Vorläufer von Europa - Demokratie - Esperanto - Kalter Krieg

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1948: Esperanto zwischen den Mächten


Nach dem zweiten Weltkrieg wurde in Dresden eine Zeit des Aufbruchs wahrgenommen. Die Esperantisten waren froh, wieder für ihre Ideen demonstrieren zu dürfen, was sie dann am 1. Mai 1948 auch taten. Im "Zentralverordnungsblatt" vom 12. Januar 1949 wurde die Auflösung aller Vereinigungen und die Einstellung von Esperanto-Sprachecken in Zeitungen und Zeitschriften erklärt. Bis 1965 war es dann schwer, sich zu Esperanto zu bekennen. Autoritäre Systeme haben wohl ein Problem mit der Sprache und deren Einfluß wirkt bis heute nach.
ESPERANTO - DIE BRÜCKE ZU ALLEN VÖLKERN, das gilt auch in der EU.

 

1980: Nachdenken über Europa

Im Bleicher-Verlag erschienen Bücher wie "Europäische Hochsprache oder Sprachimerialismus?" von Richard Schulz. Seine Ausführungen mögen umstritten sein, ich finde die Grundidee jedenfalls überzeugend. Im Vortrag link "Europa und Esperanto" vor der Gesellschaft für deutsche Sprache (25.03.1980) macht er die Problematik deutlich und zeigt die Lösung auf.

 

1984: Esperanto in kleiner Europapartei

Immer wieder gibt es Ansätze, die gemeinsame Sprache ins Europaspiel zu bringen. So auch in der Europäischen Föderalistischen Partei EFP. Doch immer, wenn Esperanto nur ein Unterthema ist, wird es verdrängt! Außerdem haben es Proeuropäer schwerer als gedacht, zu Wort zu kommen.

 

2001 / 2002: Welches Europa wollen wir / Weltoffenes Dresden

Thematische Veranstaltungen besuchte ich gern auch schon vor der EDE-Gründung. Am Freitag, dem 21.09.2001 20:00 Uhr wurde in der Unterkirche der Frauenkirche ein Podiumsgespräch zum Thema Europa geführt."Welches Europa wollen wir" wurde kirchlich und städtisch für Jugendliche aus Partnerstädten organisiert. Sehr voll war es nicht, außer den jugendlichen Teilnehmern gab es nur wenige Gäste. Unser CDU-Europabeauftragter aus Dresden war beteiligt. Als ich über meine Identitäten sprach, bekam ich von seiner Tischnachbarin aus München sogar Applaus. Das Problem einer fehlenden gemeinsamen Sprache wurde bereits benannt. Ich ging darauf ein und sagte, diese Sprache gibt es schon. Da wurde noch interessiert zugehört. Als das "Un-"Wort Esperanto fiel, fielen auch die Jalousien der Zuhörer. Eine Jugendliche wollte lieber mit Händen und Füßen sprechen und fanden die Idee Esperanto gar nicht toll. Der Dolmetscher sagte mir danach recht nachvollziehbar, es läge an den wirtschaftlichen Bedingungen. Naja, wir wissen das. Die Beteiligten empfanden das Thema als Störung, trotz (oder wegen) der großen Nähe.
"Weltoffenes Dresden" war Thema einer Diskussionsrunde am Donnerstag, dem 07.03.2002 19:00-22:00 Uhr. Zur Gemeinschaftsinitiative von Lokale Agenda 21 für Dresden e.V. und Infineon Technologies waren hochrangige Diskussionspartner eingeladen. Oberbürgermeister Roßbergs Forderung lautete: "Dringend brauchen wir mehr Öffnung nach Europa und ein wirklich weltoffenes Dresden". Ziel war, unterschiedlichste Vertreter und Disziplinen zusammenzuführen und auf diese Weise nachhaltige Projekte und Initiativen zu entwickeln. Daß Esperanto sowohl zur Geschichte der Stadt gehört als auch ein Zeichen für Weltoffenheit ist, konnte ich einbringen. Aber auch dort fehlte das tiefere Verständnis, trotzdem ein passender Ort und eine passende Zeit. (SE 12.07.2009)

 

Ein kritischer Blick auf die EU

Mit welcher Ratlosigkeit die EU-Offiziellen für die eigentlich gute Idee eines geeinten Europas argumentieren, ist erschreckend. Daher folgende Reaktion auf diese EU-Werbung:
Blumen - Die schönste Sprache der Welt
Mit Unterstützung der Europäischen Gemeinschaft

Das ist die Antwort der Europäischen Union auf das Verständigungsproblem in Europa. Weitergedacht bedeutet das:
Esperanto - Die "gemeinsamste" Sprache der Welt
OHNE Unterstützung der Europäischen Gemeinschaft

Neben dem reflexartigen Abwehrverhalten bei den EU-Politkern finden sich aber nachdenkliche Bürger, die das Angebot der Zweitsprache Esperanto als Alternative zur bis jetzt verfehlten Sprachenpolitik der EU sehen.

 

Europa - Demokratie - Esperanto

Starke Bestrebungen die politische Dimension der Sprache hervorzuheben findet man in Frankreich, letztlich aber überall in Europa. Einen erneuten Anlauf wird es sicher auch 2009 geben, dann wird man hoffentlich auch in Deutschland ankreuzen können. Zum Thema erschien ein Beitrag in der Mai-Ausgabe (2/2004) von VERDA_SAKSOFONO, dem Informationsblatt des Sächsischen Esperanto-Verbandes.

Zuerst fiel mir Ende 2003 ein Hinweis bei gxangalo.com auf. Da gibt es nun also wirklich die Bestrebung, den politischen Aspekt der Sprache herauszustellen. Gut, dachte ich, eigentlich sehe ich in der Sache einen politischen Hintergrund, nicht ohne Grund wurde Esperanto von Politikern bekämpft, manchmal sogar gefördert. Das aber aus Machtinteressen wohl weniger. Eine Zuordnung ins klassische eindimensionale Links-Rechts-Spektrum erscheint aber schwierig. Die Welt hat sich weiterentwickelt, worauf die Gesellschaften ja oft mit 100 Jahren Verzögerung reagieren. Das Prinzip eines Autos ist doch auch noch das selbe, wie zur Entstehungszeit und Wunder dauern etwas länger.
Immer häufiger fragen sich durchaus gebildete Europäer, auf welche Weise eine künftige Gesellschaft über Grenzen hinweg kommunizieren müsse. So entstehen Vorschläge, wie das Nutzen einer gemeinsamen Sprache, welche natürlich nur Englisch sein könne. Daneben soll eine Adoptiv-Sprache gebraucht werden. Träumereien gibts allerseits. Eine bessere Allgemeinbildung seitens der Bildungsbürger wäre hilfreich.
Anfang des Jahres wurde die Initiative des Vereins Europa-Demokratie-Esperanto e.V. neben Frankreich nun auch in Deutschland aktiv. In kurzer Zeit waren 4000 Unterschriften pro EDE zu sammeln. Im Nahbereich wurde die notwendige Papierarbeit von Heinz Hoffmann in Radebeul, Helga Lorenz in Dresden und vielen weiteren Helfern erledigt. Im Raum Mittel-Ost-Sachsen dürfte das Ergebnis im knappen dreistelligen Bereich liegen. Deutschlandweit wurden um die zweitausend Unterschriften gesammelt.
Ja, es gibt stärkere Interessengruppen in Deutschland. So wird zum Beispiel anläßlich der Europawahl in Zeitungsaufmachung ein Stopp der EU-Osterweiterung gefordert. Aber das würde letztlich zu einer gefährlichen gegenseitigen Abschottung führen. Den Spagat zwischen unseren Idenditäten können wir dank Esperanto bewältigen.
Zur Zeit ist eine politische Kraft für Esperanto in Europa im Entstehen. Auch wenn diesmal die Zahl der erfassten Befürworter für die Europawahl nicht reichte, ein Anfang ist gemacht. Bis zu den nächsten Wahlen ist genug zu tun, gerade im Bereich der Aufklärung. Die erstarrten Medien müssen geöffnet werden. Warum nicht einmal Unterschriften sammeln und damit den europäischen deutsch-französischen Kulturkanal ARTE wachrütteln? Vor Jahren machten sich diese "ARTISTEN" über Anfragen zur Thematisierung z.B. mittels Themenabend lustig. Bei genügend öffentlichem Druck sollte doch eine neue Sichtweise bei den Medienmachern denkbar sein. Warum nicht eine Seite im Videotext? Warum nicht eine monatliche Fünf-Minuten-Sendung mit Informationen in und über Esperanto mit den jeweiligen Untertitelungen?
Früher fragte ich noch nach wenn und aber, ob es alles richtig so ist, sollte ich diese oder lieber jene Partei unterstützen. Die dürfen nicht zu stark, die anderen nicht zu schwach werden. Auch jetzt bin ich unsicher, in welcher Partei die aufgeschlossensten Menschen zu finden sind. Sicher ist jedoch, dass Europa ohne die Kraft Esperanto nicht erfolgreich vor der Geschichte bestehen kann.
Steffen Eitner (Dresden)

 

Mitreden über Europa?

Damit die Idee Europa gelingen kann, müssen die Bürger einfach, gerecht und neutral kommunizieren können. Diese Meinung äußerte ich in der Veranstaltung "mitreden über europa" am 25. Januar im Dresdner Rathaus. Und sicher gibt es auch andere Ansichten. Ich informierte über den Stammtisch, der am Freitag stattfinden wird, auch daß es die Politik der Sprache nicht immer leicht machte. Es gab schon gute Ansätze z.B. in den 20er Jahren in Sachsen. Meine Erwartungen sind hoch, darum meine Frage, ob die Europa-Politiker nicht ihre Verantwortung wahrnehmen sollten und mehr für die Bekanntheit der Sprache Esperanto und Nutzung an Schulen tun sollten. Zu hart formuliert?
Doch die Antworten auf die Frage gingen in andere Richtungen. Meine Überzeugung, daß die Bürger Europas gut miteinander kommunizieren können MÜSSEN, wurde völlig uminterpretiert. Unterstellt wurde nun die Absicht, Esperanto solle Pflicht für alle sein, was doch absolutistisch und undemokratisch sei. Esperanto wäre der Versuch einer Einheitssprache. So etwas wie Esperanto an den Schulen müsse von den Bürgern kommen und so etwas wollen sie sicher nicht. Manchen Zuhörern kamen diese beruhigenden Worte sicher recht, damit brauchten sie sich nicht mehr mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Die wirklich Interessierten hatten da wenig Antrieb, sich offen zu zeigen. Erst eine Zeit nach der Veranstaltung fanden Gespräche statt.
Einigen Europa-Politiker-Aussagen stimme ich gern zu, doch waren sie als Gegenargument gemeint? Daß die Sprachenvielfalt in Europa ein zu wahrender kultureller Schatz ist, daß die deutsche Sprache in der EU zu fördern ist, ja natürlich.
Hätten sich die Politiker informiert, wüssten sie beispielsweise gerade über das Interesse kleiner Sprachgemeinschaften an Esperanto. Warum also diese Distanz? Daß die Verantwortlichen auch nach einer Recherche wirklich ihre Meinung aufrechterhalten würden, möchte ich ihnen nicht unterstellen.
Noch einmal ganz klar. Esperanto war nie als Konkurrenz zu den Muttersprachen gedacht, sondern als neutrale leicht erlernbare Zweitsprache, eben um die sprachliche und kulturelle Vielfalt zu erhalten.
Demokratie bedeutet, auch Minderheitenmeinungen mit Respekt und Ernsthaftigkeit zu behandeln. Es sollte einen echten Dialog geben. Nicht unten fragen dürfen und oben antworten lassen. Nicht von oben den Leuten einreden, sie könnten ja frei entscheiden, wenn dazu unhaltbare Behauptungen in den Raum gestellt werden.
SE 26.01.2007
link Rückblick der Veranstalter
link euroblog bei dradio

 

Regionales Bürgerforum

Die Veranstaltung Regionales Bürgerforum in Dresden fand am 22. Mai 2007 von 13:00-19:00 statt. Sicher, das Interesse an der Teilnahme hielt sich bei einem Teil der zufällig ausgewählten Bürger in Grenzen. Denn nicht jeder lebt für die Politik. Weit verbreitet ist auch das Gefühl, man könne ja nicht viel tun. So wurde es möglich, noch weitere interessierte Bürger in die Veranstaltung einzubinden, was das Niveau sicher erhöhte.
Vorgegeben waren drei Themenbereiche, sicher eine Einschränkung, haben wir doch recht konkrete Vorstellungen zu dem, was noch zu tun ist. Die Esperantisten standen also gut mit einem Text und Infomaterial ausgestattet bereit.
In Gruppen wurden verschiedene Bereiche behandelt, so auch in der nur möglichen Kürze das Thema Esperanto. Die Gespräche waren offen. Kleinere Fragezeichen bei den Beteiligten sind wir gewohnt.
Unter dem Hauptthema -Familie und soziale Sicherung- konnten wir unser Anliegen unter dem Punkt 6 (Identifikation mit Europa) anbringen. Im offiziellen Text erscheint Esperanto zwar am Rande, aber es erscheint. Festgemacht wurden Schlagwörter unter Maßnahmen auf EU-Ebene. Einerseits: "- Kommunikation auf der Augenhöhe" andererseits: "- Esperanto fördern".
Klar, das sieht nach sechs Stunden mager aus. Doch eine gewisse Aufmerksamkeit erregt sicher sogar diese Erwähnung. Es gibt da aber noch unseren Text, als Anhang (s.u.) behandelt. Was wird daraus? Wir werden es beobachten. Am Ende ist es gut, dabei gewesen zu sein. Und im Verhältnis zur Europaveranstaltung im Januar am gleichen Ort eine deutlich bessere Stimmung. Die EU-Politiker von damals, ständig mit ihrer Einflusswahrung beschäftigt, waren nicht anwesend.
SE 23.05.2007
link Europäische Bürgerkonferenzen
link Regionale Bürgererklärung zur Zukunft Europas - Dresden

"Anhang" zur Veranstaltung Regionales Bürgerforum
_DRESDNER BÜRGERPETITION
_ZUR EUROPÄISCHEN BÜRGERERKLÄRUNG 2007

Bürgerbeteiligung auf europäischer Ebene
erfordert eine gemeinsame Sprache,
die keine Nation und keine nationale Kultur bevorteilt.
Um das sicherzustellen, fordern wir die offizielle Förderung der länderneutralen, seit 120 Jahren sich entwickelnden
Plansprache Esperanto,
mit dem Ziel, sich menschenwürdig und direkt auf Augenhöhe verständigen zu können, weil nur so sich die EU-Bürger als Europäer fühlen und an den Entwicklungen der EU teilhaben können.
Kein Mitgliedsland der EU zieht bei dieser Lösung des Kommunikationsproblems einen einseitigen Vorteil auf Kosten der anderen Mitgliedsländer, weil die Plansprache Esperanto länderneutral ist.
Alle Nationalsprachen in der EU werden auch in der Praxis gleichberechtigt und sollen gleich geschützt und gefördert werden.

Zur Realisierung werden folgende Schritte vorgeschlagen:
1. Alle EU-Dokumente werden AUCH in Esperanto übersetzt.
2. Alle Universitäten in der EU nehmen Esperanto (ab 2015) als Fremdsprache in ihr Programm auf.
3. Die Ausbildung von Esperantolehrern wird gefördert.
4. Alle öffentlichen Schilder und Beschriftungen erhalten (ab 2015) nach dem Deutschen bzw. der Nationalsprache die Esperanto-Übersetzung.
5. Die EU-Entscheidungsträger lernen und benutzen (ab 2015) schrittweise Esperanto.
6. Die Medien informieren sachkundig über Esperanto als neutrale Sprache und weisen in geeigneter Weise auf die Esperanto-Kurse im Internet hin.
7. Bei der Personalauswahl werden nicht mehr Englisch-Muttersprachler bevorzugt, sondern Esperanto-Kenntnisse vorausgesetzt (ab 2015).
8. Alle Kinder lernen in der Grundschule zwei Jahre Esperanto (u.a. als Lernhilfe für nationale Fremdsprachen) und erhalten anschliessend fakultative Angebote.
Esperanto.net / Esperanto.de / esperanto-dresden.de