1975 Ludwig Pickel

1975: Eŭropa Esperanto-Revuo

Ab 1954 erschien die offizielle Zeitschrift des Deutschen Esperanto-Bundes (DEB/GEA), die Esperanto-Post, unter dem neuen Namen Germana Esperanto-Revuo. Nachdem Ludwig Pickel 1971 die Herausgabe der Zeitschrift übernahm, wurde ab Januar 1975 der Titel in Eŭropa Esperanto-Revuo (Europäische Esperanto-Revue) abgeändert. Somit wurde aus der deutschen Zeitschrift in gewissem Maße eine europäische. 1977 informierte sie z.B. über den in Paderborn stattfindenden Europäischen Esperanto-Kongreß. Nachdem der DEB 1977 auf eine eigene deutsche Ausgabe zugunsten der UEA-Zeitschrift Esperanto verzichtete, war mit dem Tod des Herausgebers Ludwig Pickel im Folgejahr die Zeit für die Eŭropa Esperanto-Revuo abgelaufen.
eo.wikipedia.org Germana Esperanto-Revuo
Bitte beachten. Die zumeist Esperanto-Texte der GERMANA Esperanto-Revuo, der Eŭropa Esperanto-Revuo, sowie ergänzend aus Pilo-Press, werden hier gekürzt und oft nicht wortgetreu wiedergegeben. Um Fehler zu vermeiden, wurden Teile der Vorlagen maschinell übersetzt (Dialect/GoogleTranslate) und später nachbearbeitet. Es sollen nur die wesentlicheren Aussagen in möglichst flüssiger Form wiedergegeben werden. Dabei werden die Inhalte sachlich richtig wiedergegeben. Diese Vorgehensweise mag vom Üblichen auch bei de.e-d-e.eu abweichen, sie ist aber in diesem Fall wohl optimal. Beachten Sie bitte diese Information und sehen Sie die Sache etwa so, als würden Sie sich z.B. einen Spielfilm ansehen. Beginnen wir mit einigen Auszügen von aufgefundenen Heften der GERMANA Esperanto-Revuo.
GERMANA Esperanto-Revuo 1968 11 novembro
Berichtet wird über eine Internationale Pädagogenkonferenz in Esperanto im Internationalen Haus Sonnenberg. Es wurden moderne Methoden des Esperanto-Unterrichts behandelt.
Kulturdemokratie: Chefredakteur Dr. Victor Sadler sagte, daß die Sprachschranken, die einen demokratischen Literatur- und Kulturaustausch verhinderten, beseitigt werden müßten. Bisherige Wege führten zu keiner gerechten Lösung. Esperanto müßte die Sprache der Kulturdemokratie werden und dazu in alle Sprachgebiete eindringen.
Ein französischer Lehrer erhielt keine Dienstbefreiung, da das französische Erziehungsministerium dies mit der Begründung ablehnte, „daß diese Veranstaltung die französische Sprache in Deutschland nicht fördere.“ Esperantisten bestärkt das in ihrer Auffassung.
GERMANA Esperanto-Revuo 1970 02 februaro
Wie Esperantisten-Gruppen den Zamenhof-Tag feierten, wird hier an Beispielen gezeigt. In Augsburg waren sogar zwei Parlamentarier und zwei Journalisten anwesend. Ludwig Pickel (Generalsekretär des Deutschen Esperanto-Bundes) sprach auf deutsch über „Esperanto und das europäische Sprachen-Problem“.  Er verwies auf die sprachlichen Hindernisse für viele Europäer, speziell Gastarbeiter, welche beständig eine sprachliche Diskriminierung in den betreffenden Gastländern ertragen müssen. Esperanto würde die geeignete Lösung für das europäische Sprachen-Problem sein. Bedauerlicherweise haben die zuständigen Behörden nicht nur kein Interesse an einer solchen Lösung, sie erschweren im Gegenteil sogar die Arbeit für Esperanto. Speziell die Haltung des Bayerischen Kulturministeriums wurde angesprochen. Auch in vielen anderen Orten wurde der Zamenhof-Tag mit unterschiedlichsten Beiträgen begangen.
Ludwig Pickel äußert sich zu Esperanto im neuen Jahrzehnt. Diese Zeitrechnung bezieht sich auf das Datum der Veröffentlichung der Sprache im Jahr 1887. Die Welt war im Wandel und Esperanto kam zur rechten Zeit. Später wurde die Entwicklung von den deutschen Nazis und dem Zweiten Weltkrieg unterbrochen. In den Jahren 1970 bis 1980 sucht die offizielle Politik zwischen West- und Osteuropa neue Wege und Formen für eine friedliche Koexistenz. Wir können diese Bedingungen nicht vernachlässigen oder übersehen, wenn wir uns eine Grundlage für künftige erfolgreiche Arbeit bewahren wollen. Krieg und ungünstige politische sowie wirtschaftliche Umstände schadeten Esperanto immer.
Der große Konkurrent ist die englische Sprache. Mit großem Leichtsinn akzeptieren viele Menschen und zuständige Behörden das Gerücht, daß die englische Sprache die Internationale Sprache ist und mit ihr das Sprachenproblem gelöst ist. Deutsche Kulturministerien nähren jenen naiven Selbstbetrug. Nur vor Wahlen äußern sich Parteien positiv zu Esperanto. Seien wir nicht naiv zu glauben, daß im neuen Jahrzehnt irgendeine Institution aus sich selbst heraus und ohne unsere Initiative die Stimme für Esperanto erheben wird. Unsere Aufgabe ist es, möglichst vielen Menschen Esperanto zu lehren, sowie die Finanz- und Arbeitskraft-Grundlage sicherzustellen.
GERMANA Esperanto-Revuo 1973 05 aŭgusto 
In der Resolution des 58. Esperanto-Weltkongresses (Belgrad) sind einige Europa betreffende Punkte aufgeführt. Die Ergebnisse der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) markieren einen weiteren Schritt zur politischen Entspannung in Europa und geben Hoffnung auf intensivere wirtschaftliche Zusammenarbeit und kulturellen Austausch. Besonders geschätzt werden die Perspektiven der Massenkommunikation zwischen den europäischen Nationen und Einzelpersonen auf allen Feldern, mit wissenschaftlichen und wissensbasierten Austauschen über Fernsehen, Radio und Presse, bis hin zu kulturellem Tourismus. Die Resolution verweist darauf, daß wegen der großen Zahl der National- und Minderheitensprachen in Europa die Internationale Sprache Esperanto als neutrales Werkzeug der Kommunikation nicht nur in Europa, sondern auch in weltweiten Rahmen, zur vollen Verwirklichung eines solchen Kulturprogramms entschieden beitragen kann. Demgemäß ersuchen (wir) die Regierungen der europäischen Länder und die zuständigen Behörden der europäischen Institutionen dem sprachlichen Aspekt der kulturellen Beziehungen eine ernsthafte Beachtung zu widmen und die weitere Verbreitung von Esperanto und ihre Anwendung in einer internationalen Praxis voranzubringen.
Als Europäische Bürgerin sieht sich Ursula Grattapaglia, die im Italienischen Radio interviewt wurde. Man fragte sie u.a., welche Chansons sie gern hören würde. Darunter waren einige in Esperanto. Sie sprach auch darüber, daß sie sich weder deutsch noch italiensch, sondern alles in allem „europäisch“ fühlt, in dem Sinn, daß sie bereits die gebräuchlichen Auffassungen über eine Isoliertheit im Rahmen von geschlossenen Nationen überflügelte.
[:] EDE hat nicht im Sinn, etwa Nationalsprachen und Identitäten abzuschaffen. Jede Ebene hat ihr Recht. Und jede Ebene braucht ihre Sprache. Wir betonen das UND. Diesen Spagat müssen die Bürger aushalten. [se]
Gegen Kulturimperialismus spricht sich die Deutsche Esperanto-Jugend (DEJ/GEJ) aus. Berichtet wird über die 10. Weltfestspiele in Berlin (DDR). Grauhaarige FDJ-Funktionäre erzählten, daß sich letztlich alle perfekt verstehen, selbst wenn sie nicht miteinander sprechen können. Beim Diskutieren auf dem Alexanderplatz zeigte sich, daß für die Berufs-Antiimperialisten nur eine Form des Imperialismus existiert, die höchste Entwicklungsstufe des Kapitalismus. Besser verliefen die Gespräche mit gewöhnlichen DDR-Bürgern. Die jungen Esperantisten hatten die Möglichkeit, interessante Personen und Organisationen zu treffen.
Hermann Behrmann gab eine Europa-Postkarte heraus. Auf ihr ist ein Text in 14 Sprachen zu lesen: Esperanto ist sehr einfach und die Sprache für den modernen Tourismus, die Zweit-Sprache für die Welt und für dich.
[:] Aus der GERMANA Esperanto-Revuo wurde die Eŭropa Esperanto-Revuo (Europäische Esperanto-Revue). Die EER blieb noch eine Zeit lang das Informations-Heft für die oft deutschen Esperantisten. Es ist nicht direkt vergleichbar mit dem thematisch vielfältigeren UŜE-EĤO aus den 1930er Jahren, aber die Sprachenpolitik in Europa fand hier einen angemessenen Platz. [se]
Eŭropa Esperanto-Revuo 1975 01 januaro februaro
La prezidanto de GEA salutas la legantojn de
EŬROPA ESPERANTO-REVUE
(Der Präsident des DEB grüßt die Leser der
EUROPÄISCHEN ESPERANTO-REVUE)
Dr. Werner Bormann stellt in diesem Eröffnungsbeitrag einen Bezug zwischen dem aktuellen Zustand der Welt und Esperanto her. Das neue Jahr 1975 bringt hier eine neue Zeitschrift in euer Heim, welche dennoch nicht neu ist: Das traditionsreiche DEUTSCHE ESPERANTO-MAGAZIN dehnte seinen Horizont von einem der Staaten unseres Kontinents auf sein Ganzes aus – vornehmlich auf jenen sich bereits eng zusammenschließen Teil von Europa, welcher aufbrach, diesen schwierigen Weg vorerst in dem wirtschaftlichen Bereich zu gehen. Wir Esperantisten marschieren zusammen in dieser Internationalisierung.
Weiter schreibt Bormann darüber, daß Europa auch geistig unser Heimatland werden soll. Nach der Entwicklung der Nationalstaaten brauchen wir Mut, neue Wege zu gehen. Auch die Esperanto-Bewegung muß sich dem stellen. Schwierig ist der Bedeutungsverlust der Weltorganisationen. So kann Esperanto mit dortiger Anerkennung nicht viel erreichen. Auf diesem Weg wird Esperanto nicht gewinnen. Andere Wege mussten gegangen werden, z.B. ist die Zusammenarbeit in vereinigten Staatengruppen wie die in Europa auszubauen. Die Intensivierung dieser Arbeit wird mit dem neuen Titel und dem redaktionellen Konzept dieser Zeitschrift, EŬROPA ESPERANTO-REVUO, betont. Das andere ist die Eindringung in die Wissenschaft, wo die Interlinguistik langsam aber nachweisbar Ansehen erringt.
Bei der UEA wollten manche Führungskräfte ihren Weg weitergehen. Während des Esperanto-Weltkongresses in Hamburg brachte diese Suche Konsequenzen für die Zusammensetzung des Vorstands der UEA hervor. In unserem Entscheidungs-Ausschuß, dem „Parlament“ der Bewegung, trafen sich zwei Gruppen, die eine um das bisherige Konzept und die dies vertretenden Personen, die andere überzeugt von der Notwendigkeit einer breiteren Akzeptanz für neue Anregungen und für Mitwirkende mit den unterschiedlichsten Ideen. Durch die Abstimmung gewann die neue Gruppierung mit überwältigender Mehrheit, was die andere verärgert hat.
Die Grundlagen des Statuts und die darin dargelegten Grundsätze, unter denen die Neutralität der UEA hervorsticht, sind unveränderlich. Diese Neutralität ist für die UEA und die Bewegung wesentlich, denn ohne sie würde alles in eine an den politischen Systemen orientierte Gruppe zerfallen. Dann würden wir Angehörige einer Sprache für die Welt die Einheit in unseren Reihen verlieren. Jeder ist sich dessen bewusst, und dadurch ist die Neutralität nicht gefährdet, nicht einmal eine sichtbare Bedrohung. Würden wir Esperantisten in den westlichen Staaten unsere Lebensweise überall geltend machen wollen, müssten die nationalen Verbände in den sozialistischen Ländern die UEA verlassen. Und wenn sie kommunistische Tendenzen in die UEA einbringen wollten, würden die Länderverbände im Westen selbstverständlich die Vereinigung verlassen. Aber das wissen alle, auf beiden Seiten. Nur wenn wir die Balance nicht zerstören, bleiben wir arbeitsfähig. Aufgrund dieser logischen Tatsache kann die Neutralität nicht gefährdet werden.
Zudem besitzen wir unsere Grundlage. Fest darauf stehend arbeiten wir weiter. 1975 muss ein Jahr weiterer Erfolge werden. Eines davon wurde bereits verbucht: diese Zeitschrift, welche das Bestreben von grenzüberschreitender Zusammenarbeit in Europa aufzeigt. Ich bin überzeugt von der Richtigkeit dieses Weges.
Dr. Werner Bormann, Hamburg
Prof. D-ro Helmar Frank
Lingvopolitiko por Eŭropo (Sprachenpolitik für Europa) 
Prof. Dr. Helmar Frank, Paderborn, BRD, Direktor des Instituts für Kybernetische Pädagogik und Autor von „Thesen für die deutsche Sprachenpolitik“, hielt einen Vortrag über das Thema „Sprachenpolitik für Europa“ anlässlich der Eröffnung des 30. Internationalen Jugend-Kongresses 1974 in Münster. Eŭropa Esperanto-Revuo veröffentlicht den Vortrag, welcher sicherlich der Esperanto-Bewegung Impulse für die Tätigkeit auf dem europäischem Feld geben wird.
Prof. Frank sagte:
Mein Vortrag thematisiert die Sprachenpolitik für Europa. Aber ich werde hier das Wort Europa nur für die zukünftige Föderation der neun Länder verwenden: Belgien, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Dänemark, Irland, die Niederlande und Luxemburg.
Wie Sie wissen, werden in diesen neun Ländern offiziell sieben Nationalsprachen gesprochen: Die englische, französische, deutsche, italienische, dänische, irische und niederländische.
Das Sprachenproblem wird jedoch in dieser künftigen Föderation bedeutsamer sein als bisher in der Schweiz mit vier Sprachen, in Belgien mit drei Amtssprachen oder in Italien und Irland mit jeweils zwei Amtssprachen.
Das Sprachenproblem der Europäischen Föderation ist nur mit dem Sprachenproblem von Indien vergleichbar, wo offiziell 15 Sprachen gesprochen werden, somit eine gemeinsame Verständigungs-Sprache benötigt wurde. Diese Sprache war eine fremde Nationalsprache: Englisch. Indien beschloss, es nicht mittels Plansprache zu ersetzen, sondern durch eine der 15 eigenen Landessprachen. Wäre dies ein Modell für Europa?
Ich versuche in Anbetracht dessen, meine Antwort in fünf Schritten zu erreichen
1. die vielfältigen Möglichkeiten der nationalen Sprachpolitik, beispielsweise für die Deutsch-Sprecher;
2. das Dreieck aller politischen Standpunkte und seine Konsequenzen für die Sprachpolitik;
3. die 5 Kriterien für eine vernünftige Sprachpolitik;
4. das zu zu erwartende Ziel;
5. einige erste zweckdienliche Aktivitäten.
1. Möglichkeiten der nationalen Sprachpolitik
Politisch vermag jedes Volk seine eigene Sprache
– entweder zu behindern
– oder sich selbst zu überlassen
– oder zu unterstützen.
Die Politiker können ihre Sprache entweder direkt oder indirekt behindern. Sie können entweder angreifend oder verteidigend behindern.
1. Wie können wir beispielsweise die deutsche Sprache im Wettstreit der sieben Nationalsprachen der Europäischen Föderation direkt behindern? Wir können dies wirksam tun, indem wir nach und nach immer öfter eine andere Nationalsprache anstatt dem Deutschen in Wissenschaften, in Schulen und Massenmedien verwenden werden. Ich meine, daß es auf diese Weise möglich wäre, die deutsche Sprache innerhalb von zwanzig, dreißig Jahren nahezu vollständig auszulöschen.
2. Wie können wir unsere Nationalsprache im Sprachen-Wettstreit indirekt behindern? Ich sehe hauptsächlich zwei Möglichkeiten, um dies zu tun:
a) Wir können eine Fremdsprache aus der Sprachen-Menge aussuchen und vor allem ihre nicht nur passive, sondern auch aktive Verwendung in jeder Schule so lehren, daß niemand in Zukunft weiter unsere Nationalsprache für eine internationale Verständigung benötigen wird – und selbst nicht mehr für die nationale Verständigung!
b) Wir können Geld geben, um Konferenzen, Kongresse, Zeitschriften oder internationale Zusammenarbeit zu ermöglichen oder wenigstens wirksam zu machen, welche nur erlauben, andere Nationalsprachen zu nutzen, jedoch nicht die unsere. Dann werden wir bald unsere eigene Nationalsprache besiegt sehen – anscheinend im freien Wettbewerb.
3. Was würde geschehen, wenn die Politiker der Deutschsprachigen die deutsche Sprache sich selbst überlassen würden? In Deutschland ist bereits nicht nur eine Menge von Unterstützungen für die englische Sprache vollbracht worden (welche als einzige in jeder Schule unterrichtet wird!), so daß diese Sprache auf solche Weise nach und nach die deutsche Sprache in einen bloßen Dialekt umwandelnd besiegen würde. In unseren Schulen würde man die englische Sprache nicht mehr nur lernen, sondern würde sie sogar normal sprechen und selbstverständlich würde man als zweite Sprache die französische lernen, wenn die Französisch-Sprachigen fortgesetzt ihre Nationalsprache wirksam verteidigen. Aber ungeachtet dessen würde die englische Sprache auf der ganzen Welt nicht siegen – nicht nur wegen der wachsenden Opposition der Dritten Welt gegen alle Sprachen des vergangenen Imperialismus, sondern vor allem wegen der zahlenmäßigen Überlegenheit einer anderen Sprache, welche dem Englischen in wichtigen Merkmalen ähnelt: Ich ziele auf das Chinesische ab. Niemals würde ein Chinese seiner Sprache entsagen. Folglich müssten auch unsere Kinder diese Sprache lernen.
4. Wie können wir beispielsweise der deutschen Sprache im Nationalsprachen-Wettstreit attackierend helfen?
a) Agierend könnten unsere Politiker das Erlernen unserer Sprache im Ausland unterstützen, beispielsweise mittels Geld und einzufordernder Ausgleichs-Leistung für die Entwicklungs-Hilfe.
b) Reagierend könnten unsere Politiker wenigstens die Gleichberechtigung unserer Sprache als Vorbedingung für unsere Mitarbeit und Zahlungsbeteiligung in internationalen Gremien oder Projekten einfordern, – und unsere Gremien könnten alle fremdsprachigen Petitionen ignorieren.
5. Wie können wir verteidigend unserer Nationalsprache gegen die bevorstehende Auslöschung helfen? Zweifellos taugen nur die folgenden drei Handlungen gemeinsam:
a) der Unterricht von verschiedenen fremden Nationalsprachen nach Wahl in den Schulen in der Weise, daß keine fremde Nationalsprache von allen verstanden werden wird;
b) der weitgehende Verzicht auf den aktiven Besitz von nur einer oder zwei fremden Nationalsprachen und das Erlernen der nur passiven Verwendung von sonstigen Sprachen;
c) die Wahl von einer klaren, anpassungsfähigen und leicht zu erlernenden neutralen Sprache für Europa, also die Wahl einer Plansprache und das Erlernen ihrer passiven und aktiven Verwendung.
Möglicherweise versteht jemand nicht, warum nur eine fremde Nationalsprache unsere eigene Nationalsprache bedrohen würde, nicht aber ebenfalls eine neutrale Plansprache. Man bedenke, daß wichtige linguistische und soziologische Unterschiede zwischen Nationalsprachen und Plansprachen bestehen. Jede noch lebende Nationalsprache erfüllt mindestens drei Funktionen:
A) Sie ersetzt den Nestgeruch der Tiere, damit ermöglichend fremde Tiere derselben Art wahrzunehmen. (Nur ein kindlicher Deutscher vermag das englische oder französische so perfekt zu lernen, daß die Engländer beziehungsweise die Franzosen ihn nicht mehr sofort als Fremden wahrnehmen. Unsere schwäbischen Angehörigen gleichen Dialekts würden sagen: „’s isch a Reigschmecktr!“ – auf Esperanto: „Er ist ein Herein-Riechender!“)
B) Sie bewahrt – teils verborgen in unübersetzbaren Redewendungen – die historischen Erfahrungen des jeweiligen Volkes und formt so die typische Denkweise seiner Angehörigen, also die Beschaffenheit seiner Kultur.
C) Sie ermöglicht die Kommunikation. —
Jede bereits tote Nationalsprache erfüllt nur noch die dritte und (teilweise) die zweite Funktion. Jede neutrale Plansprache soll nur die dritte Funktion erfüllen.
Wenn also beispielsweise die englische Sprache zur Europäischen Verständigungs-Sprache werden würde, blieben die anderen Völker „Herein-Riechende“ bis zum Tod ihrer Nationalsprachen und ihrer Kultur. Der Engländer brauchte nicht irgendeine andere Sprache zu lernen, da er nicht nur englisch kommunizieren würde, sondern auch englische Zeitungen lesen und auf andere Weise an der englischsprachigen Kultur teilnehmen würde. Aber der Nicht-Engländer, welcher zunächst die englische Sprache nur für die internationale Kommunikation lernte, könnte sich Denkarbeit sparen, auf seine eigene Sprache und Kultur nach und nach verzichtend, die englischen Zeitungen lesend, die englischen Radiosendungen hörend und so wenigstens bei seinen Kindern den Geruch von Untertanen vermeidend.
Diese Aufeinanderfolge wird mit einer neutralen Plansprache wie der Europäischen Verständigungs-Sprache niemals ermöglicht werden. Nicht, weil in Zukunft die Muttersprache eines jeden Volkes, die kulturelle Pluralität, also der geistige Reichtum Europas, bestehen bleiben wird.
Fortsetzung folgt!
  Eŭropa panoramo (Europäisches Panorama) 
  El la Redakcio (Aus der Redaktion) 
Über 27 Jahre erschien Germana Esperanto-Revuo, und viele Menschen trugen auf unterschiedliche Weise zum regelmäßigen Erscheinen bei. Einen besonderen Dank verdienen die zwei vorhergehenden Redakteuren Josef F. Berger, Köln, und Richard Reuchlin, Mannheim.
Leider wurden während der letzten Jahre wegen der Explosion der Kosten und Preise mehr und mehr Schwierigkeiten verspürt, speziell finanzielle. Diese finanziellen Schwierigkeiten begründeten nicht nur das Bedürfnis des Redakteurs Richard Reuchlin, die Mitarbeit aufzugeben, sondern sie führten auch zu einem Sichverzögern im Erscheinen. Es wurde also erforderlich, einen Ausweg und ein Mittel zu finden, die Zahl der Leser und Abonnenten zu erhöhen, da die Abonnementbeiträge der Mitglieder des Deutschen Esperanto-Bundes nur die Hälfte der Kosten decken.
Nach einer Umfrage unter den Lesern und im Einverständnis mit dem Vorstand des Deutschen Esperanto-Bundes entschied ich, daß die Zeitschrift ab 1975 unter dem Namen EŬROPA ESPERANTO-REVUO erscheinen solle. Das neue Redigierungs-Konzept des Magazins wird sicherlich helfen, neue Leser und Abonnenten in unserem Land und im Ausland anzuziehen. Aber das Magazin wird natürlich auch zukünftig über die deutsche Esperanto-Bewegung berichten und die offiziellen Informationen des Deutschen Esperanto-Bundes enthalten.
Nach der Umbenennung behalten sich der Deutsche Esperanto-Bund und der Verlag Ludwig Pickel das Recht auf den Namen „Germana Esperanto-Revuo“ vor.
Hier präsentiere ich also die erste Nummer der Eŭropa Esperanto-Revuo und ich bitte die Abonnenten, dem Magazin auch unter dem neuen Namen treu zu bleiben. Gleichzeitig bitte ich um das Verständnis der unabhängigen Abonnenten, dass ich die jährlichen Abonnement-Kosten auf 16 DM erhöhen musste.
Ludwig Pickel
Agadlinioj kaj ĉefaj taskoj por 1975 de eec
(Aktionslinien und Haupt-Aufgaben des EEC für 1975)
Der Vertrag von Luxemburg, während des Ersten Europäischen Esperanto-Kongresses im Jahr 1973 grundsätzlich angenommen und von sieben Landesverbänden unterzeichnet, zeigt deutlich die Absichten des Europäischen Esperanto-Zentrums für die Länder des Gemeinsamen Marktes. Wohl wissend, daß noch nicht alle Arbeiten bereits jetzt ausführbar sind, daß eine „Einführung“ von Esperanto in EG-Institutionen nur eine „weitläufige Information“ bedeutet, war es bis jetzt sogar schwierig, für einige Projekte die Unterstützung aller Landesvertreter und Landesverbände zu erhalten.
Jeder kann verstehen, daß Arbeitspläne und Vorschläge wertlos sind, wenn die Mitarbeiter fehlen! Um im Rahmen der EG-Institutionen irgendetwas zu erreichen, gibt es nur ein Mittel, dies ist: Gemeinsames Handeln! 
Wie nützlich ist uns eine gemeinsame Sprache, wenn wir nicht vermögen, gemeinsam zu handeln? Sind selbst wir Esperantisten zu nationalistisch? Sind bedeutende Errungenschaften in anderen Ländern nicht nachahmenswerte Vorteile? Stattdessen ignoriert man sie oft! Ist es nicht unsere Aufgabe, die Autoritäten über Erreichtes und Erfolge in anderen Ländern in Kenntnis zu setzen? Ergebnisse von für Esperanto vorteilhaften Umfragen sollen in allen Ländern bekannt gemacht werden.
Ĉefaj taskoj por 1975 (Haupt-Aufgaben für 1975) 
1. Ein Handeln zwischen Parlamentariern in Zusammenarbeit mit Hrn. Ron Coverson, welcher verantwortlich für die parlamentarische Einflussgruppe in Großbritannien ist; Zusammenarbeit mit der UEA-Kommission für Außen-Beziehungen. Wir bitten unsere mit den Landesverbänden zusammen-arbeitenden Repräsentanten, Listen der Abgeordneten zusammenzustellen (Namen, Titel und Adressen), und Kopien zum Europäischen Esperanto-Zentrum und zur Esperanto-Einflussgruppe 601 Duncan House, Dolphin Square, London S. W. 1, Großbritannien zu senden. Bitte beachten Sie das beigefügte Rundschreiben 1 vom EEC. 
2. Verbreitung und Fortsetzung der Kontakte mit Europäischen Instanzen und den Landes-Esperantististen-Verbänden.
Schreiben Sie an: Europäisches Esperanto-Zentrum, Sekretariat, Frederikslaan 47, Schoorl, 1719, Niederlande.
Traktato de Romo en Esperanto
(Römische Verträge in Esperanto) 

Schoorl (pp). Die Römischen Verträge sind in Esperanto übersetzt worden. Herr N. Mulders aus Aruba, Nied. Antillen übersetzte sie. Damit leistete er einen großen Beitrag zur Arbeit des Europäischen Esperanto-Zentrums. Das Zentrum sucht nun finanzielle Mittel, um dieses grundlegende Dokument der Europäischen Wirtschafts-Gemeinschaft aus dem Jahr 1957 herauszugeben. Botschafter Ralph Harry spendete eine Prämie und ist bereit, Exemplare des gedruckten Buches in einem Wert von 100 Dollar zu kaufen. Wer vermag zu helfen, damit die Ausgabe verwirklicht werde? Schreiben Sie an das Europäische Esperanto-Zentrum, Frederikslaan 47, Schoorl 1719, Niederlande.
Partia gremio diskutas pri planlingvo
(Parteiausschuss diskutiert über Plansprache) 
Düsseldorf (pp). Der Arbeitskreis „Sekundarstufe I“ der FDP, Fachausschuss für Schulpolitik, unter dem Vorsitz von Fr. H. Schmiedel, Dortmund, und Prof. Dr. Dr. Helmar Frank, Paderborn, entschied am 13.1.75 verbunden mit den von den Liberalen vorgeschlagenen Einstiegs-Bedingungen in die Sekundarstufe I unter anderem: „Es ist durch Experimente in Schulen (ersten Grades? / Grundschulen?) zu untersuchen, in welchem Maß (außerdem als vorzuschlagendes freiwilliges Fach) ein Unterricht der interlinguistischen Plansprache als didaktisches Modell einer Fremdsprache den Blick in die Muttersprache vertieft, die Gefahr von Legasthenie verringert, das Erlernen der ersten Fremdsprache in der Sekundarstufe I erleichtert und als spätere Entscheidungs-Hilfe für die Wahl dieser Sprache (besonders zwischen Englisch, Französisch und Latein) geeignet ist.“
Die Lehrinhalte der Sekundarstufe I (5.-10. Schuljahr) betrachtet, wurde weiter gefordert: „Den essenziellen Bereich umfassen vorübergehend 5 Teile, zu denen nach der angestrebten Übereinkunft über eine gemeinsame europäische Zweitsprache der Europäischen Gemeinschaft (gegebenenfalls eine neutrale interlinguistische Plansprache als Synthese der europäischen Nationalsprachen) diese vereinbarte Sprache als sechster Teil hinzugefügt werden wird.“
Tria marŝo de Eŭropo (Dritter Marsch von Europa)
Brüssel (pp/gp). Während der nächsten Osterferien, vom 29. März bis zum 11. April, wird eine große Gruppe junger Menschen mehrere hundert Kilometer laufen, und zwar von Brüssel nach Straßburg, durch Namur, Ciney, Bastogne, Martelange und Luxemburg.
Dieser Marsch hat das Ziel, das Volk auf die gegenwärtigen Probleme aus europäischer Sicht im Rahmen des Hauptthemas des Marsches aufmerksam machen: „Freundschaft über Grenzen hinweg“. Es ist auch möglich, nur ein paar Etappen hindurch zu gehen, aber es ist wichtig, daß ausländische Esperantisten teilnehmen, weil es eine gute Gelegenheit ist, um ein nicht-esperantistisches Jugend-Milieu anzusprechen und um zu beweisen, daß Esperanto eine geeignete Sprache für Europa werden kann.
Erbitten Sie Informationen beim Veranstalter: Hrn. Réne Rochette, 18, rue Gatti de Gamond, B-1180 Brüssel.
Internacia Junulara Renkontiĝo en Luksemburgo
(Internationales Jugend-Treffen in Luxemburg) 

Luxemburg / Münster (pp). Mit dem Luxemburger Esperanto-Verband und seiner aktiven Jugend zusammenarbeitend veranstaltet die Deutsche Esperanto-Jugend zu Ostern vom 27. März bis zum 1. April 1975 ihr traditionelles Frühjahrs-Treffen.
Treffpunkt:
Europäisches Haus in Luxemburg / Pfaffenthal, 6 rue Vauban, Luxemburg. Das ganze Haus steht mit guten Übernachtungs-Möglichkeiten (1- bis 3-Bett-Zimmer), Tagungsräumen, Café usw. zur Verfügung.
Rahmenthema:
„Eine Plansprache für Europa?“ Es wird verschiedene Arbeitsgruppen / Vorträge, u. a. über „Geschichte der Plansprache in Europa“ – „Geschichte des europäischen Sprachenproblems“ geben. – Vormittags (hauptsächlich) werden mehrere Arbeitsgruppen für Anfänger- und Fortgeschrittenen-Kurse zustande kommen.
Unterthema:
„Luxemburg – Geschichte und Folklore“ mit verschiedenen Attraktionen und einem Besuch des Folkloremarktes „Emaischen“.
Vorgesehen sind auch eine ganztägige und landesweite Exkursion bzw. wenn man möchte, nur eine zweistündige Hauptstadt-Exkursion. Außerdem wird ein großer Osterball stattfinden.
Lokale Veranstalter: Beby Hopp, Albert Wickler, Hans-Dieter Platz. Jeder Anmelder wird rechtzeitig Detail-Informationen erhalten!
Eŭropa Esperanto-Revuo 1975 02 marto
El la Germana Esperanto-movado
(Aus der deutschen Esperanto-Bewegung)
Estrarkunsido de GEA (Vorstandssitzung des DEB)
Mehr als neun Stunden lang tagte der Vorstand des DEB unter Leitung von Dr. Werner Bormann am 15. und 16. März in Wuppertal. Zu Beginn der Sitzung, deren Tagesordnung 23 Punkte beinhaltete, stellte der Vorstand fest, daß die Beziehungen zur UEA und ihrem Vorstand in guter Ordnung seien.
Aus den getroffenen Entscheidungen erwähnen wir:
Für die kommenden Deutschen Esperanto-Kongresse beschloss der Vorstand, der Jahreshauptversammlung die Annahme der Einladungen vorzuschlagen von
Eindhoven – Ostern 1976 als Europäischen Esperanto-Kongreß zusammen mit belgischen und niederländischen Esperanto-Verbänden;
Bonn – im Herbst 1976, wenn eine Konferenz mit Politikern von allen Fraktionen des Parlaments zum Sprachenproblem stattfinden soll;
Paderborn – zum Deutschen Esperanto-Kongreß Pfingsten 1977; vor oder nach dem Kongreß soll eine Konferenz über Esperanto und Informatik stattfinden.
Der Vorstand beschloß, die Idee zu favorisieren, daß ausländische Gäste auch eine Vortragsreise durch die Bundesrepublik Deutschland zurücklegen können sollen.
DEB wird in den kommenden Wochen einen neuen Werbeprospekt zur umfassenderen Information und Werbung außerhalb unserer Kreise herausgeben. Er wird gut auf Messen oder ähnlichen Veranstaltungen nutzbar werden.
Elsbeth Bormann
Vorstandsmitglied Information betreffend
Broŝuro de scienca instituto en Esperanto
(Broschüre eines wissenschaftlichen Instituts in Esperanto)
Paderborn (pp). Demnächst wird eine Broschüre mit einem Bericht der Arbeit seit 1971 und die künftigen Projekte des „Instituts für Kybernetische Pädagogik im Forschungs- und Entwicklungszentrum für objektivierte Lehr- und Lernverfahren“, Paderborn, dessen Leiter Prof. Dr. Helmar Frank ist, erscheinen. Die verwendeten Sprachen sind die deutsche und Esperanto. Daß man auch Esperanto verwendete, bedeutet nicht, daß man „weltweit eine größeres Beachtung mittels eines bloßen Auffallens des Berichts erreichen will, sondern es ist ein Wunsch des kybernetischen Instituts, auf die Anforderungen der zahllosen Eingabe-Verarbeitung achtzugeben.“ Die Broschüre enthält Beiträge von 12 Instituts-Mitarbeitern und die Esperanto-Übersetzung besorgen sieben sachkundige Esperantisten. Sie umfasst 70 Seiten im Format DIN A5. Der alleinige Vertreiber für Esperantisten ist Libroservo Ludwig Pickel, Nürnberg, wo man bereits jetzt die interessante und wichtige Ausgabe, welche sicher auch eine informative und werbende Wirkung haben wird, vorbestellen kann. Der Preis wird festgesetzt werden, aber zurückhaltend sein.
Die Broschüre erschienen zwischenzeitlich. Ihr Preis beträgt 3,— DM.
Podiaj diskutoj kun la partioj 
(Podiumsdiskussionen mit den Parteien)
Die Esperanto-Jugend Paderborn, BRD, lud die drei staatstragenden Parteien zu einer Podiums-Diskussion über die zukünftige europäische Kultur- und Sprachenpolitik der Reihe nach ein, die Liberaldemokraten, die Sozialdemokraten und die Christdemokraten. Man kann behaupten, daß die Esperanto-Jugend die sehr günstige Gelegenheit für so beschaffene Veranstaltungen ausnutzte, da derzeit Wahlkampagnen stattfinden und die Parteien solche Einladungen bereitwillig annehmen. Die Diskussionen leitete der Präsident der Esperanto-Jugend Paderborn, Karl Trimborn, geschickt.
Esperanto-kursoj per Robbimat-2 en Primošten
(Esperanto-Kurse durch Robbimat-2 in Primošten)

Der Europa-Klub (Präsident Hermann Behrmann, Paderborn) beabsichtigt, vom 3. bis 30. August Esperanto-Ferienkurse in Primošten, Jugoslawien, zu veranstalten. Die Besonderheit an diesen Kursen ist, daß eine Hälfte des Unterrichts mittels des neuesten Schulungs-Automaten Robbimat-2 des Forschungszentrums Paderborn, BRD stattfinden wird; die andere Hälfte wird in traditioneller Form ausgeführt. Die Kurse werden vormittags ablaufen. Die Teilnahme für 1 Woche kostet 30 Dt. Mark.
Teilnahme-Anmeldungen sind an den Europa-Klub, D-479 Paderborn, Riemekestraße 62 zu schicken.
Eŭropa Esperanto-Revuo 1975 03 aprilo majo 
Prof. Dr. Helmar Frank 
Lingvopolitiko por Eŭropo (Sprachenpolitik für Europa) 
Dua parto kaj fino (Zweiter Teil und Ende)
2. La triangulo de ĉiuj politikaj starpunktoj

(2. Das Dreieck aller politischen Standpunkte)
Bis jetzt sprachen wir nur über die verschiedenen sprachpolitischen Möglichkeiten, ohne zu sagen, welche wir realisieren sollten. Normalerweise hängen politische Entscheidungen von dem allgemeinen politischen Standpunkt ab. Der rechte Abgeordnete entscheidet wegen seines generellen Standpunkts anders als der linke Abgeordnete. Aber was bedeutet „rechts“ und „links“
Ursprünglich kennzeichnete „rechts“ beziehungsweise „links“ die Ideologie der rechts beziehungsweise links vom Präsidenten sitzenden Abgeordneten. Die rechten Abgeordneten bevorzugen normalerweise, die bestehende Ordnung zu erhalten, anstatt die Gleichheit zu erweitern. Die Linken sind hingegen egalitärer als geneigt zu bewahren. Anscheinend kann man jeden Staatsangehörigen und jeden Staat nach dem Verhältnis zwischen seiner Bewahrungsneigung und seinem Hang zur Gleichheit politisch lokalisieren. Wer die Beibehaltung und die Gleichheit gleichermaßen mag, wurde also in der Mitte lokalisiert.
Aber obwohl diese Intuition, dieses Bild der politischen Welt gebräuchlich ist, ist sie dennoch verkehrt. Weil wir nicht nur zwei grundlegende Werte beherzigen müssen, nämlich die Gleichheit und die Beibehaltung (oder Stabilität), sondern mindestens drei solcher Werte. Wir lieben auch und so manche sogar zuerst – die Freiheit. Alle politischen Standpunkte sind also im Dreieck FGH lokalisiert, wo F die reine Liebe zur Freiheit, G die reine Liebe zur Gleichheit und H die reine Liebe zur Dauerhaftigkeit oder Stabilität bedeutet. Normalerweise liegt der Standpunkt innerhalb des Dreiecks; er kann im liberalen Bereich verortet sein, wenn man zuerst Freiheit bevorzugt, oder im konservativen Bereich, wenn man zuerst Stabilität bevorzugt, oder im kollektivistischen Bereich, wenn man Gleichheit bevorzugt. Alle der drei Bereiche kann man der zweiten Auswahl entsprechend unterteilen. So finden wir den Ort der Rechts-Liberalen und der Links-Liberalen – aber auch die zwei anderen politischen Gruppen haben je zwei Flanken.
Aus dem Verhältnis zwischen seiner Freiheitsneigung, seinem Hang zur Gleichheit und seiner Tendenz zur Stabilität können wir nun den Standpunkt von jedem Staatsangehörigen und analog dazu jedes Staates in unserem „Werte-Dreieck“ berechnen. Um den relativen Grad der drei Vorlieben irgendeines Staatsangehörigen zu messen, bilden wir eine Gruppe von Forderungen und veranlassen ihn, diesen Forderungen zu bejahen oder zu verneinen. Um den Standpunkt eines Staates gleichartig zu berechnen, untersuchen wir die realisierte Verfassung dieses Staates. Was ist nun die jeweilig richtige sprachpolitische Entscheidung der drei politischen Gruppen – und welcher ist der jeweilige Grund?
Wenn wir die drei Extreme unbeachtet lassen, erblicken wir, daß in jedem Fall wegen des eigenen Standpunkts die Hilfe für die Nationalsprache die richtige Sprachpolitik ist, genauer: zuerst die abwehrende Hilfe durch Unterstützung einer Plansprache. Allein die Gründe sind verschiedene – genauer: die Reihenfolge der Gründe.
1. Für den Kollektivismus ist der Hauptgrund für die Plansprache als Europäisches Verständigungsmittel die Forderung nach Chancengleichheit. Der Kollektivist wünscht nicht nur Chancengleichheit unabhängig von der sozialen Herkunft, sondern auch unabhängig von der Eltern-Sprache. Die vom Paderborner Institut für Kybernetik realisierte Einschätzung ergab als Durchschnitt der Meinungen von 776 Teilnehmern, daß nur etwa 7% der deutschen Schüler die englische Sprache in 1500 Stunden genügend gut lernen können, damit die Chancengleichheit mit englischen Kollegen ermöglicht wird. Der Kollektivist kann diese möglicherweise zukünftige neue Elite dieser 7% – zuzüglich dem englischen Volk – nicht akzeptieren.
2. Der Konservative wünscht hauptsächlich, die historisch gewachsenen Europäischen Sprachen nicht nur als Nationalsprachen, sondern auch als erlernbare Fremdsprachen zu erhalten. Die etwaige Funktion irgendeiner Europäischen Nationalsprache als unsere zukünftige Verständigungs-Sprache würde nach und nach die anderen töten und die Schwierigkeit des hinreichenden Erlernens dieser Sprache würde die Zeit rauben, um auch nur eine von den anderen zu erlernen.
3. Für den Anhänger des Liberalismus ist ebenfalls die Verwendung einer Plansprache die beste Sprachenpolitik, weil wir auf diese Weise nicht nur mehr als 80% der Zeit für das Erlernen der Verständigungs-Sprache als erste Fremdsprache sparen, sondern danach auch weitere 20 bis 50 Prozent für das Erlernen der wenigstens passiven Nutzung verschiedener Nationalsprachen. Zeit zu sparen bedeutet selbstverständlich die Freiheit zu erweitern. Daß die verschiedenen politischen Gruppen aus verschiedenen Gründen nur gerade das selbige sprachpolitische Ziel erreichen können, dies können wir aus dem Resultat der durchgeführten Umfrage des Paderborner Institut für Kybernetik vom Frühjahr 1974 nachvollziehen. Von 776 Beantwortern wünschen 76% die Gleichberechtigung aller sieben Sprachen in der Europäischen Föderation, zumindest 78% die Gleichberechtigung zwischen der französischen und der deutschen Sprache, 79% würden sich die internationale Verwendung einer Plansprache für Zusammenfassungen von Artikeln in Fachzeitschriften wünschen und sogar 89% wären bereit, die von den europäischen Ländern gegebenenfalls vereinbarte Planungssprache selbst zu erlernen.
Ich möchte gern eine Bemerkung hinzufügen, um die etwaige Meinung richtigzustellen, daß ich unfreundlich gegenüber dem englischen Volk bin. Anlässlich der Eröffnung des 59. Esperanto-Weltkongresses in Hamburg schlug ein Sprecher der Esperanto-Gruppe in beiden Häusern des englischen Parlaments den Parlamenten der Europäischen Staaten vor, nicht die englische Nationalsprache, sondern Esperanto als Verständigungs-Sprache zu benutzen. Hoffen wir, daß diese Weisheit bald auch im Deutschen Bundestag erstrahlen wird.
3. Fünf Kriterien für eine vernünftige Sprachenpolitik
Wir können jetzt flugs die notwendige sprachpolitische Meinungs-Übereinstimmung präzisieren. Was sind die Kriterien jeder vernünftigen Sprachenpolitik für Europa? Ich sehe fünf notwendige Bedingungen:
a) Die Sprachbarrieren in Europa sollen wirtschaftlich überwunden werden.
b) Die Wirtschaftlichkeit soll an den künftigen Generationen gemessen werden, aber die Kosten für die heute arbeitende Generation müssen angemessen sein.
c) Keine Nation soll erheblich mehr als eine andere Nation ohne angemessene Entschädigung opfern.
ĉ) Das in der Nationalsprache bewahrte kulturelle Erbe jedes der sieben Völker darf nicht für die nächste Generation dieses Volkes verschlossen bleiben.
d) Man vergesse auch nicht, daß auch die umzusetzende rationale Sprachenpolitik die Realität des aus Ungleichheit der Nationalsprachen erblühenden irrationalen Chauvinismus betrachtet werden muß.
4. Das zu erreichende Ziel
Ich meine, daß die folgenden weitreichenden Ziele den Kriterien für eine vernünftige Sprachenpolitik und auch den verschiedenen flankierenden Zielen der verschiedenen politischen Gruppen genügen.
a) Man soll eine Plansprache als Verständigungs-Sprache von Europa noch in diesem Jahrzehnt erwählen.
b) Jeder Europäer soll in der Zukunft die Europäische Plansprache als erste Fremdsprache nicht später als in seinem neunten oder zehnten Lebensjahr erlernen.
c) Zumindest in den Gymnasien soll jeder Schüler nach eigener Entscheidung wenigstens den passiven Gebrauch zweier selbstgewählter Nationalsprachen oder den passiven und aktiven Gebrauch von mindestens einer Nationalsprache der Europäischen Föderation erlernen.
ĉ) Die Sprache der Schulen, der nationalen Behörden und des inländischen Handels, der Industrie, der Presse und des Rundfunks soll die Nationalsprache bleiben. Für den Verkehr füge man nur die europäische Plansprache hinzu.
d) Die Kommunikation mit Computern als Informations-Systeme soll aufgrund der Leichtigkeit mittels der Europäischen Plansprache funktionieren. Darum soll man sich bemühen, Übersetzungs-Programme aus den Nationalsprachen in die Europäische Plansprache zu realisieren.
5. Erste zweckdienliche Handlungen
Was können wir sofort tun? Wir sollten drei Aspekte von Esperanto klar auseinanderhalten:
a) Esperanto als Liebhaberei
b) Esperanto als Kommunikationsmittel
c) Esperanto als Weltanschauung
Vor allem haben wir strikt jede Vermischung dieser drei Aspekte zu vermeiden, weil sie den Feinden der Internationalen Sprache helfen würde; ihre Strategie ist ja doch: Aus Mangel an rationalen Argumenten verhöhnend zu lächeln, wo unbeachtet lassen unmöglich ist.
Machen wir außerdem Esperanto als Liebhaberei attraktiv, nutzen wir es als Kommunikations-Mittel und verallgemeinern wir den rationalen Kern der esperantistischen Weltanschauung auf die Idee aller Plansprachen.
Was bedeutet das im einzelnen?
1. Esperanto als Hobby braucht mehr Öffentlichkeit und mehr Modernität, um auch attraktiv für Nicht-Esperantisten zu sein.
a) Wünschenswert sind verschiedene angenehme Ferienorte oder organisierte Ferienreisen mit Esperanto-sprechener Umgebung.
b) Man könnte Ferien mit einem audiovisuellen Esperanto-Kurs für nur eine Stunde täglich anbieten. Das Paderborner Institut für Kybernetik baute ein solches System. Eventuell wird es im kommenden Sommer in Primošten funktionieren.
c) Leider sind Nicht-Esperantisten nur selten bei den Esperantisten-Ferien anwesend, da solche Möglichkeiten normalerweise unbekannt bleiben. Es wäre wichtig, Übersichten zu Esperantisten-Ferien – grundsätzlich über solche mit Sprachkursen – in den Reiseheften der Reiseveranstalter zu haben. Dies würde nicht notwendigerweise höhere Kosten für Esperantisten bedeuten, da sich die Mitglieder von Esperanto-Gruppen zu den vorhergehenden Kosten über jene Gruppe wie bisher anschließen könnten.
2. Esperanto wird bis jetzt noch nicht genügend als Kommunikationsmittel genutzt. Die Esperantisten könnten wirksam helfen, den Vorteil der Internationalen Sprache in kleinen internationalen Fachgruppen mitarbeitend zu vergrößern, welche wahrscheinlich die Internationale Sprache als eine Verständigungs-Sprache akzeptieren werden. Ich sehe hauptsächlich zwei Möglichkeiten:
a) Die Bildungs-Technologie und die Kybernetische Pädagogik betreffend existiert bereits einen internationale Gesellschaft, nämlich die GPI (Gesellschaft für Programmierte Instruktion) mit einer interlinguistischen Arbeitsgruppe namens ILUS (Interlinguistik und Sprachkybernetik). Diese Gruppe akzeptierte bereits Esperanto neben Deutsch als Arbeitssprache. Es wäre zweckdienlich, wenn viele Esperantisten an der internationalen Arbeit von GPI teilnehmen würden, damit Esperanto nicht nur in der ILUS-Gruppe, sondern auch in der gesamten GPI akzeptiert wird.
b) Die Arbeit an der Mensch-Computer-Kommunikation auf Esperanto ist bedeutsam und chancenreich. Sobald mindestens ein Computer auf Esperanto antworten wird, wenn man ihn beispielsweise nach Zusammenfassungen wissenschaftlicher Artikel fragt, dann werden sicherlich die Informatiker anfangen, außer der englischen auch die Internationalen Sprache zu verwenden.
c) Zu empfehlen wäre, die dann teilnehmenden Kinder in Esperantokursen auch über das für den Arzt am Ferienort nützliche Wörterbuch sowie eine Satzsammlung zu unterrichten. Man könnte einen kleinen Schlüssel in Latein für eine Übergabe an einen ausländischen Arzt hinzufügen.
ĉ) Das Paderborner Institut für Kybernetische Pädagogik und das Institut für Kybernetik in Berlin und Paderborn fügen seit einigen Monaten jedem ins Ausland zu versendenden Brief ein mehrsprachiges Schreiben hinzu, welches verschiedene Sprachen zum Beantworten vorschlägt, informiert jedoch, daß das Institut selbst aufgrund der größeren Effektivität der Schreibarbeit die Korrespondenz nach Wahl nur in Deutsch oder Esperanto weiterführen wird. Hoffentlich werden bald andere desgleichen tun.
d) Man kann die internationale Sprache stärker auch untereinander mit Ausländern sprechend oder sogar in deren bloßer Anwesenheit nutzen. Sich in unserer Nationalsprache mit einem Gleichsprachigem in Gegenwart eines Fremdsprachigen Esperanto sprechenden zu unterhalten (somit zu „krokodili(-ren)“), ist ein wenig unhöflich – so wie Flüstern. Sich mit einem Fremdsprachigen in seiner Nationalsprache zu unterhalten (somit zu „aligatori(-ren)“), ist dagegen sehr zuvorkommend, aber man wird auf lange Zeit untertänig oder sogar gedemütigt werden. Sich mit jemandem mittels einer für beide fremden Nationalsprache zu unterhalten (somit zu „kajmani(-ren)“), ist immer lächerlich. Denn in diesem Fall werden die zwei ersten Funktionen der Nationalsprache, über die wir bereits sprachen und die der Grund für ihre Schwierigkeit sind, widersinnig.
3. Abschließend sollten wir Esperanto ein wenig als Weltanschauung überdenken. Dieser Aspekt behindert die Internationale Sprache sehr, da die Öffentlichkeit die Esperantisten oft als Sektierer betrachtet, deren Ideologie die Ignoranz aller Nationalität, die ganz und gar umfassende Freundschaft, sogar der Vegetarismus usw. ist. Esperanto soll ein Werkzeug sein, um diese und andere Ideologien zu verbreiten, aber sie sollen keine Werkzeuge sein um Esperanto zu verbreiten! Der rationale Kern der Argumentation genügt: Wir versuchten heute, ihn darzulegen. Das Ziel des Arguments ist vernünftigerweise zu verallgemeinern: Wir brauchen gewiss eine neutrale Plansprache für Europa – vielleicht wird diese Esperanto sein (und selbst für die germanischen Völker zu hoffen!). Aber versuchen wir, nur die öffentliche Diskussion über Sprachenpolitik, Interlinguistik und die zukünftige Europasprache zu entfachen, nicht ausdrücklich die Diskussion um Esperanto.
Ich meine, daß drei Aktivitäten zweckdienlich sein werden:
a) Unterstreichen wir die zwei neuen Aspekte der Interlinguistik: Die Bearbeitbarkeit von Plansprachen mit dem Computer und ihre Bildungs-ökonomischen Möglichkeiten. Die Plansprache ist also kein zu früh gekommenes, sondern ein modernes Thema!
b) Tragen* wir öffentlich positive und negative Merkmale für die Europäische Verständigungs-Sprache vor und unterstreichen, daß es Israel und Indonesien gelang, neue, zumindest teilweise geplante Sprachen einzuführen.
c) Fordern wir sprachpolitische Fachgruppen von den politischen Parteien. Wahrscheinlich werden wir schneller in kleinen als in großen Parteien erfolgreich sein. Das Institut für Kybernetik fragte in seiner Erhebung, welche politische Partei aus dem Deutschen Bundestag würde wahrscheinlich als erste Partei ein sprachpolitisches Ziel herausstellen? Nahezu die Hälfte der Antwortenden drückten keine Meinung aus; der größere Prozentsatz vermutet dies bei der kleineren Partei: der Liberalen Partei FDP, und der kleinere Prozentsatz nannte die größere Partei: die konservative Partei CDU. Wahrscheinlich wird die FDP im Oktober beschließen, ihre sprachpolitische Fachgruppe zu etablieren, und ich möchte gern die deutschen Anwesenden dazu einladen, im Rahmen dieser Partei zusammenzuarbeiten.
Geehrte Damen und Herren, ich sprach nur über die Sprachenpolitik für die zukünftige Europäische Föderation. Aber ich vertraue darauf, daß wir nicht nur erfolgreich sein werden, eine neutrale Plansprache einzuführen, sondern daß diese Plansprache auch von den anderen Ländern Europas und auf den anderen Kontinenten akzeptiert werden wird. Denn die zwei am weitesten verbreiteten Nationalsprachen, das chinesische und das englische, sind beide von den anderen Völkern sehr schwer erlernbar: wegen ihres Schreibweise, wegen ihrer Phonetik und wegen des Reichtums ihres Wortschatzes und ihrer Redewendungen. Weder die chinesische noch die englische Sprache taugen also gut als weltweite Verständigungs-Sprache. Ich bin davon überzeugt, dass China seine Nationalsprache dem Rest der Welt nicht aufdrängen, sondern sich hinzugesellen wird, wenn die Völker von Europa der Welt bald gemeinsam als Verständigungs-Sprache nicht die englische, sondern eine neutrale Plansprache vorschlagen werden!
[:] „Anscheinend kann man jeden Staatsangehörigen und jeden Staat nach dem Verhältnis zwischen seiner Bewahrungsneigung und seinem Hang zur Gleichheit politisch lokalisieren.“
Inzwischen sind unsere Parlamente verstärkt von Nationalisten und Europafeinden besonders an den Rändern durchsetzt. Allgemein lässt sich die klassische Einteilung in rechts und links am besten mit den Attributen konservativ und progressiv beschreiben. Tatsächlich spiegelt die oft verwendete eindimensionale rechts-links-Gliederung der Politik die Wirklichkeit nicht ausreichend wider. Die für EDE wichtige Sprachenpolitik spielt dort auch heute noch keine Rolle. Natürlich ist gleichfalls auch die Geopolitik von großer Bedeutung, sowohl innerhalb Europas (Binnenpolitik) als auch im Verhältnis zu außereuropäischen Staaten (Außenpolitik). EDE muß seine Kernbereiche deutlicher benennen: Sprachenpolitik, Geopolitik, aber auch weitere: Verhältnis Ökonomie zu Ökologie, Soziales, ….
„Esperanto soll ein Werkzeug sein, um diese und andere Ideologien zu verbreiten, aber sie sollen keine Werkzeuge sein um Esperanto zu verbreiten!“
Dies ist richtig. EDE hat nichts mit solchen in der Öffentlichkeit eventuell kursierenden Vorurteilen über „eigenartige Gruppierungen“ zu tun. Übrigens sind allgemein die Esperantisten nicht gut geeignet, in ihrer Freizeit irgendetwas ohne Lust daran zu veranstalten. Wir wissen, daß es unter Esperantisten unterschiedliche politische Strömungen gibt. Diese werden seit Beginn auch in Esperanto verbreitet. Wir stehen in der (modernen) Tradition der Proeuropäer, die sich für das gemeinsame Verständigungsmittel Esperanto in Europa einsetzen. Zu jenen gehört u.a. auch Helmar Frank. Seine Hoffnung, die etablierten Politiker der etablierten Parteien könnten etwas in die Richtung bewegen, hat sich bis heute nicht erfüllt. Und es ist auch nicht völlig klar, wo genau wir bei aller Progressivität in einem eindimensionalen Spektrum zu finden wären. Logisch, daß in der heutigen Phase der Weltgeschichte der alte Ansatz aus den 1920er und 1930er Jahren wieder sinnvoll erscheint, eine eigenständige proeuropäische Politische Vereinigung zu sein. Und natürlich gehört eine bestimmte Weltsicht dazu, um überhaupt dorthin zu kommen. Ob man das heute überhaupt Ideologie nennen kann? Die aktuelle Situation zwingt uns dazu, unseren wichtigen und richtigen Ansatz zu verbreiten.
„Aber versuchen wir, nur die öffentliche Diskussion über Sprachenpolitik, Interlinguistik und die zukünftige Europa-Sprache zu entfachen, nicht ausdrücklich die Diskussion um Esperanto.“
Diese Ansicht ist verständlich, wo es doch diese dicken Vorurteil-Bretter gibt. Wer kennt das nicht, wenn man als Einziger am Tisch sitzt und sich die Halbgebildeten (das sind wir ja alle) vereinen und eine Menge unsinnige Behauptungen in die Welt setzen und man dann die ganzen Erzählungen abarbeiten muß. Für niemanden eine glückliche Situation. Bereits Zauner wollte das geschundene vermeintliche Unwort Esperanto nicht für den Zweck der Europäischen Sprache verwenden. Wir werden auch dann, wenn wir den durchaus sinnvollen Begriff Europäisch (als Anwendung des Esperanto in Europa) nutzen, nicht um die schwer umzusetzende Aufklärung (mit der Geschichte hinter der Entstehung des „bösen Wortes“) herumkommen. Ja, auch DIE Aufklärung selbst ist das, worauf wir bauen. Das moderne Europa wie auch die gemeinsame Sprache welche hier entstand, sind Ergebnisse genau dieser Aufklärung.
„Das Institut für Kybernetik fragte in seiner Erhebung, welche politische Partei aus dem Deutschen Bundestag würde wahrscheinlich als erste Partei ein sprachpolitisches Ziel herausstellen? …. Wahrscheinlich wird die FDP im Oktober beschließen, ihre sprachpolitische Fachgruppe zu etablieren, und ich möchte gern die deutschen Anwesenden dazu einladen, im Rahmen dieser Partei zusammenzuarbeiten.“
Inzwischen leben wir in einer Zeit, in der solche Gewissheiten nicht mehr bestehen. Unsere Gesellschaften haben folgendes Problem. Wie soll man von national eingestellten Politikern eine europäische Denkweise mit in der Folge europäischem Handeln erwarten? Es zeigte sich, daß die Hoffnungen auf genügend Pro-Esperanto-Politiker nicht erfüllt wurden. Diese würden sicher erst aktiv werden, wenn eine eigenständige Partei wie EDE konkurrenzfähig würde. Aber die Bestrebungen der EDE-nahen Akteure der 1970er Jahre sind durchaus zu würdigen. Wir können uns auch an jenen zu ihrer Zeit aktiven Menschen orientieren, sind aber dabei verpflichtet, zeitgemäße Lösungen zu finden. [se]
Eŭropa panoramo (Europäisches Panorama)
 IFEF-kongreso en Villach (IFEF-Kongreß in Villach)
Der in Villach (Österreich) stattgefundene 27. Kongreß der Internationalen Eisenbahner-Esperanto-Föderation mit 675 Teilnehmern aus 20 Ländern,
– betont (unter anderem), daß die Verwendung nur weniger „Arbeitssprachen“ überdies eine sprachliche Unterdrückung von jenen bedeutet, welche solche Sprachen nicht als Muttersprache beherrschen, was gleichzeitig stärkere Benachteiligungen für die vertretenen Handelsgesellschaften oder Organisationen bedeutet, ….
„Ludwik Zamenhof“ ne sole sur maroj ka] oceanoj —
„Ludwik Zamenhof“ ankaŭ en la aerspacoj
(„Ludwik Zamenhof“ nicht allein auf Meeren und Ozeanen —
„Ludwik Zamenhof“ auch in den Lufträumen)
Grava rekono de Esperanto flanke de „LOT“
(Wichtige Anerkennung von Esperanto seitens „LOT“)
Mitte Mai erschien ein polnisch-sprachiges Mitteilungsblatt „ABC LOTU“ (ABC von LOT). Es ist ein Kompendium der Geschichte, des aktuellen Zustands und der Entwicklungs-Perspektiven der Polnischen Fluggesellschaft „LOT“. Wie bekannt, zeigten die Polnischen Luftlinien „LOT“ bereits früher ihren sehr vorteilhaften Bezug zur Internationalen Sprache, indem sie Broschüren in Esperanto, ein Esperanto-Englisch-Wörterbuch für LOT-Passagiere, Briefpapier und Terminkalender mit Esperanto-sprachigen Aufschriften, ebenso Postkarten mit Esperanto-Text erscheinen ließen.
Die oben erwähnten Anerkennungs-Bekundungen für Esperanto seitens „LOT“ verblassen jedoch vergleichsweise mit der jüngsten Entscheidung der Leitung der polnischen Fluggesellschaft, die zweifellos Präzedenzlos bei der Nutzbarmachung der Internationalen Sprache durch Fluggesellschaften auf der ganzen Welt ist.
Mehrere weltweite Fluggesellschaften haben die Sitte, ihren einzelnen Flugzeugen unterschiedliche Namen zu geben. Die selbe Sitte hat auch LOT.
Der Platz von „Ludwik Zamenhof“ in der Klasse des Typs „TU 134“ zwischen der zweifachen Nobelpreisträgerin Maria Sklodowska-Curie und dem herausragenden, weltberühmten polnischen Mineralogen und Geologen Ignacy Domeyko – weist auf die Beziehung der Leitung von LOT zur Internationalen Sprache hin.
Bisher drückte sich der Esperanto-Akzent im Luftraum darin aus, daß der Vater des sowjetischen Kosmonauten Titow ein Esperantist ist. Nun durchschießt der Meister selbst – dank der Polnischen Luftlinien „LOT“ – die Luft und landet auf den Flughäfen der Welt, die Existenz der Internationalen Sprache und die Lebhaftigkeit der internationalen Esperantisten-Bewegung verkündend.
Glückwunsch an: Polnische Luftlinien „LOT“, Warszawa, ul. Grojecka 17, Pollando. (JG)
Esperanto en la radio (Esperanto im Radio)
Sendungen hörbar in Mitteleuropa entsprechend Mitteleuropäischer Zeit 

Täglich 
Warschau
6.00– 6.30 Uhr 31m, 49m, 200m
16.30–16.55 Uhr 31m, 41m
22.30–23.00 Uhr 49m, 200m
Informationen, Kommentare, Feuilletons, Esperanto-Express, Konzerte mit Glückwünschen u.a.
Kostenloses Programmblatt bei Polnischer Rundfunk, Esperanto-Redaktion, P. O. Box 46, PL-00-950 Warschau 1, Polen.
Sonntags _ Wien, Sofia, Rom ….
Montags _ Bern ….
Mittwochs _ Bern ….
Donnerstags _ Bern ….
Freitags _ Zagreb, Peking ….
Sonnabends _ Wien, Peking, Bern …. 
 Paska renkontiĝo en ĉarma urbo
(Ostertreffen in einer charmanten Stadt)
Etwa 50 Jugendliche kamen nach Luxemburg, wohin sie die Deutsche Esperanto-Jugend zusammen mit der Luxemburger Esperanto-Jugend eingeladen hatten. Man wollte die öde vorösterliche Woche und die Feiertage in angenehmer Runde verleben. Besonders waren auch Anfänger eingeladen. Für sie wurden Kurse ihrem Sprachniveau gemäß organisiert. Die anderen bearbeiteten das Thema der Zusammenkunft „Eine Plansprache für Europa?“
Hartmut Trunte berichtete in zahlreichen Vorträgen über die verschiedenen Plansprachen, z.B. Unilingua, Volapük, Ido, Occidental, Interlingua, Intersistemal, Eurolatin und Intal. Mittels Textbeispielen analysierten die Mitarbeitenden die verschiedenen Sprachen in kleinen Gruppen. Anschließend konfrontierte der Vortragende die Zuhörer mit den Vor- und Nachteilen dieser Sprachen und befähigte sie so ein wenig, auf Grund einiger Kriterien über die für Europa geeignetste Plansprache – zu entscheiden. Die Anwesenden erfuhren, daß eine absolut neutrale Weltsprache nur eine apriorische Sprache sein kann. Esperanto basiert freilich auf europäischen Sprachen und ist daher für Europa momentan die beste und jene, welche die meisten Chancen hat. Sie ist auch die nützlichste mit den wenigsten Nachteilen verglichen zu den anderen Plansprachen.
Auch eine Entschädigung für die Arbeit fehlte nicht: Osterball, Rundreise durch das Großherzogtum Luxemburg, Gottesdienst und Vorführung von Zaubertricks.
Wir gastierten im Europa-Haus, welches sich für unseren Zweck als hinreichend geeignet erwies. Und die gesamte Versammlung stimmte zu, dort erneut ein Treffen zu organisieren. Dank und Lob an das Organisations-Team: Beby, Margot, Albert und Hans-Dieter.
Karl Trimborn
Internacia konferenco en Saarbrücken
(Internationale Konferenz in Saarbrücken)
Vom 10. bis zum 17. August 1975 wird der Saarländische Esperanto-Bund in der Philosophischen Fakultät der Universität des Saarlandes eine internationale Esperanto-Konferenz mit dem Thema „Das Sprachenproblem in der heutigen Welt und die aktuellen Aufgaben der neutralen Esperanto-Bewegung“ veranstalten. Prof. Dr. Ivo Lapenna willigte ein, den Einführungsvortrag zu halten und an den Arbeiten der gesamten Konferenz teilzunehmen. Die übrigen Vortragenden werden sein: André Bourdeaux, Heinz Dieter Maas, Günther Becker, d-ro Mario Dazzini, prof. d-ro Max Mangold, Jean Thierry, Reinhard Haupenthal, Helmut Sonnabend und Marianne Vermaas.
Nach Mitteilung des Saarländische Esperanto-Bundes ist das Ziel der Konferenz ein zweifaches. Sie wird die Situation des Weltsprachen-Problems mit besonderem Beachtung auf die Lösung durch Esperanto untersuchen. Sie wird auch die besonderen während des Hamburger Weltkongresses entstandenen Probleme der Esperanto-Bewegung untersuchen, da nach der subjektiven Meinung des Saarländischen Bundes und einiger anderer Personen die derzeitige UEA die Grundsätze der Neutralität und Demokratie verlassen hat.
Kommentar der Redaktion der Eŭropa Esperanto-Revuo
Das unbewiesene Argument, daß die UEA die Grundsätze der Neutralität und Demokratie verlassen habe, kann man in einigen Rundschreiben lesen, welche in vergangener Zeit herausgegangen sind. Eŭropa Esperanto-Revuo erklärt, daß sie den gegenwärtigen Esperanto-Weltbund, deren Vorstand und Ausschuss, gewählt auf dem Esperanto-Weltkongreß in Hamburg, als die neutrale Esperanto-Bewegung betrachtet. Es gibt keinen Zweifel, daß auch nach dem Weggang von Prof. Dr. Ivo Lapenna als Präsident der UEA in der UEA die Grundsätze der Neutralität und Demokratie herrschen, welche nur in einer harmonischen Zusammenarbeit zwischen den Esperanto-Bewegungen aller Länder und insbesondere zwischen den Landesverbänden der westlichen und östlichen, sozialistischen Länder, realisiert werden können.
EER-Portreto (EER-Porträt)
Hermann BEHRMANN,
geb. den 12.7.1935 in Zeven, Lehrer, lernte Esperanto Ende April 1962 autodidaktisch. Er schrieb verschiedene Lehrbücher hauptsächlich für Jugendliche; das erfolgreichste ist das in bereits 7 Sprachen übersetzte Unterrichtungs-Werk „Esperanto programita (Programmiertes Esperanto)“. Er ist Präsident des Verbandes Deutscher Esperanto-Lehrer, Präsident der neuen Gesellschaft für sprachgrenz-überschreitende europäische Verständigung (Europa-Klub) und Leiter der Arbeitsgruppe „Interlinguistik und Sprachkybernetik“.
Seit dem Jahr 1969 leitet er ein Informationszentrum in Löhne/Westfalen, hielt in insgesamt 10 europäischen Ländern viele Vorträge und verfügt über eine umfangreiche Kartei der E-Sprecher.
Seit dem 1. Februar 1975 arbeitet er als wissenschaftlicher Angestellter im Institut für Kybernetische Pädagogik (Direktor Prof. Dr. Helmar Frank) in Paderborn; damit wurde er gewissermaßen ein professioneller E-ist.
Neue Adresse: D-479 Paderborn, Riemekestr. 62, Tel. 05251 / 32090 oder 23641 (Institut).
Eŭropa Esperanto-Revuo 1975 04 junio
Renato Corsetti:
Pri Regiona Agado (Über Regionales Handeln)
Nun gut, ich stimme zu: „Regionales Handeln“ ist kein schön ausgedachter Begriff. Er gibt nicht jenes vor, was er suggerieren sollte.
Er sollte umgehend Afrika, Asien und Südamerika hervorrufen. Er sollte umgehend verständlich machen, daß es sich um eine Hilfe an die lokalen Akteure für die Internationalen Sprache handelt. Daraus sollte man auch unvermittelt nachvollziehen können, daß die UEA, der zentrale Motor der Bewegung, danach trachtet, sich auch mit schwarzen und gelben Gesichtern herzurichten.
Nun, dies alles versteht man sicher nicht aus dem in vielerlei Beziehung blassen Wortlaut „Regionales Handeln“. Dennoch existiert wohl all dies hinter dem Wortlaut.
Siehe hier den grundlegenden „philosophischen“ Hintergrund des „Regionalen Handelns“:
UEA ist trotz ihres Namens nicht universell. Europäer überwiegen darin zu sehr. Es ist bereits Zeit, von Europa auf andere Kontinente zu „springen“ und von einer europäischen Soße mit einigen außereuropäischen Würztunken zu einer vollkommen gemischten Speise verwandelt zu werden.
Das bedeutet ganz und gar nicht, die europäischen Esperantisten beiseite zu lassen, sich nicht weiter um die EWG zu kümmern und ähnliches. Die UEA wünscht nur, ein Bruchteil ihrer Kräfte zu widmen, um die Nutzung der Internationalen Sprache in noch nicht abgedeckten Ländern zu entwickeln. Damit ist auch Europäern indirekt geholfen. Am Ende werden sie die beständige Frage „… trotzdem, wo spricht man es?“ mit etwas mehr Stolz beantworten können.
Und hier ein kleines ziemlich konkretes Arbeitsprogramm:
— detaillierte Untersuchung über den Zustand der Tätigkeit in jedem einzelnen Land Afrikas, Asiens und Südamerikas;
— Bemühungen, nicht angeschlossene Verbände aus den drei erwähnten Erdteilen der UEA anzuschließen;
— Ausarbeitung eines allgemeinen Überblicks über gemeinsame Probleme und mögliche Hilfe;
— Erstellung von grundlegenden Informations-Broschüren, welche die Internationale Sprache in Hinblick auf die gegenwärtigen sozialen und kulturellen Eigenheiten der betreffenden Erdteile präsentieren sollen;
— Erstellung eines Grundkurs-Textes zum (Selbst-)Lernen der Internationalen Sprache, welcher leicht in die lokalen Sprachen übersetzbar sein soll, angefertigt durch lokale Esperantisten;
— Kontakt mit nicht Esperantistisch interessierten Behörden oder Einzelpersonen (Linguistik-Institute, Leiter von Jugend-Organisationen usw.).
In welchem Zustand sind die Arbeiten des Ausschusses für Landes-Tätigkeit bezüglich des hier oben genannten Arbeitsplans?
Man kann einfach sagen, daß Afrika „ausgeforscht“ und Asien „ausgeforscht“ ist, während Südamerika noch zu konfrontieren bleibt.
Eine Basis-Broschüre „Zur Verteidigung von afrikanischen Kulturen“ wird erstellt und ins Madagassische übersetzt.
UEA verhandelt mit lokalen Esperantisten über eine Herausgabe von Wörterbüchern und Grammatiken in zwei-drei Sprachen, während Professor Szerdahelyi von der Universität Budapest Probelektionen für eine in die Sprachen Suaheli, Hausa und Amharisch übersetzbare Grammatik vorbereitet.
Schließlich wächst der Umfang der Liste von Spendern und Hilfesuchenden. Unter den Spendern ragt der Deutsche Esperanto-Verband hervor, der sich entschieden hat, 500 DM für „Regionales Handeln“ zu spenden. Welcher Landesverband wird folgen?
Was kannst du selbst tun? – Wenn du ein in Afrika, Asien oder Südamerika wohnender Esperantist bist, kontaktiere umgehend den Verantwortlichen für Regionales Handeln und stelle ihm deine Probleme vor.
Wenn du ein in Europa wohnender Esperantist bist, kontaktiere ebenfalls den Verantwortlichen und informiere ihn über deine Ideen zum „Regionalen Handeln“ und über deine mögliche Hilfe mittels Informationen, Ratschlägen und, warum nicht, mit Geld!
Die Anschrift des Verantwortlichen ist: Renato Corsetti, Via Strabone 1, I-00176 ROM, Italien.
[:] Es ist kein Zufall, daß eine internationale Sprache gerade in Europa entstand. Und es ist kein Zufall, daß in Europa das Bedürfnis nach einer solchen Sprache ausgeprägter ist, als in anderen Erdteilen. Dies ist darin begründet, daß europäische Staaten über eine historische Zeitspanne sobald sie günstige Gelegenheiten hatten, Überseegebiete oder schwächere Regionen im Osten kolonisierten. Das damit entstandene Hintergrundwissen führte zwangsläufig zu einer Auseinandersetzung mit der Sprachenfrage und zu dem Bedürfnis, eine gemeinsame neutrale Sprache zu gebrauchen.
Natürlich sollten wir Europäer (wie auch die Esperantisten auf anderen Kontinenten) überall etwas für Sprache und Idee tun, aber es wird wohl bei einer gewissen Ungleichheit bleiben, die auch an mangelnder Information, aber vor allem durch unterschiedliche Interessenlagen begründet ist. Es gibt durchaus nachvollziehbare Ansätze, eine neue Plansprache so aufzubauen, daß die bewährte Esperanto-Grammatik mit einem neuen weltweiten vortaro verbunden wird, um mehr Gerechtigkeit zu erzielen. Wenn dies Erfolg hätte, könnte man besonders leicht die jeweils andere Sprache dazulernen. Übersetzungsprogramme wären dann treffsicherer. Und wir Europäer könnten unser Esperanto trotzdem weiter als unser Europäisch verwenden. Zu bedenken ist, daß auch dieser Ansatz wohl wieder aus Europa stammt. [2026052320260526se]
Eŭropa panoramo (Europäisches Panorama)
Eŭropa kooperad-projekto
(Europäisches Kooperations-Projekt)
Pedagogiko — Interlingvistiko — Kibernetiko
(Pädagogik – Interlinguismus – Kybernetik)
Paderborn (pp). Hier folgend geben wir die Projektrahmen-Beschreibung des europäischen Kooperations-Projekts Pädagogik – Interlinguistik – Kybernetik des Europa-Klubs Paderborn bekannt.
1. Allgemeiner Zweck
1.0 Das Projekt soll zu einem Modell von fachübergreifender und internationaler Zusammenarbeit in Theorie und Praxis werden.
1.1 Die Plansprachen-Didaktik verlangt eine Zusammenarbeit zwischen Pädagogik und Interlinguistik; Interlinguistik und Kybernetik begegnen sich in der Sprachkybernetik; eine der Wurzeln der modernen Bildungstechnologie ist die Kybernetische Pädagogik.
1.2 Die verschiedenartige wissenschaftliche Beschäftigung zu demselben Bildungs-praktischen Projekt, nämlich dem Plansprach-Unterricht in verschiedenen hauptsächlich europäischen Ländern, führt zu einer internationalen Zusammenarbeit von Bildungs-Technologen, (überwiegend Kybernetik-Pädagogen), Sprach-Kybernetikern und Plansprach-Pädagogen über Sprachgrenzen hinweg.
1.3 Wo diese Zusammenarbeit Kybernetik tangiert, kann es u.a. im Rahmen der Arbeitsgruppe „Kybernetik“ oder der Arbeitsgruppe „Interlinguistik und Sprach-Kybernetik“ passieren, d.h. zwei Arbeitsgruppen in der „Vereinigung für programmierte Lehre und Didaktik mittels Werkzeug (GPI)“, welche korrespondierendes Mitglied der UNESCO ist.
2. Vorbereitungsarbeiten
2.1 Im Jahr 1974 wurde unter der wissenschaftlichen Begleitung, unternommen von dem Interlinguisten Prof. Dr. I. Szerdahelyi (Budapest) und unter Schirmherrschaft der UNESCO ein dreijähriges internationales Plansprachen-Experiment in den Ländern Bulgarien, Jugoslawien, Italien und Ungarn (zunächst nahm auch Österreich teil) erfolgreich abgeschlossen. Insgesamt nahmen za. 1000 Schüler verschiedener Jahrgangsstufen aus fünf (zunächst sechs) Sprachgebieten. Den Unterricht organisierte die Internationale Lehrer-Organisation ILEI.
2.2 Seit September 1974 nehmen im BRD-Land Nordrhein-Westfalen etwa 400 Schüler der zweiten Klassenstufe aller drei Schultypen (Gymnasium, „Sekundarstufe Oberschule“, „Sekundarstufe Schule“*) am regulären Plansprach-Unterricht der Schule gewöhnlich in Form von Schularbeitszirkeln teil. Der Großteil der Schulklassen befindet sich in Paderborn, dem Sitz der GPI-Arbeitsgruppe „Interlinguistik und Sprachkybernetik“.
2.3 Paderborn ist auch Sitz des deutschen „Forschungs- und Entwicklungszentrums für objektivierte Lehr- und Lernverfahren (FEoLL)“. Dessen „Institut für Kybernetische Pädagogik“ schuf für seine verschiedenen Forschungs- und Entwicklungsprojekte eine gemeinsame Brücke zur Praxis durch „integriertes Feldstudium Plansprach-Unterricht“. Diese Studie begann im Dezember 1974. Seit Februar 1975 erhalten etwa 120 Schüler aus Grundschulen (6 Klassen, 3. Schuljahr; 9-Jährige) regulär wöchentlich zwei Lektionen im Plansprach-Unterricht, davon die Hälfte mittels des durch den vom Institut für Kybernetische Pädagogik entwickelten audiovisuellen Unterrichts-Automaten Robbimat II Simplex. Dieses Institut erstellt für jede der 40 Lektionen des Korte-Lehrbuchs (Unter der grünen Standarte) je zwei Lehrplanlektionen. – Den Unterricht organisiert die internationale „Gesellschaft für sprachgrenz-überschreitende Europäische Verständigung“.
2.4 Ab Sommer 1975 wird ILEI ein 2. internationales Plansprach-Experiment durchführen – diesmal auf Grundlage des Korte-Buches und einheitlich in der Grundschule (3. und 4. Schulklassen). Bis jetzt werden sicherlich Schulen aus der BRD, Frankreich, Italien und Österreich teilnehmen. Man sieht nicht die Verwendung von Ausbildungs-technologischen Geräten vor.
2.5 Darüber hinaus (allerdings für die Grundschule sich auf den selben Lehren und Lehrzielen gründend, sodaß internationale Vergleichsstudien ermöglicht werden) planen verschiedene deutsche Wissenschaftler und Forschungsgruppen die Verbreitung der seit 1976 aus dem Institut für Kybernetische Pädagogik kommenden Feldstudie, teilweise mit Vorversuchen seit 1975. Dieses Projekt trägt den Namen „BAFELD“ (Untersuchung und Weiterentwicklung bildungstechnologischer Anfänge der Fremdsprachen-Didaktik, Unterrichtsplanungs-Theorie und Legasthenie-Therapie mittles Feldstudien). Mit dem BAFELD-Projekt wird man voraussichtlich Plansprach-Unterricht in den BRD-Ländern Nordrhein-Westfalen, Berlin, Hessen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Hamburg haben – möglicherweise auch in den vier restlichen BRD-Ländern. Die beteiligten Wissenschaftler und Forschungsgruppen sind noch nicht endgültig festgelegt. Bis jetzt interessierten sich für eine Zusammenarbeit die Professoren K. Alsleben (Hamburg), Dr. F. Biglmaier (Berlin), Dr. K. Boeckmann (Reutlingen), Dr. K. D. Graf (Berlin), Dr. W. Hammel (Paderborn), Dr. L. Issing (Berlin), W. Lahn (Berlin), Dr. U. Lehnert (Berlin), H. E. Piepho (Gießen), Dr. Brigitte Rollet (Kassel k. Osnabrück), Dr. W. F. Schmid (Flensburg) und Dr. K. Weltner (Frankfurt); außerdem werden die FEoLL-Institute für Kybernetische Pädagogik (Direktor: Prof. Dr. H. Frank) und für Bildungs-Veranstaltungs-Unterrichtung (Direktor: Privatdozent Dr. Dr. G. Ortner) teilnehmen. Im BAFELF-Projekt untersucht man hauptsächlich (aber nicht nur) den Plansprach-Unterricht und die Sprachorientierungs-Forschung ab dem 3. Schuljahr. Unter anderem vergleicht man verschiedene Methoden des Klassenunterrichts (direkter Unterricht mit verschiedenen Lehrmitteln; automatischer Diapositiv-Vortrag mit Tonband; Klassen-Lehrautomat ohne Lesegerät (detumilo*) (= Computer); lese*-unterstützter Unterricht).
2.6 BAFELD kann der BRD-Beitrag zu dem künftigen europäischen Kooperations-Projekt Pädagogik-Interlinguistik-Kybernetik (EKPIK) werden, welches nur dann verwirklicht werden kann, wenn neben dem Plansprach-Unterricht und dem Sprachorientierungs-Unterricht ab dem 3. Schuljahr am selben Ort kurzgefasste Plansprach-Kurse für ältere wenigstens eine Fremdsprache verstehende Schüler stattfinden kann, und für Eltern beispielsweise nur ein Lesefähigkeits-Lehrgang (gegebenenfalls 40 Lernstunden auf Grundlage der ersten Hälfte des Assimilier-Kurses aus der Feder von Thierry) oder ein Normal-Kurs basierend auf dem Lehrbuch von Szerdahelyi. Auch diese Kurse sollen zu Objekten von wissenschaftlicher Forschung werden.
3. Zeitplan
3.1 Der von Seiten der EKPIK zu planende und zu beaufsichtigende Unterricht soll im Sommer 1976 begonnen werden und für alle Schüler der Grundschulen zwei Jahre umfassen; möglicherweise kann man den Unterricht im dritten Studienjahr tiefgründiger weiterführen und in einen Sprachorientierungs-Kurs eingehen lassen (als Entscheidungshilfe für die Wahl der unmittelbar darauf zu erlernenden Fremdsprache). In die Beobachtung sollte man auch zumindest eine Folgeklasse derselben Schule einschließen, die 1977 den gleichen Unterricht beginnen wird. Die Teilnahme der Schüler kann freiwillig sein. Die Beobachtung der Überführung zum Fremdsprachen-Unterricht soll bis 1980 andauern.
3.2 Zur Vorbereitung soll man Klassen für einen Plansprach-Unterricht in möglichst vielen der teilnehmenden Länder ab dem Schuljahr 1975/76 beobachten (und nach Bedarf bilden).
3.3 Eine Bekanntmachung von EKPIK erfolgt noch vor der 3. Prager Konferenz über Kybernetische Pädagogik (26.-28.5.1975) durch Verbreitung dieser Projektrahmen-Beschreibung an einen umfassenderen Kreis von möglichen Mitarbeitern; man wird das Projekt durch Unterredungen mit Interessierten während der Prager Konferenz konkretisieren. Überdies wird man die bereits begonnenen Gespräche mit Projekt-Teilnehmern aus Frankreich, Dänemark, Belgien, Italien, Jugoslawien und Ungarn fortführen. Man plant, daß möglichst viele während des 14. GPI-Symposiums (21.-24.4.1976 in Hamburg) der Fachwelt über ihre Vorarbeiten berichten sollen. Die Prager Konferenzen über Kybernetische Pädagogik und die Vorbereitungen von GPI taugen auch für die anschließende Publizierung von Zwischen- und Endergebnissen.
4. Teilnehmer
4.1 In allen neun Staaten der Europäischen Gemeinschaft müssen spätestens seit 1976 mindestens eine Forschungseinrichtung und mindestens eine Grundschule an dem Projekt beteiligt sein. In Belgien, Dänemark, Frankreich, der BRD und Italien scheint dies bereits jetzt so gut wie sicher zu sein.
4.2 Ein gleichartiges Ziel ist in den RGW-Ländern aufgrund der größeren Bedeutung, die dort sowohl die kybernetische Pädagogik als auch die Interlinguistik erlangt haben, leichter zu erreichen, vor allem in Polen, Ungarn und Bulgarien, wo bereits eine solide pädagogisch-technische Basis vorhanden ist, aber auch in der Tschechoslowakei und der Sowjetunion, wo bereits viele Vorarbeiten auf wissenschaftlicher Seite geleistet werden.
4.3 Die restlichen Europäischen Länder sollten auch teilnehmen, wenn dies irgendwie möglich ist. Jugoslawien und Österreich werden nahezu sicher teilnehmen.
4.4 Das Bestreben um eine hauptsächlich Europäische Zusammenarbeit findet einerseits deshalb statt, weil man die Investitions-Kosten minimieren muß, andererseits wegen des für das Projekt vorteilhaft großen Sprachen-Reichtums in Europa. Aber selbstverständlich soll man Nicht-Europäische Staaten nicht ausschließen, mit welchen bereits eine Zusammenarbeit auf dem Feld der Kybernetische Pädagogik besteht (Argentinien, Brasilien, Kanada, Peru, USA). Man strebt die Zusammenarbeit von mindestens einem Land auf jedem Kontinent außerhalb Europas an.
5. Vorteile für die teilnehmenden Wissenschaftler
5.1 Eine Teilnahme an EKPIK ermöglicht Wissenschaftlern den Zugang zu einer insgesamt großen Anzahl beobachteter Schüler und Lernstunden. Dies gibt die Möglichkeit, modellhaft zahlreiche wissenschaftlich-pädagogische Detailfragen (Anwendung mittels Werkzeug; Informations-Messung; Transfer-Bestimmung*; Sprach-Didaktik; Unterrichts-Planung; Einführungs-Geschwindigkeit einer neuen Lehrmethode*; Unterschiede im Vergleich zu dem von Seiten der kompetenten Fachleute als fehlgeschlagen betrachteten Projekt betreffend eines früh englischsprachigen Unterrichts) zu untersuchen.
5.2 In keinem der betreffenden Länder hat man bereits Grundschul-Plansprach-Unterricht in bereits fest verwurzelten Formen. Somit wird die Internationalisierung des Projekts aufgrund Landes-gemäßer Sonderformen der Lehrmethode nicht auf Hindernisse treffen. Im Gegensatz zu jeder anderen Lehrmethode kann man hier, sofern man wünscht, überall nach dem selben Lehrplan oder Lehrbuch arbeiten. Die Bildungs-praktische Erprobung und Einführung Bildungs-technologischer Entwicklungen gefährden nicht bei interlinguistischen Lehrmethoden lang erprobte Lehrpläne und Lehrverfahren; daher werden sie keinen Widerstand von Lehrern, Schulleitern und Verwaltungs-Behörden erfahren.
5.3 Die Interlinguisten verfügen von Anfang an über Plansprachen-Kenntnisse. Wo dies für Pädagogen Kybernetik betreffend noch nicht gilt, kann man jene Kenntnisse ziemlich gut (bspw. mit Hilfe des Lehrplanbuchs von Behrmann) in 20-30 Unterrichtsstunden erlangen. Dadurch werden die andernfalls fortwährend bei internationalen Kooperations-Projekten erscheinenden sprachlichen Hindernisse beziehungsweise sprachlich verursachten Diskriminierungen fortfallen.
6. Vorteile für teilnehmende Schüler
6.1 Vor dem Beginn des Plansprach-Unterrichts stellt man den Schülern und ihren Eltern dessen vielfältige Vorteile in geeigneter Weise vor. Dort haben die pädagogischen Vorteile Vorrang vor den kybernetischen. Erfahrungen zeigten, daß man wenigstens in westlichen Ländern nicht oder nur angedeutet die politischen Vorteile anführen soll, und daß man die kulturellen und philanthropischen Vorteile nur dann erwähnen soll, wenn man ausdrücklich danach gefragt wird. (In der BRD und in Frankreich erwies sich die fast ausschließliche Beschränkung auf rationale Argumente für den geplanten Sprachunterricht als günstig.)
6.2 (Linguistische) Plansprache ist ein didaktisches Fremdsprachen-Modell, welches das nachherige Erlernen von verschiedenen Fremdsprachen berücksichtigenswert erheblich erleichtert. Am Beispiel der Internationalen Sprache („Esperanto“) bewies dies Szerdahelyi quantitativ. Vor allem ist die erzielte Zeit-Einsparung beim Erlernen von Europäischen Fremdsprachen größer als die vorherige Zeit-Investition für den Plansprach-Unterricht. Auch die Muttersprachlichen Kompetenzen beeinflusst man positiv mittels Plansprach-Unterricht, und insbesondere ist in vielen Fällen eine Reduzierung der Legasthenie erzielbar. Wahrscheinlich bewirkt der Plansprach-Unterricht eine positive Überführung zu anderen Lernfächern und zu einer Steigerung der logischen und kreativen Denk-Fähigkeiten; Details sollte man während des Projekt-Vorgangs erarbeiten. Als pädagogischen Vorteil – vor allem vom Gesichtspunkt der Eltern aus – soll man auch die Entscheidungshilfe betrachten, welche man aus den individuellen Erfahrungen im Plansprach-Unterricht für die spätere Wahl einer Fremdsprache erhält.
6.3 Das sich beschränken einer Plansprache auf kommunikations-theoretisch erforderliche Bestandteile lässt sie nicht nur ein effektives Fremdsprachen-Modell werden, sondern auch ein komfortableres Objekt für die automatische Sprachverarbeitung durch kybernetische Systeme, hauptsächlich mittels Lesegeräten (detumilo*) (bspw. bei der automatischen Dokumentation). Daher muß man einen Zusammenhang zwischen dem Plansprach- und dem Informatik-Unterricht vorzeigen. Ein weiteres Lockmittel seitens der Kybernetik für die Mehrheit der teilnehmenden Schulen wird ein mehr als üblicher Ertrag der Bildungstechnologie im Plansprach-Unterricht sein.
6.4 Wenn man unbedingt die politischen Vorteile einer Plansprache anführen will, dann thematisiere man den Schutz der Muttersprache, die Chancen-Ausgewogenheit in der internationalen Zusammenarbeit und das Ermöglichen einer umweglosen und nicht nur einweg-ausgerichteten gegenseitigen Verständigung auch für die Basis.
6.5 Falls Fragen aufkommen, kann man die Plansprach-Literatur (40.000 Bände, durchschnittlich ein neuer Band pro Tag), die speziellen Buchdienste und Bibliotheken, die regelmäßigen Plansprach-Radiosendungen von Europäischen und außereuropäischen Sendestationen sowie die Möglichkeit, Sprach-Gesellschaften (UEA, SAT u.a.) beizutreten und ihre touristischen, publizierten, philatelistischen und anderen Dienstleistungen zunutze zu machen, anführen. Doch man weiß, daß jegliche Erörterung der von jenen Gruppen behaupteten Friedens-unterstützenden Wirksamkeit leichter zu Skepsis als zu Aufgeschlossenheit den Plansprach-Unterricht betreffend führt. Trotzdem ist eine Bildungs-praktische Zusammenarbeit mit diesen Gruppen bei bestimmten Projekte-Themen in einzelnen Ländern zweckdienlich. In anderen Fällen strebe man vorzugsweise eine Zusammenarbeit an, bspw. die Organisierung von internationaler Schul-Korrespondenz und Schul-Begegnungen, mit einer plansprachlich neutralen Gruppierung (d. h. einer Gruppierung, welche einen unparteiischen Vergleich verschiedener Plansprachen gestattet), bspw. mit der „Gesellschaft für sprachgrenz-überschreitende europäische Verständigung“, obwohl das Kooperations-Projekt aus didaktischen, Bildungs-ökonomischen und kybernetischen Gründen als einheitliche Grundlage die Internationale Sprache übernahm.
7. Finanzierung
EKPIK hat weder einen gemeinsamen Projekt-Leiter noch eine gemeinsame Finanzierung. Größtenteils wird es durch die Kapazität der teilnehmenden Forschungs-Institute und Schulen realisiert. Einstweilig wird eine Stärkung dieser Kapazitäten im nationalen Rahmen durch die betreffenden Förder-Institutionen und Richtlinien angestrebt. Man wird sich bemühen, die zusätzlich erforderlichen Mittel für die internationale Koordination des Projekt-Vorgangs einerseits aus den Budgets zur Umsetzung zwischenstaatlicher Kulturverträge und andererseits von international kompetenten Institutionen (z. B. UNESCO) zu erhalten.
D-479 Paderborn, 20. Mai 1975
[:] Es ist tragisch, daß die Gesellschaften in Europa nicht in der Lage waren und sind, die notwendigen Schritte zu gehen. Es hätte sich längst eine robuste, wenn auch noch kleine, Europäische Öffentlichkeit herausbilden können. Heute brauchen wir sie dringend. [20260529se]
[:] Nochmals zur Nichtnennung von Esperanto: Es gibt verschiedene Gründe, Esperanto nicht beim Namen zu nennen.
Ein Grund ist die unbewusst automatisierte verinnerlichte Abneigung in der Gesellschafts-Wahrnehmung, die jede inhaltliche Auseinandersetzung von vornherein ausbremst. Totalitäre Systeme sind in dieser negativen Form regelrechte Schrittmacher. Als Reaktion auf diese weiter wirkenden Folgeerscheinungen wird auch in diesem Text gegen eine Benennung argumentiert. Inwieweit man aber auf vorurteilsbeladene Befindlichkeiten Rücksicht nehmen sollte, ist fraglich. Es kommt ja doch ans Licht, daß es wieder diese „störenden“ Esperanto-Freunde sind. Ja, wer sonst? Sollen sich die Esperanto-Gegener dafür einsetzen? Ja, die Esperanto-Freunde stören den gewohnten Ablauf, das gewohnte Denken. Die Gesellschaften gehen ja meist irgendwelche anderen Wege, sie kommen nicht aus ihren selbst errichteten Gefängnissen heraus.
Wenn z.B. Zauner ebenfalls einen anderen Namen für Esperanto verwendete, dann sicher u.a eben wegen dieser verbreiteten Vorurteile. Aber er zeichnete die Sprache auch ihrem Zweck gemäß aus, nannte sie also nachvollziehbar ihrer Verwendung entsprechend Europäisch.
Wer also der Gesellschaft trotz aller schrägen Gedanken der gesellschaftlichen Akteure offen entgegentreten möchte, kann sagen: Die Internationale Sprache Esperanto hat alle Voraussetzungen, bei uns als die Europäische Sprache, als Europäisch verwendet zu werden. Das ist übrigens nichts neues. Sprechen wir also Europäisch miteinander. [20260531se]
[:] Zur Frage der Friedens-Wirksamkeit der Sprache. Es ist kein Widerspruch, wenn Esperanto zu mehr Frieden führt, es aber dennoch nicht allein für sich eine friedlichere Gesellschaft der Gesellschaften absichern kann. Denn es sind die Gesellschaften, die eine allgemeine Reife erlangt haben müssen, bevor sie bereit sind, Esperanto vermehrt zu nutzen, sowie auch untereinander Frieden halten zu können und zu wollen. Eine gemeinsame Gesellschaft (neben den nationalen) würde bei genügend Reife eben sicher beides tun, Frieden untereinander festigen und sich gleichberechtigt verständigen. [20260531se]
Eŭropaj fervojistoj en Karintio
(Europäische Eisenbahner in Kärnten)
675 Personen aus 20 Ländern kamen in die charmante österreichische Stadt Villach, um bei dem 27. Internationalen Eisenbahner-Esperanto-Kongreß dabeizusein. Zu Ehren der Gäste waren viele Schaufenster mit kleinen Esperanto-Fähnchen und dem Kongreß-Abzeichen geschmückt. Eine sehr schöne Kongreß-Stätte stand die ganze Woche (10.–16. Mai 1975) zur Verfügung, und ein 14-köpfiges Kongresskomitee sorgte dafür, daß die Veranstaltungen in vollendeter Weise stattfanden. Das bereits gut bekannte Esperanto-Quartett aus Trenčín / Tschechoslowakei sorgte während der Kongreß-Tage gelegentlich – aber immer meisterhaft – für den „richtigen Ton“, somit fehlte es auch nicht beim Kennenlern-Abend.
In einem feierlichem Rahmen fand wie immer die offizielle Eröffnung des Kongresses statt, wo u.a. Vertreter der UEA, FISAIC und der Österreichische Bundesbahnen die Gäste begrüßten. Der Bürgermeister von Villach kam persönlich ebenso wie der Landeshauptmann-Stellvertreter und ehemalige Verkehrsminister Erwin Frühbauer, die beide herzliche Grußworte an die Kongreß-Anhängerschaft richteten. Die Reihe der 20 Länder-Vertreter beeindruckte die Ehrengäste sehr und schließlich unterstrich der Präsident des IFEF in seiner Rede die neutrale fachliche Arbeit und die guten Beziehungen untereinander zur FISAIC, bevor er den Kongreß offiziell für eröffnet erklärte.
Treffsicher zogen LKK und Vorstand die öffentliche Aufmerksamkeit mittels Pressekonferenz und Interviews mit Zeitungs-, Radio- und Fernseh-Journalisten auf den Kongreß. Jene gut und sorgfältig arrangierten Einladungen führten dazu, daß das Fernsehen dem Kongreß eine fünfminütige Sendung widmete, das Radio ihn sechsmal erwähnte und außerdem sechs Zeitungen mehr oder weniger ausführlich berichteten. Zwei Tage hindurch funktionierte in der Kongreß-Stätte ein außergewöhnlicher Postschalter, wo die Kollegen der Post fleißig mehr als 60.000 Postsendungen mit einem Spezial-Stempelabdruck „schmückten“.
Socialistoj kaj Esperanto (Sozialisten und Esperanto)
Rom (pp/rr) Der Generalsekretär der Dänischen Sozialdemokratischen Partei, Ejner Hovgaard Christiansen, schrieb am 29. Mai 1975 an Vladimir Mihelj, Leiter des internationalen Büros der Italienischen Sozialdemokratischen Partei (P.S.D.I.):
„Lieber Freund, ich danke für deinen Brief vom 21.4.1975. Ich kann bestätigen, daß als ich kürzlich eine Empfehlung für Esperanto als gemeinsame internationale Sprache erhielt, ich diese über Herrn Janitscheck an die Sozialistische Internationale und über Herrn Dalsager an das Büro der Sozialdemokratischen Partei im Gemeinsamen Markt schickte, und ich bat, daß man deinen Vorschlag auf die Tagesordnung für eine Bürositzung in der jeweiligen Organisation setzen solle.
Hinsichtlich eures Kongresses in Rom im September 1976, wären wir erfreut eine Einladung zu erhalten, aber selbstverständlich kann ich dir jetzt nicht zusagen, daß wir vertreten sein werden.“
Seinerseits schrieb Vladimir Mihelj am 5. Juni 1975 jeweils an die Sekretäre der Sozialistischen Partei Frankreichs, der Sozialistischen Partei Belgiens und der niederländischen Partei der Arbeit:
„Lieber Genosse, mit unserem Rundschreiben vom 23.3.1973 teilten wir dir mit, daß wir der Sozialistischen Internationale die Adoption von Esperanto als vereinigende Sprache für die sozialistischen Parteien und für die Welt der Arbeit vorgeschlagen haben.
Mit einem zweiten Brief vom 8.3.1974 händigten wir dir eine zweisprachige Broschüre (auf Italienisch und auf Esperanto) aus, welche die Gründe für unsere Initiative darlegt, zugleich unsere Absicht wissen lassend, im September 1976 den ersten Internationalen Kongreß der Sozialistischen Esperantisten zu organisieren. Die Esperanto-Verbände deines Landes stehen gewiss zu deiner Verfügung, um Esperanto-Kurse für die Parteimitglieder zu organisieren, welche wünschen an diesem Kongreß teilzunehmen.
Wir wären daher sehr zufrieden, die Bestätigung deiner offiziellen Teilnahme zu erhalten.
Wir informieren zugleich, daß Die Sozialdemokratie Dänemark uns bereits mitteilte, daß sie unsere Vorschläge angenommen hat. Darum wird unser Genosse Dr. Alberto Menabene zwischen dem 24. und dem 27. Juli in Paris, Brüssel und Amsterdam sein, und wir wären sehr dankbar, wenn du ihn bitte empfangen würdest, um mit ihm einen Austausch der Meinungen zu haben; er wird von einer Delegation lokaler sozialistischer Esperantisten begleitet.“
Wir fügen erklärend hinzu, daß der Brief der dänischen Sozialdemokratischen Partei original in Englisch und jener der italienischen Sozialdemokratischen Partei in Französisch ist.
Laut Radio Rom
[:] Wir können nicht auf die Gemütszustände der Gesellschaften warten. Wir können auch nicht auf egal welche Parteien, die ja auch nur Produkte dieser Gesellschaften sind, warten. Wir haben uns gegründet und stehen bereit. [20260601se]
Prof. Dr. Hans Furler gestorben
Im Alter von 71 Jahren starb am 29. Juni 1975 Prof. Dr. Hans Furler, Oberkirch, ehemaliger Präsident des Europäischen Parlaments und Kämpfer für das neue Europa.
Seine Sympathie für Esperanto zeigte Prof. Furler damit, daß er mehrmals dem Ehrenkomitee von Esperanto-Kongressen beitrat, zuletzt des 53. Deutschen Esperanto-Kongresses in Oberkirch im Mai 1975. Anlässlich der Eröffnung dieses Kongresses drückte er seinen Optimismus hinsichtlich der künftigen Entwicklung von Europa aus und plädierte für die Direktwahl der Mitglieder des Europäischen Parlaments. Jene Worte während des Kongresses waren in der Tat seine letzte öffentliche Rede.
In einem Brief vom 24.2.69 schrieb der Verstorbene an den ehemaligen Sekretär des DEB, Ludwig Pickel: „Sie wissen, daß ich seit langem die Esperanto-Entwicklung mit Wohlwollen und Interesse verfolge.“
Nia karikaturo (Unsere Karikatur) [:] eines Politikers [se]
„Und solange wie das Sprachniveau in diesem Land so niedrig verbleibt, werde ich nichts für die Erhöhung des Sprachniveaus in diesem Land tun.“
[Eŭropa Esperanto-Revuo
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[Eŭropa Esperanto-Revuo
Eine neuartige Zeitschrift in Esperanto für Leser in der ganzen Welt
Mit Berichten und Informationen aus der europäischen und weltweiten Esperanto-Bewegung
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Eŭropa Esperanto-Revuo 1975 05 julio aŭgusto
Cetere… (Übrigens…)
Scheint es, daß dennoch Wunder geschehen. Vor Jahren mussten die Redakteure von Esperanto-Sendungen immer bangen, daß der Ast, auf welchem sie sitzen und arbeiten, durch die Untätigkeit der Zuhörer abgesägt wird. Man musste immer befürchten, das besetzten Terrain im Äther wegen der Schreibunlust der Esperantisten zu verlieren.
Was passierte also, damit die Esperanto-Redaktionen kein Defizit mehr haben? Aus Warschau kam die Nachricht, daß man dort Mitte August die 3021. Brief-Korrespondenz der Zuhörer erwartet. Und dies ist tatsächlich schon die gleiche Zahl, welche die Warschauer Redaktion im gesamten Jahr 1974 erhielt. Und in den Köpfen der Redaktionen schwärmt für 1975 bereits eine kosmische Rekordzahl von 5000. Und diese Anzahl wäre eine Sensation. Es ist tatsächlich so, daß viel zu diesem Erfolg die finnischen Zuhörer und besonders die „Finnische Kolonne“ beitragen.
Eine erfreuliche Information kommt auch aus Rom. Innerhalb einer Woche erhielt diese Station, welche wöchentlich „nur“ 20 Minuten auf Esperanto sendet, 50 Anschreiben, und tatsächlich steht die Esperanto-Redaktion an der Spitze der Korrespondenz-Skala des italienischen Auslandsradio-Dienstes.
Hat sich die Einstellung der Esperantisten zu den Esperanto-Sendungen wirklich verändert? Man muß dies vermuten, weil Wunder ja nicht existieren und die Redaktionen auch in der Vergangenheit gut arbeiteten.
Doch dieser Wohlstand soll uns nicht irreführen!
Schreiben, den Radiostationen schreiben, muß auch jetzt die Devise sein.
Nahezu nichts mehr hört man über die Grünen Maulwürfe, welche vor Jahren unter dem Eperanto-Feld Furore machten. Es scheint, dass Maulwurfismus aus der Mode gekommen ist. Doch nun kam aus gut informierten Kreisen die Nachricht, daß eine neue Art von Maulwürfen, nämlich Meeresmaulwürfe, Esperanto gefährdet. Viele Hörer des Esperanto-Express vom Polnischen Radio waren gewiss erstaunt, daß die Berichte über Kabel vom 60. Esperanto-Weltkongreß in Kopenhagen in solch schlechter technischer Qualität in Warschau ankamen. Nun, das Rätsel löste sich auf. Im Esperanto-Express vom 10. August verkündete der Sondergesandte für Kopenhagen, Jerzy Grum, daß die schlechte Qualität einem Defekt der Unterseekabel geschuldet war. Aber wer – frage ich – beschädigte jene Kabel? Für mich ist die Sache klar: Dies war die Missetat der oben erwähnten Meeresmaulwürfe. Wahrscheinlich werden sie alljährlich während der Gurken-Saison zum Vorschein kommen, um die Esperanto-Sendungen und insbesondere die aktuellen Informationen über die Esperanto-Weltkongresse zu sabotieren.
Übrigens, während des 60. Esperanto-Weltkongresses in Kopenhagen hörte man weise Worte aus einem Frauenmund. Frau Flora Szabo-Felsö erinnerte in ihrer Rede während der Eröffnungsfeier zu dem Kongressthema „Frau“ an den Vorschlag, jene Ehefrau auszuzeichnen, welche dem Ehemann am meisten hilft, damit er die Rolle eines Anführers der Esperanto-Bewegung spielen kann. Doch ihr zufolge wird das volle Rechte der Frau jedoch nur erlangt werden, wenn die Esperanto-Bewegung einen Orden für jenen Ehemann kreieren wird, welcher seiner Frau am meisten hilft, auf daß sie eine starke Anführerin in der Bewegung sei.
Schließlich möchte ich aus „Aliflanke…“ zitieren, einer Rubrik in „La Brita Esperantisto“, Nr. Juni-Juli 1975. Dermod J. F. Quirke schreibt: „Folglich rate ich meinen freundlichen Lesern, daß sie dieses Werk kaufen und es durchzulesen sollen – weil sich trotzdem ein-zwei nützliche Ideen darin befinden – aber daß sie es danach mit einer einfachen Zeremonie verbrennen sollen. Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, daß dies eine sehr angenehme Aufgabe ist. Und das passendste Schicksal für dieses hässliche Werk.“
Ich meine, daß dies ein schlechter Ratschlag von einem Freund war. Ein Verbrennen von Büchern kennzeichnet Intoleranz und Barbarismus und war schon oft der Beginn von Katastrophen.
Ludwig Pickel
D-ro Humphrey Tonkin (Dr. Humphrey Tonkin)
Pri la celo de la Esperanto-Movado
(Über das Ziel der Esperanto-Bewegung)
Aus der Eröffnungsrede des 60. Esperanto-Weltkongresses 
Im Jahr 1905, als die frühen Esperanto-Sprecher die Tradition der Esperanto-Weltkongresse begannen, sahen wohl nur wenige eine Reihe solcher Kongresse voraus, welche sich über siebzig Jahre erstrecken würde. Viele, die Mängel der menschlichen Natur und die Umständlichkeit der menschlichen Gesellschaft nicht kennend, nahmen an, daß der Sieg der Internationalen Sprache fast sogleich kommen würde. Andere (und mit ihnen die vielen Skeptiker, welche dieses Experiment der internationalen Kommunikation von weitem betrachteten) vermuteten, daß Esperanto, wie viele andere gute Ideen, schnell und spurlos verschwinden wird.
Wenige sahen die Schaffung einer starken sozialen Bewegung voraus, welche über die Jahre die Idee der Internationalen Sprache lebendig halten wird. Wenige sagten voraus, daß diese Bewegung so vielen Problemen die Stirn bieten wird, so viele Stürze erdulden und so vielen Anschlägen unterworfen wird, aber sie wird kräftig, standhaft und zielbewusst bleiben. Trotz alldem war es so. Wir erreichten nun unseren sechzigsten Kongreß, wir passierten siebzig Jahre seit diesem ersten Kongreß in Boulogne. Unsere Esperanto-Kultur verwurzelte sich tief in den Herzen und den Leben der Sprecher unserer Sprache, und heute bilden wir eine einzigartige und zutiefst wichtige internationale Gemeinschaft.
Wir würden uns gescheit fragen, auf welche Weise – durch welche spirituellen oder naturwissenschaftlichen Mittel – die Esperanto-Kultur über die Jahre so rege und stark geblieben ist; wie unsere Bewegung zu keiner Zeit ihre Zielstrebigkeit und ihren Mut verlor. Ein Grund ist die geniale Schöpfung von Dr. Zamenhof selbst, der verstand, daß Sprache mehr als ein schlichtes Instrument, ein schlichtes Mittel der Kommunikation ist – oder genauer, daß die Kommunikation selbst eine endlos komplizierte Angelegenheit ist, welche das Engagement nicht nur der Sprechorgane, sondern auch des Geistes des Menschen erfordert. Ein zweiter Grund ist genau die Organisations-Struktur unserer Bewegung und insbesondere der Esperanto-Weltkongresse. Unsere Kongresse mit ihrer langen Geschichte, ihrer Anhäufung von Sitzungen und Treffen, kulturellen Ereignissen und Vorträgen, Entscheidungen und Entschließungen und Krisen, menschlichen Beziehungen von den kompliziertesten bis zu den simpelsten – und all dies in einer Sprache ausgedrückt, trotz der Multinationalität der Ereignisse – unsere Kongresse machen eines der Wunder der modernen Welt aus, und einen der Belege für die Lebendigkeit unserer Esperanto-Kultur. Die Bedeutung unserer Kongresse als Gelegenheiten für die realistische Konfrontation unserer Aufgaben, der Definition und Bestätigung unserer Ziele und der Auffrischung und Wiedererstarkung unserer Gemüter kann man nicht zu stark betonen.
Aber ebenso gescheit würden wir uns fragen, warum Esperanto trotz seiner beachtlichen Erfolge und augenscheinlichen Verdienste bis jetzt nicht in alle Milieus eingedrungen ist und nicht als einzige Lösung des Weltsprachen-Problems anerkannt wird. Daß das Sprachenproblem immer akuter wird, ist für jeden denkfähigen Menschen völlig offensichtlich. Es braucht nur die Situation hier in Westeuropa betrachtet werden, wo eine wachsende wirtschaftliche und soziale gegenseitige Abhängigkeit beständig mehr unmittelbare Kontakte über die Landesgrenzen hinweg erfordert. Im derzeitigen Moment ist diese gegenseitige Abhängigkeit auf dem unzulänglichen Fundament mehrerer gleichberechtigter Sprachen begründet, auf diese Weise die Arbeit ausbremsend und die Kosten unnachgiebig erhöhend. Wie lange wird diese Situation für die neun Staaten der Europäischen Gemeinschaften selbst erträglich bleiben? Soll man auf diesem Feld der Dominanz von ein paar Nationalsprachen zurückweichen? Dies tuend unterwirft man sich gleichsam einem sprachlichen und kulturellen Diktat von außen. Ohne irgendeinen Zweifel ist die effektivste Lösung eine einzige, internationale, neutrale Sprache, wie es die Internationale Sprache Esperanto ist. Für das Wohl unserer nationalen Kulturen und für das Wohl der internationalen ist es notwendig, ernsthafte Schritte zu unternehmen, um die Sprachen-Probleme der großen internationalen und regionalen Organisationen – ob staatliche, ob nichtstaatliche – ein für alle Mal zu lösen. Ich appelliere nicht nur an euch hier, sondern an alle, welche internationale Tätigkeit angeht, sich mit voller Anspannung dieses Problems anzunehmen, welches beschämend lang ungelöst blieb.
Die Erfahrung zeigte, in diesem Umfeld ebenso wie in anderen, daß man nicht automatisch die rationalste, die logischste Lösung ergreift. Die menschliche Fähigkeit zu improvisieren, sich mit irgendeiner sehr unvollkommenen zu begnügen, lässt die Nationen und die einzelnen Menschen mit vermeintlichen Lösungen spielen, anstatt eine umfassende anzunehmen. Textauslegung und Übersetzen zum Beispiel oder die stotternde Verwendung einer Fremdsprache scheinen manchmal unseren Mitbürgern bessere Lösungen zu sein, als eine Annahme der einzigen Sprache für den internationalen Gebrauch. Es ist offensichtlich, daß obwohl das Sprachenproblem überall verspürt wird, die zu pflückende Frucht nicht automatisch in unsere Hände kommen wird. Der endgültige Erfolg wird von den Umständen um den Kampf für eine Lösung des Sprachenproblems abhängen, und von einer starken Esperanto-Bewegung.
Der Zugang zur Öffentlichkeit und zu Regierungen ist eine Hauptaufgabe von zweien der verschiedenen Bereiche unserer Arbeit – Information und Außenbeziehungen. Trotz unserer Erfolge auf dem Feld der Information haben das allgemeine Publikum und die Welt-Anführer nur ein sehr skizzenhaftes oder manchmal ein nicht existentes Wissen über die Errungenschaften und den kulturellen Wert unserer Sprache. Über die Perspektiven für die Zukunft wissen sie wenig. Ohne irgendeinen Zweifel bleibt eine wirksame Informierung eine von unseren Hauptaufgaben. Der Bereich der Außenbeziehungen kennzeichnete während des jetzigen Jahres einen beachtlichen Fortschritt. Auf Landesebene besonders vielversprechend und effektiv organisiert ist die parlamentarische Tätigkeit – aktive Bemühungen, die Regierungen direkt für das Sprachenproblem und für Esperanto zu interessieren. Dr. Bormann und die Kommission für Landes-Tätigkeit unternehmen mit mir zusammenarbeitend besondere Bemühungen, um diese Tätigkeit in den verschiedenen Ländern miteinander abzustimmen. In Großbritannien erreichte die Zahl der Parlamentarier, welche sich günstig zu Esperanto aussprachen, nun fünfzig; in Frankreich liegt dem Parlament ein neuer Gesetzentwurf zum Esperanto-Unterricht vor; ein Aushandeln zwischen den Parteien in der Bundesrepublik Deutschland erzielte seine ersten Erfolge.
Unser Dritter Grundlagen-Arbeitsplan macht eine zweckdienliche Unterscheidung zwischen den Akteuren für Esperanto und den Benutzern von Esperanto. Einen besonderen Platz als Brücke zwischen den beiden Arten von Esperanto-Sprechern nehmen die Fachverbände ein. Einer der Hauptpunkte im Aktionsprogramm des derzeitigen Vorstandes ist, die Position der Fachverbände zu stärken.
Doch ein Handeln zwischen den Bereichen, eine Tätigkeit zwischen internationalen Organisationen oder in Regierungen wird vergeblich sein ohne ein starkes und klares Verstehen der Umstände, in welchen sich unsere Sprache und Bewegung befinden. Emotionale auf unseren eigenen Feststellungen über die Wirksamkeit von Esperanto basierende Argumente werden die Regierungen oder die internationalen Organisationen nicht überzeugen. Überzeugen werden auf wissenschaftlich erwiesenen Fakten basierende Argumente, geschickt präsentiert und mit angemessenem Verständnis für politische und gesellschaftliche Umstände. Es genügt nicht, einfach zu behaupten, daß Esperanto das Sprachenproblem in der Diplomatie, im Handel oder in der Wissenschaft löst, sondern es ist notwendig, dies wahrhaftig zu beweisen. Dies erfordert eine informierte Unterstützung von Fachleuten – die Soziolinguistik, Psycholinguistik, Wirtschaft, Politik usw. betreffend. Das Forschungs- und Dokumentations-Zentrum zum Weltsprachen-Problem wird absolut zentral in der Entwicklung der Argumentation und Definition des Sprachenproblems und seiner Lösung sein, bei der Bildung unserer Anhänger und bei der Anwerbung von Experten, hin zu einem Verstehen unseres Standpunktes. Jene werden selbstverständlich ebenso die Fachleute sein, an welche sich natürlich eine Regierung, eine Organisation, ein Berufsbereich, der sich für eine etwaige Verwendung von Esperanto interessiert, wenden werden. Es ist wichtig, daß wir uns ihre Unterstützung verschaffen und sie positiv beeinflussen.
Wir betonen zu Recht die Biegbarkeit und den Reichtum unserer Sprache, aber wir vergessen manchmal, daß dieser Reichtum direkt von der terminologischen Arbeit, dem literarischen Schreiben, den Sprach-Forschungen abhängt und in sich selbst nicht irgendein integrales Element der Sprache gleichwie in einem Vakuum existierend ist. Es ist kaum möglich, zu stark zu betonen, daß die terminologische Arbeit ein sehr wichtiger Anteil an der fachlichen Verwendung von Esperanto ist. Sie ist ihrerseits untrennbar mit der Entwicklung der lebendigen Sprache durch Literatur und alltäglichem Gebrauch verbunden. Ich hoffe, daß die UEA bald einen Ausschuss für die kulturelle Tätigkeit schaffen wird, deren Aufgabe sein wird, die Vereinigung über zu ergreifende Schritte auf dem kulturellen und sprachlichen Feld zu beraten.
Wir unterstreichen auch oft die Leichtigkeit von Esperanto – daß es schnell erlernbar ist. Trotzdem hängt diese schnelle Lernmöglichkeit von dem Vorhandensein geeigneter Lernmittel, von guten Lehrern und effektiven Kursen ab. Wenn dieses oder jenes Fachgebiet, Schulsystem oder die Industrie wünschen würde, Esperanto im großem Maßstab einzuführen, sollten wir ein Gerät bereitstehen haben, um es in großem Maßstab zu lehren. Manchmal ist nicht das Fehlen der Experimentier-Neigung vonseiten der Behörden das größte Hemmnis für die offizielle Einführung von Esperanto, sondern ein Mangel an Lernmitteln und Lehrern. Dieses grundlegende Problem müssen wir lösen. Die UEA steht bereit, mit allen Lehrern und pädagogischen Organisationen zusammenzuarbeiten, die sich für diese Frage interessieren. Eine UEA ohne pädagogischen Fachbereich ist nicht vorstellbar; ein pädagogischer Fachbereich ohne UEA arbeitet im luftleeren Raum.
Aber man kommt stets zur Frage der Prioritäten zurück. Man kann schwer den Inhalt unseres Dritten Grundlagen-Arbeitsplans zurückweisen: Er beinhaltet ja fast alles. Aber diesen Arbeitsplan müssen wir zu unseren Mittel und dem endgültigen Sieg der Sprache in Beziehung setzen. Es ist nicht sehr modisch, über diesen endgültigen Sieg zu sprechen: Wir neigen dazu, uns in der Taktik des Augenblicks zu verlieren und vergessen eine betreffende umfassendere Strategie. Wenn wir wirklich glauben, daß die kleine oder relativ kleine Esperanto-Bewegung nur ein Trittstein zu einer allumfassenden Verwendung von Esperanto für internationale Kommunikation ist, ist es manchmal notwendig, die Form dieser universellen Verwendung zu überdenken. Wie erreichen wir diese Universalität? Wie sollen wir unsere Tätigkeit in einem weltweiten Rahmen führen, ohne den Dynamismus und die Energie unseres derzeit kleinen Aktivitäts-Maßstabs zu verlieren? Wir kamen an eine Wegkreuzung – wenn ich die Metapher ändern darf – an der wir unsere Ziele erneut bekräftigen und erneut konzipieren müssen.
Zu einem Punkt der Satzung ist die Einmütigkeit vollständig. Dies betrifft die Notwendigkeit, die politische Neutralität der Vereinigung zu wahren. Von Zeit zu Zeit vergessen Landesverbände dieses Prinzip, welches sich über die verbundenen Vereinigungen wie ebenso über die UEA selbst erstreckt. Jedoch bleiben jedenfalls die zentralen Organe der UEA gegenwärtig so wie jederzeit unbeirrt der Neutralität treu. Im Namen des gesamten Vorstands erkläre ich mit aller zu meiner Verfügung stehenden Kraft, daß eine politische Neutralität, auf welcher die einzigartige Gruppierung von nationalen und Fach-Organisationen, welche unsere UEA ausmacht, basiert, ein notwendiges Element in diesem endgültigen Erfolg unseres Handelns ist, welchen wir alle ersehnen. Sie ist unter anderem deshalb notwendig, weil sich ohne sie die verschiedenen Landesverbände in verschiedene politische Lager auftrennen werden und die Universalität unserer Vereinigung zerstört sein wird. Wir werden allen Bemühungen, ob von rechts oder von links, dieses Fundament unseres Handelns zu erschüttern oder zu zerstören, widerstehen. Denkt jedoch nicht, daß wir uns nicht trauen werden, uns zu den Menschenrechten zu äußern, wo es sich geziemt und moralisch notwendig ist dies zu tun. Unsere aktuelle Beachtung des Internationalen Jahres der Frau ist ein Beleg dafür. Ebenso unsere Teilnahme an der Dekade gegen Rassismus und Rassen-Diskriminierung. Desgleichen unser aktives Interesse betreffs sprachlicher Diskriminierung. Aber wir müssen diese Aktivitäten in dem Kontext der politischen Neutralität verstehen, ohne eine Bevorzugung zu diesem oder einem anderen politischen Regime.
Ich sprach über eine Definition unseres zukünftigen Handelns und die organisatorischen Prinzipien dieses Handelns. Ich skizzierte einige neue Initiativen, welche euer Vorstand vollbringen wird, und sprach über die umfangreichen, aber notwendigen Elemente im Erreichen des endgültigen Sieges von Esperanto. Die Arbeit wird sich über mehrere, sogar viele Jahre erstrecken. Sie wird Hingabe und Hartnäckigkeit erfordern, Intelligenz und Wissen. Der Weg wird nicht einfach sein, aber der Weg wird uns allen offen sein. Gehen wir diesen Weg glücklich und beherzt.
[:] Auch wenn es ausreichen würde, sich mit Esperanto als die einzige Sprache für den internationalen Gebrauch vollwertig zu verständigen, muß natürlich auf die Liebhaber auserwählter Nationalsprachen Rücksicht genommen werden. Es ist wirklich gut, wenn mehrere Sprachen gelernt werden. Aber da man sich in der heutigen EU nicht besser zu helfen weiß (es nicht wissen will), lässt man es einfach laufen, findet es gut, wenn möglichst viele Sprachen gelernt werden, lässt die Bürger vermeintlich frei entscheiden und fördert letztendlich doch wieder die Beschränkung auf Englisch. Ebenso werben Sprachenschulen. Sie erzeugen in Deutschland Englisch-sprachige Werbung, um auf eine Sprachen-Vielfalt zu verweisen. Die propagierte Idee der Mehrsprachigkeit stößt ganz natürlich an Grenzen.
Neutralität war unter den Bedingungen der geteilten Welt eine Voraussetzung, um zu funktionieren. Die UEA musste aus dieser Realität das Beste machen, abgeschwächt gilt dies natürlich auch heute. Eine solche Neutralität sollte jedoch nicht missgedeutet und auf die Verhältnisse der Gegenwart übertragen werden. Warum die Welt damals geteilt war, wird heute (2026) noch offensichtlicher als nach dem Ersten Teil der Wende 1989/1990. Der Grund der heute gerade noch andauernden Rest-Teilung ist im Welt-Macht-Anspruch des zentralistischen Kreml zu finden. Soweit es Esperantisten möglich ist, sollten sie sich überall auf der Welt gegen autoritäre Systeme wenden. Auch dann, wenn diese Systeme Esperanto dulden oder gar für sich verwenden, um für ihr System zu werben. In dieser Hinsicht bringt es auch nichts, sich als Esperantist ganz allgemein gegenüber Politik neutral verhalten zu wollen. Wir Europäer haben nicht nur die Chance, Esperanto für die Entwicklung einer Europäische Öffentlichkeit zu etablieren, wir haben sogar die Pflicht, dies zu tun. Das hilft allen, unserer Sprache, unserem Kontinent und damit allen in der Welt.
Eine damals für die UEA völlig stimmige politische Neutralität sollte also nicht auf alles was Esperantisten tun, übertragen werden, vor allem nicht auf EDE. Wobei EDE nicht unbedingt ins klassische Spektrum passt, da der sprachpolitische / geopolitische Bereich besonders ausgeprägt und favorisiert ist. [20260610se]
Eŭropa panoramo (Europäisches Panorama)
Ekspozicio pri Eŭropo kaj Esperanto 
(Ausstellung über Europa und Esperanto)
In der Pausenhalle einer großen, modernen Schule in Neustadt/Weinstr. fand am am 5. und 6. Mai 1975 anlässlich des Europatages 1975 eine eindrucksvolle Ausstellung verbunden mit einer Esperanto-Ausstellung statt.
Ein langes Band mit dem Text „Europa-Ausstellung Esperanto“, Fahnen und Ausstellungstafeln machten auf die Ausstellung aufmerksam.
Bei der Einweihung war nicht nur ein Reporter vom Radio anwesend, sondern auch ein Fernseh-Team, das in Farbe filmte.
Aus dem Programm:
Der (Ober-*)Schulleiter eröffnete die Ausstellung. Die Schüler der 3. Klasse sangen die erste Strophe der offiziellen Europahymne in Esperanto. Manfred Ritthaler, Lehrer an der „Dr.-Albert-Finck-Schule“ und UEA-Delegierter, erläuterte die Bedeutung der Ausstellung und die Rolle von Esperanto in Europa.
Der Bürgermeister und Kulturreferent der Neustadt sprach über Europa und die künftigen Vereinigten Staaten von Europa.
Die Schüler der 3. Klasse sangen die zweite Strophe der offiziellen Europahymne in Esperanto.
Der Schulleiter verkündete, daß alle Lehrer/-innen mit ihren Klassen wie geplant die Ausstellung besuchen werden.
Die beiden Tage hindurch besuchten 87 Lehrer/-innen und 1600 Schüler/-innen sowie Hunderte von Interessierten die Ausstellung.
Die Rundfunkstation Rheinland-Pfalz sendete umgehend zur Mittagszeit die Europahymne, gesungen in Esperanto, berichtete über die feierliche Einweihung und brachte ein sehr gutes Interview mit Herrn M. Ritthaler zu Gehör.
Das Fernsehen strahlte abends einen Bericht in Farbe aus. Der Sprecher erwähnte in den einleitenden Worten, daß diese Ausstellung Europatag 1975 in Neustadt/Weinstr. mustergültig für ganz Deutschland und für alle Städte war, wo am 5. Mai die Europafahnen wehten, um die Menschen auf Europa und auf die Sprachenprobleme in Europa aufmerksam zu machen. Der Sprecher erwähnte insbesondere, daß die Schüler/-innen in Neustadt sogar einen Schritt voraus gemacht hätten, weil sie die Europahymne nicht auf Deutsch, sondern in Esperanto gesungen hätten.
Laut einem Bericht von Walter Kaukal
[:] Soweit bekannt, hatte die Europahymne damals noch keinen eigenständigen (Esperanto-)Text. Dieser wurde erst 2010 (2012) durch die Europäische Esperanto-Union (EEU) veröffentlicht. Wahrscheinlich sangen die Schüler demnach den Text der Ode an die Freude in Esperanto. Oft wird dieser mit dem Hymnentext gleichgesetzt. [20260611se]
europo.eu Europahymne
eu-info.de Europahymne
de.wikipedia.org Europahymne
Eŭropa Esperanto Kongreso 1976
(Europäischer Esperanto-Kongreß 1976)
Unter dem Thema „Die Sprachliche Verständigung untereinander in Europa und deren Probleme“ wird zu Ostern 1976 vom 16. bis zum 19. April in Eindhoven, Niederlande, ein Europäischer Esperanto-Kongreß stattfinden.
Aus dem provisorischen Programm:
u.a. Expertentreffen, Offizielle Sitzung mit Festrede, Arbeitssitzungen zu „Unterricht von Sprachen“, „Wirtschafts-wissenschaftliche Aspekte der Sprachlichen Vielfalt“, „Die Folgen der sprachlichen Dominanz“, Vollversammlung
Der Kongreß wird eine gemeinsame Veranstaltung der Landesverbände von Belgien, der BR Deutschland und der Niederlande sein.
Kongressort wird das Philips-Kulturzentrum, Mathildelaan, Eindhoven sein.
Interessenten wenden sich an den Europäischen Esperanto-Kongreß, Magnoliastraat 4, Eindhoven, Niederlande.
 Eŭropa Esperanto-Centro
(Europäisches Esperanto-Zentrum)

Während des 60. Esperanto-Weltkongresses fand eine Zusammenkunft des Europäischen Esperanto-Zentrums statt, an dem 35 Personen teilnahmen. Aus den Ländern der Europäischen Gemeinschaft waren Belgien, Großbritannien, Dänemark, Frankreich, BR Deutschland, Italien und Luxemburg vertreten.
Der Präsident, Dr. P. Denoel, fasste die Geschichte der EWG zusammen und gab als Hauptpunkte des EWG-Berichts nachstehende an: Kontakte mit der EG in Brüssel und Kontakte mit der Europäischen Bewegung. Geplant sind u.a. eine Austeilung verschieden-sprachiger Rundschreiben an Parlaments-Mitglieder, eine Ausgabe von Informations-Broschüren für die Mitglieder der Europäischen Lehrer-Bewegung in Zusammenarbeit mit ILEI, ein Kontakt mit dem belgischen Premierminister Tindemans, eine Teilnahme am Europäischen Kongreß in Eindhoven 1976.
Dr. Tonkins, welcher teilweise dabei war, sprach über die Zusammenarbeit zwischen UEA und EEC. Aus diversen Interventionen heraus trat der Mangel von wirklichen und regulären Mitarbeitern in Erscheinung.
SPD ĉe Esperantokonferenco en Romo 1976
(SPD auf Esperanto-Konferenz in Rom 1976)
Nach mehr als einjähriger Unterhandlung mit den zentralen Instanzen des Vorstandes der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) in Bonn teilte der Bundesgeschäftsführer der Partei, Holger Börner, dem Deutschen Esperanto-Bund durch einen Brief vom 7. August 1975 mit, daß die Partei im Namen der SPD einen Beobachter zur Internationalen Konferenz der Sozialistischen Esperantisten 1976 in Rom delegieren werde. Für diese Person wird alles von der Partei bezahlt.
Dem Aufruf der Italienischen Sozialdemokratischen Partei (PSDI), welche für September 1976 eine Konferenz zur Lösung des Sprachenproblems mit anderen sozialdemokratischen Parteien in Rom plant, folgt damit nun nach der dänischen eine zweite Partei.
Die sonstigen Mitglieder der deutschen Delegation sollen aus Esperantisten und gleichzeitig SPD-Mitgliedern bestehen, welche ohne offizielle Unterstützung nach Rom fahren. Wenn wir Esperantisten dazu bereit sind – und wir werden sicherlich dazu beitragen, daß das Vorhaben der PSDI gelinge – wird die deutsche SPD offiziell die PSDI über ihre Bereitschaft mitzuwirken informieren.
DEB-Vorstandsmitglied Elsbeth Bormann erbittet Selbst-Ankündigungen von interessierten deutschen Esperantisten, welche die Voraussetzungen erfüllen beziehungsweise akzeptieren. Schreibt an Frau Elsbeth Bormann, 205 Hamburg 80, Schärstr. 26.
Pri liberala lingvopolitiko
(Liberale Sprachenpolitik betreffend)
Im Rahmen der Westdeutschen Liberalen Partei F.D.P. wurde eine Arbeitsgruppe „ALEUS“ gegründet, um die Grundideen einer liberalen Sprachenpolitik für Europa auszuarbeiten. Bis jetzt gibt es bereits einen Arbeitstext (za. 30 gedruckte Seiten) mit den Argumenten für
1) Gleichberechtigung von allen sieben Sprachgruppen in der künftigen Europäischen Föderation (anstelle einer Privilegierung des Französischen und des Englischen);
2) Freiheit der Wahl des Fremdsprachen-Unterrichts in den Schulen anstelle eines Monopols von praktisch einer Sprache).
Die Arbeitsgruppe schlägt das Ergebnis im kommenden Jahr zum offiziellen Parteitag der F.D.P. vor. Zuvor sucht sie die Koordination mit Sprachenpolitik-Sachverständigen in den anderen liberalen Parteien in Europa.
Ich schlage vor, daß man seitens des Partei-Vorstands oder eines sprachpolitischen Experten unserer Partei offiziell zu dem Arbeitstext von ALEUS Prof. Dr. Helmar Frank, D-479 Paderborn, Brockhöfe 2. befragen soll.*
[:] Esperanto ist letztlich nur bei einer solchen Partei sicher, welche die Lösung des Sprachenproblems auch im Namen trägt. Nur dies geben die realen Bedingungen her. Alle anderen, ob klassisch national ausgerichtet oder sich eher nur europäisch nennend, verkennen zumeist den wichtigen Faktor einer Verständigung auf Augenhöhe. Sie ist aber eine der Voraussetzungen für ein gelingendes Europa. Um Zustimmung zu erreichen, verzichten die anderen Parteien auf Lösungsansätze. Der Knoten wird durch Verschweigen aber nicht gelöst. [20260612se]
[Eŭropa Esperanto-Revuo
Abonnementbeitrag 16,— DM jährlich]
Eŭropa Esperanto-Revuo 1975 06 septembro
SAT kongresis en Den Haag
(SAT hielt einen Kongreß in Den Haag ab) 
Serioza laboro, kulturaj kaj turismaj aranĝoj (Ernsthafte Arbeit, kulturelle und touristische Veranstaltungen)
Vom 26. Juli bis zum 2. August 1975 versammelten sich in Den Haag, Niederlande, rund 300 Esperantist/inn/en, um am 48. Kongreß der Sennacieca Asocio Tutmonda (Weltweite Nationslose Vereinigung) (SAT) teilzunehmen. Kongreß-Stätte war das große Hotel „Gouden Wieken“, welches über verschiedene große und kleine Säle für die Arbeits- und Expertentreffen, Theateraufführungen und andere Veranstaltungen verfügt. Bedauerlicherweise konnte nur ein Teil der Kongreß-Teilnehmerschaft dort auch übernachten.
Die Eröffnung des Kongresses fand im dem eindrucksvollen Bau des Nederlands Kongresgebouw statt, in welchem Genosse J. C. Gaemers die Kongreß-Teilnehmer aus 19 Ländern begrüßte.
Unter den Arbeitssitzungen ist die Entscheidung erwähnenswert, einen Brief an die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in Helsinki zu senden, in welchem die Hoffnung ausgedrückt wurde, daß künftig freiere und einfachere Kontakte zwischen den Angehörigen aller Völker stattfinden. Um dies zu ermöglichen, plädierte der Kongreß für die Verwendung und Unterstützung von Esperanto. Ebenso unterstrich man die Bedeutung der Internationalen Sprache in Telegrammen an vier niederländische Parteien.
Obwohl der Kongreß ausserhalb der Kongreß-Stätte überhaupt nicht für Esperanto warb (dieses Wort war nirgendwo auf irgendeinem großen Plakat zu finden), fand er dennoch Widerhall in niederländischer Presse, Radio und Fernsehen. Um die Weiterexistenz der SAT sicherzustellen, erhielten das Exekutivkomitee und die Arbeiter-Esperanto-Verbände die Beauftragung, Aktionspläne auszuarbeiten, welche eine effektivere Arbeit ermöglichen sollen. Bemerkenswert ist noch der Hinweis auf die wertvolle Arbeit der Radiostationen mit Esperanto-Programmen. Der Vortragende schlug vor, daß viele Kongreß-Teilnehmer möglichst bald an die verschiedenen Radiosender schreiben sollen, um sie zu einer Fortführung der für uns sehr wichtigen Arbeit zu veranlassen. Es ist ratsam, daß man dies in jeder etwas größeren Esperantisten-Veranstaltung tut. Insgesamt ist der SAT-Kongreß dank der guten Arbeit des Kongreß-Organisations-Komitees gut gelungen. Im letzten Moment traf man auf eine SAT-Runde, welche den Kongreß im kommenden Jahr organisieren wird. Er wird vom 24. bis zum 31. Juli 1976 in Göteborg, Schweden, stattfinden.
F. W. Poppeck
Eŭropa Esperanto-Kongreso
(Europäischer Esperanto-Kongreß)

Eindhoven (pp) – Wie wir bereits informierten, wird der Europäische Esperanto-Kongreß 1976 (E.E.K.) zu Ostern 1976 vom 16. bis zum 19. April im sehr modernen, gut ausgestatteten Philips-Kulturzentrum in Eindhoven stattfinden.
Kongreß-Themen werden sein: 1) Die Wirtschafts-wissenschaftlichen Aspekte der Sprachen-Vielfalt; 2) Die Folgen der sprachlichen Dominanz.
Um in die Kongressthemen einzuführen, werden die kompetentesten Redner ausgewählt.
Alle Kongreß-Veranstaltungen werden in der Kongreß-Stätte selbst stattfinden: Vorträge, Sitzungen, Festabend, Ball, Filmvorführungen und die gemeinsamen Mahlzeiten.
Es wird der ganz neue speziell für den kommenden Esperanto-Weltkongreß in Athen vorbereitete Film über Griechenland präsentiert werden. Der E.E.K. wird somit eine einzigartige Gelegenheit sein, um auch diesen schönen Film anzusehen.
Während des Festabends wird das Polnische Amateur-Tanzensemble „Cracovia“ sein Programm aufführen. „Cracovia“, das Eindhovener Gesangs- und Tanzensemble, besteht aus Kindern, deren Eltern polnischer Abstammung sind. Schon mehrmals besuchten sie Polen und überdies präsentierten sie ihr Programm im Niederländischen Fernsehen.
Die Kongreß-Stätte ist sehr nahe dem Hotel „Holiday Inn“, in welchem es dem LKK glückte, viele Zimmer für die Kongreß-Teilnehmer zu reservieren. Auch andere gute Hotels sind reserviert.
Anmelde-Formulare und detaillierte Informationen zu Hotels und zu den preisgünstigen Speise-Möglichkeiten in der Kongreß-Stätte sind bei dem Sekretär des LKK, Floraplein 23, Eindhoven, Niederlande, erhältlich.
La lingva situacio en Eŭropo
(Die Sprachsituation in Europa) 
Kolokvio en la Eŭropa Akademio Otzenhausen 
(Kolloquium an der Europäischen Akademie Otzenhausen)
Otzenhausen, Saarland (BRD). – Erstmals in ihrer Geschichte hielt die Saarländische Esperanto-Liga (SEL) eine gemeinsame Veranstaltung mit der Europa-Union (EU) ab, und zwar ein Kolloquium zur Sprachsituation in Europa. Die EU stellte die sehr geeigneten Häuser der Europäischen Akademie (EA) in Otzenhausen und deren gesamten Verwaltungsapparat zur Verfügung; SEL besorgte die kompetenten Vortragenden, und beide Organisationen warben gemeinsam die rund 50 Teilnehmer an.
[:] Im Originaltext wird die Eŭropa Unio genannt. Damit ist natürlich keine Europäische Union, sondern die Unio de Eŭropaj Federalistoj (Europa-Union) gemeint. [se]
Unter der Leitung von Ernst Wilm (EA) und Günther Becker (SEL) entfaltete sich ein hochrangiges Kolloquium, dessen großer Wert und Erfolg vornehmlich darin liegt, daß es einem nicht-esperantistischen Publikum mit dem Phänomen Esperanto selbst die Stirn bot, und das in erster Linie dank des Vortrags von Prof. Lapenna mit gleichzeitiger kompetenter Übersetzung ins Deutsche, ausgeführt durch Günther Becker. Menschen, welche vorher niemals Esperanto hörten, erfuhren, daß es sich ja doch um eine wohlklingende, klare, ausdrucksreiche, lebende Sprache handelt, geeignet, die Rolle eines gemeinsamen internationalen Verständigungs-Mittels zu übernehmen.
Zum Erfolg trugen ebenso renommierte Professoren mit ihren Informations-reichen Vorträgen bei, wie auch das interessierte und gebildete Publikum. Zugegen waren einige Teilnehmer aus Dänemark, Frankreich und Jugoslawien, für die G. Becker auch den bedeutsamen Vortrag von Prof. Mangold übersetzte. Unter der Leitung der drei Professoren formierten sich drei Arbeitsgruppen.
Der Saarländische Rundfunk strahlte bereits am folgenden Tag ein sehr vorteilhaftes Interview mit dem Vorsitzenden der EA aus, in welchem er die Notwendigkeit unterstrich, das Sprachenproblem in den Europäischen Institutionen endlich „aufzutischen“, und Prof. Mangold, der bezeugte, daß das Kolloquium positiv zur Lösung des Sprachenproblems in Europa beitrug, dabei das Erlernen von Esperanto als Zweitsprache für alle in der Europäischen Gemeinschaft vorschlagend. Er hob als Vorteile von Esperanto hervor, daß es leicht erlernbar, gut verständlich und für eine Übersetzung geeignet ist. Um den Zuhörern des Saarländischen Rundfunk die Möglichkeit zu geben, Esperanto zu hören, fasste Prof. Lapenna seinen Eindruck vom Kolloquium in der Internationalen Sprache zusammen.
Eine erfolgreiche Pro-Esperanto-Arbeit außerhalb des Esperanto-Milieus sollte auf einem in Otzenhausen begonnenen Weg voranschreiten. Als besonders überzeugend stellte sich die Kombination dreier Fachpersonen heraus, welche, jede in ihrem Wissenszweig, verschiedene Aspekte des selben Problems behandelten: Prof. Frank die Unterrichts-technologischen und Partei-politischen, Prof. Lapenna die juristischen und Sprach-politischen, Prof. Mangold die linguistischen.
Es ist außerdem notwendig zu betonen, daß man über den Vorschlag der EU-Mitglieder in der zuständigen Arbeitsgruppe als Entschließung abstimmte. Die gemeinsame Resolution lautet folgendermaßen:
Resolution
Das Kolloquium zum Sprachenproblem in Europa, stattgefunden vom 20. bis zum 21. September 1975 in der Europäischen Akademie Otzenhausen und organisiert von der Europa-Union Deutschland in Zusammenarbeit mit der Saarländischen Esperanto-Liga in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Helmar Frank, Universität Paderborn, Prof. Dr. Ivo Lapenna, Universität London, und Prof. Dr. Max Mangold, Universität Saarland, kam einstimmig mit drei Enthaltungen zu dem folgenden Ergebnis:
Eine essenzielle Schwierigkeit im gegenseitigen Verständnis der Völker von Europa ergibt sich aus der Mehrsprachigkeit dieser Völker, ebenso bezüglich der Politiker, der Verwaltungen und der Beamten in der Europäischen Gemeinschaft.
Diese Schwierigkeit kann man mit den bisherigen Mitteln (finanzielles Problem laut Prof. Dr. Lapenna) nicht mehr bewältigen.
Als Lösungen werden aufgeführt:
— In allen Ländern des Gemeingutes führe man bereits in der Grundschule zusätzlich zur Muttersprache eine zweite Sprache als Pflichtsprache ein.
— Im Gemeingut offizialisiere man Esperanto zusätzlich und dem Grad entsprechend. Die Auswahl einer Nationalsprache als Amtssprache ist nicht möglich, ohne eine Nation zu begünstigen und alle anderen zu diskriminieren.
Aus Gründen der Chancengleichheit (Prof. Dr. Frank) sei eine neutrale Sprache gewählt.
Hierfür wird gemäß Prof. Dr. Mangold geradewegs Esperanto vorgestellt, dessen Vorteile sind: leichte Erlernbarkeit, weltweite Verbreitung, lebendiges Ausdrucksvermögen, klare Formulierung und gute Verständlichkeit.
— Man solle der breiten Öffentlichkeit mittels aller Massenmedien das Sprachenproblem bewusst werden lassen und man soll Esperanto als Alternative hervorheben.
Die Politiker sollen die Aufgabe übernehmen, dieses Problem in den Lehrsystemen gemeinverständlich machen. Esperanto soll Eingang in die schulischen Lehrpläne finden.
Die rasche Vereinigung von Europa ist notwendig und nur durch die Direktwahl des Europäischen Parlaments im Jahr 1978 und die Verwirklichung der politischen Union bis 1980 erreichbar.
Die Anwendung von Esperanto als Amtssprache kann helfen, das Sprachenproblem zweckdienlich zu lösen.
Maria Becker-Meisberger.
Konferenco de socialdemokrataj partioj
(Konferenz der Sozialdemokratischen Parteien)
Elsbeth Bormann, Vorstandsmitglied des DEB für Information, sandte einen Brief an die Landesverbände der UEA in Westeuropa mit einem Aufruf, den Plan einer Konferenz der sozialdemokratischen Parteien in Rom 1976 auf Initiative der italienischen sozialdemokratischen Partei (PSDI) zu unterstützen und zu realisieren.
Aus dem Brief zitieren wir:
„Wir im Vorstand des Deutschen Esperanto-Bundes diskutierten eine mögliche Zusammenarbeit und beschlossen, die Initiative zu begünstigen, obwohl sie eine parteipolitische ist. Doch hatten wir auch bereits mehrfach Verbindungen in liberaldemokratische Kreise, somit fanden wir es passend, daß wir auch in dieser Angelegenheit zusammenarbeiten sollen. Zudem wurden wir umsomehr überzeugt, da unsere derzeitige Regierung in Bonn hauptsächlich eine von Sozialdemokraten ist und 45% unserer Abgeordneten dieser Partei angehören. Wir übersetzten die italienische Broschüre und versendeten sie an sozialdemokratische Instanzen in Deutschland, was ein wenig Interesse erweckt hat.
Eine fast zweijährige Arbeit in den Leitstellen der Sozialdemokratischen Partei in Bonn gab nun schließlich ein Ergebnis, und zwar: Der Geschäftsführer Holger Börner willigte ein, daß die SPD während der geplanten Konferenz in Rom anwesend sein soll. Die SPD schrieb am 22. August 1975 an PSDI – übrigens in französischer Sprache –, daß sie einen offiziellen Beobachter in eine vom Deutschen Esperanto-Bund zusammenzustellende Delegation entsenden wird.
Die Idee dieser Konferenz ist nun auch unsere Angelegenheit. Der DEB ist stark interessiert, daß es nicht nur eine Idee bleibt. Wir bitten durch diesen Brief alle Vorstände der Landesverbände, daß sie in ihrer allernächsten Vorstandssitzung über die mögliche Zusammenarbeit diskutieren sollten. Sie sollen bitte die Instanzen ihrer sozialdemokratischen Parteien kontaktieren und anstreben, daß auch sie von dieser Konferenz in Rom überzeugt sein müssen. Da die sozialdemokratischen Parteien ja doch überall in der Welt für eine Gleichberechtigung sind, sollte auch die Verwendung von Esperanto zwischen den Parteien für sie akzeptabel sein.“
[:] Auch wenn es für EDE gerade noch flau aussieht, die Probleme werden ein Nachdenken in den Gesellschaften erzwingen. Sollte sich dann der gesellschafts-politische Wind in eine positive Richtung drehen, werden diese Parteien unsere Sache wieder entdecken und an sich reißen wollen. Aber auch dann wäre Esperanto bei uns am besten aufgehoben. Denn wir können und wollen das Thema nicht beschämt verbergen. EDE ist unsere DNS. [se]
Eŭropa panoramo (Europäisches Panorama) 
 Esperanto en radio (Esperanto im Radio) 
F. W. Poppeck, D-7602 Oberkirch (BRD), ein alter Esperanto-Propagandist, ermutigt mit einem besonderen Plakat die Gleichgesinnten während Gruppenabenden und anderen Esperantisten-Zusammenkünften, an die Radiosender zu schreiben, welche esperantosprachige Programme ausstrahlen. Das selbstgemalte Plakat hat folgenden Text:
„Liebe Gleichgesinnte!“
Der Erfolg von Esperanto wächst in gleicher Abstufung wie seine Verwendung.
Einige Radiostationen strahlen regelmäßig Informationen, Reden, sogar Konzerte in Esperanto aus.
Aber diese Radiosender brauchen das Echo von dem esperantistischen Publikum. Wenn man nicht viele Briefe oder Karten erhält, dann wird man die Esperanto-Sendungen einstellen. Darum müssen wir immer von-neuem an die Stationen schreiben. Kauft einige Postkarten und schreibt umgehend an nachstehende Adressen:
Polnisches Radio, Esperanto-Redaktion, Postfach 46
PL-00-950 Warschau 1, Polen
Schweizer Kurzwellendienst Esperanto-Abteilung
CH-3000 Bern 15, Schweiz
ORF, Esperanto-Redaktion, Postfach 700
A-1041 Wien, Österreich
Radio Sofia, Esperanto-Abteilung, Sofia, Bulgarien
Radio Rom, Esperanto, C. S. 320, I-00 182 Roma, Italien
Radio Zagreb, Esperanto-Abteilung, YU-41000 Zagreb, Jugoslawien
Radio Peking, Esperanto-Abteilung, Peking, China
Ligo-kunvenoj (Verbands-Treffen)
NOGELO in Soltau
Fast 50 Esperantist(inn)en nahmen an einer Zusammenkunft der Norddeutschen Esperanto-Liga (NOGELO) am Wochenende des 27. und 28. September in Soltau teil.
Schlussbemerkung: Es ist immer gut, wenn Esperantisten beisammen sind und man kann mittels der Internationalen Sprache in einer freundschaftlichen Runde dabei-sein und damit zeigen, daß Esperanto eine lebendige Sprache ist.
Elsbeth Bormann
ROMOLO en naturamika domo
(ROMOLO im Naturfreunde-Haus)
Ende September traf sich die Esperanto-Liga Rhein-Main gemeinsam mit den Esperanto-sprechenden Naturfreunden von Hessen im Naturfreundehaus Mörfelden.
Nach den unvermeidlichen Satzungs-Formalitäten während der Jahreshauptversammlung, bei welcher man den alten Vorstand neu wählte, folgte ein interessanter Vortrag über die Arbeit und Ziele der Naturfreunde, bei welchen Esperanto eine mehr und mehr beachtenswerte Rolle spielt.
Funkamateur DL8XH aus Mörfelden erläuterte die vielfältigen Möglichkeiten, welche die Internationale Sprache für den Funk-Kommunikations-Verkehr in einer unverschlüsselten Sprache darbietet. Sein Kollege aus Neu Isenburg betrieb die tragbare Funkstation, welche auf dem benachbarten Campingplatz anlässlich des Treffens etabliert wurde. Die soeben aufgefangenen Stimmen Esperanto-sprechender Funkamateure aus Finnland, der Sowjetunion, Israel und Italien konnte man vom Tonband abhören; einige direkte Kontakte waren für die Esperanto-Gäste mittels Mikrofon hörbar.
Zum Ende der Zusammenkunft konnte man sich eine Aufführung von modernen Tänzen – bekannt unter dem Namen „Jazz-Gymnastik“ – im Stil von „The Young Generation“ anschauen. Die sieben Amateur-Tänzer(innen) ernteten viel Applaus.
G.R.
Novaĵoj el Paderborn (Neuigkeiten aus Paderborn) 
Paderborn (S.) In verschiedenen Grundschulen von Paderborn wurden im September neun Esperanto-Kurse für Kinder begonnen. Organisations-Träger der Kurse ist die Gesellschaft für sprachgrenz-überschreitende europäische Verständigung „Europa-Klub“. Die wissenschaftliche Begleitung besorgt das Institut für Kybernetische Pädagogik.
Eine Delegation der Liberaldemokratischen Partei (F.D.P.) unter Leitung der Abgeordneten W. Hirsche und Frau Tomei aus dem Parlament von Niedersachsen, Hannover, besuchte das Forschungszentrum (FEoLL) in Paderborn, um sich vor allem über die Unterrichtung der Plansprache und Informatik zu informieren. Die Delegation besuchte auch die Schulklassen, in welchen man derzeit Esperanto unterrichtet.
Eŭropa Esperanto-Revuo 1975 07 oktobro novembro
Peter G. Foster
La ideologio de Esperanto kaj la koncepto de superŝtato
(Die Ideologie von Esperanto und das Konzept eines Superstaates)
Ekzerco en historia sociologio
(Eine Übung in historischer Soziologie)
Man diskutiert in Esperanto-Kreisen oft das Problem der „Neutralität“. Man sagt, daß Esperanto eine neutrale Sprache ist oder daß Esperantistische Organisationen auf Politik und Religion bezogen neutral sind. Man befindet, daß die Anführer der Bewegung über Neutralität sprechen, aber eine Diskussion zu diesem Thema ist auch bei gewöhnlichen Mitgliedern bemerkbar. In der allgemeinen Tradition der Bewegung ist dieses Konzept also bedeutsam. Dennoch ist der Inhalt dieses Konzepts der Neutralität völlig unklar. Ich beabsichtige zu begründen, daß eine Neutralität in sich selbst ein Teil der Ideologie der Esperanto-Bewegung ist.
Soziologisch sagt man allgemein, daß es zwei Arten von sozialen Bewegungen sind, die normorientierten und die werteorientierten. Die normorientierten Bewegungen interessieren sich nur für ein enges Thema, beispielsweise für die Erhaltung von alten Gebäuden. Die werteorientierten Bewegungen interessieren sich im Gegensatz für das Voranbringen der umfassenden Ziele, beispielsweise an dem Voranbringen der Welt-Brüderlichkeit. Meistens enthalten Bewegungen eine Mischung beider Tendenzen, doch ist es ziemlich einfach, sie zwischen den zwei Lagern aufzuteilen. Man muß erwägen, ob die Esperanto-Bewegung norm- oder werteorientiert ist. Dies war in der gesamten Geschichte der Bewegung ein Problem. Beispielsweise attackierte de Beaufront das Konzept von Esperanto als Ideologie, argumentierend, daß es nur eine Sprache sei. Im Gegensatz hört man in den Reden von Zamenhof viel über die Werte des Esperanto und relativ wenig über den praktischen Nutzen der Sprache, obwohl dieser letzterer auch wichtig für Zamenhof war. Zunächst ist erforderlich festzustellen, daß die Sprache selbst ein Teil der Ideologie einer Bewegung ist – ein Sprachen-Wechsel kann ein sehr bedeutsamer Ideologie-Wechsel sein, und die Polemiken um Ido sind ein guter Hinweis darauf. Die Unantastbarkeit des Fundaments ist ein wichtiger Teil der Ideologie des Esperanto. Obwohl man also laut der Deklaration von Boulogne auf die Tatsache achtgab, daß Esperanto nur eine Sprache ist, also normorientiert, muß die Soziologie von Esperanto auch die Subkultur und Tradition der Bewegung einbeziehen. Dieses letztere kann erheblicher sein als die offizielle Ideologie.
Während des frühen russischen Zeitabschnitts war der bedeutende Ideologe selbstverständlich der Gründer Zamenhof. In den frühen Artikeln von Zamenhof bemerkt man den esperantistischen Idealismus (aufgrund der Zensur) wenig, doch ist es bereits eine Offensichtlichkeit der künftigen Werbemethoden. Er verlies sich nicht auf Reiche und Berühmte, sondern auf einfache Leute. „Jedes Meer wird von einzelnen Tropfen geschaffen“, schrieb er. Er riet auch zu Gelassenheit und Hingabe. Man sieht noch diese Charakterzüge in der Bewegung. In jenem Zeitraum findet man in der Poesie Zamenhofs z.B. La Vojo (Der Weg) und La Espero (Die Hoffnung), das quasi-religiöse Konzept einer utopischen Zukunft. Als Quellen des Idealismus des Esperanto viel bedeutender sind die in der Bewegung noch gut bekannten und gelesenen Kongressreden von Zamenhof. Besonders wichtig ist der Konflikt in Frankreich vor dem ersten Kongreß in Boulogne über die Mystik der Rede Zamenhofs auf diesem Kongreß. Die französischen Esperantisten hoben eine praktische Propaganda hervor und enthielten ein starkes normorientiertes Element. Dennoch würde für viele französische Mitglieder durchaus eine nicht-religiöse Auffassung der Werte des Esperanto akzeptabel sein. Sogar auf dem Kongreß von Boulogne selbst, als Zamenhof seine religiösen Ideen rundheraus erwähnte, war die Menge enthusiastisch aufgelegt. Auf den folgenden Kongressen ließ Zamenhof nach Warnungen mystische und religiöse Werte aus der offiziellen Rede fort. Er sprach nur über die Laien-Werte der Brüderlichkeit und Gerechtigkeit zwischen den verschiedenen Volksstämmen. Die praktische Seite von Esperanto, entsprechend Zamenhof, ist eine Pflicht für jedermann. Die idealistische Seite ist „nicht verbindlich, aber viel bedeutender“. Dies hier ist ein gutes Beispiel der Unterscheidung zwischen der offiziellen Ideologie und der allgemeinen Kultur der Bewegung. Zamenhof erwähnte auch, daß der praktische Nutzen immer wichtig ist, aber daß die idealistische Seite für die Kongresse notwendig ist. Diese Unterscheidung ist auch in dem Geistigen der einzelnen Esperantisten wichtig. Ich fand oft bei den britischen Esperantisten, daß sie sagen werden, daß der Idealismus bedeutend ist für die interne Aktivität der Bewegung, jedoch daß das Praktische wichtig für die externe Publikum ist.
Man findet hier auch das Konzept von Esperanto als Superstaat. In Cambridge sprach Zamenhof über „Esperantujo“*. Man findet außerhalb von Esperanto, daß die Sprache ein wichtiges Solidaritäts-Instrument ist, und dies findet man auch für Esperanto. Man kann zunächst sehen, daß die Ideologie des Esperanto-Superstaates Neutralität ist. Zamenhof sagte, daß bei anderen internationalen Kongressen Neutralität nur eine Angelegenheit des Taktes war, aber das Ziel von Esperanto-Kongressen selbst ist Neutralität, oder genauer die Neutralisierung von Beziehungen zwischen Volksstämmen. Auch bestand Zamenhof darauf, daß Esperanto nicht in das innere Leben der Volksstämme eindringen soll, sondern daß es eine Brücke zwischen den Volksstämmen sei. Manchmal hat man den Eindruck, daß Esperantisten zwei Loyalitäten haben: zu ihrem eigenen Land und zu dem esperantistischen Volk.
Über das Esperantistische Volk sprach man auch während des Ido-Schismas. Man kann das Esperantistische Volk verraten, und die Struktur der Sprache ist für dieses Volk ein heiliges Symbol. Personen von außerhalb können Veränderungen nicht ohne das Einverständnis des Esperantistischen Volkes beantragen, und es ist wirklich eine abratens-werte Sache für Angehörige dieses Volkes eine Änderung vorzuschlagen. Zamenhof warf Gaston Moch, einem Esperantisten in der Delegation, welche für die Änderungen votierte, die in Ido endeten, vor, daß er das Esperantistische Volk verriet. Boirac sagte der Delegation für Einführung einer internationalen Hilfssprache, daß Esperanto bereits ein gesellschaftlicher Fakt ist, ebenso wie Nationalsprachen.
Bis zum Schisma hatte das Esperanto-Volk keine Regierung, außer dem unangemessenen Sprach-Komitee.
Aber die wichtigste Debatte über eine Gliederung waren die zwei widerstreitenden Ansichten von der Organisation der Bewegung, ob sie international oder übernational sein sollte. Die UEA begann bereits, die Esperantisten weltweit ohne Bezug zu Nationen zu organisieren, während andere nur eine Verbindung von nationalen Bewegungen wollten. Die weltweite Organisation der UEA mit Sitz in der neutralen Schweiz wirkte sich im Ersten Weltkrieg gut aus. Hodler philosophierte über die UEA und die Loyalität der Mitglieder. 1915 erinnerte er die Mitglieder nochmals daran, daß der Esperantist sich zu erinnern die Pflicht hat, daß die Feinde schließlich Menschen sind. Nach dem Krieg wird der Wiederaufbau beträchtlich sein und die Esperantisten werden daran teilnehmen müssen. Wegen der Hilfe und Dienste während des Krieges und des Sitzes in einem neutralen Land erhöhte sich das Ansehen der UEA und diese Organisation könnte nicht mehr von einer neuen Welt-Organisation übergangen werden. Das supranationale Konzept der UEA war dennoch radikaler als die Idee einer Liga von nationalen Bewegungen (unterstützt insbesondere von den Franzosen).
Man soll die Rolle der Ideologie in diesem Konflikt nicht unterschätzen. Die supranationale Tendenz bezieht sich auf den wertorientierten, idealistischen Standpunkt; das Internationale bezieht sich auf den normorientierten, praktischen Standpunkt. Die Unterscheidung ist nicht absolut: Idealisten können das internationalistische System gutheißen, und die supranationale Struktur ermöglicht viele praktische Dienste. Aber man kann den zwei Strukturen in den zwei ideologischen Standpunkten einen Platz zuordnen.
1921 wurde der Vertrag von Helsinki angenommen, freilich nur ein Kompromiss, nur eine Liga der bereits bestehenden Organisationen. Dies gelang nicht: Nach einer Verminderung der finanziellen Unterstützung der UEA begannen Vorschläge für eine neue Struktur. Auch war das Anwachsen von nationalistischen Gefühlen in der Zwischenkriegszeit beträchtlich, außerhalb und innerhalb der Bewegung. Die neue Struktur der Weltorganisation der Esperantisten trug den Namen der UEA, lies jedoch die supranationale Tendenz heraus. Noch dazu wählte man im Jahr 1934, ein Jahr nach der Erschaffung einer neuen Organisation, sogar die Ausschüsse, welche die aktiven in der alten UEA waren. Unter ihnen waren gut bekannte Idealisten wie Edmont Privat und Andreo Cseh. Nach den Wahlen ereignete sich erneut eine Spaltung. Obwohl viele argumentieren, daß die Wahlen völlig in Ordnung waren und daß die Nichtgewählten nur aus Eifersucht oder einer Art „Schweizer Imperialismus“ fortgingen, scheint es, daß die Sache viel komplizierter war. Zu Beginn der neuen internationalen Organisation, die wegen gesetzlicher Gründe zur Internacia Esperanto-Ligo (Internationale Esperanto-Liga) wurde, entbehrte sie gänzlich der supranationalen Tendenz. Darin waren verschiedene nationalistische Tendenzen akzeptabel, und sogar ein Faschismus war zulässig. Während der erneut unabhängigen UEA wurde darauf abgezielt, die idealistische und radikale Seite von Esperanto zu bewahren. Im Jahr 1937 schrieb Privat im Organ der unabhängigen UEA: „Jugend der ganzen Welt, akzeptierst du, morgen friedliche Städte zu zerstören und Frauen und Kinder abzuschlachten?… Dich wird die Stimme Zamenhofs fragen und rufen.“ Hier und an anderen Stellen werden die friedlichen Werte der UEA hervorgehoben, bisweilen in einer sehr radikalen Form. Gleichzeitig verließ dennoch die neue IEL bald die völlig normorientierten Standpunkt-Ausrichtung. Obwohl die Esperanto-Bewegung in faschistischen Ländern oft versuchte, mit den Faschisten Kompromisse einzugehen, misslang diese Taktik, insbesondere in Deutschland, und man verbot die Bewegung. Darum blieben nicht länger bedeutende faschistischen Elemente in der IEL, und auch dort fand eine Wiederbelebung des Idealismus statt.
Diese Skizze umriss sehr klar zwei Ursprünge der Neutralität. Entweder kann man sagen, daß eine weltweite Esperanto-Bewegung jedes beliebiges politisches System betreffend absolut neutral ist, oder man kann sagen, daß eine Neutralität bezogen auf Beziehungen zwischen Völkern ein essenzieller Inhalt der Esperanto-Ideologie ist. Das erste Konzept kann Faschismus akzeptieren, weil Esperanto sich nicht für Politik interessiert. Das zweite Konzept verbietet Faschismus und Rassismus, weil eine Neutralität die Oberherrschaft eines Volkes über ein anderes nicht toleriert.
Ein ganz anderer Standpunkt von Neutralität findet sich bei SAT. Obwohl auch sozialistisch, wurde SAT auf der bereits bestehenden Ideologie des Esperanto gegründet. Der Gründer Eugene Lanti respektierte Zamenhof und den Aufruf an die Massen statt an die Berühmtheiten und Politiker. Lanti billigte ebenfalls die supranationale Struktur der UEA, konnte jedoch nicht ihre politische Neutralität akzeptieren. SAT betonte die supranationale Tendenz bis zu dem Punkt, wo eine supranationale Loyalität bedeutsamer für den Esperantisten ist als die nationale.
Man findet während der gesamten Geschichte jene zwei Konzepte der Neutralität. Das erste (praktischer anwendbare, aber weniger radikale) weist darauf hin, daß Esperanto nur eine Brückensprache ist und nicht in das innen-ländische Leben der Völker eintritt. Die zweite (radikalere, aber weniger praktisch anwendbare) schlägt vor, daß Esperanto ja doch in das innen-ländische Leben der Völker eingehen soll und daß die wahrhaftige patriotische Loyalität der Esperantisten zu Esperantujo besteht. Irgendwer würde einen Kompromiss vorschlagen, dazu sagend, daß das erste für sofortige Aktivitäten zu unterstützen sei, während das radikalere Konzept eine Angelegenheit der Zukunft sein soll. Das zweite Konzept betont stark das Konzept eines esperantistischen Volkes, doch selbst bei dem ersten kann man Elemente davon finden. Zamenhof schlug eine universelle Religion für die Esperantisten vor, welche die Esperantisten miteinander verbinden könnte. Später findet man praktische Mittel des esperantistischen Volkes, beispielsweise die Scheckbank von E. Ĉefeĉ (Herbert F. Höveler) und den Speso, das Esperanto-Geld. Es gab die esperantistischen Konsuln, dann Abgeordnete. In allgemeiner Unterhaltung der Esperantisten findet man das Konzept von Esperantujo – die Idee, daß die Sprecher von einem starken Bund der Solidarität verbunden sind. Jene letzte Idee befindet sich in dem aktuellen Statut der UEA. In dem Statut wird die solidarisierende Funktion der Weltkongresse stark betont. Esperantisten neigen allgemein dazu, die Bedeutung der Beziehungen zwischen Personen auf den Weltkongressen zu betonen. Auch in der Organisierung der Bewegung gibt es Analogien mit einem Staat. Wir haben unsere „Palastrevolutionen“; zu manchen Zeiten nannte man Vorstandsmitglieder Minister und Mitgliedsbeiträge Abgaben.
Das Problem für das supranationale Konzept ist der Grad, in welchem es durchführbar war. In jeder beliebigen nationalen Gesellschaft gibt es sehr starke beherrschende nationale Werte, und man befand allgemein, daß ein Esperantismus in sich selbst keine genügend starke Überzeugung war, um sie zu beherrschen. Dies war nicht immer bei Esperanto verbunden mit anderen Ideologien der Fall.
Anmerkung der Redaktion: Den obigen Vortrag präsentierte der Autor auf dem diesjährigen italienischen Esperanto-Kongreß in Triest. Peter G. Foster, ein bekannter Soziologe, ist Professor an der University of Hull, Großbritannien.
[:] *Esperantujo (Esperantien)
1.) Im Vortrag wird praktisch von zwei Ebenen gesprochen, von einer allgemein weltweit anerkannten der Nationalstaaten und von einer nicht allgemein in gleicher Weise akzeptierten übernationalen. Auch die Europäische Ebene spielt darin keine Rolle.
„Aber die wichtigste Debatte über eine Gliederung waren die zwei widerstreitenden Ansichten von der Organisation der Bewegung, ob sie international oder übernational sein sollte. Die UEA begann bereits, die Esperantisten weltweit ohne Bezug zu Nationen zu organisieren, während andere nur eine Verbindung von nationalen Bewegungen wollten. …. Wegen der Hilfe und Dienste während des Krieges und des Sitzes in einem neutralen Land erhöhte sich das Ansehen der UEA und diese Organisation könnte nicht mehr von einer neuen Welt-Oganisation übergangen werden. Das supranationale Konzept der UEA war dennoch radikaler als die Idee einer Liga von nationalen Bewegungen.“
Nach dem Ersten Weltkrieg entstand die Liga der Nationen (Völkerbund). Auch dort war das Macht-Verhältnis zwischen den National-Staaten und der gemeinsamen Organisation zu definieren. Wie beim Nachfolger UNO behielten die einzelnen Staaten sehr viel Spielraum. Es ist klar, daß die gemeinsame Ebene in einem geeinten Europa dagegen deutlich mehr Kompetenzen haben muß, damit eine Ausgewogenheit zustande kommt. Für Zauner war 1936 klar, daß ein solches Europa noch vor der Gründung des Völkerbundes hätte stehen sollen.
EŬROPA CENTRO (EUROPÄISCHES ZENTRUM) „Die Schaffung eines Europäischen Zentrums wäre weitaus wichtiger und dringender gewesen als die des Völkerbundes. Das Offenbarwerden* der europäischen Solidarität würde sofort viele Probleme erklären.
Der Rahmen des Völkerbundes ist überdimensioniert und noch nicht aktuell. Eine organische Entwicklung erfordert zuvor für unseren Kontinent eine europäische Zusammenarbeit. Die derzeitige Entwicklung des Völkerbundes beweist auch dies. Die USA blieben fort, Japan ist entwichen, es blieben hauptsächlich die europäischen Staaten und deren Bündnis-Staaten (Kolonien).“
de.e-d-e.eu Josef Zauner UŜE-EĤO 29
„Aber die wichtigste Debatte über eine Organisation waren die zwei widerstreitenden Ansichten von der Organisation der Bewegung, ob sie international oder übernational sein sollte.“
Diese Situation erinnert stark an die Frage, ob Europa ein Staatenbund oder ein Bundesstaat sein solle. Ziel muß einfach ein praktikables angemessenes Verhältnis der Ebenen zueinander sein. Der Begriff Föderalismus bezeichnet dies wohl am besten. Es geht also wirklich nicht darum, die Nationen abzuschaffen, sie werden aber nicht über allen Entscheidungen stehen können. Und dies muß sich auch in den Identitäten der Einwohner, die ja auch eigentlich Europäer sind, widerspiegeln. Zu viele Europäer schimpfen auf Europa und ziehen sich auf ihre Nationen zurück. Ja, die Europa-Politiker tun falsche Dinge. Aber dies ist kein Grund, ein sich einigendes Europa zu bekämpfen.
2.) Das Hauptthema des Vortrags ist die Neutralität. Doch darunter kann man verschiedenes verstehen, was natürlich auch die Frage der Kompetenzverteilung auf Ebenen berührt.
Zusammengekürzt erscheinen folgende Neutralismus-Konzepte:
Neutralismus-Konzept 1:
Esperanto hat kein Interesse an Politik. Auch Faschismus kann somit akzeptiert werden.
Esperanto ist nur eine Brückensprache und tritt nicht in nationale Gesellschaften ein.
Neutralismus-Konzept 2:
Neutralität toleriert keine Oberherrschaft eines Volkes über ein anderes. Faschismus und Rassismus werden nicht akzeptiert.
Esperanto ist nicht nur eine Brückensprache und tritt somit auch in nationale Gesellschaften ein.
Wahrhaftige patriotische Loyalität der Esperantisten besteht eher nur zu Esperantujo (Esperantien).
„Man findet während der gesamten Geschichte jene zwei Konzepte der Neutralität. Die erste (praktischer anwendbare, aber weniger radikale) weist darauf hin, daß Esperanto nur eine Brückensprache ist und nicht in das innen-ländische Leben der Völker eintritt. Die zweite (radikalere, aber weniger praktisch anwendbare) schlägt vor, daß Esperanto ja doch in das innen-ländische Leben der Völker eintritt und daß die wahrhaftige patriotische Loyalität der Esperantisten zu Esperantujo (Esperantien) besteht.“
Beide hier genannten Konzepte beziehen sich nicht auf die Frage, wie politisch neutral Esperanto im Sinne der klassischen eindimensionalen politischen Ausrichtung bei der Sitzordnung im Parlament sein soll.
Jeder politische Zustand kann nur dann stabil sein, wenn dabei die Wesenseigenschaften menschlicher Gesellschaften akzeptiert werden. Es wird immer Auseinandersetzungen geben. Immer müssen die Grundlagen einer Gesellschaft wie auch die Grundlagen einer übergeordneten internationalen Gesellschaft neu bestimmt werden. Es kommt auf die Bürger an, wie sie ihre verschiedenen Sprachen einsetzen. Sobald man die verschiedenen Identitäten berücksichtigt, z.B. im engen Kreis im Dialekt, auf deutscher Ebene in Deutsch, auf europäischer Ebene Europäisch. Ein Bürger kommt also nicht um eine komplexe Identifizierung seiner selbst herum. Ebenso kein Esperantist. Doch jener hat bereits einen guten Entwicklungsweg hinter sich. Instanzen können nur für die passenden Bedingungen sorgen, Menschen müssen sich dann darin selbst einrichten. Stabilität kann also nur erreicht werden, wenn sich die Bürger als Bestandteil mehrere Gesellschaften begreifen. In unserem Fall betrifft das besonders das Verhältnis zwischen Nation und Europa. Esperanto soll nur eine Brückensprache sein und die Völker im Inneren nicht wie ein Fremdkörper bestimmen. Trotzdem soll es der Europäischen Gesellschaft ermöglicht werden, sich überall in Europa leicht und ohne Behinderungen verständigen zu können. Solche Voraussetzungen sind natürlich in den Nationalstaaten zu schaffen, denn deren Einwohner gehören ja auch zu der übergeordneten Gesellschaft, ob sie dies wahrhaben wollen oder nicht. Natürlich hat jeder Mensch das Recht, diese Verständigungs-Praxis nicht anzunehmen.
Welches Neutralismus-Konzept kann auf Zauner angewendet werden? Nach dem Neutralismus-Konzept 1 hat Esperanto kein Interesse an Politik, somit kann Faschismus akzeptiert werden.
Zauner dachte klar politisch. Daher passt 1 nicht. Doch scheinbar hat er Faschismus akzeptiert. Ab 1933 geriet er also in eine Zwickmühle, da er doch eine eigenständige politische Denkrichtung vertrat. Er lebte in einem tiefgehenden Widerspruch. Seine eigentlichen politischen Ziele waren überhaupt nicht zu denen der nationalistischen Machthaber kompatibel. Dabei wollte Zauner zu keiner Zeit eine Entwicklung, die Nationen abschaffen würde. Es ging auch ihm eigentlich um eine notwendige Ergänzung, um ein modernes Europa überhaupt möglich zu machen. Leider gehörte er dann zu jenen im Vortrag angesprochenen, die wohl zwangsläufig mit den Diktaturen interagierten und versuchten, sich nur so weit nötig anzupassen.
Für EDE ist ganz klar, daß Esperanto eine politische Angelegenheit ist. Würden wir uns gegenüber einer Politk neutral verhalten wollen, dann könnten wir nicht in diesem System handeln. Ein falsch verstandener Neutralismus, der sich aus der Politik heraushält, ist nicht in unserem Sinn.
Die Idee, Esperanto „irgendwie“ in die Gesellschaften zu bringen, nur indem man Bürgern oder gar Politikern die Vorteile der Sprache erklärt, hatte bisher nur den Effekt, daß immer einige neue Esperanto-Freunde nachkamen. Dieser Effekt ist sicher gut. Doch Gesellschaften verändern sich stetig und bringen politische Ansichten hervor. Man kann nicht einfach nur Individuen aufklären, wir müssen in den Gesellschaften wirken, auch indem die privilegierten Eliten angesprochen werden. Und dies ist immer politisch. Und wenn dieses Wirken von nationalistisch-diktatorischen Gesellschaften unterbunden wird, dann ist auch das politisch. Und dann hat es keinen Sinn, sich zu verbiegen, nur um weiter hörbar zu bleiben. Wenn Gesellschaften feindlich gesinnt agieren, dann muß man das für sich auch so als Gegebenheit sehen. [se]
eo.wikipedia.org Universala Esperanto-Asocio
de.wikipedia.org Universala Esperanto-Asocio
eo.wikipedia.org Kontrakto de Helsinko
cw.kul.lublin.pl Fino de la Helsinki-Kontrakto (pdf)
eo.wikipedia.org Ĉefeĉ-ŝlosilo Ĉefeĉ (Herbert F. Höveler)
eo.wikipedia.org Spesmilo
de.wikipedia.org Speso
de.e-d-e.eu Josef Zauner UŜE-EĤO 29
Eŭropa panoramo (Europäisches Panorama)
Esperantista magiisto sur Esperantoponto
(Esperanto-Zauberer auf Esperanto-Brücke) 
Herstal (lgx/pp) — Anlässlich des Dreiländer-Treffens in dem belgischen Ort Herstal, an welchem laut der Zeitung Nord Eclair Nord / Matin (Frankreich) 200 Esperantisten aus 6 Ländern teilnahmen, wurde eine Esperanto-Brücke eingeweiht. Nach der Einweihung der Brücke plauderte ein Zauberer freundlich mit französischen und belgischen Teilnehmern. Trixini ist ein glühender Esperantist, Polyglott, Magier, Marionettenspieler usw. Er grüßt seine Mitbrüder und Freunde herzlich. Trixini (Hans-Jörg Kindler) ist Priester der deutschsprachigen Gemeinde bei der Europäischen Pfarrei in Luxemburg.
Eŭropa Esperanto-Kongreso
(Europäischer Esperanto-Kongreß)

Eindhoven (pp). – Zur Zeit wird ein Ehrenkomitee für den Europäischen Esperanto-Kongreß 1976 formiert. Bis jetzt traten bei:
Mag. J. J. van der Lee, Bürgermeister von Eindhoven
Herr J. C. v. d. Harte, Provinz-Kommissar von Nord-Brabant
Prof. Dr. H. Brugmanns, em. Rektor des Europakollegs in Brügge, Belgien
Herr R. v. Elslande, Außenminister von Belgien
Herr Molenaar, Präsident der Europäischen Bewegung in den Niederlanden
Mag. A. C. Leenders, Stadtrat für kulturelle Angelegenheiten von Eindhofen.
Während des Kongresses wird Dr. Werner Bormann, Vizepräsident der UEA, einen Vortrag über die „Ökonomischen Aspekte der sprachlichen Vielfalt“ halten und Ing. Hans Bakker (Sohn) über „Folgen der sprachlichen Vorherrschaft“.
Für die Kursteilnehmer von „Programmiertes Esperanto“ aus allen Europäischen Ländern wird die Möglichkeit bestehen, ein Examen „Abschließender Test“ abzulegen. Es werden auch einige mündliche Lektionen stattfinden.
Erbittet Informationen vom Kongreß-Sekretär: Floraplein 23, Eindhoven, Niederlande.
 Esperanto-Kafejo en Trier (Esperanto-Café in Trier)
Trier (pp) — Im Namen des Luxemburger Esperanto-Verbandes teilt Robert Hoegener, Esch-sur-Alzette mit, daß es seit einigen Wochen in Trier, Saarstr. 87 ein Esperanto-Café und eine Discothek „Esperanto“ gibt. Am 29. September versammelten sich dort etwa 12 Esperantisten aus Luxemburg, Wittlich und Trier und hörten den Abend- und Werbe-Liedern zu. Man verlebte in anmutiger Atmosphäre einen unvergesslichen Abend unter Leitung von Pfarrer Kindler, welcher bereits als Zauberer TRIXINI berühmt wurde.
Esperantisten aus allen Ländern, insbesondere aus Deutschland, werden gebeten, den neuen Esperanto-Treffpunkt zu unterstützen. Sendet Grußkarten an Kafejo Esperanto, Saarstr. 87, D-55 Trier, FGR. Wenn ihr in die Nähe von Trier, an der Landesgrenze zu Luxemburg, kommt, besucht das kafejo!
Konferenco de Eŭropa Instruista Asocio
(Konferenz der Europäischen Lehrer-Vereinigung)
Bemelen, NL (eec/pp) — Vom 31.10. bis zum 01.11.75 fand in Bemelen, einem kleinen Ort südlich in der Niederlande, eine Konferenz der Eŭropa Instruista Asocio EIA (Europäische Lehrer-Vereinigung) statt. Es nahmen za. 45 Personen teil, unter welchen zwei Beamte der Europäischen Gemeinschaften (EG) waren.
Hr. P. A. Daunt, Verwaltungschef der EG-Abteilung für Bildung, Wissenschaft und Forschung, sprach über die Vielfalt der Bildungssysteme in den neun Ländern und über eine Zusammenarbeit im europäischen Rahmen, welche sich noch im Anfangsstadium befindet; die Kommission begann die Bildung betreffende Arbeit im Jahr 1972. Die Aufgabe der EG-Kommission ist, neue Initiativen für und mit den EG-Ländern über die Bildungsminister zu koordinieren. Das Ziel ist eine Koordinierung der Bildung in Europa (Bericht Prof. Janne). Hier einige Themen:
Lebenslange Bildung (Information über das gegenwärtige Europa)
Europäische Dimension im Unterricht von Geschichte, Geographie, Soziologie, Philologie
Austausch von Lehrern und Schülern, Studenten (Sprachunterricht)
Möglichkeiten für neue Experimente schaffen (Auswechselung von allzu traditionellen Bildungssystemen)
Einführung in soziale Probleme auf europäischer Ebene (Umweltverschmutzung u.ä.)
Vom niederländischen Ministerium für Bildung (Außlands-Beziehungen) sprach Mag. H. A. J. M. Vrijhoef, der bezüglich der Zusammenarbeit im Bildungsbereich nicht optimistisch war. Von Seiten einiger beschränkter Projekte erwartet er nicht viel Harmonisierung der Bildungssysteme in Europa.
Der Abgeordnete des Europäischen Parlaments C. Laban (Niederlande) sprach über die Unterrichtung an Kinder von Gastarbeitern. Viele Probleme sind diesbezüglich momentan nicht lösbar. Ein Errichten von neuen Europaschulen und mehr Lernmöglichkeiten für diese Kinder ist nötig. Die bestehenden Europaschulen sind auf Kinder von Europa-Beamten beschränkt.
Zuletzt sprach der Verwaltungschef der EG-Kommission für Information, Dr. A. Sprey, welcher für eine volle Ausnutzung der Möglichkeiten, welche bestehen, plädierte: Verwirklichung der neuen Experimente und eine Erforschung zu neuen Wegen zum Zweck einer Integrierung der Völker in Europa.
Die sechs Esperantisten unter den Anwesenden versuchten während der Diskussionen und in individuellen Gesprächen die Aufmerksamkeit für Esperanto zu wecken. Wir organisierten eine kleine Ausstellung und verteilten die neue Ausgabe des niederländischen Außenministeriums „Nederlando Koncize (Niederlande Kurzgefasst)“, dieses mehrfarbige Büchlein weckte das Interesse der Anwesenden. Außerdem verteilten wir das Rundschreiben von Dr. Makkinks, „La Instruado en Eŭropo (Die Ausbildung in Europa)“.
Wie sehr bedeutend werden die Ergebnisse der Anwesenheit von Esperantisten auf dieser Konferenz sein? Dies hängt von der Aktivität der ILEI-Mitglieder in den EG-Ländern, den Landesverbänden und den Mitarbeiten des Eŭropa Esperanto-Centro (Europäisches Esperanto-Zentrum) ab, welche fortwährend die europäischen Parlamentarier und Bildungsminister in ihren Ländern wie auch die EG-Kommission in Brüssel kontaktieren müssten.
Bedauerlicherweise erhielt Herr Laban, der im Europäischen Parlament Fragen zu Esperanto stellte, keine Reaktion oder Unterstützung aus anderen Ländern; natürlich verlor er das Interesse daran. Aber es ist nicht zu spät! Schreibt in der Nationalsprache an C. Laban, Lisztlaan 5, Rotterdam, Niederlande.
Die Broschüre „Nederlando Koncize“ ist kostenlos bei allen niederländischen Botschaften erhältlich. Nur die Esperanto-Ausgabe nachfragen!
[:] „Bedauerlicherweise erhielt Herr Laban, der im Europäischen Parlament Fragen zu Esperanto stellte, keine Reaktion oder Unterstützung aus anderen Ländern; natürlich verlor er das Interesse daran.“
Ja, man hat es in dieser Beziehung nicht leicht. Allen, die sich für Esperanto einsetzen, folgendes: Selbst intelligente Menschen sind in dieser Frage oft völlig Ahnungslos. Sie haben nicht einmal eine Ahnung, worum es wirklich geht und was für eine bedeutende Geschichte sich bereits abspielte. Sie verstecken sich hinter von anderen aus ihrem Umfeld geäußerten Vorurteilen. Die Eliten unserer Gesellschaften versagen beim Thema Esperanto jämmerlich, sie verbleiben in ihrem rein national(istisch)en Denken. Eine Ausdrucksform davon ist die Unterwürfigkeit gegenüber der vorherrschenden Sprache und Kultur. Und wir haben nur begrenzte Möglichkeiten, für Aufklärung zu sorgen. Aber trotzdem tun wir das Richtige, wenn wir handeln. Gut für das Gute Gewissen. [se]
46-a Itala Esperanto Kongreso
(46. ​​Italienischer Esperanto-Kongreß)
Triest (Radio Rom/pp) Zwischen dem 13. und 19. September 1975 fand in Triest, im nordöstlichen Italien nahe der Landesgrenze, der 46. italienische Esperanto-Kongreß statt.
Thema des Kongresses war „Pluralität der Kulturen und Internationale Sprache“, sehr tauglich auch wegen der besonderen Situation von Triest, welches schon immer engagiert war, drei verschiedene Kulturen, die italienische, slawische und deutsche zu verschmelzen. Die Eröffnungsrede zu diesem Thema wurde vor mehr als 350 Kongreß-Teilnehmern und in Anwesenheit von mehreren bedeutenden Persönlichkeiten (unter ihnen der Präsident der Region Friulo-Venecio Julia und der jugoslawische Konsul in Triest) von Professor Fabrizio Pennacchietti gehalten, welcher an der Universität Turin semitische Sprachen lehrt. Sein Referat unterstrich den Wert der Internationalen Sprache, um die Hindernisse zwischen verschiedenen Sprachen und Kulturen durch ein neutrales Mittels zu überwinden. Das Thema ist sehr aktuell, auch wegen der sich verstärkenden diplomatischen Schritte, multinationale Vereinigungen, beispielsweise die Europäische Wirtschafts-Gemeinschaft, zu errichten, und wegen der Wiederentdeckung der Existenz von Minderheiten-Sprachen und -Kulturen innerhalb der einzelnen Staaten, welche zuweilen sogar gewaltsam, wie auf Korsika, ihre Existenz und ihren Entfaltungs-Willen behaupten.
Efika informado en Rumanio
(Wirksame Information in Rumänien)
Bald nach dem Erscheinen des Buches „Esperanto-limbâ internationalâ“ von N. V. Bulencea erschien in „Contemporanul“, einer rumänischsprachigen Wochenzeitung des Kulturministeriums, eine ansehnliche Studie über den aktuellen Zustand der Internationalen Sprache Esperanto.
Der Autor, Dr. Ignat Fl. Bociort, Universitäts-Professor in Timisoara (Temeswar), präsentiert der Leserschaft objektive Fakten über die kulturellen und wissenschaftlichen Errungenschaften der Esperanto-Bewegung und argumentiert für die Lösung des Sprachproblems durch Esperanto.
Unmittelbar nach dem Erscheinen dieses Artikels konnten wir positive Reaktionen auch in der ungarischsprachigen Presse aus Rumänien lesen.
Die angesehene Wochenzeitung „A hét (Die Woche)“ veröffentlichte einen Artikel „Pli ol lingva diskuto (Mehr als eine Sprachdiskussion)“ und in der Covasna-Departement-Zeitung „Tükör (Spiegel)“ in der Rubrik „observanto (Beobachter)“ kommentiert der Redakteur die Studie von Professor Bociort positiv.
Die oberen Fakten bezeugen, daß sich auch in Rumänien die Sonne des Esperanto nach langem Warten erwecken lässt. J.Z.
[:] Gab es in Timișoara (Temeswar) jener Zeit noch Verbindungen zu den Aktivitäten Zauners? Kannten ihn ältere Esperantisten noch persönlich? [se]
El la Germana Esperanto-movado
(Aus der Deutschen Esperanto-Bewegung) 
Altranga vizito en Paderborn
(Hochrangiger Besuch in Paderborn)
Paderborn (pp). — Der Kultusminister* von Berlin (West), besuchte vom 03. bis 04. November das Forschungszentrum Paderborn. Der Kultusminister Senator Walter Rasch, wurde begleitet von seinem persönlichen Referenten, dem Diplompädagogen Weil, der Senats-Direktorin Schacht und dem pädagogischen Referenten Dr. Stroux. Die Delegation kam zudem mit dem Automobil des Herbert von Karajan an, welches der weltberühmte Dirigent bereitwillig für diesen Zweck verlieh, da das Senator-Auto repariert werden musste.
[:] *Schulsenator [se]
Die hochrangigen Gäste wollten hauptsächlich über den Status des Plansprach-Unterrichts informiert werden, der in Paderborn unter Zuhilfenahme des Unterrichts-Automaten Robbimat II des FEoLL-Instituts für Pädagogische Kybernetik (Direktor Professor Dr. Helmar Frank) stattfindet.
In einer Paderborner Grundschule nahmen sie an einer Esperanto-Unterrichtslektion unter Leitung von Hermann Behrmann, dem Präsidenten des Europa-Klubs, teil. Senator Rasch betonte, daß er eine Zusammenarbeit des Paderborner Zentrums mit einer Grundschule in Berlin, wo man die selben Programme anwenden kann, sehr unterstützt. Zudem will man das Programm für die deutschsprachige Unterrichtung für Gastarbeiter-Kinder übersetzen. Dr. Stroux, welcher langjährig an einem berühmten Altsprachen-Gymnasium in Berlin Latein und Griechisch unterrichtete, erklärte, daß der Plansprach-Unterricht im dritten und vierten Grundschuljahr als Vorbereitung des Lateinunterrichts im fünften Schuljahr auch einen starken Wunsch des Altsprachen-Gymnasiums erfülle. Ein genügend langes Gespräch mit dem gesetzlich bestimmten Direktoren des Forschungszentrums, Ministerialrat Kurt Seelmann, und dem Direktor des FEoLL-Instituts für Kybernetische Pädagogik, Prof. Dr. Helmar Frank behandelte hauptsächlich das Thema, in welcher Weise mit dem Berliner Kultusministerium zusammenzuarbeiten ist.
Bei einem festlichen Mittagessen traf die Berliner Delegation auch mit dem Stadtdirektor W. Ferlings und der Abgeordneten Ellen Rost zusammen, welche die Gäste herzlich in der Paderstadt willkommen hießen. Man würde möglicherweise in Paderborn eine s.g. „Offene Schule“ errichten, ein Modell, das den Nachteil der bisherigen integrierten Ganzheitlichen Schule vermeiden will.
Oficiala aprobo (Offizielle Zulassung)
Hannover (pp) – Der Kultusminister des Bundeslandes Niedersachsen informierte in einem Brief vom 29. Juli 1975, Aktenzeichen 301 MV 26-1/2, den Rektor der Grundschule Dollbergen und ILEI-Präsidenten Helmut Sonnabend, daß der Schulversuch „Esperanto in Grundschulen“ für die Grundschulen Dollbergen, Balge und Fröbelschule Peine zugelassen wurde.
Außerdem wird der Kultusminister die Möglichkeiten der Veranstaltung eines Esperanto-Bildungs-Lehrgangs im Jahr 1976 für Lehrer prüfen.
Kulturo-literaturo (Kultur-Literatur)
La rolo de lingvo kaj kulturo en politika subpremado (Die Rolle von Sprache und Kultur bei politischer Unterdrückung)
Raporto pri seminario en Portugalujo
(Bericht über ein Seminar in Portugal)
Coimbra – Mit einer Solidarisierung mit nationalen Befreiungs-Bewegungen in und außerhalb Europas endete am 11. Oktober ein Seminar über „Die Rolle von Sprache und Kultur bei politischer Unterdrückung“, das eine Woche hindurch dreißig Jugendliche und Wissenschaftler aus 11 Ländern zusammenbrachte. Die Kommission für Außenbeziehungen (KER) von TEJO organisierte es mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Jugend-Stiftung und organisatorischer Hilfe der Fakultät für schöngeistige Literatur in Coimbra. Von den Teilnehmern waren annähernd die Hälfte Esperantisten.
Offensichtlich ist es für Mitteleuropäer nicht uninteressant, in diesen Moment irgendetwas in Portugal zu organisieren. Wahrscheinlich ermunterte das auch die genannte Stiftung zur Subventionierung. Seitens der Verantwortlichen für das Seminar hatte diese Aufgabe den Beigeschmack eines ungewöhnlichen Risikos. Vor allem im August verfolgten sie aufmerksamer die Presse-Neuigkeiten und sahen sogar einen alternativen Ort für den Fall vor, daß äußere Einflüsse die Durchführung in diesem anmutigen Land unmöglich machen würden.
Heute ist es möglich zu sagen, daß es wert war, dem „Risiko“ zu trotzen. Wer in Coimbra dabei war, gewann nicht nur manche neue Eindrücke über ein sehr interessantes Land – und über die Vertrauenswürdigkeit verschiedener Katastrophen-Berichte in unseren Massenmedien –, sondern erfuhr überdies ein wertvolles Seminar mit zumindest einigen interessanten Bröseln auch für KER-Veteranen (also jene, welche im Kampf gegen einen Sprach-Imperialismus ehrenhaft ergrauten). Ich nenne kurz die wichtigsten Programmpunkte.
Prof. Per Denez, Universität Rennes, hielt einen Vortrag über die politische Bedeutung von Sprache und Kultur im Kampf des bretonischen und anderer keltischer Völker um Freiheit und Gleichberechtigung. Per Denez gehört dem Vorstand der internationalen Vereinigung für keltische Minderheiten an. Er blieb nicht auf Minoritätismus beschränkt, sondern zeigte einige historische und aktuelle Parallelen mit Kolonialstaaten. Laut Denez wird eine Lösung dieses Problems sehr bald eine vorrangige Aufgabe in Europa werden.
Über soziale Unterschiede in und durch Sprache sprach Mauro La Torre. Er analysierte kritisch ein Bildungssystem, das der Mehrheit des Volkes einen Sprachstil oder eine fremde Sprache aufdrängt. Es wurden Parallelen zwischen Sozialschicht-Sprachen, Dialekten und Minderheiten-Sprachen aufgezeigt. Es zeigte sich auch, daß die Möglichkeiten von Esperanto in diesem Zusammenhang wohl begrenzt bleiben werden.
[:] Wer jedes Verständigungsmittel den jeweiligen Nutzungs-Ebenen zuordnen kann, hat damit kein Problem. Esperanto hat den Zweck, als internationalen Sprache verwendet zu werden. [se]
Roman Dobrzynski hielt einen Vortrag über den „Mythos der französischen Zivilisation in Algerien“. Es ging um die Rolle, welche der Mythos in Frankreich vor und während des Algerienkrieges spielte – und damit um das ganze Problem der selbst erfundenen „zivilisatorischen Rolle“ der Kolonialmächte.
Als Grundlagen für weitere Diskussionen dienten Texte, die teilweise bereits in KER-Seminaren behandelt wurden (von E. Mello, M. Duc-Goninaz, C. Nourmont, L.-J. Calvet, R. Corsetti) und eine von einer Gruppe von Kapverdianern erstellte Recherche über „Portugiesische Sprache und Kultur in Afrika“ (erschienen in mehreren Sprachen bei KER).
Zu diesem Thema trug auch die angolanische Befreiungsbewegung UNITA bei, deren Vertreter dem Seminar beiwohnten. Auch in Angola wird vermutlich wie in Mosambik nach der Befreiung die portugiesische Sprache als offizielles Kommunikationsmittel gewählt, obwohl sie nur ein kleiner Prozentsatz der Einwohner spricht. Übrigens wurde auch die MPLA, eine rivalisierende angolanische Bewegung, angekündigt, die jedoch aus irgendeinem Grund auf eine Teilnahme verzichtete.
Am vorletzten Tag war eine Funktionärin einer galizischen Befreiungsbewegung anwesend, welche deren Position vorstellte (Galizien befindet sich, wenn Sie sich möglicherweise nicht erinnern, in Spanien nördlich von Portugal) und dem Seminar eine Botschaft von einer um die „Deklaration von Brest“ herum gruppierten Sammlung europäischer nationaler Befreiungsbewegungen überbrachte.
Die erhaltenen Eindrücke dieser Vorträge und Beiträge wurden in ein Abschluss-Dokument übersetzt, welches am Ende des Seminars einstimmig angenommen wurde.
Da auch ein Arbeitsseminar nicht auf ein Rahmenprogramm verzichten kann, ereigneten sich eine Stadtführung, einige angenehme gemeinsame Mahlzeiten und einen ganztägigen Ausflug durch Zentralportugal, an dessen Ende man einen Champagnerkeller besichtigte und die Darbietung von Volkskunst durch eine Tanzgruppe aus der Nähe genoss.
Etwas enttäuschend war die Diskussion mit politischen Parteien, welche man mit der Absicht einrichtete, etwas besser die portugiesische Situation zu verstehen. Die Auskünfte der anwesenden Parteimitglieder waren ebenso lang wie unbestimmt. Sogar noch unklarer blieb die Position der Nichtanwesenden: Beispielsweise verweigerten die Kommunisten wegen der Anwesenheit der PPD, die sich selbst als sozialdemokratisch bezeichnet, teilzunehmen.
Es ist wert, ein paar Worte über die technische Einrichtung zu sagen. Das Seminar fand nach anfänglichen Schwierigkeiten in einem modernen noch nicht offiziell eingeweihten 450-Plätze-Saal statt. Erstens war es extrem kalt – im Gegensatz zu dem perfekt sommerlichen Wetter draußen – zweitens war es mit allen notwendigen Übersetzungs-Anlagen ausgestattet, welche wir wegen der anwesenden Nicht-Esperanto-Sprecher benötigten. Das Essen in einem Universitäts-Restaurant und der Beherbergung waren zufriedenstellend und überraschend preiswert.
Es überraschte auch das öffentlichen Echo des Seminars, über welches alle Medien in Portugal berichteten, als handelte es sich um einen Weltkongreß oder einen Besuch von Kissinger: Artikel und Berichte in allen wichtigen landesweiten Zeitungen, eine Menge von Radio-Interviews, Erwähnungen und Filmberichte im Haupt-Fernsehprogramm, eine regelmäßige tägliche Sendung im Regionalradio – ein wenig unglaublich, wahrscheinlich nicht nur für mich; vermutlich trug das Thema viel zu diesem Effekt bei.
Es stellte sich als wertvolle Hilfe heraus, daß die Philosophische Fakultät offiziell an der Organisierung mitarbeitete, die uns beispielsweise das Büro ihres stellvertretenden Direktors zur Verfügung stellte. Und vornehmlich ist es nötig, den wenigen, aber umso hilfsbereiteren lokalen Esperantisten zu danken; die „Seele der Sache“ war Agostino Almeida, von welchem auch die Idee kam, dieses Seminar zu organisieren.
Keine schlechte Idee, denke ich.
Ulrich Brandenburg
Esperanto en radio (Esperanto im Radio)
ĈIUTAGE (TÄGLICH)
Warschau 6.00–6.30 Uhr 41 m (7270 kHz);
49 m (6135 kHz);
75 m (3955 kHz);
200 m (1502 kHz)
16.00-16.55 Uhr 31 m (9675 kHz);
31 m (9540 kHz);
41 m (7145 kHz)
22.30–23.00 Uhr 49 m (6135 kHz);
75m (3955 kHz);
200 m (1502 kHz)
Nachrichten, Kommentare, Feuilletons, Esperanto-Express, Überblick durch die Esperanto-Presse, Konzert mit Glückwünschen u.a. Programmblatt kostenlos!
DIMANĈE (SONNTAGS)
Wien 6.45–6.55 Uhr 48,74 m; 41,38 m
Kommentare, Radioartikel, Briefkasten
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Sofia
9.30–10.00 Uhr 31m
21.05–21.30 Uhr 49 m
Nachrichten aus Bulgarien, Volksmusik
Radio Sofia, Esperanto-Abteilung, Sofia, Bulgarien
Rom
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41,24 m (7275 kHz);
49,92 m. (6010 kHz)
Neuigkeiten aus Italien, Esperanto-Kurier, Briefkasten Radio Rom, Esperanto, C. P. 320, I-00100 Roma, Italien
LUNDE (MONTAGS)
Bern
13.20–13.30 Uhr 31,46 m; 46,66 m; 75,28 m
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MERKREDE (MITTWOCHS)
Bern 13.20–13.30 Uhr 31,46 m; 48,66 m; 75,28 m
Feuilletons über Esperanto-Themen
ĴAŬDE (DONNERSTAGS)
Bern
22.45–22.55 Uhr 31,46 m; 48,66 m; 75,28 m
Wiederholung der Montags-Sendung!
VENDREDE (FREITAGS)
Zagreb
00.05–00.20 Uhr 264 m
Neuigkeiten aus Jugoslawien, Radioartikel, Antwort an Korrespondenten, Besprechung von erhaltenen Zeitschriften
Radio Zagreb, Esperanto-Redaktion, YU-41000 Zagreb, Jugoslawien
Peking 21.00–21.30 Uhr 43 m; 33 m; 31 m
Informationen, Berichte aus der chinesischen Kultur, Politik, Wirtschaft
Radio Peking, Esperanto-Redaktion, Peking, China
SABATE (SONNABENDS)
Wien 17.45–17.55 Uhr 48,74 m
Siehe die Sonntag-Sendung!
Peking
21.00–21.30 Uhr 43 m; 33 m; 31 m
Siehe das Freitag-Programm!
Bern
22.45–22.55 Uhr 31,46 m; 48,66 m; 75,28 m
Wiederholung der Mittwoch-Sendung!
Hört regelmäßig die Esperanto-Sendungen an und schreibt unbedingt eure Kritiken, Zustimmungen und Vorschläge an die Stationen. Bittet um Programmblätter in Esperanto!
Paske al Eindhoven! (Ostern nach Eindhoven!)
Schließt euch jetzt dem Europäischen Esperanto-Kongreß zu Ostern 1976 in Eindhoven an!
Die Kongreß-Gebühr beträgt bis zum 31.12.76 20 DM/N. gld. Sendet euer Anmeldeformular an den Europäischen Esperanto-Kongreß, Magnoliastr. 4, Eindhoven, NL, und eure Einzahlung an dieselbe Adresse und an das niederländische Postgirokonto (Postscheckkonto Den Haag) Nr. 33797 66. Auch deutsche Esperantisten sollten sich unter derselben Adresse anschließen!
Eŭropa Esperanto-Revuo 1975 08 decembro
Humphrey Tonkin
Prezidanto de UEA (Präsident der UEA)
Mesaĝo por 1976 (Botschaft für 1976)
Als der gegenwärtige Vorstand der UEA im August 1974 gewählt wurde, war unter seinen Mitgliedern eine sehr anerkannte und beliebte Figur der Esperanto-Bewegung einbezogen, der Präsident des Belgischen Esperanto-Verbands Dr. Pol Denoel. Von Beruf ist er Arzt. Hier, sagten wir, ist ein Arzt, dessen Hauptarbeit für die UEA sein wird, unsere Vereinigung wieder zu vereinen und wieder zu stärken. Und genau diese Aufgabe vertrauten wir ihm an. Daß Dr. Denoel in dieser Aufgabe erfolgreich war, bezeugt unter anderem die gute und arbeitsreiche Atmosphäre des 60. Weltkongresses in Kopenhagen. Dies bescheinigen auch die Begeisterung und die Weisheit, mit welchen viele unserer Landes- und Fach-Verbände zur Zeit arbeiten, und die neuen Initiativen, welche in verschiedenen Bereichen der Vereinigung stattfinden.
Obwohl der Präsident selbst nicht der unparteiischste Richter ist, scheint es, daß der Weltkongreß in diesem Jahr ausgenommen fruchtbar war. Das UEA-Komitee reformierte seine internen Arbeitsmethoden, seine verschiedenen Kommissionen stärkend und neue Verfahrens-Regeln akzeptierend; es entschied über mehrere neue Schritte in den Bereichen der Verwaltung (unter anderem eine Erneuerung des Beitragssystems) und Außenbeziehungen; es bekräftigte erneut die politische Neutralität der Vereinigung; es legte den künftigen Weg des Zentrums für Forschung und Dokumentation fest; es sendete eine Resolution an die Europäische Sicherheits-Konferenz; und, möglicherweise am wichtigsten, es vernahm die Wieder-Stabilisierung der Finanzen der Vereinigung und genehmigte grundsätzlich ein neues und ehrgeiziges Programm zur finanziellen Stärkung.
Wahrscheinlich würde Dr. Denoel heute diagnostizieren, daß die Vereinigung auf einem guten Weg zu einer vollständigen Gesundung ist. Doch bleibt die Frage, ob diese Genesung dauerhaft, fest und gleichbleibend sein wird. Und wie die manchmal harten Lektionen der Vergangenheit in die Erfolge von morgen verwandeln? Wir haben einen gewissen Sinn über uns selbst, ein Erbe aus vielen Jahren Arbeit für Esperanto, welches viele gute Eigenschaften enthält, aber möglicherweise eine Modifikation nötig hat.
Der Erfolg von Esperanto wird kommen, wenn wir den Weg zu einer vollständigen Nutzung all jener uns zur Verfügung stehenden Kräfte finden werden, wenn jeder Mensch aus freiem Willen und bis zum Maximum dazu beitragen wird und wenn wir unsere Geschichte für unsere Zukunft arbeiten lassen.
Dieses maximale Streben für unser Ideal – dem Ideal einer gemeinsamen Internationalen Sprache für alle Menschen – liegt innerhalb unserer Fähigkeiten, aber wir verwirklichen es noch nicht vollständig. Persönlich befinde ich, daß es nicht durch interne Querelen zu unwesentlichen Fragen realisierbar wird, sondern durch Toleranz, Verständigkeit, gegenseitigem Respekt und (vornehmlich) aufrichtige Bestrebungen, einen gemeinsamen Boden zu finden und klar unsere Prioritäten zu definieren. Dieses war der Weg von Zamenhof, selbst wenn die Geschichte manchmal ihre Umstürze herbeibrachte. Dies sei der Weg von uns, Nachkommen von Zamenhof in einer skeptischeren, aber nicht unbedingt klügeren Welt.
Gerade jetzt ist es nötig, unsere Grenzen zu erweitern: die Aufmerksamkeit und Sympathie der Öffentlichkeit erhaschen, die Unterstützung von Behörden und Organisationen gewinnen, die Sprache lehren, klug darüber informieren, unsere Bewegung und unser Milieu entwickeln und eifrig studieren. Bedeutende Aufgaben – aber lohnenswerte und durchführbare Aufgaben.
Wir laden die gesamte Esperantistenschaft ein, an unserer Tätigkeit teilzunehmen, den eigenen Esperantismus voll auszukosten und ernsthaft diese unsere kulturelle Verantwortung, unsere Sprache zu verbreiten und zu entwickeln, in Angriff zu nehmen. Das Jahr 1976 möge uns allen Erfolg, Frieden, Gedeihen und Gesundheit bringen!
Vizitu la Eŭropan Esperanto Kongreson 1976
(Besucht den Europäischen Esperanto-Kongreß 1976)
Registriert euch umgehend beim Europäischen Esperanto-Kongreß, Floraplein 23, Eindhoven, Niederlande
El la Germana Esperanto-movado
(Aus der deutschen Esperanto-Bewegung)
Estrara raporto de GEA 1975
(Vorstands-Bericht des DEB 1975)
In dieser Folge verlautbaren wir den Bericht des Vorstandes des Deutschen Esperanto-Bundes über die Esperanto-Aktivitäten in der BR Deutschland im Jahr 1975, zusammengestellt im November 1975.
2. Aktivitäten von Verbänden, Gruppen, Einzelpersonen, Fach-Organisationen und Zentren
Herr Pickel (Informationszentrum Nürnberg) war mit seinem Bücherstand bei vielen Veranstaltungen in der BRD und machte so die Leute auf das umfangreiche Bücher-Angebot von Esperanto und über Esperanto aufmerksam. Mitte März repräsentierte Herr Pickel Esperanto während der Messe „DIDACTA“. Viele Menschen zeigten Interesse an Esperanto. Die Messe fand in Nürnberg statt.
Im letzten Halbjahr 1975 begann Herr Pickel die bayerischen Gleichgesinnten durch verschiedene Rundschreiben neu zu aktivieren.
Das Esperanto-Zentrum Paderborn (zuvor Informationszentrum Löhne) führte verschiedenartige Veranstaltungen in oder über Esperanto durch. Ende des Jahres wurden die wissenschaftliche Begleitung für die Esperanto-Schul-Versuche in einigen westlichen Ländern begründet.
Nun lernen einige Hundert Schüler in verschiedenen Schulen Esperanto. Es wurden Podiums-Diskussionen mit den Vertretern der drei staatstragenden Parteien eingerichtet.
Während des Sommers 1975 besuchten etliche Lehrer verschiedener Filialen des Goethe-Instituts aus verschiedenen europäischen und außereuropäischen Ländern das dortige Kybernetische Institut. Im Herbst war der Berliner Senator für Bildung in Paderborn, um dort über den Schulunterricht mit Hilfe von Computern informiert zu werden.
Erwähnenswert sind die gemeinsamen Veranstaltungs-Ereignisse zwischen Esperantisten aus F.R. Deutschland und den Nachbarstaaten, die jeweilige internationale Teilnahme an nationalen Veranstaltungen. Beispielsweise nahmen einige Esperantisten aus der nordwestlichen Grenzregion am Dreiländer-Treffen in Herstal (Belgien) mit der Einweihung einer Esperanto-Brücke teil.
3. Germana Esperanto-Kongreso je Pentekosto 1975
(3. Deutscher Esperanto-Kongreß zu Pfingsten 1975)
Harmonisch und programmgemäß verlief der 53. Deutsche Esperanto-Kongreß zu Pfingsten in Oberkirch, bei welchem za. 150 Kongressteilnehmer und Gäste aus Österreich, Frankreich, Polen und der Schweiz anwesend waren.
„Der 53. Deutsche Esperanto-Kongreß in Oberkirch zu Pfingsten 1975 erörterte das Sprachenproblem im internationalen Tourismus und Jugendaustausch und merkte die vielfachen Lösungsversuche durch die traditionelle Unterrichtung von Fremdsprachen an. 
Der Kongreß
stellt fest, daß es unmöglich ist, eine einzige Fremdsprache für alle Schüler der betreffenden Staaten verpflichtend zu unterrichten und damit zufriedenstellende Ergebnisse zu erreichen, und daß zudem nicht von allen Nachbarländern zu fordern möglich ist, die Sprachen in ausreichendem Umfang vorzusehen;
verweist auf den Beschluß der UNESCO aus dem Jahr 1954, in welchem der durch Esperanto gemachte Beitrag zur Völker-Verständigung herausgestellt ist und auf die bis jetzt erreichten Lehrergebnisse in za. 30 Ländern in allen Schularten und Universitäten;
ruft die Kultusministerien und Parlamente der Bundesländer sowie auch die Bundesregierung auf, Esperanto hinsichtlich eines geeinten Europas gleichberechtigt im Lehrplan der Schulen zu genehmigen, insbesondere weil Esperanto sowohl die Anforderung der Politik zu Chancengleichheit für die interessierten Völker wie auch die Anforderung der Pädagogik zur leichten Erlernbarkeit durch jeden Menschen erfüllt;
fordert, daß überall dort, wo die Voraussetzungen für die Einführung oder Weiterführung eines Plansprach-Unterrichts bestehen, die Genehmigung erteilt und der Unterricht umgehend aufgenommen werden soll.“
Diese Resolution präsentieren Mitglieder der AGEI den Kultusministerien in München, Hamburg, Düsseldorf, Bonn und Berlin in ausführlichen Gesprächen mit den zuständigen Beamten. Es zeigte sich, wie schwierig unser Weg zu einem Erfolg in diesem Feld ist, aber trotz dessen sind wir berechtigt, stolz darauf zu sein, daß wir uns immer von neuem mühen.
4. Information und Anleitung
Ein neues lästiges Phänomen drängte sich durch das Berichtsjahr: Weil viele Journalisten glauben, ihre Hauptaufgabe sei die kritische Berichterstattung und nicht die ganz einfache als eine Schilderung von etwas, haben wir einmal einen solchen Schnitt des Interviews (über das Internationale Jahr der Frau im NDR) erlebt, daß die Verhöhnung – auf diese Art nicht über Esperanto sondern über die Frauen-Arbeit – hervorstach; ein anderes Mal wurde wegen eines sehr heftigen Protests des Vorstands eine Sendung (im ZDF) mit sehr wahrscheinlich lächerlich machenden Inhalt über Esperanto vermieden.
Ziel der Informationsarbeit ist, eine allgemeine Begünstigung für Esperanto zu schaffen und uns durch die der Informationsarbeit folgenden Kurse neue Esperantisten zu verschaffen. Nur in wenigen Städten befinden sich die Kurse weiterhin im Rahmen einer offiziellen Stelle (bspw. Volkshochschule). Zwei Wege ragen heraus die Sprachkenntnis weiterzugeben in Kursen, welche in Klubs oder über sie stattfinden, und dem Fernunterricht, in welchem Herr Hermann Behrmann zur Verfügung steht, dem der DEB für diese wichtige Funktion in der Esperanto-Bewegung aufrichtig dankt.* Esperanto wird weiterhin an mehreren deutschen Universitäten offiziell gelehrt.
6. Eŭropa Esperanto-Revuo und Bulletin
Obwohl die ehemalige Deutsche Esperanto-Revue nun mit neuem Titel neu begann, war der Herausgeber nicht erfolgreich, das Erscheinen zu rhythmisieren. Von den für 1975 zugesagten acht Ausgaben erschienen bis jetzt sechs Nummern. Dieses Problem braucht irgendwann eine Lösung. Um dennoch den Mitgliedern regelmäßige Informationen neuesten Datums zu geben, beschloss der Vorstand ab Herbst 1975, viermal jährlich ein Mitteilungsblatt mit dem Namen „Esperanto in der B.R. Deutschland“ erscheinen zu lassen. Der provisorische Redakteur ist Herr Nischwitz. Die erste schön aussehende und inhaltsreiche Ausgabe erschien Ende September, aufgrund von technischen Schwierigkeiten etwas später. Sicherlich wird die zweite Ausgabe beizeiten erscheinen.
8. Deutsche Esperanto-Jugend
Unter dem Thema: „Naturwissenschaften – nur für Fachleute?“ fand Ende 1974/75 das bereits traditionelle DEJ-Seminar statt, diesmal in Paderborn. Das Thema wurde in Arbeitsgruppen, geleitet von Esperantisten aus verschiedenen Ländern, diskutiert. Der Höhepunkt dieser Veranstaltung war der Silvesterball. Während der DEB-Mitgliederversammlung im Rahmen des Seminars wurde als neuer Präsident Ulrich Brandenburg gewählt. Mitte November 1974 versammelten sich za. 30 Jugendliche aus der nordwestlichen Region der BRD in Lohne für eine Diskussion und Sprachübung. Frühlings-Treffen in Münster mit der Luxemburger Esperanto-Assoziation. Das Thema war: „Eine Plansprache für Europa?“ In den Niederlanden trafen sich deutsche Jugendliche mit dortigen Jugendlichen. Die Sommernachts-Fete von GEJ fand dieses Jahr im Pfälzerwald statt.
Zamenhof-festo en Paderborn
(Zamenhof-Fest in Paderborn)
In verschiedenen deutschen Städten fanden Zamenhof-Feste statt, in Dortmund, Hamburg, Mannheim, Nürnberg, Stuttgart usw. Das größte nach der Zahl hatte mit 130 Teilnehmern einen Platz in Paderborn, zu welchem der Europa-Klub am 20. Dezember einlud.
Der Präsident des Europa-Klubs konnte Gäste aus nah und fern begrüßen; alle kamen, um mal zu sehen, was in Paderborn bezüglich des Plansprach-Unterrichts passiert. Die Gäste kamen aus den Niederlanden, Großbritannien, Frankreich, Jugoslawien, aber auch aus Paderborn und den angrenzenden Kleinstädten. Die Stadt wurde durch Stadtdirektor Dr. Bernward Löwenberg vertreten. Für den Deutsch-Englischen Club sprach Frau Agethen, für die UEA dessen Schatzmeister, Herr Woessink.
Die Festrede hielt Professor Dr. Helmar Frank, welcher gerade für die Herbstwahlen als Kandidat für das Deutsche Parlament des Bundestages gewählt wurde. Es war seine erste Rede nach der Wahl.
In seiner Rede betonte Professor Frank, daß die Kinder eine Sprache lernten, welche daheim niemand anderes spricht. Dies steigert insbesondere bei jüngeren Kindern das Selbstbewusstsein erheblich. Er ermutigte die Kinder, weiterzumachen, denn die Grundkenntnisse werden später viel helfen, weitere Sprachen zu lernen. Man kann sehr leicht Brieffreunde finden. Er lud die vielen Eltern wie auch die Kinder ein, an den Sommer-Universitäts-Wochen teilzunehmen, welche der Europa-Klub vom 16. bis 30. Juli 1976 in Primošten abhalten wird.
Während der Kaffeepause schauten sich die Teilnehmer die Esperantobuch-Ausstellung an. Und viele fanden hier in letzter Minute noch ein Geschenk für die Kinder. Einige Schüler lasen selbst verfasste Aufsätze und Gedichte. Christopher Rausch lud seine Mitschüler ein, einen „Europa-Kinder-Klub“ zu gründen, welcher mit ausländischen Kindern Briefmarken, Ansichtskarten usw. austauschen solle. Die Esperanto-Jugend lud die Schüler zu einer Wochenend-Freizeit in ein nahegelegenes Schloss ein. Mehr als 30 Ankündigungen trafen sogleich ein.
Drago Smolic erhielt besonderen Applaus für seine vielen Film- und Fotoarbeiten im Rahmen des Europa-Klubs. Er zeigte einen Film über das Kinderfest und eine Diaserie über die Arbeit des Klubs in Paderborn.
Das Lied „Esperanto estas la lingvo por ni“ nach der neuen zweiten Strophe mit der Zeile „la brunaj amikoj de ni“ war der Endpunkt dieser vollständig erfolgreichen Veranstaltung.
Eŭropa panoramo (Europäisches Panorama)
Internaciaj Someraj Universitataj Semajnoj
(Internationale Sommer-Universitäts-Wochen)
16. bis 30. Juli 1976
Paderborn (pp) – Der Europa-Klub wird im kommenden Sommer im bekannten Esperanto-Ferienort Primošten an der jugoslawischen Adria-Meeresküste Sommer-Universitäts-Wochen unter dem Rahmenthema „Wirtschaftliche Beziehungen und wissenschaftliche Zusammenarbeit in einem mehrsprachigen Europa“ organisieren. Der Rektor der Veranstaltung ist Prof. Mr. Aleksandar Hrstic, Universität Split; Vizerektor ist Prof. Dr. Helmar Frank, Paderborn.
Das wissenschaftliche Programm plant ein Europäisches Kollegium, welches aus Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats des Europa-Klubs und weiteren Fachwissenschaftlern von Universitäten aus mehreren Europäischen Ländern besteht. Man wird in fünf Fakultäten arbeiten:
1. Wirtschafts- und Rechtswissenschaften (Prof. A. Histic; Prof. L. Weeser-Krell; Prof. Dr. Raknic u.a.)
2. Bildungswissenschaft, Kybernetik und Interlinguistik (Prof. Dr. Frank; Prof. Dr. Muzic; Prof. Dr. Szerdahelyi; Prof. Dr. Gerlach; Prof. Dr. Lehnert; Prof. Dr. Schmid u.a.)
3. Natur-, Ingenieur- und Medizinwissenschaften (Prof. Dr. Jones; Prof. Dr. Weltner; Prof. Dr. Gerlach u.a.)
4. Ästhetik und Literaturwissenschaft (Prof. Dr. Vrancic; Prof. Dr. Moles, Prof. Dr. Maser u.a.)
5. Grundlegende Theorie und formale Wissenschaften (Prof. Dr. Ceccato; Prof. Dr. Lansky; Prof. Dr. La Torre u.a.)
Vorträge und Seminare werden nur vormittags stattfinden; die Nachmittage sind frei um Sonnenzubräunen, zu baden, zu schlafen, auszuruhen. Am frühen Abend wird es öffentliche Vorträge geben. Nach dem Abendessen sorgt ein Internationaler Kulturdienst für kulturelle Veranstaltungen und Tanz. Vormittags – gleichzeitig zu den wissenschaftlichen Veranstaltungen – und am späten Nachmittag werden verschiedene Esperanto-Kurse, aber auch Kurse für die deutsche und kroatische Sprache stattfinden.
Für die Kinder richtet der Europa-Klub in Zusammenarbeit mit der Kroatischen Esperanto-Liga eine Europäische Schule ein, wo die Kinder die Sprache erlernen und anwenden bzw. wo sie umsorgt sind. Die Sprachkurse finden bereits ab dem 9. Juli statt.
Die Sommer-Universitäts-Wochen sind mehrsprachig; Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Kroatisch, Esperanto. Man wird aus jeder Nationalsprache in Esperanto übersetzen. Man wird den Inhalt der Esperanto-Vorträge in eine der maximal drei festgelegten Arbeitssprachen des betreffenden Fachbereichs zusammenfassen.
Die Anmeldegebühr variiert zwischen 20 und 70 DM, abhängig von Kategorie und Anmeldedatum. Zum Ende der Sommer-Universitäts-Wochen hat man die Möglichkeit, als Karawane zum Weltkongreß in Athen zu reisen.
Der Europa-Klub bereitete eine detaillierte 10-seitige deutschsprachige Informationschrift vor, mit einer Übersetzung in Esperanto. Erbittet sie beim Europa-Klub, Riemekestraße 62, D-4790 Paderborn.
Informoj de EEC (Informationen des EEC)
Das Europäische Esperanto-Zentrum informiert; an der Universität Nijmegen, Niederlande, wird es einen Esperanto-Kurs in einem Sprachlaboratorium geben. Er wird am 12. April um 09 Uhr beginnen und wird bis zum 16. April dauern, täglich gibt es einen sechsstündigen Unterricht. Unter Leitung des Direktors des Sprach-Fachbereichs, Dr. T. J. M. van Els, werden die Erlernbarkeit und die praktische Verwendbarkeit nach dieser Kurzstudie untersucht. Deshalb ist es erforderlich, daß die Teilnehmer keine Kenntnisse in der Internationalen Sprache haben.
Der niederländische Bildungsminister bewilligte die Ersuche der Schulen, welche am ILEI-Experiment in Region II teilnehmen, im Rahmen der normalen Unterrichtsstunden zu unterrichten. Er gestattete es für zwei Jahre, zu jährlich 70 Stunden.
In Bezug auf den Bericht über das sich Formieren der Europäischen Union versprach der belgische Ministerpräsident L. Tindemans dem Europäischen Esperanto-Zentrum in Schoorl, die Möglichkeiten der Internationalen Sprache als Mittel für eine Stimulation der tatsächlichen Integration in Europa zu untersuchen.
Eŭropa Esperanto Kongreso 1976
(Europäischer Esperanto-Kongress 1976)
Eindhoven (pp) – Das Programm für den Europäischen Esperanto-Kongreß 1976 ist nun fast vollständig.
Ein interessantes neues Programm werden Torben und Elisa Kehlet aus Kopenhagen betreuen. Wie wir andernorts berichten, besuchten Elisa und Torben Kehlet kürzlich die Esperanto-Kooperative „Bona Espero“ in Alto Paraiso in Brasilien. Während des Europäischen Esperanto-Kongresses wird Torben, welcher zudem ein professioneller Fotograf ist, vermittels „Überfliesung“* Dias auf einer Breitleinwand zeigen, während Elisa erzählen wird, alles in brasilianische Volksmusik eingerahmt.
Am Kongreß wird auch der Präsident der UEA, Dr. Humphrey Tonkin, teilnehmen, der während der Kongreß-Eröffnung eine Rede halten wird.
Am Sonnabend, dem 17. April, wird vom Stadtrat aus ein Offizieller Empfang im Philips-Kulturzentrum (P.O.C.) stattfinden.
Dem Kongreß haben sich bereits Personen aus zwölf Ländern angeschlossen. Erbittet Informationen und Anmeldeformulare beim Kongreß-Sekretär: Floraplein 23, Eindhoven, Niederlande.
Pilo-Press
[:] Leider wurden einige Ausgaben der Eŭropa Esperanto-Revuo nicht vorgefunden. Für den Zeitraum der Eŭropa Esperanto-Revuo 1976 01 erscheinen hier einige Beiträge aus den ebenfalls von Ludwig Pickel wöchentlich herausgegebenen Pilo-Press-Blättern. [se]
Pilo-Press 1976 Jara raporto 1975
Jara raporto 1975 (Jahresbericht 1975)
Es ist eine Gepflogenheit, nach Verlauf eines Jahres eine Rückschau zu halten und Bilanz zu ziehen.
Ohne Übertreibung kann ich feststellen, daß diese Bilanz positiv ist. Auch 1975 hindurch informierte ich tausende Menschen über Esperanto, ermunterte hunderte die Sprache zu erlernen und erschuf zig neue Esperantisten. Zweifellos wurde „Esperanto Nürnberg“ eines der bedeutendsten Esperanto-Zentren in der BRD.
Die Informierung kam auf Grund folgender Kanäle zustande:
2) Information mittels Pressedienst END und Pilo-Press. Informationen aus diesen Informationsblättern veröffentlichten in- und ausländische Zeitungen, teilweise auch Radio-Stationen. Das Bayerische Fernsehen präsentierte im März 1975 im Abend-Informationsdienst die erste Ausgabe der „Eŭropa Esperanto-Revuo“ augenfällig. In der „Nürnberger Zeitung“ erschien ein umfangreiches Interview mit mir und meiner Pro-Esperanto-Arbeit mit einem Foto.
3) Information an offizielle Stellen in Bonn und andere.
4) Information durch Ausstellungen. Der Esperanto-Stand bei der Europäischen Lernmittel-Messe in Nürnberg „Didacta“ ragt heraus, wo sich tausende von Menschen über Esperanto und insbesondere über Esperanto-Lernmittel informieren konnten. Erwähnenswert auch die Ausstellung in München in Zusammenarbeit mit dem Esperantoklub München. Andere Ausstellungen fanden in Oberkirch, Augsburg, Nürnberg, Stuttgart, Treuchtlingen, Weißenburg u.a. statt.
Eldonaĵoj. (Veröffentlichungen.) Es erschienen 7 Ausgaben der Eŭropa Esperanto-Revuo; Nr. 8/75 wird im Januar 1976 erscheinen. Es ist vornehmlich mein Verdienst – trotz aller Kritik von verschiedenen Seiten –, daß in der BRD heute noch eine gedruckte Zeitschrift wie Eŭropa Esperanto-Revuo (davor Germana Esperanto-Revuo) erscheint. Viel Idealismus und eine Investition von Geld waren nötig.
Wenn Esperanto künftig seinem Anspruch, eine lebende Sprache zu sein, erfüllen will und kann, sind gut aussehende und hochqualitative Esperanto-Zeitschriften erforderlich, nicht nur Bulletins und Rundschreiben. Es besteht kein Zweifel, daß die Eŭropa Esperanto-Revuo eine wichtige Rolle spielte und spielen wird.
Pilo-Press kaj END. (Pilo-Press und END.) 1975 erschienen 46 4-seitige Ausgaben von Pilo-Press, der einzigen allwöchentlichen Zeitschrift in Esperanto, welche während ihres fünfjährigen Bestehens zu einem unter den aktuellsten und ansehnlichsten Informationsmitteln wurde. Pilo-Press hat viel zur Popularisierung von Esperanto-Sendungen beigetragen. Andererseits verwenden die Esperanto-Redaktionen der Radiostationen teilweise regelmäßig die Informationen von PP. Das Polnische Radio hat sogar eine gesonderte Rubrik unter dem Namen „Novaĵoj de Pilo-Press“ (Neuigkeiten von Pilo-Press).
Von der deutschsprachigen Ausgabe erschienen 13 Ausgaben. Auch der Esperanto-Nachrichten-Dienst (END) genießt hohes Ansehen und wurde auch bei den deutschsprachigen Massenmedien bekannt.
Pilo-PRESS 1976 06 februaro
205 parlamentanoj por Esperanto
(205 Parlamentarier für Esperanto)
Paris (pp) – 203 Parlamentarier aus allen Parteien Frankreichs erklärten sich gegenüber dem Gesetzesvorschlag gewogen, welcher einen nicht verpflichtenden Esperanto-Unterricht in Schulen empfiehlt. (lgtx)
Eŭropa Esperanto-Revuo Jarkolekto 1975
Kompletaj Jarkolektoj haveblaj
(Komplette Jahressammlungen erhältlich)
Nürnberg (pp) – Die erste Jahreskollektion der Eŭropa Esperanto-Revuo ist nun vollständig. Acht Ausgaben auf 96 großformatigen Seiten – DIN A4 – präsentieren einen vielfältigen interessanten Inhalt mit vielen Fotos.
Die Eŭropa Esperanto-Revuo hat beständige Rubriken: Europäisches Panorama – Aus der Deutschen Esperanto-Bewegung – Jugendliches Bulletin Positiv – Literatur – Kultur.
Aus dem Inhalt der Jahressammlung 1975:
Allgemeine Themen
Prof. Dr. Helmar Frank, Sprachenpolitik für Europa
Europäisches Kooperations-Projekt, Pädagogik-Interlinguistik-Kybernetik
Die Sprachsituation in Europa, Kolloquium in der Europäischen Akademie Otzenhausen
Pilo-Press 1976 Jara raporto 1975 (pdf)
Pilo-Press 1976 06 februaro (pdf)
bitarkivo.org PILO-Press
Eŭropa Esperanto-Revuo 1976 02 marto
Konsilaro pri agado (Tätigkeits-Empfehlungen) 
La konferenco pri sekureco kaj kunlaboro en Eŭropo
(Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa)
Rotterdam (pp) – Unter dem obigen Titel gab der Esperanto-Weltbund eine weitere Ausgabe in der Reihe „Empfehlungen zur Esperanto-Tätigkeit“ heraus. Der Untertitel „Ein kleiner Leitfaden zur Anwendung der Schlussakte der Konferenz in der Arbeit der Esperanto-Bewegung“ erklärt zugleich das Ziel der Empfehlung. Aus der Einleitung, welche Humphrey Tonkin verfasste, dem Präsidenten der UEA, zitieren wir:
„Für die Esperanto-Bewegung hat die Bezeichnung der Schlussakte drei verschiedene Aspekte. Erstens decken sich ihre starke Eindringlichkeit für eine Schaffung von Voraussetzungen des Weltfriedens und des gegenseitigen Verständnisses und ihre Eindringlichkeit für eine Anwendung der Menschenrechte mit den allgemeinen Idealen unserer Bewegung. Konkret bringt sie ihr Ausdruck des Wunsches, umfassendere unmittelbare Kontakte zwischen den Bürgern der verschiedenen Staaten zu schaffen, den Zielen der UEA näher, deren Satzung (Absatz 3) die Erleichterung „aller Art geistiger und materieller Beziehungen zwischen den Menschen“ hervorhebt.
Zweitens deutet das Dokument mehrmals Sprachenfragen und das Sprachenproblem an. Man könnte sogar behaupten, daß es dies bis zu einem für derartige internationale Erklärungen ungewöhnlichen Rang tut. Die Sprachenfrage steigt verbunden mit den Abschnitten des Dokuments, in welchen Minderheiten, Gastarbeiter und der Bildungsaustausch behandelt werden, auf. Dies wird auch in mehreren anderen Teilen des Dokuments darunter verstanden. Diese Eindringlichkeit zur sprachlichen Vielfalt ist eine für die verschiedenen Esperanto-Verbände durchaus beachtenswerte Angelegenheit, welche dies ihrerseits in ihren Kontakten mit staatlichen Stellen, Parlamentariern und der allgemeinen Öffentlichkeit hervorheben können. Selbstverständlich befinden sich auch viele Stellen im Text, wo optimistische Äußerungen über die Notwendigkeit einer vertraulicheren Zusammenarbeit auftauchen, als ob alle Nationen bereits dieselbe Sprache sprechen und Sprachenprobleme nicht existieren würden. Man weise auch staatliche Stellen auf diese Mängel und die schwache sprachliche Grundlage dieses Optimismus hin.
Drittens spielt das Dokument direkt oder indirekt auf die Umstände von Bewegungen wie der unseren an – dem Charakter nach nichtstaatlich, und hauptsächlich aus einzelnen Privatpersonen in den verschiedenen Ländern bestehend. Die Erleichterung menschlicher Kontakte, des Reisens, des Tourismus, der Teilnahme an Kongressen und Konferenzen; die Ausweitung des Imports von Büchern, des Abonnements ausländischer Zeitungen usw. – all dies könnte eine positive Wirkung auf unsere Arbeit haben, wenn verschiedene solcher Vorschläge wahrhaftig umgesetzt würden.
Die Empfehlungen im Umfang von acht DIN-A5-Seiten fassen zusammen und zitieren jene Teile der Schlussakte, welche sich am unmittelbarsten auf die Tätigkeit der Esperanto-Bewegung beziehen könnten, und machen zusammengefasst Vorschläge zu einer Tätigkeit der Esperanto-Sprecher auf Grundlage der Schlussakte.
Eŭropa Esperanto-Kongreso
(Europäischer Esperanto-Kongreß)
Salutvorto de ĉefministro Heinz Kühn
(Grußwort des Ministerpräsidenten Heinz Kühn) 
Den Teilnehmern des Europäischen Esperanto-Kongresses 1976 in Eindhoven entbiete ich die Grüße der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen.
Der konventionelle Weg unseres Fremdsprachenunterrichts konnte trotz verstärkter Anstrengungen in den letzten Jahren noch nicht zu einer umfassenden sprachlichen Verständigungsmöglichkeit führen. Zu groß sind die Unterschiede der jeweiligen Sprach- und Kulturkreise der Völker. Gerade hier liegt die große Chance und die Möglichkeit des Esperanto, dieser internationalen Sprache — als Zweitsprache der Verständigung der Völker bei gleichzeitiger Wahrung der nationalen sprachlichen Vielfalt zu dienen.
Heinz Kühn
Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen
Kulturo-literaturo (Kultur-Literatur)
Sardinianoj volas disiĝi el Italujo 
Sarden wollen sich von Italien trennen
In der Zeitung „Il Corriere Della Sera“, Mailand vom 4. März 1976 erschien unter obigem Titel ein Artikel von Silvano Villani, wonach Dr. Antonio De Salvo die folgende Esperanto-Übersetzung zusammenstelle:
„Am 24. Januar 1976 gab Bainzu Piliu, geladener Professor an der Universität Sassari (Sardinien), einen Chemie-Lehrvortrag in der sardischen Sprache.
Prof. Piliu, welcher überhaupt nicht von den chemischen Formeln eingeschüchtert war, erklärte: ‚Ich würde immer auf Sardisch unterrichten, aber ich kann nicht riskieren, meine Stellung zu verlieren, deshalb tue ich es halb auf Italienisch und halb auf Sardisch.‘ Zwischenzeitlich bereite ich trotzdem eine wissenschaftliche Arbeit, komplett auf Sardisch, über die Messung von chemischen Substanzen vor. ‚Ich werde beweisen, daß die sardische Sprache welchem Thema auch immer gegenüberstehen kann, daß sie kein Dialekt ist.‘ Prof. Piliu fügte hinzu: ‚Wir, die Sarden, fühlen uns nicht als Italiener, und im übrigen bewertet uns Italien höchstens als zweitklassige Italiener.‘
‚In der Tat‘, sagt hierüber Wirtschafts-Professor Andrea Saba‚ hat man auf Sardinien manchmal den Eindruck, daß man diese Insel als Müll bewertet: beispielsweise plant man hier, eine kolossale Zuchtfarm für eine halbe Million Schweine zu errichten, deren Gestank man sogar vom Kontinent aus spüren würde.‘ ‚Wir mussten immer Geschichte ertragen, niemals waren wir Protagonisten.‘ Wir traten wegen eines bloßen Zufalls in die italienische Geschichte ein, weil das damalige Königreich von Piemont akzeptierte, Sardinien gegen Sizilien auszutauschen; und wegen eines simplen Zufalls trugen Sarden zur italienischen Vereinigung bei, welche im übrigen koloniale Erfahrungen nach Sardinien brachte.
Nur die üblichen Klagen? Möglicherweise etwas mehr! Es gibt einen Vorschlag für ein regionales Gesetz auf Grund einer Volksinitiative (Sardinien ist eine selbständige Region im Rahmen des italienischen Staates), welche Interventionen der Region zur Sardinisierung von öffentlichen Ämtern und eine Einführung der nationalen sardischen Sprache in die sardischen Schulen aller Typen und Stufen vorsieht, abseits der offiziellen Kultur und Sprache des italienischen Staates‘.
Zudem hat sich die Fakultät für Literatur der Universität Cagliari bereits seit 1968 für die Einführung der sardischen Sprache in den Schulen ausgesprochen; gerade erst wurde zu diesem Zweck ein Koordinierungs-Ausschuß eingerichtet, man sagt, einige Schulen begannen bereits damit; in dem zentralen Sitz der ‚Sardischen Aktionspartei‘ (vertreten im Regional-Parlament) läuft ein insbesondere von Lehrern besuchter Kurs über sardische Sprache.
‚Man nannte uns „Separatisten“‘, sagt Giampiero Marras, der den Kurs betreut, doch tatsächlich streben wir nach Unabhängigkeit, Separatismus ist ein negatives Konzept.‘ ‚Ein souveräner und unabhängiger sardischer Staat ist der einzige Weg, welcher zur Erlösung des sardischen Volkes führen und es aus seiner Isolation herausheben kann.‘ ‚Sarden‘, fügt Piliu hinzu, ‚müssen aufhören, sich als Italiener zu geben, und sich zu schämen, ihre Sprache zu sprechen: Sie müssen das Bewusstsein ihrer nationalen Identität wiederfinden.‘
Das wichtigste Mittel ist derzeit die Sprache, das hauptsächliche Mittel, mit welchem man das nationale Bewusstsein wecken will. Aber welche Sprache? ‚Jene im sardischen Landesteil Logudoro gesprochene‘, antwortet man‚ die anderen Idiome sind nur Dialekte dieser Sprache.‘
‚Es besteht kein Zweifel‘, sagt Manlio Brigoglia, Professor für moderne Geschichte an der Universität Sassari‚ daß Sardisch eine Sprache ist; genau genommen gehört es zu der romanischen Sprachgruppe, welche die Wörter aus dem lateinischen Akkusativ extrahierte (wie Spanisch und Portugiesisch), während eine andere Sprachgruppe (wie Italienisch und Französisch) sie aus dem lateinischen Nominativ extrahierte. Und Sprache ist eines der synthetischen Anzeichen, welche es einer Gemeinschaft ermöglichen, sich als Volk, genauer gesagt als Nation, zu erkennen, selbst wenn es dieser Nation noch nicht gelang, ein Staat zu werden.
Ein bürgerliches und aus dem letzten Jahrhundert stammendes Konzept ist jenes, nach welchem eine Nation und ein Staat zeitlich zusammenfallen und Minderheiten kein Recht haben. In Italien erkannte man die Rechte von einigen Minderheiten an, jedoch nur, weil sich hinter diesen Minderheiten Staaten gleicher Nationalität befinden. Gegenüber Sardinien erkannte man einen schuldigen Respekt nicht an, da kein unabhängiger Staat gemäß einer sardischen Nationalität besteht, der die Achtung des 6. Artikels der italienischen Verfassung verlangen kann, welcher die Rechte von Minderheiten anerkennt.“
Laut Radio Rom
[:] Es ist aus geopolitischer Sicht notwendig, die Verschiedenartigkeit des Status von Minderheiten wahrzunehmen. Es ist ein großer Unterschied, ob sich die Minderheit eines Landes an einem externen Ursprungsland ausrichtet, oder ob es eine weltweit nur am Ort existierende Minderheit ist. So können wir z.B. erleben, daß Russland unter dem Vorwand, seine „Landsleute“ beschützen zu müssen, souveräne Staaten überfällt. [se]
Eŭropa panoramo (Europäisches Panorama) 
Novaĵo el Paderborn (Neuigkeit aus Paderborn)
Paderborn (pp) — In Paderborn (BRD), welches fortlaufend wegen mit Esperanto verbundenen kybernetischen Forschungen berühmt wird, dank welcher Kybernetiker die Internationale Sprache in einem neuen Licht betrachten, erlangte Esperanto vor kurzem eine neue Position: Als Vorsitzender des Paderborner Verbandes der Liberal-Demokratischen Partei wurde Prof. Lothar M. Weeser-Krell (46), Esperantist seit 1947, neu gewählt.
Herr Weeser-Krell ist Fachmann für Vertriebsökonomie an der Universität Paderborn. Als ein aktiver Esperantist (er leitete den Pressedienst beim 43. Weltkongreß 1958 in Mainz), ist er momentan Vizepräsident des Europa-Klubs. Er ist auch bekannt als Autor eines Buches über Werbung* und eines ausgezeichneten Theaterstücks, dessen Inhalt ebenfalls dieses moderne Phänomen berührt.
Diesen Sommer ist Herr Weeser-Krell Prodekan der Wirtschafts- und Juristischen Fakultät im Rahmen der Internationalen Sommer-Universitäts-Wochen in Primošten, wo er ein kleines Seminar „Werbung und Sprachgrenzen“ leiten wird.
Die neue Ehrung von Prof. Weeser-Krell trägt zur weiteren Festigung von Esperanto im Milieu der Liberal-Demokratischen Partei in der BRD bei.
Grava informo el Svislando
(Wichtige Information aus der Schweiz)
Bern (pp) – Dr. Artur Baur kündigte am Montag, dem 1. März, in der Esperanto-Sendung des Schweizer Kurzwellen-Dienstes an, daß die Esperanto-Sendungen dieser Sendestation ab dem Sommerprogramm 1976 d.h. ab Mai 1976, sechsmal in der Woche ausgestrahlt werden wird. Es handelt sich um die zwei von Dr. A. Baur bzw. von Herrn und Frau Gacond gesprochenen Sendungen, welche künftig zweimal statt einmal wiederholt werden.
Die Ausstrahlungen werden mittags um 13:20 Uhr (MEZ) montags, mittwochs und freitags und abends um 22:35 Uhr (MEZ) dienstags, donnerstags und sonnabends (also 10 Minuten früher als jetzt) stattfinden.
Einzelheiten wird die Radiostation im April verbreiten.
Bitte trotzdem vormerken, daß die Esperanto-Sendungen bis Mai so wie bis jetzt montags und mittwochs um 13:20 Uhr sowie donnerstags und sonnabends, um 22:45 Uhr auf Wellen 31,46 m, 48,66 m, 75,28 m stattfinden werden.
Adresse: Schweizer Kurzwellendienst, Esperanto, CH-3000 Bern 16, Schweiz.
Propono favore al Esperanto akceptita
(Vorschlag zugunsten von Esperanto angenommen)
Während des 23. Parteitags der Sozialistischen Partei Österreichs, der Anfang März stattfand, entschied man über mehr als 600 Vorschläge. Unter ihnen war auch ein Vorschlag der Österreichischen Sozialistischen Esperanto-Liga, welcher lautete:
„Der 23. Liga-Parteitag unterstützt die Bemühungen um die Einführung von Esperanto als gleichberechtigte Arbeitssprache bei der Sozialistischen Internationale. Zu dem geplanten Esperantistischen Sozialisten-Kongreß in Rom sei ein offizieller Vertreter der Sozialistischen Partei zu senden.“
Der Vorschlag wurde mit allen Stimmen angenommen, doch wegen des zweiten Satzes an den neuen Vorstand der Partei verwiesen.
Fritz Mosek
[Eŭropa Esperanto-Revuo
Abonnementgebühr 16 DM 8 Ausgaben jährlich]
La mirinda vivo de la malriĉa d-ro Lazaro
(Das wundersame Leben des armen Doktor Lazarus)
Minden (pp) – Richard Schulz, der Autor des Taschenbuchs „Mein geliebtes Esperanto“, welches in einigen Wochen erscheinen wird, hielt am Donnerstag, dem 19. Februar, vor der „Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit“ in Minden einen Vortrag über das Leben von Dr. Zamenhof unter dem Titel „Das wundersame Leben des armen Doktor Lazarus“.
Der Vortrag weckte ein Echo auch in der lokalen Presse, die dreimal berichtete. Die „Neue Westfälische“ vom 21.02.76 schreibt u.a., daß der Abend zu einem Erlebnis wurde, daß der Vortrag den Wunsch weckte, mehr zu hören, tiefgründiger in die Materie einzudringen, alles zu wissen und zu verstehen.
Bibliografaj informoj (Bibliografische Informationen)
Mein geliebtes Esperanto
Bald wird ein Taschenbuch in deutscher Sprache unter dem Titel „Mein geliebtes Esperanto“ (Mia amata Esperanto) von Richard Schulz im Bleicher-Verlag, Gerlingen, erscheinen.
Bis zum 30. April 1976 gilt der rabattierte Abonnementpreis von 11,80 DM. Nach dem 30.04.1976 wird das Taschenbuch 14,80 DM kosten.
Vorbestellungen nimmt Ludwig Pickel, Libroservo, Postfach 2113, D-8500 Nürnberg 1, entgegen.
Eŭropa Esperanto-Revuo 1976 03 aprilo
Varia kaj laborriĉa Eŭropa Esperanto-Kongreso
(Ein vielfältiger und arbeitsreicher Europäischer Esperanto-Kongreß)

Wer würde riskieren, über Ostern zu einem mehrtägigen Kongreß durch die Niederlande fahrend, einen Regenschirm oder andere Schutzvorrichtungen gegen die Launen des Aprilwetters zu Hause zu lassen? Nichts dergleichen wurde jedoch in Eindhoven benötigt, wo ein sommerlich blauer Himmel und schweißtreibender Sonnenschein mithalfen, den Europäischen Esperanto-Kongreß so erfolgreich zu machen.
Drei Landesorganisationen organisierten ihn gemeinsam und ihre Vertreter stellten ein ausgiebiges und buntes Programm auf: es mit Leben zu füllen, den komplizierten Apparat mit geschickter Organisierung glatt ablaufen zu lassen und auf diese Weise die Kongressteilnehmer zufrieden zu stellen, war die Aufgabe des LKK unter dem Vorsitz der lebhaften und jederzeit mit fröhlichem Gesicht anzutreffenden Frau Bossong-Singer. Sie und sie ernteten bereits vor dem Ende des Kongresses völlig verdiente Danksagungen; fügen wir hier die unseren hinzu mit der Feststellung, daß die schönen Tage in Eindhoven viel zu schnell vergingen, doch einen starken Erinnerungs-Eindruck an ein Treffen voll von Harmonie und Erfrischung hinterlassen.
Dieses Gefühl einer neuen Energie ist nicht verwunderlich: Hielten wir doch einen Kongreß im „Philips Ontspannings Centrum“ ab, – einem Zentrum der Entspannung –, einem luxuriösen Gebäude mit einer ganzen Ansammlung von verschiedenen Räumen für alle Bedürfnisse, einem Theater, einem Kino, einem großen Restaurant, einer geräumigen Vorhalle für ein ungezwungenes Treffen, im ganzen eine Kongreß-Stätte wie speziell für unsere Bedürfnisse geschaffen.
Das schmuck aussehende und gut ausgestattete Kongreßbuch enthält eine Liste mit 291 Angemeldeten (unter ihnen 83 Deutsche), jedoch war die von dem LKK bekannt gegebene endgültige Zahl 350 aus 19(!) Ländern. Wie immer konnte man Namen lesen, deren Träger nicht anwesend waren, andererseits nahmen freilich auch nicht angemeldete Gäste teil. Allgemeiner Anreisetag war der Karfreitag, welcher in Eindhoven den Charakter eines normalen Arbeitstages hat.
Übervoll von Programmen war der Ostersonnabend, der mit den Jahreshauptversammlungen der drei Landesverbände begonnen wurde. Jene des DEB fand im Helikon-Salon im Beisein von 71 Mitgliedern und 6 Gästen statt. Aus dem im offiziellen Bulletin Nr. 4 abgedruckten Protokoll wird ersichtlich, daß die Hauptversammlung während der zweistündigen Dauer der Tagesordnung flüssig und in guter Atmosphäre folgte. Außer der Wiederwahl der Rechnungsprüfer fanden keine Wahlen statt. Als Ort der Hauptversammlung des kommenden Jahres im Rahmen des 55. Deutschen Esperanto-Kongresses 1977 wird die Stadt Paderborn aufgrund einer endgültig ausgesprochenen Einladung des LKK (Dr. Kasselmann) und schriftlich unterstützt vom Stadtdirektor, akzeptiert. Für 1978 lud Hermann Schmid nach Augsburg ein. Beide Vorschläge fanden großen Beifall, jedoch wird der zweite erst ein Entscheidungs-Objekt im kommenden Jahr sein.
Für Sonnabend und Sonntag hatte die Mehrheit der Kongressteilnehmer vorausbezahlte Mittag- und Abendessen.
Nach dem Sonnabend-Mittagessen folgte im Theatersaal die Offizielle Eröffnung mit einer Einführung vom LKK-Präsidenten. Für die drei Landesverbände hielten ihre Präsidenten, Herr Calado-LEEN, Dr. Bormann-DEB und Dr. Denoel-BEF, kurze Reden. Ein Musikstück, meisterhaft präsentiert vom Duo Weber – van den Beld – Klavier und Querflöte – führte über zur Kongressrede von Dr. Tonkin, Präsident der UEA. Sein Hauptthema war die Sprachdiskriminierung, welche bedauerlicherweise nicht die gleiche Beachtung und die gleiche Gegenwehr findet wie bspw. die Diskriminierung der Rassen. Subtiler in den Methoden und daher weniger erkennbar in seinen Folgen, bedeutet es dennoch im gleichen Maß eine Gefahr für das Gleichgewicht in der Welt und für die menschliche Kultur, die in den nationalen Kulturen bedroht ist. Allezeit und intensiv dieses Phänomen aufzudecken und zu beleuchten, ist eine von unseren wichtigen Aufgaben.
In der Kunstgalerie „De Zonnewijzer“ (auch Säle der Kongreß-Stätte) empfing die Stadtverwaltung von Eindhoven die Kongressteilnehmer offiziell und feierlich. Mag. van der Lee, der mit der Ehrenkette geschmückte Bürgermeister, begrüßte die Teilnehmer und skizzierte die beachtliche, weil enorm schnelle Entwicklung der Kongreß-Stadt vom Zustand einer bescheidenen Kleinstadt zu Beginn des gegenwärtigen Jahrhunderts zu einer Großstadt mit 192.000 Einwohnern.
Eine zweite Kinovorführung mit den esperantosprachigen Filmen „Tero el maro“ kaj „Fiat“ lockte erneut eine große Schar Interessierter an, und wirklich: beide waren sehr schön, der erste eine sich vor kurzem ereignende Geburt neuer Inseln bei Island durch grandiose Unterwasser-Eruptionen zeigend, der zweite den technischen und gesellschaftlichen Umfang und die Bedeutung der weltberühmten Automobilfabrik bekundend.
Wie Pfarrerin Koopmans in ihrer Predigt sagte, sind wir Esperantisten so wegbereitend vorangehend, daß wir unseren ökumenischen Ostergottesdienst bereits abends am Sonnabend durchführen.
Letzter Programmteil, dennoch für viele beinahe schon auf dem ersten Rang, war der Ball im Tagungsraum.
Bereits am Sonntag um die neunte Stunde(!) morgens, nach einem nicht-endenden* Ballabend, wurde die Arbeit wieder begonnen, zumindest für Beauftragte und ähnlich emsige Leute: Der DEB ließ eine Verbandsrats-Sitzung mit dem Vorstand in einer gemeinsamen Versammlung abhalten. Eine Stunde später fand im gut gefüllten Theatersaal der Vortrag von Dr. Tonkin „Unsere wichtigsten Aufgaben in der UEA“ statt.
Derselbe Saal war unmittelbar danach die Stätte der Präsentation über „Bona Espero“ mit zum interessanten Vortrag von Elisa Kehlet sehr guten erklärend begleitenden Diapositiven von Torben Kehlet auf einer Breitleinwand.*
Um 14 Uhr fanden gleichzeitig drei Arbeitssitzungen statt und für viele war es keine leichte Entscheidung, welchen Raum zum Zuhören und um miteinander zu diskutieren sie betreten sollten. „Die Folgen der sprachlichen Vorherrschaft“ mit einer Darlegung ihrer verschiedenen Formen und Methoden war das Thema von Ing. Hans Bakker Sohn; über den Unterricht von Sprachen mittels der modernen Methoden und Hilfsmittel, um jeden Schüler zu aktivieren, hielt Hermann Behrmann einen Vortrag; Ökonomische Aspekte der Sprachenvielfalt behandelte Dr. Werner Bormann auf den drei Ebenen „Industrie und Handel“, „Bildung und Kultur“, „Mehrstaatliche Institutionen“. In einer allgemeinen Sitzung wurden danach Zusammenfassungen der drei Arbeitssitzungen vorgestellt, d.h. über die gemachten Vorträge und Diskussionen. Eine abschließende Folgerung aus dieser ernsthaften Arbeit ist die unter Beifall angenommene andernorts auffindbare Kongressresolution. Ein wahrer Festabend, nicht nur dem Namen nach, war der Abschluss-Ereignis des programmreichen Sonntags. Obwohl nur zwei Gruppen die gesamte Aufführung vollzogen, blieben das Interesse und die Begeisterung im vollen Theatersaal lebhaft bis zum Ende.
Das Kongressvolk ging auseinander, heimwärts oder mit der Überzeugung voller Dank weiterfahrend, daß sie an einer wirklich erinnerungswürdigen Begegnung in angenehmer Atmosphäre, an noblen Stätten teilnehmen konnten, einer gut organisierten, vielfältigen und arbeitsreichen Begegnung gemäß dem Programm wie auch entsprechend der Neigung der am Kongreß Teilnehmenden. Zu allem trug die angenehme Tatsache bei, daß alle vorbereiteten Veranstaltungen in einem einzigen großen Haus stattfanden – ausgenommen der Nachtruhe –, überdies die von der Stadt und die Firma Philips gegebene Unterstützung. Wie viel Dank wir dem LKK schulden, wurde bereits gesagt. Daß im städtischen Zentrum, selbst beim Bahnhof, kein Zeichen von dem Kongreß zu sehen war, daß im Bücherstand weder Postkarten noch Briefmarken kaufbar waren: da sind kleine Mängel, welche kaum einen Schatten warfen. Im übrigen bevorzugte uns das bereits zu Beginn gelobte Wetter derart, daß seine Heiterkeit auf allen Gesichtern widergespiegelt wurde und in jedes Herz eindrang.
HN
Rezolucio (Resolution)
Die Teilnehmer des Europäischen Esperanto-Kongresses, stattgefunden vom 16. bis zum 19. April 1976 in Eindhoven, gekommen aus 19 Ländern.
diskutiert habend
über (a) „Die Folgen der sprachlichen Vorherrschaft“, (b) „Ökonomische Aspekte der Sprachenvielfalt“ und (c) „Unterricht von Sprachen“,
stellt fest, 
daß die sprachlichen Vorherrschaft in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens in Erscheinung tritt, bestimmten Personen einen unfairen Vorteil gegenüber anderen erteilend,
daß die wirtschaftlichen Folgen der sprachlichen Vielfalt die mehrstaatlichen Institutionen finanziell überlasten
und daß das Studium von mehreren Nationalsprachen die Zeit in Anspruch nimmt, welche für das Studium von im Grunde wichtigeren Fächern verwendet werden sollte,
empfiehlt
folgerichtig, um die menschliche Identität zu bewahren, um eine weltweite kulturelle Perspektive zu eröffnen und um finanzielle Mittel für wichtigere Aufgaben freizugeben, außer dem Unterricht der Muttersprache für interne Beziehungen, den Unterricht und den Gebrauch der Internationalen Sprache Esperanto für eine internationale Kommunikation.
Eindhoven, den 18. April 1976
[:] Die gestraffte Übersetzung des Beitrages über den Europäischen Esperanto-Kongreß 1976 in Eindhoven sorgt für keinen großen Informationsverlust (außer bezogen auf kulturelle Veranstaltungen). Ein „europäisch“ genannter Esperanto-Kongreß hätte sicher etwas mehr vom Thema „Esperanto in einem sich einigenden Europa“ nötig gehabt. So spricht die Resolution des Kongresses durchaus wichtige Punkte an, bezieht sich aber nicht ausdrücklich auf die europäische Politik. Doch sollte man die heute spürbar verlorene Zeit nicht den Esperantisten mit ihren begrenzten Wirkmöglichkeiten vorwerfen. Diese machen nur einen speziellen Teil der Gesellschaften aus, der zudem gern ignoriert wird. [se]
Ministra salutvorto (Grußwort des Ministers)
Der Minister des Auswärtigen, Hans-Dietrich Genscher, Bundes-Republik Deutschland, widmete dem Europäischen Esperanto-Kongreß nachstehendes Grußwort:
„Das sprachliche gegenseitige Verständnis ist eine wichtige Vorbedingung für die Vertiefung der Beziehungen zwischen den Völkern. Es ist verdienstvoll, daß Organisationen wie die Ihre sich das Ziel setzten, an der Überwindung der Sprachbarrieren mitzuwirken.
Ihre Bestrebung anerkennend wünsche ich dem Europäischen Esperanto-Kongress in Eindhoven einen erfolgreichen Verlauf.“
[:] Die Worte mögen gut klingen, aber: Wenn „Organisationen wie die Ihre“ so wie wohl andere auch an etwas mitwirken wollen, dann bedeutet es eben noch lange nicht, daß ein besonderer Wert auf den grundlegenden Ansatz gelegt wird. Zu streng interpretiert? Allerdings bietet die KI von google eine abweichende deutschsprachige Version an, jedoch keine Verknüpfung zu einer Zitat-Quelle. [se]
Esperanto-Junularo kolera je Sandra
(Esperanto-Jugend wütend auf Sandra)

Den Haag (pp) – Der Satz „Esperanto-Jugend wütend auf Sandra“ erschien mit großen Buchstaben in der Haager Zeitung „Het Binnenhof“ vom 10. April 1976.
Was geschah in Den Haag? Am dritten April fand das Internationale Liederfestival* statt. Fast jeder Sänger sang in englischer Sprache statt in seiner eigenen elterlichen. Ist das nicht eine unrechte Situation?
Einige junge niederländische Esperantisten machten die Menschen auf dieses Thema aufmerksam. Vor dem Eingang der Kongreß-Stätte, wo sich das Festival ereignete, verteilten sie tausend Flugblätter mit folgendem Text:
„Der Gesang des niederländischen Beitrags zum Internationalen Liederfestival in englischer Sprache ist weder national noch international, sondern ein Ausdruck der anglo-amerikanischen Kultur-Vorherrschaft.“
Diesen Satz übersetzte man in 12 Sprachen: Niederländisch, Französisch, Deutsch, Spanisch, Griechisch, Serbokroatisch, Finnisch, Norwegisch, Portugiesisch, Englisch, Neuhebräisch und Italienisch, die von den teilnehmenden Sängern gesprochenen Sprachen. Viele ausländische Gäste und Journalisten betrachteten den Text mit Freude und lasen ihn durch, den sie ja doch in ihrer eigenen Sprache lesen konnten!
Auch wurde an viele niederländische Zeitungen eine Presse-Information verschickt. „Het Binnenhof“ selbst fügte hinzu: „Für eine Liederfestival-Repräsentantin wie beispielsweise Corry Brokken wäre es leicht, wenn Esperanto die allgemeine Kommunikations-Sprache werden würde, dann brauchte sie nicht weiter in Englisch und Französisch stammeln.“
Im vergangenen Jahr protestierten auch die Schweden gegen den starken anglo-amerikanischen Einfluss beim Liederfestival. Und was sollen wir 1977 tun?
Übrigens, Sandra war die niederländische Vertreterin beim Festival.
Ineke Emmelkamp
[:] *Grand Prix Eurovision [se]
Mokinda Helvetizismo (Verhöhnenswürdiger Helvetismus)
Wohin der „Helvetismus“ vieler der europäisch geneigten Leute führen könnte, zeigt das Beispiel der Schweizer selbst.
Laut Radio Stuttgart (am 22. Mai 1976): „…während die deutschsprachigen Schweizer als die erste Fremdsprache Französisch lernen und danach Englisch, benutzen bisher die französischsprachigen Schweizer, selbst die Gebildeten, bequem nur die französische Muttersprache.“ Erst jetzt begann man Kurse für die deutsche Sprache (zu den anderen zwei Amtssprachen, der italienischen und rätoromanischen gab es keine Erwähnung in der Sendung).
Diese Fakten sagen den Weg eines sprachlich helvetischen Europas voraus. Schon jetzt profitieren die sprachfaulen Franzosen und Engländer von der höheren Gelehrsamkeit der übrigen (zweitklassigen) Europäer, die Franzosen mit dem Erfolg von national-politischen Zielen und die Engländer, um sich so aus einem verpfuschten wirtschaftlichen Sumpf zu ziehen.* Selbstverständlich, die anderen sollen den französischen Führern folgen und sollen die englischen Eingekoteten* herausziehen.*
Ungeachtet der Tatsache, daß es notwendig war, die Engländer in die Europäische Gemeinschaft zu zerren, hat ihre Sprache die besten Chancen, im Sprachen-Wettstreit zu gewinnen. Hierfür sorgten Jahrhunderte von Unrechtstaten gegenüber schwächeren Nationen (Kolonialismus) und die relativ einfache (wenn auch chaotische) Struktur der Sprache in ihren ersten Lernstadien.
Darum wird wahrscheinlich künftig den Westeuropäern jenes passieren, was den US-Amerikanern im Ausland passiert. Nicht alle von ihnen freuen sich, Engländer genannt zu werden. Und wie viele der Österreicher akzeptieren die Benennung Deutscher? Trotzdem – Europäer: Bereitet euch vor, Kontinental-Engländer“ zu werden. Dafür sorgt die kulturelle Kapitulation von euren Regierungen. Dafür sorgen die Bildungsministerien eurer Länder und Provinzen. Dafür sorgt eure eigene Unterschätzung des Sprachenproblems und eure Trägheit bezüglich seiner Lösung.
Gerald Tucker
[:] In den Texten bei de.e-d-e.eu wird oft das nicht verlinkte *-Zeichen verwendet, um damit ein Wort oder einen Satz zu kennzeichnen, die Probleme beim Übersetzen bereitet haben. Sollte ich bei diesem Beitrag etwas falsch verstanden haben, dann bitte ich das zu entschuldigen. Wenn nicht, umso besser. [se]
Eŭropa Esperanto-Revuo 1976 04 majo
Universala kongreso de Esperanto en Ateno
(Esperanto-Weltkongreß in Athen)
Esperanto iris unu paŝon antaŭen
(Esperanto ging einen Schritt nach vorn)
Der 61. Esperanto-Weltkongreß in Athen ist vorüber. Es war ein experimenteller Kongreß in einem Land mit schwacher Esperanto-Bewegung, aber trotzdem gelang er gut dank der Neigung zur Zusammenarbeit der ausländischen Esperantisten. Ob sich Hoffnungen erfüllen werden, daß der Kongreß die Esperanto-Bewegung in Griechenland wachsen lässt, wird die Zukunft zeigen müssen.
Bereits Mitte der Kongresswoche fasste Dr. Werner Bormann, Vizepräsident der UEA, die Ergebnisse des Kongresses in einem dem speziellen Abgesandten der Esperanto-Redaktion des Polnischen Rundfunks gegebenen Interview zusammen. Er stellte fest, daß der Kongreß mit 1100 Angemeldeten und mit 200 weiteren Esperantisten in der Stadt angesichts der extremen Lage von Athen und der relativ schwachen griechischen Bewegung gut besucht ist. Alle Zusammenkünfte waren ihm zufolge gut und erfolgreich.
Die Eröffnungsfeier des Kongresses fand am 1. August um 10 Uhr im Hotel „Hilton“ im Beisein von Vertretern der griechischen Regierung, des Bürgermeisters von Athen, Herrn Juan Papateodoru, von Diplomaten aus 13 Ländern, welche teilweise vor dem Kongreß sprachen, und von mehr als 1.200 Kongressmitgliedern aus fünfzig Ländern statt. In seiner Eröffnungsrede präsentierte Dr. Werner Bormann, Vizepräsident der UEA, das Kongressthema „Die internationale Zusammenarbeit der Staaten auf regionaler Ebene“ und wandte sich insbesondere an die Vertreter der griechischen Regierung, die wohl anstrebt, Mitglied in der wirtschaftlichen Integration der Europäischen Gemeinschaft zu werden.
Laut Dr. Bormann ist die Hauptfrage, ob Griechenland selbst seine Gleichberechtigung im sprachlichen Bereich abtreten wird oder ob es auf die gleiche Verwendung des Griechischen wie die der anderen sechs Sprachen beharren wird.
Kongresa Rezolucio 1 (Kongreß-Resolution 1)
Der 61. Esperanto-Weltkongreß, zusammengekommen vom 31. Juli bis zum 7. August 1976 in Athen, Griechenland, und als Hauptthema die internationale Zusammenarbeit der Staaten auf Regionaler Ebene diskutierend,
merkt an
1. die wachsende und begrüßenswerte Zusammenarbeit zwischen Staaten in denselben geografischen Regionen;
2. den oft ausgedrückten Wunsch der Staaten in denselben Regionen, ihre Beziehungen mit friedlichen Mitteln und in harmonischer Zusammenarbeit statt durch Konfrontation und Feindseligkeit zu entwickeln;
3. die absehbare Intensivierung dieser regionalen Beziehungen in der Zukunft;
verweist darauf
1. daß ein essenzielles Element in der richtigen und gerechten Beziehung der Staaten die Gleichheit der Sprachen ist, so wie sich nun bestimmte internationale Regional-Organisationen bemühen, es anzuwenden;
2. daß diese Sprachen-Gleichheit sehr teuer und ineffektiv ist, wenn sie nicht mittels einer Brückensprache erreicht wird, welche die verschiedenen Mitgliedsstaaten neutral verbinden soll;
3. daß die neutrale und ausdrucksfähige Internationale Sprache Esperanto eine ideale Brückensprache repräsentiert, geeignet für eine offizielle Nutzung in internationalen Organisationen;
4. daß Esperanto wegen seiner leichten Erlernbarkeit auch besonders gut für eine unmittelbare Kontaktierung* zwischen den gewöhnlichen Bürgern benachbarter Länder geeignet ist;
und ruft
1. die verschiedenen internationalen Regional-Organisationen auf, daß sie die Möglichkeit studieren sollen, Esperanto als Sprache der Dokumentation und gegebenenfalls als Sprache der Verwaltung und Debattensprache zu verwenden, und daß sie dessen Verwendung in den eigenen Regionen fördern;
2. die verschiedenen Staaten auf, daß sie den Unterricht und die Verwendung von Esperanto für alle menschlichen Kontakte zwischen Sprachgruppen aus den betreffenden Regionen fördern;
3. die Regional-Organisationen und die einzelnen Staaten auf, daß sie gemeinsam die bereits bestehenden Übereinkünfte verwirklichen sollen, welche darauf abzielen, die menschlichen Kontakte über nationale Grenzen hinweg zu erleichtern und auf eine Beseitigung der Sprachbarrieren oder Sprachdiskriminierung abzielen
[:] Der Kongreß spiegelt der Ereignisse um die Befreiung von einer Diktatur und die Spannungen mit der Türkei wider. So ist wohl auch die Dimension der regionalen Ebene zu verstehen, bei der es sich um benachbarte Nationalstaaten handelt. Für den Umgang der Staaten innerhalb Europas sind diese Fragen doch auch künftig bedeutsam, denn leider haben wir noch keine Vereinigten Staaten von Europa. Am Ende müssen alle Ebenen ihrer Bedeutung entsprechend handeln können dabei und gute Beziehungen zu den Nachbarn pflegen. Kompetenzen bei Gesetzgebung und Verwaltung müssen gerecht verteilt werden, damit das komplexe Uhrwerk Europa im Takt bleibt. Vielleicht klingt das altmodisch, es ist aber anschaulich. [se]
Pri la sorto de leĝopropono
(Über das Schicksal eines Gesetzentwurfs)
Italaj spertoj el parlamenta agado
(Italienische Erfahrungen aus der Parlaments-Tätigkeit)

In den letzten Jahren intensivierte sich die parlamentarische Tätigkeit der Esperantisten. Es wurden Gruppen von Parlamentariern gegründet, die Esperanto begünstigen; Parlamentarier legten in einigen Ländern den Parlamenten Gesetzesvorschläge zur Einführung von Esperanto in Schulen vor. Interessant ist die Prozedur bezüglich des italienischen Gesetzesvorschlags, welcher schon vor vielen Jahren dem italienischen Parlament vorgelegt wurde, jedoch ist bis jetzt keine Entscheidung gefallen. Wir meinen, daß das Schicksal des italienischen Gesetzesvorschlags lehrreich für das künftige Handeln auf diesem Feld ist. Darum publizieren wir hierzu einen Artikel, der bereits im Jahr 1974 in den Esperanto-Sendungen von Radio Rom ausgestrahlt wurde.
Am 3. Juli 1974 traf sich eine Delegation des italienischen Esperanto-Verbandes, bestehend aus den Doktoren Dazzini, Stoppoloni, Marchiori, Corsetti und De Salvo, unter Beteiligung eines jugoslawischen Gleichgesinnten mit jenen Abgeordneten, welche die Aufgabe erhielten, einen neuen Text des Gesetzentwurfs 342 für den Esperanto-Unterricht an Mittelschulen – seinerzeit vorgestellt von den Abgeordneten Nicolazzi, Guerini, Ballardini und Meucci – zu formulieren. Das längste und interessanteste Treffen fand mit dem kommunistischen Abgeordneten Tedeschi statt.
Wie bekannt, erklärten sich bei der ersten Diskussion des Gesetzentwurfs, welcher einen Behandlungspunkt* am 16. Mai des vergangenen Jahres hatte, die kommunistischen Abgeordneten Raicich und Tedeschi gegen den Gesetzentwurf im bisherigen Text, und daraus folgend wurde einen Ausschuß mit der Aufgabe ernannt, das Thema weiter zu vertiefen. Das offizielle Protokoll der Sitzung des 8. Ausschusses der Abgeordnetenkammer, die sich unter anderem mit der öffentlichen Ausbildung beschäftigt, lautet so: „16. Mai 1974 –. Vorsitz hat Abgeordneter Ballardini. Anwesend der stellvertretende Minister für Öffentliche Bildung Bemporad. Überprüfung und Aufschub.
Nach einem begünstigenden Bekanntmachen des Referenten Berte‘ (Christdemokrat) und einem ebenso günstigen Eingreifen des Abgeordneten Caiazza (Christdemokrat) erklärt sich Abgeordneter Raicich (Kommunist) gegen die aktuelle Form des Gesetzentwurfs, weil er meint, daß die Regierung mit administrativen Mitteln den Esperanto-Unterricht mitten unter solchen außerhalb der Karriere stehenden Fächern einführen könnte, über welche bereits zwei Rundschreiben der ehemaligen Minister für Öffentliche Bildung Medici und Misasi sprachen. Abgeordneter Tedeschi (Kommunist) erklärt, daß er mit Raicich einer Meinung ist.
Der Referent Berte‘ schlägt vor, daß man das Thema noch weiter vertiefen soll, und trägt vor, daß er dies selbst tun muß, in Zusammenarbeit mit den Kollegen Meucci (Christdemokrat), Raicich (Kommunist), Biasini (Republikaner) und Canepa (Sozialist).
Der Ausschuß nimmt diesen Vorschlag an und verschiebt die Fortsetzung der Überprüfung auf irgendeine kommende Sitzung.“
Damit man die Situation gut verstehen kann, müssen wir ein allgemeines Bild der Ausbildung in Italien skizzieren.
Bei uns gibt es eine Grundschule (5 Jahre), eine einstufige Mittelschule (3 Jahre), eine zweistufige Mittelschule (3 bis 5 Jahre) und eine Universität (4 bis 6 Jahre). Einen besonderen Status und Charakter haben Fachschulen. Die Grundschule und jene mittlere einstufige, welche insgesamt 8 Jahre dauern und ein einheitliches Programm (ohne Fach-Differenzierung) haben, sind verpflichtend. Die zweistufige Mittelschule und die Universität (beide freiwillig) werden dagegen in mehrere Bereiche unterteilt: Beispielsweise gibt es ein klassisches Lyzeum (mit einem besonders humanistisch ausgerichteten Programm), ein wissenschaftliches Lyzeum (mit einem besonders wissenschaftlichen Programm), ein technisch-industrielles Institut (mit einer besonders technologischen Spezialisierung) und so weiter.
Der Unterricht von Fremdsprachen hat keinen ausgedehnten Raum; er existiert in der Grundschule gar nicht, ist in nur zwei der drei Klassen der einstufigen Mittelschule auf nur wenige Stunden wöchentlich begrenzt, verschwindet schnell in mehreren zweistufigen Mittelschulen (beispielsweise in einem klassischen Lyzeum existiert er nur in den ersten zwei Klassen), und existiert überhaupt nicht in mehreren Universitäts-Fakultäten (beispielsweise Rechtswissenschaft).
Die absurde und paradoxe Situation ist, daß trotzdem gerade Personen, welche ein klassisches Lyzeum besuchten und in Rechtswissenschaft promovierten (auf diese Weise eine Fremdsprache kaum über vier Jahre lang gelernt habend) berechtigt sind… Fremdsprachen zu unterrichten! Das Ergebnis ist leicht vorstellbar.
Aber kommen wir zu unserem Thema zurück! Am Anfang versuchte man, den Esperanto-Unterricht in den einstufigen Mittelschulen einzuführen, von der Tatsache profitierend, daß man in jener Schule eine Fremdsprache und Literatur unterrichten muß. Doch die Oppositionellen schlugen damit zurück, daß
1. Esperanto keine Sprache ist,
2. Esperanto keine Literatur hat,
3. selbst wenn es eine Sprache wäre, Esperanto nicht „fremd“ ist.
Wie man feststellen kann, handelte es sich um wahrhaftig prinzipielle Fragen, nicht nur um einen Widerstand gegen die Einführung eines weiteren Unterrichtsfachs.
Über die Dauer der Jahre hat sich die Haltung der Gegner nur teilweise geändert. Die Zahl jener, die den sprachlichen Wert von Esperanto verneinen, wurde weniger, doch noch bleibt ein allgemeiner Eindruck über eine Unzulänglichkeit der Literatur. Der prinzipielle Widerstand gegenüber Esperanto ging also zurück, doch bleibt die Gegenwehr zur Rolle von Esperanto als Stellvertreter für andere Fremdsprachen weiterhin bestehen. Deshalb sieht man im Text des Gesetzentwurfs 342 vor, daß Esperanto nicht anstelle der Fremdsprache, sondern an ihrer Seite unterrichtet werden soll, und nur wenn dies eine ausreichende Zahl von Schülern ausdrücklich wünscht. Eine Ersetzung einer Fremdsprache ist nur an jenen Schulen vorgesehen, wo man mehr als eine Sprache unterrichtet (beispielsweise bei Instituten für Buchhalter). Konkret würde Esperanto in der einstufigen Mittelschulen nicht mit einer Fremdsprache konkurrieren, sondern mit den bereits vorhandenen freiwilligen Lehrfächern: Latein, Musik, Kunst und Handarbeit.
Zwischenzeitlich fanden dennoch – die Gesetzesvorschläge zu Esperanto liegen schon seit mehreren Jahren vor – wichtige Ereignisse im italienischen Bildungssystem statt.
Die hauptsächliche Angelegenheit war, daß man eine „Vollzeitschule“ schuf, ob nun eine elementare, ob eine einstufig mittelgradige, bei welcher zu den normalen und traditionellen Fächern momentan nur in einer begrenzten und experimentellen Form – andere völlig neue Ausdrucksmittel für die Persönlichkeit der Schüler hinzugefügt wurden: Schul-Journalismus, internationale Schul-Korrespondenz, Filmen, Sport, sogar Schachspiel. Selbstverständlich, in diesen sehr allgemeinen Rahmen kann auch Esperanto eintreten, wenn sich darin gutwillige und großzügige Schulleiter befinden – und ganz natürlich Lehrer und Schüler. Solche neuen Fächer beeinflussen nicht die Karriere der Schüler, trotzdem werden sie offiziell betreut, und die „Animatoren“ – so werden sie statt „Lehrer“ genannt – gerade um das Ziel, die individuellen Persönlichkeiten zu entwickeln, zu unterstreichen, sind staatlich Angestellte mit einem regelmäßigem Gehalt.
Andererseits diskutiert man tiefgründig über die passendste Form*, die freiwilligen Unterrichtsfächer beizubehalten, welche wir früher anführten (Latein, Musik, Kunst, Handarbeit), in dem Sinne, daß man eine endgültige Abschaffung des Latein plant – wie man sagt, eine Quelle der Klassen-Diskriminierung – und eine Umwandlung von Musik, Kunst und Handarbeit in Pflichtfächer. Deswegen ist der Vorschlag, Esperanto zu diesen zur Zeit freiwilligen und wählbaren Fächern hinzuzufügen, in der Perspektive bald eine altertümlich werdende Angelegenheit.
Nach diesen Prämissen sieht die Meinung der kommunistischen Abgeordneten Raicich und Tedeschi nicht völlig absurd aus, welche behaupten, daß man Esperanto schon jetzt – im Rahmen der bereits bestehenden Gesetze und Vorschriften – offiziell an den Grundschulen und Mittelschulen unterrichte könnte. Übrigens, dies geschieht bereits seit zwei Jahren in der Stadt Cesena, wo in der Grundschule Oltresavio dank der Begeisterung des Direktors Sergio Mariani fast 400 Schüler Esperanto in einem offiziellen Rahmen studieren; und seinerzeit erklärte sich der ehemalige Minister für Öffentliche Bildung, Oscar Luigi Scalfaro, bereit, ein Rundschreiben über Esperanto als Ergänzende Aktivität in der Vollzeitschule herauszugeben, aber der Italienische Esperanto-Verband zog es nach lebhafter interner Diskussion vor, die Angelegenheit fallenzulassen und auf dem Gesetzentwurf zu bestehen.
Die Haltung der erwähnten Abgeordneten ist diskussionswürdig, im Gegensatz zur Haltung, wenn es um die Einschätzung des Wertes von Esperanto geht. Während einer dreistündigen Unterredung am 3. Juli in Rom behauptete Abgeordneter Tedeschi unter anderem daß
1. Esperanto ein Kommunikationsmittel ist, nahe dem selben Niveau des Morsecodes, ohne Volks-Grundlage, ohne eigenen Geist und ohne Literatur;
2. nach den von Stalin gemachten „Beweisen“ über die Unmöglichkeit einer internationalen künstlich gemachten Sprache diesbezüglich keine ernsthafte Diskussion machbar und durchzuführen ist;
3. für ihn die Meinungen von Linguisten und allgemeiner von Personen mit formellen Qualifikationen völlig egal sind;
4. es unwichtig ist, ob ein Schüler wirklich eine Fähigkeit erlangt, eine Fremdsprache zu sprechen, weil er Literatur trotzdem in der Übersetzung lesen kann (!!);
5. das Sprachelement keinen diskriminierenden Einfluss bei Auswanderern hat, die nur soziale Schwierigkeiten erleben
6. in der Welt überhaupt kein Sprach- und Kulturimperialismus existiert, und jene, welche dies behaupten, sich auf die Unwissenheit der Zuhörer verlassen.
Dies hier sind bedenkenswerte Aussagen, welche die Beachtung der links-geneigten Esperantisten verdienen würden; im übrigen drückte sich Abgeordneter Tedeschi, der im Namen der gesamten italienischen Kommunistischen Partei sprach, auch kritisch allgemeinere Angelegenheiten betreffend aus, beispielsweise über die Brauchbarkeit des sowjetischen Schulsystems und allgemein über die Struktur der Schule in sozialistischen Ländern – das Thema wurde berührt, weil die Esperantisten-Delegation betonte, daß Esperanto gerade in einigen dieser Länder, insbesondere Polen, Ungarn und Bulgarien, eine formellere Position in den Schulen genießt.
Am Ende der langen Unterredung, welche in manchen Momenten den Ton eines Streits erreiche, beteuerte Abgeordneter Tedeschi, daß die italienische Kommunistische Partei einem neuen Text des Gesetzesvorschlags nicht entgegen stehen wird, wenn dieser nur eine formelle Erwähnung von Esperanto als eines der Fächer vorsehen wird, auf welche die bereits bestehenden Regeln für Ergänzende Aktivitäten in der Vollzeitschule anwendbar sind. Mit anderen Worten: Die italienische Kommunistische Partei akzeptiert nur, daß man – mit dem Ziel, möglichst Zweifel zu zerstreuen – ausdrücklich mittels Gesetz sagen soll, daß man befugt ist, Esperanto offiziell in der besagten Form zu unterrichten – quasi um die bereits bestehenden rechtlichen Möglichkeiten zu beschirmen und sicherzustellen.
Selbstverständlich, dieser Gegenvorschlag ist dem Wesen nach weit vom Originaltext entfernt, der eine vollständig gesetzliche Einführung von Esperanto auf gleichen Niveau mit Fremdsprachen vorsieht; doch weil praktisch auch die Unterstützung der starken Kommunistischen Partei erforderlich ist, damit ein Gesetzentwurf zum Gesetz wird, musste man den Standpunkt dieser Partei akzeptieren.
Folglich ist es sehr wahrscheinlich, daß der Text des Gesetzentwurfs gänzlich umgewandelt wird, mit der Hoffnung, diesmal eine baldige Zulassung zu erreichen. Auch in seiner veränderten Form könnte das Gesetz einen erheblichen Druck voran für Esperanto in Italien bedeuten, insbesondere für die Informations- und Propaganda-Möglichkeiten, die aus einer offiziellen und deutlich klaren Berechtigung des Unterrichts der Internationalen Sprache in der Schule auf Kosten des Staates erwachsen könnten.
[:] Für EDE sind das sicher interessante Informationen. Bestrebungen, die Sprache Esperanto an die von Natur aus konservativen Schulen zu bringen, gab es natürlich auch schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Doch sind Politik und Schule eben nur ein Spiegel der jeweiligen Gesellschaft, die zudem immer eine nationale, wenn auch manchmal international ausstrahlende ist. Die Vertreter der Kommunistischen Partei demonstrieren hier, wie weit eine Ideologie gehen kann. Selbst als Esperanto in Osteuropa bei allen Einschränkungen wieder offiziell anerkannt wurde, wurde wohl der Stalinismus in Italien weiterhin hochgehalten. Die Partei folgte blind einem vorgezeichneten Irrweg. Auch die falsche Bewertung des Morsecodes ist hier zu nennen. Man soll verschiedene Dinge, auch Sprachformen, nicht gegeneinander ausspielen. Es handelt sich einfach um einen anderen Verwendungszweck. Der Morsecode selbst hat seinen eigenen hohen Wert. Gibt man einen Funkspruch ab oder empfängt diesen, dann wird die darin liegende eigene Melodie wahrgenommen, die dann so wirkt, als hätte jemand geschrieben oder in gesprochener Sprache kommuniziert. Nicht umsonst gehört er heute zum Immateriellen Kulturerbe. Esperanto konnte einen solchen Status bis jetzt nur teilweise erzielen, da die Internationale Sprache wohl nicht in die Gedankenwelt der nationalen international tätigen Verantwortlichen passt. [se]
[Eŭropa Esperanto-Revuo
Abonnementgebühr 16 DM
8 Ausgaben jährlich]
Eŭropa panoramo (Europäisches Panorama)
Trilanda renkontiĝo (Dreiländer-Treffen)
Düren (pp) — Das Herbst-Dreiländer-Esperanto-Treffen der Esperantisten aus den Grenzregionen von Belgien, Niederlande und BR Deutschland wird zwischen 09. und 10. Oktober 1976 in der Jugendherberge der Kleinstadt Nideggen bei Düren stattfinden. Weitere Informationen sind von Herrn Franz Jodozi zu erhalten, Oberstr. 77, D-5165 Hürtgenwald, BR Deutschland.
Eŭropa Esperanto-Kongreso 1977
(Europäischer Esperanto-Kongreß 1977)
Im April dieses Jahres ereignete sich ein Europäischer Esperanto-Kongreß in Eindhoven, zu dem wir hier 2 Fotos veröffentlichen, auf diese Weise unseren Bericht in Nr. 3 der EER ergänzend.
Noch frisch sind die Erinnerungen zurück an diesen Kongreß und es kündigt sich bereits ein neuer Europäischer Esperanto-Kongreß an, diesmal in Paderborn, BR Deutschland, im nächsten Jahr, vom 27. bis zum 31. Mai 1977.
Das provisorische Programm sieht folgende Punkte vor:
Empfang im Rathaus, Kennenlernabend, öffentliches Platzkonzert, Stadt-Visiten, Museum, wissenschaftliche Institute, Festabend, Jahreshauptversammlungen von DEB, L.E.E.N. und LEA, Gottesdienst unter freiem Himmel, Ausflüge und andere.
Die Korrespondenzadresse des Lokalen Kongreß-Komitees ist: D-ro Hans Kasselmann, Falkenweg 10, D-4790 Paderborn, tel. (05251) 61958.
Kongresszahlungen richte man an: Esperanto-Kongress, D-4790 Paderborn, Kontonummer 31 001 910 bei der Sparkasse Paderborn.
Bis zum 31.12.1976 gelten folgende Kongressgebühren:
Kongressteilnehmer/in 21,— DM
Ehepartner/in 13,— DM
Student und Schüler 10,— DM
Kinder bis 15 Jahre 5, DM
Warum Paderborn besuchen?
Paderborn, eine charmante und phänomenale Stadt in Ostwestfalen am Rande schöner bewaldeter Berge, lädt die europäischen Esperantisten ein!
+ Einzigartig ist ein geografisches Phänomen: mehr als 300 Quellen in der Stadt!
+ Bedeutend sind die historischen Phänomene: neue Ausgrabungen über das Tun von Karl dem Großen – im Jahr 777 mit seiner ersten Reichsversammlung!
+ Sehenswert sind die Kunst-Phänomene: u.a. die altertümlich Kathedrale und das neuartige Museum mit vielen Kunstgegenständen!
+ Bemerkenswert sind die Esperanto-Phänomene: plötzliche Entstehung eines Esperanto-Lebens, Esperanto-Restaurant, experimenteller Esperanto-Unterricht!
Erbittet ein Anmeldeformular unter der Korrespondenzadresse des Kongresses!
Kunveno kun gepatroj (Treffen mit Eltern)
Waiblingen (mv) – Am 16. Juni ereignete sich nach schwierigen, doch guten Vorbereitungen ein Treffen im Staufer-Schulzentrum in Waiblingen (nahe Stuttgart), zu dem über die Rektoren aller Grundschulen die Eltern aus Waiblingen, Korb und nahen Orten eingeladen wurden.
Prof. Dr. Helmar Frank, Leiter des „Forschungs- und Entwicklungszentrums für objektivierte Lehr- und Lernverfahren“ (FEoLL), Paderborn, sprach über „Sprachorientierungs-Unterricht“ mithilfe von Robbimat II, einem Lehrautomaten für Schüler. Er erklärte, daß man nach jahrelangen Versuchen herausfand, daß Esperanto die am besten geeignete Sprache ist, um den Kindern ein leichteres Erlernen von Sprachen zu ermöglichen. Es waren za. 80 Eltern anwesend, die mit Interesse dem Vortrag folgten, und die Präsentation von Robbimat II verursachte viele Fragen.
Interessiert schrieben sich viele Eltern in Listen ein, um weitere Informationen aus Paderborn zu erhalten oder um sich zu dem Sprachorientierungs-Unterricht anzumelden. Auch Hermann Behrmann sprach, Präsident des „Europa-Klubs“, dessen Ziele erklärend.
Zwischenzeitlich wurden die Vorbereitungen für den Unterricht nach dem Paderborner Modell begonnen.
Bibliografio (Bibliografie)
Eŭropa libroserio pri malnaciigita scienco (Europäische Buchreihe zur Nicht-verstaatlichten Wissenschaft)
Paderborn (pp) – Rechtzeitig vor dem Anfang der von dem Europa-Klub in Primošten vom 16. bis zum 30. Juli eingerichteten Internationalen Sommeruniversitäts-Wochen, erschien der erste Band einer wissenschaftlichen Buchreihe zur „Nicht-verstaatlichten Wissenschaft“ (mit dem Titel „Bildung und Berechnung — Klerigo kaj Prikalkulado“ Verlag difo-Druck Schmacht, Bamberg). Dieser Band, herausgegeben von Hermann Behrmann und S. Stimek, beinhaltet 8 bildungstechnologische, informatische, mathematische und psychologische Beiträge von deutschen, jugoslawischen und norwegischen Dozenten der Sommeruniversitäts-Wochen, in deutscher und internationaler (Esperanto-)Sprache. Zu diesem Zweck wurde ein wissenschaftlicher Beirat gegründet, dem 36 Professoren aus 11 Ländern angehören.
[:] „Nicht-verstaatlichte Wissenschaft“ oder auch Nichtstaatliche Bildungsinstitutionen sind in der Gesellschaft üblich. Doch wäre es nicht an der Zeit, aus all den Vorarbeiten heraus staatliche Esperanto-Institutionen zu schaffen? Ansätze gab es bereits vor langer Zeit. Die Gesellschaften haben ein mangelndes Interesse, dies ist bekannt. Warum werden Studien zum Esperanto-Unterricht nicht weiterverfolgt? Will die Gesellschaft nicht durch unerwünscht positive Ergebnisse von ihren bequemen Ideologien gelöst werden? Anders lässt sich der Umgang mit dem Thema nicht erklären. [se]
Pozitiva recenzo de „Mia amata Esperanto“
(Positive Rezension von „Mein geliebtes Esperanto“)
Winterthur (pp) – In der – unter den Esperantisten bereits bekannten – Schweizer Zeitung „Der Landbote“, Winterthur, Nr. 161 vom 15. Juli 1976 erschien in der Feuilleton-Rubrik der Zeitung eine sehr positive Buchbesprechung des soeben erschienenen Taschenbuchs in deutscher Sprache „Mein geliebtes Esperanto“ (Mia amata Esperanto) von Richard Schulz. Der Rezensent a.b. schreibt u.a.: „Und übrigens hört man ja so wenig über Esperanto. In dieser Sache gibt es keine Überraschungen, über welche die Zeitungen berichten müssen. Daß die Internationale Sprache funktioniert und fleißig von ihren Anhängern genutzt wird, ist freilich schon seit langem keine Sensation mehr. Einer hat dennoch gerade die Mauer des Stillseins aufgebrochen und erzählt alles, was bemerkenswert zu Esperanto ist. Er ist ein Gymnasiallehrer im Ruhestand mit dem Namen Richard Schulz, und der Bleicher-Verlag in Gerlingen stellte ihm ein Forum in Form eines Sachbuchs zur Verfügung.“ Durch die Publizierung von informativen, gut geschriebenen Büchern, wie „Mia amata Esperanto“ eines geworden ist, kann man Esperanto der Öffentlichkeit näherbringen, befindet der Rezensent. Zudem lautete die Rezensions-Überschrift „Esperanto, von allen Seiten beleuchtet“ (Esperanto, heligita el ĉiuj flankoj)
„Neniu vivanta esperantisto en Sovetunio?“
(„Kein lebender Esperantist in der Sowjetunion?“)
Vieno. Die Esperanto-Sendung des ORF, Wien, gab im Rahmen ihres Programms vom 7./8.08.76 folgende Information bekannt: „Ein Mitglied unserer Redaktion, das den Vortrag von Herrn Nikolai Poljanov, dem stellvertretenden Chefredakteur der sowjetischen Zeitung ‚Iswestija‘ hörte, welcher letzten Juni in der Österreichisch-Sowjetischen Gesellschaft gehalten wurde, fragte Herrn Poljanov zum Status von Esperanto in der Sowjetunion. Herr Poljanov antwortete, daß er zwar von Esperanto wisse, aber einen lebenden Esperantisten in der Sowjetunion noch nie kennenlernte oder auch nur von ihm gehört habe. Sollten unsere Zuhörer in der Sowjetunion nicht ihre Existenz bezeugen, indem sie an ‚Iswestija‘ schreiben?“
Esperanto-aranĝo de la lerneja konsilantaro de Vieno
(Esperanto-Veranstaltung des Schulrates von Wien)
Wien (pp) – Der Schulrat der Stadt Wien führte am 15. Juni 1976 im Pädagogischen Institut eine informelle Zusammenkunft durch, in der die erreichten Ergebnisse der eingerichteten Esperanto-Klassen während des soeben geendeten Schuljahres vorgestellt wurden.
Die Versammelten wurden im Namen des Präsidenten des Stadtschulrats, Herrn Hofrat Dr. Hermann Schnell, herzlich begrüßt. Danach brachten Schüler aus dem 9., 14. und 21. Bezirk einem ziemlich zahlreichen Publikum von Mitschülern, Eltern, Lehrern und Esperanto-Freunden Lieder und kurze Szenen in Esperanto zu Gehör. Als Gäste von außerhalb nahm eine Esperanto-Klasse aus dem sich in Niederösterreich befindlichen Nachbarort Himberg teil. Unter den Zuhörern, welche viel applaudierten, war auch ein ausländischer Gast, nämlich Marinus de Waard, Rotterdam.
Eŭropa Esperanto-Revuo 1976 05 junio
Informo por la GEA-membroj
(Information für die DEB-Mitglieder)
Ab 1. Januar 1977 ist die Eŭropa Esperanto-Revuo nicht weiter Organ für die Mitglieder des Deutschen Esperanto-Bundes. Der betreffende Vertrag zwischen dem Vorstand des Deutschen Esperanto-Bundes und dem Verlag Ludwig Pickel wird annulliert.
Die Mitglieder des Deutschen Esperanto-Bundes werden daher die Revue ab 1977 nicht mehr erhalten. Wer künftig die Revue trotzdem lesen möchte, wird sie gesondert abonnieren müssen. Der Abonnementspreis ist 16,– DM und ist allein an Ludwig Pickel, Postfach 2113, D-8500 Nürnberg 1, Postscheckkonto Nürnberg 819 56-851 oder Stadtsparkasse Nürnberg 1901 579 zu zahlen.
Eŭropa Esperanto-Revuo wird auch künftig im Rahmen des Redaktions-Programms über das Esperanto-Leben in Deutschland berichten.
Selbstverständlich werden alle Mitglieder des DEB die restlichen EER-Ausgaben des Jahres 1976 erhalten.
Der Deutsche Esperanto-Bund wird seine Mitglieder über diese Entscheidung in dem Verbands-Bulletin „Esperanto en F. R. Germanio“ informieren.
Ludwig Pickel
[:] Was auch immer die Gründe für diese mediale Seitwärtsbewegung waren, eine sich europäisch nennende Esperanto-Zeitschrift war durchaus notwendig und ein lobenswerter Ansatz. [se]
[Instruisto serĉata (Lehrer gesucht)
Ab dem nächsten Jahr sucht man im Institut für Kybernetische Pädagogik Paderborn einen Lehrer oder eine andere interessierte Person mit vollständigem akademischen Abschluss des Studiums in Mathematik, Psychologie, Elektrotechnik oder einen Linguisten aus einem Staat der Europäischen Gemeinschaft.
Halbzeitlich wird es diesbezüglich einen Esperanto-Unterricht und eine wissenschaftliche Forschungs-Zusammenarbeit geben, halbtägig sind Freistunden beispielsweise für eine Promotion möglich. Schreiben Sie vor dem 15. November 1976 an Institut für Kybernetische Pädagogik, Postfach 1567, D-4790 Paderborn (Prof. Dr. Helmar Frank).]
Eŭropa panoramo (Europäisches Panorama)
Prof. Frank pri komunikaj modeloj
(Prof. Frank über Kommunikations-Modelle)
Klagenfurt (pp) — „Nur durch Überspitzung kann man das Wesentliche herausstellen!“ Das war die provokante These von Prof. Dr. Helmar Frank während eines Vortrags anlässlich des „Tages der Wissenschaft“, eine Veranstaltung vom ORF-Studio Kärnten, an welcher Prof. Frank auf Einladung des Österreichischen Rundfunks teilnahm. Der Paderborner Kybernetiker hielt vor einer Gruppe bekannter deutschsprachiger Verleger, Journalisten und Professoren der Kommunikations-Wissenschaften einen Vortrag über Kommunikations-Modelle. Der Vortrag wurde vom Österreichischen Rundfunk und teilweise auch von der Deutschen Welle und dem Deutschlandfunk ausgesendet.
Die Esperanto-Redaktion von Radio Wien nannte diesen Vortrag „sensationell“.
Hier die Hauptthesen: An den Sprachbarrieren in Europa sind die europäischen Wissenschaftler Schuld, weil sie zu Beginn der Neuzeit auf die lateinische Sprache verzichteten und die Wissenschaft „nationalisierten“. Nationalsprachen dienen nicht der Völker-Verständigung, sondern bringen die Völker auseinander. Weder Englisch noch Latein taugen als gegenseitige Verständigungs-Sprache für das künftige Europa. Am Ende seines Vortrags, welcher eine große Diskussionsbereitschaft verursachte, sagte Prof. Frank: „Das Latein des dritten Jahrtausends muß eine zielentsprechend geplante Synthese von kommunikations-theoretisch vorteilhaften Qualitäten europäischer Sprachen sein“. Daß eine solche Synthese möglich ist, beweist die Plansprache Esperanto, die gewiss nicht zufällig in letzter Zeit als Sprache der Wissenschaft mehr an Bedeutung gewann.“
GDR en Universala Esperanto-Asocio
(DDR im Esperanto-Weltbund)
In Athen nahm der Ausschuß des Esperanto-Weltbundes u.a. den Registrierungs-Antrag des Zentralen Arbeitskreises Esperanto der Deutschen Demokratischen Republik an. Damit wurde der Zentrale Arbeitskreis gleichberechtigtes Mitglied als Landesverband der UEA.
In einem Interview, das die Esperanto-Redaktion von Pola Radio in Athen führte, kommentierte der Präsident des Zentralen Arbeitskreises, Rudi Graetz, die Annahme des Registrierungs-Antrags wie folgt:
„Wir freuen uns selbstverständlich, daß die große Mehrheit des UEA-Ausschusses unseren Registrierungs-Antrag angenommen hat. Dies bedeutet, dass wir künftig gleichberechtigt in der UEA zusammenarbeiten werden. Dies wird sicherlich positive Folgen auch für die Esperanto-Bewegung in der Deutschen Demokratischen Republik haben.“
Vor 12 Jahren begannen wir unsere Arbeit und wir meinen, daß wir der internationalen Esperanto-Bewegung und auch der UEA gewiss etwas gegeben haben. Ich kann euch ein Beispiel geben und sagen, daß wir auch auf dem literarischen Feld etwas beisteuern. Vor zwei Jahren gaben wir das Buch „Nackt unter Wölfen“ von Bruno Apitz heraus und nun ist der Dreigroschenroman von Bertold Brecht in Vorbereitung. Und wir hoffen, daß auch dieser Roman einen internationalen Erfolg haben wird wie das Buch von Bruno Apitz. Wir synchronisierten auch Filme auf Esperanto und zeigen jene Filme in verschiedenen Ländern, auf Kongressen, Seminaren und anderen Ereignissen. Wir geben auch Zeitschriften heraus, unter ihnen den „DDR-Paco“, zu welchen wir mit literarischen Sachen und Fachbeiträgen beitragen. Auf diese Weise, denke ich, fügten wir der internationalen Esperanto-Bewegung tatsächlich schon vor vor der Annahme in die UEA etwas hinzu.“
Als Zugabe zu diesen Kommentierungen sagte Dr. Detlev Blanke, Sekretär des Zentralen Arbeitskreises Esperanto der DDR, daß die Esperantisten in der DDR gute Beziehungen zu Esperantisten in Nachbarstaaten haben, er stellte den Freundschaftsvertrag mit dem Polnischen Esperanto-Verband heraus.
Für den Dreigroschenroman von Brecht, der kommendes Jahr erscheinen wird, schrieb Dr. Humphrey Tonkin eine Einführung, erklärte Dr. Blanke und fügte hinzu, daß der Zentrale Arbeitskreis insbesondere die außereuropäische Tätigkeit der UEA in Asien, Afrika und Lateinamerika unterstützen können werde.
Über den Beitritt des Arbeitskreises Esperanto der DDR zur UEA berichtete die polnische Parteizeitung „Trybuna Ludu“ im Rahmen eines Berichts über den Esperanto-Weltkongreß in Athen.
[:] Solange es sich um eine relativ abstrakt weltweite Esperanto-Aussenwirkung der DDR handelte, war der Staat an Esperantisten-Aktivitäten interessiert. Wobei bestimmte politisch gewünschte Themen favorisiert wurden. Überlegungen über ein zu schaffendes Geeintes Europa passten da wohl eher nicht. [se]
Forumo (Forum)
Pri lingva normigo (Über Sprachnormung)
Während des diesjährigen Esperanto-Weltkongresses in Athen diskutierte man in der Zweiten Generalversammlung der UEA zum Kongressthema „Internationale Zusammenarbeit der Staaten auf regionaler Ebene“. Wichtige Organisationen dieser internationalen Zusammenarbeit sind die „Europäische Wirtschafts-Gemeinschaft“ (EWG) und der „Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe“ (RGW). Es ist erfreulich, daß sich die Esperanto-Bewegung insbesondere aus sprachlichen Gesichtspunkten mit aktuellen Problemen der Weltpolitik und -wirtschaft beschäftigt. Die Esperanto-Sendungen, in erster Reihe jene des Polnischen Rundfunks, sind schon seit langer Zeit verpflichtet, Esperanto-Übersetzungen der Namen dieser regionalen Organisationen zu verwenden. Wer die Artikel in der Esperanto-Presse und die Radiosendungen verfolgt, muß feststellen, daß es eine Normierung dieser Namen noch nicht gibt.
Dr. Werner Bormann schreibt beispielsweise in der Einleitung für die Zweite Generalversammlung in Athen (Kongressbuch, S. 12) über die „Eŭropaj Komunaĵoj“ (Europäische Gemeinschaften). In seinen Sendungen verwendet der Polnische Rundfunk schon seit langem den Ausdruck „Eŭropa Ekonomia Komuno“ (Europäische Wirtschafts-Gemeinschaft), und in „Eŭropa Dokumentaro“ (Europäische Dokumentationssammlung) (Nr. 10/76, S. 13) kann man von einer „Eŭropa Ekonomia Komunumo“ (etwa Europäische Wirtschafts-Verwaltungseinheit) lesen. Andererseits ersetzt man in der Zeitschrift „Esperanto“ (September 1976, S. 140) den Ausdruck „Eŭropaj Komunaĵoj“ (etwa Europäische Gemeinschaften) aus dem Kongressbuch mit „Eŭropa Komunumaro“ (etwa Europäische Ansammlung von Verwaltungseinheiten).
Bezogen auf den „Konsilantaro por Reciproka Ekonomia Helpo“ (Rat (Ansammlung Beratender) für gegenseitige Wirtschaftshilfe) herrscht eine „komuna lingvo“ (gemeinsame Sprache) zwischen dem Polnischen Rundfunk und den meisten Nutzern in Westeuropa. Aber in „Eŭropa Dokumentaro“ spricht man vom „Konsilio por Ekonomia Interhelpo“ (KEI) (Rat für wirtschaftliche gegenseitige Hilfe). Zweifellos sind sinngemäß beide Formen verständlich, doch wäre es wünschenswert und nötig, eine Form zu vereinbaren. Diese gleiche Anforderung gilt für die westeuropäische Organisation „EEK“ (EWG). Jedenfalls scheint es mir nicht empfehlenswert, in diesem Zusammenhang die Form „komunaĵo“ (Gemeinsames) zu verwenden, da dieses Wort faktisch „ion komunan“ (etwas gemeinsam) oder „iun komunan aĵon“ (eine gemeinsame Sache) bedeutet. Es scheint mir auch, daß man sich in den vergangenen Jahren daran gewöhnte, zu viel das Suffix „-aĵo“ zu verwenden, zum Beispiel „Sache Organisation“ statt „Organisation“.
Auch bezogen auf die Länder der „Dritten Welt“ gibt es noch keine Sprachnormung. Allgemein spricht man über „subevoluigitaj“ (unterentwickelte) beziehungsweise „evoluantaj“ (entwickelnde) Länder, aber in „Eŭropa Dokumentaro“ kann man von „disvolviĝantaj“ (sich entwickelnden) Ländern lesen.
Es gäbe noch viele derartige Beispiele; die zwei sollen genügen. Wir laden unsere Leser zu einer Diskussion ein.
Ludwig Pickel
[Eŭropa Esperanto-Revuo
Abonnementgebühr 16 DM]
El la Germana Esperanto-movado
(Aus der Deutschen Esperanto-Bewegung)
Fervojistoj jarkunvenis en Paderborn (Eisenbahner kamen zur Jahrestagung in Paderborn zusammen)
Paderborn (geri) – Während des Wochenendes vom 15. bis zum 17. Oktober veranstaltete die Vereinigung Deutscher Eisenbahner-Esperantisten (GEFA) ihre 20. Jahrestagung in Paderborn. Der Einladung folgten mehr als 130 Personen, von welchen viele bereits am Freitag ankamen, um beim öffentlichen Informationsabend oder bei der Schwatzrunde im Tagungsbereich „Paderhalle“ dabeizusein.
Das umfangreiche Programm zwang bedauerlicherweise zu gleichzeitigen Veranstaltungen. Man musste also wählen, vorzugsweise das Lernmethodische Institut FEoLL zu inspizieren, angenehm unter befähigter Führung durch die Stadt der zweihundert Quellen des Flusses Pader zu spazieren, oder der Pflicht des Vorstands und der Beauftragten zu folgen, eine Arbeitssitzung abzuhalten. Alle drei Gruppen trafen sich vor dem malerischen Rathaus für ein Freiluftkonzert der örtlichen Eisenbahn-Blaskapelle.
Nach einem vom Bürgermeister abgehaltenen Offiziellen Empfang für Vorstand und Kommissare und einem gemeinsamen Mittagessen warteten drei Busse zwecks Exkursion durch den Teutoburger Wald.
Der Festabend gelang in diesem Jahr besonders gut, nicht nur, weil man eine lange Reihe von Begrüßungsreden vermied. Das Eisenbahn-Orchester aus Essen begann mit der Mozart-Ouvertüre der „Zauberflöte“ und der tiefe Bass von Walter Lange (Herzberg) ertönte „In diesen heil’gen Hallen“.
Während der Sonntags-Matinee rief GEFA-Präsident Joachim Giessner im Jahresbericht zu einer aktiven Mitgliederwerbung auf. Es grüßten Vertreter der Eisenbahn-Gewerkschaften, von IFEF und des DEB, doch besonders warme Worte fand der ehrwürdige IFEF-Präsident de Jong (Amsterdam) über seinen Nachfolger Giessner, der neben der umfangreichen IFEF/GEFA-Arbeit noch Zeit und Energie fand, um alle während des Festabends gehörten Liedtexte zu esperantisieren. Hermann Behrmann sprach interessant über die Arbeit des „Instituts für Forschung und Entwicklung von moderneren Lehr- und Lernmethoden“, dabei die Lernmaschine „Robbimat“ demonstrierend.
Die Ausstellung „Vojoj al la mondo (Wege zur Welt)“ im Vestibül des Tagungsbereichs verschaffte öffentliche Hinwendung zu dieser Veranstaltung, für deren reibungslose Entfaltung vor allem Frau Lawerino und Dr. Kasselmann, beide aus Paderborn, großer Dank gebührt.
Kontaktoj al oficialaj instancoj
(Kontakte zu offiziellen Stellen)
Frau Elsbeth Bormann, Vorstandsmitglied des DEB für Information und parlamentarische Tätigkeit, nutzte eine persönliche Einladung von Frau Marie Schlei, Staatssekretärin im Amt des Bundeskanzlers, in Bonn, für eine Intensivierung der bestehenden Kontakte. Frau Elsbeth Bormann unterhielt sich außerdem mit Frau Wahl aus der CDU-Verwaltung, mit Dr. Dortans, Köln, Mitglied im Hörfunkrat des Deutschlandfunks und mit dem Generaldirektor der Deutschen UNESCO-Kommission, Dr. Rissom.
Die Gespräche fanden am 2. und 3. November 1976 statt. Ausführliche Berichte werden folgen.
Laborkonferenco pri Interlingvistiko en Paderborn (Arbeitskonferenz zur Interlinguistik in Paderborn)
Das FEoLL-Institut für Kybernetische Pädagogik wird in Zusammenarbeit mit der GPI-Arbeitsgruppe für Interlinguistik und Sprachkybernetik (Leiter Hermann Behrmann) eine Arbeitskonferenz bezüglich Fragen zu Interlinguistik unter besonderer Berücksichtigung ihrer Rollen in Pädagogik, Sprachkybernetik und internationaler Wissenschafts-Kommunikation veranstalten. Die Konferenz wird vom 24. bis zum 28. November im Forschungszentrum von Paderborn, Rathenaustraße 69/71, D-4790 Paderborn, stattfinden. Man lud eine Schar von esperantistischen und nicht-esperantistischen Fachleuten ein, u.a. Tonkin, Minnaja, Szerdahelyi, Mangold, Janton, Blanke, Jarmark. Interessierte Personen können das ausführliche Konferenz-Programm bei Europa-Klub, Riemekestraße 62, D-4790 Paderborn erhalten.
Zeitgleich mit der Konferenz werden die Jahreshauptversammlung des Europa-Klubs und eine Buchausstellung im Esperanto-Zentrum von Paderborn stattfinden.
ROMOLO kun la naturamikoj
(ROMOLO mit den Naturfreunden)
Darmstadt. Der Schauplatz für ein Wochenendtreffen (1. – 3. Oktober), zu dem gemeinsam ROMOLO* und die hessischen Naturfreunde-Esperantisten einluden, war das Naturfreunde-Haus von Dieburg „Am Mainzer Berg“. Es ging um ein „Familien-Treffen“ und tatsächlich schwärmte ein Dutzend spielender Kinder zwischen den Hofbäumen aus, während sich fleißige Frauen (Frau Führer, Hingelbein und Woite) mit Schwung in der Küche beschäftigen, um sich um die Verpflegung zu kümmern, welche fünf Mahlzeiten für 30-40 Personen umfasste! Auch der Bücherstand von PILO, wo Frau Hofmann verkaufte, fehlte nicht.
Die ROMOLO-Hauptversammlung wurde Sonnabend-morgens mit einem Gruß und einem von Schriftführerin Elisabeth Ritterspach verfassten Bericht, welcher übersetzt werden musste, sowie mit dem Präsidenten Robert Kvasnak und dem Vizepräsidenten Bernt Winter begonnen.* Nach den Berichten des Kassierers und des Kassenprüfers war es notwendig, einen neuen Vizepräsidenten zu wählen, da der bisherige wegen seines Gesundheitszustands in den Ruhestand zurücktreten musste. Das Amt übernahm Gernot Ritterspach, für die übrigen Vorstandsmitglieder dauert die zweijährige Amtszeit bis zum kommenden Jahr. Es folgten verschiedene Berichte aus den Gruppen, und Eckie Woite provozierte eine lebhafte Diskussion wegen der Anregung, daß ROMOLO im Frühjahr 1977 die Aktivitäten von Darmstadt und Offenbach verfolgen soll, einen Kontakt mit politischen Parteien zu suchen; die Wahlen für das Europäische Parlament würden einen willkommenen Grund geben, erneut die Nützlichkeit unserer Sprache in diesem Bereich vorzustellen. Die Gruppen Wiesbaden und Mainz wurden gebeten, das Tätigkeitsfeld abzutasten. Eine Ehrenurkunde für Treue zum Esperanto über mehr als 50 Jahre wurde Bernhard Zenker überreicht (siehe separaten Bericht!).
Elisabeth Ritterspach
[:] *ROMOLO Rhein-Main-Ligo Esperantista [se]
20-a Internacia Seminario de GEJ
(20. Internationales Seminar des DEB)
Die Deutsche Esperanto-Jugend (DEJ) lädt zu ihrem 20. Internationalen Seminar vom 27. Dezember 1976 bis zum 3. Januar 1977 in die Jugendburg Sensenstein, D-3501 Nieste, 15 km östlich von Kassel ein.
Das Rahmenthema ist: Fragen zur Europäischen Vereinigung. Das Programm besteht aus einem Arbeitsteil (Vorträge, Arbeitsgruppen, Kurse) und einem unterhaltsamen Teil (Zauberabend, Ausflüge, Spaziergänge, Silvesterball).
Ein Programmpunkt beschäftigt sich mit „DEB im Rückblick“, um sich an die 25. Wiederkehr der Gründung des DEB zu erinnern.
Teilnahmekosten betragen: 90,— DM für Jugendliche bis 25 Jahre, 110,— DM für Teilnehmer über 25 Jahre. DEB-Mitglieder und Ausländer werden beachtliche Subventionen genießen.
Auskünfte gibt: Hans-Dieter Platz, Maikammerer Straße 21, D-6731 St. Martin, tel. 06323 / 59 82.
EER prezentas (EER präsentiert) Richard Schulz
Richard Schulz, der Autor des Taschenbuchs „Mia amata Esperanto“ (Mein geliebtes Esperanto), wurde im Jahr 1906 in Hamburg geboren. Sein Abitur-Diplom erlangte er an der berühmten Lichtwarkschule. Es folgte ein umfangreiches mehrere Fächer umfassendes Studium (Geschichte der bildenden Künste, vom Latein abstammende Sprachen und Deutsche Sprache und Literatur). Im Jahr 1937 wurde er Gymnasiallehrer an der Walddörferschule in Hamburg-Volksdorf, wo er bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1968 unterrichtete.
Richard Schulz mag musische Beschäftigung, macht Gedichte, schreibt Artikel für Zeitungen, spielt Blockflöte, zeichnet und malt, vorzugsweise Porträts. Außer dem Buch „Mein geliebtes Esperanto“ publizierte er eine Broschüre mit Karikaturen, deren Originale die Wilhelm-Busch-Gesellschaft in Hannover erwarb, und einer Zeichnungen-Sammlung von zwölf Kosmogenese*-Aggregaten.
Esperanto lernte er im Jahr 1932. Darüber erzählt er detailliert im 22. Kapitel seines Esperanto-Taschenbuchs. Wegen des Krieges und während der folgenden Jahre verlor er aufgrund intensiver beruflicher Arbeit jeden Kontakt mit dem Esperantismus. Erst im Jahr 1975 fing er von neuem an, sich für die Bewegung zu interessieren und widmet nun fast seine ganze Energie ihrer Vorwärts-Entwicklung. Nach Beginn seines Ruhestands verließ er Hamburg, lebte zwei Jahre in Bremen und wohnt heute im Fischerviertel von Minden. Seine Adresse: Richard Schulz, Oberstr. 20, D-4950 Minden.
[:] *Kosmogenese religionsphil. zu Ursprung und Entwicklung des Universums [se]
Eŭropa Esperanto-Revuo 1976 06 julio
Honore al ili (Ihnen zur Ehre)
Recenzo de Renato Corsetti
(Rezension von Renato Corsetti)
Während der letzten Jahre wurde in Folge des Werks von Ulrich Lins der Ausdruck „Gefährliche Sprache“ zur Mode, um auf die internationale Sprache anzuspielen.
Für einen gegenwärtigen westeuropäischen Esperantisten ist es trotzdem schwierig, die Gründe für diese Gefährlichkeit zu verstehen. Nichts scheint harmloser. Kongresse und Vereins-Zusammenkünfte besuchend, erhält man sofort den Eindruck, daß sich dort ganz ruhige Menschen versammeln, hauptsächlich alte, die unter sich friedlich Abzeichen und so manche sonstige Folklore-Dinge austauschen.
Auch Kongreß-Resolutionen lesend erhält man kein gefährlicheres Bild. Heutige Esperantisten fordern nicht, daß man Lehrer der englischen Sprache aus den Ländern hinauswerfen soll, daß man Agenten von auswärtigen sprachlich-kulturellen Imperialismen ausweisen soll.
Kein Esperantist, selbst während der warmen und schwärmerischen Tage der weltweiten Jugend-Rebellion zum Ende der 60er Jahre, vereinnahmte Sitze des British Council oder beschmierte die Wände mit Schriften: „Es lebe die Revolution im Sprachen-Bereich! Es lebe Esperanto!“
Gewöhnlich besteht die mutigste Aktion für „linke“ Esperantisten während der Kongresse aus einem Nichtbesuch von Gottesdiensten in der Internationalen Sprache. Und gewöhnlich bitten Resolutionen höflich rechtmäßige Respektspersonen, die Möglichkeiten, die internationalen Sprache in den Schulen nach Möglichkeit einzuführen, sorgfältig zu berücksichtigen.
Vor kurzem saßen während eines „neutralen“ Kongresses anlässlich der Eröffnungsfeier ein Bischof und ein Polizist mit hohem Dienstgrad unter den Ehrengästen. Also, wieso gefährlich?
Wenn ihr das hier rezensierte „Ihnen zur Ehre“, herausgegeben von der Kroatischen Esperanto-Liga, Zagreb, (136 Seiten, Preis 16,- DM) lesen werdet, werdet ihr die Gründe verstehen.
Dem Inhalt entsprechend ähnelt dieses Werk mehr einem Telefonbuch, als es einer Literatur-Sache ähnelt. Im Grunde befinden sich darin in alphabetischer Reihenfolge Biografien von während des letzten Weltkriegs gefallenen jugoslawischen Esperantisten. Außerdem sind darin einige allgemeine Artikel, welche die damalige esperantistische und allgemein gesellschaftliche Stimmung im Land beschreiben.
In diesen schon fabelhaften Zeiten gehörten Esperantisten in mehreren Ländern zu den progressiven sozialen Schichten. Dies ist eine allgemeine Feststellung, obwohl sie selbstverständlich nicht in allen Ländern und nicht für alle Esperantisten individuell wahr ist.
In Jugoslawien wird dieses Phänomen wegen der damaligen Situation im Land besonders gut verstanden, wegen des Sinns für die durch örtliche Multiethnizität hervorgerufenen Sprachprobleme, wegen der Weise, auf welche die internationale Sprache in das Land trat und sich verbreitete.
Ich bitte euch, den nachstehenden Satz auf Seite 17 des rezensierten Buches mit besonderer Aufmerksamkeit zu lesen: „….mehr als dreihundert Gefallene… bedeutet, daß jeder dritte organisierte Esperantist verloren geht und jeder zehnte Gefallene ein (erklärter National-)Held war.“
Außerdem bitte ich euch, in eurem Geist folgende Rechnung aufzustellen: Wenn heute ein faschistisches Land (wählt selbst den Namen) euer Land besetzen würde, wie viele von den Mitgliedern der Esperanto-Organisation eures Landes würden sich den Partisanen-Widerstandskämpfern anschließen?
Nun, was tun?
Ich befinde, und dies habe ich ziemlich oft und ohne ein Echo gesagt, daß die Internationale Sprache in sich selbst ein revolutionäres Potenzial enthält, welches die alleinige sicherstellende Eigenschaft ihres endgültigen Sieges ist.
Missversteht mich nicht, ich bitte darum, nicht die Sprache selbst, dies sind die sechzehn Regeln, besitzt jenes Potential, sondern die Idee die Sprache betreffend ist revolutionär.
Wir sind Kämpfer für gerechtere sprachlich-kulturelle Beziehungen zwischen den Menschen, auch wenn wir dies ungern anerkennen.
Leider kann ein Kampf nicht immer durch höfliche Bitten an die Gegner umgesetzt werden, notwendig ist auch oft wirklich zu kämpfen, Stärke und Entschlossenheit zu zeigen und unseren Gegnern zu sagen, was wir von ihnen halten.
Notwendig ist auch, einmal endgültig darüber zu entscheiden, welche unsere Freunde und welche unsere Feinde sind.
Dann ist es notwendig, sich mit den Freunden gegen die Feinde zu verbünden.
Mein Traum von der Esperanto-Bewegung bildet vor meinen Augen eine Bewegung ab, welche in jedem Land, in jeder Situation ein Alliierter der fortschrittlichen Kräfte jenes Landes und jener Situation ist.
Wenn wir nicht imstande sind, zu jener Situation zu gelangen, wird diese sonst vergebens sein, und wir werden verlieren, so wie alle rückschrittlichen Kräfte über lange Zeit verlieren.
Wie progressiv geneigte soziale Kräfte von rückschrittlichen sozialen Kräften unterscheiden?
Darüber müssen wir alle nachsinnen und dennoch dieser einfachen Wahrheit bewusst sein: Regierende, Machthaber, etablierte Regierungen gehören nur sehr schwer zum fortschrittlichen Lager. Ihr Ziel ist oft eine Bewahrung der bestehenden Ordnung.
Hingegen ist unser Ziel auf sprachlichem Feld eine Nichterhaltung der bestehenden Ordnung.
Kommen wir jedoch zu dem Buch „Ihnen zur Ehre“ zurück. Es gehört zu jenen wenigen Büchern, welche uns einen Stolz über eine Zugehörigkeit geben können, zu einer einer ernsthaften sozialen Beachtung würdigen Bewegung.
Zusammen mit dem Werk von Lins und mit einem Werk über die gegen den japanischen Faschismus kämpfende japanische Esperanto-Bewegung, muß dieses Buch hier von jedem jungen Esperantisten gelesen werden, der nicht persönlich an dieser „epischen“ Periode der Bewegung Anteil hatte, als unsere Gleichgesinnten nicht nur an offiziellen Banketten teilnahmen, sondern auch Kurse im Konzentrationslager Dachau arrangierten.
Pri „eurocheque“ (Über „Euroscheck“)
Die Postscheckstellen in der Bundesrepublik Deutschland bieten ihren vertrauenswürdigen Girokontoinhabern inzwischen Schecks mit Garantiekarte entsprechend „ec“-Verfahren an, den „Euroĉeko“ (Euroscheck).
Durch diese Garantiekarte garantieren die Postscheckstellen die Auszahlung eines Scheckbetrages bis 300 DM pro Scheck, in DM oder einem Gegenwert. Der Empfänger oder Annehmende eines Schecks kann nachprüfen, ob der Scheck dieselbe Kontrollnummer trägt wie die Garantiekarte.
Die Garantiekarte gilt in allen europäischen Ländern und am Mittelmeer angrenzende Staaten.
In Belgien, Finnland, Luxemburg und den Niederlanden kann man, ebenso wie in der BR Deutschland, in Hotels, Kaufläden usw. mit „ec“-Schecks bezahlen.
Auch in Österreich, Dänemark, Frankreich, Spanien und der Schweiz vergrößert sich von Tag zu Tag die Zahl der Händler, welche „ec-Schecks“ akzeptieren.
Während Bargeld in der BR Deutschland bei allen Postämtern, Banken und Sparkassen erhältlich ist, ist dies in anderen Ländern nur bei Kreditbanken möglich.
Und die Prozedur?
Der Postscheck-Kunde bestellt bei dem Postscheckamt die „ec“-Karte zusammen mit den 20 erhältlichen Schecks. Die „ec“-Karte und die „ec-Schecks“ gelten während des laufenden Kalenderjahres.
Der Eigentümer kann durch diese 20 Scheckformulare über maximal 6000 DM oder einen Gegenwert verfügen. Wenn die Schecks ausgeschöpft sind, kann man neue bekommen, allerdings – selbstverständlich nur, wenn auf dem betreffenden Postscheckkonto noch Guthaben verbleiben. Gegen Missbrauch trägt die „ec“-Karte die Unterschrift des Eigentümers. Der Scheck wird nicht vorher unterschrieben, sondern im Beisein des Annehmenden, der die Unterschriften vergleichen kann.
Für uns Esperantisten und speziell für uns Postler, welche gern ins Ausland reisen, besteht somit eine vorteilhafte Möglichkeit, in Postämtern Geld nach dem „ec“-Verfahren zu erhalten.
Hoffen wir, daß bald auch ausländische Postverwaltungen diesen Dienst anbieten, damit die Distanz des Weges, das gesparte Geld zu erhalten, nicht größer sei als der Weg zum nächsten Postamt. Dankbar wären die Touristen und Reisenden in ganz Europa.
Bernd Ziegler, IPTEA-Vertreter für BR Deutschland
Aosta Valo pli eŭropeca per memstareco
(Aostatal europäischer durch Selbständigkeit) 
Artikel von Edoardo Ballone in „La Stampa“, Turin
Freitag, der 15. Oktober. Der Präsident der Regional-Regierung des Aostatals verlässt lächelnd den Sitz der National-Regierung in Rom. Einige Minuten zuvor teilte ihm der Präsident des Ministerrats, Andreotti, mit, daß die Regierung die Abänderung des Sonderstatuts des Tals billigte. Endlich verwirklichte sich ein Traum, welcher fast 30 Jahre dauerte. Nun geht die Aussprache ins Parlament, doch das Ergebnis ist bereits gewiss: Die Grenzregion, welche auch Französisch spricht, wird eine eigene Verwaltungs-Unabhängigkeit haben.
Das Aostatal wird sich um einige staatliche Dienstleistungen kümmern, beispielsweise um öffentliche Arbeiten, zivile Motorisierung, die Kontrolle des Nationalparks von Gran Paradiso. Durch diese aus Rom gekommene Entscheidung werden sich die französischsprachigen Talbewohner „entsprechend Sonderstatuts“ tatsächlich in italienische Bürger verwandeln. Ein Beweis der Demokratie seitens der Zentralmacht.
Rechtsanwalt Mario Andrione von der „Vereinigung des Aostatals“ und Präsident der Regionalregierung, ist zufrieden. Er raucht eine Zigarette und seine Augen sind glücklich, gerade so wie die eines Kriegsherrn, der einen langen Kampf gewann. Welche Bedeutung hat die Römische Entscheidung?
Eine „Enorme Bedeutung“, antwortet Andrione, „und ich erkläre, warum. Seit 1948, wenige Stunden nach der Unterzeichnung des Dokuments, mit dem man die Aostatal-Region gemäß Sonderstatuts errichtete, begannen wir, die Zentralregierung auf die jetzige Entscheidung abzielend zu drängen. Doch die zig Regierungen, die sich aneinanderreihten, achteten nicht darauf.“ Mit wenigen Worten, wegen ethnischer und historischer Gründe gaben die römischen Politiker der Grenzregion mit ihrer rechten Hand Selbständigkeit, jedoch mit der Absicht, sie bald mit der linken wieder zurückzunehmen.
Der Trick gelang dennoch nicht. Und jetzt, dreißig Jahre später, kann das Aostatal seinen Sieg verkünden. Welche werden die Vorteile dieser Situation sein? „Viele“, präzisiert der Präsident Andrione, „es reicht aus, über den Begriff* der französischen Sprache nachzudenken, um ein öffentliches Amt einzunehmen. Zugegeben, wir sind nicht ganz zufrieden, aber es war zweifellos ein Schritt nach vorn. Jetzt werden jene, welche Französisch sprechen, das Recht haben, in den regionalen Posten bevorzugt zu werden, verglichen zu jenen, welche stammeln oder diese Sprache nicht beherrschen.“ Aber dies ist nicht alles. Die Kultur des Aostatals wird direkt von den Aostatal-Bewohnern umsorgt, ebenso wie die Straßen, die Bibliotheken, die öffentlichen Arbeiten. Um auf die Straßen-Schilder zweisprachige Hinweise zu schreiben, wird nicht weiter die langsame Berechtigungs-Erteilung von Rom erforderlich sein, auch wird man nicht weiter die Hauptstadt aus Anlass öffentlicher Wettbewerbe befragen müssen.
Andrione sagt: „In diesem Moment müssen wir 300 Stellen in den Regionalbüros zuteilen. Ohne diese Regierungs-Entscheidung müsste man den betreffenden Wettbewerb in Rom ausloben, und es würden hierher zig ganz und gar gegenüber unserer Kultur und der Denkweise dieser Täler fremde südliche Bürokraten kommen. Ein Fehler, welchen man über viele Jahre zum Nachteil der ortsansässigen Bürger machte. Nun wird man die Wettbewerbe in Aosta ausloben.“
150.000 Einwohner, die ihre „Aostatal-heit“ oder besser ihr „petite patrie“ (Französisch: kleines Vaterland) wiederentdecken. Es ist nicht wahr, daß sie mehr Sympathie zu Frankreich als zu Italien haben: Beide Länder lassen sie gleichgültig. „Wir wollen Aostataler sein, in einem Europa, welches die ethnischen Minderheiten anerkennen soll“, präzisiert Bruno Salvadori, Sekretär der „Progressiven Vereinigung des Aostatals“ und Leiter des Pressedienstes der Region. In diesen Zeiten wurden im Tal einige separatistische Gruppen geboren. Arpitaner wollen einen mit den Bergbewohnern von Französisch-Savoyen und der Schweizer Waadt verbundenen sozialistischen Staat. Es sind auch Französisch-geneigte, welche „Non à l‘ Italie“ (Nein zu Italien) und „Reveillons-nous“* (Lasst uns aufwachen!) an die Wände schreiben. Jedoch sind sie nur kleine Gruppen.
Salvadori fügt hinzu: „Diese separatistischen Bewegungen haben schon immer das politische Leben des Tals gekennzeichnet, doch sie haben nie zu sehr behindert. Heute ist es am wichtigsten, eine Gruppe von Vorstandsmitgliedern zu haben, welche auf eine typisch ethnische Region abzielen, die jedoch eine für den Dialog mit dem Rest von Europa verfügbare ist.
Und es scheint, daß eine Eintracht in die nicht immer ruhige politische Aostatal-Familie zurückkehrt. Anfang Dezember werden sich die drei französischsprachigen Bewegungen von neuem zusammenschließen: Ein bedeutendes Ereignis, welches zur jüngsten Ratifizierung der Selbständigkeit hinzufügend, der Minderheit einen wirtschaftlichen und sozialen Impuls geben könnte, welche eher bevorzugt, französisch „oui“ zu sagen, als „si“ im Italienischen.
Es übersetzte Antonio De Salvo
[:] *“Réveillons-nous“ (Ni vekiĝu!) [se]
[:] Lasst uns aufwachen! Ein Ausspruch, den später Edgar Morin verwendete. Er, der sich auch für EDE einsetzte. Aber dies ist wohl ein Zufall und ergibt daher nur eine sehr schwache Querverbindung. [se]
Eŭropa panoramo (Europäisches Panorama)
Pri Eŭropa Klubo (Über den Europa-Klub)
Paderborn (pp) – Während der gerade in Paderborn stattfindenden Jahreshauptversammlung des Europa-Klubs, wurde Hermann Behrmann als Präsident wiedergewählt.
Eŭropa Esperanto-Kongreso 1977
(Europäischer Esperanto-Kongreß 1977) 
27. bis 31. Mai 1977
Kongreß-Stätte: Paderhalle, Paderborn
Nach Auskunft des Lokalen Kongreß-Komitees meldeten sich bereits viele künftige Teilnehmer aus Belgien, Frankreich, den Niederlanden, Italien, Luxemburg, der Schweiz, Österreich und der Bundesrepublik Deutschland an.
Ab dem 27. Mai werden eine Auskunftsstelle im Bahnhof und die Rezeption in der Kongreß-Stätte „Paderhalle“ in Betrieb genommen.
Während des Kongresses wird ein spezielles Postamt tätig werden, das bei Bedarf einen Poststempel mit Esperanto-Text verwendet.
Das LKK gab eine Kongreß-Klebemarke heraus. 12 Klebemarken auf einem Bogen kosten 2,– DM. Bestellungen nimmt das LKK entgegen.
Das LKK dankt für die Geldspenden, welche es bisher erhielt und dankt im Voraus den neuen Spendern.
Während des Kongresses wird ein Bücherstand des Libroservo Ludwig Pickel, Nürnberg betrieben.
Kongressgebühren bis zum 31.12.1976
Kongressteilnehmer/in 21,– DM
Ehepartner/in 13,– DM
Student oder Schüler 10,– DM
Kind bis 15 Jahre 5,– DM
Ab 1.1.1977 wird die Gebühr für eine/n Kongressteilnehmer/in 25,– GM, für eine/n Ehepartner/in 15,– DM sein.
Hotelpreise
Einzelzimmer gemäß Kongresstarif 20,– bis 35,– DM.
Doppelzimmer gemäß Kongresstarif 40,– bis 60,– DM.
Alle Zahlungen richte man an Esperanto-Kongress, Sparkasse D-4790 Paderborn, Konto-Nr. 3100 1910 oder an
Sparkasse Paderborn, Postscheckkonto. Hannover 5514-309 zugunsten des Esperanto-Kongresses, Konto-Nr. 3100 1910.
Provisorisches Programm
Freitags, den 27. Mai
16:00 Uhr Empfang im Rathaus durch den Bürgermeister
19:00 Uhr Kennenlernabend
Sonnabends, den 28. Mai
09:00 Uhr Besuch des Instituts für Kybernetik und FEOLL; andere wissenschaftliche Veranstaltungen
10:30 Uhr Öffentliches Platzkonzert vor dem Rathaus
11:00 Uhr Besuche der Stadt und des Museums
14:00 Uhr Offizielle Eröffnung
15:30 Uhr Fach- und Arbeitssitzungen, Vorträge, Filme, Jugend-Veranstaltungen
20:00 Ball für Kongressteilnehmer und Gäste
Sonntags, den 29. Mai
09:00 Uhr Öffentliche Informierung und Diskussion über Esperanto mit Probelektionen usw.
10:00 Uhr Gottesdienst unter freiem Himmel im Park
14:00 Uhr Jahres(Haupt-)Versammlungen von DEB, LEEN, LEA
20:00 Uhr Festabend mit amüsanten Musikstücken und Theaterstücken und mit dem Magier „Trixini“
Montags, den 30. Mai
09:00 Uhr Ausflug in den Teutoburger Wald
13:30 Uhr Gemeinsames Essen von westfälischem Schinken und anderen westfälischen Spezialitäten
15:00 Uhr Mehrländertreffen; Besuch der Stadt
abends Folklore-Abend mit westfälischen Tänzen
9:00 Uhr Ganztages-Ausflug ins Weserbergland (Gebirgsregion unweit des Flusses Weser)
Korrespondenzadresse des LKK: Dr. Hans Kasselmann, Falkenweg 10,
D-4790 Paderborn, BR Deutschland, (05251) 61958
Interlingvistika laborkonferenco
(Interlinguistische Arbeitskonferenz)
Paderborn (pp) – 70 Wissenschaftler aus 14 europäischen und asiatischen Ländern diskutierten vom 24. bis zum 28. November im Forschungszentrum FEoLL Paderborn über Fragen der Konstruktiven Sprachwissenschaft. Insgesamt wurden 36 Referate gehalten, teils in deutscher Sprache, teils in Esperanto.
Die Vorträge thematisierten Sprachkybernetik, internationale Wissenschafts-Kommunikation, Sprachpädagogik und die sprachliche Möglichkeit einer Weltliteratur. Die Texte der Vorträge werden kommendes Jahr in einem Band im Verlag Schroedel und Schönigh erscheinen.
Die Arbeitskonferenz nahm mehrere Resolutionen an, die sich auf die Beschleunigung der bis jetzt in der BR Deutschland stark vernachlässigten Interlinguistik, auf eine Beschleunigung des sprach-orientierten Unterrichts und des Plansprachen-Unterrichts sowie auf die Nutzung der Internationalen Sprache als zusätzliche Arbeitssprache in internationalen und anderen Zusammenkünften, beziehen.
Pri la agado de EEC (Über die Tätigkeit des EEC)
Schoorl (pp) — Anlässlich des diesjährigen Esperanto-Weltkongresses in Athen fand die Jahresversammlung des Eŭropa Esperanto Centro (EEC) (Europäisches Esperanto-Zentrum) für die Länder des Gemeinsamen Marktes statt. Der Zusammenkunft wohnten 26 Personen bei.
Dr. Pol Denoel eröffnete die Zusammenkunft und stellte fest, daß die Hauptaufgabe des EEC die Informierung der europäischen Institutionen ist. Als Ergebnis der dreijährigen Arbeit erhielt der Kongreß nun zum ersten Mal ein Grußschreiben des Europäischen Parlaments und ein Delegierter der Europäischen Gemeinschaft besuchte offiziell den Kongreß, nämlich Herr J. S. Pignot, der Direktor des Übersetzungs-Dienstes der Europäischen Kommission für Information. Herr Pignot räumte ein, daß ein Sprachproblem in der Europäischen Gemeinschaft bestehe und daß dieses immer komplizierter und komplexer wird.
Die Beziehungen zu Herrn Govaers, dem Generalsekretär des Zentrums für Europäische Bildung, führten zu festeren Kontakten mit der Eŭropa Instruista Asocio (Europäische Lehrer-Vereinigung). Die Esperanto-Ausgabe von „Eŭropa Dokumentaro“ benötigt dringend mehr Abonnenten, um eine fortwährende Auflage sicherzustellen.
Die Beziehungen mit den Landesverbänden sind unbedingt besser und stabiler zu gestalten. Die EEC stimmt mit der Kommission für Außenbeziehungen der UEA (KER) über die Gründung der Eŭropa Esperanto-Unio (EEU) (Europäische Esperanto-Union), so wie während der Sitzung der KER in Athen vorgeschlagen, überein.
In Brüssel wurde eine EG-Arbeitsgruppe gegründet. Sie berät das EEC (Europäisches Esperanto-Zentrum), informiert und beantragt eine Teilnahme an Veranstaltungen der europäischen Institutionen. Auch in Luxemburg arbeitet man aktiv unter der Leitung von Pfarrer H. J. Kindler. In Straßburg fehlen bis jetzt Kontakte.
Das EEC versendete Informationen an die Mitglieder des Europäischen Parlaments, u.a. die Resolution des Europäischen Esperanto-Kongresses in Eindhoven 1976. Die Direktwahl des Europäischen Parlaments ist nun in Vorbereitung, darin liegt eine bedeutende Aufgabe für die Esperanto-Bewegung.
Das EEC hat derzeit nur beschränkte Kontakte mit den EG-Institutionen für Bildung und Information sowie mit einzelnen Mitgliedern des Europäischen Parlaments. Der Bereich unserer Arbeit muß unausbleiblich auf die Angelegenheiten Lehre, Bildung und Information sowie dem Tourismus begrenzt bleiben. Für diese Aufgaben gibt es schon zu wenige Mitarbeiter. Für ein besseres Funktionieren des EEC oder der zukünftigen „Union“ schlägt Dr. Denoel vor, eine Beratende Kommission von „Eurokraten“ einzurichten, welche Esperanto begünstigen, um uns zu beraten, welchen Weg wir verfolgen müssen. Es bleibt der Wunsch, daß die Geschäftsstelle nach Brüssel umziehen soll.
Vom esperantistischen Gesichtspunkt aus war der Europäische Esperanto-Kongreß Eindhoven 1976 ein Erfolg, doch im Grunde organisierten ihn nur drei Landesverbände. Es war keine Zeit, um europäische Probleme zu behandeln. Die drei Landesverbände arrangierten statt der europäischen Zusammenarbeit nur nationale Kongresse. An einem wahrhaftigen Europäischen Esperanto-Kongreß müssen zumindest alle Landesverbände der EG-Länder teilnehmen.
Die Beziehungen zur Europäischen Bewegung hängen von der Aktivität lokaler und nationaler Esperanto-Gruppen ab. Es gibt eine Broschüre der Europäischen Bewegung in Esperanto mit dem Titel „Kio estas, Kion volas, Kion faras la Eŭropa Movado?“ (Was ist, was will, was macht die Europäische Bewegung?). Es ist erhältlich bei Europäische Bewegung, Aleksanderstr. 2, Den Haag, Niederlande. (Entsprechend dem Protokoll der Zusammenkunft)
[:] Zum 1973 in Luxemburg gegründeten Eŭropa Esperanto Centro (EEC) fehlen momentan noch Informationen.
Die Europäische Esperanto-Union war nun also auf dem Weg zur Gründung. [20260912se]
1977: Eŭropa Esperanto-Unio (EEU)
[Lerniloj por germanlingvanoj
(Lernmittel für Deutschsprachige)
Esperanto-Lehr- und Wörterbücher 
Esperanto programita, H. Behrmann, eine programmierte Einführung mit 4 Heften und 4 Schallplatten 34,— DM
Bestellungen an
Ludwig Pickel, Libroservo, Postfach 2113, D-8500 Nürnberg 1
Postscheckkonto / Stadtsparkasse Nürnberg]
[Eŭropa Esperanto-Revuo
Jahresabonnement für 8 Ausgaben 16,— DM]
[Eŭropa Dokumentaro
Ausgabe des Informationsdienstes des
Zentrum für Europäische Bildung
Jahresabonnement 1977 für 4 Ausgaben 14,50 DM
Bestellt bei
Ludwig Pickel, Libroservo, Postfach 2113,
D-8500 Nürnberg 1, PK. Nürnberg 819 56-851]
[:] Hier wurden nur einige wenige Auszüge der Angebotsseite übernommen. [se]
Eŭropa Esperanto-Revuo 1976 0708 aŭgusto septembro
Pri la lingva situacio en Sovetunio (Über die Sprachsituation in der Sowjetunion)
La rusa kiel interpopola lingvo
(Das Russische als Sprache zwischen Völkern)
Moskau/Warschau (pp) – Eine Reporterin vom Polnischen Radio interviewte in Moskau den bekannten sowjetischen Esperantologen Dr. Magomet I. Isaev, Präsident der Kommission für internationale Verbindungen sowjetischer Esperantisten.
Dr. Isaev machte folgende Äußerung:
„Liebe polnische Genossinnen und Genossen, erlaubt mir, euch im Namen der Union der Sowjetischen Gesellschaften für die Kulturellen Beziehungen mit ausländischen Völkern zu grüßen. Alle sowjetischen Esperantisten senden euch herzliche Grüße und Glückwünsche.
Liebe Gleichgesinnte, ihr wisst, daß sich die Esperanto-Bewegung in jedem Land unter spezifischen Umständen entfaltet; sie hängen von verschiedenen historischen und sozialen Faktoren ab, der wichtigste von ihnen ist die Sprachsituation.
Wie ihr wisst, ist die Sowjetunion einer der multinationalsten Staaten der Welt. Auf ihren riesigen Flächen wohnen mehr als 130 Völker, sie haben ihre eigenen Sprachen, welche verschiedenen Sprachfamilien angehören. Während des Zarismus hatten nur 20 Völker ein eigenes Alphabet. Doch nach der Oktoberrevolution entwarfen Wissenschaftler noch 50 neue Alphabete. Jetzt wurden zahlreiche Nationalsprachen in ihren Entwicklungen erfolgreich.
Dennoch braucht jeder Vielvölkerstaat immer noch auch eine gemeinsame Sprache. Deshalb wurde eine der gleichberechtigten sowjetischen Sprachen, das Russische, als die Sprache zwischen Völkern gewählt. Dafür gibt es objektive historische Gründe:
1. Die Russen zählen za. 55% der Bevölkerung der UdSSR.
2. Russen wohnen in allen Regionen des Landes.
3. In der revolutionären und kulturellen Bewegung nahmen Repräsentanten der Russen eine vorderste Position ein.
Dennoch gleicht die Sprache der Kontakte zwischen den Völkern ganz und gar nicht der Staatssprache. Wie man weiß, ist eine Staatssprache, bspw. die englische, französische und japanische verbindlich, während die Sprache zwischen den Völkern rechtlich keine Vorteile vor einer anderen Sprache hat. Jeder Bürger ist berechtigt, bei jeder beliebigen Institution seine Muttersprache oder eine andere für ihn zweckmäßigste Sprache zu verwenden.* Folglich muß die allgemeine Linie der Sprachsituation in unserem Land als Mehrsprachigkeit charakterisiert werden. Außerdem studieren sowjetischen Menschen selbstverständlich auch Fremdsprachen: Deutsch, Polnisch, Englisch, Französisch, Spanisch, Arabisch… In diesem Zusammenhang stehen vor sowjetischen Wissenschaftlern zahlreiche Probleme.
Dennoch aktivieren in den letzten zehn, fünfzehn Jahren unsere Wissenschaftler auch ihre interlinguistischen Forschungen. Wie ihr wisst, arbeitet im Rahmen des Zentralen Sprachwissenschaftlichen Instituts eine spezielle Problemgruppe, welche wissenschaftliche und praktische Fragen der Internationalen Sprache Esperanto erforscht. Die wissenschaftliche Arbeit ist nach unserer Meinung sehr wichtig für die weitere Entfaltung der Esperanto-Bewegung.
Sowjetische Esperantisten fühlen sich als Bestandteil der Esperantistenschaft in sozialistischen Ländern. Deshalb sind die Erfolge jeder unserer Riegen* auch unsere eigenen. Ich weiß, daß Esperantisten aus Polen eine der aktivsten und fruchtbarsten Riegen unter der sozialistischen Esperantistenschaft sind.
Gestattet mir nochmals, euch neue große Erfolge in eurem Handeln für Frieden zu wünschen. Alles Gute!“
Die obige Äußerung wurde von Pola Radio im Rahmen des Esperanto-Expreß am 26./27. Dezember ausgestrahlt.
[:] Angesichts der aktuellen fragilen Situation in Europa und überall in der Welt können die den Völkern aufgezwungenen Zugehörigkeiten zu völkisch-zentralistischen Machtzentren nicht mehr verniedlicht, sondern müssen konsequent angeprangert werden. Die Erniedrigung muß enden. Dies ist das mindeste. In der Sowjetunion gab es eine Esperanto-Verbotszeit und danach eine Renaissance. Das Imperium selbst führte aber zu allen Zeiten eine Russifizierung durch. [se]
Lingvo de la estonto (Sprache der Zukunft)
El artikolo en la Praga gazeto „Rude Právo“
(Aus einem Artikel in der Prager Zeitung „Rude Právo“)

Es existiert wohl kein Esperantist in der Welt, welcher sich nicht für sprachliche Angelegenheiten interessieren würde und welcher bei Wissenschaftlern nicht eine Bestätigung suchen würde, daß Esperanto eine notwendige Sprache ist, daß es eine Sprache der Zukunft ist. Letztens wurde ein interessanter Artikel aus der Feder von Oldrich Knichal über die „Sprache der Zukunft“ publiziert, dies am 4. September in einer Beilage der bekannten tschechoslowakischen Zeitung „Rude Právo“, dem Presseorgan des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei.
Am Anfang seiner Überlegungen sinnt der Autor darüber nach, auf welche Weise das Problem von internationalen Kontakten unter den Bedingungen der Vielsprachigkeit, welche in sich ein großes Hemmnis auf dem Weg zu einem tatsächlichen gegenseitigen Verständnis zwischen den Menschen und Nationen darstellen, zufriedenstellend zu lösen ist. Die Vielsprachigkeit bremst auch den wissenschaftlich-technischen Fortschritt, weil sie einerseits die Möglichkeiten für einen wirksamen Widerstand gegenüber der Explosion von Informationen begrenzt, und sie andererseits den wechselseitigen Austausch von ihnen überaus erschwert.
Ein vorherrschender Teil der Wissenschaftler wird sich heute bereits bewusst, daß dieser krisenhafte Zustand nur durch Einführung einer Sprache der Wissenschaft und Kultur gelöst werden kann, einer Sprache, welche in einer ähnlichen erfüllenden Rolle wäre, wie einst Latein. Unterschiedlich sind trotzdem die Meinungen hinsichtlich des Charakters der zukünftigen Sprache. Man überdenkt zwei Möglichkeiten: entweder eine der Nationalsprachen akzeptieren, oder eine neue auf der Grundlage von ihnen konstruierte Sprache annehmen.
Welche Folgen hätte eine Hinnahme der ersten Möglichkeit?
Eine Annahme von einer der Nationalsprachen würde ihre vorherrschende Position bedeuten und würde zweifellos Vorteile für die Besitzer dieser Sprache herbeibringen. Jedoch warnte Lenin selbst vor der Privilegierung von irgendeiner Nationalsprache.
Eine Gleichberechtigung aller Nationen und Sprachen verband Lenin unmittelbar mit der Forderung nach möglichst inniger Annäherung der Nationen.
Schauen wir nun an, wie die Sprachsituation in der heutigen Welt aussieht.
In den Entwicklungsländern und insbesondere in den ehemaligen Kolonien fordern die Befreiungsbewegungen eine Einführung der nationalen Sprache. Gleichzeitig vergrößert sich die Zahl und Stellung der sogenannten Weltsprachen. Vor dem Zweiten Weltkrieg dominierten auf der internationalen Arena das englische und französische. Heute sind außer ihnen Weltsprachen: Russisch, Chinesisch, Spanisch und Arabisch. Der Prozeß der sich allmählich entwickelnden Gleichberechtigung verschärft zugleich das Problem der Vielsprachigkeit und bringt die Notwendigkeit mit sich, eine gemeinsame, helfende Sprache für die gesamte Menschheit einzuführen.
Unter den Bedingungen der intensiven Entwicklung von Wissenschaft, Technik und Kultur wird für uns die Widmung von Zeit für das Erlernen von Fremdsprachen und ein Ausgeben von immer größeren Geldmitteln für Übersetzungen ein verdrießliches Problem. Zutreffend gesagt reicht die Kenntnis selbst der wichtigsten europäischen Sprachen schon heute beispielsweise nicht dafür aus, daß der wissenschaftliche Mitarbeiter sich mit allen neuen Errungenschaften seines Fachbereichs bekannt machen kann. Um das Problem zu illustrieren, fügen wir hinzu, daß wenn beispielsweise im 1960er Jahr 100.000 Titel Fachliteratur herausgegeben wurden, man im Jahr 2000 erwartet, daß diese Zahl eine Million erreichen wird.
Fakt ist auch dies, daß sich die Nutzer der „kleinen Sprachen“ – bezogen auf die „großen“ – immer in einer benachteiligten Situation befinden. Dies offenbart sich hier insbesondere in den unmittelbaren zwischenmenschlichen Beziehungen, während der internationalen Begegnungen und Kongresse oder im touristischen Austausch, an welchem jährlich mehr als 200 Millionen Personen teilnehmen. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter erachten die Tatsache als Behinderung, daß sie gezwungen sind, ihre Sprachkenntnisse auf Kosten der verlorenen Zeit für die wissenschaftliche Forschungsarbeit zu erweitern.
Sowjetische Interlinguisten betonen, daß genau jetzt das Problem einer internationalen Hilfssprache zu einem Objekt der Forschungen gemacht werden muß. Diese Sprache befindet sich nicht in einer entgegengesetzten Position zu den nationalen, internationalen oder Welt-Sprachen, weil es ihr Ziel sein würde, die vielseitigen Kontakte zwischen den Menschen verschiedener Nationen vermittels ihrer Einführung in Schulen, in den Massenmedien, im Verkehr usw. zu erleichtern.
Viele bedeutende zeitgenössische Wissenschaftler, und unter ihnen viele sowjetische, erhärten, daß die Vorbehalte bezüglich einer durch bewusstes menschliches Handeln erschaffenen Sprache – beispielsweise bezogen auf Esperanto – nur ein Aberglaube sind. Bestimmend für die „Sprache der internationalen Kontakte“ ist ihre Befähigung, den sich entwickelnden Bedürfnissen der Menschen zu dienen.
Soweit Oldrich Knichal in seinem interessanten Artikel. Dem kann man nicht viel hinzufügen. Man kann nur die Frage stellen, ob Esperanto seine Chancen ausnutzen wird, ob gerade Esperanto zur „Sprache der Zukunft“ werden wird? Mir scheint, daß wir nicht lange auf eine Antwort auf diese Frage warten werden.
Polnisches Radio, Esperanto-Redaktion
[:] In den unter dem Einfluß des Kreml stehenden Staaten musste immer im Sinn des übergeordneten Gesellschaftsmodells (sogen. Sozialismus) und der gerade aktuellen Linie des Zentrums argumentiert werden. Wenn also sogar der große Bruder früher noch verbotene Dinge tut, dann darf man das auch. Eine kleine Rückversicherung durch Zitate war hilfreich, um sich für eigene Anschauungen einsetzen zu können. Natürlich gab und gibt es wie überall auch auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion Menschen, die es ehrlich mit Esperanto meinen. Sie hatten und haben allerdings ein großes Problem mit der Freiheit, da das russisch sprechende völkisch-zentralistische System weiterhin keine Ruhe gibt. [20260914se]
Esperanto ĉe la Italaj Radio kaj Televido (Esperanto beim Italienischen Radio und Fernsehen)
Rom (pp/radio roma) – Der Artikel 6 des italienischen Gesetzes vom 14.04.1975, Nr. 103 verpflichtet die italienische Rundfunk- und Fernsehgesellschaft RAI, „mindestens 5 Prozent vom Gesamten der Fernsehsendungen und 3 Prozent der Radiosendungen im nationalen und regionalen Maßstab den Parteien und den im Parlament vertretenen Gruppen, den Verbands-Organisationen der lokalen Autonomien, den nationalen Gewerkschaften, den religiösen Konfessionen, den politischen Bewegungen, den politischen und kulturellen Instanzen und Vereinigungen, den rechtlich anerkannten nationalen Verbänden der Genossenschaftlichen Bewegung, den ethnischen und sprachlichen Gruppen und den anderen Gruppen von herausragendem gesellschaftlichem Interesse, welche dies erbitten, zu reservieren …“.
Auf Grundlage dieser Verordnung, die beabsichtigt, eine effektive Zugangsmöglichkeit der Einfluß-Gruppen zu den Mitteln der Massenkommunikation im Rahmen der Demokratisierung der Radio- und Fernseh-Information zu verwirklichen, legte auch die Italienische Esperanto-Föderation* ein formales Gesuch vor, darin vorschlagend, drei Debatten über die folgenden Themen zu senden: „Existiert ein Sprachimperialismus? Warum unterrichtet man in italienische Schulen nur bestimmte Sprachen?“; „Sprachenfrage im zu vereinigenden Europa und in den Beziehungen mit nicht-europäischen Ländern“; „Esperanto-Unterricht in italienischen und auswärtigen Schulen: Berichte und Ergebnisse über gemachte Erfahrungen.“
Zudem schlug man vor, einen Kurs über Esperanto in 20 bis 30 Sendungen, mit Einzeldauer zu je 30 Minuten herzustellen.
Eine für diesen Zweck bestehende Kommission ist nun dabei, die mehr als 600 Gesuche zu prüfen, welche verschiedenste Stellen und Gruppen bereits vorstellten.
Die Sendungen wurden noch nicht begonnen, doch man gab bereits eine kleine positive Reaktion auf die Bitte der Esperanto-Föderation: wahrhaftig, am 26. November 1976 auf dem Zweiten Fernsehkanal und am 6. Dezember 1976 im Radio in einer Präsentations-Sendung interviewte man jeweils Dr. Nicola Minnaja (FEI-Präsident) und Dr. Renato Corsetti, welche man befragte, wie sie planen, die Sendezeit auszufüllen, wenn man das Gesuch von FEI annehmen wird.
[:] *Federazione Esperantista Italiana (FEI) [se]
Eŭropa panoramo (Europäisches Panorama)
Pri la Esperanto-vivo en Poltavo
(Über das Esperanto-Leben in Poltawa)
Poltavo (pp) – Poltawa, die ukrainische Stadt in der Sowjetunion, ist eine historische und moderne Stadt. Im Jahr 1974 konnten die Poltawaer den 800. Jahrestag der Stadtgründung feiern, und im Jahr 1709 ereignete sich die berühmte Schlacht der Russen gegen die Schweden.
Poltawa ist das Industrie-, Wissenschafts-, Kultur- und Verwaltungs-Zentrum der Region Poltawa. Dort leben 260.000 Einwohner.
Nur der Esperanto-Klub an der Fakultät für Sozialberufe des Poltawaer Landwirtschafts-Instituts arbeitete in Poltawa bis Herbst 1975 fruchtbar. Im September 1975 unterstützte das Stadt-Komitee des Komsomol die Initiative von Esperanto-Begeisterten, einen städtischen Esperanto-Klub von Studenten, Schülern, Büroarbeitern und Arbeitern zu gründen. Die Hauptaufgabe dieses Klubs ist es, gemeinsam mit den Klubs der Internationalen Freundschaft die Freundschafts-Verbindungen mit ausländischen Gleichaltrigen auf Grundlage des sowjetischen Patriotismus und des proletarischen Internationalismus durch Esperanto-Korrespondenz“ zu entwickeln und zu vertiefen.
Direktorin Jelena Frolovna Rabotina und stellvertretende Direktorin Roza Semjonovna Miĥajlenko vom Kulturhaus der Gewerkschaften Poltawa, wo der Esperanto-Klub Poltawa seinen Platz hat, schufen alle notwendigen Voraussetzungen für ein inhaltsreiches Funktionieren des Klubs und unterstützen voll und ganz alle interessanten und notwendigen Esperanto-Unternehmungen.* So begegneten sich beispielsweise in diesem Frühling 50 Aktivisten aus 18 ukrainischen und russischen Städten der südlichen Region der Sowjetunion in diesem Kulturhaus. Und in diesem Kulturhaus ereignete sich am 15. und 16. Mai 1976 die erste Konferenz der Ukrainischen Gesellschaft der Esperanto-Aktivisten (USEA) statt. Aus diesem Anlaß wurde im Kulturhaus eine große Esperanto-Ausstellung eingerichtet.
Vasilij V. Grigorenko, Präsident des Städtischen Esperanto-Klubs Poltava, schreibt:
„Die Poltawaer Esperantisten sind allwöchentlich in Kursen aktiv, organisieren Esperanto-Ausstellungen, Fotomontagen und Stände; machen Sendungen, veröffentlichen und halten Vorträge über Esperanto und organisieren verschiedene Zusammenkünfte und Freundschafts-Abende mit Konzerten in der Sprache Esperanto; sie nehmen an Republik- und Unionsweiten Esperanto-Treffen und Seminaren teil. Beispielsweise nahmen Poltawaer dieses Jahr am ukrainischen Treffen in Donezk, am Baltischen Begegnungs-Seminar „Esperanto und Natur“-VII und am letzten 18. Sowjetischen Esperantistischen Jugend-Lager (SEJT-18) teil. Aktivisten halten in Esperanto bei wissenschaftlichen Konferenzen oft mit originellen und sehr lebhaften Themen Vorträge, wie beispielsweise „Esperanto und Kosmos“, welchen bei der wissenschaftlichen Konferenz am Poltawaer Landwirtschafts-Institut der dortige Student Petro Paŝĉenko vorbereitete und vortrug.* Und selbstverständlich korrespondieren wir nicht nur mit Gleichaltrigen aus verschiedenen Städten der Sowjetunion, sondern auch mit einer Vielzahl von Esperantisten aus fast 50 Ländern von Europa, Amerika, Australien und Ozeanien.
Die Poltawaer Esperantisten sind seit vielen Jahren in den Reihen der aktivsten in der Sowjetunion. Letztes Jahr belegten wir im Sozialistischen Wettbewerb der Esperanto-Tätigkeit der Esperanto-Klubs unseres Heimatlandes den vierten Platz und in diesem Jahr nahm der Städtische Esperanto-Klubs Poltava den ersten Platz ein. Ein großer Erfolg!“
Adresse des Klub-Präsidenten: Herr Vasilij V. Grigorenko, ul. Giolkovskogo 67, kv. 197, SU-314028 Poltawa, Ukraine, UdSSR.
Wenn Leser mit Poltawaer Esperantisten korrespondieren wollen, müssen sie an die obere Adresse schreiben!
[:] Poltawa hat eine interessante Geschichte. Ob in der Sowjetunion oder heute in der Verteidigung gegenüber Russland, immer wieder müssen sich die Einwohner gegen den Einfluß des Kreml behaupten. Oft war nur Anpassung möglich. Esperantisten wurden auf der „Grundlage des sowjetischen Patriotismus und des proletarischen Internationalismus“ ins System eingebunden. Keine wirklich guten Bedingungen. [20260916se]
Kunlaboro kun Junaj Eŭropaj Federalistoj
(Zusammenarbeit mit Jungen Europäischen Föderalisten)

Zum November-Beginn nahmen Yashovardhan und Hartmut Trunte an einem Seminar der Jungen Europäischen Föderalisten (JEF) teil, einer nicht-esperantistischen Organisation, finanziert von der Friedrich-Ebert-Stiftung, zum Thema „Die neue Weltwirtschaftsordnung“. Bei dem Seminar machten 28 Junge Menschen (16-30 Jahre alt) mit, von welchen nach einer Information 15 ausdrücklich um weitere Informationen über Esperanto baten, zwei werden mit einer Esperantisten-Gruppe der Universität Bonn in Kontakt bleiben und zwei nehmen bereits an einem Esperanto-Kurs teil. Die EGU Bonn plant, JEF fortwährend zu informieren und eine Esperantistische Interessengruppe innerhalb der JEF zu bilden, um ihnen ein Seminar über das Sprachenproblem in Europa zu organisieren. Es wäre gut, wenn Esperantisten ebenso in anderen Orten und Ländern mit JEF zusammenarbeiten würden. Erbittet Informationen vom JEF-Bundesvorstand, Arndtstr. 25, D-5300 Bonn 1 oder von JEF-Europa, 49 rue de Toulouse, B-1040 Brüssel.
Junularaj aranĝoj (Jugendveranstaltungen)
Internacia Junulara Festivalo de IEJ
(Internationales Jugendfestival der IEJ)
Leviko (pp) – Unter dem Thema „Esperanto-Unterricht gegen die soziale Diskriminierung“ wird zu Ostern diesen Jahres, vom 7. bis 11. April, in der norditalienischen Stadt Levico Terme (Levico) nahe Trient, ein internationales Jugend-Festival stattfinden, das von der italienischen Esperanto-Jugend (IEJ) eingerichtet werden wird. Informationen zum Programm, Teilnahmekosten usw. erteilt: Italienische Esperanto-Jugend, Postfach 210, I-56100 Pisa, Italien.
Über die Bedeutung dieser Veranstaltung für die jungen italienischen Esperantisten schreibt IEJ: „Für unsere Landes-Sektion und noch allgemeiner für die Zukunft der Bewegung in Italien ist es sehr wichtig, daß an dieser Zusammenkunft eine beachtliche Menge von Ausländern teilnehmen soll. Während der letzten Jahre sind in unserem Land zwei Faktoren in der Entwicklung der Jugendbewegung in Erscheinung getreten, gleichermaßen wichtige – doch gegensätzliche.
Ein sehr positiver ist die Ankunft von mehreren Jugendlichen in der Bewegung, welche in der Tätigkeit auch im internationalen Maßstab sehr wirksam mitarbeiten könnten, und deren Alter allgemein vergleichsweise recht niedrig gegenüber dem gewöhnlichen TEJO-Durchschnitt ist. Der zweite, negative Faktor entspringt aus allgemeineren Problemen von Italien (wie die Tendenz, einen Schwerpunkt um das Mittelmeer zu bilden, anstatt in Europa, und solcherart die immer schwerwiegenden Wirtschafts- und Devisenprobleme), welche die Italiener, vornehmlich die Jugendlichen, an einer Teilnahme bei internationalen Veranstaltungen hinderten und hindern, und deren natürliche Folge eine unpassende Isolation ist.*
Um diesem negativen Faktor zu kontrastieren und auf diese Weise auch der internationalen Bewegung zu gestatten, die zitierten neuen Jugendlichen zu kontaktieren, entschied die Italienische Esperanto-Jugend, dieses Festival zu organisieren.“
Während des Festivals wird auch ein internationaler Kurs für Anfänger mit je zwei verschiedenen Startniveaus abgehalten.
Prof. D-ro Helmar Frank
Pri disvastigo de la Internacia Lingvo kiel faklingvo (Zur Verbreitung der Internationalen Sprache als Fachsprache)
Helpo de la esperantistaro nepras kaj efikos (Hilfe der Esperantistenschaft ist erforderlich und wird sich auswirken)
Es gibt mindestens zwei Vorbedingungen für eine Offizialisierungs-Chance der Internationalen Sprache als neutrales Kommunikations-Mittel zumindest von der künftigen Europäischen Föderation (über deren erstes Parlament wohl schon im Mai 1978 die neun Länder der derzeitigen Europäischen Gemeinschaft abstimmen werden). Die 1. Vor-Bedingung ist eine erfolgreichere Sympathie-Werbung, bspw. mittels eines lockenden verschieden-sprachigen Europäischen Kalenders 1978 (aber selbstverständlich einschließlich der Internationalen Sprache!) oder durch Schallplatten in der Internationalen Sprache, Tonbänder usw. – geeignet für Tanzlokale. Die 2. Vorbedingung ist die Vollbringung von aufeinander abgestimmter, gleichzeitiger Weiterentwicklung sowohl auf den Gebieten des Schulunterrichts als auch der fachlichen (vor allem wissenschaftlichen) Nutzung, sowie einer politischen Unterstützung der Internationalen Sprache.
Wie wir bereits berichteten, fand vom 24. bis zum 28. November im Forschungszentrum Paderborn eine von Hermann Behrmann geleitete Interlinguistische Konferenz statt. 70 Wissenschaftler aus 14 Ländern diskutierten 5 Tage lang über eine Konstruktive Linguistik. Unser Foto zeigt: Konferenzleiter Hermann Behrmann (stehend); links von ihm Prof. Dr. István Szerdahelyi, Budapest, rechts (mit Brille) Claude Gacond, La Chaux-De-Fonds, Schweiz.
In letzter Zeit entstanden in der BR Deutschland verschiedene Versuche auf wissenschaftlichem Gebiet, die Internationale Sprache aus ihrem bisherigen Ghetto heraustreten zu lassen. Diese Bemühungen benötigen Hilfe von der weltweiten Esperantisten-Gemeinschaft; nur auf diese Weise werden die Versuche zu überzeugenden Beweisen für die Eignung der Internationalen Sprache verwandelt, anstatt zu Beweisen für ihre Nichtverfügbarkeit.
Der nicht-esperantistische Verlag Schroedel, Hannover, begann 1975, seiner deutschsprachigen Zeitschrift „Grundlagenstudien aus Kybernetik und Geisteswissenschaft“ jährlich 29,60 DM für 4 Ausgaben, zusammen mit zunächst 7 anderen Zeitschriften aus 5 Ländern einen gemeinsamen plansprachlichen Überblick „Mensch und Information“ hinzuzufügen. Inzwischen schließen sich nur allzu zaghaft andere geisteswissenschaftliche Zeitschriften an – unter ihnen bis jetzt nicht eine der International-Sprach-Zeitschriften!
In dem selben Jahr begann der Schroedel-Verlag, alljährlich einen Band einer neuen deutschsprachigen Buchreihe mit Zusammenfassungen oder kompletten Übersetzungen aller Artikel in Internationaler Sprache herauszugeben.
Bis jetzt erschien:
G. Lobin (Zusammenstellender): Kybernetik und Bildung / Kibernetiko kaj Klerigo za. 14,— DM jeder Band, welcher die 5-bändige Textsammlung (Fachtexte in 11 europäischen Sprachen) aktualisiert.
B. S. Meder / W. F. Schmid (Zusammenstellende): Kybernetische Pädagogik / Kibernetika Pedagogio, Kohlhammer-Verlag, Stuttgart, 24,— DM jeder Band.
Abschließend veröffentlichte 1976 der Europa-Klub den ersten Band der zweisprachigen „Eŭropa Serio SENNACIIGITA SCIENCO“ (Europäische Reihe NICHT-VERSTAATLICHTE WISSENSCHAFT):
H. Behrmann / S. Stimec (Zusammenstellende): Klerigo kaj Prikalkulado / Bildung und Berechnung, Verlag difo-Druck, Bamberg; 7,— DM, den ersten Teil der Vortragsreihe der Internationalen Sommeruniversitäts-Wochen des Europa-Klubs in Primošten 1976 beinhaltend.
Bisher hat unglücklicherweise der Gebrauch der Internationalen Sprache weder den Verkauf im Ausland gesteigert, noch genügend von deutschsprachigen Unterstützern der oben erwähnten Publikationen aufgerufen. Eine Verbesserung dieser Situation im Jahr 1977 ist unerlässlich, um die Fortführung und Verbreitung dieser Bemühungen sicherzustellen und um die Verwendung der Internationalen Sprache als Fachsprache zu verstärken.
Alle können helfen – selbst ohne eine Geld-Ausgabe um zu abonnieren, beziehungsweise selbst die erwähnten Zeitschriften beziehungsweise Bücher zu kaufen: Es reichte schon aus, wenn mindestens 100–200 Esperantisten in der ganzen Welt erfolgreich die von ihnen benutzten Stadt-, Universitäts-, Unternehmens- oder anderen Bibliotheken bitten würden, daß sie die erwähnten Publikationen abonnieren beziehungsweise kaufen. Die gewöhnliche Zurückweisung „weil doch leider nur allzu wenige Esperanto lesen können“ wird diesmal nicht aufkommen, weil ja die Werke teilweise national-sprachig sind und (nur oder auch) national-sprachige Titel haben. Ein zielbewusstes gemeinsames Handeln der weltweiten Esperantistenschaft wird also sicherlich etwas bewirken – und durch eine solche Ermutigung von Bibliotheken, und durch Angebotsvorschläge an geeignete wissenschaftliche Zeitschriften, am Projekt MENSCH UND INFORMATION teilzunehmen, welches von diesem Jahr an die Grundlage eines automatischen rechnergestützten Dokumentations-Systems sein wird.
Anmerkung: Die oben erwähnten Bücher sind auch bestellbar bei Ludwig Pickel, Libroservo, Postfach 2113, D-8500 Nürnberg 1.
Eŭropa Esperanto-Kongreso 1977
(Europäischer Esperanto-Kongress 1977)
27. bis 31. Mai 1977
Kongreß-Stätte: Paderhalle, Paderborn
Korrespondenzadresse des LKK: Dr. Hans Kasselmann, Falkenweg 10, D-4790 Paderborn, Telef. (05251) 61958
Kongressgebühren ab dem 1. Januar 1977
Kongressteilnehmer/in 25,— DM
Student oder Schüler 10,— DM
Ehepartner/in 15,— DM
Kind bis 15 Jahre 5,— DM
Eingeladen sind Esperantisten aus ganz Europa. Bittet um ein Anmeldeformular unter der Korrespondenzadresse des LKK.
Jahreshauptversammlung des DEB
Im Rahmen des Europäischen Esperanto-Kongresses wird sonntags, den 29. Mai, um 14 Uhr die Jahreshauptversammlung des Deutschen Esperanto-Bundes stattfinden.
Von den Entscheidungen dieser Jahreshauptversammlung werden der künftige Weg und die künftige Politik des Deutschen Esperanto-Bundes abhängen. Der bisherige Präsident des DEB, Dr. Werner Bormann, Hamburg, erklärte, daß er nicht weiterhin bereit sein wird, für diese Stelle zu kandidieren. Somit ist es erforderlich, in Paderborn einen neuen Präsidenten zu wählen.
Bereits jetzt sollen die lokalen Gruppen, die Fach-Organisationen, die Verbände und einzelne Aktive dieses erhebliche Problem diskutieren. Man suche nach geeigneten Kandidaten, und befähigte Kandidaten sollen nicht zaudern, sich selbst zu präsentieren.
Alle Mitglieder des Deutschen Esperanto-Bundes sind aufgerufen, nach Paderborn zu kommen. Das provisorische Programm ist in EER 6/76 veröffentlicht.
Pri lingvoinstruado (Über Sprachunterricht)
Berlin (pp) – Die Kommission der Europäischen Gemeinschaften favorisiert Esperanto nicht und empfiehlt den Unterricht mehrerer Nationalsprachen. Man könnte folglich meinen, daß die mittels Fremdsprache unterrichteten Schüler große Vorteile genießen, beispielsweise die jungen Berliner, welche das „Französische Gymnasium“ oder die „John-F.-Kennedy-Schule“ besuchen. Oh weh! Selbst sie nicht…
Vergangenen Monat beklagte sich der Direktor des Französischen Gymnasiums bei mir, daß die deutschen Lehrer immer mehr dazu neigen, durch ein Verwenden der deutschen Sprache anstatt der französischen gegen die Regelungen zu verstoßen. Der Lehrer für griechische Literatur hält Vorträge über Platon auf Deutsch, vortäuschend, daß sie keine französische Übersetzung dieses Klassikers fanden…
Bezüglich des fälschlich behaupteten gemeinsamen Unterrichts Angehöriger verschiedener Sprachen zitiere ich nur einen Artikel aus der Berliner Zeitung „Der Abend“ (22.12.1976) über das John-F.-Kennedy-Gymnasium: „In den Klassen dieser Oberschule, wenige Fächer ausgenommen, unterrichtet man getrennt. US-Amerikanische Lehrer stehen vor US-amerikanischen Schülern, deutsche Lehrer vor deutschen Schülern. Man behauptet insbesondere, daß die Sprachkenntnisse auf diesem Niveau der Bildung bereits nicht mehr ausreichen, um beispielsweise schwierige naturwissenschaftliche Themen zu erklären.“
Louis Beaucaire
Lingvo-orientiĝa instruado (Sprachorientierter Unterricht)
Paderborn (pp) – In der pädagogischen Zeitschrift „aula“, Nr. 2/1976 (Verlag Ihl & Co, D-8630 Coburg) erschien ein interessanter deutschsprachiger Artikel von Prof. Dr. Helmar Frank mit dem Titel „Sprachorientierungs-Unterricht nach dem Paderborner Modell“.
Das Paderborner Modell, welches eine bildungs-technologische und Lehrplan-Rationalisierung des Unterrichts von Fremdsprachen thematisiert, basiert auf einer audiovisuellen (objektivierten) Methode (Schulungs-Automat Robbimat II) und dem Sprachmodell Esperanto.
Till Eulenspiegel en Esperanto
(Till Eulenspiegel in Esperanto)

Der Verlag Bleicher, Gerlingen, welcher im vergangenen Jahr das deutschsprachige Taschenbuch „Mein geliebtes Esperanto“ aus der Feder von Richard Schulz herausbrachte, kündigt das baldige Erscheinen der Esperanto-Übersetzung von Till Eulenspiegel
entsprechend der Ausgabe von 1515 mit 87 Holzschnitten an. Dieses von Richard Schulz übersetzte Buch wird eine Rarität für Buchliebhaber sein.
Interessenten können das Buch vorbestellen bei Ludwig Pickel, Libroservo, Postfach 2113, D-8500 Nürnberg 1.
 [Redakciaj notoj (Redaktionelle Anmerkungen)]
Europa ist in erster Linie ein Kontinent, also ein geografischer Begriff. Westeuropa, Osteuropa, Südeuropa und Nordeuropa schließen jedoch bereits politische und wirtschaftliche Inhalte ein. Aber zur Gesamtheit von Europa verbindet sich auch eine bestimmte Kultur.
Gegenwärtig benutzt man den Ausdruck „Europa“ nicht mehr nur in den traditionellen Bedeutungen. Man spricht über einen Europäischen Rat, über eine Europäische Wirtschafts-Gemeinschaft, über eine Europäische Freihandels-Assoziation usw. Und immer zielt man auf einen anderen europäischen Teil Europas ab, niemals auf die Gesamtheit. Andererseits schließt die Europäische Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit die USA und Kanada ein.
Auch im Esperanto-Milieu verwendet man das Beiwort „europäisch“ reichlich. Man spricht beispielsweise von einem Europäischen Esperanto-Kongreß, obwohl es tatsächlich nur ein Drei-Länder-Kongreß ist. Man spricht über ein Europäisches Esperanto-Zentrum, obwohl diese Einrichtung nur auf die neun Länder der Europäischen Wirtschafts-Gemeinschaft abzielt. Seit nunmehr zwei Jahren existiert noch ein anderer „Europaismus“, eine Europäische Esperanto-Zeitschrift, welche Barbara Pietrzak in einer ihrer Rezensionen jener Zeitschrift im Polnischen Radio mit einem „stolzen Namen“ betitelte, und irgendwo schrieb ein jugoslawischer Esperantist, daß eine „Europäische Esperanto-Revue“ nicht benötigt wird.
Tatsache ist, daß eine Europäische Esperanto-Bewegung nicht existiert. Es gibt in Europa nur einzelne im Esperanto-Weltbund vereinigte Esperanto-Landes-Verbände, und irgendwo in den Niederlanden ein mehr oder weniger gut funktionierendes Europäisches Esperanto-Zentrum, von ein paar Esperanto-Landes-Verbänden auf die Welt gebracht, die sich jedoch nach der Geburt nur wenig um ihr Kind sorgen.
Leider handelt die Welt und somit auch Europa noch nicht entsprechend universellen oder internationalen Kategorien, sondern noch in den etablierten nationalen Rahmen. Dies wurde soeben von Herrn Sidet, Abteilungsleiter für Information bei der Europäischen Kommission in Brüssel, unterstrichen, als er sagte, daß nicht die Kommission, sondern die Mitgliedstaaten zur Entscheidung ermächtigt sind. Um Esperanto vorzuschlagen, ist der parlamentarische Weg die alleinige Prozedur. Und es ist bekannt, daß nur nationale Parlamente existieren. Ob sich 1978, wenn ein „Europäisches Parlament“ gewählt wurde, etwas wesentlich ändern wird, wird allein die Zukunft zeigen.
In Osteuropa verwendet man den Ausdruck „europäisch“ seltener. Dort finden regelmäßig „Konsultationen von Vertretern der Esperanto-Vereine und -Organisationen in europäischen sozialistischen Ländern“ statt. Der letzte, der 9., ereignete sich gerade in Moskau.
Was bezweckt also unter solchen Umständen eine „Europäische Esperanto-Revue“? Schon der Untertitel „Unabhängige internationale Zeitschrift“ gibt eine teilweise Antwort. Diese Revue identifiziert sich daher nicht mit irgendeiner organisierten europäischen Esperanto-Bewegung oder mit einer der verschiedenen europäischen Gesellschaften, Vereinigungen oder europäischen Tendenzen. Die Europäische Esperanto-Revue zielt faktisch auf die ureigene geografische Tradition ab. Sie möchte das Magazin für alle einzelnen in Europa lebenden und Esperanto sprechenden Menschen sein. Dennoch übersieht das Magazin nicht den Fakt, daß dieser Kontinent in politische und ideologische Stücke zerteilt ist.
Inhaltlich möchte sich das Magazin nicht auf Esperanto-Themen begrenzen. Es will eine Kultur-Zeitung in einem umfassenden Sinne werden, in Form einer Zeitschrift. Das ferne Ziel besteht darin, daß es als eine normale Zeitschrift unter der europäischen Presselandschaft anerkannt sei, mit dem Unterschied, daß es in Esperanto erscheint.
Ob das Magazin erfolgreich sein wird, ob es alles in allem gebraucht wird und erforderlich ist, darüber entscheiden die Leser. Ich lade euch daher ein, die Revue für das Jahr 1977 zu abonnieren. Die Abonnementgebühr für 8 Ausgaben beträgt 16,– DM oder den Gegenwert.
Ludwig Pickel
Redakteur und Herausgeber
[:] „Andererseits schließt die Europäische Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit die USA und Kanada ein.“ Bis heute wird unter Europa recht verschiedenes verstanden. Ist es nicht höchste Zeit, etwas aufzuräumen und die Kompetenzen klarer zu verteilen? Wir brauchen eine weltweite Vereinigung, die auch ohne UNO handlungsfähig ist. Dies sind wir der menschlichen Zivilisation und der Aufklärung schuldig. Angesichts der katastrophalen Politik der USA bewirbt sich Kanada um eine Sondermitgliedschaft in der EU. Es ist sicher richtig und nachvollziehbar, daß sich die Willigen Staaten enger organisieren wollen und müssen. Trotzdem sollte dabei der europäische Rahmen nicht gesprengt werden. Unter anderem um eine Übersichtlichkeit zu bewahren und inner- wie außer-europäische Staaten nicht zu vermischen, besteht nun mein Vorschlag, den Europarat umzuwidmen, umzubenennen und für alle Staaten weltweit zu öffnen, soweit sie mit unseren Werten übereinstimmen. Der Europarat bietet für diesen Zweck eine ideale Grundlage. Viele Regelungen sind bereits problemlos auf alle Beteiligten anwendbar. Auf notwendige Reformen werden sich letztlich alle einigen können.
Nach dem Ersten Weltkrieg entstand die Liga der Nationen (Völkerbund). Auch dort war das Macht-Verhältnis zwischen den National-Staaten und der gemeinsamen Organisation zu definieren. Wie beim Nachfolger UNO behielten die einzelnen Staaten sehr viel Spielraum. Es ist klar, daß die gemeinsame Ebene in einem geeinten Europa dagegen deutlich mehr Kompetenzen haben muß, damit das System ausgewogen funktioniert. Vielleicht hatte Zauner selbst noch 1936 in dem einen Punkt recht, daß vor dem Aufbau des Völkerbundes zuerst eine Organisierung von Europa hätte stehen sollen. „In Genf sollte man aus dem Völkerbund das s.g. Europäische Komitee herausoperieren. …. Die Schaffung eines Europäischen Zentrums wäre weitaus wichtiger und dringender gewesen als die des Völkerbundes.“
„Tatsache ist, daß eine Europäische Esperanto-Bewegung nicht existiert.“ Das ist für Europa eine Tragödie. In der Geschichte wären viele Opfer vermieden worden, hätte es eine ausgebaute europäisch orientierte Esperanto-Bewegung gegeben. Und auch heute sorgt dieses Manko dafür, daß uns Feinde weiter spalten und ihr Krieg auf diese Weise nicht rechtzeitig gestoppt werden konnte. Ansätze für eine solche Bewegung gibt es natürlich. Die Krise könnte mehr Menschen zum Nachdenken bringen. Dies ist die Hoffnung.
„Ob sich 1978, wenn ein „Europäisches Parlament“ gewählt wurde, etwas wesentlich ändern wird, wird allein die Zukunft zeigen.“ Die heutige Zukunft zeigt ein Parlament, das von vielen Einwohnern Europas noch nicht gleichwertig angenommen wird. Man identifiziert sich weiterhin hauptsächlich über Nation, sowie Region. Ob die Krise in Form des Krieges zu mehr dauerhafter Einheit Europas führen wird, wird sich zeigen. Eigentlich ist die Herausbildung dieser Einheit in Friedenszeiten die Aufgabe von Esperanto.
„Die Europäische Esperanto-Revue zielt faktisch auf die ureigene geografische Tradition ab.“ …. und bleibt damit leider hinter dem UŜE-EĤO mit seinen europapolitischen Forderungen, wie auch mit den vielfältigen europäischen Themen zurück. Trotzdem war die Eŭropa Esperanto-Revuo ein insgesamt noch zu wenig beachteter Leuchtturm der Proeuropäischen Bewegungen. [20260920se]
UŜE-EĤO: TRANSPLANTO / EŬROPA CENTRO
„Europäisches Komitee herausoperieren …. Europäisches Zentrum wichtiger und dringender als Völkerbund“
Josef Zauner UŜE-EĤO 1936 -29- (Majo)
Esperanto 1977
Informationen, Ratschläge, Empfehlungen
Herausgeber: Ludwig Pickel, Libroservo, Postfach 2113 D-8500 Nürnberg 1
Was ist Esperanto?
Esperanto ist die von dem polnischen Augenarzt Dr.L.L. Zamenhof vor 90 Jahren geschaffene Internationale Sprache „Lingvo Internacia“. Durch zahlreiche Sprecher und Anhänger in aller Welt ist Esperanto zu einer lebenden Sprache geworden. Esperanto hat sich zu einer Kultur- und Literatursprache entwickelt.
Der Erfolg der Eperantosprache gründet sich auf ihre regelmäßige Grammatik mit nur 16 Grundregeln, auf ein ausgeklügeltes System von Wortbildungssilben, mit deren Hilfe aus Wurzelwörtern neue Begriffe gebildet werden können, und auf ihren internationalen Wortschatz. Eine kurze Einführung in den sprachlichen Aufbau des Esperanto bietet das achtseitige Informationsblatt „Internationale Sprache Esperanto“.
Was will Esperanto?
Die Internationale Sprache Esperanto will als zweite Sprache für jedermann neben der Muttersprache die durch die Nationalsprachen verursachten Sprachgrenzen überwinden. Esperanto will die vielfältigen internationalen Beziehungen erleichtern und zu einer echten Völker- und Menschenverständigung beitragen.
Esperanto will jedoch die Muttersprachen nicht verdrängen. Im Gegenteil! Internationale Schulversuche, die auch zur Zeit wieder durchgeführt werden, beweisen, daß die Kenntnis des Esperanto eine gute Grundlage für das Erlernen anderer Sprachen darstellt und zum besseren Verstehen der eigenen Muttersprache, besonders bei Volksschülern, beiträgt.
Wie lernt man Esperanto?
Esperanto ist verhältnismäßig leicht zu erlernen. Es ist jedenfalls leichter als jede andere Sprache.
Kurse führen Esperanto-Vereinigungen und z.T. auch Volkshochschulen durch. Erkundigen Sie sich bei Ihrer örtlichen Volkshochschule oder bei der nächstgelegenen Esperantogruppe. (Suchen Sie im Telefonbuch unter dem Stichwort „Esperanto“!)
Esperanto kann aber auch im Selbstunterricht leicht erlernt werden. Bei entsprechender Ausdauer und nötigem Interesse werden sich bald gute Ergebnisse einstellen. An Lehrbüchern für Deutsche stehen z.Zt. zur Verfügung:
Esperanto einmal anders, ein Lehrbuch für Anfänger von W. Auld. Das Buch enthält Erläuterungen in Deutsch, ein Wörterverzeichnis und zur Kontrolle die Übersetzungen der Übungen. (Die Druckfehler in dem neuerschienenen Lehrbuch sollten ernsthafte Schüler nicht stören, da sie in einer beigefügten Liste berichtigt sind!) Auf Wunsch begleitet den Schüler eine Unterrichtsberatung durch Libroservo Pickel. Bedingungen auf Anfrage!
Esperanto programita, eine programmierte Einführung in die Esperanto-Sprache von Hermann Behrmann, 4 Hefte und 4 Schallplatten. Es können jedoch auch die Hefte allein bezogen werden.
Das Taschenwörterbuch Esperanto-Deutsch von Krause wird für das Lesen von Esperanto-Texten nützlich sein.
Das kleine Wörterbuch „Wörter der Gegenwart“ Deutsch-Esperanto von Hans Wingen bietet eine Auswahl von aktuellen Wörtern und Begriffen.
Preiswerten Lesestoff für den Anfänger bietet die Zeitschrift für Schüler „Juna Amiko“, von der bereits 9 Nummern erschienen sind.
Die romantische Erzählung „Aus dem Leben eines Taugenichts“ von Joseph von Eichendorff liegt in einer Esperanto-Übersetzung unter dem Titel „El la vivo de Netaŭgulo“ vor.
Obige Bücher können bei Ludwig Pickel, Libroservo, Postfach 2113, D-8500 Nürnberg 1, bezogen werden. Dort sind weitere Informationen über Lehr-, Wörterbücher, sowie Esperantoliteratur aus aller Welt erhältlich.
Esperanto-Prüfungen
Wer Esperanto gelernt hat, kann eine Prüfung beim Deutschen Esperanto-Institut ablegen. Auskunft erteilt: Deutsches Esperanto-Institut, Fachleiter für das Prüfungswesen, Gerald Tucker, Trettachstraße 34, D-8900 Augsburg, Telefon (0921) 64665.
Allgemeine Informationen
Wenn Sie sich noch nicht entschließen können, Esperanto zu lernen, aber den Wunsch verspüren, über Esperanto mehr zu erfahren, so empfehlen wir Ihnen das aktuelle Taschenbuch „Mein geliebtes Esperanto“ von Richard Schulz, erschienen im Bleicher-Verlag. Das Buch, das bei vielen Lesern begeisterte Zustimmung fand und dem Esperanto neue Freunde zuführte, trägt den Untertitel „Wege zum Verständnis und zur Praxis der Internationalen Sprache“. Erhältlich bei Ludwig Pickel!
Weitere Informationen vermitteln folgende Broschüren:
Von der Utopie zur Wirklichkeit – Die Geschichte der Plansprachen von Dr. Arthur Baur, 10×21 cm, brosch., 23 Seiten
Die Broschüre enthält u. a. folgende Beiträge: Das Sprachenproblem in der heutigen Welt; Warum eine Internationale Sprache? Interlinguistik und Plansprachen; Hundert Jahre Esperanto.
Grundsätzliches über die Internationale Sprache Esperanto; Lapenna, DIN A 5, 20 Seiten
Die Einigung Europas und ihr Sprachenproblem; Dr. Werner Bormann, DIN A 5, 12 Seiten
Das Problem der Kommunikation in der Welt; Dr.G.F. Makking, DIN A 5, 20 Seiten
Sprachwissenschaftliche Überlegungen zur Frage der leichten Erlernbarkeit des Esperanto, Prof. Dr. Max Mangold, Universität des Saarlandes, DIN A 5, 12 Seiten
Internationale Sprache Esperanto, Kurzer Sprachabriß; DIN A 5, 8 Seiten (Staffelpreise auf Anfrage!)
Esperanto-Veröffentlichungen
Eŭropa Esperanto-Revuo, eine Esperanto-Zeitschrift aus Nürnberg, erscheint 8mal jährlich
Pilo-Press, Internacia Informservo, erscheint wöchentlich in Esperanto
Esperanto-Nachrichten-Dienst (END), deutsch, erscheint zweimal monatlich
Die Esperanto-Bewegung, einige nützliche Anschriften:
Deutscher Esperanto-Bund e.V., Sekretariat, Lambertstraße 12, 6430 Bad Hersfeld
Esperanto-Weltbund (UEA), Rotterdam, Hauptdelegierte für die Bundesrepublik Deutschland, Frau Elisabeth Hirsch, Lambertstraße 12, 6430 Bad Hersfeld
Bund Deutscher Esperanto-Lehrer, Riemekestraße 62, 4790 Paderborn
Internationaler Bund der Esperanto-Lehrer, Helmut Sonnabend, Im Eckerkampsfeld 11a, 3161 Dollbergen
Vereinigung Deutscher Eisenbahner-Esperantisten, Sekretariat, Schmittingheide 17d, 4400 Münster
Deutsche Esperanto-Jugend, Brinker Damm 24, 4401 Westbevern
SAT, Sennacieca Asocio Tutmonda, 67 avenue Gambetta, F-75 Paris 80
Internationale Christliche Esperanto-Liga, Deutsche Sektion, Frau Hella Lanka, 2000 Hamburg 71, César-Klein-Ring 14
Internationale Katholische Esperanto-Vereinigung, deutscher Vertreter: Gerhard Vogel, Rothenkrugerstr. 1, 5000 Köln 30
Einige Esperanto-Veranstaltungen 1977
Europäischer Esperanto-Kongreß 1977, Pfingsten. Anschrift: Dr. Hans Kasselmann, Falkenweg 10, 4790 Paderborn
Esperanto-Weltkongreß 1977, Reykjavik, Island, 30.07. bis 06.08.1977 Anschrift: UEA, Nieuwe Binnenweg 176, Rotterdam 3002, Niederlande
Internationaler SAT-Kongreß 1977, 30.07.—05.08.1977 in Augsburg. Auskunft durch Hermann Schmid, Alte Reichsstr. 31f, 8901 Steppach
Esperanto im Rundfunk
Eine Anzahl von Rundfunkanstalten in aller Welt senden regelmäßig Programme in Esperanto. In Mitteleuropa und vor allem in Deutschland sind gut zu empfangen: ORF Wien, Kurzwelle (Samstag und Sonntag je 10 Minuten); ORF Regional, UKW und Mittelwelle (donnerstags 5 Min.); Peking, Kurzwelle (freitags und samstags je 20 Min.); Rom, Kurzwelle (sonntags, 20 Min.); Radio Vatikan (sonntags 10 Min.); IBRA-Radio (Evangelischer Sender) Kurzwelle (dienstags 15 Min.); Warschau, Mittelwelle und Kurzwelle (täglich dreimal je ½ Stunde); Schweizerischer Kurzwellendienst, Kurzwelle (täglich je 10 Min. außer Sonntag); Radio Zagreb, Mittelwelle (freitags 20 Min.).
Anschriften der Sendeanstalten
mit Esperanto-Programmen

ORF, Esperanto-Redaktion, A-1136 Wien, Osterreich
Radio Peking, Esperanto, Peking, China
Radio Roma, Esperanto, C.P.320, 1-00182 Roma, Italien
Pola Radio, Esperanto-Redakcio, P.O.B.46, PL-00-950 Warszawa 1, Polen
Schweizerischer Kurzwellendienst, Esperanto, CH-3000 Bern 15, Schweiz
Radio Zagreb, Esperanto, YU-41000 Zagreb, Jugoslawien
Radio Vaticana, Redacione Centrale, Esperanto, Città del Vaticano
IBRA-Radio, Box 396, S-101 25 Stockholm, Schweden
Schreiben Sie an die Sendeanstalten und bitten Sie um das kostenlose Programmheft. Eine ausführliche Liste mit den Sendezeiten und Wellenlängen wird regelmäßig in der Eŭropa Esperanto-Revuo veröffentlicht. Eine deutschsprachige Liste kann bei Ludwig Pickel, Postfach 2113, D-8500 Nürnberg 1, gegen Rückporto angefordert werden.
Allgemeine Hinweise
Wegen Auskünfte über Mitgliedschaft usw. bei den einzelnen Esperanto-Organisationen wenden Sie sich bitte direkt an diese, deren Anschriften oben ersichtlich sind.
Bestellungen für Esperanto-Lehrmaterial, Literatur, Zeitschriften usw. sowie sonstige Anfragen richten Sie an Ludwig Pickel, Libroservo, Postfach 2113, D-8500 Nürnberg 1. Bitte legen Sie Ihren Anfragen nach Möglichkeit Rückporto bei!
Aus der Geschichte des Esperanto
1887 Dr. Zamenhof gibt in Warschau das erste Lehrbuch seiner „lingvo internacia“ heraus. Es enthält die 16 Regeln, Übungstexte und Liste mit 917 Wörtern.
1889 In Nürnberg erscheint am 1. September die erste Esperanto-Zeitschrift mit dem Namen „La Esperantisto“.
1905 In Boulogne-sur-Mer, Frankreich, findet der erste Esperanto-Weltkongreß mit 688 Teilnehmern aus 20 Ländern statt. Die französische Regierung ernannte Dr. Zamenhof zum Ritter der Ehrenlegion.
1905 La Fundamento de Esperanto, bestehend aus Antaŭparolo, Gramatiko, Ekzercaro und Universala Vortaro, herausgegeben von Dr. Zamenhof und anerkannt vom 1. Esperanto-Weltkongreß, wird zur unantastbaren sprachlichen Grundlage.
1906 In Braunschweig wird der Deutsche Esperanto-Bund gegründet.
1908 Der Esperanto-Weltbund (Universala Esperanto-Asocio) mit seinem weltweiten Delegierten-System wird gegründet.
1922 Der Völkerbund anerkennt Esperanto als alleinige Welthilfssprache.
1923 In Nürnberg findet der 15. Esperanto-Weltkongreß mit 5000 Teilnehmern statt.
1925 Der Internationale Fernmeldeverein anerkennt Esperanto als „klare“ Sprache. Damit wird Esperanto zum Telegrafenverkehr zugelassen.
1954 Die UNESCO anerkennt in der Resolution von Montevideo, daß die durch Esperanto erzielten Ergebnisse mit den Zielen und Idealen der UNESCO übereinstimmen. Zwischen der UNESCO und dem Esperanto-Weltbund werden „beratende Beziehungen“ aufgenommen.
1959 Anläßlich seines 100. Geburtstages wird Dr. Zamenhof, der Autor der Internationalen Sprache, von der UNESCO als eine der großen Persönlichkeiten der Menschheit geehrt.
1966 Der Esperanto-Weltbund überreicht der UNO eine Petition, in der sich 920.954 Einzelpersonen und 3843 Organisationen mit mehr als 71 Millionen Mitgliedern für die Einführung des Esperanto aussprechen.
1970 Der österreichische Bundespräsident Franz Jonas eröffnet mit einer Ansprache in Esperanto den 55. Esperanto-Weltkongreß in Wien. Jonas sagte u. a.: „Welchen Beweis für die Eignung des Esperanto benötigen die Zweifler noch? Nur die eigene Erfahrung statt eines dummen Vorurteils!“
1974 59. Esperanto-Weltkongreß in Hamburg unter der Schirmherrschaft von Bundesminister Helmut Rohde. Bundeskanzler Helmut Schmidt widmete dem Kongreß ein Grußwort, in dem er u.a. erklärte: „Ich selbst halte es als Politiker für eine besonders wichtige Aufgabe, die Menschen — nicht nur in diesem Lande — von der Notwendigkeit einer gemeinsamen international gültigen Sprache zu überzeugen.“
1975 Seit Februar führt das Forschungs- und Entwicklungszentrum für objektivierte Lehr- und Lernverfahren (FEoLL) eine Voruntersuchung zum Sprachorientierungs-Unterricht in der Grundschule durch (Paderborner Modell). Als Sprachmodell wird Esperanto verwendet.
1976 Europäischer Esperanto-Kongreß in Eindhoven, Niederlande.
61. Esperanto-Weltkongreß in Athen, Griechenland.
1977 Europäischer Esperanto-Kongreß in Paderborn.
62. Esperanto-Weltkongreß in Reykjavik, Island.
Internationaler Schulversuch „Esperanto in der Grundschule“ in Westeuropa.
Radio Vatikan führt Esperanto-Sendung ein.
Eŭropa Esperanto-Revuo 1977 01 
[:] Auch wenn angenommen wird, es handele sich um die Januar-Ausgabe, erscheinen darin Meldungen zu späteren Ereignissen. Bei der Herausgabe der letzten Ausgaben traten Verzögerungen ein. [se]
cdeli.org Erscheinungsdaten GER EER
Eŭropa Esperanto-Kongreso 1977
(Europäischer Esperanto-Kongreß 1977)
27. bis 31. Mai 1977
Kongreß-Stätte: Paderhalle Paderborn
Programm
Sonnabends, 28.05.1977
10:00–11:00 Uhr Platzkonzert vor dem Rathaus
Empfang beim Bürgermeister
13:30–14:20 Eröffnung des Kongresses
14:30–17:00 Uhr Möglichkeit zur Teilnahme an einer Veranstaltung des Europa-Klubs mit Vorträgen zum Thema „Ist Unterprivilegierung durch sprachliche Diskriminierung der Preis für die europäische Vereinigung“?
17:00–18:00 Uhr Sitzung des GEI-Kuratoriums
17:30–18:30 Uhr Zusammenkunft zur Frauen-Aktion
17:30–19:00 Uhr Fachtreffen zu Wörterbuch und Lehrbuch
20:00 Uhr Kongreß-Ball mit Tombola
Sonntags, 29.05.1977
09:00–10:00 Uhr Treffen von KELI und IKUE
10:00 Uhr Gottesdienst unter freiem Himmel
11:00–12:00 Öffentliche Informierung über Esperanto
Zusammenkunft der Ludwig-Zamenhof-Gesellschaft
12:00–13:00 Uhr Vorstandssitzungen, Sitzung von AGEI/ILEI
14:00–16:00 Uhr Jahres(haupt)versammlungen von L.E.E.N., LEA, DEB
16:30 Uhr Filme und andere Unterhaltungs-Darbietungen
20:00 Uhr Festabend
Montags, 30.05.1977
09:00–13:30 Uhr Ausflug zum Hermannsdenkmal und zum Teutoburger Wald
15:00 Uhr Sitzung zur Resolution an Europäische Kommission und Parlament auf Initiative des EEC
15:30 Uhr Diskussion über verschiedene Themen, u.a. über den stattfindenden und sich künftig ereignende Kongresse
20:00 Uhr Folklore-Abend
Dienstags, 31.05.1977
09:00 Uhr Ganztägiger Ausflug ins Weserbergland
Kleiner Sonderpostschalter
In der Kongreß-Stätte ist sonnabends 12:00 bis 18:30 Uhr und sonntags 10:00 bis 14:00 Uhr ein kleiner Sonderpostschalter* mit speziellem Sonderstempel in Betrieb.
Salutvorto de ĉefministro Heinz Kühn
(Grußwort von Ministerpräsident Heinz Kühn)
Aufruf zur praktischen Arbeit
Grußwort
Heinz Kühn, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, widmete dem Europäischen Esperanto-Kongreß 1977 in Paderborn folgendes Grußwort:
„Der Europäische Esperanto-Kongreß findet zu meiner Freude in diesem Jahr in Nordrhein-Westfalen statt. Sicherlich nicht zufällig wurde Paderborn gewählt, die jüngste Großstadt unseres Landes, die in diesem Jahr ihr 1200jähriges Bestehen feiert.
Bereits in meinem Grußwort zum Esperanto-Kongreß 1976 in Eindhoven habe ich die unbestrittene Bedeutung Ihrer Organisation für die Völkerverständigung hervorgehoben.
Vielleicht sollte bei Ihrer diesjährigen Zusammenkunft ein politischer Aspekt besondere Beachtung finden. Noch immer sprechen die Politiker der europäischen Staaten von einer nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch politischen Einigung — wohingegen die Wirklichkeit vielfach anders aussieht. Eigene Interessen und kleinlicher Hader scheinen oft die Gemeinsamkeit in weite Ferne rücken zu lassen. Betrachten Sie es als Ihre Aufgabe, auf dem Gebiet der sprachlichen Verständigung zwischen den Völkern und besonders zwischen den europäischen Staaten praktische und damit auch politische Arbeit zu leisten.
So wird es Ihnen gelingen, Ihre Idee noch stärker im Bewußtsein der Bevölkerung zu verankern.
Ich wünsche den Freunden des ESPERANTO einen guten Aufenthalt in diesem Land und viel Erfolg bei der Durchführung des Kongresses.
Heinz Kühn
Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen“
Trilanda Esperanto-renkontiĝo
(Drei-Länder-Esperanto-Treffen)

Lüttich (pp) – Am 17. April fand das Esperanto-Dreiländertreffen von Esperantisten aus den Grenzregionen Belgien, Niederlande und Deutschland im Schloss Wegimont in der Region Lüttich statt. Anwesend waren za. 100 Personen, unter ihnen fast über die Hälfte Jugendliche. Eine erwähnenswerte Sache, da man oft Beschwerden hört, daß in unserer Bewegung Jugendliche fehlen würden. Die Esperanto-Gruppe Verviers, welche das Treffen sehr gut organisierte, verdient den Dank der Teilnehmer!
EER prezentas (EER präsentiert)
Triksini (Trixini)
La pastro kun la sorĉbastono
(Der Priester mit dem Zauberstab)
Trixini erregt in Esperantujo (Esperantien) mehr und mehr Aufsehen, als ob es ein Bote der Internationalen Sprache wäre, insbesondere im geistlichen Umfeld. Die Teilnehmer des diesjährigen Europäischen Esperanto-Kongresses in Paderborn werden die Gelegenheit haben, sich mit ihm bekannt zu machen. Wer ist also Trixini?
Unter dem Pseudonym „Trixini“ verbirgt sich Hansjörg Kindler, Priester der deutschsprachigen Pfarrgemeinde in Luxemburg und Zauberer „mit dem blauen Stein“. Er ist Deutscher und wurde am 3. September 1933 in Villingen geboren. Sein Examen machte er in der berühmten Schule Schloss Salem, und genau da, in dieser Schule lernte er Esperanto kennen. Bereits nach einer Woche konnte er das erste Esperanto-Buch lesen und verstehen. Ab dieser Zeit verließ ihn die Liebe zu Esperanto nie wieder. Doch bereits in der Schule machte er seine ersten Schritte in anderen Feldern, nämlich jene des Puppentheaters und der Zauberei.
Er wollte professioneller Puppenspieler werden und begann ein Germanistikstudium an der Universität Erlangen. Doch nach zwei Semestern entschloss er sich – gegen den Willen seines Vaters – Priester zu werden und er begann ein Theologiestudium. 1962 wurde er zum Priester geweiht.
Auch nach seiner Priesterweihe spielte er mit kirchlicher Genehmigung weiterhin Puppentheater und seine Zauberkunst.
Nach einem Priesterdienst in Weinheim und Säckingen geht Hansjörg Kindler nach Luxemburg und wird dort Priester der deutschsprachigen Beamten-, Bankiers- und Religionslehrer an der Europäischen Schule. In Luxemburg kontaktiert er die dortige junge Esperanto-Bewegung und zelebriert im Europäischen Haus den ersten Esperanto-Gottesdienst im Beisein von 60 Jugendlichen aus 12 Ländern. Er wurde Vizepräsident des Luxemburger Esperanto-Verbandes.
In der vergangenen Zeit hielt er mit großem Erfolg viele Vorträge über Esperanto, er schreibt und veröffentlicht Artikel in vielen Zeitschriften, Radio Luxembourg interviewte ihn gerade zu Esperanto und er gab eine Schallplatte mit Geistlichen Liedern heraus.
Hansjörg Kindler initiierte freiwillige Esperanto-Kurse an der Europäischen Schule in Luxemburg und die Ausgabe von Prospekten auf Esperanto über Luxemburg und einige „Holiday Inn“-Hotels.
Wenn Trixini einen Nachfolger für seine Priester- und Religionslehrerämter gefunden hat, wird er bereit für neue Esperanto-Werke sein. Und vielleicht wird Luxemburg, wo er auch künftig bleiben wird, zu einem echten europäischen Esperanto-Zentrum werden. Obwohl Trixini auch seine Zauberkunst und sein Puppenspiel fortführen wird, auf dem Feld der Esperanto-Tätigkeit wird er keine künstlichen Mittel benutzen. Wir werden also noch oft von Trixini oder Hansjörg Kindler und seinen Werken hören!
[Letero de la prezidanto de GEA
(Brief des Präsidenten des DEB)] 12. März 1977
Sehr geehrter Herr Pickel,
für Ihre langjährige Herausgabe der „Germana Esperanto-Revuo“ und danach der „Eŭropa Esperanto-Revuo“ auf Kommission oder als Organ des DEB danke ich Ihnen vielmals, jetzt, wo diese Zusammenarbeit beendet wurde. Das von Ihnen gemachte und mit Ihren Ideen geprägte Magazin war über einen langen Zeitraum unserer Esperanto-Geschichte ein wichtiges Sprachrohr und ein kultureller Wertgegenstand. Ich danke Ihnen auch, daß ich in Ihrem Organ viele Artikel erscheinen lassen konnte. Über die „Germana Esperanto-Revuo“ begann ich meinen Weg in die Esperantisten-Leserschaft. Und es waren wir beide, Sie als risikobereiter Unternehmer und ich als Präsident der Vereinigung, die den Weg der Privatisierung eines derartigen Organs beschritten – gegen viele Angriffe und Missverständnisse. Auch jetzt bin ich der Ansicht, daß dieser Weg richtig war. Bedauerlicherweise war Ihr Erfolg, eine Leserschaft außerhalb der Mitgliederschar des DEB zu erhalten, nicht so groß, daß sie eine stabile Geschäftsbasis ermöglichte.
Ich bin überzeugt, daß unsere beiden – auseinander gehenden – Wege richtige sind: Wir haben ein schlichtes Informationsblatt, das „bulteno“, was eine organisatorische Notwendigkeit ist, und wir können eine „Eŭropa Esperanto-Revuo“ in einem zu den finanziellen Möglichkeiten harmonischen Rhythmus erscheinen lassen. Ich weiß nicht, was die Jahreshauptversammlung in Paderborn beschließen wird. Eine „Revue Esperanto“ ist eine sehr kostspielige Angelegenheit. Ich war ja immer ein Protagonist eines Vereins-Haushalts, dessen Hauptanteile „Information“ u.ä. sind; der Verbrauch eines großen Prozentsatzes aus den Einnahmen für eine Zeitung (oder für ein Büro) war für mich immer unbefriedigend. Seinerzeit, als Sie noch als Generalsekretär des DEB gearbeitet haben, waren Sie in dieser Angelegenheit mit mir gleicher Meinung. Hoffentlich werden Sie nach Paderborn kommen, um dort über all diese Fragen miteinander zu diskutieren.
Mit wiederholtem Dank grüße ich Sie herzlich
Ihr Bormann
Eŭropa panoramo (Europäisches Panorama)
Marinko Gjivoje
Svisaj spertoj (Schweizerische Erfahrungen)
Marinko Gjivoje aus Zagreb, ein bekannter jugoslawischer Esperantist, Lexikograph, Schriftsteller, Journalist und Archäologe, verweilte kürzlich für einige Tage in der Schweiz. Über den Zweck seines Besuchs und über seine Erfahrungen erzählt er selbst in dem folgenden Bericht:
Vom 20. bis 26. März hielt ich mich in der Schweizer Stadt La Chaux-de-Fonds auf, gelegen auf einer Höhe von 1100 m und 40.000 Einwohner habend. Die Stadt ist in diesem Land eines der wichtigsten Esperanto-Zentren. Dort befindet sich ein Esperantistisches Kulturzentrum, welches Kurse in Schulen, Studienwochenenden und einen Fernkurs (300 Kursteilnehmer) organisiert und einen ergiebigen Buchdienst, einen Verlag und eine Gastwirtschaft Edmond Privat besitzt.
Ich besuchte auch Bern, wo mich Herr Claude Gacond im Namen des Schweizer Kurzwellenradios zu drei verschiedenen Themen interviewte, die im April ausgestrahlt wurden. Wie bekannt, sendet das Schweizer Kurzwellenradio Programme in Esperanto aus.
Ich erhielt Einblick in eine facettenreiche Aktivität des Esperantistischen Kulturzentrums, in die Tätigkeit der Kommission „Esperanto in den Schulen“, die hauptsächlich ihr Sekretär, Lehrer Olivier Tzaut durchführt, und in eine modellhafte Verwaltung und Registrierung aller Esperantisten in der Schweiz nach verschiedenen Kategorien usw., und ich kann beteuern, daß sie dies nicht dilettantisch, sondern nach modernen Methoden tun. Dies gilt insbesondere für Studienwochenenden für Fortgeschrittene, während man sie in einem sehr friedlichen Stadtteil, umgeben von Wald, zu maximal 10 Kursteilnehmern in Studienrunden zusammenfasst, damit sie mithilfe von programmierter, audiovisueller und dramatischer* Unterrichtung abwechslungsreiche schriftliche und mündliche Übungen entwickeln.* Unter dem selben Dach befinden sich Klassenzimmer, eine Buchdienst, 1-4-Bett-Zimmer und eine Küche.
Kurz gesagt, es hat sich vollständig gelohnt, die Schweiz zu besuchen, weil meine Schweizer Erfahrungen für mich und die Bewegung in beiden Ländern sehr förderlich waren.
[:] Beitrag Stark gekürzt. „…. nicht dilettantisch, sondern nach modernen Methoden ….“ Bitte beachten, daß die Definition des Dilettantismus und des Dilettanten nicht so negativ behaftet ist, wie die Begriffe umgangssprachlich benutzt werden. [se]
de.wikipedia.org Dilettant
Saluton, Amikoj (Hallo, Freunde)
Dies ist kein gewöhnlicher Artikel; erstmals schreibt man in Esperanto-Sprache in dieser Zeitung. Wir sehen euch schon eure Augen öffnen und fragen, ob es die finnische, polnische oder russische Sprache ist… „Irrtum ist menschlich.“
Aber es ist bereits jetzt sehr gut, daß einige Schüler/innen diesen Artikel werden lesen können. Dies hier ist das Ergebnis der Geduld von Herrn Drabs, welchen wir begrüßen.
Er gab uns einige Adressen auf der ganzen Welt, um mit anderen Esperantisten zu kommunizieren. Also, wir wissen nicht, warum wir geschrieben haben, deshalb halten wir hier an. Es war nur um zu beweisen, daß es möglich ist, in der Schülerzeitung Esperanto zu schreiben.
Nochmals ein großes Dankeschön, vielen Dank an Herrn Drabs! Wenn ihr es machen wollt wie wir, zögert nicht! Vergesst eure Muttersprachen, um nicht zu krokodilieren, und kommt mit uns!
Bis Mittwoch, 3. Stock
Klassenzimmer von Hrn. Drabs, um zwei und ein Viertel.
Christine und Barbara 7°FB
Wir möchten noch Godelieven dafür danken, weil sie dies geschrieben hat; es wäre schwierig für die Redaktion, uns zu lesen, vor allem in einer Sprache, welche sie jeder Glaubwürdigkeit nach nicht verstehen!
Esperanto-libroj el la Esperanto-Eldonejo Ludwig Pickel
(Esperanto-Bücher vom Esperanto-Verlag Ludwig Pickel)

[La lerneja instruado de la Internacia Lingvo
(Die Schul-Unterrichtung der Internationalen Sprache)

Dr. I. Szerdahelyi, brosch., 30 S. 3,50 DM]
Al la legantoj (An die Leser)
In Ausgabe 7–8/76 veröffentlichten wir eine umfangreiche Rubrik „Esperanto im Radio“. Auch in dieser Ausgabe erscheinen von neuem interessante Texte aus Esperanto-Sendungen. Die Redaktion der Eŭropa Esperanto-Revuo wird gerne eine Meinung der Leser zu solchen Rubriken erfahren. Schreibt also eure Vorschläge, Kommentare und Meinungen an die Redaktions-Adresse.
Eŭropa Esperanto-Revuo 1977 02 
[:] Auch wenn angenommen wird, es handele sich um die Februar-Ausgabe, erscheinen darin Meldungen zu späteren Ereignissen. Bei der Herausgabe der letzten Ausgaben traten Verzögerungen ein. [se]
cdeli.org Erscheinungsdaten GER EER
EŬROPA ESPERANTO-KONGRESO

(EUROPÄISCHER ESPERANTO-KONGRESS)
Varia kaj alloga programo
(Ein abwechslungsreiches und verlockendes Programm)

320 Kongressteilnehmer aus 9 Ländern in Paderborn
Titelbild
Auf dem Podium der Kongreß-Stätte sitzen während der Eröffnung u.a.: Dr. Hans Kasselmann, LKK-Vorsitzender, Dr. Humphrey Tonkin, UEA-Präsident, A. Wickler, Präsident des Luxemburger Esperanto-Verbandes, Dr. Werner Bormann, Präsident des DEB, J. Calado, Präsident des Niederländischen Esperanto-Verbandes „LEEN“ (von links).
Touristisches, Folklore, Sonnenschein-Wetter und der immer und überall schwebende Geisteswitz von Trixini charakterisierten den diesjährigen Europäischen Esperanto-Kongreß in Paderborn zu Pfingsten, zu welchem 320 Esperantisten aus 9 Ländern kamen. Tatsächlich handelte es sich nur um einen Dreiländer-Kongreß, da ihn offiziell nur die Landesverbände von Luxemburg, der Niederlande und der Bundesrepublik Deutschland stemmten.
Kongreß-Eröffnung
Nur 50 Minuten waren für die Kongreß-Eröffnung am Sonnabend, dem 28. Mai, vorgesehen. Nach vom Präsidenten des Lokalen Kongresskomitees Dr. Hans Kasselmann vorgebrachten Willkommens-Worten begrüßten die Verbandspräsidenten Dr. Werner Bormann (Deutscher Esperanto-Bund), Herr J. Calado (Niederländischer LEEN-Verband) und Herr A. Wickler (Luxemburger Esperanto-Verband) den Kongreß, die Orts- und Kreisvertreter und den Präsidenten des Esperanto-Weltbundes, Dr. Humphrey Tonkin.
In einer kurzen Rede präsentierte Dr. Tonkin seine Ideen und Gedanken zu den ihm zufolge „drei Europas“: Das Europa der Neun, Westeuropa und der Kontinent Europa.
Vertreter der Stadt und des Kreises überbrachten Grüße und Glückwünsche, Vizebürgermeister Wilhelm Lücke für die Stadt und Kreisdirektor Joseph Köhler für den Kreis Paderborn.
Rahmenprogramm
Das Rahmenprogramm des Kongresses war reichhaltig, abwechslungsreich und verlockend: Der Kongressball mit Liedern in Esperanto und einer Tombola, der Folklore-Abend mit guten Darbietungen von verschiedenen Folkloregruppen. Ein Höhepunkt des Kulturprogramms war zweifellos der Internationale Festabend. Die deutschen Sänger-Geschwister Kleine aus Hövelhof sangen sich insbesondere durch ihre in Esperanto gesungenen Schlager wahrhaftig in die Herzen der Kongressteilnehmer. Ein ungewöhnlicher, begeisterter Applaus dankte ihnen und das sicherlich mit Recht!
Kombiniert mit Lichtbildern trug Frau M. Schmid, Augsburg, den Zauberlehrling von Goethe in Esperanto vor und Paderborner Esperantisten präsentierten das historische „Paderborner Uhrenspiel“.
Doch sicher beherrsche der magische Geist von Trixini den Internationalen Festabend. Seine Magier-Meisterschaft, sein fließendes perfektes Esperanto und sein lebhafter Kontakt mit dem Publikum garantierten den Erfolg.
Andere Programmteile waren das öffentliche Platzkonzert vor dem Rathaus, der Empfang beim Bürgermeister, der Gottesdienst unter freiem Himmel, zelebriert von Priester Hansjörg Kindler (Trixini) und natürlich die Ausflüge.
In der Kongreß-Stätte Paderhalle, gelegen in einer grünen Umgebung, wo während spätabendlicher Stunden Nachtigallen reizend sangen – gewiss ein Kongreß-Novum –, war ein spezielles Postamt in Betrieb, welches einen Anlassbezogenen Poststempel mit Esperanto-Text verwendete. Über die Verkaufserfolge waren die Postangestellten zufrieden: Sie verkauften Briefmarken in einem Wert von einigen Tausend Mark. Ebenso reibungslos verliefen in der Kongreß-Stätte ein umfangreicher, reichhaltiger Bücherstand vom Libroservo Ludwig Pickel, Nürnberg, eine Ausstellung über Esperanto und eine Ikonenausstellung von Frau Katharina Peters Sitnikov.
Arbeitssitzungen
Eine zentrale Arbeitssitzung, beispielsweise über europäischen Angelegenheiten, fand faktisch nicht statt. In diesem Sinne konnte der Kongreß nach unserer Meinung nicht zufriedenstellen, man diskutierte und akzeptierte auch keine Resolution. Es fanden mehr oder weniger große Sitzungen und Zusammenkünfte zu verschiedenen Themen statt, bspw. über Lehrbücher, das Deutsches Esperanto-Institut, die Zamenhof-Gesellschaft u.a. Die drei Landesverbände hielten ihre Jahres-Versammlungen ab.
Die für Sonnabend Nachmittag festgesetzte Veranstaltung des „Europa-Klubs“, welcher ja keine Esperanto-Organisation ist, konnte den Veranstalter und die Mitwirkenden nicht zufriedenstellen. Allerdings verursachte sie Verdruss bei verschiedenen Seiten und Personen, und scheinbar verfehlte man das Thema, welches ja „Ist Unterprivilegierung durch sprachliche Diskriminierung der Preis für die europäische Vereinigung“? war.
Dank an das LKK
Der Kongreß wurde von Mitgliedern der Esperanto-Gesellschaft Paderborn vorbereitet und organisiert, die nicht identisch mit dem Esperanto-Zentrum Paderborn ist.
Die Mitglieder des Lokalen Kongreß-Komitees waren:
Hr. Dr. H. Kasselmann, Präsident
Fr. T. Lawerino, Kassiererin
Fr. M. Hardes, Mitglied
Hr. H. Vorsmann, Mitglied
Hr. F. Peters, Mitglied
Hr. R. Ricken, Mitglied
Dank an sie und an alle Nichtgenannten, auch an Familienangehörige, die miteinander zu einem erfolgreichen, angenehmen und harmonischen Verlauf des Kongresses verholfen haben.
Ehrenkomitee
Der Kongreß unterstützen durch Mitgliedschaft im Ehrenkomitee nachstehende Persönlichkeiten aus 4 Ländern:
Hr. C. Laban Jr., Mitglied des Europäischen Parlaments, Rotterdam
Hr. J. H. C. Molenaar, Präsident der Europäischen Bewegung in den Niederlanden
Hr. D. S. Clarke, Bürgermeister von Bolton, Partnerstadt von Paderborn, Großbritannien
Hr. Robert Jarry, Bürgermeister von Le Mans, Partnerstadt von Paderborn, Frankreich
Hr. Herbert Schwiete, Bürgermeister von Paderborn
Hr. J. Girgensohn, Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen.
Grußworte
Verschiedene Persönlichkeiten widmeten dem Europäischen Esperanto-Kongreß in Paderborn schriftliche Grußworte. Das Grußwort von Ministerpräsident Heinz Kühn veröffentlichten wir bereits in der vergangenen Ausgabe der Europäischen Esperanto-Revue.
Grußwort von Minister Genscher
Der Minister des Auswärtigen der BR Deutschland, Hans-Dietrich Genscher, richtete an den Kongreß nachstehendes Grußwort:
„Die Esperanto-Vereinigungen bemühten sich jederzeit aktiv um das Ziel der Verständigung der Völker.
In aufrichtiger Wertschätzung dieser Bestrebungen wünsche ich dem diesjährigen Europäischen Esperanto-Kongreß einen guten Verlauf.“
Die Grüße des Erzbischofs
Auch der Erzbischof von Paderborn widmete dem Kongreß ein schriftliches Grußwort. Er schrieb:
„Als Erzbischof von Paderborn begrüße ich die Freunde der Internationalen Sprache aus verschiedenen Ländern herzlich in der Jubiläumsstadt.
Eine gemeinsame Zweitsprache für alle vermag die Menschen einander anzunähern. Über Jahrhunderte hatte das Lateinische diese Aufgabe in der Kirche und hat sie teilweise auch noch heute. Dennoch stellt sich die Kirche nicht gegen dem Fortschritt. Esperanto könnte das Latein für alle sein, und es hat bewiesen, daß es lebt. Deshalb freue ich mich besonders, daß die Christen während dieses Europäischen Pfingst-Kongresses in unserer Bischofsstadt auch in dieser gemeinsamen Sprache Gott preisen, daß sie gemeinsam die Eucharistie zelebrieren, beten und singen und im Gespräch von Mensch zu Mensch ihre brüderliche Solidarität mit allen zeigen, die guten Willens sind.
Immer mehr der Verantwortlichen in der Kirche sagen: Esperanto ist eine gute Sache!
Ich wünsche dem Kongreß viel Erfolg und der Internationalen Sprache weitere Verbreitung.
Johannes Joachim
Erzbischof von Paderborn“
Weitere Grußworte überbrachten der Dekan des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn, Superintendent Helmuth Koegel-Dorfs, der Gründungsrektor der Gesamthochschule Paderborn, Friedrich Buttler, u.a.
[:] Jede Gesellschaft filtert vor, bevor sie Themen als die ihren akzeptiert. Auf diese Weise finden sich dann recht oft nur spezielle Bürger, die dann zu Esperantisten werden. So gibt es u.a. bei ihnen eine Häufung von Pazifisten, was ja um Grunde nicht schlecht ist. Doch sollte allen klar sein, daß man sich verteidigen muß, selbst wenn man die dafür notwendigen Mittel nicht mag. Jedenfalls scheint es an der Zeit, daß sich neue Bürger für Esperanto finden, die zugleich eine proeuropäische Prägung mitbringen und die nicht eine vermeintliche „Freizeitbeschäftigungs-Gemeinde“ repräsentieren wollen. Aus diesem zur Zeit eher rudimentär vorhandenen Teil der Esperantistenschaft würde zwangsläufig wieder, so wie wohl ursprünglich intendiert, ein offensichtlich politisch motivierter Teil einer Esperanto-Bewegung entstehen.
Ein Bewusster Europäer erwartet von einem Europäischen Esperanto-Kongreß die intensive Bewältigung des eigentlichen Themas. Bei einem solchen Arbeitstreffen sollten Tourismus und Unterhaltung zweitrangig sein. Hätte ich angesichts der Verantwortung, die hinter der Sache steht, ausgelassen Schlager hören können oder wollen? Natürlich ist nichts gegen „ent-spannende Unterhaltung“ einzuwenden. Doch stelle ich mir eher eine Situation wie bei einem Parteitag vor. Daß es dafür in unseren zersplitterten europäischen Gesellschaften nicht genügend aktive Bürger gibt, ist nicht einfach die Schuld der Esperantisten, der Proeuropäer oder gar derer, die logischerweise diese beiden Dinge kombinieren. Viele Einwohner Europas laufen vermeintlich einfachen Lösungen hinterher und fallen in der Folge massenhaft auf nationale populistische Führer herein. Bei uns muß man dagegen zuerst über mehrere Schritte weit nachdenken, um die eigentlich einfachen Lösungen zu finden. Zu vielen Bürgern aller Schichten ist das zu anstrengend. [20260923se]
Jarĉefkunveno de GEA
(Jahreshauptversammlung des DEB)
Im Rahmen des Europäischen Esperanto-Kongresses fand in Paderborn die Jahreshauptversammlung des Deutschen Esperanto-Bundes statt. Mit großer Neugier und Anspannung erwartete man deren Ergebnisse. Die Bedeutung dieser Zusammenkunft unterstreicht die Tatsache, daß 135 Mitglieder, 530 Stimmen vertretend, zugegen waren.
Es ist nicht unsere Absicht, detailliert über den Ablauf dieser Jahresversammlung zu berichten; die DEB-Mitglieder werden darüber im Bundes-Bulletin lesen können. Uns interessieren hier zwei Tagesordnungspunkte: die Wahl eines neuen Präsidenten und die künftige Revue für die DEB-Mitglieder.
Nun ja, der Zeitschriften-Punkt wurde relativ schnell gelöst. Die Versammlung nahm den neuen Haushaltsplan und damit auch die Revue „Esperanto“ der UEA an. Ob das die richtige Entscheidung war, wird die Zukunft entscheiden. Es ist sicherlich nicht erfreulich, aber es gab offenbar keine andere Lösung!
Weniger schnell und weniger leicht war die Prozedur zur Wahl eines neuen Präsidenten. Der Reihe nach schlugen einige einen Kandidaten vor, und jeder von den vorgeschlagenen lehnte ab. Dieses „Vorschlagspiel“ dauerte ziemlich lange, bis man eine Wahlkommission erwählte und die Versammlung unterbrach. Nach Wiederaufnahme präsentierte Heinrich Nischwitz, DEB-Schatzmeister, den Vorschlag des Vorstands, nämlich Frau Elsbeth Bormann, die Ehefrau des bisherigen Präsidenten Dr. Werner Bormann, welcher wohl nicht mehr bereit war, für diese Funktion zu kandidieren. Und nun willigte Frau Bormann ein, zu kandidieren und die Versammlung konnte ihre Entscheidung treffen.
Die Wahl hatte folgendes Ergebnis: Ja 353, Nein 58, Enthaltungen 118; eine Stimme war ungültig.
Mit einer Mehrheit wurde Frau Elsbeth Bormann zum neuen Präsidenten des Deutschen Esperanto-Bundes gewählt. Die Wahl wurde geheim mit Stimmabgabe-Mitteln durchgeführt. Jeder konnte also ungeniert seine Meinung mittels Stimmabgabe-Mitteln ausdrücken; es war eine demokratische Wahl.
In den nunmehr neunköpfigen Vorstand wählte man außerdem: Herrn Heinrich Nischwitz, Herrn Hermann Heiß, Frau Elisabeth Hirsch, Herrn Richard Hirsch, Herrn Helmut Klünder, Herrn Franz Kruse, Herrn K. Trimborn und Herrn Hermann Behrmann.
Wir gratulieren Frau Bormann, dem neuen DEB-Präsidenten, und wünschen ihr Kraft und Glück für ihre schwierige Aufgabe, den Verband in die offenkundig neue, möglicherweise experimentelle Ära zu führen.
Der kommende Deutsche Esperanto-Kongreß wird in Augsburg zu Pfingsten 1978 stattfinden, zu dem die Esperanto-Gruppe Augsburg eingeladen hat.
Ehrungen
Die Jahreshauptversammlung des DEB drückte gegenüber Dr. Werner Bormann, welcher über 10 Jahre den Verband anführte, ihren Dank aus, daß er während dieser langen Zeit seine Intelligenz, Energie und Freizeit dem Wohl des Verbands widmete. Die Verdienste um den Fortschritt des Vereins und der deutschen Esperanto-Bewegung anerkennend, übergab Vizepräsident Hermann Heiß dem Präsidenten Dr. Werner Bormann das Ehrenabzeichen des DEB „Für das Verdienst“.
Diese Ehrung kennzeichnet dennoch nicht den Endpunkt der Esperanto-Tätigkeit von Dr. Bormann. Wie bekannt, ist er bereits seit einigen Jahren Vizepräsident des Esperanto-Weltbundes und Funktionär in anderen Organisationen. Dr. Bormann ist auch Mitglied der Esperanto-Akademie.
Das Ehrenabzeichen des DEB „Für das Verdienst“ wurde auch überreicht an
Hrn. Heinrich Nischwitz, langjähriger Vizepräsident des DEB, derzeitiger Schatzmeister, Esperantist seit 1923, und
Hrn. Ludwig Pickel, ehemaliger Generalsekretär des DEB, Leiter des Esperanto-Zentrums Nürnberg und Herausgeber der Eŭropa Esperanto-Revuo.
Esperanto en Radio (Esperanto im Radio)
Ĝeneralaj rimarkoj (Allgemeine Bemerkungen)
Der Erfolg der Esperanto-Sendungen hängt von vielen Faktoren ab, sowohl seitens der Redaktionen als auch seitens des Esperanto-Publikums. Ob die Programme interessant und gut oder uninteressant und schlecht sind, dies verantworten die Redaktionen. Aber indirekt können auch die Zuhörer die Qualität der Programme beeinflussen, nämlich durch Reaktionen, durch Kritik oder Zustimmung, durch Vorschläge und Empfehlungen. Dennoch muß sich jeder Kritiker bewusst sein, daß es eine Grenze für seine Kritik gibt. Es hat keinen Sinn, bspw. politische Programme zu verurteilen oder zu fordern, daß das Programm nur aus Themen zu Esperanto-Angelegenheiten bestehen soll. Die Esperanto-Bewegung besitzt keine eigenen Radiostation und jede Redaktion von Esperanto-Sendungen muß seine von der Leitung der betreffenden nationalen Radiostation festgelegte Aufgabe erfüllen. Und nur die Programme und Themen in diesem festen Rahmen können das Ziel der Reaktionen der Zuhörer sein.
Wenn die Esperantisten die bisherige Position von Esperanto im Rundfunk behalten oder diese Position sogar verbessern wollen, dann muß die Zahl der Zuhörer anwachsen und ebenso die Zahl der Korrespondenzen und Berichte zur Hörbarkeit.
Radio Varsovio (Radio Warschau)
Zu wenig von den Hörern gewürdigt werden die Esperanto-Eckchen im Rahmen nationalsprachiger Programme. Die Ecken im deutschsprachigen Programm, insbesondere morgens um 6.50 Uhr, sind sehr gut hörbar, auf der selben Welle wie das Esperanto-Programm um 6.00 Uhr (Welle 49 m). In einer dieser kleinen Ecken rezensierte Barbara Pietrzak die 1. Ausgabe 1977 von EER sehr positiv und unterstrich die Verbundenheit der Eŭropa Esperanto-Revuo und Pilo-Press zum Phänomen „Esperanto en Radio“. Die kleinen Esperanto-Ecken Jerzy Grums vom 19. und 26. Juni waren im Grunde Mini-Audio-Ausgaben der Pilo-Press-Nr. 23 und 24 1977.
UEA-prezidanto pri la Esperanto-elsendoj
(UEA-Präsident zu den Esperanto-Sendungen)
Wir zitieren aus dem Briefkasten von Radio Rom: Aus den USA sendete Dr. Humphrey Tonkin, Präsident der UEA, einen sehr interessanten Brief: „Als Vorstandsmitglied der UEA für Kultur habe ich ein starkes Interesse an der Entwicklung von Esperanto im Radio. Die Radioprogramme in Esperanto repräsentieren eines der wertvollsten Lernmittel der gesprochenen Sprache, und sie sind eines der Felder, auf welchen Esperanto beachtlichen Rückhalt genießt. Folglich hat die UEA eine gewisse Verantwortung, ihr Möglichstes zu tun, der Esperantisten-Gemeinschaft die Existenz jener Radioprogramme ins Bewusstsein zu bringen, sowie die Inbetriebnahme und die Errichtung von Programmen in Esperanto zu erleichtern. Ich habe den Eindruck, daß im jetzigen Moment die Qualität unserer Programme nicht immer erstrangig ist, die Zuhörerschaft nicht ausreichend groß ist, und wir das Medium allgemein nicht genügend ausnutzen. Selbstverständlich informiert die UEA ihre Mitglieder über verfügbare Programme, doch würden wir es schätzen, unsere Tätigkeit auf diesem Feld zu intensivieren, wenn wir nützlich sein könnten.
All dies – fährt der Brief Dr. Tonkins fort – ist ein ziemlich langes Vorwort zu meinem spezifischen Ersuchen. Das Thema des 62. Esperanto-Weltkongresses in Reykjavík ist „Das Recht auf Kommunikation“. Obwohl unser Hauptinteresse eine allgemeine Behandlung dieser Frage sein wird, also außerhalb der Esperanto-Bewegung, werden wir auch die Gelegenheit ergreifen, um die hauptsächlichen Kommunikations-Mittel der Esperantisten zu betrachten, also beispielsweise die Zeitungslandschaft, Verlage, Radio usw. Falls Dr. Antonio De Salvo nach Reykjavík kommen wird, würde er dann bereit sein, eine Diskussionsrunde über Esperanto im Radio zu leiten? Das Ziel der Sitzung würde sein, die Stärken und Schwächen der derzeitigen Situation zu erklären und zu definieren und Vorschläge zu einem eventuellen Handeln in der Zukunft zu machen, ob innerhalb der UEA oder ob außerhalb von ihr.
Gänzlich unabhängig davon, ob Dr. De Salvo nach Reykjavík kommen wird oder nicht, würde er möglicherweise bereit sein, als Berater der UEA zu agieren, zu Fragen, welche sich auf das Esperanto-Radio beziehen? Es ginge um eine Sammlung von Ideen und Anregungen unserer Mitglieder und um eine Ausarbeitung (und eventuell einer Realisierung) von spezifischen Plänen der UEA über eine Tätigkeit auf diesem Feld.“
Antwort von Dr. De Salvos: Er wird bedauerlicherweise nicht nach Reykjavík fahren, aber er wird gern ein Referat zusenden und akzeptiert, ein Berater für Esperanto im Radio zu sein.
Radio Vatikana (Radio Vatikan)
Intervjuo kun pastro Kindler (Interview mit Priester Kindler)
Am Sonntag, dem 5. Juni 1977, um 21:05 Uhr sendete Radio Vatikan (RV) ein Interview mit Priester Hansjörg Kindler, Luxemburg (PK), welches wir hier folgend veröffentlichen:
RV: Anlässlich eines sehr kurzen Besuchs des katholischen Priesters, Esperantisten und sogar Zauberers Pfarrer Kindler in Rom, luden wir ihn in unser Studio A für ein paar Fragen ein.
Lieber Pfarrer Kindler, bekannter als Trixini, die Presse spricht seit einiger Zeit oft über Sie und Sie reden auch viel über sie. Was sind nach Ihrer Meinung die Motive dieses wechselseitigen Interesses?
PK: Sicher, es ist interessant, wenn ein Priester auch ein Künstler, Zauberer und Puppenspieler ist. Und mein Erzbischof sagt, daß die Menschen während der zwei Stunden, wenn sie vor meiner Bühne sitzen, nicht irgendetwas schlechtes tun. Sie staunen und lachen und vergessen die alltäglichen Sorgen. Wir Priester müssen ja doch Diener der Freude sein. Und seit einiger Zeit nutze ich nun die Internationale Sprache, um als Priester und Künstler mehr Menschen zu erreichen, und dafür interessieren sich die Zeitungen sehr.
RV: Und Ihre allernächsten Absichten?
PK: Ich werde bald für die Esperanto-Arbeit in der Kirche freigestellt. Bis jetzt war ich Priester in der Europäischen Pfarrgemeinde und Professor für Religion an der Europaschule in Luxemburg, eines der drei offiziellen Europäischen Zentren. Und daher habe ich genug Erfahrungen um Sprachprobleme. Wir haben ja sechs Amtssprachen und die siebente, Griechisch, steht vor der Tür.
Ich werde nun ein Esperanto-Zentrum errichten, ich werde die Heilige Messe zelebrieren, ich werde Artikel schreiben, ich werde religiöse Bücher und Schallplatten herausgeben, ich werde Vorträge halten und bin überzeugt, daß ich Tausende von Menschen für die Idee einer internationalen neutralen Sprache gewinnen kann. Denn keine Nationalsprache hat die Chance als zweite gemeinsame Sprache in Europa und in der Welt. Ich freue mich sehr, daß ich die Möglichkeit habe, nach Paderborn, Reykjavík und Częstochowa zu diesen wichtigen Esperanto-Kongressen zu fahren.
RV: Das Land, in welchem Sie wohnen und arbeiten, ist eines der kleinsten der Welt. Kann man aus ihm ein wirksames Wort der Einheit und des Friedens hören?
PK: Das Großherzogtum ist eines der kleinsten, hat aber die gleichen Rechte unter den neun Staaten der Europäischen Gemeinschaft. Und man hört die Stimme jenes kleinen Mitglieds, die Stimme der Politiker, und ich hoffe, daß man auch die Stimme der Esperantisten in diesem Land hören wird. Ich lehre die Internationale Sprache bereits an der Europaschule mit Schülern aus vielen Staaten und immer mehr Personen nehmen an Esperanto-Kursen teil. In diesem wahrhaftigen Turm zu Babel, im Herzen von Europa, versteht man nun besser, daß eine einfache, neutrale Zweitsprache für alle dabei helfen kann, alsbald ein Verständnis untereinander, eine Einigkeit und Frieden zwischen den Menschen und Staaten zu verwirklichen.
[:] Diese Ausgabe befasst sich intensiv mit vielen Auslandsrundfunk-Stationen, der Themenbereich Internationaler Radioempfang wird hier jedoch deutlich gekürzt wiedergegeben. Leider ist dieses Thema wenig bekannt, aber doch interessant und umfangreich. Selbst das Internet kann den direkten freien weltweiten Empfang von Radiostationen nicht ersetzen, zumal es diese Programmform mit ihren Inhalten praktisch nicht mehr gibt. Bis um die Jahrtausendwende konnte man sich z.B. in Deutsch Sendungen aus vielen Ländern anhören. Für Esperantisten war das Medium aber eben auch hilfreich. Heute existiert noch ein gewisses Echo aus der großen Radiozeit im Internet. Übrigens ist dort oben genannte Barbara Pietrzak immer noch aktiv. [20260924se]
pola-retradio.org Polnisches Radio Esperantosendungen
[Eŭropa Esperanto-Revuo
Abonnementgebühr 16 DM]
Gastlaboristoj postulas rajtojn
(Gastarbeiter fordern Rechte)
Ende Mai fand in Turin der dritte Europäische Kongreß der Gastarbeiter, und zwar der Arbeiter, welche in ein anderes Land wanderten, statt. Ein Aufruf an das künftige Europäische Parlament wurde gebilligt, damit es die Herausarbeitung einer internationalen Satzung zu Gastarbeitern anrege (es gibt hierzu ein italienisches Projekt und ein vom Europäischen Rat genehmigtes Abkommen). In Anbetracht dessen, daß das Europäische Parlament im kommenden Jahr gewählt werden wird, müssen die Parteien dringend das Problem des Schutzes von Auswanderern in ihre Programme einbringen.
Die vom Kongreß verabschiedeten Resolutionen bestehen auf einem Kerngedanken: Migration darf nicht als Grund für eine Reduzierung von Menschenwürde betrachtet werden; und der Arbeitnehmer muß im Herkunftsland und in jenem des Aufenthalts die gleichen Rechte genießen, nicht nur im Arbeits-Bereich, sondern auch im gesellschaftlichen und politischen Leben. Für den Schutz der Rechte von Gastarbeitern ist die Anerkennung der politischen Rechte grundlegend wichtig: die Vereinigungs-, Meinungsäußerungs-, Propagandafreiheit und die Betätigung in der Politik.
Der Kongreß adressierte auch einen Aufruf an jene Länder wie Italien und Spanien, die nicht nur die Abwanderung ihrer Bürger erleben, sondern auch ausländische Arbeitskräfte und Studenten beherbergen. Es gibt in Italien fast 200.000 afrikanische Arbeiter und Studenten, und Isidor Rukiva, der sie in Rom repräsentiert, beschrieb ihre Bedingungen mit den selben Ausdrücken, welchen Italiener, Spanier, Türken und Griechen benutzten, um über ihre Erfahrungen in der Schweiz, Deutschland, Großbritannien und Schweden zu sprechen. Im wesentlichen summiert sich alles in einem Wort: ein Abweichen aus der Gesellschaft. Die Charta der Rechte von Wander-Arbeitern und -Studenten muß die Integrierung in die Strukturen der gastgebenden Länder begünstigen, nicht die Assimilation, welche eine ganz andere Angelegenheit ist. Unter den Hauptanforderungen ragen Wohnräume und Schulen heraus.
Text von Fagioli, Übersetzung von Antonio De Salvo, Radio Rom.
[:] Die Welt hätte längst ein Problem weniger, wenn überall Esperanto auf dem Stundenplan stehen würde. Wer sich dann neu in einem Land aufhält und die Nationalsprache noch nicht beherrscht, kann sich trotzdem schon auf Augenhöhe verständigen. Logisch.
In unserer krisengeschüttelten Zeit ist die Bewältigung des Themas Einwanderung eine große Herausforderung. Schließlich zeigen sich eine Reihe von Staaten uns gegenüber immer offener feindselig. Sie machen sich uns zum Feind. Einwanderer aus solchen Ländern sind einerseits tatsächlich politisch Verfolgte, doch gleichermaßen kommen Vertreter jener dort dominanten Ideologien zu uns. Sicher unter ihnen auch manche, die nicht wirklich frei in ihren Handlungen sind. Wir müssen also differenzieren und dabei allen, die uns irgendwie missionieren oder anders schwächen wollen, zeigen, wie sie in unseren Gesellschaften, auch in der zu schaffenden europäischen, leben sollen. Und falls sie sich strafbar machen, müssen sie der Tat entsprechend bestraft werden. Alle Bürger sind tatsächlich gleich zu behandeln. [se]
Ĉu Budapeŝto denove enkondukos Esperantajn elsendojn? (Wird Budapest von neuem Esperanto-Sendungen einführen?)
Budapest (pp) – Anlässlich eines Aufenthalts in Budapest besuchte Dr. J. Kondor, Neuwied, am 14.04.77 das Studio von Radio Budapest. Er hatte eine Unterredung mit dem Abteilungsleiter des Ungarischen Rundfunks über die Programme für Ungarn im Ausland, Herrn Gáti. Über diesen Besuch und die Unterredung schreibt Dr. Kondor:
„Herr Gáti begrüßte uns herzlich und hörte bereitwillig meine Erfahrungen bezüglich der verschiedenen Esperanto-Sendungen an und war aufrichtig erstaunt, als er mein wiedergegebenes* Tonband mit dem Programm des polnischen Radios über meine Tätigkeit für Leprakranke und danach jene von Radio Vatikan anhörte, in welcher Radio Vatikan meine Aktivität zugunsten von Radio Vatikan lobte… Ich präsentierte ihm alles mit meinem Telka-Radio, welches ich mit nach Ungarn brachte und überall den Menschen zeigte, welche die moderne Technik mögen. Natürlich warb ich gleichzeitig ausgezeichnet für Esperanto! Nach der Präsentation der sehr gut gelungenen Tonbandaufnahme regte ich natürlich Herrn Gáti an, ähnlich zu handeln wie der Polnische Rundfunk und Radio Vatikan, und die nette Antwort war: Oh ja, ich würde Esperanto gerne wieder beim Ungarischen Rundfunk akzeptieren, jedoch selbst der erste Versuch scheiterte wegen eines Fehlens einer genügend jungen Stimme… Ihm zufolge passen alte Stimmen nicht für eine Ausstrahlung… Nach einer weiteren Diskussion versprach Herr Gáti, mit der Ungarischen Esperanto-Vereinigung Kontakt aufzunehmen und von ihr geeignete ‚Kräfte‘ für die eventuelle Einführung von Esperanto zu erbitten.“
Eŭropa panoramo (Europäisches Panorama)
Komuna kulturvespero de la vienaj esperantistoj kun la Societo (Gemeinsamer Kulturabend der Wiener Esperantisten mit der Gesellschaft)
„Österreich – Deutsche Demokratische Republik“
Wien (pp) — Sehr nah den fast schon luxuriösen, dennoch uns schon vertrauten Säle des Polnischen Kulturinstituts und ebenso wie jene am Fuße der Anhöhe, auf welcher entzückend die gotische Kirche Sankta Maria Surborda steht, befinden sich auch die Klubräumlichkeiten der Gesellschaft „Österreich – Deutsche Demokratische Republik“, Salzgries 17. Es ist kleiner, weniger luxuriös, dennoch ausgezeichnet ausgestattet und wirklich komfortabel. In ihrer intimen Atmosphäre kamen am Sonnabend Abend des 19. März 85 Menschen zusammen, die Mehrheit Esperantisten, aber auch eine zufriedenstellende Zahl von nicht-esperantistischen Gästen – selbst aus Belgien und Schweden.
Es handelte sich um einen vom „Österreichischen Esperanto-Verband“ und der „Gesellschaft für internationale Verständigung – Esperanto-Freunde“* mit der „Gesellschaft Österreich – Deutsche Demokratische Republik“ gemeinsam organisierten Kulturabend. Angestrebt war die Informierung über das wirtschaftliche, kulturelle – insbesondere esperantistische – Leben in der Deutschen Demokratischen Republik für alle, sowie Hinweisen und Informierung über die Internationale Sprache für die nicht-esperantistischen Mitglieder der gastgebenden Gesellschaft. Dieses Ziel erreichte man zweifellos, nicht nur dank der lehrreichen Farbtonfilme – einer von ihnen esperantosprachig –, sondern vor allem wegen der ansprechenden Worte von Dr. Ludwig Berg, dem netten Funktionär der Gesellschaft und wegen des realistischen Vortrags von Herrn Franz Haiderer über die Tätigkeit der Esperantisten in der Deutschen Demokratischen Republik. Ihre Situation ist teilweise beneidenswert, weil sie als Sektion des sogenannten „Kulturbundes“ die Vorteile einer offiziellen staatlichen Institution genießen. Der Staat bezahlt die Herausgabe von bemerkenswert praktischen Lehrbüchern, Wörterbüchern und Literatur-Sachen. Herr Haiderer zeigte Probeexemplare.
Es folgte außerhalb des offiziellen Programms und zum Jubiläum selbst eine unerwartete Ehrung des bekannten und wohlverdienten Wiener Esperanto-Pioniers, Herrn Hugo Braun, anlässlich seines 80. Geburtstages, der bereits zwei Tage zuvor in den „Esperanto-Informationen“ von Radio Wien feierlich hervorgehoben wurde.
Zuletzt kam man annähernd eine halbe Stunde sich am Buffet erfrischend zusammen, reichlich und sorgfältig zubereitet von der Hauswirtin Frau Frederike Domes und ihrem Sohn, denen Herr Emil Vokal, der sehr aktive Initiator und Organisator, den aufrichtigen Dank aller, welche an dieser neuen, freundschaftlichen Kontaktveranstaltung teilnahmen, ausdrückte.
Beckmann
Laut ORF, Esperanto-Sendungen.
Kommentar
Es scheint, daß Herr Franz Haiderer die Situation von Esperanto in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) etwas zu optimistisch und schwärmerisch beurteilt. Der Satz „Der Staat bezahlt die Herausgabe von bemerkenswert praktischen Lehrbüchern, Wörterbüchern und Literatur-Sachen.“ könnte zu der Schlussfolgerung führen, daß der Staat DDR seinen Staatsangehörigen Esperanto-Lehrbücher usw. spendet. Bis jetzt hörte ich von keinem Staat, welcher dies tat. Auch die DDR tut dies nicht. Die Herausgabe von Lehrbüchern, Wörterbüchern und Esperanto-Literatur ist auch in der DDR eine rein wirtschaftliche Angelegenheit. Was der Staat tut, dies ist, daß eine staatliche Stelle die Erlaubnis zur Veröffentlichung erteilt. Und dann tätigt ein lizenzierter Verlag die gewöhnlichen Geschäftsabläufe und die Bücher werden an inländische und bevorzugt an ausländische Kunden verkauft – für Devisen. So muß man auch in der DDR ein Lehrbuch kaufen, wenn man Esperanto lernen will. Trotzdem herrscht auch dort – wie in vielen anderen Ländern – ein großer Mangel an Lehrbüchern und Wörterbüchern für Esperanto. Die Wörterbücher von Krause erschienen beim VEB Verlag Enzyklopädie, Leipzig, und den Roman „Nackt unter Wölfen“ brachte Edition Leipzig heraus.
Nova leĝopropono en Italio
(Neuer Gesetzesvorschlag in Italien)
Rom (pp) – Am 20. November 1976 kontaktierte die katholische Esperanto-Gruppe in Rimini zwei neu gewählte italienische Parlamentarier, Senatsmitglied Foschi und den Abgeordneten Nicola Sanese.
Sofortige Folge dieses Kontakts war, daß bereits am 17. 12. 1976 Abgeordn. Sanese der Abgeordnetenkammer einen neuen Gesetzentwurf vorstellte, der die Nummer 952 erhielt, mit dem Titel „Unterricht der internationalen Sprache Esperanto an Weiterführenden Schulen*“. Den Gesetzentwurf unterzeichneten auch zehn andere Abgeordnete, unter ihnen ragt Giancarlo Tesini heraus, Verantwortlicher für Schulangelegenheiten der regierenden Christlich-Demokratischen Partei (DC), und einige Mitglieder der Abgeordneten-Kommission für Lehre (Vittoria Quarenghi, Borrusso, Giordano).
Der neue Gesetzentwurf berücksichtigt die bisherigen Erfahrungen und somit ist sein Text jenen der vielen Gesetzentwürfen unähnlich, welche ihm vorausgingen: insbesondere rechnete man damit, daß das italienische Parlament bald über eine vollständige Reform des Unterrichts in den Weiterführenden Schulen* diskutieren wird, und man versuchte, die Angelegenheit solchermaßen einzurichten, daß die Diskussion über Esperanto mit der über die Schulreform zusammengefügt sein solle.
Der Gesetzentwurf besteht aus den folgenden 4 Artikeln:
Artikel 1. Zu den in Artikel 2 des Gesetzes vom 31.12.1962, Nr.1859 vorgesehenen unverbindlichen Fächern in der Mittelschule wird jenes die Internationalen Sprache Esperanto betreffend hinzugefügt.
Dieses Unterrichtsfach wird in den drei Klassen einer Mittelschule entsprechend Programm und festzusetzenden Stundenplänen eingerichtet, per Dekret des Ministeriums für Öffentliche Bildung in der vorgesehenen Weise des ersten Absatzes von Artikel 3 des Gesetzes vom 31.12.1962, Nr. 1859.
Mittels Dekret des Ministeriums für Ö.B. wird man die Verfahrensweise der Erstellung von Lehrstühlen und Lehraufträgen*, festlegen, damit auf Grundlage Artikel 13 dieses Gesetzes das gebilligte Verzeichnis durch Dekret des Präsidenten der Republik vom 15.11.1963 Nr.2063 vervollständigend.*
Artikel 2. Das Ministerium für Ö.B. kann durch eigenen Erlass den Unterricht der Sprache und Literatur Esperanto in Zweistufigen Mittelschulen* auf Grundlage der Regeln für die Schulfächer und Programme der Fremdsprachen und Literaturen festlegen.
Man ist berechtigt, das genannte Lehrfach in den Schulen und Instituten, deren Studienprogramm den Unterricht von mindestens zwei modernen Fremdsprachen enthält, einzurichten.
Artikel 3. Durch Erlass des Ministers für Ö.B. gemäß dem siebenten Absatz des Artikels 1 des Gesetzes vom 06.12.1971, Nr. 1074 wird man die in diesem Gesetz für die rechtsgültigen Studientitel vorgesehenen Lehrberechtigungs-Kurse festlegen, sowie die jeweiligen konkurrierenden Fächer.*
Bis zur Einrichtung von universitären Kursen zur Sprache und Literatur von Esperanto werden zu den Lehrberechtigungs-Kursen Kandidaten mit Doktortitel und mit einem vom Italienischen Esperanto-Institut ausgestellten Lehrberechtigungs-Diplom zugelassen werden können.*
Artikel 4. Dieses Gesetz tritt im Schuljahr nach seiner Veröffentlichung in Kraft. Die aus diesem Gesetz entstehenden Ausgaben wird man durch die gewöhnlichen Abrechnungsbeträge des Ministeriums für Ö.B. aufbringen.
[:] *Eine Übersicht über die Schulsysteme Italiens und der BRD über Esperanto-Begriffe abzugleichen, ist wahrhaftig nicht einfach. Aufgabe ist, die passgenauen deutschen Entsprechungen für italienische ins Esperanto übertragene Bezeichnungen zu finden. Hinzu kommen die damaligen Veränderungen im italienischen Schulsystem. Die Angaben zu Schulformen könnten im Text daher ungenau sein. Wer sichergehen möchte, dem wird empfohlen, möglichst selbst tiefer in das Thema einzudringen. [se]
de.wikipedia.org Bildungssystem Italien
Kulturo-literaturo (Kultur-Literatur)
De la utopio al la realeco (Von der Utopie zur Realität) 
„Von der Utopie zur Realität“ nennt sich eine sehr bemerkenswerte Broschüre in deutscher Sprache, welche gemeinsam vom Esperantistischen Kulturzentrum und dem Saarländischen Bund herausgegeben wurde. Er erschien fürs erste als umfassender Artikel in „Zeichen und Werte“, dies ist eine Kulturbeilage der Zeitung „Landbote“, Winterthur (Ausgabe vom 5. Juni 1976). Der Autor ist Dr. Arthur Baur, den Hörern der Esperanto-Aussendungen des Schweizer Kurzwellenradios namhaft bekannt.
Zunächst bearbeitet der Autor sorgfältig das Sprachproblem in der heutigen Welt. Die Epochen, in welchen die griechische, die lateinische, die französische Sprache monopolistisch den Status einer Hilfssprache besaßen, ging für immer vorüber. Und jener des Englischen erbebt immer mehr. Die UNO, die WHO (Weltgesundheits-Organisation) und der Europarat vergeuden ungeheuerliche Summen, um die sich immer vergrößernde Zahl von Dolmetschern zu bezahlen. Die technischen Methoden, die Simultan-Übersetzung und die Übersetzung mittels Maschinen reichen nicht aus, sie stellen nicht zufrieden. Das Chaos ist nahezu absolut und wird dennoch… fatalistisch hingenommen.
R. Sch., Minden
[:] Ein interessanter, aber trotzdem stark gekürzter Beitrag. [se]
Gratul-telegramo de federacia kanceliero
(Glückwunschtelegramm des Bundeskanzlers)

Nach der Wahl von Frau Elsbeth Bormann zum neuen Präsidenten des DEB sandte Bundeskanzler Helmut Schmidt an sie nachstehendes Glückwunsch-Telegramm:
„Liebe Elsbeth, wie ich aus der Presse erfahren habe, bist Du vor kurzem zur neuen Bundesvorsitzenden des Deutschen Esperanto-Bundes gewählt worden. Ich möchte Dir dazu sehr herzlich gratulieren und für die Zukunft von Herzen Glück und Erfolg wünschen.
Dein Helmut Schmidt,
Bundeskanzler“
Eŭropa Esperanto-Revuo 1977 03
[:] Auch wenn angenommen wird, es handele sich um die März-Ausgabe, erscheinen darin Meldungen zu späteren Ereignissen. Bei der Herausgabe der letzten Ausgaben traten Verzögerungen ein. Soweit bekannt, folgten dieser Ausgabe bis Anfang 1978 nur noch zwei weitere. [se]
cdeli.org Erscheinungsdaten GER EER
Humphrey Tonkin
Esperanto por Eŭropo (Esperanto für Europa) 
Parolado dum la Eŭropa Esperanto-Kongreso
(Rede während des Europäischen Esperanto-Kongresses)

Dieser Kongreß von drei Esperanto-Landesverbänden trägt den Namen „Europäischer Kongreß“ uns auf diese Weise daran erinnernd, daß er im Herzen dieses Kontinents stattfindet. Es existieren drei Europas: das Europa der neun Länder der Gemeinschaft, politisch und wirtschaftlich verbunden; das westliche Europa mit zwanzig Staaten; und der Kontinent Europa, welcher sich von Portugal bis zum Ural, vom Nordkap bis zur Insel Malta erstreckt.
Wir können das Europa der Neun – die Gemeinschaft – nicht nur als eine politische Wesenheit betrachten, sondern auch in wachsendem Grad als eine kulturelle Wesenheit. Ein wirksames politisches Handeln in der Gemeinschaft erfordert eine gemeinsame Grundlage: gemeinsame Institutionen, gemeinsame politische Normen, gemeinsame Kommunikationsmittel. Tatsächlich werden diese Kommunikationsmittel benötigt, nicht nur um die gemeinsamen Institutionen fortzuführen, sondern bereits um sie zu erschaffen. Aber uns gegenüber macht ein sprachliches Chaos in den jungen Institutionen der Gemeinschaft Front. Dreißig Prozent des Budgets dieser Institutionen verfließen zwecks Dolmetschen und Übersetzung. Bestimmte Sprachen herrschen vor, andere schwächeln. Die gemeinsamen Kommunikationsmittel sind quietschend und unzulänglich – trotz der heldenhaften Bemühungen der Sprachdienste. Eine neutrale Lösung, welche die politischen Kontroversen überflügeln würde, welche um die Nationalsprachen herum schwärmt, wird benötigt. Sie muß eine flüssige, starke und leicht zu unterrichtende Sprache sein. Diese Sprache steht schon bereit. Es ist Esperanto.
Esperanto wird niemals die Nationalsprachen der Gemeinschaft gänzlich ersetzen. Die verschiedenen Nationalsprachen haben in ihren eigenen Ländern rechtliche Autorität, und folglich müssen formelle Dokumente in nationalsprachigen Übersetzungen vorhanden sein. Es wäre jedoch nicht schwierig, bereits jetzt Esperanto als Sprache der Dokumentation einzuführen, so daß alle Dokumente, die keine rechtliche Autorität haben, normalerweise nur im Original und in Esperanto vorhanden sein müssen, und man von den Funktionären der Gemeinschaft passive Kenntnisse des Esperanto fordert. Mit einem relativ schlichten Bildungsprogramm wäre dies erreichbar. In fernerer Zukunft sehen wir die allgemeine Einführung von Esperanto in den Schulen der Gemeinschaft als Zweitsprache vor, unterrichtet mit modernen Methoden, und für jene Schüler betrieben, welche dies wünschen, als eine Stufe zum Studium der Nationalsprachen der Gemeinschaft.
Es ist wichtig, daß diese Nationalsprachen dauerhaft existieren und gedeihen sollen. Ich sagte bereits, daß es im politischen Bereich sprachliche Probleme gibt und daß Esperanto die beste Lösung für diese sprachliche Vielfalt darstellt. Doch die sprachliche Vielfalt der Völker der Gemeinschaft selbst ist in gewissem Sinne eine ihrer kulturellen Stärken. Die Bewahrung des kulturellen Pluralismus ist eine essenzielle Aufgabe in unserer modernen Welt, wo eine Einheit leicht zur Gleichheit und Internationalisierung leicht zur Monotonisierung wird. Würde eine neutrale internationale Sprache für internationale Kommunikation existieren, wären die verschiedenen Nationalsprachen zu einem gewissen Grad gegen die Anschläge anderer Sprachen geschützt und sie könnten innerhalb ihrer Gestade blühen und gedeihen. In diesem Sinne ist Esperanto tatsächlich keine revolutionäre, sondern eine konservative Sprache: Sie argumentiert für die Bewahrung des kulturellen Pluralismus innerhalb eines neutralen Rahmens – der Internationalen Sprache Esperanto.
Aber wie soll man diese politische Einheit und den kulturellen Pluralismus erreichen? Wie kann man die Funktionäre der Gemeinschaft, die Politiker, die Öffentlichkeit davon überzeugen, daß ihnen die Annahme von Esperanto Geld ersparen und die internationalen Beziehungen mehr erleichtern würde? Wir, die Esperantisten wissen, daß Esperanto funktioniert – aber uns gelingt nicht vollständig, unsere Botschaft an Außenstehende weiterzugeben: Unwissenheit über Esperanto herrscht bedauerlicherweise in vielen Milieus noch vor. Hier in Paderborn gibt es einen Kern von Esperanto-Nutzern, welche mindestens ein Element in dieser schwierigen Aufgabe herausfanden. Das Institut von Professor Frank betrachtet Esperanto als ernstzunehmenden Gegenstand wissenschaftlicher Studien. Und andere folgen. Als Professor Frank Anfang dieses Monats auf einer von der Europäischen Kommission in Luxemburg organisierten Konferenz zum Sprachenproblem einen Vortrag hielt, war er nicht mehr der Einzige, der seine Stimme für Esperanto als rationale Lösung eines schwierigen Problems erhob. Andere Wissenschaftler widerspiegelten seine Haltung. Esperanto empfing auf dieser Konferenz eine ernsthafte betreffende Beachtung. Dieses ist freilich nicht das erste Mal, daß Esperanto Thema einer ernsthaften wissenschaftlichen Diskussion war, doch markierte es in gewissem Sinne eine neue Etappe in dieser Behandlung, und es brachte den abschließenden Erfolg von Esperanto als Sprache der Europäischen Gemeinschaft etwas näher.
Was Professor Frank hier tut, tun andere andernorts in anderen Milieus. Die USA haben nun ihre Fach-Organisation von Universitäts-Angehörigen, welche sich mit Esperanto-Studien befassen. In der Sowjetunion befindet sich die Sprache unter den Themen, welche die Akademie der Wissenschaften bearbeitet, es gibt in mehreren Ländern Lehrstühle oder Lektorate für Esperanto, auf der ganzen Welt werden Bibliotheks-Sammlungen von Esperanto-Büchern gegründet oder wachsen. Dieser Einfluss auf die Wissenschaftler, die Experten, ist äußerst wichtig, weil sich die Politiker normalerweise an die Spezialisten wenden, und wenn sie gegen unsere Sache sind, sind die Möglichkeiten unseres Erfolgs sehr viel geringer.
Aber gleichzeitig ist es notwendig, auf die Politiker und die Öffentlichkeit einzuwirken (und die zwei Dinge sind ja doch miteinander verbunden). Ich freue mich, daß in der Themensammlung des gegenwärtigen Kongresses Fragen zu Wörterbüchern, Fragen zu Lernmitteln und Schulungsmitteln eine Rolle spielen. Wir müssen unser Netz weiter ausweiten, umfassender die Sprache lehren, und Sympathisanten umfassender über ihre Leistungsfähigkeit und ihre Verdienste informieren. Unter den vielen guten in letzter Zeit in diese Richtung gemachten Schritten, war der Vorschlag, daß man eine Europäische Esperanto-Gesellschaft gründen solle, welche in einer lockeren Föderation die Länder der Europäischen Gemeinschaft verbindet und auf diese Weise eine offizielle Esperanto-Stimme vor den sogenannten Europolitikern wird. Bereits das seit einigen Jahren bestehende Europäische Esperanto-Zentrum tut Schritte in diesem Bereich, und hier in Paderborn befasst sich unter anderem der Europa-Klub mit Fragen der europäischen Einheit und der Verwendung von Esperanto.
Selbstverständlich kann der Esperanto-Weltbund als politisch neutrale Organisation keine Position zu den Verdiensten oder Mängeln der Europäischen Gemeinschaft einnehmen. Aber weil sie existiert, weil es um eine internationale Aktivität geht, können wir zumindest daran arbeiten, sie davon zu überzeugen, Esperanto zu verwenden. Dasselbe würden wir tun, wenn die Gelegenheit bei anderen regionalen Organisationen aufkommen würde; dasselbe tun wir bereits bei unterschiedlichsten nichtstaatlichen Organisationen unterschiedlichster Neigungen. Die UEA ist in erster Linie da, um die Verwendung von Esperanto in allen internationalen Sphären vorwärtszubringen. Haben wir Mut einzuschreiten, wo sich der offizielle Gebrauch von Esperanto (ob tatsächlich oder potentiell) auf der Tagesordnung befindet.
Um dies effektiv zu tun, muß die UEA nah mit anderen Esperanto-Verbänden zusammenarbeiten, wir müssen Dienste für sie entwickeln, wir müssen diese professionelle Hilfe erteilen, was oft auf nationaler Ebene nicht möglich ist. Ein Sammel-Abonnement der Zeitschrift Esperanto, wie man es nun beispielsweise in der BR Deutschland praktiziert, kann eine von den resultierenden Früchten sein. Andere sind unser Delegierten-Netzwerk, unser Jahrbuch, unser Bücherdienst, unsere Kongresse – aber im gegenwärtigen Zusammenhang muß unser hauptsächlicher Dienst die ständige Belieferung neuer Argumente, neuer Informationsblätter, neuer Methoden, für das Akzeptieren von Esperanto sein. Zu diesem Zweck brauchen wir eine starke Verwaltung, gute professionelle Angestellte, gute freiwillig Helfende. Ohne dies werden Gelegenheiten verloren gehen, gute Möglichkeiten um Esperanto vorwärtszubringen werden in Vergessenheit geraten oder versäumt werden. Zu einem gewissem Grad geschieht dies jetzt: Wir brauchen dringend mehr professionelle und semiprofessionelle Arbeitskräfte in unserer Vereinigung. Diesbezüglich benötigen wir sich selbst vorschlagende Bewerbungen.
Aber wenn ich „wir“ sage, sollt ihr nicht denken, daß „wir“ irgendein Vorstand, eine Präsidenteneinheit, eine kleine Gruppe sind, die im entlegenen Rotterdam sitzt und darüber nachdenkt, was zu tun ist. „Wir“ sind hier alle Menschen: Die UEA sitzt in diesem Saal, die UEA ist unter uns, die UEA sind wir selbst – weil unsere zentrale Organisation nur ein Ausdruck der großen esperantistischen Öffentlichkeit und ihrer Aktivisten ist.
Der zukünftige Erfolg von Esperanto ist folglich auch eine Angelegenheit von uns allen. Es ist wohl wahr, daß es notwendig ist, andere Menschen, Nicht-Esperantisten, vom Wert des Esperanto zu überzeugen. Aber wenn wir es nicht tun – wir, die wir wissen – wird es niemand tun. Und der Erfolg von Esperanto ist nicht irgendwie unser persönlicher Traum ohne Bezug zur Realität: Er ist ein Schlüssel-Element bei der Integration der Menschheit und die gleichzeitige Bewahrung ihrer Vielfalt. Wir arbeiten nicht für uns selbst, sondern für eine bessere Welt, nicht für uns selbst, sondern für eine rationalere Welt, nicht für uns selbst, sondern für eine gerechtere und zweckdienlicher funktionierende Welt. Esperanto ist kein Allheilmittel, aber seine Verwendung würde auch einen echten Gewinn für das moderne Europa ausmachen. Es ist unsere Aufgabe, diesen Gewinn zu realisieren.
Internacia Lernejo — Modelo por Eŭropo
(Internationale Schule – Modell für Europa)
Bericht von Helmut Sonnabend
Kinder und Jugendliche aus fünf Ländern versammelten sich in der Jugendherberge Saint Gerard in Belgien. Sie wurden von ihren Lehrer/n/innen und mehreren Eltern begleitet.
52 Jungen und Mädchen kamen zusammen mit Eheleuten* Peek, Ruff und Sonnabend aus Deutschland, 18 Jungen und Mädchen und die Eheleute Magadure und Benistant kamen aus Frankreich, aus den Niederlanden kamen 48 Jungen und Mädchen zusammen mit den Lehrer/n/innen Hagedorn, Mensen und Van Tol, begleitet von mehreren hilfsbereiten Eltern, 14 Jugendliche kamen mit Fräulein Hudecek aus Zagreb sowie die Gastgeber der Saint Gerard-Schule, die Esperanto-Kinder mit ihrem Schulleiter, Herrn Sondervorst, gleichzeitig auch der Schulleiter der Internationalen Schule.
Sonntag, der 15.
Frühstück: Der pädagogische Leiter (der Autor) begrüßt fast 170 Personen. Ich sprach sie an: „Europäische Kinder!“ Diese Worte gelten bis zum Ende der internationalen Woche. Nach dem Frühstück bitte ich alle Kollegen zur ersten Konferenz. Die Aufgabe ist: Die international gemischten Kinder einstufen, die Kollegen mit den verschiedenen Stundenplänen bekanntmachen. Zwischenzeitlich lassen die Eheleute und Eltern die Jugendlichen auf dem weitläufigen, umgebenden Bereich der Jugendherberge spielen. Wir zählen zusammen 8 Klassen. Die Fächer sind Esperanto, Geographie, Europäisches Fach, Mathematik, Sport, Gesang und Zeichnen. Später rufen die Lehrer lautstark ihre neuen Schüler: 18 bis 20 in einer Klasse. Erstes Bekanntmachen auf einer sonnigen Wiese!
Montag, der 16.
Mit Begeisterung und sehr aufgeweckt bewegen sich die jungen Europäer aus den Betten. Der erste Tag der Internationalen Schule beginnt. Die Schüler versammeln sich in ihren Klassen.
Die Unterrichtsstunden sind auf 30 Minuten begrenzt, um die jüngeren Kinder nicht zu sehr anzustrengen. Beeindruckend war nun die Lernarbeit zwischen Lehrer und Schülern. Eine interessante Feststellung ist, daß die Kinder wirklich durch die ISch lernen. Ob im gemeinsamen Lernen von Esperanto, ob in anderen Fächern, die Kinder folgten aufmerksam dem Unterricht und verstanden!
Mittwoch, der 18.
Um acht Uhr steigen alle gutgelaunt in den Bus. Die Entfernung nach Brüssel beträgt nur maximal 90 Kilometer. Der sehr sympathische Präsident der Mathematischen Gesellschaft übersetzt die französischsprachigen Informationen ins Esperanto.
Die internationale Truppe bewegt sich nun mit dem Bus nach Waterloo, dem Ort und dem unguten Schicksal des großen korsischen Napoleon, des einen einzig wahren Kaisers der Franzosen. Die Kinder betrachten die Schlacht im Panorama. Sie sind stark beeindruckt: tote Pferde, sterbende Menschen, tote Menschen: beseitigte Leben. Warum? Man kann viel erklären, aber verständlich machen? Die Europäischen Kinder lernen den Frieden, die Grundlage jeglicher menschlichen Entwicklung!
Übrigens: Der Generalsekretär des Europarates, Herr Ackermann, telegrafierte: Wegen nicht vorhersehbarer Umstände kann ich leider nicht nach Saint Gerard kommen. Ich wünsche der I.Sch. viel Erfolg!
Donnerstag, der 19.
Mehr und mehr verbessert sich das Profil der ISch. Die Lern-Disziplin in den Klassen ist bewundernswert. Wir werden von einer dreifachen Gruppe Jugendlicher besucht. Sie beabsichtigt, die Kinder in den verschiedenen Klassen fürs Fernsehen zu filmen, um Eindrücke zu erfassen. Ich gebe ein Fernseh-Interview und spreche über die Essenz von ISch. Inzwischen arbeiten die Klassen bereits mit Blick auf die Präsentation und die Ausstellung am Sonnabend. Sie werden zeichnen und schreiben: wir Europäischen Kinder, unsere Häuser, was wir gern essen, was wir einkaufen können mit…, der Nachbar neben mir, unser Ausflug nach Brüssel usw.
Freitag, der 20.
Das Belgische Fernsehen kommt. Ich verspürte vorher bereits eine unangenehme Beeinträchtigung: Um eine kaum dreiminütige Fernsehsendung zu präsentieren, engt es uns über Stunden ein. Dumme Bemerkung des Leiters der Fernsehgruppe: „Esperanto ist eine Philosophie“. Der Informationswert für die Öffentlichkeit ist null, da niemand innerhalb von nicht mehr als drei Minuten die Ereignisse erfassen kann, vor allem die in Saint Gerard. — Trotzdem: Kollegin Ruff, die Frauen Peek und Magadure wählen das Ausstellungs-Material aus und bereiten es vor.
In der Kapelle Sankt Gerhard der Jugendherberge des Klosters versammeln sich die Europäischen Kinder – und selbstverständlich gehören auch die jugoslawischen Kinder dazu, da irgendeine parteipolitische Ausrichtung nicht das Europäischsein der Menschen in Europa, und ganz und gar nicht das der Kinder, berührt – versammelt sich die Avantgarde von Europa: ein gemeinsames europäisches Gefühl, eine gemeinsame europäische Sprache, alle üben sich gemeinsam in allen gemeinsamen Veranstaltungen.
Sonnabend, der 21.
Es ist der große Tag für die internationale „Großfamilie“. Nachmittags werden viele Gäste kommen.
Ab zwei Uhr nachmittags trägt die Internationale Schule ihr „schönes Gewand“. Alle sind für die Gäste bereit. Sie kommen und hören einer Esperanto-Unterrichtsstunde zu.
Sie sind: Der Generalinspektor von Belgien, Herr Andreanne, und weitere Inspektoren.
Nach der interessanten kleinen Unterrichtsstunde versammeln sich die hohen Gäste in der Kapelle St. Gerard. Prominente Dorfbewohner füllen fast die gesamte Kapelle. Die Europäischen Kinder sind nun eine Einheit – obwohl die Reden für sie zu lang sind –, da sie die ganze Zeit stehen, das Publikum sitzt. Und dann stellen sie sich vor. Es ist keine wilde Unordnung mehr wie zu Beginn der Woche. Es ist nun ein sich in Gesang und Präsentation ausdrückendes gemeinsames Gefühl der Einigkeit und der Freundschaft. „Mein Gott“, denke ich, nur wenige Tage und schon fühlen sie sich zusammen. Und unsere hochbezahlten Politiker? Unsere Kollegin Frau Mensen erhält kein Gehalt für die Tage und die deutschen Kollegen erhalten keine Rückerstattung der Reise- und Unterkunftskosten. Unsere Minister und hohen Beamten zahlen niemals aus eigener Tasche.
Für die sehr gute Vorstellung applaudierten alle anwesenden Gäste herzlich. Ich sitze während der Kindervorstellung bei dem Generalinspektor, Herrn L. Andreanne, welcher sehr gut die deutsche Sprache spricht. Darum kann ich ihn über das internationale Experiment informieren. Nach der Kindervorstellung betrachten wir uns die Ausstellung. Der Generalinspektor schaut sich sehr interessiert die Arbeiten der Kinder an und fragt nicht nur höflicherweise viel nach. Er übersetzt selbst ohne Unterricht viele Wörter. Esperanto ist also kein Problem für diejenigen, welche es wirklich lernen wollen.
Der Generalinspektor von Belgien, Herr Andreanne, stimmt mit mir überein: Esperanto ist die geeignete Sprache als Grundlage für jene, welche andere Fremdsprachen lernen wollen.
Mein Eintrag* lautet: befriedigendes Ergebnis, mehr möglich.
Sonntag, der 22.
Die Internationale Schule geht auseinander. Für immer? Ich glaube nicht! Selbst eine kritische Kollegin wurde – trotz einiger Unebenheiten – nachdenklich. Ein einzigartiges Experiment verlief hinreichend zufriedenstellend erfolgreich.
[:] Was während des Treffens der Internationalen Schule sonst noch geschah, darüber informiert die Quelle. [se]
Panoramo (Panorama)
Internacia Konferenco de ILEI
(Internationale Konferenz von ILEI)
Luxemburg (pp) – Vom 14. bis zum 24. Juli 1977 fand in Luxemburg, Hotel „Holiday Inn“, die 11. Internationale Konferenz der Internationalen Liga der Esperantolehrer (ILEI) mit Teilnehmern aus 13 Ländern statt. Die Konferenz nahm eine umfassende Resolution an, nach welcher die Teilnehmer der Konferenz
infolge der Kontakte mit den ministeriellen Behörden, Stadt- und Gewerkschaftsvertretern, nach aufmerksamer Bearbeitung der Sprachenprobleme in der Gesellschaft der Europäischen Gemeinschaft,
einstimmig den Beschluß der UNESCO annahmen, daß ILEI ein Mitglied mit beratenden Beziehungen in der Kategorie C sein soll, und ersuchte die Bildungsbehörden von Luxemburg, daß man einen experimentellen Esperanto-Kurs in mindestens einer Klasse einer Grundschule des Landes einrichten soll, und bat den Bürgermeister von Esch-sur-Alzette, daß man Esperanto in einer Klasse einer Grundschule der Stadt experimentell unterrichten soll, damit diese nach einem zweijährigen Studium an der Internationalen Schule von ILEI teilnehme.
Forumo (Forumo)
Pri la Paderborna kongreso
(Über den Paderborner Kongreß)
Mit Interesse laß ich Ihren Artikel in der Eŭropa Esperanto-Revuo über den Kongreß in Paderborn. Doch ich stellte fest, daß Informationen über das parallele Jugend-Treffen, wo 86 junge Leute zusammenkamen, fehlen.
Die vielen jungen Leute kamen hauptsächlich aus der BR Deutschland und den Niederlanden, doch waren auch einige Angehörige anderer Länder anwesend. Man schlief und aß in einer Paderborner Schule, die den Esperantisten für die Zeit des Kongresses vermietet wurde. Die Turnhalle diente als riesiger Schlafraum.
Die Jugendlichen machten einen gemeinsamen Ausflug durch die Stadt und für eine halbe Stunde ruderten sie auf Fischteichen. Selbstverständlich gab es auch einige Arbeitsgruppen, beispielsweise beschäftigte sich eine mit der Übersetzung von Asterix-Abenteuern. Bei dem öffentlichen Konzert vor dem Rathaus waren fast alle Jugendlichen anwesend und verteilten Werbeblätter über Esperanto. Auch während vieler anderer Veranstaltungen nahmen sie am Programm des Europäischen Esperanto-Kongresses teil, da sie ja normale Kongressteilnehmer waren, welche weniger bezahlten, doch dafür auch sehr sehr primitiv lebten.
Trotzdem lockte dieses Treffen fast 90 junge Leute an, die mit angenehmsten Erinnerungen an diesen Kongreß heimreisten.
Thomas Bormann, Hamburg
Pri EER (Über EER)
Ordnungsgemäß empfing ich die Ausgabe 2/77 der Eŭropa Esperanto-Revuo und freue mich über den vortrefflichen Inhalt (vielfältig, interessant!) mit geschickt ausgewählten Fotos. Der literarische Teil mit der Übersetzung vom Gleichgesinnten Ziegler ist abermals ansehnlich! Ich genoss das Lesen wahrlich. Es wäre sehr gut, wenn jemand diese hochwertigen Übersetzungen in Form eines Buches herausgeben würde. Anmutig ist das kleine Gedicht von Herrn Oeste: Tänzerin! Mit Vergnügen laß ich die Antworten von Radio Bervalio… Ihre Rubrik „Esperanto im Radio“ ist hervorragend, nachahmenswert!
Dr. J. Kondor, Neuwied
Vor allem interessiert mich der Teil „Radio“. Erweitert diesen Teil des Magazins um Zusammenfassungen und Diskussionen über die wichtigeren Themen im Radio-Bereich, heutzutage beispielsweise um: Die Menschenrechte.
Bernhard Eichkorn, Priester, Unterkirnach
Heute traf die Eŭropa Esperanto-Revuo mit einer Beilage ein. Ich danke Ihnen herzlich. Nun werde ich den interessanten Inhalt genießen. Das Titelbild auf der ersten Seite verheißt dies ja.
Klara Justis, Wiesbaden
Ich möchte meine Meinung zu einem Radio-Bulletin übermitteln: Ich denke, daß es eine beständige Rubrik „Esperanto im Radio“ im Rahmen des Europäischen Esperanto-Magazins vermag, die hauptsächlichen Aufgaben eines Radio-Bulletins zu erfüllen. Dort kann man künftige, sehr interessante Sendungen ankündigen und dort hat man einen Platz für alle, die noch nicht an den polnischen Rundfunk schrieben, um ihre Meinung zu den ausgestrahlten Sendungen abzugeben.
Ich denke auch, daß die Zuhörer politische Texte akzeptieren müssen, weil dies die Diskussion beleben kann, und folglich die Verwendung von Esperanto in einer modernen Zeit durch besprechen moderner Themen.* Außerdem denke ich, daß wenn man nur Programme ausstrahlen würde, welche sich mit dem Leben von Esperanto-Gruppen usw. beschäftigen, würden diese eine Einseitigkeit bewirken, weil man niemals einen „magischen Kreis“ verlassen würde.
Ich persönlich begrüße somit eine beständige Rubrik „Esperanto im Radio“ und würde es schätzen, dort mehr polemische Texte zu lesen, weil das die Diskussion belebt.
Thomas Schmidt, Dortmund
Vor schon ziemlich langer Zeit fragten Sie, ob Interesse daran besteht, auch gedruckte Radiovorträge der verschiedenen Esperanto-Stationen zu sehen.
Ich fände das sehr lobenswert. Erstens – ist nicht jeder so geschickt, die Sendungen gut oder vollständig zu finden. Zweitens – passt nicht immer die Sendezeit zum persönlichen Programm. Manch einer schläft während der Nacht oder frühmorgens. Manch einer ist nicht imstande schnell zu sein und benötigt einen Text, um sich an Rede und Text zu gewöhnen.
Ich persönlich bin Abonnent von sieben Esperanto-Zeitschriften und möchte nicht die Zahl vergrößern, zudem kann ich „begünstigt“* noch zehn weitere lesen. Und irgendwann möchte ich auch muttersprachliche Ausgaben lesen.
Jedoch fehlen in allen Zeitungen Auszüge der Sendungen – außer in Ihren. Ich würde es vorziehen, sie wegen eines vielfältigen Inhalts, einer Haltung und auch eines Stils der unterschiedlichen Redner und Autoren zu lesen. Es wäre wirklich eine Bereicherung des Lebens unserer Bewegung und ein wenig internationaler. Ich ziele nicht auf den gesamten Inhalt, sondern nur auf einen probierten*.
Grete Breunlich, Wien
[Eŭropa Esperanto-Revuo
Abonnementgebühr 16 DM]
Esperanto en Radio (Esperanto im Radio)
La svisa opinio (Die Schweizerische Meinung)
Dr. A. Baur hielt in den Sendungen des Schweizer Kurzwellenradios vom 18., 19. und 21. Juli einen Vortrag zum Thema „Esperanto im Radio“. Hier folgend veröffentlichen wir den Vortrag:
„Der Herausgeber der Eŭropa Esperanto-Revuo, Ludwig Pickel in Nürnberg, Deutschland, publiziert ebenfalls einen Internationalen Informationsdienst, der den Titel Pilo-Press hat. Dieser Dienst, welcher ein spürbares Loch in unserer Informierung auffüllt, hat auch den Verdienst, daß er regelmäßig und schnell über die Radiosendungen in Esperanto informiert, nicht nur über die Sendezeiten, sondern auch über den Inhalt der Programme. Dies ist nicht nur wertvoll für die Zuhörer, die über die Programme informiert werden können, sondern auch für die Stationen, welche auf solche Weise ein Echo finden, und ein solches hat man ja nicht allzu sehr.
In der letzten Zeit eröffnete der Informationsdienst eine Debatte über die Ausgabe einer Internacia Radio-Revuo. Herr Pickel gibt sogar schon ein Probestück, denn er publizierte erstmals ein vierseitiges Bulletin mit dem Titel „Esperanto en Radio“, Auszüge aus den Programmen der verschiedenen Esperanto-nutzenden Sender präsentierend, auch von dem unseren. Gleichzeitig unterbreitet er dem Publikum folgende zwei Fragen: Könnte eine spezielle dauerhafte Rubrik in Eŭropa Esperanto-Revuo einstweilig die Idee eines Radiomagazins umsetzen und zweitens: Akzeptieren die Leser und Zuhörer politische Texte, wie solche, welche in diesem Bulletin erscheinen?
Die erste Frage kann ich bejahen, über die zweite muß die Öffentlichkeit entscheiden. Ich möchte dennoch einige Gedanken über ein Radiomagazin und allgemein zur Esperanto-Zeitungslandschaft hinzufügen, zu welchen ich mich als professioneller Journalist und ehemaliger langjähriger Redakteur auch des Schweizer nationalen Esperanto-Organs legitimiert fühle; das seinerzeit Svisa Espero (Schweizer Hoffnung) genannt wurde und nun Svisa Esperanto-Revuo. Es hat bereits das respektable Alter von 74 Jahren.
Grundsätzlich wäre die regelmäßige Veröffentlichung einer Radio-Revuo in Esperanto gewiss eine gute Sache, und ich stimme voll und ganz mit meinem Kollegen Pettyn ​​vom Polnischen Rundfunk überein, der diese Ausgabe nützlich nennt. Und ich habe auch die gleiche Meinung mit unserem Freund Dr. Kondor in Deutschland, welcher die Idee sehr gut und hundert-prozentig unterstützenswert nennt. Trotzdem meine ich, daß der Zweck einer solchen Zeitschrift nicht sein sollte, die Texte der Vorträge zu veröffentlichen, denn wenn man sie veröffentlicht, braucht man sie ja nicht auszustrahlen. Dies tut auch keine nationale Radio-Zeitschrift. Der Inhalt einer solchen Zeitschrift sollte die Ankündigung von künftigen Sendungen sein – was eine häufige und schnelle Herausgabe einer solchen Zeitschrift bedeuten würde –, Ansichten von jenem, was man nicht vermag mündlich zu sagen, also eine Ergänzung der Sendungen – und vor allem Kritiken und Briefe der Zuhörer.
Ich kann mir so eine Revue sehr gut vorstellen und meine sogar, daß dies, was Herr Pickel schon seit langem in Pilo-Press macht, schon eine solche Revue in der Nuss ist. Doch hier ist eine andere Frage: Ist der Markt des Esperanto-Publikums genügend groß, um eine solche Zeitschrift zu unterstützen? Ich bin mir leider sicher, daß er nicht ausreicht. Ein Zeitungs-Experte sagte einmal, daß die Geschichte des Zeitungswesens ein großer Friedhof verstorbener Zeitungen ist. Dieses Wort gilt sogar umso mehr für Esperantujo (Esperantien). Enorm würde der Katalog sein, den möglicherweise irgendwer irgendwann über die verstorben Esperanto-Zeitungen abarbeiten wird. Es ist nicht nötig, auf diesem Friedhof auch eine Radio-Zeitschrift zu begraben. Daher ist es sicherlich besser, wenn Herr Pickel auf dem bisherigen Weg weitermacht, und für seine Eŭropa Esperanto-Revuo wäre es eine Bereicherung und Aufwertung, wenn er dort regelmäßig eine oder zwei Seiten mit den skizzierten Inhalten veröffentlichen würde.
Man muß noch einen weiteren Faktor betrachten: Alle Fachzeitschriften in Esperanto, mit vielleicht zwei-drei Ausnahmen, sind elendige Blätter, weil schlechthin nicht genügend Angehörige des betreffenden Fachgebiets existieren, welche sie unterhalten können.
Erlaubt mir, noch allgemein einige Worte zur esperantistischen Presse zu sagen. Die wichtigsten Organe, die wir haben, sind „Esperanto“ von der UEA und „Heroldo“. „Esperanto“ ist das offizielle Organ der UEA, es spielt also gleichsam die Rolle einer Regierungs-Trompete, und dies ist völlig in Ordnung. Die UEA benötigt unbedingt ein Instrument, um ihre Handlungen und die Politik zu erklären. Entsprechend sollte die andere wichtige Zeitung, nämlich „Heroldo“, zu einem gewissen Grade die Rolle der Opposition spielen, sie soll den kritischen Stimmen einen Raum geben, nach meiner Meinung erfüllt sie diese Rolle nur teilweise. Ich verstehe, daß sie nicht polemisieren will, weil dies nur zu Unfrieden führt, aber man muß auch ganz und gar trocken kritisieren, in einer Weise die dem Kritisierten nützt, doch bedauerlicherweise haben wir dafür in Esperantujo keine Tradition.
Nun noch eine andere Bemerkung zu den nationalen Esperanto-Informationsblättern. In Heroldo wurde vor kurzem erneut die Idee vorgestellt, sie in solcher Weise zu verschmelzen, daß man einen gemeinsamen allgemeinen Teil für alle Ausgaben haben würde, während den nationalen Vereinigungen eine oder mehrere Seiten bereitgestellt werden würden. Man kennt das System in vielen Ländern, wo die Tageszeitungen unterschiedliche Ausgaben für verschiedene Regionen herstellen. Auf internationalem Gebiet ist dies sehr schwierig. Ich selbst nahm redaktionell an einem Experiment von Svisa Espero (Schweizer Hoffnung) teil, es dauerte mehrere Jahre. Wir hatten eine gemeinsame Ausgabe mit den Niederlanden und Belgien, aber die Angelegenheit stellte sich als zu kompliziert heraus und man sparte wegen des hohen Portos praktisch nichts. Wir mussten sie einstellen.
Es zeigte sich auch als ein Nachteil, daß es nicht möglich war, nationalsprachige Artikel auf der Titelseite zu veröffentlichen, was unbedingt notwendig ist, weil die nationalen Zeitschriften auch das allgemeine Publikum der betreffenden Länder erreichen müssen. Die Idee der Verschmelzung funktioniert also trotz ihrer vermeintlichen Offensichtlichkeit in der Praxis nicht.“
Antonio De Salvo
La pozicio de Esperanto en Radiofonio
(Die Stellung von Esperanto im Hörrundfunk)
Esperanto trat sehr früh in den Radio-Bereich ein, in den zwanziger Jahren, und es erlangte bald eine beachtliche Stellung. Mehrere Sendestationen waren nicht nur Gastgeber für Kurse, Gespräche und Informationen, sondern sie waren auch gewohnt, ihre Wellenlängen und Sendezeiten in Esperanto anzukündigen. Die Besitzer von Radiogeräten waren damals relativ wenige (meistenteils bauten sie sich die Empfangsgeräte selbst), und die Stationen waren leistungsschwach und zerstreut: Aber gerade aus diesen Umständen heraus entstanden gute Möglichkeiten der Betätigung für die Esperantisten, weil das Publikum nicht zahlreich war (und somit auch eine relativ kleine Anzahl esperantistischer Radio-Amateure vermochte, Einfluss zu nehmen), und weil die Stationen größtenteils unabhängig waren und konkurrierten, genau wie die gegenwärtigen „privaten“ Sender, und es folglich relativ einfach war, etwas zu erreichen, weil es ausreichte, die elitären Vorstände zu überzeugen.
Anzeichen für diese günstige Stellung von Esperanto in dem Zeitabschnitt zwischen den beiden Weltkriegen ist das Erblühen von Radiozeitschriften in Esperanto, wie beispielsweise „Radio-Esperanto“, ein Organ des „Französischen Informations-Zentrums für Radio und Esperanto“.
Wie ist die derzeitige Situation? Einerseits ist sie sogar positiver als jemals sonst, doch andererseits ist sie nicht gänzlich zufriedenstellend. Sehen wir, wieso!
Die Macht der Sendestationen, welche zur Zeit in der Internationalen Sprache senden, ist unvergleichlich größer als vor einem halben Jahrhundert – es genügt, die Macht des Vatikans, Pekings, des Schweizer Radios, Warschaus, Roms und Wiens zu betrachten, um nur die installierten Haupteinrichtungen anzuführen; auch die Regelmäßigkeit der Programme ist viel größer als jemals sonst. Dies ermöglicht ein viel einfacheres und umfassenderes Anhören von Esperanto-Sendungen praktisch auf der ganzen Welt; zudem ist der Besitz von Radiogeräten heutzutage eine ganz normale Angelegenheit.
Jedoch verminderte sich die anteilige Bedeutung von Esperanto im Äther beachtlich, da die Gesamtheit der ausstrahlenden Stationen und der allgemeinen Zuhörer massenhaft anwuchs: Vor einem halben Jahrhundert entsprachen zwanzig Esperanto ausstrahlende Stationen einem großen Prozentsatz der Gesamtzahl, während heute dieselbe Zahl verglichen mit den Tausenden von existierenden Sendern lächerlich geworden ist; und parallel dazu waren vor einem halben Jahrhundert mehrere tausend Esperanto-Hörer ein bemerkenswerter Prozentsatz der Gesamtzahl, doch nun ist diese Zahl verglichen zu den Massen der Radiohörer absolut lächerlich – man rechnet damit, daß allein in Japan 500.000 Klubs von Weitdistanz-Hörern existieren, dies bedeutet, daß mehrere Millionen Japaner regelmäßig Kurzwellensendungen anhören.
Warum stagnierte die Stellung des Esperanto und ist in gewissem Sinne sogar zurückgegangen? Die allgemeinen Ursachen abtrennend – ist es verständlich, daß wenn die Zahl der Esperantisten im letzten halben Jahrhundert nicht großartig anwuchs, auch die Zahl der Esperanto-Radiohörer nicht großartig wachsen konnte – würde ich sagen, daß das Hauptverschulden nicht das der Radiostationen ist, sondern von den Esperantisten selbst, welche nicht wollten oder nicht imstande waren, einige grundlegende Fakten zu verstehen und folgerichtig zu handeln.
Viele Esperantisten sind davon überzeugt, daß die Radiostationen, die bereits auf Esperanto senden, und diejenigen, welche man zu diesem Zweck befragt, von dem ethischen oder sprachlichen Wert von Esperanto selbst überzeugt sind oder sein müssen: Mit anderen Worten, man vermutet irrtümlicherweise, daß eine Sendestation aus Liebe zur Sprache und mit dem Ziel, die Esperanto-Bewegung zu unterstützen und ihre Prinzipien zu verbreiten, in Esperanto sendet. Diese falsche Meinung zeigt sich bei jedem Schritt. Vor nur wenigen Wochen schrieb ein Hörer von Radio Rom:
„Es sollte eine Weltföderation von Esperanto-Radios zusammen mit einer zentralen Zeitschrift oder einem Programmheft gegründet werden. Von Zeit zu Zeit soll Programmwechsel zwischen den Radios sein. Auf diese Weise, daß wenn man ein interessantes Programm von einer Sendeanlage nicht hören kann, könnte dieses jenes Radio wiederholen, welches besser hörbar ist.“
Dieser Wunsch entspringt offensichtlich aus einem Mangel an Realität: Die besser hörbaren Sendestationen werden nie anderer Programme bei sich unterbringen, weil sie es selbstverständlich vorziehen, ihre Anlagen auszunutzen, um ihre Weltanschauungen zu verbreiten: Ist es beispielsweise realistisch, zu denken, daß Radio Vatikan Peking helfen soll oder daß Warschau als Relaisstation* von Rom fungieren soll? Man soll hierzu nicht die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Betreuern der verschiedenen esperantosprachigen Sendungen und die offiziellen Beziehungen der betreffenden Sender durcheinanderbringen: Zwischen Warschau und Rom beispielsweise sind die offiziellen Beziehungen nahezu Null, und jene Haltung können die Esperantisten, die an den zwei Stationen Dienst tun, nicht mildern. Die Beziehungen zwischen den verschiedenen Esperanto-Redaktionen sind allgemein auf rein persönlicher Ebene (so wie beispielsweise zwischen Rom, Warschau, Wien, Zagreb, Schweizer Radio, dem Vatikan, Sabadell und Pécs), und es wäre sogar interessant zu untersuchen, ob solche freundschaftlichen Beziehungen von den offiziellen Radio-Instanzen gemocht werden (oder richtiger, ob sie gemocht würden, wenn sie den Radio-Instanzen bekannt wären).
Selbstverständlich gibt es auch Stationen, die nicht untereinander konkurrieren und andere Programme unterbringen; doch geht es da um sehr genau definierbare Fälle: Entweder nimmt die Senderkette an einem definierten politischen Rahmen teil (beispielsweise nahm das italienische Radio vor einigen Jahren sehr oft Programme der „Stimme Amerikas“ bei sich auf), oder die Gastgeber-Sender werden bezahlt, um zu übernehmen (beispielsweise sendet Radio Luxembourg in Rom produzierte Programme für die italienischen Auswanderer, für welche die italienische Regierung den Gegenwert von etwa 400 Dollar für jede Sendestunde zahlt).
Sogar die Informationen über Esperanto, die mehrere Esperanto-Redaktionen in ihre Sendungen einschieben, sind nach meiner Meinung ein wenig „Schmuggelware“. Im Fall von Rom beispielsweise sollte ich nur die von den Journalisten des Italienischen Radios original in italienisch geschaffenen Texte über kulturelle, soziale und wirtschaftliche Themen verwerten; nur halbversteckt und inoffiziell widme ich einen Teil der Sendungen dem „Kuriero de Esperanto“ (Esperanto-Kurier), und wenn diese Rubrik zu umfangreich aussieht, reihe ich die Esperanto-Informationen in der Rubrik „Leterkesto“ (Briefkasten) in Form von Mitteilungen vonseiten der Zuhörer ein. Übrigens, auch die dritte Kolumne „Novaĵoj el Italujo“ (Neuigkeiten aus Italien) betreffend, stimmt die Realität nicht immer mit der Theorie überein: Sehr oft bleibt freilich aus dem von einem Journalisten verfassten Originaltext in meiner Übersetzung nur das allgemeine Thema übrig, während ich den Inhalt dafür völlig neu schreibe, um ihn an das Esperanto-Publikum anzupassen (doch die Radio-Instanzen sind sich darüber gar nicht bewusst, und die Journalisten sind sogar sehr stolz darauf, daß die Hörer „ihre Texte…“ günstig bewerten).
Fortsetzung folgt!
[:] Tatsächlich haben Esperanto-Radios, die sich inzwischen meist ins Internet verlagerten, nicht einfach gemeinsamen Interessen. Absichten sind vorgegeben und durchaus abweichend. So gibt es z.B. Staaten, die möglichst viele Hörer erreichen wollen, um ihre Ideologien zu verbreiten. Dafür nutzen sie auch Esperanto. Es gibt aber auch Programme von Esperantisten, um Esperanto-Themen zu streuen. Dort kann das Polnische Radio eingeordnet werden, welches ja längst nicht mehr das alte staatliche Auslands-Programm ist, das aber natürlich auf dieser Tradition aufbaut. [se]
Opinio de Emilija Lapenna, Radio Zagreb
(Meinung von Emilija Lapenna, Radio Zagreb)
Zagreb (pp) – Auch Frau Emilija Lapenna, Redakteurin der Esperanto-Sendungen von Radio Zagreb, äußerte ihre Meinung über das Problem einer Esperanto-Radio-Zeitschrift und beantwortete die zwei im Bulletin 1/77 „Esperanto en Radio“ veröffentlichten Fragen.
Sie schrieb in einem Brief vom 14. Juni 1977: „Ich gratuliere Ihnen persönlich und danke für Ihre beständige den esperantosprachigen Radiosendungen gegebene Aufmerksamkeit und nun auch für die erschienene „Esperanto en Radio“.
Gleichzeitig beantworte ich die zwei im Radio Bulletin 1/77 erschienen Fragen.
1. Könnte eine spezielle dauerhafte Rubrik „Esperanto en Radio“ in EER einstweilig die Idee einer Radiorevue verwirklichen: EER hat eine umfangreiche Leserschaft und RADIO-REVUO sollte für seine Umbenennung kämpfen. Deshalb JA!
2. Akzeptieren die Leser und Zuhörer politische Texte usw.: JA.“
[[ Bestellt bei Ludwig Pickel, Buchdienst, Postfach 2113, D- 8500 Nürnberg 1, Postscheckkonto Nürnberg 819 56-851
Pilo-Press 
[:] Leider wurden einige Ausgaben der Eŭropa Esperanto-Revuo nicht vorgefunden. Für den Zeitraum der Eŭropa Esperanto-Revuo 1977 04 und 1978 01 (bis zum April) erscheinen hier einige Beiträge aus den ebenfalls von Ludwig Pickel wöchentlich herausgegebenen Pilo-Press-Blättern, zu Beginn mit einer zeitlichen Überschneidung. [se]
Pilo-Press 1977 08 februaro
Ĉu ni bezonas Radio-Revuon?
(Brauchen wir ein Radio-Magazin?)
Mit großer Neugierde lese ich immer Ihre Informationen und Erfahrungen über das Anhören verschiedener Radiostationen. Immer mehr vertieft sich in mir die Überzeugung, daß es vielleicht interessant sein würde, die Eŭropa Esperanto-Revuo zu prüfen und entsprechend Charakter und Inhalt in ein Magazin für Radiohörer umzuwandeln. Damit könnten Sie mehr Abonnenten unter den Zuhörern anwerben! Die Wirkung wäre sicher umfassender und ein Nutzen für die ihre Programme auch in Esperanto ausstrahlenden Radiostationen…
Eine Internationale Radio-Zeitschrift oder eine Europäische Radio-Zeitschrift könnte die Hörerschaft aus verschiedenen Ländern befeuern, die interessantesten Texte aus den Sendungen veröffentlichen, bspw. über Themen zur Bewegung und zum Radio, Briefe und Erfahrungen der Zuhörer veröffentlichen, Empfehlungen zum Antennenbau, Nutzung der Sendungen in Kursen und um sich zu informieren usw. usw., untereinander Gesichtspunkte zum Sprachgebrauch im Radio austauschen usw. Die Bewegung ist berechtigt, eine solche Zeitschrift, welche momentan nur Sie bereitstellen können, nicht zu missen! Ich selbst wäre bereit, beständig mitzuarbeiten.
Überdies könnten Radiostationen bezahlte Werbungen zu Sendezeiten und Preisausschreiben veröffentlichen, große Firmen wären versucht, ihre Anzeigen aufzugeben, im Glauben, daß eine Internationale Radio-Zeitschrift eine beträchtliche Reichweite hat und es sich lohnt, darin Anzeigen aufzugeben usw. usw. Denken Sie darüber nach! Eine IRR ist etwas, was wir nicht missen sollten. Ich glaube fest daran, daß alle Radiostationen die Initiative unterstützen und, darin ihr eigenes Interesse sehend, sie dauerhaft und kostenlos bewerben werden.
Übrigens, fragen Sie dazu die Leserschaft von „Pilo-Press“ und von anderen Esperanto-Magazinen.
Andrzej Pettyn, Milanówek
Pilo-Press 1977 09 marto
Pri la laboro de la komitato „Esperanto en la lernejojn“
(Über die Arbeit der Kommission „Esperanto in den Schulen“)
Laut einem Interview im Schweizer Kurzwellendienst
Herr Claude Gacond interviewte in einer der vergangenen Sendungen des Schweizer Kurzwellendienstes den Sekretär des Schweizer Kommission „Esperanto in den Schulen“, Herrn Olivier Tzaut. Auf Grundlage des Interviews präsentieren wir unseren Lesern die Arbeit und Ergebnisse dieser interessanten Initiative.
Herr Tzaut sagte: Um 1970 schuf ich mit Kollegen eine Arbeitsgruppe, genannt „Gruppe Schule und Leben“, welche durch die Pädagogik des berühmten bekannten französischen Pädagogen Frenet inspiriert wurde. Über Jahre hinweg trafen wir uns regelmäßig in verschiedenen Schulen, um Erfahrungen und Ideen auszutauschen, Unterrichtsmaterialien anzufertigen usw. Und aus dieser Gruppe „Schule und Leben“ bildete sich schließlich die Kommission „Esperanto in den Schulen“ heraus.
Die Entscheidung, sie auf den Weg zu bringen, wurde im November 1974 ergriffen, und die ganze Sache begann tatsächlich im Februar 1975. Hierauf versendeten wir einen Aufruf an mehrere hundert Personen, hauptsächlich aus dem Lehrumfeld und vor allem in der Romandie. Zuerst war es ein Brief, welcher das Problem der Internationalen Sprache allgemein und die diesbezügliche Situation in der Schweiz vorstellte. Man kündigte an, daß ich als provisorischer Sekretär bereit bin, in den verschiedensten Milieus zu informieren und daß ich in Zusammenarbeit mit dem Esperantistischen Kulturzentrum in La Chaux-De-Fonds arbeiten werde. Am Ende des Briefes startete ich einen Aufruf, dafür daß man unsere Tätigkeit finanziell unterstützen solle. Diesem Aufruf folgten 45 Personen, hauptsächlich nicht Esperanto sprechende, jedoch Esperanto gewogene Lehrer/innen.
Über das Arbeitsprogramm
Die Hauptpunkte sind die folgenden:
1) Systematische Information der Bildungseinrichtungen, Lehrerschaft, politischen Instanzen, Journalisten;
2) Dossiers anfertigen;
3) Kurse eröffnen;
4) Lehrversuche durchführen, deren Ergebnisse wissenschaftlich gemessen werden, und letztere bekanntmachen;
5) Den Bildungsministerien einen Lehrplan vorschlagen.
Danach kündigte ich im selben Rundschreiben zwei vom Zentrum zur Vervollkommnung der Lehrerschaft des Kantons Bern vorgeschlagene Esperanto-Kurse an. Diese Kurse waren im April und Oktober 1975 durchzuführen. Schließlich gab es ein Anmeldeformular, das folgendermaßen lautete: Unterschreibend x verpflichte ich mich, x Franken pro Monat zu zahlen, um die Verwirklichung des Kampagnen-Programms zu unterstützen.
Gab es vorteilhafte Reaktionen?
Ja! Für 2 Jahre erhielten wir annähernd 25.000 Schweizer Franken, die es erlaubten, eine großartige Arbeit auszuführen. Allerdings halfen uns nicht mehr als 120 Personen finanziell. Das große Problem ist, den zahlreichen Personen, welche unsere Bemühungen befürworten, verständlich zu machen, daß ihre Sympathie für uns wichtig ist, ihre finanzielle Hilfe viel mehr nutzen würde!
Gab es interessante Ergebnisse?
Immerhin, die interessantesten Ergebnisse sind, daß das Wort „Esperanto“ in der allgemeinen Öffentlichkeit immer mehr seine Wunderlichkeit verliert; viele Zeitungen lassen gerne Artikel über die Internationale Sprache erscheinen. Und ich würde etwas wichtiges sagen; ich bin überhaupt nicht der Meinung, damit man Esperanto als Brückensprache akzeptiere, man den Namen auswechseln und nie mehr über Esperanto sprechen soll, ein Wort, welches wie man sagt die Leute zum Lachen veranlasst. Nicht das Wort selbst bewirkt es zu lachen, sondern der Fakt, daß das Phänomen Esperanto in der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt ist.* Sobald das Publikum das Wort regelmäßig hört oder liest, dann verliert es seine Wunderlichkeit und folglich seine Lächerlichkeit.
Deshalb stimme ich ganz und gar nicht mit denen überein, welche nur über eine Plansprache oder einer Internationalen Sprache sprechen, befürchtend, daß das Wort Esperanto die Öffentlichkeit entfernen würde. Ich fürchte viel mehr die unzutreffende Propaganda vieler Esperantisten und die Tatsache, daß zu viele von ihnen die Sprache quasseln. Man muß sich immer daran erinnern, daß das geeignetste Argument immer eine gute Beherrschung der Sprache ist.
Zum Erreichten der Kampagne
Zwei Jahre lang präsentierte ich oft in Zusammenarbeit mit Claude Piron, Genf, mindestens 1.500 Schülern aus Grundschulen, weiterführenden Schulen und Lehrer-ausbildenden Hochschulen Esperanto. Außerdem präsentierten wir anlässlich von Zusammenkünften vielen Kollegen Esperanto. Die Reaktionen waren allgemein ausgezeichnet. Aber eine Sache ist es – seine Meinung bezüglich der internationalen Sprache umzuändern, und eine ganz andere Sache ist es – zu beginnen, die Sprache zu erlernen und finanziell zu ihrer Ausbreitung beizutragen. Ich würde sagen, daß sich die Haltung gegenüber Esperanto fortwährend entwickelt und zwar sehr positiv.
Folglich würde ich sagen, daß das Zeitungswesen, Radio und Fernsehen eine mehr und mehr günstige Haltung einnehmen. Es ist aber wichtig zu sagen, daß persönliche Kontakte mit Journalisten sehr effektiv sind, jedoch unter der Voraussetzung, daß man ein wenn möglich gutes Dossier zu dem Problem besitzt. Journalisten interessieren sich doch überhaupt nicht für das Glaubens-Bekenntnis; sie mögen feststehende Dossiers. Es ist also besser, nichts zu tun, als hinzugehen um Journalisten mit einem bloßen Glaubens-Bekenntnis zu treffen, mit einer fantastischen Behauptung wie „in der Welt gibt es 16 Millionen Esperanto-Sprecher…“
Zum Ende des Interviews zeigte sich Olivier Tzaut auch als geschickter Liedermacher und Gitarrist. Er sang ein mexikanisches Chanson in Esperanto mit dem Titel „Voĉo de gitaro mia“.
[:] „…. ich bin überhaupt nicht der Meinung, damit man Esperanto als Brückensprache akzeptiere, man den Namen auswechseln und nie mehr über Esperanto sprechen soll, ein Wort, welches wie man sagt die Leute zum Lachen veranlasst. Nicht das Wort selbst bewirkt es zu lachen ….“ Richtig. Doch ist es sinnvoll zu betonen, daß Esperanto innerhalb eines sich einigenden Europas quasi unser Europäisch ist. Nicht, um schamvoll das „böse Wort“ zu umgehen, sondern um den Zweck zu benennen. Das Thema ist alt, wie man bereits bei Josef Zauner erkennen kann.
Es ist nicht auszuschließen, daß andere Staaten in der Welt auf die Integration eigener Wortstämme beharren werden, selbst wenn wir in Europa Esperanto zwischenzeitlich noch intensiver nutzen würden. Es wäre gut, diese sich vielleicht etablierende (Ido-)Sprache zu beherrschen. Doch ebenso weiterhin das dann vermeintlich als das klassisch angesehene Esperanto in seiner Nutzung als Europäisch. Wer die eine Sprache gelernt hat, würde auch die andere schnell lernen. Wer kann so eine Entwicklung ausschließen? [se]
Reagoj – opinioj (Reaktionen – Meinungen)
Vielen Dank für Ihre sehr gut redigierte Pilo-Press! In der jetzigen Ausgabe, wo die großzügige Erwähnung über den Vortrag von Herrn Trixini in Koblenz erschien, las ich auch einen äußerst interessanten Artikel von unserem Gleichgesinnten A. Pettyn ​​über die eventuelle Ausgabe einer Eŭropa Esperanto-Radio-Revuo. Die Idee ist großartig, und ich persönlich würde es mögen, sie mit aller Kraft hundertprozentig zu unterstützen!
Alle Stationen sollten danach streben, den Zuhörern nach Möglichkeit das beste Programm zu präsentieren, sofern sie wissen, daß der Text der einzelnen interessantesten Programmpunkte auch in einer Radio-Revuo erscheinen würden! Natürlich müssten diese Sie in diesem Fall regelmäßig schon im voraus mit Manuskripten versorgen, da es sein kann, daß das Anhören wegen verschiedener Gründe nicht möglich wäre. Dann würden die Leser schon aus reiner Wissbegier versuchen, die verschiedenen Stationen einzufangen und von der schönen Aussprache, einem guten Stil und einem interessanten Inhalt der einzelnen Stationen überzeugt werden.
Es könnte ein echter Wettbewerb zwischen den verschiedenen E-sendenden Stationen entstehen, um das Beste in jeder Hinsicht zu werden! Die Zuhörer könnten auch auf den Seiten der Radio-Revue ihre Meinung ausdrücken und auf diese Weise würde das ganze Radiohören belebt werden, doch wäre es gewiss auch für Sie nützlich, wenn Sie es in Angriff nehmen würden, diese Zeitschrift herauszugeben…..
Dr. J. Kondor, Neuwied, BRD
Pilo-Press 1977 12 marto
Eŭropa Esperanto-Kongreso
(Europäischer Esperanto-Kongreß)
Paderborn (pp) – Wir machen erneut auf den Europäischen Esperanto-Kongreß vom 27. bis 31. Mai 1977 in Paderborn aufmerksam.
Im Rahmen des Europäischen Esperanto-Kongresses wird die Jahreshauptversammlung des Deutschen Esperanto-Bundes stattfinden. Die Mitglieder des DEB müssen wichtige Entscheidungen treffen!
Wer soll Präsident des Deutschen Esperanto-Bundes werden? Dr. Werner Bormann, der bisherige Präsident, ist nicht weiter bereit, für diese Funktion zu kandidieren. Und dies scheint eine vernünftige Entscheidung zu sein, da er wohl tatsächlich mit anderen wichtigen Funktionen überfrachtet ist, welche er bevorzugt und in welche er mehr intensivieren möchte. Der DEB muß daher seine Entscheidung respektieren. Notwendig ist somit, einen anderen geeigneten Kandidaten zu finden, welcher dazu bereit ist, einen Großteil seiner Freizeit dem Wohlergehen und Fortschritt des Deutschen Esperanto-Bundes zu opfern. Die Verbände, Fach-Organisationen, lokalen Gruppen und Aktivisten sollten diese Situation bereits jetzt überdenken und diskutieren. Und die Kandidaten selbst sind angerufen, sich für eine Wahl vorzustellen!
Eine andere wichtige Frage ist das Verbandsorgan. Ist die internationale Zeitschrift „Esperanto“ die bequemste und brauchbarste Zeitschrift für die Mitglieder des Deutschen Esperanto-Bundes? Auch darüber müssen die DEB-Mitglieder entscheiden!
Schließt euch also dem Europäischen Esperanto-Kongreß an!
Pilo-Press 1977 15 aprilo
La ne-amata lingvo monda
Esperanto – die ungeliebte Weltsprache IV
In einer Sonder-Beilage „Europa und die Welt“ zu 4 weltweiten Zeitungen erschien ein sehr schöner, trefflicher Artikel über Esperanto, welchen wir unten veröffentlichen:
EUROPA UND DIE WELT
Die ungeliebte Weltsprache
Es ist noch kein Jahrhundert her (1887), daß der Augenarzt Ludwig Lazarus Zamenhof in Warschau die erste Erklärung über eine neue „Internationale Sprache“ veröffentlichte, über das Esperanto. …. Und das erklärt vielleicht die paradoxe Erscheinung, daß so viele Argumente, so viel Aktivität und Engagement für das Esperanto so wenig bewirkt haben: In der Bejahung des Esperanto liegt so viel Rationales, daß es uns zuviel wird…
JACQUES CELLARD
Dienstag, 5. April 1977 – Nr. 80
THE TIMES | DIE WELT | Le Monde | LA STAMPA
Esperanto en Radio (Esperanto im Radio)
Als Beilage zu dieser Ausgabe von Pilo-Press finden die Leser eine Radio-Bulletin „Esperanto en Radio“. Dieses Bulletin ist eine Folge der Diskussion über ein etwaiges Internationales Radiomagazin in Esperanto. In diesem Bulletin werden auch polemische politische Kommentare von Radio Warschau und ORF Wien veröffentlicht. Wie wir bereits im Bulletin schrieben, sind die dort ausgedrückten Meinungen und Standpunkte allein jene der betreffenden Radiostationen. Politische Programme sind ja doch wesentliche Bestandteile der Esperanto-Programme, wir wollten nur mal einige Beispiele geben. Gleichfalls erschien in Nr. 7-8/76 der Eŭropa Esperanto-Revuo eine 5-seitige Rubrik „Esperanto en Radio“.
Manifesto 1977 (Manifest 1977)
Wembley (pp) – Prof. Dr. Ivo Lapenna, der ehemalige Präsident der UEA, versendete an die Redaktionen von Esperanto-Zeitschriften und die Esperanto-Abteilungen von Radiostationen einen Text des „Manifests 77 der Esperanto-Bewegung“ mit dem Titel „Für Frieden in Freiheit – Für Freiheit in Frieden“, in welchem er für die Menschenrechte und grundlegende Freiheiten plädiert. Das „Manifest 77“ besteht aus 5 Absätzen und 4 Anmerkungen. Esperanto-Organisationen und Einzelpersonen sind aufgerufen, das „Manifest 77“ zu billigen und mitzuunterzeichnen.
Aus dem 3. Absatz zitieren wir:
inmitten vom Jahr 1947*, …. das Statut des Esperanto-Weltbunds (UEA) – damals eine repräsentative Weltorganisation der parteipolitisch neutralen Esperanto-Bewegung …. Tatsächlich beteiligte sich die UEA im Zeitraum 1948-1974, inspiriert von humanitären Motiven,
[:] *Gemeint ist wohl 1974 [se] 
(Die Unterstreichungen kamen durch Pilo-Press zustande!)
Es ist gewiss eine edle Aufgabe für jeden Esperantisten, für die Menschenrechte einzutreten und alle Aktionen zu deren Verwirklichung zu unterstützen. Dennoch weisen wir all jene Esperantisten und insbesondere UEA-Mitglieder, welche das „Manifest 77“ von Prof.Dr. Ivo Lapenna billigen und mitunterzeichnen wollen, darauf hin, die unterstrichenen Sätze aufmerksam zu lesen.
Nach unserem Verständnis behauptet der Initiator dieses „Manifests“ in diesem Text, daß der derzeitige Esperanto-Weltbund seit 1974, also seit dem Hamburger Kongreß, nicht weiter eine „repräsentative Weltorganisation der parteipolitisch neutralen Esperanto-Bewegung“ sei und daß die aktuelle UEA nicht mehr „von humanitären Motiven inspiriert“ sei.
Pilo-Press 1977 16 aprilo
Informoj de la LLK en Paderborn
(Informationen vom LLK in Paderborn)
Paderborn (pp) – Das Lokale Kongress-Komitee des Europäischen Esperanto-Kongresses informiert:
Für die deutschen Esperantisten ist der diesjährige Kongreß in Paderborn wichtig, da es während der Jahreshauptversammlung des DEB notwendig sein wird, einen neuen Präsidenten für den Deutschen Esperanto-Bund zu wählen. Wer wird die Vereinigung in den kommenden Jahren leiten, welcher Dr. Werner Bormann in den letzten 10 Jahren geschickt vorstand?
Von vielen neuen Ideen wird man in Paderborn hören – und die Esperantisten werden sie beurteilen müssen. Außer den verlockenden unterhaltsamen Programmen, über die wir bereits informierten, sind nun viele Sitzungen vorgesehen, teils von bekannten Esperanto-Vereinigungen, teils vom neuen Europa-KLUB.
Über die Sitzungen werden auch die nun zu versendenden Mitteilungen zusammen mit den Anmelde-Bestätigungen informieren. Angemeldet sind bereits Gleichgesinnte aus den Niederlanden, der Bundesrepublik Deutschland, Belgien, Schweden, Österreich, der DDR, Frankreich, Kanada und den USA.
Adresse des LKK: Europäischer Esperanto-Kongreß, Falkenweg 10, D-4790 Paderborn.
Aktivecoj de la Universitata Esperanto-grupo
(Aktivitäten der Universitäts-Esperanto-Gruppe)
Münster (pp) – Beim Kolpingwerk hielt Dr. Otto von Habsburg, Vorsitzender der Paneuropa-Union, am 26. März in der Münsterland-Halle von Münster einen Vortag.* Zum Zweck der Vorbereitung des Europäischen Esperanto-Kongresses verteilten Mitglieder einer Universitäts-Esperanto-Gruppe 500 Werbeblätter „5 vor 12 für Europa“, ein Werbeblatt des DEB.*
[:] Textvorlage waren zwei Sätze, die vermutlich einer sein sollten. Neu zusammengesetzt entstand obiger Text. Bitte beachten! [se]
Pilo-Press 1977 17 aprilo
Internacia lernejo kadre de ILEI-eksperimento
(Internationale Schule im Rahmen des ILEI-Experiments)

Saint Gerard (pp) – Vom 14. bis 22. Mai (Schulzeit) wird im Rahmen des ILEI-Experiments (Zweite Region) eine Internationale Schule in Saint Gerard, Belgien stattfinden, an der 3 Klassen aus den Niederlanden, 2 Klassen aus Frankreich, 1 Klasse aus Belgien und 3 Klassen aus der Bundesrepublik Deutschland (Niedersachsen) teilnehmen werden. Leider können Klassen aus Griechenland, die ebenfalls am Experiment teilnehmen, nicht an diese Internationale Schule kommen.
Die Internationale Schule zielt darauf ab, zu demonstrieren, daß Schüler in verschiedenen Fächern mit Esperanto unterrichtet werden können. Die Fächer, in welchen man die Schüler unterrichten wird, sind:
Mathematik, Geographie, Musik, Zeichnen, Sport und Esperanto.
Außerdem sieht man ein „Europäisches Fach“ vor, in welchem man eine Idee von Europa vorstellen und diskutieren lassen soll. Man hofft, daß aus diesem „Europäischen Fach“ ein gemeinsamer Brief (eine Resolution) der Kinder an die verschiedenen europäischen Behörden resultiert.
Die Veranstaltung betreffend ist verantwortlich: Esperanto-Schul-Experiment, II. Region von ILEI, Helmut Sonnabend, In den Horstwiesen 42, D-3150 Peine, BR Deutschland.
Pilo-Press 1977 18 majo
Esperanto en Radio (Daŭrigo)
(Esperanto im Radio (Fortsetzung)) 
Wir vermögen es, die 4 Seiten dieses Bulletins, über die Esperanto-Sendungen berichtend und kommentierend, wöchentlich zu füllen. Doch Pilo-Press ist ja ein allgemeines Informationsblatt und kann sich nicht auf die Probleme der Esperanto-Sendungen begrenzen. Aber möglicherweise werden wir nach und nach den Plan, ein regelmäßiges Radio-Bulletin herauszugeben, realisieren können, wenn ein Interesse seitens der Leser und Zuhörer besteht. In Gesprächen der letzten Zeit drückten einige Leser ihre Zufriedenheit über die erste Ausgabe eines solchen Radio-Bulletins mit politischen Texten aus, das sie mit Neugier und Interesse lasen. Doch es scheint, daß momentan keine Grundlage für eine eigene Radio-Revue besteht. Das Problem vom „Esperanto im Radio“ muß man durch die bereits existierenden Esperanto-Zeitschriften lösen, welche regelmäßig separate Rubriken „Esperanto im Radio“ zu veröffentlichen haben. Um dies trotzdem zu vollbringen, ist es notwendig, daß der Mitarbeiter dieser Rubrik die Esperanto-Sendungen wenn möglich regelmäßig anhören muß, da man nicht über etwas schreiben kann, was man nicht kennt. Das bedeutet, daß „Esperanto im Radio“ insgesamt eine bedeutendere und wesentlichere Rolle im Bewusstsein der Esperanto-Gemeinschaft spielen muß.
Rimarkoj pri lasttempaj elsendoj
(Bemerkungen zu Sendungen der letzten Zeit)
Warschau. „Die Überlegenheit der sozialistischen Demokratie“ war der Titel einer der Kommentare der vergangenen Tage. Je mehr sich der Termin der Konferenz in Belgrad nähert, desto öfter hört man derartige Kommentare und Übertretungen von polnischen Führern. Und aus diesen Aussagen muß man folgern, daß man in Polen wahrhaftig „Menschenrechte“ nach anderen Kriterien definiert als in westlichen Ländern. Selbst das Wort „Demokratie“ hat in den zwei ideologischen Blöcken ungleiche Inhalte. – Regelmäßig kann man die Rubriken hören:
„Aus dem Leben der PEA“, „Durchblick der Esperanto-Presse“ und „Esperanto Express“. – Die sonntägliche Kleine Esperanto-Ecke im Rahmen des deutschsprachigen Programms ist am besten morgens, ein paar Minuten vor 7 Uhr, auf Welle 49 Meter hörbar. In der Kleinen Ecke vom vergangenen Sonntag zitierte Jerzy Grum aus dem Artikel „Ein Weltkongreß unter Eskimos?“ von H. Röllinger in der Eŭropa Esperanto-Revuo 7-8/77.
Pilo-Press 1977 19 majo
UEA-estrarkunsido (UEA-Vorstandssitzung)
Rotterdam (pp/uea) – Vom 15. bis zum 17. April 1977 hielt in Rotterdam der Vorstand des Esperanto-Weltbundes eine Versammlung ab und behandelte die Angelegenheiten der Vereinigung, wie Finanzen, Zentrales Büro, Statut und Geschäftsordnung, Weltkongresse und die Außenbeziehungen.
Die Außenbeziehungen waren eines der wichtigeren Themen der Sitzung. Der Vorstand beschloss, einen Vertreter der UEA zur Konferenz zum Sprachenproblem zu entsenden, welche die Europäische Kommission Anfang Mai in Luxemburg organisierte. Der Vorstand billigte den Text einer Stellungnahme betreffs der sprachlichen Aspekte der Realisierung der Schlussakte, welche die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in Helsinki 1975 annahm. Die Stellungnahme wird den 35 Unterzeichnerstaaten für deren Berücksichtigung in Verbindung mit der Konferenz zur Realisierung der Schlussakte, die bald in Belgrad stattfinden wird, zugesandt. Der Vorstand vernahm ebenfalls einen Bericht des Präsidenten über seine jüngsten erfolgreichen Unterredungen bei der UNESCO und erörterte diskutierte Pläne in diesem Bereich.
La prezidanto de UEA al Pilo-Press
(Der Präsident der UEA an Pilo-Press)
Der Präsident der UEA, Dr. Humphrey Tonkin, schickte mit Datum vom 28. April 1977 den nachstehenden Brief an Pilo-Press:
„Werter Herr Pickel,
Ich möchte Ihnen anlässlich Ihrer guten Präsentation der Sache des Manifests von Lapenna gratulieren. Ich bedaure tatsächlich sehr, daß er einen durchaus guten und würdigen Text durch solche Anspielungen auf die inneren Angelegenheiten der Esperanto-Bewegung beschädigt hat.
Ich ergreife die Gelegenheit, Ihnen erneut für Ihre immer sehr gute und treffliche Informationsarbeit zu gratulieren.
Herzlich grüßt,
gez. Humphrey Tonkin“.
Redaktionelle Anmerkung: Es handelt sich um die Information in Pilo-Press Nr. 15/77 S. 4 unter dem Titel „Manifest 1977“.
Internacia Junulara Renkontiĝo
(Internationales Jugend-Treffen)
Paderborn (pp) – Im Rahmen des Europäischen Esperanto-Kongresses in Paderborn veranstaltet die Deutsche Esperanto-Jugend vom 27. bis 30. Mai ein Internationales Jugendtreffen.
Nova konkurso de Pola Radio
(Neuer Wettbewerb des Polnischen Radios)
Der Polnische Rundfunk kündigt einen neuen Wettbewerb für ausländische Hörer an. 10-tägige Exkursionen durch Polen und wertvolle Objektpreise sind von Zuhörern zu gewinnen, welche auf folgende Fragen antworten:
1) Welche Vorschläge unterbreiteten die sozialistischen Staaten – Mitglieder des Warschauer Vertrags – während ihrer Bukarester Konferenz im November 1976? Was hältst du von diesen Initiativen?
2) Was denkst du zu Möglichkeiten der internationalen Zusammenarbeit in Europa im Bereich Energie, Transport und Schutz der natürlichen Umwelt?
3) Wie stehst du zu dem sich nahenden Treffen der Unterzeichner der Helsinki-Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit – in Belgrad? Was erwartest du von diesem Treffen?
Eine Beantwortung von bereits einer der obigen Fragen berechtigt dazu, an der Verlosung der Preise teilzunehmen.
Radio Luksemburgo pri Esperanto
(Radio Luxembourg über Esperanto)
Nova sukceso de pastro Kindler-Triksini
(Neuer Erfolg von Priester Kindler-Trixini)
Am 28. April 1977 hatte Trixini das erste Mal die Möglichkeit, in einer aktuellen Ausstrahlung von Radio Luxembourg über die Internationale Sprache zu sprechen.
In einem Interview mit Rainer Holbe (der übrigens auch den Zuschauern des Deutschen Fernsehens gut bekannt ist) konnte er über die Struktur und die Vorteile der Zweitsprache für alle, über die gegenwärtigen Erfolge und die Hoffnungen für die Zukunft plaudern. Die Zuhörer konnten sich selbst von der Klarheit und Schönheit der Internationalen Sprache überzeugen: Man vernahm drei Strophen eines Esperanto-Liedes. Auf der Schallplatte singt Béby Kohl religiöse Lieder, übersetzt von Trixini.
Doch der größte Erfolg: Radio Luxembourg (RTL) lud nun Priester Kindler ein, aller acht Wochen zu kommen, um die Freunde der weltbekannten Sendestation über die Neuigkeiten aus Esperantien zu informieren. Man wird über die eventuelle Einrichtung einer regelmäßigen Esperanto-Sendung nachdenken, wenn Trixini sein Esperanto-Zentrum im Großherzogtum, in der „Europäischen Hauptstadt“, haben wird.
Trixini bittet nun alle Gleichgesinnten, insbesondere Jugendliche aus der ganzen Welt, an RTL – Radio Luxembourg zu schreiben und um eine regelmäßige Esperanto-Sendung zu bitten! Doch hier wichtige Ratschläge von Trixini:
Schreibt keine zu langen Briefe! Beschreibt nicht die gesamte Geschichte der Esperanto-Bewegung! Verwendet nicht zu viel der grünen Sterne! Und schreibt lesbar auf gutem Papier. Man muß immer feststellen, daß der Eindruck, welchen viele Esperanto-Briefe und -Postkarten machen, nicht sehr schön ist.
Sendet auch Ausschnitte aus den Zeitungen und Zeitschriften, in welchen man diese Informationen publiziert, an TRIXINI, Europäische Pfarrgemeinde, Postamt 175, Luxemburg, Luxemburg. Dies würde sehr helfen, den Plan zu einer Esperanto-Sendung bald zu verwirklichen!
Opinioj – reagoj (Meinungen – Reaktionen)
Pri „Esperanto en Radio“ n-ro 1/77
(Über „Esperanto im Radio“ Nr. 1/77)
Antipodana reago (Antipodaner-Reaktion)
Heute traf Pilo-Press Nr. 17/77 ein, zusammen mit der Nr. 1 des „Esperanto en Radio“. Sie bitten die Leser, ihre Meinungen abzugeben.
Wir im fernen Australien können fast nie die Sendungen von europäischen Radio-Stationen hören. Deshalb ist Ihr Esperanto-Magazin überaus willkommen.
Ich bin Redakteur von „Aŭstralia Esperantisto“ und bin gern bereit, von Zeit zu Zeit Auszüge drucken zu können, die unsere Leser sicherlich interessieren würden.
Aber: Verstehen Sie gut, daß in Australien und Neuseeland nicht Arbeiter-Esperanto-Klubs, auch nicht katholische oder protestantische Esperanto-Klubs existieren.
Wegen des Fakts, daß unsere Klubs kämpfen, um am Leben zu bleiben, oft mit nur 10 aktiven Mitgliedern – und nur in den Provinz-Hauptstädten – kann man sich in Australien ganz und gar nicht in verschieden tendenziöse Gruppen absondern.
Sicher, Esperantisten sind auch hier entweder neutral, Arbeiter-zugetan, katholisch oder protestantisch, doch dies sind sie hauptsächlich nur außerhalb der Esperanto-Gruppen. In den E-Vereinen selbst versuchen sie, eine strenge Neutralität zu hüten, um die Harmonie unter einer sehr kleinen Mitgliederschaft nicht zu unterbrechen.
Obwohl „Aŭstralia Esperantisto“ möglicherweise 350 Leser hat, müssen wir dennoch die selbe Neutralität beachten. Deshalb dürfen wir Kommentare für oder gegen Kommunismus oder Sozialismus nicht abdrucken. Dennoch wäre Ihr Artikel „Über die kirchliche Struktur der Schweiz“ akzeptabel.
Also: Nach nach meiner Meinung sollten Sie 2 Seiten mit politischen Kommentaren drucken und die anderen 2 Seiten für Radio-Kommentare für kulturelle, geografische oder touristischen Themen reservieren. Dies würde „Antipodaner“ interessieren und keine Spaltungen verursachen. Es ist nicht einmal wichtig, daß Kommentare über kulturellen Themen trotzdem ein wenig  politische Nuancen haben. Wenn es allerdings Kommentare zu historischen Dingen oder Bewegungen sind, wären diese sehr willkommen.
5. Mai 1977
Herbert Koppel, 41 Byfield Street,
Reservoir, 3073 (Melbourne) Aŭstralio
[:] Hier zeigt sich die alte Esperanto-typische Problematik einer politischen Neutralität. Natürlich ist nachvollziehbar, daß sich bei geringer Esperanto-Dichte Gruppen bilden, die unterschiedliche politische Einstellungen der Mitglieder besonders tolerieren müssen. Doch oft wird dabei auch die geopolitische Komponente der Politik verdrängt, obwohl sie doch für Esperanto eine große Rolle spielt. Ein traditionelles Ausklammern der Politik wirkt sich sogar schädlich auf die Akzeptanz von EDE aus. Esperantisten dürfen uns gern mehr unterstützen, auch um etwas für die Freiheit und die Demokratie zu tun, deren Einschränkungen Esperanto (und übrigens auch den Frieden) immer wieder bedroht haben. [se]
Dua Interlingvistika Laborkonferenco
(Zweite Interlinguistische Arbeitskonferenz)
Paderborn (pp) – Vom 26. bis zum 28. Mai wird das FEoLL-Institut für Kybernetische Pädagogik in Zusammenarbeit mit der GPI-Arbeitsgruppe ILUS die Zweite Interlinguistische Arbeitskonferenz mit einem projektbezogenen Gespräch 1977/78 veranstalten. Das Konferenzthema ist „Sprachpädagogik und Sprachübersetzung“. Das Ziel der Konferenz ist es, die zwei Forschungsprojekte des FEoLL-Instituts zu besprechen und zu diskutieren: Sprachorientierungs-Unterricht in der Grundschule auf Grundlage der Internationalen Sprache als didaktisch geeignetes Fremdsprachen-Modell sowie rechnerassistierte Dokumentation und rechnerassistierte Ausbildung zur Erziehungs-Wissenschaft mit Hilfe der Internationalen Sprache.
Adresse: FEoLL-Institut für Kybernetische Pädagogik, Postfach 1567, D-4790 Paderborn, BR Deutschland.
Pilo-Press 1977 20 majo
Eŭropa Esperanto-Kongreso 27-a – 31-a de majo 1977
(Europäischer Esperanto-Kongreß 27.–31. Mai 1977)
Programm | Kongreß-Stätte: Paderhalle, Paderborn
Sonnabends, 28.05.77
14:30 – 17:00 Uhr Möglichkeit zur Teilnahme an der Veranstaltung des Europa-Klubs mit Vorträgen zu den Themen „Ist Unterprivilegierung durch sprachliche Diskriminierung der Preis für die europäische Vereinigung“?
Montags, 30.05.77
15:00 Uhr Sitzung zur Resolution an Europäische Kommission und Parlament auf Initiative des EEC
Esperanto ĉe la Viena Landpartitago
(Esperanto beim Wiener Landesparteitag)
Wien (pp) – Am 7. Mai 1977 fand in Wien der Sozialistische Parteitag der Landes-Organisation Wien statt, in welcher auch der Österreichische Sozialistische Esperantobund (ASLE) mitarbeitete. Der Sekretär der ASLE informierte uns, daß während dieses Landesparteitags drei Vorschläge der ASLE behandelt wurden:
Vorschlag 17
Der Wiener Landesparteitag unterstützt die Bemühungen der Italienischen Sozialdemokratischen Partei, die internationale Sprache Esperanto als gleichberechtigte Arbeitssprache in der Sozialistischen Internationale einzuführen.
Dieser Vorschlag wurde angenommen.
Vorschlag 18
Die Wiener Landesparteitag unterstützt den folgenden, einstimmig angenommenen Beschluß der Spanischen Arbeiterpartei:
„Damit ein wahrhaftiges gegenseitiges Verständnis und Freundschaft zwischen der Arbeiterschaft entstehe, ist es notwendig, daß die Menschen in der Lage sein müssen, unmittelbare Beziehungen aufzunehmen. Darum empfiehlt man, daß alle Sozialistischen Parteien in der ganzen Welt Esperanto für die internationalen Beziehungen, als Sprache der Arbeiterschaft, akzeptieren sollen.“
Dieser Vorschlag wurde an den Bundes-Parteivorstand übergeben.
Vorschlag 19
Um unsere Neutralitäts-Politik zu unterstreichen, sollen die Eltern und Schüler die Möglichkeit erhalten, beim Pflichtfach „Lebende Sprache“, zwischen der englischen und der neutralen internationalen Sprache Esperanto zu wählen.
Der Wiener Landesparteitag bittet den Bundesminister für Bildung, die betreffenden Schritte zu unternehmen.
Auch dieser Vorschlag wurde an den Bundes-Parteivorstand übergeben.
Informkampanjo okaze de la Eŭropa Tago
(Informations-Kampagne anlässlich des Europatages)
München (pp) – Anlässlich des Europatages 1977 organisierte die Europa-Union München eine Werbekampagne für die Wahlen zum Europäischen Parlament im kommenden Jahr. Der Esperanto-Klub München nutzte die Möglichkeit, in diesem Rahmen auf das Sprachenproblem in der Europäischen Union und auf die Lösung, welche Esperanto anbieten könnte, aufmerksam zu machen. Der Klub bat um Erlaubnis, einen Informationsstand in dem städtischen Fußgängerbereich aufzustellen, und verteilte 4.000 Werbeblätter und Esperanto-Informationsblätter an die Passanten.
Über die Informations-Kampagne denkt der Organisator Josef Weidacher:
„Wir stellten fest, daß eine solche Informationsarbeit öfter und an mehreren Orten notwendig wäre. Es zeigte sich, daß viele Menschen nicht wissen, was Esperanto ist und wie es unserer heutigen Welt nützen würde, vor allem der Europäischen Einswerdung.“
Ebenso überraschte uns, daß mehr als 10 Personen – leider nun betagte – sich als ehemalige Esperantisten aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg vorstellten. Damals begünstigte der Völkerbund in Genf Esperanto und viele Menschen lernten diese Sprache, hoffend, daß diese nun zu einem gemeinsamen friedlichen Verständigungsmittel gemacht werden solle.
Es waren die national-staatlichen Mächte, welche erneut die Hoffnungen der Menschen täuschten. Und heute?“
Brilu la Eŭropa Esperanto-Kongreso! (Der Europäische Esperanto-Kongreß erstrahle!) Dies wünschte Barbara Pietrzak von Pola Radio in der Kleinen Esperanto-Ecke im Rahmen des deutschsprachigen Programms am Sonntag, dem 15. Mai, in welcher sie laut Pilo-Press das von Ministerpräsident Heinz Kühn dem Kongreß in Paderborn gewidmete Grußwort zitierte.
Pilo-Press 1977 21 majo
 La rolo de Esperanto-revuo
(Die Rolle einer Esperanto-Zeitschrift)

Seit dem Beginn der Esperanto-Bewegung in Deutschland spielte die von Jean Borel gegründete Zeitschrift „Germana Esperantisto“ eine wichtige Rolle. Ja, Borel, der Herausgeber und Journalist, muß tatsächlich der Schöpfer der Esperanto-Bewegung in Deutschland genannt werden. Diese Rolle spielte der von einem Privatverlag herausgegebene „Germana Esperantisto“ bis 1935. Nach dem Krieg spielte unter ähnlichen Bedingungen die Germana Esperanto-Revuo die selbe Rolle. Kann eine deutsche Bewegung ohne eine eigene Esperanto-Zeitschrift wirklich prosperieren? Auch diese Frage muß die Jahreshauptversammlung von Paderborn beantworten!
Honora premio por „Mia amata Esperanto“
(Ehrenpreis für „Mein geliebtes Esperanto“)
Luxemburg (pp) – Während des jährlichen Kongresses der „Arbeitsgemeinschaft für Werbung, Markt- und Meinungsforschung“ in Luxemburg wurde Richard Schulz, Minden, für sein Buch „Mein geliebtes Esperanto“ im Bereich Linguistik ein Ehrenpreis gewidmet.
Novaĵoj pri la Eŭropa Esperanto Kongreso
(Neuigkeiten zum Europäischen Esperanto-Kongreß)
Paderborn (pp) – Hr. Jürgen Girgensohn, Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen, nahm die Mitgliedschaft im Ehrenkomitee des Europäischen Esperanto-Kongresses an. – Prof. Dr. Ivo Lapenna, der ehemalige UEA-Präsident, wird nicht am Kongreß teilnehmen.
Pilo-Press 1977 22 junio
Eŭropa Kongreso kun multe da turismo
(Europäischer Kongreß mit viel Tourismus)
Paderborn (pp) – 320 Esperantisten aus 9 Ländern nahmen am Europäischen Esperanto-Kongreß teil, welcher zu Pfingsten in Paderborn stattfand. Im Grunde handelte es sich nur um einen Dreiländer-Kongreß, da ihn offiziell die Esperanto-Landes-Verbände von Luxemburg, den Niederlanden und der Bundesrepublik Deutschland stemmten.
Honora Komitato (Ehrenkomitee) [siehe oben]
Salutvortoj (Grußworte) [siehe oben]
Kongresa inaŭguro (Kongreß-Eröffnung) [siehe oben]
Kadra programo (Rahmenprogramm) [siehe oben]
Laboraj kunsidoj (Arbeitssitzungen) [siehe oben]
Jarĉefkunveno de GEA
(Jahreshauptversammlung des DEB) [siehe oben]
Honorigoj (Ehrungen) [siehe oben]
Danko al la LKK (Dank an das LKK) [siehe oben]
Esperanto en Radio (Esperanto im Radio)
Während des Europäischen Esperanto-Kongresses in Paderborn sprach man viel über die Esperanto-Sendungen. Man konnte feststellen, daß die Sendungen sehr populär sind und viele treue Zuhörer existieren. Aktive Zuhörer konnten unter sich Erfahrungen verbinden.
Auch während des Kongresses hörten jene treuen Zuhörer den aktuellen Sendungen zu. Pilo-Press selbst konnte in Paderborn Radio Warschau, ORF Wien, Vatikan gut empfangen.
Luxemburger Wort pri Esperanto
(Luxemburger Wort über Esperanto)
Luxemburg (pp) – Dank der Trixini-Initiative berichtet die Zeitung „Luxemburger Wort“ nun regelmäßig über Esperanto. In der Ausgabe vom 27.05.77 unter der Rubrik „Esperanto“ wurde u.a. ein Foto über den Besuch des UEA-Präsidenten Humphrey Tonkin in Luxemburg veröffentlicht.
Ziel des Besuches waren Besprechungen über einen Plan, in Brüssel und Luxemburg Esperanto-Büros zu errichten. Den Unterredungen wohnten Priester Kindler, Frau Verena Gass, Herr und Frau Moon-Nourmont und Herr Wickler vom Luxemburger Esperanto-Verband bei.
Pilo-Press 1977 23 junio
Bondeziroj de Federacia Kanceliero
(Glückwünsche des Bundeskanzlers)
[siehe oben bei Glückwunschtelegramm des Bundeskanzlers]
Euronews el BBC (Euronews von BBC)
Interessante Antwort von BBC
Rotterdam/London (pp) – BBC, der Britische Rundfunk, verkündete im April, daß man die Möglichkeit diskutiert, dreimal täglich Nachrichten über den Europäischen Gemeinsamen Markt in drei Sprachen, nämlich in der englischen, französischen und deutschen, unter dem Namen „Euronews“ (Europäische Nachrichten) auszusenden.
Herr Lawrence Mee, der die Ankündigung hörte, schrieb umgehend an den Direktor der BBC und fragte, warum die Nachrichten nur auf Englisch, Französisch und Deutsch sein sollen. „Sind die Niederländer, die Dänen und die Italiener nicht wichtig“, fragte er. Und am Ende schlug Herr Mee auch Esperanto vor.
Antwort der BBC
Mit einem Brief vom 13. Mai 1977 antwortete Alexander Lieven, Direktor der Europäischen Dienste der BBC folgendermaßen:
„Ihnen für Ihren Brief an den Generaldirektor zu den Vorschlägen für einen gemeinsamen Radiodienst für Europa dankend, gestatten Sie daß ich erkläre, daß die Wahl der Sprachen Englisch, Französisch und Deutsch, um die vorgeschlagenen Ausstrahlungen zu beginnen, die Tatsache antreibt, daß jene die drei am weitesten verstandenen Sprachen in diesem Erdteil sind. Sie repräsentieren das essentielle Minimum, welchem, so hoffen wir, in jeder der anderen Sprachen gefolgt werden wird, nachdem das Projekt bereits seinen Wert gezeigt hat. Wir stehen in der Tat im vertraulichen Verhältnis zu den Rundfunkbehörden in den anderen betreffenden Ländern.
Sie werden verstehen, daß so eine Ausstrahlung in Esperanto die Zustimmung von allen in das Projekt verstrickten Parteien benötigen würde, und daß jene nur durch eine aktive öffentliche Unterstützung in den Zielländern erreicht werden würde.* (Übersetzung von Lawrence Mee)
Unua internacia lerneja semajno
(Erste internationale Schulwoche)
Saint Gerard (pp) – Die erste Internationale Schulwoche in der Zweiten Region von Europa kam vom 14. bis zum 22. Mai 1977 in der Jugendherberge von Saint-Gerard, Belgien, zustande. Es nahmen 148 Kinder aus 5 Ländern teil: Belgien mit 16, Frankreich 18, BR Deutschland 52 (Schulen Peine, Dollbergen, Balge), Niederlande 48 und Jugoslawien 14.
Die Kinder wurden von 10 Lehrer/inne/n entsprechend 8 Klassen in den Fächern Mathematik, Esperanto, Geographie, Musik, Zeichnen und Sport unterrichtet.
Esperanto en Radio (Esperanto im Radio)
Warschau: Während der vergangenen Tage hörte man vor allem die Stimmen von Barbara Pietrzak und Milada Szveto. Wo sind die Männer? Ob sie faulenzen?
Großzügig und positiv rezensierte Barbara P. die Ausgabe 1/77 der Eŭropa Esperanto-Revuo in der Esperanto-Ecke im Rahmen des deutschsprachigen Programms. Besonders unterstrich sie die Verbundenheit von EER und Pilo-Press zum Phänomen „Esperanto im Radio“. Im vergangen Esperanto-Express wurde ein umfangreicher Nachruf auf den vor kurzem verstorbenen deutschen Esperantisten Josef Kreitz, Köln, zu Gehör gebracht, dem ehemaligen Präsidenten des Weltverbandes blinder Esperantisten.
Radio Vatikan. Priester Jakobitti interviewte TRIXINI oder Priester Hansjörg Kindler über seine Tätigkeit in Luxemburg.
Pilo-Press 1977 24 junio
Honora Insigno por D-ro W. Bormann
(Ehrenabzeichen für Dr. W. Bormann)
Paderborn (pp) – Das Ehrenabzeichen des Deutschen Esperanto-Bundes „Für das Verdienst“ wurde zum Abschluss der Jahreshauptversammlung des DEB während des Europäischen Esperanto-Kongresses in Paderborn an Dr. Werner Bormann, Hamburg, für seine Verdienste um die Förderung der deutschen Esperanto-Bewegung, überreicht.
[siehe oben bei Jahreshauptversammlung des DEB]
Eŭropo ne estas Babilono (Europa ist nicht Babylon)
Bonn (pp) – In der „Deutschen Zeitung – Christ und Welt“, Ausgabe vom 03.06.77, erschien ein interessanter Artikel über die Sprachenpolitik in der Europäischen Gemeinschaft. Autor des Artikels ist Dr. Harald Haarmann, Hamburg, Mitglied der Kommission für Sprachenfragen der Europäischen Vereinigung*. Er informierte sich bereits vor sieben Jahren über Esperanto, anlässlich seiner Arbeit zu einer Bibliographie der Sprachengebrauch-Beziehungen in Europa.
Seinen Artikel einleitend stellt Dr. Haarmann fest, daß in den neun Staaten der EG mehr als 20 mehr oder weniger große Völker und ethnische Gruppen leben. Sie alle sprechen ihre eigene Sprache, jedoch werden viele der Sprachen diskriminiert. Daraus entstehen die revolutionären regionalen Konflikte. Der Autor plädiert für eine baldige Lösung des Sprachenproblems in der EG. Er behandelt diesbezüglich auch kurz eine „künstliche Weltsprache“. Die Einführung von Esperanto in der EG erachtet er nicht als passend, wenn dies nicht gleichzeitig der Europäische Rat und die UN tun würden. Laut Dr. Haarmann scheint Esperanto als künstliche Weltsprache für eine allumfassende Lösung vorbestimmt zu sein.
Eŭropa Esperanto-Kongreso 1979 en Saarbrücken?
(Europäischer Esperanto-Kongress 1979 in Saarbrücken?)
Saarbrücken (pp) – Der Saarländische Esperanto-Bund sondiert die Möglichkeiten, um 1979 einen Europäischen Esperanto-Kongreß in Saarbrücken abzuhalten. Die Vereinigung wandte sich an die Esperanto-Landesverbände von Belgien, Frankreich, Luxemburg, der Niederlande und der BR Deutschland, zu ihrer Meinung und einer möglichen Bereitschaft, mitzuwirken.
Esperanto en Radio (Esperanto im Radio)
Warschau. Die politischen Kommentare beschäftigen sich nun mehr und mehr mit der beginnenden Konferenz in Belgrad und vermutlich werden jene Themen in der kommenden Zeit noch oft bearbeitet werden.
Pilo-Press 1977 25 junio
Peine (pp) – Über die erste Internationale Schulwoche von ILEI in der Zweiten Region von Europa, welche vom 14. bis zum 22. Mai 1977 in der Jugendherberge Saint Gerard in Belgien stattfand, berichteten wir bereits kurz in Pilo-Press Nr. 23/77, S. 3.
Zwischenzeitlich erhielten wir einen umfassenden Bericht des pädagogischen Leiters dieser Schulwoche, Herrn Helmut Sonnabend. Den interessanten Bericht werden wir in Form von Tagebuchnotizen in der 3. Ausgabe der Eŭropa Esperanto-Revuo veröffentlichen.
Ein einzigartiges Experiment verlief hinreichend zufriedenstellend erfolgreich.
[siehe oben bei Internationale Schule – Modell für Europa]
En propra afero (In eigener Sache)
Auch in Nürnberg arbeitet übrigens bereits 14 Jahre lang erfolgreich ein Esperanto-Zentrum. Hier in Nürnberg wurde tatsächlich der Ausdruck „Esperanto-Zentrum“ in dem Sinne geboren, wie ihn nun auch andere Zentren verwenden.
Im Esperanto-Zentrum Nürnberg werden Pilo-Press, Esperanto-Nachrichten-Dienst (END) und die Eŭropa Esperanto-Revuo herausgegeben, ein Buchdienst ist in Betrieb und ununterbrochen werden den Nicht-Esperantisten und Esperantisten verschiedenartige Informationen mit unterschiedlichem Niveau gegeben.*
Das Esperanto-Zentrum Nürnberg nutzt und verbreitet Esperanto, wie es Dr. Zamenhof erschuf, wie es sich entsprechend einer beständigen Tradition entwickelte und wie es heute ist. Das Esperanto-Zentrum Nürnberg meint nicht, daß das Wort „Esperanto“ ein Hemmnis für die weitere Verbreitung von Esperanto ist.
Pilo-Press 1977 26 junio
Pri nia titolpaĝo (Über unsere Titelseite)
Pastro Kindler-Triksini furoras en Luksemburgo
(Priester Kindler-Trixini erregt in Luxemburg Aufsehen)

Die Situation in Luxemburg bezüglich Esperanto veränderte sich radikal, seitdem dort Priester Kindler-Trixini vorteilhaft für die Internationale Sprache agiert. Die luxemburgischen Zeitungen, welche bis vor kurzem zu Esperanto schwiegen, schreiben jetzt viel über die Esperanto-Aktivität in diesem Land. Auf der Titelseite veröffentlichen wir Überschriften und Fotos aus folgenden Zeitungen: Luxemburger Wort, Tageblatt, National- und Bistumszeitung, Luxembourg Weekly, Lux-Post und Republicain Lorrain.
Priester Kindler wird bald ein Esperanto-Zentrum eröffnen und startete bereits mit einem neuen Automobil! Am 15. Juni fand im Haus von Europa (Maison de l’Europe) ein Vortrag über die Perspektiven von Esperanto statt.
Pilo-Press 1977 27 julio
UEA kaj la Eŭropa Komunumaro
(UEA und die Europäische Gemeinschaft)
Nürnberg (pp) – In Nr. 22/77 berichteten wir eingehend über den Europäischen Esperanto-Kongreß. In diesem Bericht erwähnten wir auch die Rede des Präsidenten der UEA, Dr. Humphrey Tonkin, während der Kongreß-Eröffnung.
Wir empfingen jetzt den authentischen Text dieser Rede, den wir in Nr. 3/77 der Eŭropa Esperanto-Revuo veröffentlichen werden. In dieser Ausgabe von Pilo-Press veröffentlichen wir aus dieser Rede folgendes Zitat:
Was Professor Frank hier tut, tun andere andernorts in anderen Milieus. …. Haben wir Mut einzuschreiten, wo sich der offizielle Gebrauch von Esperanto (ob tatsächlich oder potentiell) auf der Tagesordnung befindet.
[siehe oben bei Rede während des Europäischen Esperanto-Kongresses]
Esperanto en radio (Esperanto im Radio)
„Inzwischen näherte sich die Stunde der Rede von Herrn Pitlik. Genau um 07:50 Uhr begann der Ingenieur, das Gerät auf die angekündigte Wellenlänge von Prag (1150 m) abstimmend, den Zusammenhang mit Prag zu suchen. Zunächst hörten wir nichts anderes außer die bereits erwähnten unangenehmen Töne. Minute für Minute vergingen, ohne daß sich unsere Erwartungen verwirklichten. Endlich, nach sechs Minuten, begann die Stimme von Herrn Pitlik erhört zu werden. …seine Rede war allgemein gut zu verstehen. Nur wenige Worte verstand ich nicht, als für einige Momente atmosphärische Störungen oder Störstrahlungen dazwischenkamen…..“ – Dies hier ein Zitat aus einem Bericht über das Hören einer Esperanto-Sendung aus dem Jahr 1924, der Anfangszeit des Hörrundfunks (Germana Esperantisto, Nr. 2/1924, S. 26.)
Heutzutage ist das Hören von Esperanto-Sendungen einfacher und unkomplizierter, obwohl auch heute noch Störungen und Hindernisse herrschen.
Warschau Während der vergangenen Esperanto-Expresse wurde regelmäßig die Rubrik „Neuigkeiten von Pilo-Press“ ausgestrahlt. Oftmals sind auch die Kleinen Esperanto-Ecken im Rahmen des deutschsprachigen Programms gleichsam Mini-Tonausgaben von Pilo-Press. Dank an Warschau für die Popularisierung von Pilo-Press und die gute wechselseitige Zusammenarbeit. – Die Programmpunkte des Dienstag-Nachmittags-Programms (05.07.77, 16:30 Uhr) waren: Nachrichten; Kommentar; Die Würdigung des nationalen Haushalts durch den Sejm; Feuilleton: Polnische und tschechoslowakische Zusammenarbeit in der Industrie.
Pilo-Press 1977 28 julio
La rajto je komunikado – Temo de la Rejkjavika UK (Das Recht auf Kommunikation – Thema des Weltkongresses in Reykjavík)
Rotterdam/Reykjavík (pp) – Das soeben erschienene Kongressbuch des 62. Esperanto-Weltkongresses enthält einen einleitenden Artikel in das Kongressthema „Das Recht auf Kommunikation“, aus der Feder des Präsidenten der UEA, Dr. Humphrey Tonkin. Aus diesem Artikel zitieren wir die letzten Absätze:
„Am Ende können wir somit die hauptsächlichen Aspekte des Rechts auf Kommunikation im Kontext der folgenden Fragen zusammenfassen:
1. Welche sind die Tätigkeitsfelder des menschlichen Handelns, wo wird das Bedürfnis dieses Rechts am stärksten verspürt?
2. Wie prallen widersprüchliche Bedürfnisse zwischen Einzelpersonen, zwischen Gemeinschaften oder zwischen Individuum und Kollektiv mit diesem Recht aufeinander oder begrenzen seine Anwendbarkeit?
3. Welche sind die sprachlichen Dimensionen des Rechts auf Kommunikation und wie verhindert das Fehlen einer gemeinsamen Sprache die Anwendung dieses Rechts?
4. Welche Schritte benötigt man, um die Bedürfnisse, diese sprachlichen Dimensionen zu beachten, auszudrücken, und die auf diese Weise definierten Probleme wo geeignet durch die Internationale Sprache Esperanto zu lösen? Welche sind die Stärken und Grenzen einer solchen Lösung?
Dies ist eine ziemlich große Aufgabe für einen einzelnen Kongreß, obwohl es sich ja doch um einen Kongreß ohne eigene sprachliche Probleme handelt. Aber den Beitrag der Sprecher des Esperanto zu dieser sehr wichtigen Debatte kann man nicht zu stark unterstreichen, noch kann man seine Dringlichkeit zu sehr betonen.“
Das Kongressbuch enthält alle notwendigen Informationen über das Kongressprogramm, das Grußwort des Hohen Schirmherrn Kristján Eldjárn, Präsident von Island, Artikel über die Geschichte Islands und der isländischen Sprache, über Esperanto in Island und über Thórberger Thórdarson, einem der isländischen Esperanto-Pioniere (1889-1974) u.a.
Esperanto en Radio (Esperanto im Radio)
Esperanto im Regionalradio „Friulo Julia-Venecio“
Triest (pp/tea) – Vor mehr als einem Jahr erschien in Italien ein neues Gesetz, welches verschiedenen Vereinigungen (kulturelle, religiöse, politische usw.) die Möglichkeit gibt, entsprechend bestimmten Vorschriften Radio- oder Fernsehstationen zu nutzen. Das Fernsehen kann von Vereinigungen auf nationaler Ebene genutzt werden (tatsächlich strahlte der Italienische Esperanto-Verband sein Programm bereits im Fernsehen aus); das Radio können Vereinigungen auf regionaler Ebene nutzen.
Die Esperanto-Vereinigung Triest arbeitete lange daran, dieses vorteilhafte Propaganda-Instrument auszunutzen, und wird sich am 23. Juli beim regionalen Radio vorstellen, um sein zehnminütiges Programm (die maximal erlaubte Zeit) auszusenden. Folgendes Thema wird besprochen werden: „Das Sprachenproblem in der Welt“.
Ampleksa analizo de la fenomeno „Esperanto en radio“
(Umfassende Analyse des Phänomens „Esperanto im Radio“)

Rom (pp) – Dr. Antonio De Salvo, der Redakteur der Esperanto-Sendungen von Radio Rom, verfasste eine siebenseitige Analyse der gegenwärtigen Esperanto-Sendungen. Es ist nicht möglich, im Rahmen von PILO-PRESS den vollständigen Text zu veröffentlichen. Er wird in einer Ausgabe der Eŭropa Esperanto-Revuo erscheinen. Der Autor beschreibt treffend die derzeitige Situation der Esperanto-Sendungen und analysiert auch die Einstellung der Esperantisten zum Phänomen „Esperanto im Radio“.
Heute veröffentlichen wir nur einig kurze Zitate:
„Man muß hinzufügen, daß die beharrliche Präsentierung der esperantosprachigen Sendungen – durchgeführt von den Esperantisten – als eine durch offizielle Stellen gegebene grundsätzliche Anerkennung der Internationalen Sprache nach meiner Meinung einen Komplex der Unterlegenheit aufzeigt, welchen die Esperantisten unterlassen müssen: Esperanto ist nicht wertvoll, weil es verwendet wird, sondern es wird verwendet, weil es wertvoll ist!…“*
„Die irrige Meinung über die Rolle von Esperanto im Radio begründet, daß viele Esperantisten sich wundern und sogar aufgebracht sind, daß die Stationen auch Programme zu anderen Themen neben Esperanto ausstrahlen; und dies schreiben sie auch, und sogar in heftiger Weise!..“
„Zusammengefasst: Die Radiostationen, welche in Esperanto senden, tun dies für eigenen Ziele; die Esperantisten erhalten einen Vorteil aus diesen Sendungen, weil sie ein Modell des gesprochenen Esperanto und ein Beispiel für eine Anwendung der Internationalen Sprache im alltäglichen Leben präsentieren; die Esperantisten müssen daher die Esperanto-Sendungen unterstützen, und diese Erfüllung ihrer Ziele müssen sie den Radios vorschlagen (weil die Radios kein prinzipielles Interesse an Esperanto haben); mit anderen Worten müssen die Esperantisten den Radios zeigen, daß man in Esperanto ausstrahlend ein gutes Geschäft macht…!“
Den Artikel sollte jeder Esperantist lesen, der sich ernsthaft für das Thema interessiert, insbesondere jeder Redakteur einer Esperanto-Zeitung.
Esperanto en Radio (Esperanto im Radio)
Wien. „Die Welt misst oft mit unterschiedlichen Maßstäben. Beispiel: Während man lautstark die südafrikanische Politik bezüglich der Schwarzen anklagt, toleriert man ungerührt die Untaten von Idi Amin! Hier noch ein weiteres Beispiel: Belgrad verweigert Österreich die Zählung seiner slowenischen Minderheit in Südkärnten. Dasselbe Belgrad verlangte von Sofia eine Zählung der Mazedonier, welche in Bulgarien wohnen.“ Zitat aus dem wöchentlichen Kommentar von Dr. Alfred Macher.
Pilo-Press 1977 29 julio
Esperanto en radio (Esperanto im Radio)
Nürnberg (pp) – Aus aktuellen Gründen wollen wir dieses Mal das Problem „Esperanto im Radio“ eingehender behandeln und beginnen auf der Titelseite.
Nach der von Dr. Antonio De Salvo von Radio Rom erstellten umfassenden Analyse, aus welcher wir in Nr. 28/77 zitierten, beschäftigte sich nun auch das Schweizer Kurzwellenradio in seinen Sendungen vom 18., 19. und 21. Juli mit dem Thema.
[siehe oben bei Die Schweizerische Meinung]
Opinio de Emilija Lapenna, Radio Zagreb
(Meinung von Emilija Lapenna, Radio Zagreb)
[siehe oben bei Meinung von Emilija Lapenna, Radio Zagreb]
Kaj tamen Varsovio gastigis Vienon…
(Und dennnoch lies Warschau Wien gastieren…)
Rom/Warschau/Wien (pp) – Aus der umfassenden Analyse von Dr. Antonio De Salvos über Esperanto im Radio zitieren wir: „Vor einigen Wochen schrieb ein Hörer von Radio Rom:
„Es sollte eine Weltföderation von Esperanto-Radios zusammen mit einer zentralen Zeitschrift oder einem Programmheft gegründet werden.“ …. Ist es beispielsweise realistisch, zu denken, daß Radio Vatikan Peking helfen soll oder daß Warschau als Relaisstation* von Rom fungieren soll?
Gewiss, grundsätzlich muß man der realistischen Beurteilung von Dr. Antonio De Salvo zustimmen. Dennnoch führte Warschau in seinem Esperanto-Express vom 17./18. Juli vor, daß auch eine esperantistische Solidarität zwischen den in Esperanto sendenden Stationen herrscht, wenigstens zwischen Radio Warschau und Radio Wien, und daß praktisch geschehen kann, was De Salvo für nicht möglich erachtet.
Wenn ein Zuhörer vergangenen Sonntag zufällig nur kurz nach dem Beginn das Warschauer Programm eingeschaltet hätte, er könnte verwirrt sein. Was er hörte, das war nicht das gewöhnliche bekannte Warschauer Programm, sondern einfach die Esperanto-Sendung des österreichischen ORF-Wien mit allen Details: das Rufzeichen der Station, die bekannten Stimmen von Dr. Karl Beckmann und Emil Vokal, mit dem wöchentlichem Kommentar von Dr. Alfred Macher zum Nord-Süd-Dialog, einem Bericht über die Esperanto-Tage in Sopron und dem Wiener Briefkasten. Es handelte sich um das komplette zehnminütige Programm von Wien vom 4./5. Juni 1977.
Freilich macht eine Schwalbe noch keinen Sommer, dennoch war diese Schwalbe aus Warschau eine kleine Sensation und beweist, daß keine Regel absolut ist!
[siehe oben bei Die Stellung von Esperanto im Hörrundfunk]
Opinioj de legantoj (Meinungen der Leser)
Die von Dr. Antonio De Salvo erstellte 7-seitige Analyse zu Esperanto-Sendungen ist begrüßenswert. Tragik-komisch ist der Fakt, daß noch Esperantisten vorzufinden sind, welche nicht verstehen, daß Esperanto eine ebensolche natürliche Rolle und Funktion hat, wie andere Sprachen. Wir haben ja doch mehr als genügend Kommunikations-Organe unter Esperantisten, welche über Esperanto trompeten. Wir sollten endlich mit Freude zu schätzen wissen, daß man Esperanto für welchen Zweck auch immer nutzen kann und möchte; auf diese Weise lebt Sprache wirklich.
Bertil Englund
Salutvortoj por la SAT-Kongreso
(Grußworte für den SAT-Kongreß)

Augsburg (pp) – Der Ministerpräsident von Bayern Dr. h.c. Alfons Goppel, und der Oberbürgermeister von Augsburg, Hans Breuer widmeten dem 50. SAT-Kongreß, der vom 30.7. bis 5.8.77 in Augsburg stattfand, schriftliche Grußworte.
Aus dem Grußwort des bayerischen Ministerpräsidenten, dem Bruder des verstorbenen Esperantisten Ludwig Goppel, zitieren wir den letzten Satz:
„Ich wünsche seinen Teilnehmern Erfolg im Bemühen um sprachliche und geistige gegenseitige Verständigung und den optimistischen Willen, Frieden und Freiheit zu befördern und zu erlangen, und für unser altes Europa eine siegreiche Hoffnung bei der Transformation ihres Sprachideals: Esperanto!“
Pilo-Press 1977 30 julio
Internacia Konferenco de ILEI
(Internationale Konferenz von ILEI)

[siehe oben bei Internationale Konferenz von ILEI]
Pilo-Press 1977 31 aŭgusto
Esperanto en radio kaj televido
(Esperanto in Radio und Fernsehen)

Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) filmte in Hamburg und Augsburg, um einen Film über Esperanto vorzubereiten. In Augsburg drehte man kurze Szenen aus dem während des SAT-Kongresses gespielten Theaterstücks „Die Gerechten“. Der Film wird in den kommenden Tagen im Rahmen des Programms „Drehscheibe“ gezeigt.
Elsbeth Bormann, Präsidentin des Deutschen Esperanto-Bundes, wurde anlässlich des 90-jährigen Jahrestages von Esperanto vom Nord-Deutschen Rundfunk interviewt. Das Interview wurde am 27. Juli 1977 ausgestrahlt.
Klubo de Esperanto-DX-anoj (Klub der Esperanto-DXer)
Radio Schweden in Stockholm berichtete in den Sendungen für DXer (Sendungen jeden Dienstag um 11:30 / 18:30 / 21:30 und 23:30 Uhr MEZ), daß in der BR Deutschland ein Klub von Esperanto-DXern gegründet wurde. Und dies ist wirklich ein Fakt. Präsident dieses DX-Klubs ist der Gleichgesinnte Dr. J. Kondor, Alte Schloss-Str. 25, D-5450 Neuwied. Die Aufgaben des Sekretärs übernahm Herr Günter Conrad, Kafkastr. 48, D-8000 München 83.
Das Hören und die Korrespondenz sind bereits sehr umfangreich.
An die Radiostationen werden Berichte über die Empfangs-Möglichkeiten in Deutsch und Esperanto gesendet. Der Wortlaut wird in vergleichbarer Weise eingetippt.
Nicht nur die Radiostationen antworteten und verschickten Briefe, QSL-Karten und Broschüren – sondern – es schrieben bereits viele DXer und baten um Informationen über den Klub der Esperanto-DXer selbst, über die Mitgliedschaft und über die Internationale Sprache Esperanto. – So begann die Propaganda des Esperanto nun auch in den Reihen der DXer auf der ganzen Welt, welche die Sendungen der Radiostationen auf den Kurzwellen empfangen.“ W.K.
Pilo-Press 1977 32 aŭgusto
Rejkjaviko – la defia kongreso
(Reykjavík – der herausforderne Kongreß)

Reykjavík (pp) – Der 62. Esperanto-Weltkongreß in der isländischen Hauptstadt ist sicherlich ein Höhepunkt in der Geschichte der Weltkongresse.
Ralph Harry, Australiens Botschafter bei den Vereinten Nationen und Mitglied des Internationalen Schirmherren-Komitees der UEA, hielt einen Einführungs-Vortrag zum Kongressthema. Er sagte unter anderem:
„…selbst eine vollendete Freiheit der Kommunikation ist keine Garantie dafür, daß niemals Konflikte stattfinden werden. Es passierte in der Vergangenheit, und zweifellos werden erneut tragische Teilungen zwischen Völkern geschehen, welche dieselbe Sprache verwenden. Aber die Erfahrung weist darauf hin, daß Unterschiede der Sprache das Missverständnis vergrößern und die Zusammenarbeit erschweren. Im Gegensatz dazu kennen wir bei diesem Kongreß den Beitrag, welchen eine gemeinsame Sprache zur Erleichterung der Kommunikation untereinander schafft. Es könnte keine bessere Demonstration geben als diese großartige internationale Zusammenkunft ohne Kopfhörer und ohne Dolmetscher.
Wir Anhänger der Esperanto-Bewegung kennen auch die zerstörerischen Ergebnisse der Beschränkung von Kommunikation. Esperantisten in vielen Ländern wurden durch Zensur, durch behördliche Entmutigung, durch gänzliches Verbot und durch das Verbrennen ihrer Bücher behindert. Viele erlitten Inhaftierung und Folter, selbst den Märtyrertod. Und dennoch ist Esperanto keine Bedrohung. Es ist nur eine ‚danĝera lingvo‘ (Gefährliche Sprache) für Diktatoren und Chauvinisten, und für Reaktionäre.“
Rezolucio (Resolution)
des 62. Esperanto-Weltkongresses, Reykjavík 1977
Die beim 62. Esperanto-Weltkongreß vom 30. Juli bis zum 06. August 1977 in Reykjavík (Island) zusammengekommenen Teilnehmer
– ihre Hoffnung auf weitere Fortschritte bei der Verwirklichung der Schlussakte von Helsinki ausdrückend, insbesondere auf dem Feld der gleichberechtigten internationalen Kommunikation;
schlagen den Esperanto-Landes-Verbänden vor
– sich in Zusammenarbeit mit den nationalen UNESCO-Kommissionen insbesondere für das Recht auf Kommunikation einzusetzen;
beauftragt den Vorstand der UEA
– die UNESCO, deren Mitgliedsstaaten, den Generalsekretär der UN und die Unterzeichner-Staaten der Schlussakte von Helsinki, mittels geeigneter Dokumente über die Ergebnisse der Behandlung des Kongressthemas zu informieren.
[:] Stark gekürzt. Es soll hier nur auf Bezüge zwischen UEA und den Schlussakten von Helsinki verwiesen werden. [se]
Pilo-Press 1977 33 aŭgusto
La laboro de la 62-a Universala Kongreso
(Die Arbeit des 62. Weltkongresses)
Das Kongreß-Thema war „Das Recht auf Kommunikation“. Es wurde in mehreren Zusammenkünften, Vorträgen, Diskussions-Gruppen und einer öffentlichen Podiums-Diskussion behandelt. Die zweite Hauptversammlung der UEA am 5. August wurde ebenso dem Kongressthema gewidmet. Das erste Referat hielt der Sekretär der UNESCO-Kommission in Island, Herrn Andri Isaksson, welcher insbesondere darauf hinwies, daß in der UNESCO die kleinen Sprachen nicht genügend Beachtung erhalten. Er brachte auch die Annahme vor, daß die Chancen auf eine ernsthaftere Aufmerksamkeit für Esperanto bei der UNESCO steigen werde. Auch ein US-amerikanischer Kommunikations-Experte, Prof. Leonard Sussman aus New York sagte, daß die Chancen von Esperanto umso größer seien, je mehr sich das weltweite Sprachenproblem verkomplizieren werde. Er sah Chancen für Esperanto, wenn die Bewegung „die Neutralität der Organisation und die Qualität der Sprache“ beachtet. Nach ihm befindet sich Esperanto auf der Seite der Beschützer des demokratischen Kultur-Pluralismus. Prof. Sussman empfahl, daß man bei internationalen Organisationen auf eine Untersuchung der Frage, eine Sprache wie Esperanto zu nutzen, drängen soll.* Esperanto könnte wesentlich zur Verwirklichung der Menschenrechte beitragen. Auf Seiten des Kongresses tauschten Prof. Kameskov (Sowjetunion), Prof. Pool (USA) und Dr. Lins (BR Deutschland) während einer Podiumsdiskussion ihre Standpunkte aus.
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Esperanto en Televido kaj Radio
(Esperanto in Fernsehen und Radio)

En la Dua Germana Televido (ZDF)
(Im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF))

Am Montag, dem 22. August, abends um 18 Uhr konnte man die 5-minütige Reportage über Esperanto im Rahmen des Programms „Drehscheibe“ sehen. Man zeigte Szenen aus der Einweihung des Hamburger Esperanto-Klubhauses im vergangenen Herbst, ein kurzes Interview mit Elsbeth Bormann, DEB-Präsidentin, und zwei Stückchen vom SAT-Kongress in Augsburg. Frau Wielgus las einführend einige Verse aus „Loreley“ von Heine, man zeigte Esperanto-Bücher, um vorzuweisen, daß Esperanto eine „Kultursprache“ ist, man vernahm die aus dem Monolog des Brutus zitierende Stimme von N. Rytjkov. Bedauerlicherweise war die kurze Szene aus dem Theaterstück „Die Gerechten“ nicht sehr wirkungsvoll. Der Kommentator erkannte an, daß die Esperantisten unter sich keine Schwierigkeiten hätten, einander zu verstehen. Als Beweis zeigte man einen Griechen, einen Franzosen, einen Ungarn, einen US-Amerikaner (Tucker) und einen Deutschen (Ipfelkofer). Aber warum diskutierten sie nicht untereinander auf Esperanto?
Die Sendung hatte in sich positive, aber auch negative Dinge. Es wäre interessant, Reaktionen von nicht-esperantistischen Zuschauern zu erfahren. Wer kann über derartiges berichten? Ein Kommentar über die Sendung wird folgen!
Aŭstria Televido, Dua Programo
(Österreichisches Fernsehen, Zweites Programm)

Das Österreichische Fernsehen, Zweites Programm, wird am 5. September 1977 um 20:50 Uhr im Programmteil „Eintritt frei“ einen ausführlichen Bericht über Esperanto und das Internationale Esperantomuseum senden. (Falls er aus irgendeinem Grund nicht zur genannten Zeit zustande kommen wird, dann geschieht es am 19. September)
Pilo-Press 1977 34 aŭgusto
Grava iniciato: Eŭropa Kalendaro
(Wichtige Initiative: Europäischer Kalender)

Paderborn (pp) – Der Europa-Klub Paderborn gab soeben einen „Europäischen Kalender“ für die letzten vier Monate des Jahres 1977 heraus. Es ist kein gewöhnlicher Kalender, er ist „spielerisch und lehrend (nicht nur) für Kinder“.
Der Kalender präsentiert illustriert – in den sieben Sprachen der neun Länder der Europäischen Gemeinschaft und übersetzt in lateinische Sprache – für jeden Tag ein neues Wort oder einen Ausdruck in mehreren Worten in der Internationalen Sprache (Esperanto) und für das Wochenende einen kleinen in ein Grammatikteil einführenden Satz. Die Einzelteile der Blätter sind zerschneidbar und taugen so als Übungspuzzle – somit als unterhaltsames und zweckdienliches Geschenk (nicht nur) an Kinder.
Die Motive für die Herausgabe des mehrsprachigen Kalenders sind:
„Die Europäische Union ist und bleibt mehrsprachig. Notwendig ist es, Fremdsprachen zu lernen“ und
„Nur ein Weg führt zur europäischen Vereinigung, dazu dennoch Gleichheit der europäischen Völker und eine Verteidigung ihrer Kulturen ermöglichend: eine gemeinsame, neutrale Zweitsprache. Die Internationale Sprache und die Lingua Latina stehen zur Verfügung.“
Die redaktionellen Aufgaben erfüllte Frau Brigitte Frank-Böhringer, welche auch die Zeichnungen anfertigte.
Der Preis für den Kalender Sep-Dez. 1977 ist 4,90 + -,70 DM für Porto. Bestellt bei Ludwig Pickel, Buchdienst, Postfach 2113, D-8500 Nürnberg 1, Postscheckkonto Nürnberg 819 56-851.
Ein Europäischer Kalender wird auch für 1978 erscheinen! Vorbestellungen sind bereits möglich.
Eŭropa Kongreso 1979 en Saarbrücken
(Europäischer Kongreß 1979 in Saarbrücken)
Saarbrücken (pp) – Die Vorbereitungen für den Europäischen Esperanto-Kongress 1979 unter Leitung der Saarländischen Esperanto-Liga schreiten gut voran. Vier Esperanto-Landes-Verbände, nämlich Belgischer Esperanto-Verband, Deutscher Esperanto-Bund, Luxemburger Esperanto-Verband und Französische Vereinigung für Esperanto, erklärten sich bereit, an dem gemeinsamen Kongreß in Saarbrücken teilzunehmen.
Der Oberbürgermeister von Saarbrücken, Oskar Lafontaine, widmete dem Kongreß bereits einen Gruß, welcher lautet:
„Die Landeshauptstadt Saarbrücken ist Ort des Europäischen Esperanto-Kongresses 1979.
Die Landes-Verbände von Belgien, Frankreich, Luxemburg und der Bundesrepublik Deutschland beauftragten die Saarländische Esperanto-Liga mit Organisation und Veranstaltung.
Ich freue mich, daß man für diesen bedeutenden Kongreß die saarländische Metropole wählte und danke den betreffenden Gremien dafür.
Die Lage von Saarbrücken im Herzen von Europa dicht bei der deutsch-französischen Grenze macht die Stadt für diesen Kongreß besonders passend.
Ich heiße alle Kongressteilnehmer und Gäste dieses internationalen Kongresses sehr herzlich in Saarbrücken willkommen und bin überzeugt, daß neben der Abwicklung des Kongressprogramms Zeit und Gelegenheit bleiben, um die Schönheiten unserer Stadt aus eigener Erfahrung kennenzulernen.“
Für Vorschläge und Informationen zum Kongreß wende man sich an die Saarländische Esperanto-Liga, Franz-Schubert-Str. 26, D-6602 Dudweiler.
[:] Oskar Lafontaine entpuppte sich inzwischen als Freund des völkisch-zentralistischen Regimes im Kreml. Damit unterstützt er genau jene sich gegen das aufgeklärte Europa richtende Macht, die uns vernichten will. Er wanderte von einer vermeintlich linken und extremistischen Partei zu nächsten, die ebenfalls ganz Osteuropa einschließlich Ostdeutschland an den Kreml verkaufen würde. Die Historiker werden sich an diesem Antieuropäer abarbeiten. [20261017se]
Esperanto en la Germana Televido
(Esperanto im Deutschen Fernsehen)
Reaktionen auf die Sendung vom 22.08.77 (Siehe PP 33/77 S. 4)
Über die Sendung schrieb unser Leser Reinhard Rabusch, Bad Oldesloe: Die Sendung sehend, meinte ich, am Begräbnis von Esperanto teilzunehmen…
14-jähriger Gymnasiast A.P. aus Neustadt beanstandet die verpfuschte Aussprache des Wortes „internacia“ (international) mit „internatschia“. Ihm zufolge muß sich ein Fernseh-Berichterstatter über die Aussprache eines Esperanto-Wortes erkundigen.
Rudolf-Josef Fischer, 4401 Nordwalde schreibt: „Auf Ihre Frage bezüglich des Echos in der Öffentlichkeit auf die TV-Sendung „Drehscheibe“ vom 22. August kann ich Ihnen erzählen, daß ich mich mit einem 18-jährigen Mädchen unterhielt, welches sagte, daß sie den Eindruck bekam, daß Esperantisten Trottel sind, die sich an irgendeiner Esperanto-Kultur durch eine Betrachtung von Theaterstücken erfreuen wollen, welche zuvor in Esperanto übersetzt werden. Sie meinte, daß der Kommentar ziemlich negativ und höhnisch gegenüber Esperanto war.
Auch ich muß sagen, daß mich die Sendung traurig berührte, weil der gute Wille der handelnden Esperantisten von dem vorverurteilenden Redakteur gegen Esperanto verkehrt wurde. Wenigstens konnte das Interview mit Elsbeth Bormann einen guten Eindruck machen, wenn auch die bloße vorgezeigte Information, daß Esperanto in Osteuropa unterstützt wird, auch die Ahnung um eine kommunistische Sache ergeben könnte.
Allgemein muß ich sagen, daß die Öffentlichkeit die Idee von Esperanto als „Kultursprache“ nicht versteht und daß Argumente über andere Verwendungs-Möglichkeiten mehr passen. Am besten verzichte man auf eine Fernseh-Sendung, wenn man zuvor nicht eine neutrale und zutreffende Information garantieren kann.“
[:] Und auf diese Weise sorgen selbst westliche Gesellschaften immer wieder dafür, daß alles was hinter dem Anspruch von Esperanto steht, weitgehend totgeschwiegen wird. Ein Beispiel ist mein in den 1990er Jahren an arte geschickter Leserbrief. Ein europäischer internationaler Kulturkanal ist ja eigentlich eine gute Adresse für Esperanto-Sendungen. Doch die Antwort zeigte völlige Inkompetenz. Man las Teile in Dialektform vor, da man sich an der Absender-Adresse orientierte. So wurde der Inhalt gleich mit ins Lächerliche gezogen. Ja, man möchte solche idiotisch vorgehenden Redakteure als das bezeichnen, was sie den Esperantisten zuweisen. Sie haben gleich mehrere kritikwürdige Schwachpunkte aufgezeigt. Einerseits wurde eine Gruppe der Gesellschaft lächerlich gemacht, weil sie aus einem bestimmten Gebiet stammt, dazu wurde andererseits eine Gruppe der Gesellschaften lächerlich gemacht, weil sie im Sinne einer gerechteren Sprachenpolitk handelt. Es gehört also Glück dazu, offene und positiv denkende und dazu fachlich sauber berichtende Medienschaffende zu finden. Esperanto lässt sich jedoch nie in einer straffen Meldung ausreichend erklären. Sobald ein Vorurteil etwas beleuchtet und widerlegt wird, stehen die nächsten schon bereit. Dieses Spiel lässt sich in der Kürze der vorgegebenen Zeit nicht fortsetzen. [se]
Pilo-Press 1977 35 septembro
Kosmaj kaj aliaj novaĵoj
(Kosmische und andere Neuigkeiten)
Presse und Fernsehen aus vielen Ländern verkündeten das Weltraumabenteuer der „Voyager 2“ und erwähnten, daß die US-amerikanischen Maschinen u.a. eine Botschaft in Esperanto mitnehmen.
Dua Interlingvistika Laborkonferenco
(Zweite Interlinguistische Arbeitskonferenz)
Paderborn (pp) – Vom 24. bis zum 27. November 1977 wird im Forschungszentrum Paderborn, BRD, die 2. Interlinguistische Arbeitskonferenz stattfinden.
Außerdem wird es Diskussionen zu mehrsprachigen Fachwörterbüchern und zum Arbeitsplan des Europa-Klubs geben. Am 26. November wird die Jahreshauptversammlung dieses Klubs abgehalten. Das Ganze wird in dem großen Konferenzraum des Forschungszentrums FEoLL in Paderborn stattfinden. Konferenzleiter ist Hermann Behrmann.
Die 1. Arbeitskonferenz im letzten Jahr zog fast 80 Teilnehmer an. Interessierte Personen erbitten das Programm des FEoLL-Institut für Kybernetische Pädagogik, Postfach 1567, D-4790 Paderborn, BRD.
Pilo-Press 1977 36 septembro
Socio-lingvistika seminario internacia
(Internationales soziolinguistisches Seminar)
Perpignan (pp/av) – Vom 18. bis zum 31. Juli fand in Perpignan am Universitätszentrum ein internationales Seminar „Soziolinguistik“ statt. 80 Fachleute aus 12 Ländern nahmen teil.
Pli da esperantistoj ol poloj?
(Mehr Esperantisten als Polen?)

Analizo de la korespondaĵoj al Radio Roma 1976
(Analyse der Korrespondenzen an Radio Rom 1976)
Wenn auch spät, gelang es mir soeben, eine Kopie eines vom „Korrespondenz-Dienst“ des Italienischen Rundfunks angefertigten Berichts über die Korrespondenzen ausländischer Hörer zu erhalten. Ich befinde, daß er mehrere Daten enthält, über welche die Esperantisten nachdenken sollten.
Die esperantosprachigen Korrespondenzen betrugen laut der offiziellen Statistik im Jahr 1976 etwas weniger als 9% vom Ganzen.
Bereits dieser Prozentsatz (9) ist eine wichtige Errungenschaft, umso mehr, wenn man berücksichtigt, daß das Esperanto-Programm nur einmal in der Woche auf der Welle ist, während die anderen Sprachen auch viele Stunden an jedem Tag zur Verfügung haben. Doch die Prozentsätze werden sogar noch interessanter, wenn man nur Europa berücksichtigt, an welches das Esperanto-Programm gerichtet ist: Die esperantosprachigen Korrespondenzen bestehen zu 14,4 Prozent aus jenen des „westlichen“ Europas und zu 48,9 Prozent aus jenen des „östlichen“ Europas!
Der Bericht unterstreicht den großen Unterschied, der zwischen „westlichen“ und „östlichen“ Ländern bezüglich der Korrespondenzen in Esperanto besteht, und betont den Fakt, daß die esperantosprachigen Briefe aus anderen Erdteilen sehr sporadisch sind. (Dies ist ein weiterer Grund, weshalb man aus anderen Kontinenten ein nicht für Europa geschlossenes esperantosprachiges Programm einfordernd, schreiben soll). Kein Brief kam aus Island; vermutlich wird der Bericht für 1977 mit Freude notiert, daß man in diesem Jahr endlich auch in diesem entlegenen Land begann, Radio Rom zu hören, und daß man dies … in Esperanto tat!
Abschließende Kuriosität: Aus Japan kamen 2.865 Briefe, obwohl Radio Rom nach Japan … englisch sendet, und sehr viele Hörer betonen, daß sie die englische Sprache nur sehr oberflächlich beherrschen. Antonio De Salve
[:] Ja, nicht alles lief später nach der politischen Wende von 1989/1990 zwischen Ost- und Westeuropa vollkommen gerecht ab. So schwappte auch die aus dem Konflikt gewachsene Esperanto-Bewegung des Ostens nicht im ausreichenden Maß über. Es gab natürlich auch einen gewissen Esperantisten-Schwund im Osten, da die offene Grenze einen angestauten Druck nahm. Noch galt das englische Wort (ja, auch heute noch), doch längst geht es um die Einheit Europas. Und dafür ist Esperanto unerlässlich. Es hat auch keinen Sinn, auf andere in der Welt zu warten, da es jetzt um die Stabilisierung unserer europäische Heimat geht. Und da müssen auch die Esperantisten selbst die Geschichte bewältigen, um für die gegenwärtigen und künftigen Aufgaben bereit zu sein. [se]
Esperanto en Aŭstra Televido
(Esperanto im Österreichischen Fernsehen)
Die von uns für den 5. September angekündigte Ausstrahlung des Österreichischen Fernsehens, Zweites Programm, kam nicht zustande. Aber wir warnten bereits damals, daß sie gegebenenfalls nur am 19. September stattfinden wird.
Somit wird es die Sendung über Esperanto und das Internationale Esperanto-Museum nun am Montag, dem 19. September, um 20:55 Uhr, im Zweiten Programm im Rahmen der Reihe „Eintritt frei“ geben.
Reagoj – opinioj (Reaktionen – Meinungen)
Es war offensichtlich, daß der Redakteur der Sendung, Jürgen Althoff, sogar nicht einmal befand, daß es nötig ist, objektiv über Esperanto informiert zu sein. Was er aus der Gesamtheit des tatsächlich aufgeschrieben Materials machte, war schlicht ein Skandal und schafft Zweifel an der Neutralität des Journalisten. Ich stimme mit Herrn R. Fischer aus Nordwalde (PP Nr. 34/77, S. 3) überein, daß man nicht mehr Fernsehsende-Möglichkeiten mit ähnlicher Falschdarstellung akzeptieren soll.
S. Tucker, Augsburg
Pilo-Press 1977 37 septembro
Esperanto en Radio (Esperanto im Radio)
ORF-Regionalprogramm: Stellte man die Mittelwelle um oder strahlt man die 5-Minütigen Informationen im ganzen nicht mehr auf Mittelwelle aus? Jedenfalls gelang es uns während der vergangenen zwei Donnerstage nicht, diese interessante Sendung auf der üblichen Mittelwelle (203,4 m) zu empfangen. Wer kann über andere, positive Erfahrungen berichten?
ORF-Regionalprogramm: Auch die Sendung vom 22. September war auf Mittelwelle nicht hörbar, also in Nürnberg überhaupt nicht.
Eŭropa Esperanto-Revuo
la revuo por la Esperanto-uzantoj
(die Revue für Esperanto-Nutzer)
Zu Beginn der nächsten Woche wird die 3. Ausgabe 1977 erscheinen!
Aus dem Inhalt: Esperanto für Europa, Rede vom UEA-Präsident Humphrey Tonkin während des diesjährigen Europäischen Esperanto-Kongresses
[siehe oben bei Rede während des Europäischen Esperanto-Kongresses]
Internationale Schule – Modell für Europa, ein detaillierter und umfassender Bericht von ILEI-Präsident Helmut Sonnabend über die internationale Schule in Saint Gérard, Belgien.
[siehe oben bei Internationale Schule – Modell für Europa]
Rubriken: Panorama, illustrierte Berichte
Forum, Briefe der Leser
Esperanto im Radio, mit dem ersten Teil einer umfassenden Analyse von „Esperanto im Hörrundfunk“ von Dr. Antonio De Salvo
[siehe oben bei Die Stellung von Esperanto im Hörrundfunk]
In Nummer 4/77 werden der zweite Teil und das Ende des analytischen Artikels über „Esperanto im Radio“ von Antonio De Salvo und der erste Teil eines Artikels über den „Jubiläums-Kongreß“ in Warschau vor 40 Jahren erscheinen!
Pilo-Press 1977 42 oktobro
Novaĵoj el Berlino (Neuigkeiten aus Berlin)
Berlin (West) (pp) – Eine Universitäts-Esperanto-Gruppe wurde an der Technischen Universität Berlin unter der Leitung von Jürgen Bastert gegründet. Die Gruppe hat 17 Mitglieder; 13 von ihnen sind zugleich Mitglieder der Esperanto-Liga Berlin.
30 Kinder einer Schule der 4. Stufe lernen während eines Jahres Esperanto nach dem Paderborner Modell. Lehrer ist Hermann D. Tautorat. Der Unterricht findet im Rahmen des Schulprogramms statt und wird bezahlt.
Esperanto en Radio (Esperanto im Radio)
Terorismo ankaŭ ĉi-semajne estis temo en Esperanto-elsendoj.
(Terrorismus war auch diese Woche ein Thema in Esperanto-Sendungen.)

Polnisches Radio. Aus dem „Panorama der internationalen Ereignisse“ vom letzten Sonntag zitieren wir:
„Die letzten Ereignisse, eine Entführung des Flugzeugs von „Lufthansa“, eine bestialische Ermordung von Schleyer, eine zunehmende Zahl von Terror-Handlungen in den Ländern des westlichen Europas und insbesondere in der BR Deutschland rufen eine tiefgehende Beunruhigung der internationalen Meinung hervor. Eine wachsende Terrorwelle formiert eine Gefährdung für die Menschen in der ganzen Welt. Dem Terrorismus kann man im Ergebnis allein durch eine solidarische internationale Kampagne entgegenwirken.
Die sozialistischen Länder traten diesbezüglich wiederholt mit Initiativen hervor.“
ORF Wien. Auch der wöchentliche Kommentar von Dr. Alfred Macher beschäftigte sich mit Terrorismus. Er lautet:
„Die extremen Linken erkannten offensichtlich, daß gerade die Arbeiterschaft, die sie befreien wollen – man weiß allerdings nicht, wovon? – den so sehr wuchernden Terrorismus verabscheut; und aufgrund dieser Desillusionierung wüten sie mit anarchischen Zerstörungen von deutschen Institutionen, auch in Italien, Griechenland, Frankreich und Belgien.“
Der Österreicher Kurt Waldheim, Sekretär der Vereinten Nationen (UNO), versuchte, in der Generalversammlung den Vorschlag über ein allumfassendes Abkommen gegen die Entführung von Geiseln zu behandeln. Vergebens – wegen einer Ablehnung vonseiten der arabischen Delegierten.“
Radio Roma (Radio Rom)
Kampanjo por ŝanĝo de la elsendotempo
(Kampagne für einen Austausch der Sendezeit)
Erhaltenen Informationen zufolge nimmt Esperanto bereits einen der oberen Plätze in der Statistik von Radio Rom ein; scheinbar kam somit die Zeit, eine Kampagne bei den Esperantisten zu organisieren, damit sie eine bessere Bewertung der Esperanto-Sendung einfordern. Die Hauptforderungen sind drei: Vermeidung der Gleichzeitigkeit mit Radio Vatikan, Austausch von Uhrzeit, Tag oder Frequenzen und eine Wiederholung der Sendung, Herausgabe einer Programm-Broschüre auch in Esperanto oder wenigstens mit einer Zusammenfassung in Esperanto.
Pilo-Press 1977 43 novembro
Universitata prelegaro pri Esperanto
(Universitäts-Vorlesungen über Esperanto)
Berlin, DDR (pp) – Erstmals in der Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik nahm eine Universität eine Vorlesungsreihe zu „Plansprachen“ in ihren offiziellen Lehrplan auf. Dr. Detlev Blanke wurde ab 01.09.1977 Lehrbeauftragter an der Humboldt-Universität zu Berlin (DDR), und er hält vor 60 Studenten Vorträge zum Thema „Plansprachen in Theorie und Praxis“.
Im Zentrum der Behandlung befindet sich Esperanto (Quellen, Struktur, Entwicklung, Kommunikations-Kräfte, Bewegung, Gegenstand der Linguistik). Die Vorlesungen sind verpflichtend.
Pilo-Press 1977 44 novembro
Studo pri elstara humanisto Jakob Banisius – Helpo serĉata (Studie über den herausragenden Humanisten Jakob Banisius – Hilfe gesucht)
Der jugoslawische Gleichgesinnte, lic. Marinko Ĉivoje bereitet eine Studie über Jakobus Banisius (1466-1552) vor, einem herausragenden europäischen Humanisten und Diplomaten, welcher im Dienste des römisch-deutschen Kaisers Maximilian I., als Sekretär seines Erben Karl V., sowie im Dienste von Papst Leo dem Zehnten stand.
Gebildete und hilfsbereite Gleichgesinnte in besagten und anderen europäischen Städten, welche geordnete alte Archive mit Namen-gemäßen Katalogen besitzen, werden freundlich gebeten, zu untersuchen, ob sich dort möglicherweise irgendein mit dem Namen Jakobus Banisius (Bannicius de Bannisis) verbundenes Dokument befindet, und wenn ja, so bald wie möglich zu informieren.
Esperanto instruata en 22 lerenjoj de Kroatio
(Esperanto in 22 Schulen Kroatiens unterrichtet)

Zagreb (mĝ) – Nach noch unvollständigen Informationen wird Esperanto in 22 Grundschulen in 10 Städten Kroatiens unterrichtet. Die Sprache wird auch in anderen Schulen anderer Republiken von Jugoslawien unterrichtet, jedoch werden die Informationen noch gesammelt. Die Sprache lehrt man hauptsächlich nach dem Internationalen Lehrbuch von I. Szerdahelyi oder nach dem Lehrbuch von Dr. Dušan Maruzzi. Außerdem wird Esperanto den Erwachsenen in Esperanto-Vereinen, mittels eines Fernkurses oder autodidaktisch beigebracht.
Pri Eŭropa Dokumentaro
(Zur Europäischen Dokumentation)

Nach einem Bescheid des Herausgebers wird Eŭropa Dokumentaro ab dem 1. Januar 1978 nicht mehr erscheinen. Der Grund für die Beendigung ist wohl eine unzureichende Zahl von Abonnenten.
El intervjuo kun s-ro Klatil
(Aus einem Interview mit Herrn Klatil)

(Laut Esperanto-Informoj – ORF-Regional)
Herr Vokal (V): Einen Gruß an Gleichgesinnten Klatil, und willkommen in Wien. Erzählen Sie uns, ob während der letzten Zeit in Großbritannien irgendetwas neues Esperanto betreffend passiert ist.
Herr Klatil (K): Ja, die Angelegenheit beginnt sich dort zu bewegen. Beispielsweise erreichte die vor einiger Zeit im britischen Parlament gegründete sogenannte Esperanto-„Einflussgruppe“ einen Mitgliederstatus von 55 Abgeordneten aus verschiedenen politischen Parteien.
V: Können Sie uns erklären, was für eine Aufgabe eine solchen „Einflussgruppe“ hat?
K: Dies ist eine Gruppe von Parlamentariern, die einwilligten, den Fortschritt von Esperanto zu unterstützen, und sich verpflichteten, positiv zu stimmen, wenn beispielsweise im Parlament ein auf die Einführung von Esperanto in die Schulen abzielender Gesetzesantrag oder andere Einrichtungen zugunsten dieser Sprache vorgelegt würden.
Esperanto en Radio (Esperanto im Radio)
Aus Nagasaki, Japan, schreibt Herr Kozi Sato: Auf Kurzwellen höre ich mit Leichtigkeit Radio Peking, aber nicht die europäischen Sendestationen. (RR)
Pilo-Press 1977 47 decembro
Okaze de la 7-a de decembro 1977
(Aus Anlaß des 7. Dezembers 1977)
Am 7. Dezember 1977 wird die siebente Wiederkehr der Unterzeichnung des Vertrags zur Normalisierung der Beziehungen zwischen Polen und der Bundesrepublik Deutschland sein. Gewiss erfüllten sich nicht alle Hoffnungen, doch beide Seiten mühen sich ernsthaft, die Normalisierung der Beziehungen zu erreichen. Und man kann sagen, daß die Beziehungen zwischen Polen und der Bundesrepublik Deutschland ebenso wichtig und essenziell für das Zusammenleben in Europa sind wie jene zwischen Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland.
Dies kam auch klar beim Besuch von Bundeskanzler Helmut Schmidt in Polen in den Tagen vom 21. bis zum 25. November zum Ausdruck.
En propra afero (In eigener Sache)
Pilo-Press bedauert die Verzögerung dieser Ausgabe. Eine Erkrankung des Herausgebers verursachte sie. Doch ab jetzt erscheinen Pilo-Press und die anderen Pilo-Publikationen von neuem regelmäßig.
Pilo-Press 1977 48 decembro
En la tago de la 15-a de decembro
(Am Tag des 15. Dezembers)

Vor 118 Jahren wurde Dr. L.L. Zamenhof geboren. Im Jahr 1887 gab Dr. L.L. Zamenhof das erste Buch zu Esperanto heraus. Esperanto wurde damit dieses Jahr 90 Jahre alt. Was würde der Autor von Esperanto heute über Esperanto und insbesondere über die Esperantisten des Jahres 1977 denken? Wir wissen dies nicht; es hat auch nicht viel Sinn, darüber zu meditieren.
Esperanto ist eine Sprache; für Sprache muß man Zeit haben. Dann blüht und gedeiht sie auch.
Vergrößern wir also die Zahl der Esperanto-Sprecher.
Und alle Sphären der Esperanto-Tätigkeit werden voranschreiten!
[:] Stark gekürzt. [se]
Pri „Eŭropa Dokumentaro*“
(Über „Europäische Dokumentation“)

Paderborn (pp) – Nach Auskünften des Europa-Klubs Paderborn wird die Zeitschrift „Eŭropa Dokumentaro*“, welche bisher der Informationsdienst des Zentrums für Europäische Bildung in Brüssel herausgab, ab dem Jahr 1978 im Verlag des Europa-Klubs Paderborn erscheinen.
Interessenten für die Zeitschrift wenden sich direkt an Europa-Klub Paderborn, Grunigerstr. 5, D-4790 Paderborn.
Der Buchdienst Ludwig Pickel Nürnberg wird nicht länger Abonnements für diese Zeitschrift annehmen.
Pri kongresa vojaĝo 1978 (Über die Kongreß-Tour 1978)
Interessenten, die beabsichtigen, am Weltkongreß in Varna teilzunehmen und eine günstige Flugreise-Möglichkeit suchen, wenden sich direkt an den Europa-Klub Paderborn. Der Flugpreis Frankfurt – Varna – Frankfurt wird entsprechend Auskunft 347 DM betragen.
Ne forgesu la Esperanto-elsendojn!
(Vergesst nicht die Esperanto-Sendungen!)
Praktisch während des gesamten Jahres verwenden die Esperanto-Sendungen Esperanto. Und nur wenige Esperantisten erkennen die Bedeutung dieser Sendungen für Esperanto. Das Jahresende ist in jedem Fall eine gute Gelegenheit, um an die Esperanto-Redaktionen Dank- und Grußkarten zu schicken! Hier die Adressen:
ORF, Esperanto-Redaktion, A-1136 Wien
Radio Rom, Esperanto, C.P. 320, I-00182 Rom
Polnisches Radio, Esperanto-Redaktion,
P.O. Box 46, PL-00950 Warschau 1
Schweizer Radio, Kurzwelle, Esperanto, CH-3000 Bern 15
Radio Vatikan, Esperanto-Redaktion,
Piazza Pia 3,1-00193 Rom
Radio Zagreb, Esperanto, YU-41000 Zagreb
Radio Peking, Esperanto, Peking, China
IBRA Radio, Box 396, S-101 25 Stockholm
Vergesst es nicht! Schreibt umgehend, heute!
Pilo-Press 1977 49 decembro
Pri Eŭropa Esperanto Unio
(Über die Europäische Esperanto-Union)

Brüssel (pp) – Der Präsident der Europäischen Esperanto-Union (EEU), Dr. P. Denoel, versendete zum Datum 15.12.1977 folgendes Rundschreiben:
„Aus verschiedenen Gründen – hier ist nicht der Ort, um sie zu beurteilen – musste das 1973 anlässlich des Europäischen Kongresses in Luxemburg geschaffene „Eŭropa Esperanto-Centro“ (Europäisches Esperanto-Zentrum) unter schwierigen Bedingungen agieren. Wir müssen dennoch die über die Jahre von Frau J.H. Hoekstra-Sieders aus Schoorl, Verwalterin des Zentrums gemachte umfangreiche und sehr oft erfolgreiche Arbeit unterstreichen.
Anlässlich des Weltkongresses in Reykjavík, der Zusammenkunft für Europa, an welchem Vertreter der Landes-Verbände und Experten für europäische Angelegenheiten zugegen waren, wurde auf Vorschlag von G. Leon-Smith die Errichtung der „Eŭropa Esperanto Unio“ (Europäische Esperanto-Union) beschlossen. Diese Organisation wird gleich einer Dachgesellschaft der Landes-Verbände tätig werden, deren Land Mitglied der Europäischen Gemeinschaft ist. Sie wird von einer aus den Vorsitzenden dieser Landes-Verbände zusammensetzen Instanz geleitet werden (der Reihe nach wird einer als Präsident der UNION tätig sein, die anderen als Vizepräsidenten).
Auf Anregung der UEA wird im Rahmen ihrer regionalen Tätigkeit das „Eŭropa Esperanto-Centro“ mit Sitz in Brüssel umstrukturiert, das über ein eigenes Büro und einen besoldeten Beauftragten verfügen wird. Diese Formation, welche (vom belgischen Staat) zu einem anerkannten „gemeinnützigen Verein“ werden wird, wird genannt werden: Europäisches Esperanto-Zentrum, Sekretariat* der Europäischen Esperanto-Union.
In ihrem Streben für eine Anerkennung von Esperanto in der Sphäre der Europäischen Gemeinschaft gibt sich die Bewegung auf diese Weise das Instrument für eine systematische, koordinierte und, wir sind zuversichtlich, fruchtbare Arbeit.“
[:] Über große Zeiträume entstehen Initiativen immer wieder neu. So kam es nach der politischen Wende 1989/1990 auch zur Gründung von EDE. Da wir im Grunde die gleiche Denkrichtung wie die EEU haben, ist Zusammenarbeit und Arbeitsteilung sehr sinnvoll. Nichts sollte gegen doppelte Mitgliedschaften sprechen, da die jeweiligen konkreten Aufgaben doch unterschiedlich sind. EDE könnte also weiter als Politische Vereinigung wirken, die besonders auf praktische, in die Gesellschaft wirkende Aktionen ausgerichtet ist, die kleine Demonstrationen abhält, und wenigstens zur Europawahl antritt. Und diese Ziele sind angesichts der angeschlagenen Gesellschaften schon extrem anspruchsvoll. [se]
Informado en Oberkirch (Informierung in Oberkirch)
Oberkirch (pp) – In Oberkirch (Schwarzwald, BR Deutschland) und zwei benachbarten Orten hielt Priester Hansjörg Kindler-Trixini aus Luxemburg im Herbst einen Vortrag über Esperanto und stellte eine kleine Buchausstellung vor.
Anfang Dezember hatte die Esperanto-Gruppe einen Informationsstand in der Hauptstraße von Oberkirch. Die Öffentlichkeit wurde darüber mittels Esperanto-Chanson-Beschallung durch ein Tonbandgerät aufmerksam gemacht. Gruppenmitglieder verteilten Flugblätter und Werbeblätter. Eines der Flugblätter machte auf das Sprachenproblem in der Europäischen Gemeinschaft aufmerksam. Momentan findet in Oberkirch ein Kurs für Anfänger statt. Die Gruppe informierte auch durch Zeitungsartikel. F.W.P.
Hinweis: Ein Foto wird in Nr. 5/77 (1/78) der Eŭropa Esperanto-Revuo erscheinen.
[[ Die Ausgabe 49/77 ist die letzte des Jahres 1977. Wenn ihr wünscht, das Mitteilungsblatt auch im Jahr 1978 regelmäßig zu erhalten, bitten wir euch, jetzt das Jahres-Abonnement 1978 zu erneuern!
Esperanto en Radio (Esperanto im Radio)
Pri la aŭdebleco (Über die Hörbarkeit)
Am besten hörbar und verstehbar ist momentan zweifellos die sonntägliche Mittelwellen-Sendung von Radio Vatikan. Sie ist auch immer aktuell und interessant. Radio Rom ist manchmal nicht hörbar, manchmal hörbar, aber immer schwer verständlich (auf 41 m). Warschauer Sendungen variieren derzeit: Die vom Nachmittag werden bisweilen von russischen Sendungen übertönt und sind manchmal gut zu hören. Gestört sind oft auch die Abendsendungen, während die Morgensendungen immer gut hörbar sind. Die Schweizer Ausstrahlungen auf 75 m leiden oft unter Störungen, auf 48 m sind die Sendungen nicht hörbar. Auch die österreichischen Sendungen leiden unter großen Störungen. Immer gut zu hören sind die Zagreber und Pekinger Sendungen.
Wir hoffen, dass die länger werdenden Tage auch von neuem eine bessere Hörbarkeit bringen.
Pilo-Press 1978 01 januaro
Nova movado rapide kreskas en Irano
(Im Iran wächst rasch eine neue Bewegung)

Rotterdam (pp) – Während der letzten 12 Monate machte eine neue Bewegung im Iran rasche Fortschritte. Vor einem Jahr wusste in diesem Land fast niemand etwas über die Internationale Sprache Esperanto; Gegenwärtig ist es ein häufiges Thema in der Zeitungslandschaft und im Radio. Im Jahr 1977 schlossen za. 2.000 Studenten allein an der Universität von Teheran Esperanto-Kurse ab, und innerhalb von zehn Monaten wurden 14.000 Exemplare des zweimalig nachgedruckten Lehrbuchs für Farsi-Sprecher verkauft.
Warum ergriff Esperanto das Interesse der iranischen Öffentlichkeit so stark? Diese Frage beantwortete vielleicht der Minister für Bildung, als er erklärte, daß selbst nach sieben Jahren des Studierens der englischen Sprache Schulkinder nicht verstehen, einen einzigen Satz fehlerfrei zu sprechen oder zu schreiben.
Laut Internationalem Presse-Dienst der UEA, Dez. 1977, Nr. 72
Esperanto kiel internacia helplingvo
(Esperanto als internationale Hilfssprache)

Rezension von Radio Wien-ORF/Regional am Donnerstag, 05.01.78
Die 50-seitige deutschsprachige Broschüre „Esperanto als internationale Hilfssprache“, herausgegeben von Ludwig Pickel, Nürnberg, Deutschland, ist ein fotografischer Nachdruck des deutschsprachigen übersetzten Berichts, welchen der Generalsekretär vorstellte und die Dritte Vollversammlung des Völkerbundes im Jahr 1923 annahm.
Auf den ersten Blick vermutet man, daß ein solch titulierter Bericht irgendetwas trocken-amtliches sein muß, also mit einem abschreckendem Anschein*, ziemlich langweilig. Aber was für eine Überraschung! Nach nur wenigen Zeilen ist unser Interesse bereits erfasst von einer sehr lebhaften, in angenehm flüssiger Sprache präsentierten, historisch, sprach-praktisch, pädagogisch und im allgemeinen Sinne erzieherisch orientierten Wertschätzung* unserer Sprache. Dank der vielen, präzisen, dennoch ganz und gar nicht eintönigen tabellarischen Details erweist er sich als willkommene Ergänzung zu dem renommierten Werk von Privat, der ja diesen Text, hier und da auch einige Zeilen wörtlich übernehmend, in einem eigenen Kapitel zusammenfasste.
Die Mehrzahl der Fakten und Argumente sind nun nach mehr als einem halben Jahrhundert noch immer so treffend und aktuell, daß die Broschüre, klar auf gutem Papier gedruckt, als zuverlässiges bildendes Propaganda-Instrument ersten Ranges empfohlen wird.
Ohne Zweifel ist eine vollständige Esperanto-Version wünschenswert.
Historische Dokumente, Nummer 1, Esperanto als internationale Hilfssprache, Bericht des Generalsekretariats des Völkerbundes, angenommen von der Dritten Vollversammlung des Völkerbundes, 1923, Deutsche Übersetzung, Fotonachdruck 1977, Verlag: Ludwig Pickel, D-8500 Nürnberg 1, Postfach 2113, Preis 5,20 DM.
Esperanto en radio (Esperanto im Radio)
Zweifellos verdienten die Sendungen von Radio Warschau mehr Platz in Pilo-Press, insbesondere die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Kommentare und Feuilletons. Leider versendet die Redaktion von Pola Radio keine interessanten, aktuellen Texte, welche ein schnelles Kopieren ermöglichen würden. Lediglich ORF Wien und Radio Rom senden uns regelmäßig die Manuskripte der Sendungen.
In den letzten Wochen, auch während den Festtage, hörten wir mit Interesse den Warschauer Sendungen zu. Die Kommentare und Feuilletons beschäftigten sich oftmals um die innere Lage von Polen. Tatsächlich verschweigt man nicht die Schwierigkeiten, welche der Redaktion zufolge auch aus der konjunkturellen Regression des Westens entspringen. Doch allgemein blickt man mit Optimismus auf die wirtschaftliche Entwicklung. Mit Optimismus betrachtet Warschau auch auf die Entwicklung der Welt- und insbesondere der Europapolitik, wo hauptsächlich die Entspannungs-Tendenz vorherrscht. Trotzdem glaubt man in dem Westen einen Entspannungs-Gegner zu sehen.
Peking. Nur selten hört man in den Pekinger Sendungen etwas über Esperanto selbst. Umso überraschender waren die Aussagen zu Artikeln in „El Popola Ĉinio“ (Aus Volkschina) und eines chinesischen Veteranen über Esperanto in einer der vergangenen Sendungen.
Pilo-Press 1978 02 januaro
Denove pri la Eŭropaj Elektoj
(Erneut zu den Europawahlen)

Nürnberg (pp) – In END (Pilo-Press Deutsch) Nr. 24/77 schrieben wir über den Europäischen Kongreß der Europa-Union am 3. und 4. Dezember 1977 in Bonn und über die Haltung der Esperantisten. Zwischenzeitlich veröffentlichten wir das Rundschreiben von Dr. P. Denoel über die Europäische Esperanto-Union und deren künftige Tätigkeiten (Pilo-Press Nr. 49/77).
Mit Datum vom 8. Januar 1978 schrieb uns zu diesem Thema auch der Präsident des Deutschen Esperanto-Bundes. Sie schrieb u.a.:
Auch ich hörte vom erwähnten Kongreß der Europa-Union in Bonn und laß über die Äußerungen von einigen Politikern. Ja, sie verstehen gewiss noch nicht, daß wir Esperantisten ja über 90 Jahre ein gutes Werkzeug haben, um sich mit anderen Menschen gegenseitig zu verständigen.
Überall in der Bundesrepublik wurden erst vor wenigen Tagen Kommissionen gegründet, die für die Europawahlen arbeiten. In diesen Kreisen befinden sich Personen, welche aus den Reihen der Politik, Kultur, Gewerkschaften, Kirchen, Konsulate, Soldaten, Massenmedien, Sportlern u.ä. kommen. Ich freue mich euch mitzuteilen, daß sich in der bayerischen Kommission Freund Hermann Schmid befindet und in der Hamburger – da ich Präsident bin, gilt dies für die gesamtdeutsche – ich Mitglied bin.* Ihr könnt durch diese Information feststellen, daß Esperantisten bereits gemeinsam aktiv sind.
Auch schrieb ich bereits vor einigen Wochen erfahrene Esperantisten in den einzelnen Ländern unserer Republik an, daß sie auch die Kreise, nämlich die Landes-Kommissionen erreichen sollen. Nach meiner Meinung soll sich in jeder Landes-Kommission ein Esperantist befinden. Doch bedauerlicherweise habe ich bis jetzt keine Antworten….
Ich hoffe also, daß ihr durch diese Informationen ein wenig ruhiger seid, weil ihr vielleicht meint, daß wir schlafen und den Grundgedanken übersehen, aber überhaupt nicht. Es ist mein persönlicher Eindruck, daß wir immer noch mehr vorteilhafte Anerkennung außerhalb unserer Kreise für unsere nationale und internationale Arbeit für Esperanto finden.
Komuna protokolo de SAT kaj ILEI
(Gemeinsames Protokoll von SAT und ILEI)

Paris (pp) – Das P.K. von SAT teilt mit: „In Paris am Lycée Carnot tagten am 5. November 1977 um 15 Uhr der Vorstand der Internationalen Liga der Esperantolehrer (ILEI) (Sonnabend – Dazzini – Turin – Olsson) und der Sennacieca Asocio Tutmonda (SAT) (Weltweite Nationslose Vereinigung) (Lévy – Chevrolat – Dreschmann-Lebec), um die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zu erkunden.
Vizito al Esperanto-Centro en Luksemburgo
(Besuch im Esperanto-Zentrum in Luxemburg)

Nürnberg (pp) – Dr. J. Kondor, Neuwied, der hier bereits einige Male über Esperanto-Ereignisse berichtete, besuchte am 4. und 5. Januar dieses Jahres das neu gegründete Esperanto-Zentrum in Luxemburg. In einigen Fortsetzungen veröffentlichen wir anschließend den Bericht von Dr. Kondor:
Mittwochmorgens, um 8.20 Uhr fahre ich los und nach einer angenehmen Fahrt komme ich etwa 11 Uhr in Luxemburg an. Die Rote Brücke befahrend, musste ich nur einige hundert Meter in die Stadt fahren und erreichte schon das Zentrum, an einem verkehrsreichen Platz, in der Rue des Bains 1 A. Ich stieg gerade aus dem Automobil, als schon in der Nähe Frau Verena Gass, welche gerade von einem Einkaufs-Spaziergang kam, Handzeichen gab. Sie führte mich nach oben in das Büro, das sich im ersten Stock in einem alten Haus befindet und aus zwei Räumen besteht, elegant, modern und bequem möbliert. Einer von ihnen ist für den Chef (Trixini), einer für die Sekretärin, Frau Verena Gass. Ein kleiner Nebenraum dient als Lager, wo Herr Trixini alle verkaufbaren und zu spendenden Esperanto-Sachen sammelt und aufbewahrt.
Bald nach dem Telefonieren kam Herr P.Hj. Kindler (Trixini) und freudig gegenseitig einander grüßend konnte ich von ihm persönlich ausführliche Informationen über das Büro und seine Tätigkeit im ganzen erhalten. Ich erfuhr, daß das Büro am Zamenhof-Abend, dem 16.12.77, feierlich eröffnet wurde. Von dieser Zeit an klingelt das Telefon beinahe ständig, viele Menschen wollen Informationen und Ratschläge bezüglich Esperanto erhalten und Trixini ist bereit, sie sofort in verschiedenen Sprachen (in französischer, englischer, italienischer usw.) zu geben.
Seine Tätigkeit ist zweiseitig, teils für die Kirche, teils für Europa. Passend zu diesen Richtungen haben seine Briefpapiere zwei Gesichter. Diejenigen, welche an politische Stellen und neutrale Organisationen versendet werden, erhalten ein Briefpapier mit dem Grünen Stern, in der Mitte mit dem Buchstaben E und natürlich die vollständige Adresse des Büros.
Die anderen Briefe, die Trixini an kirchliche Stellen und Organisationen sendet, haben den Grünen Stern mit einem Kreuz in der Mitte und natürlich die vollständige Adresse.
Fortsetzung folgt!
Pilo-Press 1978 03 januaro
Pri Luksemburga Esperanto-Centro
(Über das Luxemburger Esperanto-Zentrum)

Bericht von Dr. J. Kondor (Fortsetzung)
Die größte Luxemburger Tageszeitung – Luxemburger Wort – veröffentlicht regelmäßig Informationen über Esperanto. Bspw. erscheint unter der Rubrik „Spezielle Gottesdienste“ allwöchentlich, daß in Fetschenhof-Cents jeden Sonntag um 10:30 Uhr eine Heilige Messe in Esperanto und Latein stattfindet, in einer Einrichtung des Esperanto-Zentrums Luxemburg. Mit Stolz sprach Trixini über seinen Esperanto-Pavillon, welchen er gratis von der Stadt erhielt, um dort Jugendliche und Erwachsene in Esperanto zu unterweisen. Dieses wirklich schöne, moderne Gebäude steht im Fetschenhof, neben der Kapelle, wo immer die Gottesdienste stattfinden.
Ich habe das Glück, beide Gebäude mit eigenen Augen zu betrachten, und ich muß feststellen, daß sie wirklich großartig, elegant und einzigartig in der Geschichte von Esperanto sind. Der Pavillon besteht aus zwei großen Klassenräumen, welche ständig lebhaft besucht, genutzt werden! Trixini selbst leitet zwei Kurse im Pavillon, aber auch andere Sprachlehrer helfen ihm.
Auf dem „Flohmarkt“ macht er, dort verschiedene Propaganda-Materialien, Lehrbücher usw. an interessierte Personen verteilend, große Werbung für Esperanto. Vor Weihnachten lief sie während einer Woche, sonst zu einer bestimmten Zeit. Eines Tages besuchte hier auch die Großherzogin mit dem Sohn seinen Informationsstand und erhielt Informationen über Esperanto.
Fortsetzung folgt!
Pilo-Press 1978 04 januaro
Radio Moskvo disaŭdigos en Esperanto
(Radio Moskau wird in Esperanto senden)

Nürnberg (pp) – Zentraler Arbeitskreis Esperanto, DDR-108 Berlin, informiert:
Sowjetische Gleichgesinnte baten uns, euch über Folgendes zu informieren:
Radio Moskau wird mit der Ausstrahlung in Esperanto beginnen.
Die ersten Versuchssendungen werden sein
1) 4. Februar 1978 (sonnabends), im Rahmen des italienischsprachigen einstündigen Programms: 18:30-19:30 Uhr (MEZ). Esperanto wird gegen 19:00 Uhr erscheinen. Kurzwellen: 41 m, 49 m (7320, 7330, 6140 MHz)
2) Wiederholung am selben Tag 20:30-21:30 Uhr (MEZ) Kurzwellen: 41 m, 49 m (7200, 7320, 7330; 6140 MHz) Mittelwelle: 194 m (1540 MHz)
3) 5. Februar 1978 (sonntags), 19:30-20:00 Uhr (MEZ). Esperanto gegen 19:45 Uhr. Wellen wie unter 2.
Eine Fortführung der Ausstrahlungen hängt vom Echo ab.
Hört zu und schreibt dann umgehend in Esperanto an Radio Moskau, italienische Abteilung, Herrn V.K. Ŝvecov, SU-113 035 Moskau, Pjytnickaja 25, UdSSR.
Letero de Radio Moskvo (Brief von Radio Moskau)
Zum gleichen Thema erhielt Herr Henri Masson, Courbevois, Frankreich, am 9. Januar 1978 einen Brief von Radio Moskau, dessen Übersetzung uns Herr Masson bereitstellte und hier folgend veröffentlicht:
„Wir nehmen an, daß in der Antwort, welche Sie erhielten, unser Kollege seine eigene Meinung über Esperanto ausdrückte, eine Meinung, der man schwer zustimmen kann.
In unserem Land datiert das Interesse an Esperanto auf eine lange Zeit. 1921 wurde in Russland ein Esperantistische Vereinigung geschaffen. 1926 begrüßte Lunatscharski, Volkskommissar für Bildung, einen internationalen Kongreß esperantistischer Arbeiter in Leningrad.
Eine Kommission für Esperanto ist gegenwärtig mit der Vereinigung des Sowjetischen Gesellschaft für Freundschaft tätig. Diese Kommission betreut verschiedene Aktivitäten. Sie nimmt an der Internationalen Bewegung „Esperantisten für den Frieden“ teil; sie gibt die Zeitschrift „Paco“ und eine Menge Artikel „Nome de Paco“ (Im Namen des Friedens) heraus; sie organisiert ein Treffen und internationale Foren zu verschiedenen Themen.
Das Interesse an Esperanto als Hilfssprache wuchs besonders in letzter Zeit. Dies ist völlig verständlich und wir stimmen alles in allem mit Ihnen darüber überein. Die Forscher des Instituts für Linguistik der Akademie der Wissenschaften der UdSSR widmete Esperanto mehrere wissenschaftliche Werke. Beispielsweise verfasste Herr Isaev ein interessantes Buch mit dem Titel „Probleme betreffs der künstlichen Hilfssprache in der Epoche der wissenschaftlich-technischen Revolution“.
Mehr als 10.000 Sowjetbürger haben eine Passion für Esperanto. Man zählt vierzig Romane und viele Gedichte und Amateurtheater von Esperantisten. Die Esperanto-Enthusiasten werden voraussichtlich zu den Olympischen Spielen 1980 in Moskau eine große Arbeit zu tun haben. Sie werden an der Herausgabe eines Wörterbuchs mit gemeinsamen Ausdrücken in Französisch, Englisch, Esperanto und Russisch beteiligt sein.*
Bevor unser Brief schließt, laden wir Sie am 4. Februar 1978 um 18:30 und 20:30 Uhr GMT zu den Wellen ein, um das Programm in Esperanto anzuhören, realisiert von den Aktivisten der Kommission für Esperanto der Vereinigung der Sowjetischen Gesellschaften für Freundschaft, gewidmet* Ihnen und anderen Zuhörern, welche sich für dieses Problem interessieren.
Noto de Pilo-Press (Anmerkung von Pilo-Press)
Im obigen Brief von Radio Moskau spricht die Redaktion über das Grußwort von Herrn Lunatscharski, dem Volkskommissar für Bildung. Es ging um den VI. Kongreß der Weltweiten Nationslos-Vereinigung SAT in Leningrad vom 6. bis zum 10. August 1926.
Herr Lunatscharski adressierte folgendes Grußwort an den SAT-Kongreß:
„Ich muß eingestehen, daß ich selbst nicht Esperanto spreche und die Grundlagen dieser Sprache nicht genügend kenne. In mir leben noch einige apriorische Erwägungen darüber, daß es über den Weg einer künstlichen Sprache zweifelhaft ist, daß man jene einzigartige Sprache der internationalen Kommunikation erschaffen kann, auf welche Esperanto abzielt. Diese Bewegung breitet sich mit unumstößlicher Macht aus und verwandelt sich in eines der ernsthaftesten Phänomene des modernen gesellschaftlichen Lebens. Man kann auch nicht verleugnen, daß die Anhänger von Esperanto sich bewusste Anführer äußerst fortschrittlicher Formen der menschlichen Kommunikation sind, eine gewisse Nähe zur großen kommunistischen Bewegung verspüren, und daß sich unter den Kommunisten manchmal ganze Organisationen der Esperantisten-Bewegung anschließen.
Ich wünsche Esperanto von ganzer Seele eine weitere Annäherung zu den avantgardistischen Formen des Arbeiter-Kampfes und weitere Erfolge.
29.VII.1926 A. Lunatscharski.“
(Aus Sennaciulo, Extra-Ausgabe, November 1926)
Übrigens war Lunatscharski der Ehren-Schirmherr des SAT-Kongresses.
Internacia Lingvo – Internacia Edukado
(Internationale Sprache – Internationale Bildung)
Rotterdam (pp) – Laut offizieller Bekanntgabe Nr. 3 wird das Thema des 63. Esperanto-Weltkongresses in Varna „Internationale Sprache – Internationale Bildung“ sein. Es ist teils von der Bildungs-Empfehlung der UNESCO inspiriert, die zusammen mit der Dezemberausgabe der Zeitschrift Esperanto herauskam.
Pri Luksemburga Esperanto-Centro
(Über das Luxemburger Esperanto-Zentrum)
Bericht von Dr. Kondor (Fortsetzung)
Herr Kindler-Trixini ist oft unterwegs, um in verschiedenen Städten Vorträge über Esperanto zu halten (Meinheim, Koblenz, Ulm, Oberkirch, Oppenau, Konstanz und in Luxemburg selbst bereits mehrmals!). Er hat gute Kontakte zum Chef von Radio Luxembourg, Luxair, zum Direktor von Amnesty International, Holyday Inn, wichtigen Druckereien, der Thomas-Mann-Bibliothek (früher Goethe-Institut in Luxemburg).
Das Tourismus-Büro von Luxemburg gab einen wunderschönen Prospekt in Esperanto unter dem Motto „Entdecke Luxemburg, das grüne Herz Europas“ heraus. Diesen Prospekt sollten unbedingt jene Gleichgesinnten anfordern, die dort den folgenden IKUE-Kongreß besuchen möchten, aber auch diejenigen, welche es überhaupt schätzen würden, ausführliche Informationen in reinem Esperanto über die Sehenswürdigkeiten der schönen europäischen Stadt zu erhalten. Adresse: Tourismusbüro, Luxemburg.
Der Redakteur von Der Junge Europäer bat Trixini telefonisch, just beim Mittagessen, um einen Artikel über Esperanto für seine Zeitung! Auch die Organisatoren des Katholikentages in Freiburg baten Trixini telefonisch, an der Zusammenkunft der Katholiken im September teilzunehmen und deren Programm durch jeweils eine Präsentation und einen Vortrag über Esperanto aktiv zu bereichern.
Abschluss folgt!
Denove pri Radio Moskvo (Nochmals zu Radio Moskau)
Nürnberg/Warschau (pp) – Während des Eintippens von PILO-PRESS erreicht uns ein Expressbrief aus Warschau von Jerzy Uśpieński, in dem auch er uns über die Esperanto-Sendungen von Radio Moskau informiert, über welche wir auf Seite 1 berichten.
Über die Bedeutung der Ausstrahlung schreibt er: „Es ist nicht notwendig, die Wichtigkeit des Ereignisses für euch zu betonen! Selbst wenn irgendwer nicht zugehört hat, soll er/sie schreiben! Man bedauere die Unmöglichkeit zuzuhören und verlange eine Wiederholung der Sendung und eine Einführung von dauerhaften Esperanto-Sendungen. Sehr wichtig ist eine Menge von Echos aus nichtsozialistischen Staaten.“
Über Pilo-Press schreibt Jerzy Uśpieński u.a.: „Bedeutsamster Vorteil von Pilo-Press ist die Vielseitigkeit und immer neue Herangehensweisen an die Fragen. Es ist sehr gut, daß Sie auch die politischen Fragen geschickt einreihen. Ihr PP hat somit eine vielleicht nicht sehr beachtete, aber äußerst wichtige Rolle – sie, die Esperantisten, zu erziehen!“
Televid-elsendo el Munkeno (TV-Sendung aus München)
Ein paar Minuten vor 18 Uhr strahlte das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) am Montag, dem 23. Januar 1978, im Rahmen der „Drehscheibe“ eine kurze Information mit Bildern über die Einweihung des 1. Esperanto-Gastwirtschaft in Bayern aus, worüber wir bereits in der vergangenen Ausgabe berichteten. Insgesamt war es eine gute Sendung, in welcher man nur über Fakten berichtete. Man sah einige bekannte Esperanto-Akteure von München, Augsburg und anderen bayerischen Städten.
Pilo-Press 1978 05 februaro
Por Esperanto-stratoj (Für Esperanto-Straßen)
Saarbrücken (pp-sel) – Die Saarländische Esperanto-Liga (SEL) wandte sich gerade an alle Gemeindevorstände im Saarland, ihnen die Einweihung einer Esperantostraße oder Zamenhofstraße vorschlagend. Die SEL machte auf die Beispiele in der ganzen Welt aufmerksam und schlug als geeigneten Termin den der Eröffnung des Europäischen Esperanto-Kongresses in Saarbrücken zu Pfingsten 1979 vor.
Por ekvilibro inter oriento kaj okcidento
(Für ein Gleichgewicht zwischen Ost und West)
Saarbrücken (pp-sel) – Verbunden mit der Nachricht, daß Radio Moskau beginnen wird in Esperanto auszustrahlen, wandte sich die Saarländische Esperanto-Liga an den Intendanten des Saarländischen Rundfunks, ihn um die Einführung von Esperanto-Sendungen bittend, um die Situation zwischen östlichen und westlichen Ländern ins Gleichgewicht zu bringen.
Pilo-Press 1978 06 februaro
Grava evento – Radio Moskvo sendis en Esperanto
(Bedeutendes Ereignis – Radio Moskau sendete in Esperanto)
Nürnberg (pp) – Die angekündigte Esperanto-Sendung von Radio Moskau fand programmgemäß sonnabends, dem 4. Februar, mit Wiederholungen am selben Tag und sonntags statt.
Man konnte die Erinnerungen von Herrn Podkaminer über seine Esperantist-Werdung als Rotgardist nach dem Ersten Weltkrieg hören, über den SAT-Kongreß im Jahr 1926 und die Worte von Lunatscharski, dem Ehren-Schirmherren des SAT-Kongresses. Weiterhin konnte man etwas über die Entwicklung der Esperanto-Bewegung in der Sowjetunion hören, deren Höhepunkt in den zwanziger Jahren war. Während der Zeit des Krieges und des Kalten Krieges schwieg Esperanto in der Sowjetunion; erst in den fünfziger Jahren lebte Esperanto von neuem auf.
Es folgten einige aktuelle Informationen über Esperanto in diesem großen Land, u.a. die Information, daß die neue Verfassung der Sowjetunion vergangenes Jahr in den dortigen Esperanto-Gruppen umfangreich diskutiert und bereits ins Esperanto übersetzt wurde.
Man vergaß nicht die Olympischen Spiele im Jahr 1980 und die betreffenden darauf abzielenden Arbeiten der Esperanto-Bewegung. Auf Grund der Erfahrungen der Spiele in München und Montreal werden die russischen Esperantisten auf Grundlage der kanadischen Broschüre aus dem Jahr 1976 in Anbetracht der sowjetischen Umstände eine Satzsammlung in Esperanto und anderen Sprachen vorbereiten. Man wird die Broschüre rechtzeitig an die Landes-Verbände für eine Übersetzung in die betreffenden Sprachen senden. Die sowjetischen Esperantisten sind der Sendung zufolge bereit, die weltweiten Esperantisten im Jahr 1980 zu empfangen und sie zu den Wettkämpfen und zu den Städten zu führen.
Zuletzt vergaß man nicht ein Lied in Esperanto. Man spielte ein übrigens sehr leicht verständliches Lied von einer litauischen Schallplatte.
Die gesamte Sendung dauerte za. eine Viertelstunde zum Ende der italienischsprachigen Sendung.
Nia komentario (Unser Kommentar)
Zunächst müssen wir feststellen, daß die erste Esperanto-Sendung aus Moskau vollends erfolgreich war. Tatsächlich war es eine informative Sendung über den Zustand von Esperanto in der Sowjetunion. Sowohl die Erinnerungsworte von Herrn Podkaminer aus Leningrad als auch die Stimmen der Sprecher/innen waren sehr gut hörbar und verstehbar. Besonders überraschte uns die ausgezeichnet vorgebrachte Aussprache des Esperanto durch die Sprecher/innen. Übrigens war Podkaminer einer der Sekretäre des Leningrader Kongresses im Jahr 1926.
Was die Hörbarkeit betrifft, sammelten die Zuhörer in verschiedenen Ländern unterschiedliche Erfahrungen. Doch ein geübter Esperantist verstand es trotzdem ausreichend gut. Vergessen wir nicht, daß die Ausstrahlung in erster Linie an Italien und italienische Hörer gerichtet war. Die Tatsache erstaunte uns, daß sich die Esperanto-Sendung gerade an Italiener wendet. Nun, das Rätsel offenbarte sich mir während der Sendung selbst: Es waren hauptsächlich der Italiener Dr. Renato Corsetti und ein Esperantist aus Mailand, welche die Ausstrahlung anregten – wenn ich die italienischsprachigen Erläuterungen über die Sendung in Esperanto gut verstanden habe. Es war gewiss großartig – auch aus propagandistischen Gesichtspunkten, – daß man einige Male italienischsprachig darlegte, daß es um Esperanto in der Sowjetunion geht.
Zur gleichen Zeit und auf demselben Radiowellen-Band sendet ja Moskau in verschiedenen Sprachen. Es war folglich ein Vorteil, wenn ein Esperantist, welcher die Sendung suchte, ein wenig Italienisch verstand, da die Hörbarkeit – insbesondere auf Kurzwelle – sehr schwierig war. Aber trotzdem, den richtigen Platz auf der Skala findend, war die Ausstrahlung hier in Nürnberg hinlänglich gut hörbar, insbesondere während der Wiederholungen auf der Mittelwelle 194 m. Aber dennoch half eine gewisse Fertigkeit im Radiohören sehr!
Hoffentlich versuchten und erreichten es viele Esperantisten, die gute Sendung aus Moskau anzuhören. Die Sendung war ein guter Anfang. Ob Moskau die Esperanto-Ausstrahlung fortführen wird, nicht nur im Rahmen einer Sprache, sondern an alle Esperantisten gerichtet, sagen wir, in Europa, dies wird zweifellos von dem Echo der Esperantisten abhängen. Nur eine unverzügliche Korrespondenz über die jüngste Sendung wird dies beeinflussen können. Man schreibe daher an
Radio Moskau, Italienische Abteilung, Herr V.K. Ŝvecov, Pjytnitskaya 25 SU-113 035 Moskau, UdSSR.
[:] In der UdSSR war Esperanto zeitweise verboten, wie auch in der DDR. Esperantisten waren daher darauf angewiesen, im Sinne des Systems zu argumentieren. Alle Aussagen blieben letztlich in einem streng vorgegebenen Rahmen. Wie lange gab es nun solche Esperanto-Sendungen aus Moskau? Zumindest sind sie kaum aufgefallen, da recht viele Sprach-Programme ausgestrahlt wurden, deutschsprachige sogar für jeden betreffenden Staat separat. Dies hat nur Sinn, wenn man jeder Gesellschaft voneinander abgegrenzte Inhalte liefern möchte. Sicher war Moskau nicht daran interessiert, die Hörer verschiedener Länder mit den gleichen Aussagen zu versorgen, sonst wäre der Aufwand nicht in dem Maße betrieben worden. Da passt es auch ins Bild, daß die besprochene Esperanto-Sendung eben offiziell nur für Italien bereitgestellt wurde, obwohl sie doch eine weltweiten Sprache nutzte. Auch wenn der Polnische Rundfunk neben seinen Esperanto-Sendungen zeitweise zusätzlich eine Fünfminutensendung ins deutschsprachige Programm legte, ist dies noch lange nicht das selbe. Eine intensivere Recherche ist sinnvoll. [se]
Parlamenta Grupo por Esperanto en Italujo
(Parlamentarische Gruppe für Esperanto in Italien)

Rom (pp) – Der Präsident des Organisations-Komitees des 30. Internationalen Kongresses der Eisenbahner-Esperantisten teilt durch einen Brief vom 19.01.78 mit:
Mit großer Freude teile ich Ihnen mit, daß gestern, am 18.01.1978, in Italien die parlamentarische Gruppe der „Freunde des Esperanto“ entstanden ist.
Die sich zwei Tage zuvor ereignete Regierungskrise begünstigte diese Entstehung gewiss nicht, da das Parlament geschlossen wurde und der Großteil der Parlamentarier zurück nach Hause ging. Überdies fand zeitgleich eine Sitzung des Europäischen Parlaments statt und die betreffenden italienischen Parlamentarier befanden sich im Ausland.
Da jedoch der Einberufende, Senator Alberto Del Nero (Christdemokrat), 30 Briefe von sich Anschließenden erhielt, beschlossen die Anwesenden, die besagte parlamentarische Gruppe sofort aufzustellen, und denselben Senator Del Nero und den anderen sechs Antragstellern die Aufgabe übergebend, die Gruppe bis zu der neuen Sitzung einstweilig selbst zu führen, während welcher man die Satzung billigen wird und man demzufolge den Vorstand wählen wird.
Der provisorische Vorstand besteht aus vier Senatoren (Del Nero, Foschi, Maravalle, Veronesi) und drei Abgeordneten (Bandiera, Nicolazzi, Sanese). Sie sind Mitglieder von fünf verschiedenen Parteien.
Senator Del Nero beabsichtigt, unmittelbar nach der Lösung der Regierungskrise die zweite gesetzgebende Versammlung der „Freunde des Esperanto“ einzuberufen: Da diese bedauerlicherweise schwer zu lösen ist, besteht die beängstigende Möglichkeit von vorgezogenen Wahlen, welche die erreichten Ergebnisse scheitern lassen könnten.
Andernfalls sind wir berechtigt zu sagen, daß Esperanto einen großen Schritt auf dem Weg zum Sieg in Italien machte.
Der folgende Schritt ist nun, ähnliche Parlamentarier-Gruppen im Ausland zu schaffen (nach dem in Italien gegebenen Beispiel, gegeben vom LKK des 30. Internationalen Eisenbahner-Kongresses IFEF – in Zusammenarbeit mit allen lokalen Gruppen der italienischen Esperanto-Föderation) und unmittelbar danach die internationale Parlamentariergruppe zu gründen.
Aus diesem Ergebnis heraus wird der Sieg von Esperanto im Weltmaßstab folgen.
Der Präsident Alberto Menabene
Pilo-Press 1978 07 februaro
Unua Latin-Amerika Esperanto-Kongreso
(Erster lateinamerikanischer Esperanto-Kongreß)
Marilia (pp) – Vom 17. bis zum 22. Juli 1978 wird in der brasilianischen Stadt Marilia (S.P.) der erste Latein-Amerikanische Esperanto-Kongreß stattfinden. Aus einem Rundschreiben der Organisatoren an die Esperantisten in Lateinamerika zitieren wir:
„Wir haben die Freude, euch das hinzugefügte vorläufige Programm und Anmeldeformular für den 1. Latein-Amerikanischen Esperanto-Kongreß in Marilia zuzusenden.
Besondere Beachtung schenkt die AEA unserer Manifestation im Rahmen ihrer Bemühungen, um Esperanto außerhalb Europas zu verbreiten. Darum laden wir euch herzlich ein, teilzunehmen, und wir versichern euch, daß ihr von unserer Seite die maximale Zusammenarbeit erhaltet.“
Vizito ĉe Triksini (Besuch bei Trixini) Bericht von Dr. J. Kondor – Ende
In den wunderschön eingerichteten Räumen bemerkte ich einige beachtenswerte Dinge. An der Wand neben dem Eingang zum kleinen Laden hängt ein Dokument, welches bescheinigt, daß Hansjörg Kindler aus Luxemburg 1976 im Rahmen des Esperanto-Weltkongresses in Athen am Seminar zur Ausbildung von Esperanto-Lehrern nach der Cseh-Methode teilnahm.*
Unmittelbar in seiner Nachbarschaft hängt eine anderes Werbebild über „Jägermeister“. Auf diesem Foto kann man lesen: Jägermeister-Spiegel – „Ich trinke Jägermeister, weil die mir nicht glauben wollten, daß ich perfekt Esperanto spreche, wo ich doch 5 Jahre drüben war“…..
Auf einem Schrank in der Ecke sah ich ein ausgestopftes kleines Krokodil (gekauft auf dem Flohmarkt!), mit einem Schild im Maul: Ne krokodilu! (Krokodiliere nicht!)
Schöne Porzellan-Tassen mit Esperanto-Aufschrift sind auf dem Schrank zu finden, außerdem Esperanto-Zigaretten aus Bulgarien und Esperanto-Wein aus Rheinland-Pfalz. In einem Körbchen stapeln sich Streichholzschachteln mit Esperanto-Aufschrift.
Neben dem Zamenhof-Porträt über dem eleganten Schreibtisch bemerkte ich freudig das Foto von Papst Pius X. und jenes von Maximilian Kolbe, welche beide Esperanto bevorzugten. Hier der Text unter dem Foto von Papst Pius X.:
„Ich sehe in der Sprache Esperanto ein wertvolles Instrument für Kontakte zwischen Katholiken in der Welt. Esperanto hat eine große Zukunft vor sich.“ (1906) Und der Text unter dem Foto von M. Kolbe lautet: „‚Kavaliro Esperanto‘ fände selbst hier in Japan gewisse Erfolge vor….“ (1931). „Eure Teilnahme an der Esperanto-Bewegung gefällt der Unbefleckten*.“ (1937)
Am Rande bemerke ich, daß Trixini in meinem Beisein mühelos, in den Abendstunden schnell und elegant mit Warschau telefonierte, mit Frau Kalina, die ihn im Namen der polnischen Behörden zu einer Vortragsreise durch Polen, verbunden mit Zauberei- und Puppentheater-Vorführungen, einlud. Der Esperanto-Vortrag war vollkommen ausführbar, wenn auch die Entfernung zwischen Luxemburg und Warschau ziemlich weit ist….
Mit diesem Auszug beenden wir die Berichterstattung von Herrn Dr. J. Kondor über einen Besuch bei Trixini in Luxemburg. Wir danken dem Autor herzlich!
Trilanda renkontiĝo en Aachen
(Dreiländer-Treffen in Aachen)
Aachen (pp) – Vom 29.4. bis zum 1.5.78 wird ein Dreiländer-Treffen in Aachen stattfinden. Das provisorische Programm sieht folgende Einzelteile vor:
Sonntag, 30.4.78: Gottesdienst durchgeführt von Pfarrer Kindler. Vortrag oder Runder-Tisch-Diskussion zum Thema: „Aktuelle Probleme der europäischen Integrierung“. Abends: Trixini, der Meister mit dem blauen Stein, zaubert für euch!“
Esperanto en Radio (Esperanto im Radio)
Warschau. Ob es ein Mangel an Personen ist oder andere Motive die Abwesenheit von mehr Esperanto-Themen-Programmen in den Warschauer Sendungen verursachen? Bis jetzt erwarteten wir vergeblich bspw. einen „Einblick durch die Esperanto-Presse“. – Die politischen Themen, welche den polnischen Standpunkt wiedergeben, und die Informationen sind zwar immer aktuell und für einen politisch Interessierten interessant. Jedoch sind die Informationen über Esperanto nicht immer aktuell und neuesten Datums. Neuigkeiten vom Dezember, welche man teilweise bereits in Zeitschriften lesen konnte, sind gewiss im Februar nicht mehr die neuesten. Und warum schwieg Warschau nach der Moskauer Sendung über Esperanto über die tatsächliche Ausstrahlung und deren Inhalt? Hörte wirklich kein Esperantist in Warschau Radio Moskau, der in der Lage wäre, nach Warschau zu berichten? Sicher ist es nicht die Aufgabe von Radiosendern, über andere Sendungen zu berichten. Freilich kommt Konkurrenz und Rivalität* zwischen den einzelnen Stationen vor. Dennoch waren die Moskauer Sendungen über Esperanto wirklich so sensationell, daß sie die Berichterstattung von allen Esperanto-Medien verdienen würden.
[:] Es ist zumindest gut vorstellbar, daß die Beziehungen zwischen Polen und der UdSSR zu dieser Zeit bereits so angespannt waren, daß mit Passivität reagiert wurde. Begeistert war man ja in Polen nicht von der Einflussnahme. Unklar ist, ob es an den ausgewählten russischen Esperantisten lag, oder an der Politik des Kreml. Oder gab es noch eine andere Erklärung? [se]
Esperanto en Radio (Esperanto im Radio)
Relativ wenig und selten hört man gegenwärtig etwas über CED (Zentrum für Forschung und Dokumentation zu Weltsprachen-Problemen). Deshalb war es wohl gut, daß der Esperanto-Express ein Interview mit Dr. Ulrich Lins ausstrahlte. Das „Panorama der internationalen Ereignisse“ berichtete über den Nahen Osten, über das Horn von Afrika und über Europa inkl. aus Belgrad.
[:] Hinweis auf Sendung des Polnischen Rundfunks. [se]
Pilo-Press 1978 08 februaro
Esperanto – ĉu eŭropa aŭ azia lingvo en germana lingvo (Esperanto – ob europäische oder asiatische Sprache – in deutscher Sprache)
In der Übersetzung von Günther Becker will SEL die Broschüre „Esperanto – europäische oder asiatische Sprache?“ von Dr. C. Piron in deutscher Sprache herausgeben. Wie bekannt, erschien die Broschüre im Esperanto-Original bei UEA.
Bestellt Buch-Dienstleistungen bei SEL (Franz-Schubert-Str. 26, D-6602 Dudweiler). Einzeln Bestellende bestellen vorab bei Ludwig Pickel, Buchservice, Nürnberg.
56-a Germana Esperanto-Kongreso
(56. Deutscher Esperanto-Kongreß)
Augsburg (pp) – Für Pfingsten, vom 12. bis 15. Mai 1978, erwartet Augsburg die deutschen Esperantisten und Gäste aus vielen Ländern.
Reagoj – opinioj (Reaktionen – Meinungen)
Nach dem Anhören der Ausstrahlung von Radio Moskau, schrieb ich einen langen Brief an die Redaktion, darin erwähnend, daß die Universitätsgruppe in Münster mehr als 500 Flugblätter über die Sendung verteilt hatte.
Übrigens: Mehrmals wurden während der letzten Monate die Universitäts-Gruppen von Bonn, Berlin und Würzburg ein paarmal erwähnt, doch existieren auch Gruppen in Karlsruhe, Saarbrücken, Darmstadt und Münster. Unsere Gruppe in Münster hat jetzt 25 Mitglieder, 19 von ihnen Mitglieder des DEB oder DEJ. Seit zwei Jahren haben wir ein regelmäßiges Programm mit Vorträgen, Diskussionen und Rede-Runden im Rahmen des Internationalen Zentrums der Universität „Die Brücke“, wo es auch englischsprachige, französischsprachige und spanisch-amerikanische Runden gibt. Am 15. Februar fand ein gemeinsamer Semesterabschlussabend von allen vier Gruppen statt. In Münster gastierten vergangenes Jahr Ausländer aus sieben Ländern. In der Gruppe selbst sind zwei Türken, eine Belgierin, ein Kroate und ein Indonesier. Im April und Oktober werden Intensivkurse für Studenten stattfinden, während der Semester Fortgeschrittenen-Kurse.
Rudolf Fischer, D-4401 Nordwalde
[:] Heute fragt man sich, welche politisch motivierten Erwartungen hinter dem Universitätsgruppen-Aktivismus bei einer solchen Flugblatt-Verteilung standen. 
Denove pri Munkeno (Nochmals zu München)
München (pp) – Nicht nur das ZDF (Das Zweite Deutsche Fernsehen) berichtete am 23. Januar über die Eröffnung der Esperanto-Gastwirtschaft und über Esperanto. Überraschenderweise erschien am 30. Januar während einer Gruppenversammlung eine Mannschaft des Bayerischen Fernsehens, um eine Berichterstattung anzufertigen, die am 4. Februar in der Rubrik „Bayern heute“ des 3. Programms gesendet wurde. Diese Fernsehsendung, in welcher man verschiedene Interviews ausstrahlte, begann mit einem Zitat aus der Radiosendung von Radio Vatikan.
Trilanda renkontiĝo – malĝusta dato
(Dreiländer-Treffen – verkehrtes Datum)
Aachen (pp) – Das Dreiländer-Treffen zwischen BR Deutschland, Belgien und den Niederlanden, über welches wir in Nr. 1/78 von Pilo-Press berichteten, wird nicht vom 29.4. bis 1.5.78 stattfinden, sondern nur am 3. und 4. Juni 1978.
Esperanto en Radio (Esperanto im Radio)
Ich hörte die Kleine Esperanto-Ecke erneut im Rahmen des deutschen Programms. Man zitierte aus Pilo-Press Nr. 6. Doch scheinbar bringt man die Kleine Ecke nach der Sendung um 17:30 Uhr nicht mehr zu Gehör.
[:] Hinweis auf Sendung des Polnischen Rundfunks. [se]
Pilo-Press 1978 09 marto
  Esperanto en radio (Esperanto im Radio)
Radio Portugal. Verschiedenen Informationen zufolge sendet nun Radio Portugal alltäglich einmal in Esperanto, um 22 Uhr (MEZ), 49 m. Leider gelang es uns in Nürnberg bis jetzt nicht, die Ausstrahlung zu hören. Wer kann berichten?
Pilo-Press 1978 10 marto
Por muzikdiskoj, sondokumentoj kaj filmoj
(Zwecks Musik-Schallplatten, Tondokumenten und Filmen)

Brüssel (pp) – Herr Renaud de Saint Moulin von der Esperantisten-Gruppe Brüssel informiert:
Im belgischen Radio bearbeitete und präsentierte ich nun auf Tonband gebrachte acht zehnminütige Sendungen, deren Radio-Verbreitungen jeden Sonnabend um 18 Uhr im März und April stattfinden werden. „Reise durch die Welt mit der esperantosprachigen Musik-Schallplatte“ wird auch um Belgien herum zu hören sein.
In der Sendung werden den zweiminütigen Vorträgen über verschiedene Aspekte des Weltsprachen-Problems, sowie über Esperanto und seine Umsetzungen, hochqualitative esperantosprachige Musik-Schallplatten folgen. Ich verwendete auch einige Tondokumente: Eine Festrede und Grußansprachen bei der Eröffnungsfeier des 49. EWK, die Stimme von Julio Baghy, um in die Esperanto-Literatur einzuführen.
Ich schrieb an den Tonband-Dienst der UEA, um Direkt-Tondokumente zu erhalten oder zu kaufen, doch ich erhielt niemals eine Antwort: Es scheint, daß die Post nicht funktionierte. Trotzdem glaube ich, daß es ein mustergültiges Tonband (in der professionellen Geschwindigkeit 19) mit verschiedenen Tondokumenten geben sollte, damit Informierende schnell, mühelos und lebendig Radiosendungen illustrieren können.
Die UEA und die Landes-Verbände sollten die Produktion von Musikplatten veranlassen (beispielsweise Lieder heiterer Art): Dies wird der Bewegung Geld beschaffen und ist ein Mittel – oder ein zweckdienlicher Vorwand –, um über die Internationale Sprache zu sprechen. Wenn ich mehr der verschiedenen Musikplatten als* hervorragende Begleitung hätte, könnte ich im Belgischen Radio länger über Esperanto sprechen.
Die Esperantisten sind nicht genügend geübt mit der Informierung der ursprünglichen und gegenwärtigen Massenmedien.* Die jungen Leute mögen Musikplatten: Schenken wir ihnen Musikplatten. Viele Personen hören Kassetten: Fertigen wir Kassetten mit esperantosprachigen Liedern und nationalsprachigen Informationen an, die man anhören kann, wenn man die Teller wäscht oder ein Auto lenkt. (Eine billige Kassette kostet annähernd 35 bf, 4 ff, 2,5 gld. oder 1 Dollar).
Die Personen schauen jetzt lange in den Fernseher: Verwenden wir das „Video“-System, um Fernsehfilme zu machen, da in Belgien beispielsweise spezielle Sendungen zu jenen Filmdokumenten existieren. Bei Ausstellungen lesen die Personen nicht immer die verteilten Informationsblätter, und bei Vorträgen ist eine Rede allein ermüdend und unbelebt: Das jetzt sehr effiziente und preiswerte Filmsystem „Super 8“ erlaubt sehr schöne Filme mit Ton. Zu Beginn wird die Bewegung dieses „Super 8“-Material nicht kaufen müssen, da es in verschiedenen Ländern gemeinnützige Vereine gibt, welche es zur Verfügung stellen, und sogar eine Mannschaft.
Man glaubt, was man sieht: Zeigen wir es mit neuen Methoden!
Adresse des Verfassers: Renaud G. de Saint Moulin, 7 ave Henri Dietrich, B-1200 Brüssel, Belgien.
[[ Hört die Esperanto-Sendungen an – schreibt an die Redaktionen!
Lest Esperanto-Zeitschriften – abonniert sie!
Lest Esperanto-Literatur – kauft Bücher!
„Iu“ lingvo en Radio Luksemburgo
(„Irgendeine“ Sprache bei Radio Luxembourg)

Luxembourg (pp) – In der beliebten Sendung von Radio Luxembourg
„12 Uhr mittags“
machte man am 3. März 1978 ein Spiel beziehungsweise interviewte man Priester Kindler (Trixini), aber sagte nicht, was er in Luxemburg macht, außer daß er Priester, Magier und Puppenspieler ist.
Er fragte in „irgendsoeiner“ Sprache: „En kiu lando okazos ĉi-jare la monda futbalturniro?“ (In welchem ​​Land wird dieses Jahr das Weltfußballturnier stattfinden?) Die Hörer von RTL müssen nun eine Postkarte absenden, auf der die Antwort auf die Frage steht, und der Vermerk, um welche Sprache es sich handelt.
Die Adresse ist: „12 Uhr mittags“ Radio Luxembourg, Stichwort „Sprache“, Luxemburg.
Nach der Frage brachte man, um die Sache zu vereinfachen, ein Lied von Olivier Tzaut in dieser Sprache zu Gehör.
Es ist ein Test: Wie viele Personen die Sprache erkannten, und ob auch künftig viele Personen etwas über und in dieser Sprache hören wollen werden.
Denove pri RTL (Nochmals zu RTL)
Lest noch einmal den Artikel auf Seite 2: „Irgendeine“ Sprache bei Radio Luxembourg und im Nachhinein:
Bitte massenhaft antworten (und bedanken)! Schreibt nicht lange Briefe! Es wäre eine große Hilfe für das Esperanto-Zentrum Luxemburg und deren Werbung in Radio und Fernsehen.
Hier nochmals die Adresse: „12 Uhr mittags“ Radio Luxembourg, Stichwort „Sprache“, Luxemburg.
Pri la elsendoj de Portugala Radio
(Über die Ausstrahlungen des Portugiesischen Radios)
Lissabon (pp) – Über die Sendungen des Portugiesischen Radios scheint einige Verwirrung zu herrschen. Einige Quellen sprachen über tägliche Sendungen und auch PiloPress glaubte dies. Doch jetzt vernahmen wir, daß das Portugiesische Radio zwei Tage in der Woche sendet.
Informationen von Dr. J. Kondor zufolge sendet das Portugiesischen Radio folgendermaßen:
Sonntags | Montags
Alle Informationen über die Hörbarkeit und den Inhalt aus den Sendungen richte man an:
Radio Difusao Portuguesa, Internationale Esperanto-Abteilung, R. do Quelhas, Lisboa 1, Portugal.
Homoj, nomoj, eventoj (Menschen, Namen, Ereignisse)
Der Niederländische Esperanto-Kongreß wird vom 6. bis zum 8. April in dem Konferenzort bei Apeldoorn stattfinden. Hauptthema wird sein: Europäisches Parlament und die Sprachen. Namhafte Esperantisten werden mitarbeiten. Informationen erteilt: Esperanto-Zentrum Niederlande, Riouwstraat 172, Den Haag, Niederlande.
Frau Lubelsky-Bernard präsentierte im Januar 1978 ihre Dissertation über „Die Friedensbewegungen und Ideologien in Belgien von 1830 bis 1914“ an der Fakultät für Sozial-, Politik- und Wirtschafts-Wissenschaften der Freien Universität Brüssel. In jener Dissertation erklärte die Autorin auf zehn Seiten, daß Esperanto seit seiner Entstehung mit friedlichen Tendenzen verbunden war, dennoch bildeten bedeutende Esperantisten noch keine Friedensbewegungen. Für die Esperantisten liegt das Interesse in den bibliografischen Anmerkungen. Die Autorin genehmigte alle Übersetzungen oder französischsprachigen Publizierungen ihres Textes oder Auszüge. Man versende zwei Exemplare dieser etwaigen Publizierungen an Renaud G. de Saint Moulin (7, ave Henri Dietrich, B-1200 Brüssel).
Pilo-Press 1978 11 marto
Letero al la Eŭropa Episkopa Konferenco
(Brief an die Europäische Bischofskonferenz)

Luxemburg (pp) – Das Europäische Esperanto-Zentrum Luxemburg unter der Leitung von H. Kindler-Trixini wandte sich vor kurzem in einem Brief an die Mitglieder der Europäischen Bischofskonferenz in Rom. Der Brief lautet:
„Eminenzen, Exzellenzen,
Im Namen der IKUE (Internationale Katholische Esperanto-Vereinigung), als deren Präsidentschafts-Kandidat und als Leiter des kirchlichen und europäischen Esperanto-Zentrums habe ich eine große Bitte an Sie.
Während meiner Unterredung mit Kardinal Knox über die Erlaubnis, die heilige Messe in der internationalen Sprache Esperanto zelebrieren zu dürfen, sagte mir der Präfekt der Kongregation für Riten und Sakramente, daß dieser nun eine neue Regelung für die Erlaubnis der liturgischen Sprache erstellt hat. Vor allem muß sie eine Bischofskonferenz dem Heiligen Papst vorschlagen.
Da es für die Internationale Sprache nicht möglich ist, eine nationale Bischofskonferenz in Betracht zu ziehen, riet er mir, mich an die Europäische Bischofskonferenz zu wenden. Wenn diese es dem Papst vorschlagen würde, hätte auch er nicht weiter Zweifel.
Bis dahin könnten die esperantosprachigen Bischöfe und Priester alles in der Internationalen Sprache sprechen und singen, außer des Kanons, der vorerst in Latein bleiben sollte. Für den katholischen Weltkongreß in Częstochowa und Niepokalanov (Oberprotektor Kardinal Wojtila) wurde die Genehmigung generell erteilt. Da ich beauftragt bin, den 38. IKUE-Kongreß 1979 in Luxemburg vorzubereiten und zu organisieren, wäre ich über eine baldige Entscheidung sehr dankbar.
16 Millionen Menschen sprechen bereits Esperanto, es gibt 40.000 Bücher und 100 Zeitschriften, Radiosender, unter ihnen senden Radio Vatikan und Rom regelmäßig Esperanto, Künstler aus allen Sparten verwenden es, Tausende von Städten, Firmen, Hotels usw. nutzen es schon, man lehrt es bereits an Universitäten, Hochschulen und Schulen, und der Esperanto-Weltbund, die Weltorganisation, ist in ständiger Zusammenarbeit mit der UNESCO, deren Generaldirektor während des letzten Kongresses in Reykjavík eine grundlegende Rede hielt. Seit langer Zeit wächst es über Europa. Die Kirche sollte sich nicht weiterhin diesen Fakten verschließen.
Was ich wünsche, ist Folgendes: Für alle Fälle, in denen Esperanto sprechende Katholiken irgendwo in der Welt zusammenkommen werden, sollte die Liturgie unbegrenzt in der Internationalen Sprache, selbstverständlich entsprechend zugelassener Texte, erlaubt sein.
Die Europäische Bischofskonferenz wird herzlich gebeten, dieses Ersuchen während ihrer Novembersitzung zu behandeln und einen betreffenden Vorschlag dem Heiligen Vater zu unterbreiten.
Falls dies wegen eines Zeitmangels nicht möglich wäre, könnte dieser Punkt eventuell offiziell auf die Tagesordnung der kommenden Sitzung gesetzt werden. Ich werde gern bereit stehen, Ihnen weiteres Informationsmaterial zuzusenden und auch selbst mit dem Präsidenten der Konferenz zu sprechen. Der Bischof von Luxemburg ist schon seit langem sehr gut über Esperanto informiert.
Mit fester Hoffnung, daß unser Ersuchen nicht ohne Ergebnis bleiben wird und mit der Einladung an Sie, Eminenzen und Exzellenzen, den IKUE-Kongreß 1979 in Luxemburg mit Ihrem Kommen zu würdigen, verbleibe ich mit ergebenen Grüßen
H. Kindler.“
Eŭropaj balotoj (Europawahlen)
Mannheim (pp-rr) – Die Südwestdeutsche Esperanto-Liga (SOGELO) wurde bei der Gründungsversammlung am 9. Dezember 1977 im Neuen Schloß von Stuttgart Mitglied der Landes-Kommission von Baden-Württemberg für die Europawahlen. Ende Januar 1978 versendete der Landesbeauftragte für die Europawahlen, Minister Eduard Adorno, die Liste der mehr als 100 Parteien, Institutionen und Vereinigungen, die der Kommission angehören. Auf der Liste befindet sich SOGELO zwischen dem Süddeutschen Rundfunk und dem Südwestdeutschen Journalistenverband.
Sogelo bittet die Gruppen und Einzelmitglieder der Liga, ihre Arbeit in der Landes-Kommission zu unterstützen. SOGELO ruft dazu auf, der sonntägigen Arbeitssitzung in Neustadt beizuwohnen, bei welcher SOGELO über das Arbeitsprogramm für die Europawahlen entscheiden wird.
Pilo-Press 1978 12 marto
Korajn salutojn de – Wim Thoelke
(Herzliche Grüße von – Wim Thoelke)

Wiesbaden-Luxemburg (pp) – Wie viele Esperantisten wissen, las der beliebte deutsche Fernsehmoderator und Quizleiter Wim Thoelke während einer Sendung esperantisch als Struwwelpeter und sprach über die Internationale Sprache (Der Große Preis, Pilo-Press berichtete seinerzeit darüber!)
Trixini dankte ihm dafür und erhielt nun einen Brief und ein Foto. Der deutschsprachige Brief vom 8. März beginnt mit der esperantosprachigen Ansprache „Sehr geehrter Herr Priester“ und endet in Esperanto mit dem Satz „Kun multaj afablaj salutoj, via Wim Thoelke (Mit vielen freundlichen Grüßen, Ihr Wim Thoelke)“. Auch das Foto von Wim Thoelke trägt eine Widmung in Esperanto: Korajn salutojn Wim Toelke (Herzliche Grüße Wim Thoelke).
Pledo por mencio de frekvencoj
(Plädoyer für Erwähnung der Frequenzen)

Kopfschüttelnd las und lese ich in Pilo-Press über die Hörbarkeit von verschiedenen Radiostationen.
Ich habe kein simples Gerät, ich fange auf jedem Millimeter der verschiedenen Bänder Station für Station ein – ich erhaschte sogar Tokio –, aber bspw. nicht ORF, Rom, Stockholm, Sofia und Peking. Schon seit einem halben Jahr versuche und versuche ich es, doch vergebens. Ich suche und suche nicht nur auf einem Band, sondern auf allen 11 Bändern meines Geräts, mit den verschiedensten Antennen.
Hier meine Bitte: Sicher wird es Ihnen möglich sein, in Ihren Berichten über „Esperanto im Radio“ auch Band und Frequenz der betreffenden Station anzuführen, damit man nicht den Knopf über die ganzen Bänder hin und zurück drehen muß. Wenn man sich auf einen kurzen Teil des betreffenden Bandes konzentrieren könnte, wäre die Sache gewiss einfacher und vielleicht erfolgreich. Andernfalls vergeht die Sendezeit zu schnell und dafür ist die Suche zu ungenau.
W. Stockhausen, Rodenbacherstr. 17, D-8770 Lohr
Anmerkung von Pilo-Press: Pilo-Press wird künftig versuchen, das Band und die Frequenz der angehörten Sendungen zu zitieren. Gleichzeitig bitten wir die Radiostationen, in ihren Bulletins sowohl die Bänder als auch die Frequenzen zu veröffentlichen.
Reagoj – opinioj (Reaktionen – Meinungen)
Politikaj artikoloj en Mundo (Politische Artikel in Mundo)
Das Bulletin „Mundo“, Nr. 118 vom 05.03.1978 (Herausgeber: Oskar Svantesson, Skonertgatan 1, S-421 74 Västra-Frölunda, Schweden) veröffentlicht u.a. folgenden Artikel:
„Immer klarer bin ich der Ansicht, daß wir Esperantisten uns am Leben um uns herum orientieren werden müssen. Die Sendungen der Radiostationen von Warschau und Wien wollen dafür anscheinend auch Esperanto nutzen. Sie geben oft Informationen mit mehr oder weniger politischem Anblick. Und es ist ja ganz natürlich, daß wenn wir wünschen, daß unsere Sprache eine internationale Rolle spielen soll, sie auch in politischen Kreisen funktionieren muß. Ein Anfang ist seit langem in den sozialistisch gefärbten Bewegungen gemacht. SAT ist vielleicht grundsätzlich unparteiisch, doch tatsächlich neigt es wahrscheinlich zum Sozialismus. Die Sozialistische Partei von Italien machte den Vorschlag, Esperanto in einer praktischen Verhandlung-Arbeit zu verwenden, und man kann nur bedauern, daß die anderen sozialistischen Parteien nicht weise genug waren, diesen Vorschlag zu unterstützen.
Vielleicht ist zu glauben, daß die Red. von Mundo in politischen Angelegenheiten meint, daß die gemischte Gesellschaft jene ist, welche besser funktioniert, doch ich tendiere zur liberalen Seite. Vom redaktionellen Standpunkt aus ist eine Nachricht eine Nachricht und daher am häufigsten zu veröffentlichen. Der Redakteur muß nicht notwendigerweise anerkennen, was man veröffentlicht.
Aber auf politische Angelegenheiten zurückzukommen. Ich fand in Pilo-Press Artikel, welche ich als zu publizieren notwendig erachte, und deswegen gebe ich sie hier wieder. Ich hoffe, daß Herr Pickel nichts dagegen hat. Pilo-Press ist ja doch in mancher Beziehung als Esperanto-Nachrichtenbüro tätig. Oso.“
Noto de Pilo-Press (Anmerkung von Pilo-Press)
Selbstverständlich ist jeder Redakteur berechtigt, Informationen und Artikel aus Pilo-Press zu reproduzieren. Pilo-Press ist doch vornehmlich ein Informationsdienst.
Esperanto en la radio (Esperanto im Radio)
Wien. Der Kommentar dieser Woche von Dr. Alfred Macher, gelesen von Dr. Karl Beckmann und Herrn Bronec, behandelte brennende Probleme: Die Entführung von Aldo Moro in Italien und das Massaker in Israel und im Libanon aus österreichischer Sicht, wonach ein Missklang zwischen Wien und Jerusalem aufkam. Dem Kommentar zufolge kann eine friedliche Lösung nur ein Heimatland für die Palästinenser garantieren. Frage von Pilo-Press: Wo soll dieses Heimatland sein? Nach unserer Meinung haben auch die Juden das Recht auf ihr Heimatland in Palästina! – Es folgte der zweite Teil der einleitenden Worte von Dr. Hartl zu seiner Broschüre 4. Die Ausstrahlung war in Nürnberg bei beiden Sendungen gut hörbar, so am 18. und am 19. März, um 17:45 Uhr bzw. 6,45 h, auf Welle 48,74 m = 6155 kHz. Adresse: ORF, Esperanto-Sendung, A-1136 Wien.
Warschau. Es scheint, daß Warschau die Taten der „Roten Brigaden“ in Italien verurteilt, deren Anhänger vermutlich den christ-demokratischen Politiker Aldo Moro entführt haben. Aus den Informationen und Kommentaren kann der Zuhörer ebenso auch die Verurteilung von Israel als Aggressor gegen den Libanon nach dem Massaker am Sonntag durch palästinensische Terroristen auf der Meeresstraße in Israel feststellen. Es besteht kein Zweifel – den Sendungen zufolge –, dass die polnische Regierung und die offizielle öffentliche Meinung mit den Arabern und Palästinensern sympathisiert. Aus den Informationen des 17.3.78 erfuhren wir auch, daß Moskau die Ergebnisse von Belgrad positiv bewertet. (Im Westen hören wir allerdings andere, oft entgegengesetzte Stimmen!). – Während des Briefkastens kam eine bedauerliche Mitteilung: Die Kleinen Esperanto-Ecken im Rahmen der deutschsprachigen Sendungen werden künftig nicht mehr ausgestrahlt. Sie erfüllten ihren Zweck – sagte man in Warschau, trotzdem ist die Meinung von Pilo-Press, daß dieser Abbruch eine gewisse Niederlage der deutschen Esperantisten ist, welche diese Kleinen Ecken zu sehr vernachlässigten. Umso mehr wird es jetzt nötig, das allgemeine Esperanto-Programm aus Warschau zu unterstützen, um nicht die Häufigkeit der Sendungen zu gefährden. Eine erfreuliche Information ist, daß im Februar die meisten Zuschriften aus der BR Deutschland kamen (98), den zweiten Platz hält mit 84 Korrespondenzen die DDR.
Pilo-Press 1978 14 aprilo
56-a Germana Esperanto-Kongreso Augsburg 1976
(56. Deutscher Esperanto-Kongreß Augsburg 1976)

Augsburg (pp) – Wir laden erneut alle deutschen Esperantisten und ausländischen Gäste ein, zu Pfingsten am 56. Deutschen Esperanto-Kongreß in Augsburg teilzunehmen. Nun drängen die Anmeldung und Bestellung von Zimmern und Ausflügen.
[[ Wenn ihr der Ansicht seid, daß die Tätigkeit von PILO eure Unterstützung verdient, dann lade ich euch ein, Pilo-Press (PP) und Eŭropa Esperanto-Revuo (EER) zu lesen und zu abonnieren. Jährliche Abonnement-Kosten für PP 30,- DM und für EER 16,- DM. Gern nehmen wir auch Geldspenden an, die wir für Leser in nicht zahlungskräftigen Ländern einsetzen. Ludwig Pickel, Postfach 2113, D-8500 Nürnberg 1, PK. Nürnberg 819 56-851.
Por pli batalema sinteno (Für eine kämpferischere Haltung)
Paris (pp) – Der Internationale Pressedienst des SAT-Freundeskreises informiert:
Obwohl hauptsächlich auf das eifrige Studieren der Probleme zur Verbreitung von Esperanto in französischsprachigen Ländern abzielend, taten sich zum 33. Kongreß von SAT-Amikaro (Laborista Esperanto-Asocio, 67, avenue Gambetta, F-75020 Paris) in Rennes 132 Teilnehmer zusammen.
Die Debatten des Kongresses ergaben die einstimmig angenommenen hier folgenden Resolutionen:
3 – Der Kongreß unterstützt den Gesetzentwurf Nr. 1667, der auf die Einführung der Internationalen Sprache Esperanto als fakultative Sprache im Sekundarstufe-Unterricht* abzielt,
– stellt fest, infolge zahlreicher Kontakte mit Vertretern von Organisationen für das Überleben der bretonischen Sprache und Kultur, daß der Gebrauch der Sprache Esperanto in allen Fällen zu einer Entwicklung der ethnischen Sprachen und Kulturen beitragen soll.
Citaĵo el Leterkesto de ORF-Wien 1978-03-25/26
(Zitat aus dem Briefkasten von ORF-Wien 25./26.03.1978)
„Eŭropa Esperanto-Revuo“ Nummer 1 präsentiert den dritten Teil des herausragenden Artikels „Die Stellung von Esperanto im Hörrundfunk“, ein wahrhaft historisches Dokument, in dem Antonio De Salvo die Gründe und Zusammenhänge der betreffenden Probleme scharfsinnig durchdringt. Die selbe Ausgabe enthält auch zwei Nachdrucke aus unseren Programmen. Weitere finden wir in „Pilo-Press“, Nummer 12.
Citaĵo el Esperanto-Ekspreso de Pola Radio de la 2.4.78 6,00 h (Zitat aus Esperanto-Express des Polnischen Radios vom 02.04.78 6:00 Uhr)
Pola Radio sprach in der Rubrik „Aus der Esperanto-Presse“ über die März-Ausgabe der Zeitschrift „Esperanto“, die Ausgabe 1 von Eŭropa Esperanto-Revuo und die neue – mit einer Verzögerung von einem Jahr erscheinende – Ausgabe von Pola Esperantisto.
Über Eŭropa Esperanto-Revuo sagte Barbara Pietzrak u.a.: „Selbstverständlich ist die Rubrik ‚Esperanto im Radio‘ in Eŭropa Esperanto-Revuo viel umfangreicher und behandelt verschiedene Probleme der die Internationale Sprache verwendenden europäischen Radiostationen. Im Rahmen derselben Rubrik wurde der dritte und zugleich letzte Teil eines Artikels von Antonio De Salvo ‚Die Stellung von Esperanto im Hörrundfunk‘ zum Vorschein gebracht. Natürlich präsentiert Herr Antonio De Salvo in seinen Ausbreitungen das Problem vom Standpunkt der geradezu amateurhaften Arbeit seitens des Esperanto im Radio aus.* Wie wir bereits mehrmals unterstrichen, man kann, die gleiche Arbeit unter professionellen Bedingung betrachtend, nicht mit allen Meinungen einverstanden sein.
Esperanto en Radio – Recenzo de aŭskultanto
(Esperanto im Radio – Rezension eines Hörers)
Dr. J. Kondor schreibt über die Sendungen in Esperanto:
Portugiesisches Radio antwortete mir bereits ein drittes Mal brieflich, sie sind wirklich höflich! Letztes Mal fing ich sie vor 21:30 und 22:00 Uhr ein, ausreichend klar und gut, auf der Wellenlänge 49 m!
Bei Pola Radio bedauere ich sehr, daß Ihr statisch* gemachter Programmteil (PP) in letzter Zeit fehlt oder nur sporadisch etwas erscheint. Alles in allem habe ich den Eindruck, daß Pola Radio das Esperanto-thematische Programm reduziert und das die Landes-Angelegenheiten betreffende Thema mehr dominiert (was seitens des Staates verständlich ist, aber viele Esperantisten wollen nicht verstehen, daß ein staatlicher Rundfunk an erster Stelle seine Wirtschaft, Kultur, Geschichte und nicht Esperanto verbreiten will!). Dennoch denke ich, daß Pola Radio in dieser umfassenden und reichhaltigen Skala von Sendungen auch Zeit für E-thematische Programme finden könnte oder sollte (wie bisher!)
Pilo-Press 1978 15 aprilo
Amadou-Mahtar M’Bow pri Esperanto
(Amadou-Mahtar M’Bow über Esperanto)
Luzern (pp) – Ende März fand in der Schweizer Stadt Luzern die Zusammenkunft des Internationalen Verbandes der Esperanto-Lehrer statt. Am 30. März 1978 sprach bei dieser Zusammenkunft Herr Amadou-Mahtar M’Bow, der Generaldirektor der UNESCO, auf Französisch über die Sprachprobleme in mehrsprachigen Vereinigungen, hauptsächlich in der UNESCO. Diesem Vortrag wohnte auch Günther Becker, Blieskastel, ehemaliger Generalsekretär der UEA, bei, welcher uns über die Rede und die Veranstaltung informierte.
Dr. A. Baur, Winterthur, Chefredakteur einer Schweizer Zeitung und Esperanto-Sprecher beim Schweizer Kurzwellenradio, der als Journalist bei der Veranstaltung anwesend war, stellte die Frage, warum der Generaldirektor der UNESCO als Lösung der Sprachprobleme in jenen Vereinigungen nicht Esperanto vorschlug, obwohl er doch beim Esperanto-Weltkongreß in Reykjavík zugegen war? Auf diese Frage antwortend sprach Herr Amadou-Mahtar M’Bow Esperanto gegenüber gewogen, über seine Erfahrungen in Reykjavík, über den Kampf der Esperantisten gegen sprachliche Diskriminierung und über die Beziehungen zwischen UNESCO und UEA – über beinahe zehn Minuten.
[:] Wo blieb die Antwort auf die gestellte Frage? Auch wenn ein Kommentar überflüssig ist. Diese Nichthandlung eines UNESCO-Vorsitzenden lässt sich nur so erklären: Er will es mit niemandem verderben. Er lässt Esperantisten Esperantisten sein, es ist ja ihre (private) Sache. Doch er will sich in anderen Zusammenhängen nicht lächerlich machen. Also handelt er nicht so, wie es vielleicht von Esperantisten gehofft wurde. Ein Beispiel für inkonsequentes Handeln. Und so läuft die Angelegenheit oft ab. [se]
Jarraporto de Belga Esperanto Federacio
(Jahresbericht des Belgischen Esperanto-Verbands)
Mortsel (pp) – Aus dem Jahresbericht 1977 des Belgischen Esperanto-Verbandes zitieren wir:
„1977 war, zumindest nach meiner Meinung, etwas lebhafter als die vorherigen Jahre, sowohl auf Föderationsebene als auch auf dem Tätigkeitsfeld in der Gruppe…..“
Den Jahresbericht begleitet ein „moralischer Bericht des Sekretärs“ des BEF, den wir in der nächsten Ausgabe der Eŭropa Esperanto-Revuo veröffentlichen werden.
Pliaj informoj el Belgio (Weitere Informationen aus Belgien)
Mortsel (pp) – Der Belgische Esperanto-Verband informiert:
Unser Vorstandsmitglied, Grégoire Maertens, Vorstandsmitglied der UEA für Finanzen, welcher letztes Jahr zum Kabinetts-Attaché beim Finanzminister in unserem Land befördert wurde, erhielt jetzt von der Europäischen Kammer für die Entwicklung von Handel, Industrie und Finanzen das Berufsdiplom mit Goldmedaille für die Initiative und Leitung des Europäischen Esperanto-Zentrums in Brüssel.
An Grégoire unsere aufrichtigsten Glückwünsche und Wünsche für weiteres Gelingen.
Reagoj – salutoj (Reaktionen – Grüße)
Sehr herzlichen Dank für das Erscheinen des schönen Titelfotos von uns zwei Radioaktivisten in EER Nr. 1/78.
Heute erhielt ich auch zwei Exemplare von PILO-PRESS 13/78, wo bereits eine Information über einen Wechsel unserer Zagreber Radio-Ausstrahlungen erschien. Selbstverständlich ist PILO-PRESS erneut die Erste, welche dies erscheinen ließ. Niemand vermag Sie bezüglich schneller Informationen zu besiegen!
Zagreb, den 6. März 1978
Sehr herzlich Emilija Lapenna
[[ Vergesst nicht, den Esperanto-Radiosendern zu schreiben!
Gravaj ŝanĝoj en Ĉinio (Große Veränderungen in China)
Nach der „Liquidierung der Viererbande!“ in China finden wichtige Veränderungen statt. China öffnet sich zum Westen, zur Welt. Diese Veränderung bemerkt man in der Veröffentlichungs-Tätigkeit des Fremdsprachen-Verlags in Peking, in der Zeitschrift „El Popola Ĉinio“ (Aus Volkschina) und nun auch in den Esperanto-Sendungen von Radio Peking.
Pri la Beograda renkontiĝo kaj la neŭtrona bombo
(Über das Belgrader Treffen und die Neutronenbombe)
Sind die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und das Belgrader Treffen, welches erst am 9. März endete, schon vergessen?
Pola Radio sendete ja umgehend nach dem Abschluss des Belgrader Treffens einen kurzen Kommentar und stellte nachher – in seinem Informations-Journal – fest, daß Moskau die Ergebnisse von Belgrad positiv bewerte. Doch danach herrschte Stille betreffs Belgrad. Sind Helsinki und Belgrad momentan „verschmähte Themen“?
Das Abschlussdokument von Belgrad ist nur kurz, es enthält hauptsächlich bereits bekannte Feststellungen ohne viel künftige Wirksamkeit. In dem Dokument allerdings „wurde anerkannt, daß der Austausch von Meinungen in sich selbst ein wertvoller Beitrag für das Erreichen der von der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit fixierten Ziele ist, obwohl unterschiedliche Meinungen zum bis jetzt erreichten Grad der Verwirklichung der Schlussakte ausgedrückt wurden“, doch man kann auch feststellen, daß „über die Zahl der dem Treffen unterbreiteten Vorschläge keine Übereinkunft erzielt wurde“.
Weniger hörte man in letzter Zeit in den Esperanto-Sendungen von Pola Radio über Entspannung in Europa, die in den vorherigen Monaten oft als „unumkehrbare“ Tatsache angeführt wurde. In den letzten Wochen vollführte auch Pola Radio eine intensive Kampagne in Informationen und Kommentaren gegen die Neutronenbombe. Das Recht auf ein Leben in Frieden dominiert die Warschauer Sendungen. Auch der ORF Wien bezog in seiner letzten Sendung kommentierend Stellung zur Neutronenbombe und den gefährlichen Orten in der Welt. Wir meinen ebenfalls, daß ein neuer SALT-Vertrag zwischen USA und SOWJETUNION sowie politische Lösungen in Afrika und im Nahen Osten notwendig sind. Nichtgebrauch von Gewalt gelte in ganzen der Welt – im Interesse der leidenden Menschen und im Interesse von Esperanto, das nur in einer friedlichen Welt gedeihen kann.
Der Esperanto-Express des Polnischen Rundfunks erinnerte an den 4. April 1959, als erstmals um 16:30 Uhr aus Warschau Esperanto ertönte. Die E-Sendungen aus Warschau sind somit 19-jährig geworden. Zu Ehren dieses Datums strahlte man einen Auszug aus der authentischen ersten E-Sendung aus. Demnach sind die E-Sendungen aus Warschau die Fortführung des Werkes von Dr. Zamenhof. – In Nürnberg hörten wir gut Portugiesisches Radio, Radio Vatikan, Rom und Schweizer Radio.
[:] Dies ist vermutlich die letzte Veröffentlichung von Ludwig Pickel. Die Geschichte liefert einige Beispiele für Presseerzeugnisse mit dem Schwerpunkt Europa und Esperanto, die auch häufig in Esperanto verfasst wurden. William Thomas Stead, der unser Thema in Ansätzen streifte, ging mit der Titanic unter. Josef Zauner beendete sein UŜE-EĤO wohl auch wegen der politischen Verhältnisse. Ludwig Pickel wandelte die DEB-Zeitschrift GERMANA Esperanto-Revuo zur Eŭropa Esperanto-Revuo, dazu verbreitete er die wöchentlich erscheinende Pilo-Press. Mit seinem Leben endeten zugleich diese Publikationen. Das bei der Eŭropa Esperanto-Unio herausgegebene Eŭropa Bulteno überlebte Zlatko Tišljar nicht. Die Autoren beschrieben unsere Sache in ihrer jeweiligen Zeit. Damit haben sie uns wichtige Einblicke in die jeweiligen Zustände der Gesellschaften gegeben. Inzwischen hat sich auch die Form der Medien verändert. Doch das zugrundeliegende Angebot fehlt auch aktuell.
Waran liegt das? Da zu wenige Menschen die Bedeutung der Internationalen Sprache Esperanto verstehen, ist auch die Zahl der für ein solches spezielles Projekt geeigneten Akteure zu gering. Sie müssen ja einige Voraussetzungen mitbringen, nicht nur fachlich in Bezug auf Journalismus, sondern auch in der eigenen politischen Haltung. Es bringt nichts, Menschen aus den politischen Rändern zu gewinnen, nur um die Sache Esperanto voranbringen zu wollen. Nein, die Mitarbeiter müssen zwangsläufig Bewusste Europäer sein.
Kurz: Ob es voran geht, liegt also immer an einzelnen Personen. Zu wenige Menschen sind für Esperanto aktiv. Nur ein Teil davon ist für Europa aktiv. Nur ein Teil von jenen ist in der Lage, ein solches Medium in Betrieb zu halten.
Die genannten Personen haben sich  voll eingebracht. Bemühten sie sich umsonst, sind sie gescheitert? Auf keinen Fall! Wir können aus den Fehlern der beschriebenen Gesellschaften lernen.
Ob auch weitere nicht deutschsprachige Personen in anderen Quellen noch aufzufinden sind, ob die reine Zahl der Deutsch-Sprachigen eine gewisse Einseitigkeit hervorbringt, oder ob die Lage mitten in Europa zu einer tieferen Auseinandersetzung mit dem Thema führt, kann im Moment nicht geklärt werden.
Ludwig Pickel war zu einer Zeit in einem Milieu tätig, das eine Reihe weiterer Europa-Esperanto-Aktiver vorweisen kann. Ich bin übrigens froh, daß ich Trixini noch erleben durfte. Allerdings wusste ich damals noch nicht, wie nah er am Thema Esperanto für Europa war. [20261029se]
Hier eine sicher unvollständige Liste der Aktiven:
eo.wikipedia.org Ludwig Pickel
esperanto.fandom.com Dr. Werner Bormann
de.wikipedia.org Prof. Dr. Helmar Frank
eo.wikipedia.org Hermann Behrmann
de.wikipedia.org Hansjörg Kindler (Trixini)
de.wikipedia.org Richard Schulz (Eo-ist)
de.wikipedia.org Heinz Max Bleicher (Bleicher-Verlag)
bitarkivo.org PILO-Press

Leider wurden folgende Ausgaben der Eŭropa Esperanto-Revuo nicht vorgefunden:
1976 01 januaro februaro Jarkolekto 2 (29)
1977 04 aprilo Jarkolekto 3 (30) vorletzte Ausgabe
1978 01 januaro Jarkolekto 4 (31) letzte Ausgabe
Bitte beachten. Die zumeist Esperanto-Texte der GERMANA Esperanto-Revuo, der Eŭropa Esperanto-Revuo, sowie ergänzend aus Pilo-Press, werden hier gekürzt und oft nicht wortgetreu wiedergegeben. Es lohnt sich also, die Quellen zu erforschen. Um Fehler zu vermeiden, wurden Teile der Vorlagen maschinell übersetzt (Dialect/GoogleTranslate) und später nachbearbeitet. Es sollen nur die wesentlicheren Aussagen in möglichst flüssiger Form wiedergegeben werden. Dabei werden die Inhalte sachlich richtig wiedergegeben. Diese Vorgehensweise mag vom Üblichen auch bei de.e-d-e.eu abweichen, sie ist aber in diesem Fall wohl optimal. Beachten Sie bitte diese Information und sehen Sie die Sache etwa so, als würden Sie sich z.B. einen Spielfilm ansehen.
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VOR-Geschichte 1953: ESPERANTO-POST
VOR-Geschichte 1955: Germana Esperanto-Revuo
eo.wikipedia.org Germana Esperanto-Revuo

1975: Eŭropa Esperanto-Revuo
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