu seiner Zeit eine geachtete Persönlichkeit. Zum Beispiel wurde die bekannte Carnegie Hall durch ihn finanziert. Die gesellschaftlichen Fragen waren für Ihn von Interesse. In einer illustrierte Beilage von "Review of Reviews" (Nr.17) vom 15. November 1902 wurde "MR. CARNEGIE UND DIE ZUKUNFT DER WELT." thematisiert. Dort sprach er über die "wirtschaftlichen Veränderungen, die in die relative Stellung und Macht der Nationen gekommen sind und kommen." Die materielle Vorherrschaft wurde "Großbritannien aus der Hand gerissen", aber "bleibt in der Familie". "Er besteht zunächst auf der entscheidenden Tatsache, dass die mächtigste Waffe zur Eroberung ausländischer Märkte ein profitabler Heimatmarkt ist." Der Binnenhandel sei viel stärker als der Außenhandel. Aus Carnegies Sicht sind amerikanische Arbeiter effizienter als die britischen. "Er befürchtet, dass dem britischen Volk Jahre schmerzhafter Lektionen bevorstehen, aber die Lektionen werden heilsam sein."
"Was, fragt Herr Carnegie, muss Europa tun, um seine Position zu verbessern? - freut sich über die Einrichtung des Haager Tribunals, dank der Initiative des aufgeklärten, friedliebenden Zars von Russland. - Es muss ein Bündnis zur Sicherung des internationalen Friedens geben, das der europäischen Föderation vorausgehen muss. Ein großer Mann, sagt Herr Carnegie, ist in Deutschland aufgestiegen - nämlich der Kaiser. Hier ist eine Persönlichkeit, eine Macht, mächtig für Gut und Böse in der Welt. Er ist nicht nur der Kaiser, sondern er ist "die vitale Kraft des Reiches", sagt Herr Carnegie. Herr Carnegie fragt sich, ob der Kaiser nicht inspiriert werden könnte, sich dem weiteren Ausbau der deutschen Verfassung zu widmen. Alles, was Deutschland durch die Konsolidierung zu einem Kaiserreich gewonnen hat, würde Europa gewinnen, und noch mehr durch den Zusammenschluss zu einem Reich."
"Eine Kombination der deutschen und amerikanischen Verfassungen scheint nicht unwahrscheinlich zu sein. - Die zuversichtlichsten Vorhersagen in Bezug auf die Vorteile und kommenden Triumphe der Vereinigten Staaten in Industrie und Handel sind nach dem ruhigen Urteil von Herrn Carnegie wahrscheinlich dazu bestimmt, übertroffen zu werden. Daher geht er davon aus, dass Kontinentaleuropa endlich gezwungen sein wird, wenn nicht gar föderalisiert, Mittel zur Sicherung des Friedens untereinander zu ergreifen, die zu einer Art Föderation unter Freihandel führen würden."
"Da kommt die letzte Frage von allen, nämlich: Wie wird die Position des Britischen Empire aussehen, wenn ein föderales Europa einem föderierten Amerika gegenübersteht? Herr Carnegie sagt: -
Es stellt sich die Frage, was Großbritannien tun würde, wenn es Kontinentaleuropa von inneren Gefahren befreien und unter Freihandel den unentbehrlichen Heimatmarkt besäße und schließlich zu einer Zollverein- oder Großmacht zusammengeschlossen würde.
Würde es ein kleiner separater Inselstaat von fünfundvierzig oder fünfzig Millionen bleiben, gegen die Hunderten von Millionen auf dem Kontinent?
Oder würde es, wenn es dazu eingeladen würde, Mitglied der europäischen Vereinigung werden ...."
S.570 "Der bemerkenswerte und gewagte Vorschlag von Herrn Carnegie an den Kaiser hat natürlich sowohl in der Alten als auch in der Neuen Welt Aufmerksamkeit erregt."
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(Lustige Blätter) "Voila une idée!" Carnegie: "Bin ich mit Berlin verbunden? Ja? Hier ist Carnegie. Es ist mir gerade noch einmal eingefallen: die Vereinigten Staaten von Europa, - der Friede der Welt, - die totale Abrüstung, - die Unterdrückung von Trusts usw. Wie soll das gehen?"
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In den Leitartikeln (Leading Articles in the Reviews.) der Dezember-Ausgabe bringt Stead eine englisch-französische Union als Grundlage eines zu schaffenden geeinten Europas ins Spiel. "M. Finots Artikel, in denen er sich für dieses Schema ausspricht, werden in La Revue am 1. und 15. November veröffentlicht. Dass wir uns mit jemandem vereinen müssen, sieht M. Finot deutlich; aber er glaubt nicht, dass die Vereinigten Staaten unsere natürliche Hoffnung und Zuflucht sind. Das ist in einem Bündnis mit Frankreich zu suchen, einem Bündnis, das zunächst durch einen Vertrag über ein obligatorisches Schiedsverfahren und schließlich durch eine engere Union gekennzeichnet ist, die zur Bildung eines Nukleus für die Vereinigten Staaten von Europa und der Welt führen wird." M. Finot bezeichnet die Feindschaft zwischen Frankreich und England als Mythos. "Aber da die Vereinigten Staaten von Europa gerade jetzt nicht praktikabel sind, müssen wir uns damit zufrieden geben, eine Union zwischen den einflussreichsten europäischen Staaten zu schaffen. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet wäre eine anglo-französische Union der Vorläufer des Friedens und eine Garantie für Sicherheit. Bevor man versucht, eine Europäische Union zu verwirklichen, ist es notwendig, mit der Gruppierung der Teilstaaten zu beginnen. Die anglo-französische Union wäre lediglich der Ausgangspunkt."
ESPERANTO: EINE INTERNATIONALE HILFSSPRACHE. (SPRACHEN LERNEN DURCH BRIEFE SCHREIBEN) Wie wird das Erlernen einer Fremdsprache anschaulicher? "Die umstrittene Frage lautet: Sollten die Professoren Zeitschriften und Zeitungen als Vehikel benutzen, um die von den Behörden geforderten Angaben zu machen?" Natürlich wären sie eine Hilfe.
KORRESPONDENZ PER PHONOGRAPH.
"Vor einiger Zeit bat ein junger Ire, der gerade im Land lebt, um Korrespondenz mit einem Franzosen, beide zum Austausch von Walzen für Phonographen. Der folgende Brief des französischen Partners stammt aus Quatre Langues. .... "
BERICHT AUS LEIPZIG. "Professor Martin Hartmann hat soeben seine Mittheilungen der Deutschen Zentralstelle für Int. Briefwechsel herausgegeben ...." und er bemerkt unter anderem: "Englische Schüler, die Deutsch lernen, sind weniger als Deutsche, die Englisch lernen."
ESPERANTO: EINE INTERNATIONALE HILFSSPRACHE. Gründung der ersten Esperanto-Gesellschaft in England
"ICH KANN die Gründung der ersten Esperanto-Gesellschaft in England ankündigen. Dies fand am Freitag, dem 7. November, in Keighley in Yorkshire statt, ein passender Ort, da die Handelskammer von Keighley die erste in England war, die sich der Delegation für die Förderung einer internationalen Hilfssprache anschloss. Bei der Eröffnungssitzung wurde Dr. Zamenhof zum Ehrenpräsidenten und J. Rhodes zum Präsidenten gewählt; Herr Beavers, der Präsident der Handelskammer, ist zusammen mit anderen Persönlichkeiten Vizepräsident, und die bereits dreiundvierzig Mitglieder sind eingeschrieben." ....
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1903 Europa ist jetzt reif für DIE KOMMENDE FÖDERATION.
DAS MOWBRAYHAUS FREITAGS ZU HAUSE "DAS im Oktober begonnene Experiment, Freunde, Helfer, Korrespondenten sowie ausländische und koloniale Abonnenten einzuladen, Herrn und Frau Stead jeden Freitagnachmittag von vier bis sechs Uhr zum Tee in Mowbray House zu treffen, ist glänzend gelungen. ....
Interessant sind auch Artikel über die geopolitische Lage. Themen sind: "DEUTSCHLANDOPHOBIE" oder "IST ENGLAND IN KRIEGSGEFAHR?". Die Realität zeigt(e) ein uneiniges Europa.
ESPERANTO: DIE INTERNATIONALE HILFSSPRACHE. "DIE Geschichte der Geburt und Entwicklung dieser teilweise künstlichen Sprache ist die Romantik selbst. Ihr Schöpfer, Dr. Zamenhof, hat selbst die Einzelheiten fast vergessen, aber die Bestandteile sind diese. Er wurde vor fast fünfzig Jahren in Bialystock geboren, einer Stadt im polnischen Russland, deren Einwohner in verschiedenen Branchen tätig waren und verschiedenen Nationalitäten angehörten. .... Er kam zu dem Schluss, dass ihre Missverständnisse oft durch den Mangel an einer gemeinsamen Sprache verursacht wurden; und so kam es, dass der Traum seines Lebens darin bestand, diesen Mangel zu beheben. Von Anfang an war er davon überzeugt, dass es sich um eine neutrale Sprache handeln müsse, denn sonst würden sich die Streitigkeiten nur noch verschärfen. .... 1878 war die Sprache in seinen Gedanken mehr oder weniger vollständig, und jetzt spricht er frei darüber mit seinen Gefährten, von denen einige auch zu Enthusiasten werden, und sie verfassen Verse in der neuen Sprache über den Anbruch der gegenseitigen Liebe zwischen den Nationen. .... In der Zwischenzeit machte er seinen Abschluss als Doktor der Medizin, und gerade als er zu begreifen begann, dass der Moment gekommen war, der Welt das Geschenk zu machen, das er für sie bereit hielt, hörte er von Volapük und legte, damals wie heute bescheiden, seine eigene Erfindung beiseite. Aber ich habe keinen Platz, um von seinen Kämpfen und Schwierigkeiten zu erzählen, wie lange es dauerte, bis er genug Geld verdiente, um seinen ersten Bericht zu drucken, und wie er schließlich, wie er selbst sagt, "den Rubikon überquerte" und 1887 sein erstes esperanto-polnisches Werk veröffentlichte."
DIE PENNY-"ÜBUNGS"-FLUGBLÄTTER. wurden nachgefragt und schnell verteilt. Darunter die Ausspracheregeln. "Jeder Buchstabe wird ausgesprochen und hat immer den gleichen Klang - tatsächlich ist die Sprache vollständig phonetisch."
FREITAG "ZU HAUSE" IN MOWBRAY HOUSE. .... Ergebnis war eine Überfüllung der Esperanto-Klassen am darauf folgenden Montag. Am 23.01. wurde das Thema Internationale Union behandelt. Der Jahrestag der Haager Konferenz am 8. Mai war Anlaß.
Geopolitische Themen waren u.a. DIE DOKTRIN VON 1903. (USA zu europäischen Einmischungen), SPANIEN UND DIE EUROPÄISCHEN ALLIANZEN. (Verlust der Kolonien aber wirtschaftlicher Aufstieg im Inland) und EIN FRANZÖSISCH-SPANISCHES BÜNDNIS..
ESPERANTO. Ein altes Phänomen. Unsere Medien, ob damals ob heute, haben eine relativ enge Sicht aus einer gewissen Mitte der Gesellschaft heraus. So ist in der Geschichte an den Medien-Machern so manche "Grüne Stern-Stunde" unbemerkt vorbeigegangen. "WENN nur ein Reporter im Mowbray House am letzten Januar (19.) anwesend gewesen wäre, hätte er mitreißend über die stattgefundenen Treffen oder eine Reihe von Treffen berichtet. Es war eine Ausschuß-Sitzung der neu gegründeten Londoner Gesellschaft angekündigt worden, auf die einige Gratisstunden von Herrn O'Connor und M. Motteau folgen sollten." Neben den Mitgliedern kamen statt der erwarteten zehn ungefähr siebzig Studenten. Ergebnis waren überfüllte Räume. "Wahrscheinlich dank der freundlichen Mitteilung in der Daily Mail, kamen sie aus allen Teilen Londons - aus dem äußersten Norden, dem äußersten Süden, dem Osten und Westen."
DAFÜR UND DAGEGEN. Natürlich existiert die Esperantokritik (spätestens) seit dem Moment des Erscheinens von Esperanto. "Wie üblich waren die Zeitungskommentare unterhaltsam gegensätzlich. .... "
GESELLSCHAFTEN. An dieser Meldung zeigt sich, wie ernst es W. T. Stead mit Esperanto war und wie konsequent er handelte. "Die Londoner Gesellschaft wurde am 12. Januar dieses Jahres ordnungsgemäß gegründet. Ihr Präsident ist Felix Moscheles; Schatzmeister, W. T. Stead; Sekretär, E. A. Lawrence. Die Briefe sind vorläufig an Mowbray House, Norfolk Street, Strand, zu richten."
EIN BRIEF AUS BOURNEMOUTH Neuerungen haben es oft schwer. Gerade, wenn die Mächtigen ihre alten Normen verteidigen. Seien es ihre Sprache oder ihre Maße und Gewichte. ".... Ich arbeite auch hart für das "Metrische System", und es wird kommen. ...."
AUSZUG AUS DEM STOCKHOLMER BRIEF. Natürlich gibt es Esperantisten auch in den englischsprachigen Ländern. Dort ist es eine besondere Herausforderung, sich für eine gerechtere Verständigung auszusprechen. Hier ein Brief aus Stockholm. Der esperantosprachige Text wurde übrigens mit den korrekten Zeichen gedruckt (zumindest das Ĉĉ). ....
Sie fragen mich, ob ich Ihnen zu Ihren Fortschritten gratulieren soll. Ja, ganz bestimmt! Alle Fortschritte in den englischsprachigen Ländern sind ein starkes Kampfargument gegen die Skeptiker. ...."
EIN WEITERER EINWAND. Wie jede Sprache wird auch Esperanto gepflegt. Dies tun ganz natürlich ihre Nutzer, begleitet durch Institutionen. "- was gebraucht wird und wofür man sich arrangiert, ist ein großes internationales Gremium, das sich aus Politikern und Pädagogen aller Länder zusammensetzt, das, wenn es zu bestimmten Zeiten zusammenkommt, über das Wörterbuch der Sprache und die Aufnahme neuer Wörter entscheidet, - und das, ergänzt durch den Gebrauch des Phonographen, der über die Aussprache entscheidet, eifersüchtig über die Reinheit des ihnen auferlegten Auftrags wachen und die Einheitlichkeit gewährleisten würde."
The Game of Grab. "Schnapp-Spiel." In den jungen USA wollte man eine Unabhängigkeit von Europa erreichen. Die Monroe-Doktrin formulierte eine Existenz zweier politischer Sphären. Also auf der einen Seite die USA und auf der anderen Seite die europäischen Mächte, die sich nicht mehr mit ihrer Kolonialpolitik einmischen sollten. Inzwischen hat sie die Welt aber verändert und heute (2020) geht es eher um die Frage, wie weit die USA Einfluß auf andere Staaten, darunter Europa nehmen dürften.
(creativecommons.org/publicdomain)
"Uncle Sam (an die europäischen Mächte): "Schnappen Sie sich alles, was Sie zum Seufzen bringt, Gentlemen, aber treten Sie mir nicht auf die Füße."
ESPERANTO UND DIE BLINDEN. "Ich gebe Ihnen hier den Brief von Herrn Thilander, den ich im vergangenen Monat erwähnte. ...." "Deshalb war ich sehr froh, von "Volapük" zu hören. Ich begann, diese Sprache zu studieren, aber sie wurde sehr bald abgelehnt; ich hatte keine Zeit, mich mit einer Sprache zu beschäftigen, die ziemlich künstlich und ohne wirklichen Grund war. Ich studierte die französische und die lateinische Sprache, aber sie waren für die Blinden insgesamt zu schwierig. Dann erzählte mir jemand von der internationalen Sprache "Esperanto". Ich dachte, es handele sich um ein neues "Volapük", aber ich nahm davon keine Notiz, bis mir ein Freund ein Exemplar des Esperanto-Schwedisch-Wörterbuchs in Brailleschrift schickte und mich bat, es mir anzusehen. -" 
NACHRICHTEN IN KÜRZE. ESPERANTO UND HANDEL. Ein neuer Faktor in der Föderation der Welt. Tiffany Blake veröffentlichte in der Chicago Evening Post einen Artikel über das Handbuch für Esperanto von Herrn J. C. O'Connor. Blake nennt u.a. die Vorteile für den Handel. " .... Es ist sogar denkbar, dass Esperanto auf der Flut einer anglo-amerikanischen Modeerscheinung zum Welterfolg gelangt." Am Ende versprechen sich die Händler vielleicht doch mehr davon, wenn alles bleibt wie es ist. Auch heute scheint es, als müsse jede Neuerung aus den USA kommen, um hier wahrgenommen und nachgeahmt zu werden. Der Anteil europäischer Esperantisten ist zwar hoch, aber das sieht die breite Öffentlichkeit kaum. Doch wie soll sich Europa weiterentwickeln (und die Welt), wenn es sich die nötigen Impulse nicht selbst gibt? Amerikanische Händler sind nicht nur Händler sondern eben auch Amerikaner.
Esperanto: Die internationale Schlüsselsprache. ZWEI EINWÄNDE GEGEN ESPERANTO. "Es wurde mehrfach festgestellt, dass Esperanto fehlerhaft ist, weil es für eine Schreibmaschine schwierig zu schreiben und unmöglich zu telegraphieren ist. Natürlich bezieht sich der Einwand vom Schreibmaschinenstandpunkt aus auf die Akzente, aber da die Hammond Typewriter Company ein spezielles Esperanto-Schiffchen mit einem vollständigen Satz von sowohl Englisch- als auch Esperanto-Kursen auf den Markt gebracht hat, können die akzentuierten Buchstaben zusammen mit dem Akzent auf einen Schlag in einer bewundernswert klaren Schrift geschrieben werden: damit ist ein weiterer der Einwände gegen Esperanto aus dem Weg geräumt. Was die telegraphischen Mitteilungen betrifft, so sind in letzter Zeit mehrere eingegangen. .... Die Musiker erkennen jetzt, dass Esperanto ein gutes Medium für Gesang ist. Dr. Zamenhofs "La Vojo", vertont von R. Deshays, ist aus Paris erhältlich ...." Da Esperanto weiterhin eher vernachlässigt wird, folgen die technischen Anpassungen etwas verzögert. Doch längst sind die frühen Schwierigkeiten bei der Zeichen-Darstellung an PC und den üblichen Geräten überwunden. Und wer möchte, kann sich heute Esperanto-Musik mit geringem Aufwand besorgen.
ESPERANTISTEN IN LONDON. planten ab Herbst eine Esperanto-Zeitschrift für die englischsprachigen Völker.
ESPERANTISTEN IN HAVRE. Bei einem Treffen in Havre wurde Esperanto gelebt. "Esperanto war die verwendete Sprache, und es war seltsam zu hören, wie Engländer, Franzosen und andere bei diesen Zusammenkünften jedes Thema unter der Sonne diskutierten."
ESPERANTO UND PATRIOTISMUS. "Die schlimmste Bemerkung ist natürlich das Schweigen, .... und in diesem Schweigen verharrt die Gesamtheit der Bildungszeitschriften; damit zeigt sich ein Kontrast zu Frankreich, in dem die Sprachprofessoren die Hauptprofessoren sind. In England wird als Begründung angeführt, dass die Lehrer patriotisch sein müssen, und dass die internationale Sprache der Zukunft Englisch sein muss. Aber der Französischlehrer ist auch patriotisch .... aber da er voraussieht, dass früher oder später eine Schlüsselsprache kommen wird, handelt er weiser als wir ...."
DIE NEUE ZEITSCHRIFT. Esperanto-Journale entstanden. "Die Lingva Internacia und die LEsperantiste sind von unschätzbarem Wert, aber es ist mehr vonnöten, .... Die erste Ausgabe wird im Oktober erscheinen, und das vorgeschlagene Abonnement beträgt 3s. pro Jahr. Die Zeitschrift wird wahrscheinlich Esperanto heißen."
ANMERKUNGEN. "Letzten Monat haben wir auf die Tatsache hingewiesen, dass die Hammond-Schreibmaschinen an Esperanto angepasst wurden. Wir freuen uns zu hören, dass sowohl die Remington- als auch die Yost-Maschinen in ähnlicher Weise angepasst worden sind."
Eine Chance für Esperanto. Für Österreich-Ungarn wäre Esperanto interessant. Konflikte ließen sich besser lösen. ".... Kann nicht irgendein genialer Mensch dem Kaiser und den Ungarn vorschlagen, dass der einfachste Ausweg die Annahme von Esperanto sei? ....."
Esperanto: Die internationale Schlüsselsprache. "Es ist jetzt erst ein Jahr her, dass wir den ersten Bericht über Esperanto in der Zeitschrift "Review" veröffentlicht haben, -
FORTSCHRITTE IM AUSLAND. "Vor zwei Jahren zählten die ausländischen esperantistischen Gruppen neun, heute sind es mehr als hundert. -
HALTUNG DER ENGLISCHLEHRER. "Aus irgendeinem Grund hat die Bildungspresse bis zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Artikels merkwürdigerweise ein strenges Schweigen bewahrt. In anderen Ländern waren es die Lehrer, die die Bewegung ins Leben gerufen haben. Hier ist es genau das Gegenteil. .... Zwei einzelne Lehrer haben mir gesagt, dass sie Esperanto um des Gewissens willen ignorieren. Sie sind sicher, dass Englisch die Weltsprache sein wird, und sie wagen es nicht, das zu verhindern, .... Aber Esperanto ist nicht als Weltsprache gedacht, ...."
ANMERKUNGEN. / DIE NEUE ZEITSCHRIFT. Jetzt war die Zeit reif für eine britische Esperanto-Zeitschrift. "Die erste Nummer des Esperantisten wird etwa am 24. Oktober erscheinen." Esperanto- und Englischversion standen sich gegenüber. Eine kleine Zusammenfassung der Grammatik gehörte dazu, verschiedene Themen wurden angesprochen, auch Dr. Zamenhofs Hymne "Espero" war abgedruckt.
DIE VEREINIGTEN STAATEN VON EUROPA.
In der Geschichte scheint manchmal ein Ziel sehr nah, doch oft kommt etwas dazwischen. Zum Beispiel zwei Weltkriege. "Angesichts der Führungen der Monarchen, der Parlamentarier und der Schiedsverträge sah die Sache der internationalen Union nie so rosig aus wie heute. .... Mrs. Emily Crawford verkündet es laut in der Dezemberausgabe der Fortnightly Review. Mrs. Crawford erklärt, dass Europa jetzt reif für eine Föderation sei, und sie deutet an, dass es ohne den Krieg von 1870 schon früher verwirklicht worden wäre."
DIE INTERNATIONALISIERUNG DES DENKENS. "Europa, so Frau Crawford, ist nicht halb so gespalten wie seine Staatsmänner:- Das europäische Bürgertum ist vereint im wissenschaftlichen Wissen und im Glauben. .... Die Europäer werden immer kosmopolitischer; - Der Eisenbahnverkehr leidet unter den Staatsgrenzen, und die Aktionäre wären froh, wenn sie ausgelöscht würden. Die Belastung durch riesige Armeen und Marinen wird für alle Klassen unerträglich. ...."
DIE KOMMENDE FÖDERATION. "Meine Prognose für Europa lautet Föderation. .... Europa ist offenkundig dabei, sein Gleichgewicht wiederzufinden. .... Die Franzosen beginnen das Gefühl zu haben, dass sie zu gut für die raue Kolonialarbeit der Welt sind .... Die Amerikaner sollten sich nicht vorstellen, dass die Europäer ihre Untermenschen sind. Die Nationen der alten Welt sind gefesselt .... von der Uneinigkeit unter den europäischen Völkern, die große Armeen erforderlich macht. .... Die Emanzipation Europas vom militärischen Inkubus würde sein Genie befreien, ihm Flügel verleihen und es in ungeahnte Höhen schweben lassen. .... Nobel, dessen Friedenspreise die Bemühungen von Fréderic Passy und Ducommun belohnt haben, war ein Schwede. Er freute sich auf ein föderales Europa, hoffte aber nie darauf, es zu sehen. ...." Und wie so oft kann aus heutiger Sicht manche Aussage der Gesamttextes nicht mehr bestehen. Deutlich wird aber der Wunsch, eine bessere Welt zu erleben. Dies geht nicht ohne eigenes Handeln.
Esperanto: Die internationale Schlüsselsprache. Der Nutzen für Blinde ist erkennbar. Braille-Literatur ist teuer in der Herstellung. Weltweiter Gebrauch wird über Esperanto beherrschbar. "Letzten Monat beharrte La Lumo darauf, dass Großbuchstaben am Anfang eines Satzes lästig seien; ...." Interessant, daß sich diese kanadische Zeitschrift -la lumo.-, also -Das Licht- nannte.
BESUCHE. Im Artikel werden Esperantoregeln besprochen. Wie man ordnend mit Sprachfragen umgeht, sollte auf Kongressen behandelt werden. "Für diese und all diese Fragen wird darauf hingewiesen, dass es kaum möglich wäre, dass Privatpersonen oder Regierungen autoritativ entscheiden. Es muss notwendigerweise einen internationalen Kongress geben, wie z.B. den Kongress der Elektriker, der 1881 über bestimmte strittige Themen autoritativ entscheidet. Ein solcher Kongress, der angemessene Vertreter aller europäischen Nationalitäten versammelt, wäre in der Lage, nicht nur über das Thema einer Hilfssprache zu entscheiden, sondern von Zeit zu Zeit auch Streitpunkte zu schlichten. Volapük scheiterte nicht nur an inhärenten Mängeln, sondern vor allem an den unterschiedlichen Bedürfnissen der verschiedenen Länder. ...." In historisch kurzer Zeit wurde dies Realität.
EINE UNIVERSELLE SPRACHE. Hier wird ein französisches Buch vorgestellt, daß sich mit dem langen Weg hin zur praktikablen internationalen Sprache Esperanto beschäftigt.
Spezialseite 1903 Europa ist jetzt reif für DIE KOMMENDE FÖDERATION.

1904 the omnipotent kaiser. (der allmächtige Kaiser.)
Die Zeitschrift "The Review of Reviews" liegt in Archiven wohl oft als gebundene Halbjahresausgabe vor. Sicher auch irgendwo die Ausgabe von Anfang 1904. Im Netz fehlen manche Ausgaben. Doch hier steht vor allem ein groberer Überblick im Vordergrund, als Anregung für eigene Recherchen. Dazu gehört u.a. die Sicht auf die politische Situation in europäischen Staaten. "Die Zeitgenössische Zeitschrift für Juli enthält unter dem Titel "Persönliche Regierung in Deutschland" eine interessante Analyse des Wachstums der kaiserlichen Autorität in allen Abteilungen des nationalen Lebens. Der Kaiser, sagt der Schriftsteller, ist der einzige wirkliche Alleinherrscher in der Wüste:- .... sein Wille zu regieren ist stärker oder seine Macht so absolut. DIKTATOR IN ALLEM. Der Kaiser kontrolliert alles:— - Die Deutschen, sagt der Schriftsteller, haben nichts dagegen, denn sie lassen sich gerne mit der geballten Faust regieren. Aber jede Initiative in der Nation wird erstickt. "Das Ergebnis ist der Triumph der Mittelmäßigkeit. Mächtige Intellekte, mächtige Talente, mächtige Persönlichkeiten, Genie, können nicht an der Seite eines Kaisers existieren, der allen zum Verhängnis wird."
ESPERANTO. "Es ist sechs Uhr an einem angenehmen Sommertag. .... eine kleine Menschenmenge eilt in die Bishopsgate Street Within, und bei Nr. 5, dem Club Café, hält man in dem angenehmen kleinen Raum mit seinen Sofalounges und kleinen Teetischen. .... "Was in aller Welt sagen sie?" denn die Sprache ist nicht Englisch, obwohl die meisten Stimmen es sind, sondern Esperanto. Die Londoner Mitglieder des Esperanto-Clubs trinken eine gesellige Tasse Tee und jeder Neuankömmling wird mit einem Willkommensgruß empfangen, wie z.B. "Mi plezuras vidi vin," oder "Ho! vi alkondukas amikoj, kiel vi estas bone". ...."
JOHN BULLS GEFAHR. Nr.37. (Bestandteil "Review of Reviews" Juli 1904) Das Jahr 2020 bietet viele Nachrichten. Der Terror winkt aus einer vergangen geglaubten Zeit, eine Pandemie fordert weltweit viele Opfer und so mancher Diktator erhält durch ein Virus Konkurrenz. Und Großbritannien verläßt die Europäische Union. Die öffentliche Meinung in den europäischen Gesellschaften folgt dem Glauben, das reale Europa wäre als eine Konsequenz nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges entstanden, wie aus dem Nichts. Oft wird diese sicher unvollkommene und unfertige EU eher abgelehnt oder deren Sinn in Zweifel gezogen. Für Großbritannien waren die Zweifel groß genug. Doch darin liegt Tradition. Hier kann man sich einen Eindruck verschaffen. "In der Diskussion über die Frage, ob wir Englands kontinuierlichen Wohlstand mit Zuversicht vorhersagen können, sagt der Autor, dass England, nachdem es einst geographisch und politisch eine Insel war, nun eine politische Halbinsel ist. Sie kann nicht länger die Rolle des Schiedsrichters spielen und sich nicht mehr von europäischen Streitigkeiten fernhalten. Sie kann jetzt nicht mehr, selbst wenn sie es wäre, herrlich isoliert sein. Sie muss mit einer Kontinentalmacht verbündet sein, und gerade ihr Imperialismus ist ein Hindernis für ein solches Bündnis:- Aber der britische Imperialismus wird sehr große Nachteile überwinden müssen, .... DER KÖNIG GEGEN DEN JINGOISMUS. .... Wir mögen unsere Position beibehalten und festigen, aber Dr. Reich scheint nicht zu glauben, dass wir mehr als das erreichen werden. Wir werden nicht mehr als jede andere Nation zu einem allgemeinen Zivilisationsmodell werden, und Englisch wird wahrscheinlich nicht im Geringsten jemals die Weltsprache werden." Alles hat seine Zeit. Englisch erlangte eine gewisse Macht, aber nicht weil man es in Großbritannien spricht, genausowenig wird Halloween in Europa nachgeahmt, weil die Wurzeln in Irland liegen.
ONKEL SAM NICHT GUT! ""Vielleicht", sagt Dr. Reich, "abgesehen von der zufälligen Identität der Sprache, sind keine zwei Nationen so absolut und unversöhnlich unähnlich wie die Amerikaner und die Engländer", und die Idee einer zukünftigen Amerikanisierung Europas, geschweige denn der Welt, hält er für phantastisch und absurd:- Es ist schwierig für den Europäer, sich ausreichend in die amerikanische Geisteshaltung hineinzuversetzen, ...."
ESPERANTO. "Einige Esperantisten hatten ein komisches Erlebnis. Drei von ihnen unterhielten sich eifrig und tauschten, wie es ihre Gewohnheit ist, während der täglichen Zugfahrt ihre Notizen aus, da sie darauf bedacht waren, sich fließend zu unterhalten. Ein Mitreisender, der gegenüber saß, lauschte eine Zeit lang den unbekannten Geräuschen, und schließlich rief er mit entrüstetem Blick aus: "Diese elenden Ausländer sollte man erschießen." Die Geschichte handelt von einem Stück mit dem des Franzosen, der, als er hörte, dass Englisch gelernt werden müsse, ausrief: "Wie dumm doch die Menschen sind. Wenn Gott dachte, Französisch sei gut genug, um die Bibel zu schreiben, dann ist es sicher gut genug, dass es alle Menschen sprechen können". ...."
Esperanto: Der nächste Schritt. "Die Zeit ist reif für eine universelle Schlüsselsprache, die alle anderen Sprachen ergänzt. .... Ein immenser Vorteil, den Esperanto gegenüber jeder anderen Sprache besitzt, ist, dass niemand, der es zu sprechen beginnt, das Gefühl hat, er wagt sich an die Muttersprache der Menschen, an die er sich wendet." UNTERNEHMEN. "Es besteht wenig Diskussionsbedarf. Wir Engländer lieben es nicht, Sprachen zu lernen, und deshalb verlieren wir in der Geschäftswelt, anstatt zu gewinnen. Was Esperanto betrifft, so ist es eine sehr merkwürdige Tatsache, dass in Frankreich, Russland usw. sein Hauptfortschritt bei Pädagogen, Schulprofessoren usw. zu verzeichnen ist, die seine ideale Seite sehen, während in England die Geschäftsleute und Wissenschaftler seine großen Vorteile voraussehen und in unseren großen Städten dafür eintreten." WAS WIR TUN KÖNNEN. "Die Bewegung schreitet kontinuierlich voran, und jetzt ist die Zeit gekommen, in der die Esperantisten Großbritanniens und Irlands ihre Kräfte bündeln und ein zentrales Gremium bilden müssen, mit Gruppen in jeder Stadt als angeschlossene Mitglieder."
DIE WELTBEWEGUNG FÜR DEN FRIEDEN. "Herr Walter Wellman trägt zur "American Review of Reviews" bei, .... Er beschreibt, dass die herrschenden Völker den Krieg mehr und mehr als Barbarei und Anachronismus betrachten." Und er bennent die TAGESORDNUNG FÜR DEN HAAG. "Ein Übereinkommen über die Gesetze und Gebräuche des Krieges an Land; Anpassung der "Grundsätze der Genfer Konvention" an den Seekrieg; das Verbot des Werfens von Geschossen aus Ballons, des Gebrauchs von Geschossen, ...." undsoweiter. Den guten Willen gibt es zu allen Zeiten.
ESPERANTO. ".... die Schulwelt für November enthält einen Artikel, in dem der Schriftsteller Paul Mathews sagt: "Eine Sprache wie Esperanto, so einfach, so leicht, so logisch, besitzt einen großen erzieherischen Wert und kann mit Vorteil .... als Unterrichtsfach in den Schullehrplan aufgenommen werden. Er fährt fort: "Für eine grosse Zahl von Schülern in unseren Schulen sind Latein, Französisch und Deutsch Fächer, die einen sehr geringen praktischen Wert zu haben scheinen. Wenn diese Fächer durch Esperanto ersetzt werden (in den unteren Fächern, in denen mit den Sprachen begonnen wird), ergibt sich eine Zeitersparnis (denn Esperanto erfordert nicht so viel wie die beiden Fächer), und auf dem Stundenplan wird mehr Platz für andere Fächer zur Verfügung stehen, für die wegen der Vielzahl der Anforderungen derzeit nicht genügend Zeit zur Verfügung steht. Esperanto ist in mindestens einer englischen Schule als Unterrichtsfach angenommen worden, und der Lehrer spricht begeistert von dem Interesse, das seine Wortbildungseinrichtungen bei den Schülern wecken. Darüber hinaus kann man mit Überzeugung behaupten, dass jemand, der einen Esperanto-Kurs absolviert hat, besser in der Lage sein wird, Fortschritte in Latein oder einer modernen Sprache zu machen als Schüler, die diesen Vorteil nicht hatten. ...." Bis heute (2020) wird die wissenschaftlich bestätigte propädeutische Wirkung eines vorangestellten Esperantounterrichts von den Verantwortlichen verdrängt oder mit Scheinargumenten abgewiesen.
Spezialseite 1904 WAS WIR TUN KÖNNEN
Spezialseite 1905 Der Erste Esperanto-Weltkongreß (Vorbereitungen)

RESUMO (ZUSAMMENFASSUNG) ....
Schon beängstigend weitsichtig zeigte sich William Thomas Stead bei der Betrachtung künftiger Schiffsunglücke. Plätze in den Rettungsbooten waren wohl Mangelware. Beim Durcheinander wären übrigens mehr Plätze als Passagiere sicher gut. Jedenfalls hat es ihn vielleicht nicht einmal verwundert, daß genau dieses Platz-Problem auch auf seiner Reise mit der Titanic auftrat. Er war für den 21. April 1912 zu einer Friedenskonferenz nach New York (Carnegie Hall) eingeladen und mußte seine schlimmen Ahnungen erleben. Vermisst seit Untergang der Titanic. Offiziell gestorben am 15. April 1912.
2020072120201112SE
DeepL.com/Translator hat sich als gute Hilfe beim Übersetzen herausgestellt
de.wikipedia.org/wiki William T. Stead #Esperanto
en.wikipedia.org/wiki W. T. Stead #Review of Reviews ....
eo.wikipedia.org/wiki William Thomas Stead
legacy.esperanto.org.uk arkivo W. T. Stead kaj ni
de.wikipedia.org/wiki Haager Friedenskonferenzen
de.wikipedia.org/wiki Nikolaus II. Außenpolitik
catalog.hathitrust.org The United States of Europe on the eve of the parliament of peace
archive.org americanizationo01stea The Americanisation of the World
Memore al William Thomas Stead | La usonigo de la mondo 2011 Henri Masson
en.wikipedia.org/wiki Review of Reviews Übersicht Ausgaben
archive.org The Review of Reviews V25 1902
esperanto.de Esperanto aktuell 202013-5 S.19 El la historio: W. T. Stead. Roland Schnell PDF

 

Zeitverzug ins Deutsche

Es fällt auf, daß Texte zum Ersten Weltkrieg von Persönlichkeiten wie Zamenhof und Rolland lange Zeit nicht ins Deutsche übersetzt wurden. Hatten und haben die "Dichter und Denker" zu wenig Interesse? Wo ist das Problem?
"Aufruf an die Diplomaten" von Ludwig L. Zamenhof vom Jahr 1915 ist ein Beispiel. Früher als viele andere spricht er sich dort für Vereinigte Staaten von Europa aus.
Ein weiteres Beispiel zeigt auch der Hinweis bei Wikipedia zu der Artikelserie Romain Rollands "Audessus de la mêlée" ("Über dem Schlachtgetümmel" oder "Über dem Getümmel" oder "Über den Gräben" Aus den Tagebüchern 1914-1919). "Sie wurde nun rasch in mehrere europäische Sprachen übersetzt – allerdings nicht ins Deutsche – und hatte neben dem Roman Jean-Christophe großen Anteil daran, dass Rolland 1916 für eine nachträgliche Vergabe des Literaturnobelpreises von 1915 ausersehen wurde." Seit 2015 ist erstmals eine Auswahl der "Über den Gräben" geschaffenen Aufzeichnungen in deutsch als Buch verfügbar.
de.wikipedia.org/wiki/Romain Rolland #Rolland im Ersten Weltkrieg
chbeck.de/rolland-ueber-graeben Über den Gräben - München C.H. Beck 2015
eo.wikipedia.org/wiki Al la forbuĉataj popoloj / Den hingeschlachteten Völkern! (in Recherche)
20200808SE

 

Romain Rolland empfahl...

(Romain Rolland: 1866-1944, französischer Schriftsteller; kämpfte für eine übernationale Verständigung und Gemeinschaft im Geiste reiner Menschlichkeit. Nobelpreis 1915) Im Folgenden einige übersetzte Zitate Romain Rolands:
"Damit die Völker sich einigen können, müssen sie sich zunächst einmal gegenseitig verstehen. Zu diesem Zweck müssen sie eine gemeinsame Sprache haben. Und deswegen müssen wir alles tun, damit Esperanto die Sprache der Menschheit wird, Verständigungsmittel von von einem Volk zum anderen. Für die Völker, von denen jedes jahrhundertelang auf die Grenzen seiner Sprache beschränkt und in den Mauern seiner Nationalität eingeschlossen war, muss Esperanto eine Brücke der gegenseitigen Verständigung und Annäherung werden.
Esperanto muß man in jeder Mittelschule als Pflichtfach unterrichten. Unmöglich sind feste, wichtige internationale Beziehungen ohne Esperanto. Esperanto gibt den tauben Menschen, die ganze Jahrhunderte lang im Gefängnis ihrer nationalen Sprachen eingemauert blieben, das Gehör..." (1919)
"Ich konnte mir der Harmonie des Esperanto und des Genies seines Urhebers bewusst werden." (11.11.1920)
"Von allen Revolutionen der Menschheit ist die Weltsprache gleichzeitig die friedlichste und die aktivste, die gewaltloseste und die wirksamste. Sie ist weitaus tiefgreifender als eine politische Revolution.
Nun, diese Weltsprache gibt es schon; sie wurde vom Genie eines Menschen geschaffen, der vor Liebe zur Menschheit glühte. Was die Größe des Schöpfers des Esperanto ausmacht, ist, dass Zamenhof, wie jedes wahre Genie, nicht der Erfinder einer nicht natürlichen Sprache und Bewegung war, sondern der hellsichtige Wegbereiter und der perfekte Interpret eines mächtigen neuen Bedürfnisses.
Vergebens bemühte man sich, den Erfolg des Esperanto zu leugnen, ihn herunterzuspielen. Vergebens behaupteten die gewöhnlichen Verteidiger des "ewig Gestrigen", wie Schiller sagt, die trägen Traditionshüter, die vom immerwährenden Status quo profitieren, dass die Existenz einer ganz und gar erschaffenen Sprache, die nicht dem blinden Schicksal der Volksstämme, sondern dem bewussten und vernünftigen Willen entstammt, a priori unmöglich und absurd sei. So bewiesen sie nur ihre Ahnungslosigkeit über die Bedingungen, unter denen die Mehrheit unserer europäischen Sprachen entstand.
Aber wozu Zeit verlieren für eine überflüssige Verteidigung? Die Weltsprache gibt es. Und ihre Verbreitung erstreckt sich nun über die ganze Erde." (Juli 1922)
Anstelle eines Kommentars: Im gleichen Jahr (1922) wurde in Frankreich und seinen Kolonien der Esperanto-Unterricht vom französischen Kultusminister Léon Bérard verboten.
Benoît Philippe Aktikel aus Verda Saksofono (SEBa kandelo 1/2003) vom Januar 2003

 


Der Euro - eine Erfindung der Esperanto-Bewegung?

Eurogeld und Eurosprache: Die Idee der gemeinsamen Währung ist eng mit dem Gedanken einer gemeinsamen europäischen Sprache verbunden.
 Einleitung
 1. Victor Hugo und die "absurde Vielfalt der Währungen"
 2. Die erste neutrale internationale Währung: der Speso (1907)
 3. Josef Zauner - Pionier des Euro und der Europäischen Union
3.1. Das UŜE-Programm und die gemeinsame Währung
3.2. Die UŜE und die Paneuropa-Union
3.3. Zauners Konzept von einer gemeinsamen Europäischen Sprache
 4. Von der gemeinsamen Währung zur gemeinsamen Sprache
(UM)

 

Einleitung

"Die Idee für eine gemeinsame europäische Währung gibt es seit über 30 Jahren", schrieb der "Spiegel" am 9. August 2001(link http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,144578,00.html).
Wenig bekannt ist, dass die Idee des Euro nicht erst nach dem zweiten Weltkrieg geboren wurde. Bereits Victor Hugo (1802-1885) träumte von einer gemeinsamen europäischen Währung, und ab dem Jahr 1920 engagierte sich der rumäniendeutsche Verleger Josef Zauner (1895-?) für deren Einführung. (UM)
www.spiegel.de/wirtschaft (09.08.2001)

 

1. Victor Hugo und die "absurde Vielfalt der Währungen" 

Victor Hugo gilt als Urheber der Idee der "Vereinigten Staaten von Europa". In einem Brief aus dem Jahr 1855 sprach er auch von der Idee einer gemeinsamen europäischen Währung. Ein link Artikel aus der Zeitung "Le Monde" vom 22.11.2001 beginnt mit den folgenden Worten:
"Une monnaie continentale ayant pour point d'appui le capital Europe tout entier et pour moteur l'activité libre de 200 millions d'habitants. Cette monnaie unique remplacerait et résorberait toutes les absurdes variétés monétaires d'aujourd'hui, effigies de princes, figures de misères, variétés, qui sont autant de cause d'appauvrissement." Qui prononce ces mots? Valéry Giscard d'Estaing? Helmut Kohl? Jacques Delors? Non. Victor Hugo, en 1855, dans une lettre aux exilés après le coup d'Etat de Napoléon III.
(UM)
www.lemonde.fr/imprimer_article (22.11.2001)

 

2. Die erste neutrale internationale Währung: der Speso (1907) 

Im Jahr 1907 schlug der französische Mathematiker René de Saussure die Einführung einer internationalen dezimalen Währung vor. Ein in England lebender deutscher Chemiker, Herbert F. Höveler (1859-1918) griff die Idee auf und gründete die "Chekbanko Esperantista" in London, die Überweisungen zwischen über 40 Ländern zu günstigen Konditionen ermöglichte. Sämtliche eingehenden Zahlungen wurden in die neutrale Währung "Speso" bzw. "Spesmilo" umgerechnet. Ein Spesmilo sind 10 Spescentoj, 100 Spesdekoj oder 1.000 Spesoj, entsprechend den Esperanto-Wörtern "mil" (tausend), "cent" (hundert) und "dek" (zehn).
Am 30. April 1914 verwaltete die Chekbanko Esperantistadie Konten von 730 Personen in 43 Ländern. Der erste Weltkrieg brachte jedoch die Aktivitäten dieser internationalen Bank weitgehend zum Erliegen, und nach dem Tod Hövelers am 1. September 1918 fand sich niemand, der seine Arbeit fortsetzte. (Quelle: Enciklopedio de Esperanto, Budapest 1933, S. 96-97, 224, 499) (UM)

 

3. Josef Zauner - Pionier des Euro und der Europäischen Union

Schon der Erfinder des Esperanto, Ludwig Zamenhof (1859-1917), hatte sich 1915 während des ersten Weltkriegs in seinem "Aufruf an die Diplomaten" für die Schaffung der "Vereinigten Staaten von Europa" ausgesprochen:
Plej bone estus, se anstatau diversaj grandaj kaj malgrandaj europaj regnoj ni havus iam proporcie kaj geografie aranghitajn "Unuigitajn Shtatojn de Europo".
Es wäre am besten, wenn wir anstelle von verschiedenen großen und kleinen europäischen Staaten einmal entsprechend ihrer Größe geographisch angeordnete "Vereinigte Staaten von Europa" hätten. (L. L. Zamenhof, Originala Verkaro, hrg. J. Dietterle, Leipzig 1929, S. 355).
Die Idee der "Vereinigten Staaten von Europa" wurde im Jahr 1920 von Josef Zauner, einem deutschrumänischen Verleger und engagierten Esperanto-Sprecher, aufgegriffen. Zauner wurde am 18. November 1895 in link Engelsbrunn bei Arad, Rumänien, geboren. Er entwarf ein Programm, das er "Vereinigte Staaten Europas" bzw. auf Esperanto "Unuighintaj Shtatoj de Europo", kurz "USE" nannte. 1921 gründete er den USE-Verlag in Leipzig, dessen Aktivitäten allerdings bald darauf nach Timisoara (Rumänien) verlagert wurden. 1923 veröffentlichte er seine Ideen sowohl auf Esperanto als auch auf Deutsch jeweils in Form einer Broschüre mit dem Titel "La elvojo USE" bzw. "Der Ausweg USE". Beide Ausgaben der Broschüre, erwähnt in der 1933 in Budapest erschienenen "Enciklopedio de Esperanto" (S. 586), sind heute verschollen.
Die link Deutsche Esperanto-Bibliothek in Aalen besitzt jedoch ein Originalexemplar der 1931 in Timisoara (Rumänien) erschienenen aktualisierten Version "Der Weg zur Europa-Partei. (Der Ausweg USE)".
(UM)

 

3.1. Das UŜE-Programm und die gemeinsame Währung 

In dieser 36-seitigen Broschüre wird eingangs das UŜE-Programm vorgestellt: Die Leitsätze des UŜE-Programms sind:
1. Das Hauptprinzip: die Schaffung je größerer Wirtschaftsgebiete
2. Es ist für Europa eine Notwendigkeit, dass im vereinigten europäischen Wirtschaftsgebiete sowohl Großbritannien, wie auch Russland mitinbegriffen sei.
3. Die Basis der administrativen Organisation der UŜE sei die größtmögliche Autonomie der einzelnen Staaten, Provinzen und Städte.
4. Einheitlich, bzw. gemeinsam sei in den UŜE:
das Geld
die Armee,
die Zoll- und
Außenpolitik.
5. Die offizielle Hilfssprache für Europa sei die "europäische" Sprache (Esperanto).
Auf Seite 11-12 erläutert Zauner: Um zu einer gemeinsamen einheitlichen europäischen Valuta zu kommen (derzeit mehr als 20!), muss Europa sich vorher politisch finden. Dass das europäische Valuta-Chaos eine einheitliche Valuta ablösen wird, ist wahrscheinlich, weil auch eine wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit unausbleiblich ist. Ein Ansatz zu einer Europäischen Zentral-Staatsbank bedeutet die Gründung der B. I. Z. (Bank für Internationale Zahlungen), deren Aufgabe derzeit zwar eine andere ist, aber in der Zukunft geeignet erscheint, die Rolle der Zentral Notenbank Europas zu spielen.
Ebenfalls um das Jahr 1930 herum gab Zauner eine Postkarte heraus, in der er die Europäer in Esperanto aufrief, neben einer gemeinsamen europäischen Wirtschaftszone und einem europäischen Parlament auch eine gemeinsame europäische Währung zu fordern. Ein 1934 abgestempeltes Exemplar dieser Postkarte wurde von der Vereinigung PROMEURO im Internet veröffentlicht ("Illustration 1"):
link http://www.promeuro.org/en/products_annexes.asp
Diese Postkarte ist der älteste bekannte Aufruf für eine gemeinsame europäische Währung.
(UM)
www.promeuro.org 01.pdf (1934 gestempelt)

 

3.2 Die UŜE und die Paneuropa-Union

edexgeopolitik
Die Organisation UŜE, die von 1930 bis ca. 1935 auch eine eigene Zeitschrift mit dem Titel "USE-EHO" herausgab, ist als Gegenbewegung zur Paneuropa-Union zu sehen. Deren Gründer, Graf Richard Coudenhove-Kalergi (1894-1972), hatte sich für eine europäische Einigung ohne Großbritannien und Russland ausgesprochen. Während Coudenhove-Kalergi einer Zusammenarbeit mit Russland skeptisch gegenüberstand - er sprach vom elementaren Hass Sowjetrusslands gegen die gesamte europäische Lebensform - empfand Zauner trotz des "Terrors" der Sowjetregierung Sympathie für das russische Volk und wünschte nicht zuletzt auch im Hinblick auf die "40 % Minderheiten" unter den 150 Millionen Bewohnern der Sowjetunion einen Anschluss dieses Reiches an die Vereinigten Staaten von Europa. Wenn das übrige Europa aufgrund seines wirtschaftlichen Zusammenwachsens einen Aufschwung erlebe, könne bald auch "die allgemeine Unzufriedenheit - die Nahrung des Kommunismus - verschwinden", was der Vereinigung mit Russland den Weg ebne.
Doch nicht nur in diesem Punkt äußerte sich Zauner kritisch über die Paneuropa-Union. In der Einleitung zu seiner Broschüre schreibt er:
Wie weit das Paneuropa-Programm bisher gediehen ist, ist allgemein bekannt. Auch das, dass die Paneuropa-Bewegung in eine Sackgasse geraten ist, weil man die Vorbedingungen der Lösung des europäischen Problems außer acht ließ. Man begann das Haus vom Dach aus zu bauen. Man vergass, dass die derzeitigen Führer Europas von Staatsbürgern gewählt wurden, deren Gesinnung noch überwiegend landesnational und nicht "europäisch" (im politischen Sinne) ist. Verlangt man von den gewählten aktiven Politikern, dass sie eine "europäische" Politik betreiben, so verlangt man eben Unmögliches, da sie nur allzu sehr von ihren Wählern und ihrer Partei abhängig sind.
Um schon hier auf den Leitgedanken dieser Broschüre hinzuweisen, sei erwähnt, dass, meiner Ansicht nach, die Lösung des europäischen Problems von "unten" aus, bei den Wähler-Massen - dem Fundament jeder demokratischen Politik - begonnen werden muss.
Ein nicht weniger bedeutender Grund für die Skepsis Zauners gegenüber der Paneuropa-Union lag jedoch darin, dass sich Coudenhove-Kalergi nicht für die Idee einer neutralen Zweitsprache für die Europäer erwärmen konnte. So erklärte dieser in einer Rede am 06.05.1930 in Budapest, die Verschiedenheit der Sprachen sei kein unüberwindbares Hindernis für die europäische Einigung; Esperanto wolle er nur dann als offizielle Sprache der Paneuropa-Union akzeptieren, wenn breite Bevölkerungsschichten dies fordern. (UM)

 

3.3 Zauners Konzept von einer gemeinsamen Europäischen Sprache

Zauner sah in der "europäischen Sprache", wie er Esperanto nannte, eine entscheidendes Hilfsmittel auf dem Weg zur europäischen Einigung:
Wenn irgendwo eine gegenseitige Verständigung der Nationen eine Notwendigkeit ist, so gilt dies für Europa im höchsten Grade. Nirgends feiert der Chauvinismus so grenzenlos seine Triumphe, wie auf unserem Kontinent. Nirgends kennt man einen solchen Hass, geschürt von ganz wenigen, wie er noch in manchen Teilen Europas anzutreffen ist.
Diese für viele Nicht-Europäer unerklärlichen nationalen Verhältnisse sollen nun mit Hilfe der "europäischen" Sprache verschwinden. Die "Giftzähne" der Chauvinisten sollen mit Hilfe dieser Sprache gezogen und dadurch die Wege einer europäischen Zusammenarbeit geebnet werden. (...)
Ohne eine einheitlich übergeordnete Hilfssprache dürfte es schwerlich möglich sein, die Europäer zu einer Zusammenarbeit zu bringen; die wichtigste Aufgabe dieser Hilfssprache ist, die unerlässliche Vorbedingung der europäischen Kooperation zu schaffen: die europäische Solidarität, die europäische Gesinnung.
Zauner erwähnt, dass es unrealistisch ist, dass eine einzige Sprache zur offiziellen europäischen Sprache erklärt wird, und führt fort:
Sollte dennoch eine nationale Sprache als "europäische" bestimmt werden, so bedeutet dies für die Beherrscher dieser Sprache Vorteile, die zuletzt zu einer Art Vorherrschaft der entsprechenden Nation ausarten könnten. Auch würde die unausbleibliche Aufoktoyierung einer fremden nationalen Kultur nicht naturgemäß wirken.
Das Allerschlimmste bei einer derartigen Lösung des Sprachenproblems wäre aber der Umstand, dass die kleinen Nationen "en bloc" zu Minderheiten werden würden, die selbst durch eine rasche Erlernung der auserwählten Sprache den Vorsprung der Bevorzugten nicht einholen könnten.
Von einer gerechten Lösung könnte also in einem solchen Falle nicht gesprochen werden.
Zauner legte bereits Wert auf die Feststellung, dass Esperanto als europäische Sprache die kulturelle Vielfalt bewahrt: Die Hilfssprache "ist übergeordnet und spielt die Rolle einer Hilfssprache. Verdrängt also nicht die nationalen Sprachen und Kulturen." (UM)

 

4. Von der gemeinsamen Währung zur gemeinsamen Sprache

Zauner bezeichnete sich als Optimisten: "Ich glaube an die Macht der Ideen und bin überzeugt, dass, trotz der vielen Skeptiker, Pessimisten, Miesmacher sich doch ein positivgerichteter, schaffensfreudiger Geist ins Leben rufen lässt, der stark genug sein wird, um all das aus dem Weg zu räumen, was die Gründung der Vereinigten Staaten von Europa hemmen oder verhindern würde. (...) Ich kann nicht umhin, trotz Spengler und anderen Schwarzsehern, glaube ich an die große Zukunft Europas."
Zauners Vision von einer gemeinsamen europäischen Währung ist Wirklichkeit geworden. Eine gemeinsame neutrale Sprache fehlt hingegen bislang noch.
Einige Politiker der Nationalstaaten wie etwa der frühere deutsche Bildungsminister Jürgen Rüttgers auf seiner link Rede auf dem ZEI-Europaforum am 16.09.1998 sehen einen Ausweg im Englischen, das für die Europäer keine Fremdsprache bleiben, sondern selbstverständliche Zweitsprache werden soll. Europa-Politiker plädieren hingegen gewöhnlich für die Nutzung zahlreicher gleichberechtigter Amtssprachen, da sie in einer noch stärkeren Fixierung auf das Englische eine Gefahr für die Gleichberechtigung der europäischen Völker oder für die kulturelle Vielfalt sehen. Auch wenn sie es vielleicht nicht gerne zugeben, halten auch sie es für akzeptabel, wenn aus pragmatischen Gründen die englische Sprache in der EU immer wieder bevorzugt wird.
Auf der Abschlusskonferenz des "Europäischen Jahrs der Sprachen" am 16.11.2001 in Berlin erklärte Prof. Dr. Jürgen Trabant von der Freien Universität Berlin: (...) Denn die kommunikative Ungerechtigkeit ist eines der gravierenden Probleme - vielleicht das unerträglichste - in der sich abzeichnenden aktuellen europäischen Sprachen-Situation. Der Besitz des Englischen als Muttersprache im heutigen Europa ist ebenso ungerecht wie der Adel im alten Regime: ein durch kein Verdienst gerechtfertigtes Privileg. Ein schwerer Geburtsfehler Europas, auf den ich im folgenden nicht eingehen werde.
Esperanto scheint der einzige praktikable Ausweg aus der kommunikativen Ungerechtigkeit zu sein. Die erfolgreiche Einführung des Euro entkräftet nun einige Argumente, die gegen Esperanto vorgebracht werden. "Der Euro ist ein Ungeld wie das Esperanto eine Unsprache ist", schrieb der Schriftsteller Martin Walser im Juli 2001 in der "Welt". Doch die Vorteile eines neutralen, internationalen Zahlungsmittels überwiegen das gelegentlich beklagte Fehlen eines "kulturellen Hintergrunds". Auch die Geschichte und Kultur des Esperanto ist bislang nicht so reich wie diejenige nationaler Sprachen - doch könnten die Europäer sich rasch an Esperanto gewöhnen. Und sie würden wenig vermissen, da Esperanto - während der Euro die nationalen Währungen ersetzt - die nationalen Kulturen nicht verdrängen will.
Auf dem Heidelberger Pädagogischen Kongress im Jahre 1992 hielten Pädagogen Esperanto als Schulfach für ungeeignet, da der Sprache "der landeskundliche Hintergrund" fehle. Esperanto-Lehrbücher haben gewöhnlich nicht einfach ein bestimmtes Land oder einen bestimmten Kulturkreis zum Thema. So werden in dem populären, in Ungarn herausgegebenen Esperanto-Lehrwerk "Tendaraj tagoj" verschiedene Länder wie Belgien, die Schweiz oder Japan näher vorgestellt, und als Währung wird dort in den Auflagen von 1991 und 1993 u.A. der "Stelo" benutzt, eine nach dem zweiten Weltkrieg von Esperanto-Sprechern vorgeschlagene internationale Esperanto-Währung (in der es tatsächlich auch Münzen gibt, 1960 von der Universala Ligo herausgegeben). Eine bessere Vorbereitung auf ein vereinigtes Europa war kaum denkbar.
Zu wünschen ist, dass der Erfolg des Euro die Europäer ermutigt, auch in sprachlicher Hinsicht einen Schritt aufeinander zuzugehen. Es gibt viel zu gewinnen: eine europäischen Solidarität und eine europäische Gesinnung, wie bereits Zauner es formulierte. Esperanto, neutral und leicht erlernbar, steht für grenzenlose Verständigung und grenzenlose Chancengleichheit.
Wiesbaden, 26. Januar 2002 (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ehemals aktiv bei EDE)
www.zei.de/download ruettgers.pdf (16.09.1998)

link Josef Zauner (wikipedia) link Josef Zauner (engelsbrunn.de)

 



Zu Abbildung 1.
Da hat wohl der Zeichner nicht aufgepaßt und eine Grenze nicht gezogen! Sicher war das keine Absicht.

Zu Abbildung 2.
EUROPÄER!
01. Trotz allem, glaube an die Europa-Union.
 - Damit meinte Zauner die Idee eines geeinten Europas.
02. Anläßlich Wahlen, stimme nur auf jene Partei, die für die Schaffung eines einheitliches europäischen Wirtschaftsgebietes kämpft. 
 - Inzwischen Realität. Leider wird zu wenig an die Europabürger gedacht.
03. Propagiere die Schaffung eines Parlamentes der europäischen Parlamente. 
 - Dies deutet auf ein inzwischen reales Europäisches Parlament hin.
04. Fordere die Aufstellung einer gemeinsamen europäischen Armee und die Einführung einer einheitlichen europäischen Valuta. 
 - Was sollen denn heute die nebeneinander stehenden nationalen Armeen? Valuta: Gemeint ist die einheitliche Währung.
05. Fordere für Länder, Provinzen und Städte in den Vereinigten Staaten von Europa weitestgehende, naturbedingte Autonomie. 
 - Subsidiarität nennt man das heute. Was nicht gemeinsam beschlossen werden muß, kann man besser am Ort lösen.
06. Erlerne die Sprache "Europäisch". 
 - Alles klar, damit ist die internationale weltweite Sprache Esperanto gemeint. Europa ist ein starker Anwendungsfall.
07. Ehre und schätze das Volkstum der Anderen. 
 - Vielfalt der Kulturen und Toleranz gegenüber den Anderen nennt man das jetzt.
08. Kämpfe für die Entbürokratisierung (Entstaatlichung und Entmonopolisierung) der Wirtschaft. 
 - Gilt auch immer und bleibt aktuell. Allerdings zeigt der heutige Umgang mit Bahn und Post Probleme.
09. Kämpfe für Gesetze und Institutionen die - ein soziales Wachsen - einen freien, natürlichen, sozialen Schichtenwechsel ermöglichen. 
 - Gemeint ist die Chancengleichheit. Thema ungelöst!
10. Wer für die Vereinigung Europas kämpft, fördert den Weltfrieden. 
 - Das wird leider gern übersehen! Nichts ist einfach so sicher. Thema aktuell! (SE20180625..)

 

Politischer Druck

Josef Zauner gründete den Verlag "LIBRO" 1921 in Leipzig, weitergeführt in Temeswar/Timiŝoara (Rumänien). Er war auch Herausgeber und Redakteur. Seine Broschüre "La elvojo UŜE" (auch in deutsch) soll bereits 1923 erschienen sein. Bekannt ist uns "Der Weg zur Europa-Partei" mit dem Untertitel "DER AUSWEG UŜE" von 1931.
Mehr auf unserer Geschichtsseite 1931 Josef Zauner | Der Weg zur Europa-Partei
Bewertet wurde der Ansatz damals folgendermaßen. Lange nicht öffentlich bekannt war die UŜE-Idee, die neben der Paneuropa-Bewegung (Paneŭropa-movado) entstand. Unterschiedliche Ansichten sind dabei: Die Zahl der künftigen "Weltmächte". Paneuropa sieht fünf (USA, Großbritanien, Paneuropa, Japan, UdSSR), bei UŜE gibt es eine westliche und eine östliche Hemisphäre (UŜE). Zu UŜE würden aus verschiedenen geopolitischen und sozialen Gründen auch Großbritanien und Rußland gehören. Paneuropa bevorzugt englisch. Dagegen ist UŜE bei Esperanto. UŜE schlägt eine gemeinsame Armee und gemeinsames Geld vor. Nötig ist eine Partei mit der Aufgabe, das UŜE-Programm parlamentarisch umzusetzen. Die Esperantisten werden für die Umsetzung gebraucht.


Die Zeitschrift UŜE-EĤO (organo de la eŭropan­ismo) sollte die Esperantisten über die Realisierung der angestrebten Vereinigten Staaten von Europa informieren. Nummer Eins erschien im Januar 1930, nach einem Jahr in verändertem Format. Bis Juli 1933 waren es zwölf Ausgaben. Sie wurden geschätzt wegen ihrer lebhaften Form, den interessanten Artikeln und den Illustrationen zum europäischen Problem wie auch für die Verbreitung der UŜE-Idee. UŜE-EĤO soll es aber bis 1937 gegeben haben.
Leider ist auch wenig über die genauen Orte des Verlags und der Buchhandlung "Libro" bekannt. Sie soll sich am Domplatz in Temesvar befunden haben. Der Verlag "Libro" war in der Str. Lonovici 1, allerdings erscheint auch die Hausnummer 4 in den Schriften. Heute findet man auf dem Stadtplan aber nur eine Straße "Episcop Joseph Lonovici". Es ist also noch weiter zu recherchieren. 2019071520190922SE

 

1932: Gründung Klub der UŜE-Freunde (Klubo de la UŜE-amikoj)

edexorganiform Ein großes Ziel braucht Mitstreiter und muß organisiert werden. Freunde von UŜE fanden sich 1932 in einem Klub von UŜE-amikoj zusammen. In gewisser Weise ähnelt der Ansatz schon dem neuen von EDE. Inhaltlich gibt es eine große Nähe. Einige Aktivitäten um UŜE und UŜE-amikoj sind überliefert. Über die Gründung wird in der Enciklopedio de Esperanto 1933 Seite 1059 berichtet. 1934 wurde die März-Ausgabe von UŜE-EĤO in der spanischen Esperanto-Zeitschrift "Hispana Esperanto-Gazeto" (Nr.36) erwähnt.
Angesichts der politischen Verhältnisse sah Zauner keine Möglichkeit mehr, eine Partei in einer Demokratie zu etablieren. So versuchte er parallel zu den "unduldsamen Regimen" denkbare Strukturen für ein kommendes Europa zu entwickeln. Gemäß der damals vorherrschenden Meinung verglich er Europa mit einer Nation, also ähnlich den nationalen Staaten, aber auf einer anderen Ebene. Auch heute geht es immer noch darum, die eine europäische Allgemeinheit betreffenden Kompetenzen nicht den einzelnen Nationalstaaten zu überlassen. Über diese Fragen schrieb er 1936 in "GENF ODER EŬROPA-CENTRO?" Darin nahm er die Situation in Europa an, versuchte aber zusätzlich den europäischen Gedanken in einen technisch-organisatorischen Bereich zu führen. Wie könnte der europäische Luftverkehr optimiert werden? Für bestimmte Fälle mit einem zentralen Flughafen auf einem gemeinsamen zentraleuropäischen Territorium. Heute nennt man das Logistik. Berührt wird aber auch die Frage, wie dezentral, zentral oder gemeinschaftlich etwas zu organisieren ist. Damals war Genf die Stadt des Völkerbundes, praktisch dem Vorläufer der UNO. Daneben wäre auch eine europäische Hauptstadt notwendig geworden. In einem Imaginären Gespräch zwischen ihm und einem Zweifler erklärt er seine Absichten. Hier einige Auszüge:


WO SOLL "EŬROPA-CENTRO" GEGRÜNDET WERDEN?
 - ZW: Wie würden Sie den geographischen Ort für "Eŭropa-Centro" bestimmen?
 - ZA: Dies ist keine allzuschwere Sache.
 - ZW: Wie doch?!
 - ZA: Man verbindet auf den Landkarten die Städte London-Ankara, Moskva-Madrid u. Oslo-Roma. Der Schnittpunkt dieser Linien bildet für uns den geographischen Mittelpunkt von Europa.
 - ZW: Und wo befindet sich dieser Schnittpunkt?
 - ZA: In der Nähe von Regensburg.
 - ZW: Aber, dann ist der Plan schon im vorhinein undurchführbar!
 - ZA: Ich weiß, Sie wollen sagen, daß ganz Europa dagegen wäre.
  ....  ....  
WER SOLL DAS PROJEKT VERWIRKLICHEN?
 - ZW: Und Sie glauben, dass Sie für "Eŭropa-Centro" Interessenten finden?
 - ZA: Warum nicht?
 - ZW: Die Gesinnung der europäischen Massen ist durchaus nicht danach.
 - ZA: Das gebe ich zu. Zur Verwirklichung eines solchen Programmes braucht man nicht allzuviel Anhänger. Man braucht nur Willensmenschen, Geldgeber und Fachleute.
 - ZW: Gut, wer soll aber diese wenigen (aber wichtigen) Faktoren zusammenbringen?
 - ZA: Ich würde es gerne sehen, wenn die UŜE-Freunde diese schwere Aufgabe auf sich nehmen würden.
 - ZW: Ich sag es aufrichtig, ich erwarte nicht viel von ihnen.
 - ZA: Sie dürfen nicht vergessen, es handelt sich um eine ganz neue Arbeit, die unsere Freunde sicher begeistern wird. Bisher hatten sie noch nicht recht Gelegenheit, ihre Fähigkeiten auf die Probe stellen zu können; sie haben bisher noch keine geeigneten praktischen Programme zur Verwirklichung gestellt bekommen.
 - ZW: Täuschen Sie sich nur nicht! Sehr viele Ihrer Gesinnungsgenossen sehen in der Bewegung nur eine Gelegenheit, sich zu amüsieren und Sprachsport zu betreiben.
 - ZA: Aber nicht die UŜE-Freunde. Die kennen schon die bevorstehende wichtige Rolle der europäischen Sprache in der Zukunft Europas.
 - ZW: Aber seien Sie doch nicht so kurzsichtig! Glauben Sie doch nicht, dass Ihr Vorschlag zur Lösung der europäischen Sprachenfrage jemals ernstlich in Erwägung gezogen wird.
 - ZA: Man wird ihn annehmen! Darüber debattiere ich nicht. In erster Reihe wird wahrscheinlich in "Eŭropa-Centro" die europäische Sprache eingeführt. Nur die UŜE-Freunde sind in der günstigen Lage in einer Organisation alljene Faktoren zusammenzubringen, die die Gründung des "Flug-Centro"s und "Eŭropa-Centro"s ermöglichen.
 - ZW: Sie glauben sicher, wegen der europäischen Sprache ist es den UŜE-Freunden möglich, die Gründer "Eŭropa-Centro"s zu organisieren.
 - ZA: Ja, hauptsächlich darum, weil sie eine gemeinsame Sprache sprechen und ausserdem rekrutieren sie sich aus allen Gegenden Europas; so dass sie es auch tatsächlich garantieren können, dass "Eŭropa-Centro" wirklich eine europäische Stadt im wahrsten Sinne des Wortes wird.
  ....  ....  
 - ZW: Was für einen Sinn haben dann die Bemühungen um die Europa-Union?
 - ZA: Die Europa-Union soll den europäischen Innenkrieg unmöglich machen, soll eine Rationalisierung und dadurch Herabsetzung der Rüstungen ermöglichen.
  ....  ....  
 - ZW: Wie ich sehe haben Sie auf alle meine Einwendungen eine Antwort. Es ist nun fraglich, ob Ihre Argumente auch im praktischen Leben taugen?
 - ZA: Nun wir können ja den Versuch machen.
 - ZW: Gut, propagieren Sie nur Ihr "Eŭropa-Centro".
 - ZA: Das werde ich auch tun mit der Devise: Genf und Europa-Centro!


Trotz aller Schwierigkeiten blieb Zauner länger optimistisch als die allermeisten Bewohner Europas. Heute ist auch nur ein Teil des europäischen Traumes realisiert und die Gefahr des Zerbrechens besteht wegen der schlechten Völkerverständigung trotz aller aufgebauten Europainsitutionen weiter. Auch heute gibt es noch nicht ausreichend "EDE-amikoj", die stark genug für eine Reform des sich einigenden Europa sind. Kein Grund, sich nicht verantwortlich zu fühlen. Am Ende werden in Institutionen Menschen gebraucht, welche Esperanto offen gegenüber stehen und dieses Mittel anwenden. Ein guter Anlaufpunkt ist natürlich EDE, dies ist ja genau unser Bereich. Wer in der Mitte der 30er Jahre genau Mitglied bei den UŜE-amikoj war, läßt sich jetzt nicht ermitteln. Sicher war es Zauner, wahrscheinlich auch der als UŜE-EĤO-Mitglied aktive Francisko Azorín (s.u.) und noch einige ziemlich unbekannte Personen. Diese kleine Gruppe zeigt aber, daß nicht ganz Europa, voran Deutschland, in einen engstirnigen Wahn verfallen ist. Einige wenige Menschen dachten weiter und verhalfen der Menschheit gewissermaßen zu ihrer "Ehrenrettung".

"Hispana Esperanto-Gazeto" berichtete in der Nummer 61, dies war die letzte Ausgabe, über den 11. Spanischen Esperanto-Kongreß im Juni 1936. Hier eine grobe Übernahme des Zeitungstextes (Gern wird noch Hilfe bei der Interpretation entgegengenommen):
Am 07.06.1936 fand eine spezielle und gutbesuchte Zusammenkunft der UŜE-amikoj statt (Ateneo Barcelonés). Der spanische Delegierte Jozefo Anglada (Vizepräsident Kongreß-Komitee zu Beginn des Kongresses durch Ältesten-Komitee gewählt) verlas ein Telegramm der Zeitung UŜE-EĤO, welche die Erste UŜE-Versammlung begrüßt. "S-ro Anglada legas telegramon de la gazeto UŜE-EĤO (EKo de la Unuiĝintaj Statoj de Eüropo), el Timiŝoara (Rumanujo), kiu salutas la Unuan UŜE-Kunvenon." Dann erläutert er die Hauptpunkte der UŜE-Bewegung, die auf ein Überwinden der moralischen und materiellen Landesgrenzen zielt. Diese selbst begründete Krise (der Abgrenzung) schadet auch der Esperanto-Bewegung, droht Esperanto nahezu unnutzbar zu machen und sorgt für die Unmöglichkeit von internationalem Verkehr und Beziehungen.
Er zeigt, wie das UŜE-Programm von Herrn Josef Zauner sich von jenem von "Paneuropa" des Grafen Coudenhove-Kalergi unterscheidet, da letzteres nicht die sprachlichen Schwierigkeiten beachtet und Britanien und Rußland aus dem Rahmen der Vereinigung herauslässt. Er betonte auch die Verschiedenheit zum Projekt von Herrn Briand, weil jenes ein politisches Arrangement war, welches "von oben" aufgezwungen werden musste, während das Projekt von Herrn Zauner beabsichtigt, bei der Masse das Bewußtsein für die Konzeption des Europäismus auf der Grundlage von Esperanto (in welcher er die Europäische Sprache wiedererkennt) und von ihrer internen Idee zu beleben. Auch sagt er, daß die Europa-Union eine unausbleiblich erforderliche Grundlage des Friedens zwischen den Völkern der ganzen Welt ist. Es gab verschiedene lesenswerte Dokumente, unter ihnen das UŜE-Programm und Die Zehn Pflichten der Eŭropanoj. Auch wurden einige Werbe-Bestrebungen der Barcelona-Gruppen anläßlich des Denkschrift von Herrn Briand erwähnt.
Herr Anglada bittet die Anwesenden, daß sie ihre Meinung über die Angelegenheit der Zusammenkunft vorbringen.
Herr Roca äußert einige Zweifel. Er befürchtet, daß der übertriebene Nationalismus die Vereinigung unmöglich macht. Er nennt ein Beispiel, wo der Nationalismus sich widersetze, vorausgesetzt daß Esperanto in einem internationalen Kongress angenommen sei, und er befürchtet, wenn irgendwann eine Vereinigung stattfinden würde, die Menschen sich selbst von neuem entvereinigen würden. Letztlich daß die Idee ihm als eine Utopie erscheint. Auch befürchtet er daß Menschen aus anderen Kontinenten wegen der Neubenennung "Europa-Sprache", etwas neu kreieren oder andere internationale Sprachen mit dem Namen "Amerika, Azia, k.t.p." annehmen würden.
Herr Francisko Azorín (Ex-Abgeordneter), selbst Mitglied von UŜE-EĤO, sagt, daß wir als Esperantisten nicht das Recht haben die Angelegenheit so zu betrachten, daß Esperanto auch als Utopie angesehen wird. Und daß wir jene darauf hinzielende Ideen immer mit Sympathie sehen müssen und mithelfen, so wie bei UŜE, die starken Mauern, welche die Nationen aufteilen, zu zerstören. Hauptsächlich wird hier die Schaffung eines großen europäischen ökonomisch verbundenen Territoriums thematisiert, so wie es einstmals der "Zollverein" in Deutschland erreichte, welcher der Vereinigung Wohlstand brachte.
Auch sprach Herr Julio Mangada (Vorsitzender Ältesten-Komitee) mit Sympathie zum UŜE-Projekt, und er erinnerte nochmals, daß er in seiner Broschüre über den Homaranismus Fragmente aus dem Werk "Civitanoj de la Mondo" ("Bürger der Welt") des Türken Yervant H. Iskender veröffentlichte, wie auch das Projekt des Neuseeländers H.E.Hyde über Föderation der Staaten. (Über letztes sprach er während UDKEILO im "Ateneo Barcelonés"). Beide zielten auf das selbe, das heißt die Vereinigung der Völker, wie auch das höher entwickelte Projekt von UŜE, und als Angehöriger der Menschheit ist er bereit, alles zu unterstützen, was darauf aus ist, Frieden und Eintracht zwischen den Völkern herbeizuholen.
Zusammenfassend brachte Herr Anglada die folgenden Fakten vor (gekürzt):
Wenn die Europäische Sprache die Synthese von Sprachen zu etwas wird, was auch im amerikanischen und in anderen Kontinenten mit der europäischen Zivilisation gilt. Wenn das Projekt von Herrn Zauner wie eine Norm der natürlichen Entwicklung "von unten nach oben" angenommen ist und es nicht nur das Rechtliche beachtet, sondern zugleich die ökonomischen Grundlagen (Währungen, Zoll, Alleinherstellungsrechte, freie ökonomische Entwicklung, Gemeinschaft und Reduzierung der Armee, usw.). Vorausgesetzt, dass die Entwicklungsrichtung der Menschheit vereinigender ist, als zerfallend, und vorausgesetzt dass es als Hauptgrundlage die nationalsprachliche Gemeinschaft hat. (Beispielsweise, Spanien, Italien, Deutschland, Tschechoslowakei, USA, UdSSR, Brasilien, usw.).
Also, wenn das Entstehen und die Existenz der nationalen Sprachen das nationale Bewußtsein bei den Völkern erweckten, gibt es keinen Grund, daß wir Europäer, nicht den Sinn von unserer Nationalität mittels der Europäischen Sprache, für das Wohl zunächst von unserem erbärmlichen Europa und nachher von der ganzen Welt erweitern dürfen.
Diese Zusammenkunft, wo so wichtige Probleme debatiert wurden, und die so großes Interesse weckte, veranschaulicht, daß sich die Saat, aus welcher weltweiter Frieden und ökonomischer Wohlstand sprießen sollen nicht anderswo befindet, als bei der Verbreitung des Geistes der europäischen Verbundenheit, basierend auf der gemeinschaftlichen helfenden Sprache Esperanto. Die Zusammenkunft endete 20:30 Uhr.
Diese Übersetzung kann speziell bei den Aussagen des spanischen Delegierten Jozefo Anglada noch mißverständlich sein. Möglicherweise hat er sich an das Denken der Zeit angepasst. Dies ist noch zu klären.
Genau zu dieser Zeit begann der Spanischen Bürgerkrieg (1936–1939). Im März des Jahres war es in Deutschland kaum noch möglich, sich zu organisieren. Ein Gruppenleiter vom Deutschen-Esperanto-Bund sagte damals zu den restlichen Mitgliedern: "Wir, die wir noch zusammen kommen können, arbeiten weiter für unser Esperanto, solange man uns läßt". Und bis zum 15. Juli mussten sich dann alle Esperanto-Gruppen auflösen. In Rumänien wurde 1930 Carol II. (Karl II.) König, der 1938 eine Königsdiktatur errichtete. Betroffen war damit auch Zauners Verlag. Die politische Realität zwang Zauner bereits vorher, von der Europapartei auf andere Formen wie Initiativen auszuweichen. In "GENF ODER EŬROPA-CENTRO?" (1936) ging die Richtung ja zusätzlich auch in einen technisch-organisatorischen Bereich. Und wie weit kann man sich überhaupt an eine massenhafte gesellschaftliche Fehlstellung anpassen ohne sich zu sehr zu verbiegen? Irgendwann war das nicht mehr möglich. Leider sind die genaueren Umstände schlecht nachzuvollziehen. In den letzten bekannten Veröffentlichungen 1939 und 1941 behandelte der vielinteressierte Zauner andere unauffälligere Themen zu Schwingenflug und Schlagflächengesetz. Sicher interessant. Bedenkt man aber die hohe Bedeutung der Aufgabe UŜE, kann man nur staunen, wie gedankenlos die Gesellschaften zeitgemäße Ideen und Potentiale wegdrücken. 2019071520191008SE
de.wikipedia.org Josef Zauner (Verleger)
eo.wikipedia.org UŜE-EĤO
Enciklopedio de Esperanto 1933 Seite 1059 (Klubo de la UŜE-amikoj 1932) Große Datei!
Hispana Esperanto-Gazeto n036 (majo 1934)
Hispana Esperanto Gazeto n061 (julio 1936)
es.wikipedia.org Ateneo Barcelonés  ca.wikipedia.org Ateneo Barcelonés

 

1935 - 1947: Churchills geopolitische Ansprüche

Macht und Weltmacht:  Es wundert wohl niemanden, daß Esperanto von Hitler abgelehnt und verboten wurde. Und auch Stalin handelte so. Allgemein sind Vertreter von "Weltmächten" nicht sehr an einer auf Gleichwertigkeit basierenden Verständigung zwischen Staaten und Völkern interessiert. Es zählt ein in aller Welt wirkender Heimvorteil. Sowohl die Umsetzung hin zu einem geeinten Europa wie auch zu der dazu notwendigen gemeinsamen Sprache Esperanto werden bis heute mehr oder weniger offen bekämpft, im freundlichen Fall ignoriert. Von den "Weltmächten" wie von ihren Verbündeten.
In den Medien wird Churchill zu einem Gründervater der EU erhoben, er hätte sich früh für "Vereinigte Staaten von Europa" eingesetzt. Gern berufen sich Institutionen der EU auf Churchill, man findet dort nur positive Worte zu seinen Europavisionen, z.B. die Rede zu einem künftigen Europa 1946 an der Universität von Zürich. Täuscht man sich damit bei den EU-Institutionen nicht selbst oder sollte man es nicht eher besser wissen?
Pioniere der EU (europa.eu) Pioniere der EU (europa.eu Winston Churchill PDF)
"Auch die Idee der Schaffung einer "Europäischen Armee" geht auf Churchill zurück." Noch so ein "Mißverständnis". Zauner forderte dies bereits zwischen den Weltkriegen. Der Weg zur Europa-Partei (Josef Zauner de.e-d-e.eu)
War Churchill wirklich so ein früher Verfechter eines geeinten Europa? Und sah er eine Verbindung zur Sprachenpolitik als Machtfaktor? Wieviel sprachliche Gerechtigkeit und Neutralität ließ er zu? Finden sich bei ihm solche entwickelten Ideen zu Europa wie bei Zauner?
Churchills Absicht war es zu keinem Moment, Großbritannien in einem geeinten Europa zu integrieren, er sah sein Land in einer Welt-Sonderrolle. Zauner sah übrigens in den frühen 30er Jahren dieses geopolitische Problem Großbritanniens und wußte, daß eine Integration schwer zu haben sein wird. "Man kann es von den Engländern nicht erwarten, dass sie sich allzuschnell für die "Europa-Idee" entschliessen." Der Weg zur Europa-Partei (Josef Zauner de.e-d-e.eu)
"Churchill war eben "kein überzeugter Befürworter eines vereinten Europa, sondern der Interessenspolitiker instrumentalisierte diesen Gedanken, um die britische Position als Moderator zwischen den Supermächten aufzuwerten und das Überleben Großbritanniens als Weltmacht zu sichern"" Lasst Europa auferstehen - aber ohne uns Briten (Michael Gehler diepresse.com) Er selbst hat vorgeführt, wie man leider zu häufig in Großbritannien denkt. So muß man sich heute auch nicht über den Brexit wundern. Er schadet einfach allen sehr. Zu vieles fehlt noch für ein europäisches Bewußtsein, egal auf welcher Seite des Kanals.

Macht und Sprache:  Macht und Sprache hängen immer zusammen, auch wenn dieser Fakt gern übersehen wird. Und natürlich beschäftigte sich Churchill auch mit beidem. 1935 veröffentlichte Charles K. Ogden einen Versuch einer vereinfachten englischen Sprache. Detlev Blanke (de.e-d-e.eu/ /individuelle-gedanken) setzt sich so mit dem Thema auseinander:
"Aber auch das wohl bekanntere Basic English von Charles K. Ogden (1932), eine grammtisch leicht bearbeitete und lexikalisch stark reduzierte Form des Englischen und als Plansprache klassifizierbar, hat letztlich einen nationalistischen Hintergrund. Nicht ohne Grund empfahl Winston Churchill 1943 dem Britischen Kabinett, Basic English zu unterstützen, da er in dieser Sprache eine Möglichkeit sah, die Position der englischen Sprache in der Welt auszubauen."
Sprachenpolitik und Sprachkultur (Detlev Blanke S.212 books.google.de)
Sprachenpolitik und Sprachkultur (Detlev Blanke S.212 books.google.de PDF)
Auch beauftragte er 1947 sein Erziehungsministerium mit der Umsetzung. Churchill wollte in Europa keine andere Macht als Großbritannien zulassen, sei es nun Deutschland oder Frankreich, die es als Großmacht zu verhindern gelte. Sehr sicher denken viele Europäer heute noch in diesen nationalen Kategorien. Und gerade von der Insel kommen kaum Impulse für Europa! Allerdings wird heute die Vorherrschaft des Englischen mit den USA begründet.
Bei Basic-English handelt es sich sicht- und hörbar um eine Vorherrschaftsidee. Unter der deutschen Käseglocke mag Englisch einfach nur als Verständigungsmittel angesehen sein, es bildet aber auf lange Zeit einen großen Vorteil für die mächtigen Muttersprachler. Entweder wird das Problem einfach nicht gesehen oder die Menschen haben den Zustand einer fremden kulturellen Dominanz bereits gern verinnerlicht. Man hat sich doch so schön mit Englisch eingerichtet. Jede Änderung oder Nachdenken stört. Die im Verhältnis einfache Aufgabe, einen Trend Richtung Esperanto zu gehen, wird im Alltag "überschrieben".
Gebrochene Identitäten sind auf Dauer allerdings problematisch. Ein "englisches" Europa ist schwer vorstellbar. Ein Riß durch den Kontinent würde fundamentiert. Das Ziel Europas, zu sich zu finden und eben nicht Anhängsel einer "westlich" anglo-amerikanischen Welt zu sein ist existenziell notwendig.
2009072320200611SE
Pioniere der EU (europa.eu) Pioniere der EU (europa.eu Winston Churchill PDF)
Der Weg zur Europa-Partei (Josef Zauner de.e-d-e.eu)
Lasst Europa auferstehen - aber ohne uns Briten (Michael Gehler diepresse.com)
Detlev Blanke (de.e-d-e.eu/ /individuelle-gedanken)
Sprachenpolitik und Sprachkultur (Detlev Blanke S.212 books.google.de)
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